{"id":71789,"date":"2021-04-22T10:30:37","date_gmt":"2021-04-22T08:30:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=71789"},"modified":"2021-05-07T12:06:49","modified_gmt":"2021-05-07T10:06:49","slug":"putins-gleichnis-zur-lage-russlands-mogli-mit-den-woelfen-gegen-den-boesen-tiger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=71789","title":{"rendered":"Putins Gleichnis zur Lage Russlands: Mogli mit den W\u00f6lfen gegen den b\u00f6sen Tiger"},"content":{"rendered":"<p>Der russische Pr&auml;sident Wladimir Putin hat sich in seiner j&auml;hrlichen programmatischen Rede vor allem mit inl&auml;ndischen, sozialen und wirtschaftlichen Themen besch&auml;ftigt. Au&szlig;enpolitisch ging Putin auf einen nach russischer Darstellung versuchten Staatsstreich in Wei&szlig;russland ein. Zudem warnte er angesichts aktueller Eskalationen durch den Westen vor der &Uuml;berschreitung &bdquo;einer roten Linie&ldquo;. Parallel gingen Anh&auml;nger des inhaftierten russischen Oppositionspolitikers Aleksej Navalny auf die Stra&szlig;e. Aus Moskau berichtet <strong>Ulrich Heyden<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nAm Mittwoch hielt Wladimir Putin vor der F&ouml;deralen Versammlung seine allj&auml;hrliche programmatische Rede (<a href=\"http:\/\/en.kremlin.ru\/events\/president\/news\/65418\">&Uuml;bersetzung auf Englisch<\/a>) zur Entwicklung Russlands. <\/p><p>Auff&auml;llig war, dass Putin sich in 80 Prozent der Redezeit mit inl&auml;ndischen, sozialen und wirtschaftlichen Problemen besch&auml;ftigte, f&uuml;r die er konkrete L&ouml;sungen nannte. Im letzten Teil der Rede ging es dann um die Au&szlig;enpolitik, den Versuch eines Staatsstreichs in Wei&szlig;russland und die Ma&szlig;nahmen westlicher Staaten gegen Russland. <\/p><p>Zu der Versammlung in der &bdquo;Manesch&ldquo;, einer Ausstellungshalle direkt vor den Kreml-Mauern, waren Abgeordnete beider Kammern des russischen Parlaments, Regierungsmitglieder, Gouverneure der Regionen sowie Personen des &ouml;ffentlichen Lebens erschienen.<\/p><p><strong>Alle sollen sich impfen<\/strong><\/p><p>Die Corona-Krise in Russland sei noch nicht beendet, man m&uuml;sse aufmerksam bleiben, aber das Schlimmste sei &uuml;berstanden, sagt der Kreml-Chef. Bis zum Herbst k&ouml;nne man eine russlandweite &bdquo;kollektive Immunit&auml;t&ldquo; erreichen. Putin bat die B&uuml;rger, zum Impfen zu gehen: &bdquo;Nur so k&ouml;nnen wir die t&ouml;dlich-gef&auml;hrliche Epidemie stoppen.&rdquo; <\/p><p>Der Pr&auml;sident rief die Regierung auf, ab Juli maximale Diagnose-Kapazit&auml;ten in den Polikliniken zu schaffen. Die Vorsorge bei Herz-, Gef&auml;&szlig;- und anderen schweren Krankheiten sei besonders wegen des Corona-Virus wichtig, das Menschen mit Vorerkrankungen besonders treffe. <\/p><p>Damit die Menschen durch Fahrten in Sanatorien und Kurorte ihre Gesundheit st&auml;rken, werde man bis zum Jahresende das Programm verl&auml;ngern, wonach ein B&uuml;rger zwanzig Prozent seiner Urlaubs-Reisekosten in Russland vom Staat ersetzt bekommt. <\/p><p>Der Aufbau der n&ouml;tigen medizinischen Kapazit&auml;ten und Ausr&uuml;stungen zu Beginn der Corona-Krise sei schnell und erfolgreich bew&auml;ltigt worden, erkl&auml;rte der Kreml-Chef. Man habe die Zahl der Betten f&uuml;r Corona-Kranke auf 280.000 verf&uuml;nffacht. <\/p><p>Wladimir Putin dankte den Medizinern, die ihr Leben riskierten, und er dankte auch freiwilligen Helfern, von denen einige im Saal anwesend waren. Man habe die schlimmste Etappe der Corona-Krise durchgestanden, gest&uuml;tzt auf die Religion, die Einheit des Volkes, die Familie und die Werte Freundschaft und Barmherzigkeit.