{"id":71839,"date":"2021-04-24T11:45:31","date_gmt":"2021-04-24T09:45:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=71839"},"modified":"2021-04-24T16:29:00","modified_gmt":"2021-04-24T14:29:00","slug":"russland-und-china-in-myanmar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=71839","title":{"rendered":"Russland und China in Myanmar"},"content":{"rendered":"<p>Die Welt schaut entsetzt auf Myanmar: Ein Milit&auml;rputsch, die F&uuml;hrer einer demokratisch gew&auml;hlten Regierung wurden verhaftet. Suu Kyi, Staatspr&auml;sident Win Myint sowie viele andere Regierungsmitglieder sitzen seit dem 1. Februar im Gef&auml;ngnis. Seit nunmehr drei Monaten gibt es landesweite Proteste und Streiks. Bereits 800 Menschen wurden erschossen, weil sie gegen den Milit&auml;rputsch auf die Stra&szlig;e gegangen sind. Von <strong>Marco Wenzel<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nEine Armee, die sich wie eine fremde Besatzungsmacht verh&auml;lt, die mit scharfer Munition und mit schweren Waffen, Maschinenpistolen und Granaten auf die Zivilbev&ouml;lkerung schie&szlig;t, ja sie sogar mit ihren Jagdflugzeugen bombardiert und in den Dschungel oder &uuml;ber die Landesgrenzen treibt, hat in Myanmar die Macht ergriffen. Mehr als dreitausend Menschen, darunter Politiker, Aktivisten und Journalisten, einige der bekanntesten S&auml;nger, Filmstars und K&uuml;nstler des Landes, wurden aufgrund von fadenscheinigen Anklagen verhaftet oder mit Haftbefehl gesucht. N&auml;chtliche Ausgangssperren, verbunden mit Razzien auf der Suche nach Aktivisten und Putschgegnern, Verh&auml;ngung des Kriegsrechts, Abschalten des Internets und der Telefonverbindungen. Todesurteile werden ohne Gerichtsprozess in Abwesenheit der Angeklagten verh&auml;ngt. Die Wirtschaft liegt am Boden, die Banken sind geschlossen, ausl&auml;ndische Investoren suchen das Weite und brechen ihre Projekte im Land ab. Dem Land droht demn&auml;chst eine Hungersnot.<\/p><p><strong>China und Russland halten die Hand &uuml;ber die Gener&auml;le in Myanmar<\/strong><\/p><p>Das m&uuml;sste doch eigentlich, so k&ouml;nnte man meinen, reichen, um Ma&szlig;nahmen gegen dieses Milit&auml;rregime im UN-Sicherheitsrat zu beschlie&szlig;en und die M&ouml;rder zu stoppen. Nicht so im Fall von Myanmar, denn die beiden Vetom&auml;chte China und Russland verhindern konkrete Ma&szlig;nahmen und verw&auml;ssern alle Resolutionen gegen die Junta. Die bereits verabschiedeten UN-Resolutionen verurteilen zwar die Gewalt im Land, die letzte Resolution forderte sogar die Freilassung der politischen Gefangenen, aber sie sind im Grunde genommen nicht mehr als hei&szlig;e Luft, wishful thinking, die Gener&auml;le m&ouml;gen doch bitte zur Einsicht kommen, so kann es ja nicht weitergehen. Und wenn die Gener&auml;le die Bitten der UN und der Weltgemeinschaft nicht erh&ouml;ren? Ja, da kann man nichts machen, aber wenigstens hat man ihnen den b&ouml;sen Finger gezeigt. <\/p><p>Es ist der 27. M&auml;rz, der Tag der Streitkr&auml;fte, der wichtigste Feiertag f&uuml;r die Tatmadaw, wie das Milit&auml;r in Burma genannt wird. Tatmadaw bedeutet &bdquo;Streitkr&auml;fte&ldquo; auf Burmesisch. Der Tag soll an den Aufstand der Armee im Jahre 1945 gegen die japanische Besatzung erinnern. Der Anf&uuml;hrer des Aufstandes war damals Aung San, der Vater von Aung Suu Kyi. Aung San wurde am 19. Juli 1947 ermordet.  Seine Tochter sitzt seit drei Monaten im Gef&auml;ngnis. <\/p><p>Dieses Jahr aber wollten die Tatmadaw nicht nur den Sieg &uuml;ber Japan feiern, sondern auch zeigen, wer in Myanmar das Sagen hat. Bereits Im Vorfeld des Ereignisses hatte das Milit&auml;r sein Vorgehen gegen Demonstranten versch&auml;rft. Als der Tag der Streitkr&auml;fte zu Ende war, waren mehr als hundert Demonstranten tot, so viel wie nie zuvor. <\/p><p>Zum Tag der Streitkr&auml;fte laden die Tatmadaw traditionell alle befreundeten L&auml;nder ein, um an den Feierlichkeiten und an der Milit&auml;rparade in Naypyidaw teilzunehmen und um am Rande der Feiern vertrauliche Gespr&auml;che mit den verschiedenen Delegationen zu f&uuml;hren. In diesem Jahr verzichteten viele L&auml;nder, vor allem westliche Demokratien, auf die Teilnahme. Nur acht L&auml;nder, die Nachbarn Indien, Pakistan und Bangladesch, die ASEAN-Partnerstaaten Vietnam, Laos und Thailand sowie China und Russland schickten ihre Vertreter. <\/p><p>Die L&auml;nder schickten Milit&auml;rattach&eacute;s, nur Russland schickte seinen stellvertretenden Verteidigungsminister Fomin. Der F&uuml;hrer der Putschisten, General Hlaing, nannte Russland in seiner Rede &bdquo;einen wahren Freund&ldquo; und heftete Fomin einen Orden an die Brust, eine zweifelhafte Ehre. Und eine zweifelhafte Allianz, die Russland da eingegangen ist.