{"id":7183,"date":"2010-10-26T08:34:01","date_gmt":"2010-10-26T06:34:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=7183"},"modified":"2014-02-19T11:58:20","modified_gmt":"2014-02-19T10:58:20","slug":"rezension-klaus-doerrematthias-neis-das-dilemma-der-unternehmerischen-universitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=7183","title":{"rendered":"Rezension: Klaus D\u00f6rre\/Matthias Neis, Das Dilemma der unternehmerischen Universit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p>Eine interessante Studie legten die beiden Soziologen an der Friedrich-Schiller-Universit&auml;t Jena vor. Sie untersuchten die Gretchenfrage, ob die &bdquo;unternehmerische Hochschule&ldquo; tats&auml;chlich unternehmerisch erfolgreich ist.<br>\nDas Ergebnis ist ern&uuml;chternd: Das Konzept der unternehmerischen Universit&auml;t <em>&bdquo;mag geeignet sein, das Personalmangement an den Hochschulen zu verbessern und die Ressourcenverteilung transparenter zu gestalten. Doch angesichts der chronischen Unterfinanzierung des Hochschulsystems und aufgrund nicht intendierter Effekte f&uuml;r kollektive Arbeitsprozesse, die Innovation &uuml;berhaupt erst erm&ouml;glichen, kann eine allzu nahtlose Umsetzung des Leitbildes der unternehmerischen Universit&auml;t alte Innovationsblockaden verst&auml;rken oder ganz neue erzeugen.&ldquo; <\/em>(S. 137) Von Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><\/p><p>Die empirische Untersuchung legt ihren Fokus zwar auf akademische &bdquo;Ausgr&uuml;ndungen&ldquo;  (Spin-offs) von drei regional besonders innovationsfreundlich geltenden Hochschulen, n&auml;mlich in Dortmund, Chemnitz und Halle, doch lassen sich die Erfahrungen und Ergebnisse &uuml;ber den engeren Untersuchungsgegenstand ausweiten. <\/p><p>Wie Jede Spielart innovativer Arbeit setzten erfolgreiche Unternehmensgr&uuml;ndungen organisatorische Freir&auml;ume und Gratisressourcen voraus. Innovationsprozesse setzten keineswegs umw&auml;lzende Entdeckungen voraus, es komme vielmehr darauf an, vorhandene wissenschaftliche Erkenntnisse anzuwenden und nutzbar zu machen. Das <em>&bdquo;Anwendungskapital&ldquo;<\/em> liege &uuml;berwiegend bei den Angeh&ouml;rigen des wissenschaftlichen Mittelbaus und der Studierenden. Diesen Entrepreneurs sei gemeinsam, dass es sich i.d.R. <em>&bdquo;nicht um Vollblutforscher&ldquo;<\/em> handelte, sondern sie nutzten die universit&auml;ren Ressourcen (etwa Doktoranden- oder Mitarbeiterstellen) um vorhandenes Wissen praktisch werden zu lassen. (S.139) Professoren spielten bei solchen Gr&uuml;nderinitiativen keineswegs die Hauptrolle. Es seien vor allem die<em> &bdquo;Visible Scientists&ldquo;<\/em> (gesellschaftlich sichtbare Wissenschaftler), die als Mentoren und Unterst&uuml;tzer fungieren, also solche Professoren, die viele Forschungsgelder akquirieren, in der &Ouml;ffentlichkeit pr&auml;sent seien, viele Doktoranden betreuen, Fachkongresse besuchen, internatonale Netzwerke pflegen und dazu noch in den Hochschulgremien den Wandel managen. Durch Ausgr&uuml;ndungen verspr&auml;che sich diese Gruppe von Hochschullehrern  zus&auml;tzliche Anerkennung. Gerade dieser Wissenschaftlertypus, der <em>&bdquo;auf vielen Hochzeiten&ldquo;<\/em> tanze, stehe mit den b&uuml;rokratischen Abl&auml;ufen innerhalb der Universit&auml;ten auf Kriegsfu&szlig;, er geh&ouml;re zu den vermeintlichen Gewinnern des Steuerungsmodells der unternehmerischen Universit&auml;t und wittere hier seine Chancen.