<\/p><p><strong>Wiederankurbelung der Wirtschaft<\/strong><\/p><p>Jetzt gehe es um die Wiederankurbelung des Wirtschaftslebens, das durch Corona starke Einbu&szlig;en erlitten hat, so Putin. &bdquo;Nicht alle Arbeitspl&auml;tze konnten erhalten bleiben&ldquo;, gestand er ein. <\/p><p>Putin k&uuml;ndigte soziale Hilfen f&uuml;r kinderreiche Familien, Alleinerziehende und Studenten an. Das Programm &bdquo;Mutterkapital&ldquo;, eine staatliche Hilfe f&uuml;r das erstgeborene Kind in H&ouml;he von 7.100 Euro, werde bis 2026 verl&auml;ngert. Eine weitere Hilfe f&uuml;r die Familien sei, dass es seit Anfang 2020 eine kostenlose warme Mahlzeit f&uuml;r die Kinder der ersten vier Schulklassen gibt. <\/p><p>Russische Unternehmer sollen durch Steueranreize zu Investitionen animiert werden. Den verst&auml;rkten Anstieg der Verbraucherpreise seit der Corona-Krise will der russische Pr&auml;sident nicht mit &laquo;dirigistischen Methoden&ldquo;, sondern &bdquo;langfristig wirkenden, marktwirtschaftlichen Methoden&rdquo; bremsen. Dass &bdquo;dirigistische Methoden&ldquo; nur zu &bdquo;leeren Regalen&ldquo; f&uuml;hrten, h&auml;tte sich Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre gezeigt. <\/p><p><strong>Putin: &bdquo;Der Westen verschweigt Versuch eines Staatsstreichs in Wei&szlig;russland&ldquo;<\/strong><\/p><p>Den Versuch eines Staatsstreiches in Wei&szlig;russland habe der Westen komplett verschwiegen, sagte der russische Pr&auml;sident. Worum geht es? Am vergangenen Sonnabend <a href=\"https:\/\/www.ng.ru\/news\/707375.html\">gab der russische Geheimdienst FSB bekannt<\/a>,  man habe in Moskau den Wei&szlig;russen Aleksandr Feduta (in den 1990er Jahren Berater von Pr&auml;sident Lukaschenko) und Juri Senkowitsch (US-Anwalt mit US- und wei&szlig;russischer Staatsb&uuml;rgerschaft) verhaftet. Bei den Ermittlungen habe der wei&szlig;russische Geheimdienst KGB geholfen. <\/p><p>Zu den Bildern von der Verhaftung sendeten die Fernsehsender auch Ausschnitte aus <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=PnOpKYKSW5Q\">einem Video<\/a>. Es zeigt ein mit versteckten Kameras aufgenommenes Arbeitstreffen der sp&auml;ter Verhafteten mit angeblichen wei&szlig;russischen Milit&auml;rs. Das Treffen fand laut FSB im Restaurant Kortschma am Moskauer Gartenring statt. <\/p><p>Zu h&ouml;ren ist in dem Video, auf welchem Wege man die Macht in Wei&szlig;russland &uuml;bernehmen will. Es gehe darum, Pr&auml;sident Aleksandr Lukaschenko zu t&ouml;ten und die Hauptstadt Minsk komplett von der Energieversorgung abzukappen. So etwas sei nur mit einer Cyber-Attacke machbar, sagte Putin. Und mit so einer Aktion w&uuml;rden viele Menschen in Gefahr gebracht. Der Westen habe eine gemeinsame Vorsorge gegen Cyberattacken leider bisher blockiert. <\/p><p>Das russische Fernsehen zeigte auch Bilder von einem Chat, in dem einer der beiden Verhafteten vor einer ganzen Gruppe Gleichgesinnter ungeniert &uuml;ber Methoden spricht, wie man Lukaschenko st&uuml;rzen kann. <\/p><p>Dass bei einem Staatsstreich in Wei&szlig;russland Menschen sterben k&ouml;nnen, interessiere den Westen offenbar nicht. Dabei wisse man doch schon vom Staatsstreich in der Ukraine, dass der ukrainische Pr&auml;sident Viktor Janukowitsch nur mit Gl&uuml;ck am Leben blieb. <\/p><p><strong>Drohung mit &bdquo;asymetrischer Antwort&ldquo;<\/strong><\/p><p>Zur Verst&auml;rkung westlicher Waffen-Kontingente vor Russlands Grenzen sagte Putin nichts. Die Nesawisimaja Gaseta berichtete am Mittwoch, die US-Kriegsschiffe USS Donald Cook und USS Roosevelt h&auml;tten Kurs auf das Schwarze Meer genommen. Auch Gro&szlig;britannien habe &bdquo;zur Unterst&uuml;tzung der Ukraine und ihrer K&uuml;sten&ldquo; zwei Kriegsschiffe ins Schwarze Meer entsandt. <\/p><p>Zur internationalen Situation sagte der Kreml-Chef, Russland werde &bdquo;auf Schritt und Tritt ohne jegliche Gr&uuml;nde angerempelt.