<\/p><p><strong>Myanmar muss sich selber helfen<\/strong><\/p><p>Es wird ohne die Einwilligung von Russland und China keine UN-Friedenstruppen oder Luftangriffe auf die Tatmadaw geben. Die einzigen beiden L&auml;nder, die derzeit Ma&szlig;nahmen ergreifen, wie die Unterst&uuml;tzung mit Waffen, Geld und politischer Deckung, sind China und Russland &ndash; und die unterst&uuml;tzen die Junta. Die harte Wahrheit ist, sollte die Junta gewinnen, wird die Welt einfach weiter mit der Regierung zusammenarbeiten, die die Junta dann neu bilden wird.<\/p><p>Die Sanktionen der EU und der USA gegen hochrangige Polizei- und Milit&auml;rvertreter in Myanmar k&ouml;nnen nicht dar&uuml;ber hinwegt&auml;uschen, dass die Demokratiebewegung in dem s&uuml;dostasiatischen Land weitgehend auf sich allein gestellt ist. Bitten um internationale Hilfe werden mit Rhetorik beantwortet, Anstalten von au&szlig;en, um die Gewalt der Sicherheitskr&auml;fte der Junta direkt zu verhindern, sind derzeit nirgends sichtbar. <\/p><p>Aber Myanmar br&auml;uchte gerade jetzt tatkr&auml;ftige Unterst&uuml;tzung statt Rhetorik. Worth&uuml;lsen wie &bdquo;Ruhe bewahren und Zur&uuml;ckhaltung &uuml;ben&ldquo;, &bdquo;Differenzen durch Dialog und Konsultation innerhalb des verfassungsm&auml;&szlig;igen und gesetzlichen Rahmens ansprechen und den demokratischen &Uuml;bergang weiter vorantreiben&ldquo;, Aufrufe &agrave; la: &bdquo;die unmittelbare Priorit&auml;t besteht darin, weiteres Blutvergie&szlig;en und Konflikte zu verhindern und die Situation so schnell wie m&ouml;glich zu entspannen und abzuk&uuml;hlen&ldquo;, reichen nicht aus und  sind nicht zielf&uuml;hrend, wenn es darum geht, eine skrupellose M&ouml;rderbande zu stoppen. <\/p><p>Alle, die nichts machen und nichts riskieren wollen, setzen nun auf die ASEAN-Staaten, denen sie den Schwarzen Peter zuschieben wollen. Myanmar ist ja da Mitglied, sollen die doch mal auf die Gener&auml;le einreden. Die ASEAN treffen sich morgen in Jakarta. Dabei wird es wiederum bei Rhetorik bleiben, konkrete Ma&szlig;nahmen gegen die Junta in Myanmar sind kaum zu erwarten.  Die ASEAN sind in der Frage untereinander gespalten, Entscheidungen werden nur im Konsens getroffen. Satzungsgem&auml;&szlig; d&uuml;rfen sie sich nicht in die inneren Angelegenheiten ihrer Mitgliedsstaaten einmischen, sie konzentrieren sich auf die wirtschaftliche Entwicklung S&uuml;dostasiens, daf&uuml;r wurden sie gegr&uuml;ndet. Hinzu kommt noch, dass die 10 ASEAN-Mitglieder gr&ouml;&szlig;tenteils Ein-Parteien-Staaten sind, deren Regierung selber starke Beziehungen zum jeweiligen Milit&auml;r ihres Landes haben. Dass die ASEAN-Staaten kl&auml;glich daran scheitern werden, die Gener&auml;le in irgendeiner Hinsicht zur M&auml;&szlig;igung oder zur Einsicht zu bringen, daf&uuml;r braucht es keine hellseherischen F&auml;higkeiten, zumal zu dem Treffen in Jakarta zu allem &Uuml;berfluss auch noch Putschgeneral Hlaing pers&ouml;nlich kommen wird. Die Interimsregierung der CPRH, deren gew&auml;hlte Abgeordnete und Minister sich derzeit noch im Untergrund verstecken m&uuml;ssen, wurde nicht einmal eingeladen. Die ASEAN hat kein Mandat f&uuml;r nichts in der Sache. <\/p><p>Warum aber blockieren China und Russland konkrete Ma&szlig;nahmen gegen eine Milit&auml;rdiktatur, die sich international als Paria geoutet hat und die bei der eigenen Bev&ouml;lkerung so verhasst ist? Stimmen sie aus Prinzip gegen jede Resolution im Sicherheitsrat, wenn sie von den USA, Gro&szlig;britannien oder Frankreich eingebracht wurde, sind sie von allen guten Geistern verlassen oder was steckt dahinter? <\/p><p><strong>Russland <\/strong><\/p><p>Zum Milit&auml;r in Myanmar pflegt Russland schon l&auml;nger gute Beziehungen, ein Schulterschluss zwischen der russischen und myanmarischen F&uuml;hrung, ausgerechnet an dem Tag, als im ganzen Land mehr als 100 Protestierende erschossen wurden, ist aber schon etwas heftig. Zudem hatte Russland mit Alexander Fomin als Vizeverteidigungsminister den rangh&ouml;chsten Vertreter von allen anderen L&auml;ndern geschickt, was mit Sicherheit auch ein Signal der Anerkennung an die Junta sein sollte. Laut Fomin wurde w&auml;hrend des Besuches auch der Kauf von sechs Su-30-Flugzeugen beschlossen. Die SU-30 soll