<\/p><p>Das Innovationsgeschehen sei jedoch ein <em>&bdquo;kollektiver Arbeitsprozess&ldquo;<\/em> an dem in hohem Ma&szlig;e gerade Nicht-Professoren beteiligt seien. (S. 142) Oftmals s&auml;&szlig;en die potenziellen Unternehmensgr&uuml;nder auf prek&auml;ren Besch&auml;ftigungsverh&auml;ltnissen, also auf befristeten, auf Teilzeitstellen, die schlecht entlohnt und mit geringer akademischer Anerkennung verbunden seien. Man sei auf dem Weg in einen <em>&bdquo;akademischen Kapitalismus&ldquo;<\/em> nach amerikanischem Vorbild, der vor allem auf die vertikale Differenzierung der Hochschullandschaft angelegt und in der Exzellenzinitiative vorgezeichnet sei. Es gebe dabei nicht nur <em>&bdquo;symbolische Gewinner&ldquo;<\/em> sondern umgekehrt auch eine &bdquo;Verliererdynamik&ldquo;. Im Ergebnis w&uuml;rden sich fr&uuml;her oder sp&auml;ter in peripheren Regionen auch vornehmlich periphere Universit&auml;ten befinden. (S. 148) Bei einer solchen Abw&auml;rtsdynamik w&uuml;rden auch die <em>&bdquo;Wissenschafts-Anwendungsnetzwerke&ldquo;<\/em> solcher peripherer Hochschulen ihre Innovationskraft verlieren.<\/p><p>Der neue Steuerungsmodus erzeuge nicht intendierte Effekte, die destruktive auf die kollektiven Arbeitsprozesse zur&uuml;ckwirkten. Selbst die <em>&bdquo;Visible Scientists&ldquo;<\/em> w&uuml;rden sich dabei k&uuml;nftig schwer tun, Freir&auml;ume f&uuml;r Wissenschafts-Anwendungsnetzwerke zu garantieren.<em> &bdquo;Nutzenkalk&uuml;le, die auf eine Einschr&auml;nkung von &bdquo;Kreativit&auml;tszonen&ldquo; hinauslaufen, w&uuml;rden alle denkbaren positiven Effekte des Neuen Steuerungsmodells f&uuml;r akademische Ausgr&uuml;ndungen rasch zunichte machen, denn die kapitalschwachen Unternehmensgr&uuml;nder aus dem Mittelbau w&auml;ren gar nicht in der Lage, sich die n&ouml;tigen Ressourcen ohne professorale Unterst&uuml;tzung zu erschlie&szlig;en.&ldquo;<\/em> Mit Einf&uuml;hrung der Bachelor- und Master-Studieng&auml;nge und der damit einher gehenden Verschulung steige m&ouml;glicherweise die Gefahr von Innovationsblockaden zus&auml;tzlich. (S. 146)<\/p><p>Die Autoren gelangen zu folgender Schlussfolgerung: <em>&bdquo;Einseitig an messbaren Effizienz- und Wettbewerbskriterien ausgerichtete Steuerungssysteme, wie sie den Leitbildern der unternehmerischen Universit&auml;t und eines academic capitalism entsprechen, laufen Gefahr, das Gegenteil von dem zu produzieren, was sie eigentlich beabsichtigen. Sie k&ouml;nnen Innovationen erschweren, ja geradezu blockieren.&ldquo;<\/em> ( S. 153) Denn Innovationen entst&uuml;nden innerhalb der Universit&auml;t als Ergebnis weitgehend ungeplanter Prozesse in Nischen, die sich einer direkten Kontrolle entz&ouml;gen. Sie beruhten auf kollektivem Lernen, setzten Vertrauen und gegenseitige Anerkennung vor. Durch Verschulung des Studiums und strikte Effizienzorientierung gerieten gerade jene assoziativen Arbeitsformen, Freir&auml;ume und Vertrauensbeziehungen unter Druck, die eine zentrale Bedingung erfolgreicher Ausgr&uuml;ndungen und &ndash; &ouml;konomisch messbarer &ndash; Innovationen seien. (S. 153) Innovativ seien hingegen vor allem solche R&auml;ume, die neben Talenten und technologischer Kompetenz auch &uuml;ber eine von erm&ouml;glichender Toleranz gepr&auml;gte Kultur verf&uuml;gten. (S. 164)<\/p><p><em>&bdquo;Das Regime von McKinsey und Co&ldquo;<\/em> beeintr&auml;chtige geradezu die Funktionsf&auml;higkeit der <em>&bdquo;Herzkammer des Kapitalismus&ldquo;<\/em>, n&auml;mlich sein