&ldquo; Im Westen g&auml;be es einen neuen Sport, wer gegen Russland &bdquo;am lautesten schreit&ldquo;. <\/p><p>Der Kreml-Chef lobte den Schriftsteller Rudyard Kippling. Der hatte im &bdquo;Dschungelbuch&ldquo; das Schicksal des Findelkindes Mogli beschrieben, das im Dschungel von einer Wolfsfamilie aufgezogen wird. Der b&ouml;se Tiger Sher Khan aber will Mogli fressen. Putin sagte: Um Sher Kahn versammelten sich &bdquo;alle m&ouml;glichen Arten von Hy&auml;nen&ldquo;. Alles sei &bdquo;wie bei Kippling. Sie jammern, um ihr Oberhaupt zu bes&auml;nftigen.&ldquo; Mit dem Oberhaupt meint Putin offenbar die USA.<\/p><p>Russland habe auf Angriffe von westlichen Politikern und Medien bisher &bdquo;zur&uuml;ckhaltend reagiert&ldquo;. &bdquo;Frechheiten haben wir uns nicht erlaubt&ldquo;. Russland wolle &bdquo;mit allen Staaten gute Beziehungen&ldquo;. Wer Russlands Zur&uuml;ckhaltung &bdquo;als Schw&auml;che auslege&ldquo;, werde sich aber t&auml;uschen. Wenn &bdquo;eine rote Linie &uuml;berschritten wird, die wir selbst festlegen, wird die Antwort asymetrisch, schnell und hart sein&ldquo;.<\/p><p>Die russischen Streitkr&auml;fte seien auf einem guten Stand. 76 Prozent der Armee-Ausr&uuml;stung sei modernisiert. Bei den Nuklearwaffen betrage der Modernisierungsanteil sogar 88 Prozent. Die neue Hyperschall-Interkontinental-Rakete &bdquo;Avantgard&ldquo; und die neue Laserwaffe &bdquo;Pereswet&ldquo; seien in Dienst gestellt worden. Die schwere Interkontinentalrakete &bdquo;Sarmat&ldquo; werde im n&auml;chsten Jahr in Dienst gestellt. <\/p><p>Putin schloss seine Rede mit einem optimistischen Ton. Russland habe die schlimmste Etappe der Corona-Krise gemeinsam erfolgreich &uuml;berwunden. <\/p><p><strong>Aktionstag der Navalny-Anh&auml;nger<\/strong><\/p><p>Die Anh&auml;nger des inhaftierten russischen Oppositionspolitikers Aleksej Navalny hatten f&uuml;r den 21. April zu einem landesweiten Aktionstag f&uuml;r die Freilassung des Politikers aufgerufen. Navalny befindet sich seit dem 31. M&auml;rz im Hungerstreik.  Damit will er erreichen, dass er &auml;rztliche Hilfe von au&szlig;erhalb des Arbeitslagers bekommt. Der Oppositionelle klagt &uuml;ber ein R&uuml;ckenleiden. Am Montag wurde bekannt, dass der Politiker in ein Krankenhaus in der &ouml;stlich von Moskau gelegenen Stadt Wladimir verlegt wurde.<\/p><p>Gleich zu Beginn der nicht-genehmigten Aktionen waren in Moskau drei f&uuml;hrende Navalny-Anh&auml;nger festgenommen worden, Ljubow Sobol, die Juristin der vom Verbot bedrohten &bdquo;Stiftung zum Kampf gegen die Korruption&ldquo;, die Pressesekret&auml;rin von Navalny, Kira Jarmysch, und der Oppositionspolitiker Wladimir Ryschkow. Nach Angaben des oppositionellen &bdquo;OWD-Infos&ldquo; wurden bis Mittwochnachmittag landesweit 182 Teilnehmer der Protestaktionen f&uuml;r Navalny festgenommen. <\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=71609\">Ukraine-Konflikt: Wie Medien die Realit&auml;t auf den Kopf stellen<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=69807\">Kriegstreiber gegen Russland: Das &bdquo;Spiel mit dem Feuer&ldquo; wird ernst!<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=69417\">Nawalny, Proteste und die Doppelstandards der Medien<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/ef1d52c989f04964ad7ad85db7552ae1\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der russische Pr&auml;sident Wladimir Putin hat sich in seiner j&auml;hrlichen programmatischen Rede vor allem mit inl&auml;ndischen, sozialen und wirtschaftlichen Themen besch&auml;ftigt. 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