das Hauptkampfflugzeug der Luftwaffe Myanmars werden. <\/p><p>Nur eine Woche vor dem Milit&auml;rputsch reiste der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu nach Myanmar und unterzeichnete ein Abkommen &uuml;ber die Lieferung eines Pantsir-S1-Luftverteidigungssystems, Orlan-10E-&Uuml;berwachungsdrohnen und Radaranlagen. Er schloss auch ein Flugsicherheitsabkommen ab. Dabei gaben Russland und Myanmar bekannt, dass sie ihre &ldquo;milit&auml;rische und milit&auml;risch-technische Kooperation &hellip; vertiefen&rdquo; wollten. Diese K&auml;ufe werden den Staatshaushalt weiter ausbluten lassen und die &Uuml;berwachung und Angriffe gegen ethnische Gemeinschaften erm&ouml;glichen. Die Drohnen k&ouml;nnen zur Aufrechterhaltung der &ouml;ffentlichen Ordnung bei Notf&auml;llen und f&uuml;r die &Uuml;berwachung gro&szlig;er Gebiete eingesetzt werden, da sie bis zu 500 Quadratkilometer &uuml;berwachen k&ouml;nnen. Ideal also f&uuml;r die &Uuml;berwachung der Gebiete der ethnischen Minderheiten an den Grenzen Myanmars. Nach Angaben russischer Experten erh&ouml;ht der Einsatz des ORLAN-10E-Systems zudem die Effektivit&auml;t der Artillerie.<\/p><p>Russland ist inzwischen der zweitgr&ouml;&szlig;te Waffenlieferant Myanmars. General Hlaing hat pers&ouml;nlich einen guten Draht nach Moskau. Er ist Ehrendoktor der Russischen Akademie der Wissenschaften und Ehrenprofessor der Milit&auml;runiversit&auml;t des russischen Verteidigungsministeriums.  Offiziere des myanmarischen Milit&auml;rs werden in Russland ausgebildet.<\/p><p>Um die Abh&auml;ngigkeit von China als gr&ouml;&szlig;tem Lieferanten f&uuml;r Waffen zu verringern, haben die Tatmadaw seit etwa zwei Jahrzehnten ihre Gesch&auml;ftsbeziehungen zur russischen R&uuml;stungsindustrie gest&auml;rkt und dort kr&auml;ftig eingekauft. Myanmar kaufte bereits 2001 vier MiG-29-Kampfflugzeuge und weitere zehn davon ein Jahr sp&auml;ter. Im Jahr 2006 er&ouml;ffnete die russische MiG Aircraft Corporation, jetzt umstrukturiert als United Aircraft Corporation, ein B&uuml;ro in Rangun. Die myanmarische Luftwaffe hat au&szlig;erdem bereits mindestens neun russische Mi-35 Hind Kampfhubschrauber sowie zw&ouml;lf Mi-17 Transporthubschrauber erworben.[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]<\/p><p>Im Juni 2013 stattete Min Aung Hlaing auf Einladung des russischen Verteidigungsministers Sergei Shoigu seinen ersten von mehreren Besuchen in Moskau ab. Im Jahr 2016 wurde ein Abkommen zur milit&auml;rischen Zusammenarbeit unterzeichnet, das auch die Einfahrt von russischen Kriegsschiffen in die H&auml;fen von Myanmar regelt.<\/p><p>Ende 2019 best&auml;tigte Alexander Fomin Fortschritte in den neuen Bem&uuml;hungen um eine milit&auml;rische Zusammenarbeit mit Myanmar, zusammen mit den alten Verb&uuml;ndeten des Kalten Krieges Vietnam, Kambodscha und Laos.<\/p><p>Myanmar hat insgesamt bereits 30 russische MiG-29-Kampfflugzeuge, 12 Yak-130-Jettrainer, 10 Mi-24- und Mi-35P-Hubschrauber und acht Pechora-2M-Flugabwehrraketensysteme, sowie unbemannte Luftfahrzeuge, Panzerabwehr- und Artilleriesysteme, Radarsysteme und gepanzerte Fahrzeuge erworben. Au&szlig;erdem wurde ein Vertrag &uuml;ber die Lieferung von sechs Mehrzweckkampfflugzeugen Su-30SME unterzeichnet.  Die Wartung der russischen Ausr&uuml;stung wird in einem gemeinsamen Servicezentrum in Myanmar durchgef&uuml;hrt. Russland hat schwere Maschinengewehre und Raketenwerfer an Myanmar verkauft, Panzer und gepanzerte Mannschaftstransporter aus russischer Produktion wurden &uuml;ber die Ukraine bezogen. Die Ukraine, die die sowjetischen R&uuml;stungsindustrien im Donbass geerbt hat, geh&ouml;rt zusammen mit Israel, neben China und Russland zu den gr&ouml;&szlig;ten Waffenlieferanten an die Tatmadaw. Eine ukrainische Firma und die Tatmadaw haben ein Joint-Venture-Abkommen unterzeichnet, um eine Fabrik zu bauen, die gepanzerte Mannschaftstransporter und Panzerhaubitzen herstellen kann, berichtete die Internetzeitung &bdquo;The Irrawaddy&ldquo;.[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>]<\/p><p>Nach Angaben des Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) f&uuml;r das Jahr 2019 gab Myanmar in den vergangenen zehn Jahren gesch&auml;tzte 807 Mio. US$ f&uuml;r russische Waffenimporte aus und ist damit nach Vietnam der zweitgr&ouml;&szlig;te s&uuml;dostasiatische K&auml;ufer russischer Waffen.