Innovationssystem. <\/p><p>Wenn man diesen Thesen der Autoren folgt, k&ouml;nnte man sagen: Gl&uuml;cklicherweise sind die <em>&bdquo;Kr&auml;fte der Beharrung&ldquo;<\/em> stark genug. Auf der Diskursebene dominiere zwar die Einf&uuml;hrung von Marktmechanismen in das Wissenschaftssystem. Es finde eine <em>&bdquo;kapitalistische Landnahme&ldquo;<\/em> der Universit&auml;ten statt, der mit der &Uuml;bernahme der <em>&bdquo;Gesamtheit von Glaubenss&auml;tzen&ldquo;<\/em> des <em>&bdquo;kapitalistischen Geistes&ldquo;<\/em> verbunden sei. Die Hochschulen konkurrierten in Quasi-M&auml;rkten um finanzielle Ressourcen und symbolischem Gewinn. Dem entspr&auml;chen Steuerungsinstrumente wie Zielvereinbarungen, die Fakult&auml;ten, Institute und einzelne Professoren zu einem Wettbewerb um knappe Mittel und Reputation anreizen sollen.<\/p><p>Andererseits werde die Universit&auml;t durch ein Nebeneinander von marktf&ouml;rmigem Wettbewerb, modifizierten Hierarchien, &uuml;berkommenen st&auml;ndischen Elementen und neuartigen Konzentrationsprozessen von Macht und Ressourcen gepr&auml;gt, (S. 145) die unternehmerische Universit&auml;t werde deshalb in den<em> &bdquo;diversen Arenen des akademischen Feldes allenfalls in modifizierter Gestalt verwirklicht&ldquo;<\/em> (S. 151).<br>\nDie tats&auml;chlichen Machtverh&auml;ltnisse an den Universit&auml;ten blieben in mancherlei Hinsicht unver&auml;ndert (S. 154) Und daran, dass die Mehrzahl derjenigen, die Spin-offs ma&szlig;geblich vorantreiben, aus eher schwachen Statusgruppen stammten, habe sich im Gefolge der &bdquo;unternehmerischen Universit&auml;t&ldquo; nichts ge&auml;ndert.<\/p><p>Im Ergebnis produziere die Konkurrenz der Universit&auml;ten Gebilde, in denen Marktorientierung, z&auml;her B&uuml;rokratismus und das altbekannte Bedienen von Partialinteressen eine Wahlverwandtschaft eingingen. Die Steuerung der Universit&auml;ten durch demokratisch nicht legitimierte Hochschulr&auml;te, in denen h&auml;ufig wirtschaftliche und politische Partialinteressen dominierten, sei nur ein Indiz f&uuml;r eine solche (Fehl-) Entwicklung. (S. 157)<\/p><p>Aber auch den vermeintlichen Gewinner der neuen Steuerungsmethoden werde es durch die <em>&bdquo;Zusatzarbeit&ldquo;<\/em> f&uuml;r Exzellenzwettbewerbe und durch das Management mittels diverser Rating- und Rankinganforderungen letztlich erschwert, ihre wissenschaftlichen Anspr&uuml;che in Forschung und Lehre praktisch werden zu lassen, denn die Arbeit von Wissenschaftlern mutiere mehr und mehr zur blo&szlig;en Managementt&auml;tigkeit. (S. 155) <em>&bdquo;Eine gestaltende Akzeptanz vermeintlicher organisatorischer Schw&auml;che (Nischenorganisationen), bei gleichzeitiger Relativierung und Eingrenzung st&auml;ndischer, intransparenter Machtstrategien w&uuml;rde die Innovationsf&auml;higkeit der Universit&auml;ten vermutlich eher st&auml;rken, als jede administrative Durchsetzung wettbewerbsorientierter Leistungskriterien dies k&ouml;nnte.&ldquo;<\/em> (S. 157) Positiv w&auml;re dies aber letztendlich nur, <em>&bdquo;wenn die Schaffung von Kreativit&auml;tszonen nicht l&auml;nger an die Willk&uuml;r professoraler Machtaus&uuml;bung gebunden w&uuml;rde, sondern als legitimer Anspruch auf allen Ebenen akademischer Arbeitsprozesse und von Angeh&ouml;rigen aller universit&auml;rer Gruppen eingeklagt werden k&ouml;nnte.&ldquo;<\/em> (S. 157)<\/p><p>Am Ende ihrer Studie fragen die Autoren nach demokratischen Alternativen zur unternehmerischen Universit&auml;t.