<\/p><p>Moskaus Interesse an Myanmar ist haupts&auml;chlich der Verkauf von Milit&auml;rg&uuml;tern und m&ouml;glicherweise auch noch die Bek&auml;mpfung des westlichen Einflusses. Es ist im Gegensatz zu China nicht so sehr geostrategischer Art. Russland hat keine direkte Grenze mit Myanmar, bis nach Russland sind es noch wenigstens 3.000 km. Dazwischen liegen China und die Mongolei, aber Myanmar ist ein williger neuer Partner in Moskaus Pl&auml;nen, eine gr&ouml;&szlig;ere Rolle in S&uuml;d- und S&uuml;dostasien zu spielen. Myanmar ist f&uuml;r Russland ein Sprungbrett f&uuml;r weitere Verk&auml;ufe von Kriegsmaterial in die s&uuml;dostasiatischen L&auml;nder und die ASEAN-Staaten.  Angesichts der Sanktionen des Westens sieht Myanmar seinerseits in Russland einen Verb&uuml;ndeten gegen den westlichen Druck und als Lieferanten von kosteng&uuml;nstigen R&uuml;stungsg&uuml;tern. Zudem spielt Russland eine wichtige Rolle als Gegengewicht zu China, sowohl als Waffenlieferant als auch als st&auml;ndiges Mitglied des UN-Sicherheitsrates.<\/p><p>Die &ouml;ffentliche Wut auf Russland sitzt tief, nachdem Russland einerseits Ma&szlig;nahmen gegen die Junta sabotiert und andererseits die von Russland gelieferten Waffen jetzt gegen die Fr&uuml;hlingsrevolution eingesetzt werden. Russische Hinds-Kampfhubschrauber wurden bereits w&auml;hrend einer Offensive gegen die Kachin Independence Army (KIA) in den Jahren 2012-2013 und in Kokang im Jahr 2015 eingesetzt. Auch die Flugzeuge, die derzeit nachts die Zivilbev&ouml;lkerung bombardieren, sind meist aus russischer Produktion, sowie auch Angriffshubschrauber, auf Lastwagen montierte schwere Maschinengewehre und raketenbetriebene Granatwerfer, die benutzt wurden, um Stra&szlig;ensperren der Opposition in Mandalay aufzul&ouml;sen. Dass Waffen aus Russland gegen Zivilisten eingesetzt werden, hat die antirussische Stimmung unter den Demonstranten und den Aufst&auml;ndischen versch&auml;rft. Die Unterst&uuml;tzung Russlands f&uuml;r das Regime wurde zur Kenntnis genommen. &bdquo;Russland k&uuml;mmert sich nicht um das Volk, solange es weiterhin Waffen verkaufen kann&rdquo;, so die Meinung in der Bev&ouml;lkerung. <\/p><p><strong>China<\/strong><\/p><p>Wie &bdquo;The Irrawaddy&rdquo; berichtete, wurde eine Nachricht in Birmanisch und Chinesisch rund eine Million Mal geteilt, in der es hie&szlig;: &bdquo;Wir verurteilen die rein egoistische Stellungnahme der chinesischen Botschaft in jeder Hinsicht. China hat bisher geschwiegen und den Milit&auml;rputsch nicht verurteilt, obwohl Hunderte w&auml;hrend der friedlichen Proteste ihr Leben verloren haben.&rdquo; <\/p><p>China bezeichnete den Putsch als &bdquo;Kabinettsumbildung&rdquo;, w&auml;hrend Russland ihn als &bdquo;rein innenpolitische Angelegenheit&rdquo; bezeichnete. China zusammen mit Russland als st&auml;ndige Mitglieder des UN-Sicherheitsrates und als Vetom&auml;chte haben bisher alle Versuche westlicher Nationen im UN-Sicherheitsrat blockiert, kollektive Ma&szlig;nahmen gegen Myanmars Milit&auml;rputschisten und deren t&ouml;dliches Vorgehen gegen unbewaffnete Demonstranten zu ergreifen. Bereits 2017 blockierte China zusammen mit Russland eine Resolution des UN-Sicherheitsrates, die Myanmar wegen der Rohingya-Krise kritisierte.<\/p><p>Peking spielt den Milit&auml;rputsch systematisch herunter. Chinas Interessenpolitik ist darauf ausgerichtet, sich mit jeder Regierung gut zu stellen, unabh&auml;ngig von ideologischen und moralischen Fragen. Offiziell betreibt China eine Politik der Nichteinmischung. Wenn man sich aber die Geschichte der Beziehungen zwischen China und Burma anschaut, so gibt es darin keine Epoche, in der sich China, seit Gr&uuml;ndung der Volksrepublik, nicht in Burma eingemischt h&auml;tte. Eine gute Zusammenfassung dar&uuml;ber hat Bertil Lintner hier ver&ouml;ffentlicht: China and Myanmar: No interference?[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>]<\/p><p>Was f&uuml;r Russland gilt, gilt im Gro&szlig;en und Ganzen auch f&uuml;r China. China ist der gr&ouml;&szlig;te Lieferant von Milit&auml;rg&uuml;tern und Waffen an die Tatmadaw. Der burmesische Waffenimport aus China betr&auml;gt in etwa das Doppelte von dem aus Russland. Dass China die Milit&auml;rs in Burma mit Waffen beliefert, d&uuml;rfte unseren Lesern bereits bekannt sein. Wir wollen uns hier die Aufz&auml;hlung der verschiedenen chinesischen Waffensysteme ersparen und verweisen auf den Link weiter unten, wo alle Waffen und Waffensysteme des burmesischen Milit&auml;rs und deren Herkunft aufgelistet sind.[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] Die R&uuml;stungsverk&auml;ufe, obwohl sie sehr umfangreich sind, spielen aber aus finanzieller Sicht nur eine untergeordnete Rolle f&uuml;r China. Viel wichtiger sind geostrategische Gesichtspunkte. Die riesigen Investitionen Chinas in Myanmar im Rahmen der neuen Seidenstra&szlig;e &uuml;bertreffen den Umsatz im Waffenverkauf um ein Vielfaches.  <\/p><p>Burma spielt eine strategisch wichtige Rolle im s&uuml;dostasiatischen Teilabschnitt von Chinas Projekt der neuen Seidenstra&szlig;e. Der Landweg &uuml;ber Burma erlaubt China den direkten Zugang zum Golf von Bengalen und von dort in den Indischen Ozean. (siehe Karte) <\/p><div class=\"imagewrap\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/210424-Russland-und-China-01.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/figure\/The-China-Myanmar-Economic-Corridor-CMEC_fig5_340547812\">researchgate.net<\/a><\/p><p>Der Korridor verk&uuml;rzt den Seeweg nach Europa und Afrika und bietet im Konfliktfall eine Alternative zum unsicheren Weg durch das S&uuml;dchinesische Meer und die Stra&szlig;e von Malakka, die leicht zu sperren ist f&uuml;r denjenigen, der sie gerade kontrolliert.  In Kyaukpyu entsteht unter chinesischer Aufsicht und mit chinesischem Geld ein Tiefseehafen mit angeschlossener Freihandelszone. Zudem verlaufen jeweils eine &Ouml;l- und eine Gaspipeline von der chinesischen Grenze &uuml;ber Mandalay nach Kyaukpyu, die bereits in Betrieb sind. <\/p><p>Myanmar schloss sich formell Chinas Belt-and-Road-Initiative an, als Suu Kyi im Mai 2017 ein Forum f&uuml;r internationale Zusammenarbeit in Peking besuchte. Die beiden L&auml;nder unterzeichneten ein Memorandum of Understanding, um 2018 gemeinsam den China-Myanmar Economic Corridor (CMEC) zu bauen mit dem Ziel, die bilaterale Zusammenarbeit im Rahmen der BRI weiter auszubauen. Zu den wichtigsten Projekten, die vor dem Putsch auf dem Tisch lagen, geh&ouml;ren eine neue Eisenbahnlinie, die die chinesische Grenzstadt Ruili mit Mandalay und Kyaukpyu am Golf von Bengalen verbindet, der als Endstation f&uuml;r &Ouml;l- und Gaspipelines dient, die von Chinas s&uuml;dlicher Provinz Yunnan aus dort ankommen.<\/p><p>Der Seeweg &uuml;ber Kyaukpyu oder Rangun nach Afrika ist dabei f&uuml;r China mindestens genauso wichtig wie der direkte Landweg, &uuml;ber die Stra&szlig;e oder mit der Eisenbahn, &uuml;ber Kasachstan, Russland und Wei&szlig;russland nach Hamburg. China unterh&auml;lt in Dschibuti, an der Nordspitze Afrikas, seinen einzigen ausl&auml;ndischen Milit&auml;rst&uuml;tzpunkt. Dschibuti bietet China ein Drehkreuz f&uuml;r seine &Uuml;berseeinvestitionen und wirtschaftlichen Interessen auf dem afrikanischen Kontinent. Dschibuti liegt an der Kreuzung einer der verkehrsreichsten Schifffahrtsrouten der Welt. Pekings Handel mit der Europ&auml;ischen Union im Wert von &uuml;ber einer Milliarde Dollar pro Tag l&auml;uft zu einem gro&szlig;en Teil durch den Golf von Aden (Suez-Kanal), und 40 Prozent von Chinas gesamten &Ouml;limporten laufen durch den Indischen Ozean. Dschibuti kontrolliert den Zugang sowohl zum Roten Meer als auch zum Indischen Ozean und verbindet Europa, den asiatisch-pazifischen Raum, das Horn von Afrika und den Persischen Golf. Seine geografische Lage an der M&uuml;ndung des Roten Meeres macht Dschibuti zu einem idealen Umschlagplatz f&uuml;r Fracht aus dem Nahen Osten und Nordafrika (MENA-Region). <\/p><p>China baut seine Beziehungen zu den L&auml;ndern in Afrika systematisch aus und unterh&auml;lt auf dem Kontinent zurzeit etwa 40 verschiedene Gro&szlig;projekte. Dschibuti ist dabei ein wichtiger Logistik- und Handelsknotenpunkt. Die China Merchants Group, Chinas gr&ouml;&szlig;ter Hafenbetreiber, unterzeichnete einen Investitionsvertrag &uuml;ber 350 Millionen Dollar mit dem staatlichen Unternehmen Great Horn Investment Holding, um den Hafen von Dschibuti in ein internationales Gesch&auml;ftszentrum mit Freihandelszone zu verwandeln. Das ganze Projekt wird insgesamt auf etwa 3 Milliarden USD gesch&auml;tzt. Eine etwa 3,4 Milliarden USD teure Eisenbahnlinie von Addis Abeba in &Auml;thiopien nach Dschibuti, von China finanziert, ist derzeit ebenfalls im Bau. Dschibuti soll als Handelsdrehscheibe f&uuml;r den Rest des Kontinents ausgebaut werden. China ist der gr&ouml;&szlig;te Handelspartner in ganz Afrika und dort hat viele Bauauftr&auml;ge erhalten wie Stra&szlig;en, Br&uuml;cken, Flugh&auml;fen, Wohnsiedlungen usw. China hat vier Hafen- und Containerterminal-Bauprojekte im Roten Meer in Angriff genommen und sechs weitere an der Ostk&uuml;ste Afrikas zus&auml;tzlich zu Dschibuti, &uuml;ber Kenia und Tansania bis nach Mosambik und Madagaskar. Insgesamt ist China damit jetzt an 18 gro&szlig;en Hafen- und Eisenbahnbauprojekten allein nur rund um den Indischen Ozean beteiligt. Und nach Dschibuti kommt man am besten &uuml;ber Kyaukpyu.