<br>\nObwohl die unternehmerische Universit&auml;t aus alles andere als ein positives Modernisierungsideal verk&ouml;rpere, w&auml;re es aus Sicht von D&ouml;rre und Neis fatal, auf die Wiederherstellung alter Verh&auml;ltnisse zu hoffen. Denn auch in den alten Verh&auml;ltnissen seien Kreativit&auml;ts- als auch Besch&auml;ftigungsbedingungen alles andere als rosig gewesen. Au&szlig;erdem h&auml;tten sich die gesellschaftlichen Anforderungen an die Universit&auml;ten irreversibel ver&auml;ndert. <\/p><p>Einem alternativen hochschulpolitischen Ansatz m&uuml;sse die <em>&bdquo;basale&ldquo;<\/em> Erkenntnis zugrunde liegen, <em>&bdquo;dass das Unternehmen Universit&auml;t auf Arbeit beruht&ldquo;<\/em> (S. 159) und zwar auf der Arbeit aller ihrer Mitglieder. Die Steuerung von innovativen Prozessen m&uuml;sse erstens von einem weiten, weder &ouml;konomisch noch technologisch verk&uuml;rzten Innovationsbegriff ausgehen und zweitens auf die F&ouml;rderung kreativer und zugleich kollektiver Arbeitsprozesse zielen. (S. 160).<\/p><p>Dazu geh&ouml;re zun&auml;chst, dass die Unterfinanzierung des Wissenschaftssystems als wichtigste Innovationsbremse benannt werde. Der Wettbewerb innerhalb eines gedeckelten Budgets erzeuge n&auml;mlich nur Gewinner und Verlierer.<br>\nDie Schaffung von mindestens 4.000 Professuren, k&ouml;nnte dem wissenschaftlichen Nachwuchs neue Karriereoptionen schaffen und u.a. den &bdquo;brain drain&ldquo; ins Ausland reduzieren.<br>\nUnterhalb der Professuren m&uuml;ssten durch <em>&bdquo;gute&ldquo;<\/em>, nicht prek&auml;re Arbeitspl&auml;tze gerade die Gruppe der Mitarbeiter st&auml;rken, die das Gros der unsichtbaren Entrepreneurs stellen.<br>\nWas an au&szlig;eruniversit&auml;ren Forschungseinrichtungen l&auml;ngst &uuml;blich sei, werde auch an den Hochschulen dringend ben&ouml;tigt, n&auml;mlich die Besch&auml;ftigung spezieller Wissenschaftskoordinatoren.<br>\nZudem m&uuml;sse der wachsende Arbeitbelastung &uuml;berdurchschnittlich aktiver Mitglieder der academic workforce durch eine Politik <em>&bdquo;regulierter Flexibilit&auml;t&ldquo;<\/em> entgegengesteuert werden, also konkret durch Lehrdeputatsreduktionen oder zus&auml;tzliche Freisemester und einem flexiblen Stellenpool mit dem entstehende L&uuml;cken kompensiert werden k&ouml;nnten.<br>\nDie Relevanz der Arbeitsbedingungen f&uuml;r die Leistungs- und Innovationsf&auml;higkeit von Hochschulen m&uuml;sse endlich Eingang in die politische Debatte finden. Das Ziel m&uuml;sse ein spezieller <em>&bdquo;Index Gute Arbeit&ldquo;<\/em> f&uuml;r Hochschulen sein.<br>\nDie Universit&auml;tsleitungen m&uuml;ssten die unterschiedlichen Besch&auml;ftigungsgruppen fr&uuml;h und nachhaltig in die Gestaltung von Ver&auml;nderungsprozessen einbeziehen, wenn tats&auml;chlich durchgreifende Reformen erm&ouml;glicht werden sollen.<br>\nIm Gegensatz zum vorgespiegelten Leitbild der unternehmerischen Hochschulen seien die Rechte der Besch&auml;ftigten einer Universit&auml;t im Vergleich zu denen der Belegschaft eines Industrieunternehmens deutlich begrenzt.<br>\nDie Empfehlung der Autoren lautet: <em>&bdquo;Mut zum Experiment, zur &Auml;u&szlig;erung abweichender, kritischer, ja anst&ouml;&szlig;iger Gedanken&ldquo;<\/em>. Dieser Mut sollte &ndash; die Einhaltung unverzichtbarer Qualit&auml;tsstandards vorausgesetzt &ndash; von Hochschulen und Forschungsf&ouml;rderung belohnt werden.