<\/p><p>In Burma selber sind viele chinesische Firmen in der Bekleidungsindustrie t&auml;tig. Sie unterhalten dort mit billigen burmesischen Arbeitskr&auml;ften Fertigungswerkst&auml;tten f&uuml;r internationale Ketten wie H&amp;M, Adidas usw. Auch in Myanmar sind die Arbeitsbedingungen in den Kleiderfabriken schlecht und die L&ouml;hne niedrig. Anfang M&auml;rz wurden mehrere Fabriken und Grundst&uuml;cke in chinesischem Besitz in Rangun angriffen und in Brand gesetzt. Peking forderte daraufhin Myanmars Sicherheitskr&auml;fte, die damals bereits begonnen hatten, mit scharfer Munition auf die Demonstranten zu schie&szlig;en und zu dem Zeitpunkt auch schon etwa 200 Demonstranten erschossen hatten, auf, hart gegen die Verantwortlichen f&uuml;r diese Angriffe vorzugehen. Das wiederum l&ouml;ste in den sozialen Medien, neben der Ver&auml;rgerung &uuml;ber Chinas Haltung im UN-Sicherheitsrat, noch mehr Wut auf die VR aus, wobei viele sagten, dass Peking mehr um sein Eigentum besorgt sei als um das Leben der Demonstranten. Die zahlreichen ethnischen Chinesen, die sich in Myanmar niedergelassen haben, k&auml;mpfen an der Seite der Bewegung des zivilen Ungehorsams und haben sich in einer &ouml;ffentlichen Erkl&auml;rung ihrer Vertretung von der Politik der VR China distanziert.<\/p><p>Viele von Chinas Investitionen sind umstritten. Von Peking unterst&uuml;tzte Mega-Infrastrukturprojekte wie die Hochgeschwindigkeits-Eisenbahn, die die s&uuml;dchinesische Provinz Yunnan mit Kyaukpyu an der K&uuml;ste von Myanmars Rakhine-Staat verbinden soll, sind aus Gr&uuml;nden des Umweltschutzes und der Landrechte in die Kritik geraten. Hinzu kommt noch der Protest gegen eine Kupfermine in Letpadaung nordwestlich von Mandalay, ein gemeinsames Projekt der VR China und der Tatmadaw. Die Mine verursacht umfangreiche Umweltzerst&ouml;rung und bedroht buddhistische Heiligt&uuml;mer. Viele Dorfbewohner wurden verletzt, als die Sicherheitskr&auml;fte die Proteste gegen die Mine niederschlugen. <\/p><p>Demonstrationen gegen die VR China fanden zum ersten Mal 2011 gegen ein gemeinsames Wasserkraftprojekt der VR China und Myanmar in Myitsone im Kachin-Staat statt, das hunderte von Quadratkilometern Waldland &uuml;berfluten und 90% der erzeugten Elektrizit&auml;t nach China exportieren sollte. Das Projekt musste gestoppt werden. <\/p><p>Diese oft vom Milit&auml;r gesteuerten Unternehmungen, darunter auch Chinas Pl&uuml;nderungen von nat&uuml;rlichen Ressourcen im Bergbau und das Abholzen von Burmas W&auml;ldern wegen des wertvollen Teakholzes, haben dazu beigetragen, dass die VR China als nur an der Ausbeutung von Myanmars nat&uuml;rlichen Ressourcen und der geostrategischen Lage zwischen S&uuml;d- und S&uuml;dostasien interessiert angesehen wird, mit wenig R&uuml;cksicht die Interessen der lokalen Bev&ouml;lkerung.<\/p><p>Der Boykott chinesischer Waren hat in den vergangenen Wochen zugenommen, Demonstranten haben sich mehrfach vor der chinesischen Botschaft versammelt, um von Peking die Verurteilung des Putsches zu fordern. &bdquo;China steht f&uuml;r seinen eigenen Vorteil, nicht f&uuml;r die Erwartungen von Millionen von Menschen in Myanmar. Sie werden bekommen, was sie verdient haben.&rdquo;, so stand auf Facebook zu lesen. Zu allem &Auml;rger &uuml;ber China kommt noch die Tatsache hinzu, dass die Sicherheitskr&auml;fte und das Milit&auml;r, wie im Falle Russlands, auch Waffen aus China benutzt, um gegen die Bewegung der Revolution des Fr&uuml;hlings, wie die Gegner der Tatmadaw sich selbst bezeichnen, vorzugehen. <\/p><p>Es kommen somit viele Ereignisse zusammen, die die Wut der burmesischen Bev&ouml;lkerung auf die VR. China haben wachsen lassen. Fakt ist jedenfalls, dass China die Situation derzeit schlecht behandelt und sich auf die Seite der Junta gestellt hat. Selbst Chinas Behauptung, es w&uuml;rden mit beiden Seiten freundschaftliche Beziehungen unterhalten, ist eine L&uuml;ge, derzeit unterh&auml;lt China nur Beziehungen zur Milit&auml;rjunta. Die &uuml;brigens ihrerseits die Interimsregierung der CPRH als Volksverr&auml;ter bezeichnet hat. Wenn China daher Beziehungen mit der CPRH ankn&uuml;pfen w&uuml;rde, so m&uuml;sste es logischerweise die Beziehungen zur Tatmadaw abbrechen. Das aber steht zurzeit nicht zu erwarten. Noch setzt China auf die Junta und damit, nach Ansicht des Autors dieser Zeilen, aufs falsche Pferd.<\/p><p><strong>Epilog<\/strong><\/p><p>Sowohl Russland als auch China versuchen, ihre eigenen Interessen in Myanmar zu sch&uuml;tzen. Die Unterst&uuml;tzung Russlands und Chinas f&uuml;r das Regime und die unreflektierte Art und Weise, in der sie gew&auml;hrt wurde, wurde nicht nur in Myanmar zur Kenntnis genommen und wird in Erinnerung bleiben.<\/p><p>Kein Linker sollte sich Illusionen &uuml;ber Russland oder China machen, weil die fr&uuml;her einmal &bdquo;sozialistische L&auml;nder&ldquo; waren. Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und seit der Deng-Xiao-Ping-Regierung in China sind die beiden L&auml;nder genauso auf Kapitalverwertung und auf die Verteidigung nationaler Interessen aus wie alle anderen kapitalistischen L&auml;nder auch. China ist l&auml;ngst ein kapitalistisches Land, nur mit einer roten Fahne. Die Kommunistische Partei Chinas hat mit Kommunismus nichts mehr am Hut. V&ouml;lker aller L&auml;nder, vereinigt euch, war gestern, heute suchen China und Russland die Zusammenarbeit mit den Regierungen und nicht mehr mit der Arbeiterklasse ihre &bdquo;Partnerl&auml;nder&ldquo;. Die Befreiung der L&auml;nder der Dritten Welt von Kolonialismus und Unterdr&uuml;ckung, die Mao zumindest noch predigte, ist keine Priorit&auml;t, weder von China noch von Russland. <\/p><p>Es geht stattdessen um beinharte wirtschaftliche und geostrategische Interessen. Weder China noch Russland machen Gesch&auml;fte mit Myanmar, um dort die Demokratie voranzubringen oder um wirtschaftliche Hilfe zu leisten. Beide sind bereit, das Volk von Myanmar zu verraten und mit den Gener&auml;len zusammenzuarbeiten, wenn das f&uuml;r sie vorteilhafter scheint. Es sind, neben geostrategischen Erw&auml;gungen, der Zugang zu Absatzm&auml;rkten und billigen Arbeitskr&auml;ften, die sie leiten. Die einstige kommunistische Parole &bdquo;Proletarier aller L&auml;nder, vereinigt euch&ldquo; ist l&auml;ngst der Aufforderung &bdquo;bereichert euch&ldquo; an ihre nationalen Gro&szlig;konzerne gewichen.<\/p><p>Aber es gibt doch noch einen gro&szlig;en Unterschied zwischen dem neoliberalen kapitalistischen System des Westens und den staatskapitalistischen Systemen dieser beiden L&auml;nder: die Staatsf&uuml;hrung hat letztendlich die Oberhand und die Macht, die Konzerne zur Ordnung zu rufen und sie zu bestrafen, wenn sie den Zielen der Staatsf&uuml;hrung entgegenhandeln. Im neoliberalen Kapitalismus dagegen hat der Nationalstaat so gut wie keine Macht mehr &uuml;ber die Gesch&auml;ftsgebaren der Gro&szlig;konzerne. Im Gegenteil, die Gro&szlig;konzerne bestimmen im Westen die Regeln selber, sie pl&uuml;ndern den Staat aus, betreiben organisierte Steuerhinterziehung und verschieben ihr Geld in Steueroasen, statt sich an der Finanzierung des Staates zu beteiligen und die jeweilige korrupte Regierung unterst&uuml;tzt sie noch dabei oder schaut feige und &auml;ngstlich weg. Diese Macht haben die Gro&szlig;unternehmen in China und Russland nicht. Die chinesischen Gesellschaften, die weltweit t&auml;tig sind, sind jedoch keine Staatskonzerne, wie manche vielleicht glauben, sondern handeln weitgehend unabh&auml;ngig und werden auch von der KPCh in Ruhe gelassen so lange sie nicht gegen die Interessen des Landes und der Staatsplanung handeln.  In diesem Sinne sind es kapitalistisch orientierte Konzerne genau wie Siemens, Amazon oder Nestl&eacute;.<\/p><p>China hat in den letzten 20 Jahren Gro&szlig;es vollbracht und etwa 700 Millionen Chinesen aus der Armut gef&uuml;hrt. Aber daf&uuml;r braucht es Industrie und Absatzm&auml;rkte. Es ist dieses Interesse, das hinter dem Projekt der neuen Seidenstra&szlig;e steckt, von dem Myanmar ein wichtiges Teilst&uuml;ck ist. &bdquo;Stabilit&auml;t&ldquo; ist es, was China und Russland in Myanmar wollen und Stabilit&auml;t hei&szlig;t, dass die Gesch&auml;ftsbeziehungen intakt bleiben m&uuml;ssen und dass, besonders f&uuml;r China, der Zugang &uuml;ber Myanmar zum Indischen Ozean offenbleibt. Wer in Burma regiert und mit welchen Methoden, das ist dann eine &bdquo;innere Angelegenheit&ldquo;. China und Russland haben weder eine Vorliebe f&uuml;r General Hlaing noch f&uuml;r Suu Kyi noch f&uuml;r sonst jemand anders. Wer aus dem Putsch als Sieger hervorgeht, spielt f&uuml;r sie keine Rolle, es sind die Wirren des B&uuml;rgerkriegs, die