<br>\nEine solche Ausrichtung m&uuml;sse keineswegs im Gegensatz zu einer Hochschulpolitik stehen, die sich explizit das Ziel setzt, auch &ouml;konomisch messbare Innovationen wie etwa akademische Ausgr&uuml;ndungen zu f&ouml;rdern. <em>&bdquo;Denn auch hier gilt das Innovationsparadoxon. Neues entsteht nur, wenn der Mut zu abweichenden Ideen gef&ouml;rdert und Freir&auml;ume garantiert werden, in denen solche Ideen &uuml;berhaupt entstehen k&ouml;nnen.&ldquo;<\/em> (S. 164)<br>\nDas klinge zwar nach Wunschkatalog, ja nach utopischem &Uuml;berschuss, aber ein solches zur unternehmerischen Hochschule alternatives Programm, k&ouml;nnte das einl&ouml;sen, was die unternehmerische Universit&auml;t nur verspreche zu leisten: <em>&bdquo;Die nachhaltige F&ouml;rderung kreativer Arbeit und damit von Innovationsprozessen, die nicht nur die Universit&auml;t, sondern auch der Region und der Gesellschaft insgesamt zugutekommen.&ldquo;<\/em> (S. 165)<\/p><p><strong>Anmerkung:<\/strong> Dass die unternehmerische Universit&auml;t den Konstitutionsbedingungen von wissenschaftlicher Arbeit nicht entspricht, das haben wir auf den NachDenkSeiten des &Ouml;fteren thematisiert. Interessant ist, dass diese Kritik mit dieser Arbeit am konkreten Beispiel von unternehmerischen Ausgr&uuml;ndungen aus der Hochschule nun auch empirisch belegt wird. Der Effizienzbegriff einer von einem Management gesteuerten, am Markt operierenden Hochschule<br>\nmag &ndash; in Grenzen &ndash; betriebswirtschaftliche Effizienz und Ressourcentransparenz erm&ouml;glichen, aber eben gerade nicht das, was der &Ouml;konom Schumpeter mit &bdquo;sch&ouml;pferischer Zerst&ouml;rung&ldquo; als Antriebskraft &ouml;konomischen Fortschritts beschreibt.<br>\nDie Finanzkrise ist das drastischste Beispiel, wo das Effizienzversprechen des Marktparadigmas in einer Katastrophe endete. Das Versagen der marktgesteuerten Hochschule, wird sich leider vermutlich erst in Jahren oder gar Jahrzehnten erweisen. Und leider wird auf diesem Feld kein &bdquo;Rettungsschirm&ldquo; helfen.<\/p><p>Die Arbeit von D&ouml;rre und Neis ist insofern wichtig, weil sie die eher ideologische (&Uuml;berbau-)Kritik auf einen theoriegeleiteten empirischen Grund stellt. So feingliedrig die Kritik der Autoren am Leitbild der unternehmerischen Universit&auml;t auch ist, sie d&uuml;rfte gerade deshalb das Freiheits- und Autonomiepathos nicht aus den K&ouml;pfen vieler Professoren und vor allem der Hochschulleiter treiben. Gerade weil das Leitbild der &bdquo;unternehmerischen Hochschule&ldquo; so eindimensional, um nicht zu sagen schlicht und deshalb so eing&auml;ngig ist. Die Arbeit an einem alternativen Leitbild einer innovativen und kreativen Hochschule, die wissenschaftlichen Fortschritt bef&ouml;rdert, muss also noch fortgesetzt und zu einem Gesamtbild gef&uuml;gt werden. Einem Bild das in den K&ouml;pfen der Hochschulmitglieder wieder die Faszination auf Neues ausl&ouml;st, ohne die Wissenschaft als ausgelagerte Werkbank zur betrieblichen Nutzenmehrung verk&uuml;mmert. <\/p><p><strong>Bibliografische Angaben:<\/strong><br>\nKlaus D&ouml;rre, Matthias Neis, Das Dilemma der unternehmerischen Hochschule, Hochschulen zwischen Wissensproduktion und Marktzwang, edition sigma, 2010, 177 Seiten ISBN 978-3-8360-8716-2. Preis 14.90 Euro.<br>\nDie Studie wurde gef&ouml;rdert von der Hans-B&ouml;ckler-Stiftung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine interessante Studie legten die beiden Soziologen an der Friedrich-Schiller-Universit&auml;t Jena vor. 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