st&ouml;ren und die Zukunft unvorhersehbar machen. Um in China Massenarbeitslosigkeit zu verhindern, muss Peking neue Investitionsm&ouml;glichkeiten finden, um seine Fabriken zu besch&auml;ftigen und seine Arbeiter zu halten. Einer der Hauptzwecke der BRI ist es, die Infrastrukturprojekte bereitzustellen, die die Unternehmen am Laufen halten und ihre Arbeiter besch&auml;ftigen. Wer nach den Priorit&auml;ten chinesischer Politik sucht, wird sie dort finden. <\/p><p>Aber sowohl China als auch Russland werden sich irgendwann einmal entscheiden m&uuml;ssen, je mehr die Situation in Myanmar sich zuspitzt, je unvers&ouml;hnlicher die beiden Parteien sich gegen&uuml;berstehen, desto weniger kann man dort auf zwei Hochzeiten tanzen. Sie setzen zurzeit aufs falsche Pferd, die Tatmadaw werden auf lange Sicht das Land nicht regieren k&ouml;nnen. Sogar wenn sie jetzt die Schlacht gewinnen w&uuml;rden, der Widerstand wird weitergehen. Das Volk von Myanmar wird die Haltung von China und Russland genau beobachten. Wenn die Tatmadaw verlieren, dann haben Russland und China schlechte Karten in Myanmar. Eine zivile Regierung wird sich dann eher dem von den USA gef&uuml;hrten Westen zuwenden, zumal diese bereits Sanktionen gegen die Junta verh&auml;ngt und den Putsch verurteilt haben, w&auml;hrend Russland und China ihre Hand &uuml;ber die M&ouml;rder halten und Ma&szlig;nahmen gegen die Junta verhindern oder zumindest verw&auml;ssern.  <\/p><p>Indien neigt sich bereits seit der Regierungs&uuml;bernahme von Modi mehr und mehr dem Westen zu und hat zusammen mit den USA, Australien und Japan die Quad gegr&uuml;ndet, um die Einflussnahme Chinas in der Region &bdquo;einzud&auml;mmen&ldquo;. Myanmar k&ouml;nnte sich nach dem Sturz der Tatmadaw auf deren Seite schlagen. <\/p><p>F&uuml;r die USA ist die Situation ein gefundenes Fressen. Es ist keinesfalls so, dass die USA die Entwicklung, etwa durch die CIA oder mit Hilfe von NGO&acute;s vor Ort herbeigef&uuml;hrt h&auml;tten, auch wenn manche Linke das, nach den Erfahrungen mit allen m&ouml;glichen Spielarten von farbigen Revolutionen, reflexartig behaupten. In Myanmar laufen die Putschgegner nicht, wie in Hongkong, mit amerikanischen Flaggen oder mit dem Union Jack, der Fahne ihrer fr&uuml;heren Unterdr&uuml;cker, durch die Stra&szlig;en. Sie erwarten sich nicht viel von den USA, au&szlig;er einer Verurteilung im Weltsicherheitsrat und einer Anerkennung ihrer gew&auml;hlten Interimsregierung. Den Rest werden sie dann schon selber machen. Die USA k&ouml;nnen sich jetzt gem&uuml;tlich zur&uuml;cklehnen und beobachten, wie Russland und China sich bei der Bev&ouml;lkerung, nicht nur in Myanmar, verhasst machen und ihre sch&auml;ndliche egoistische Rolle dort immer mehr an den Tag kommt.<\/p><p>China hat den Putsch nicht angestiftet, China hat kein Interesse an Chaos, es will Stra&szlig;en bauen, einen Wirtschaftskorridor nach Indien, einen Seeweg nach dem Indischen Ozean, was alles vorerst unm&ouml;glich geworden ist. Aber es will auch den Westen auf Abstand halten. H&auml;tte Peking die Wahl, w&uuml;rde es bestimmt eine weitere Zusammenarbeit mit der NLD bevorzugen. Das hei&szlig;t freilich nicht, dass China nicht alles daf&uuml;r tun wird, die ver&auml;nderte Lage und die Chancen, die sich daraus f&uuml;r Peking ergeben k&ouml;nnten, zu nutzen. Eine internationale Isolation des Landes w&uuml;rde die Abh&auml;ngigkeit Myanmars von China erh&ouml;hen. <\/p><p>Die Tatmadaw k&ouml;nnen nur milit&auml;risch besiegt werden. Zu gro&szlig; ist die Schuld, die sie in der Vergangenheit und jetzt bei der brutalen Unterdr&uuml;ckung der Proteste gegen die illegale Macht&uuml;bernahme auf sich geladen haben. Das Volk wird sie enteignen und in St&uuml;cke rei&szlig;en, sobald sie sie erwischen. F&uuml;r die Tatmadaw hei&szlig;t die Alternative, entweder an der Macht bleiben oder im Gef&auml;ngnis, wahlweise am Galgen, enden. Die Missbr&auml;uche des Milit&auml;rs werden durch ihre internationalen Waffenk&auml;ufe und Gesch&auml;ftsverbindungen erm&ouml;glicht. W&auml;hrend das Volk Myanmars unter schweren Menschenrechtsverletzungen und den gesundheitlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie leidet, setzt das Milit&auml;r seine exorbitanten und unkontrollierbaren Milit&auml;rausgaben fort. Die &bdquo;Verteidigungsausgaben&ldquo; Myanmars betragen mehr als 25% des Bruttoinlandsproduktes. <\/p><p>Es scheint jedoch, dass Peking sich noch nicht endg&uuml;ltig zu dem Coup in Myanmar positioniert hat. Es ist immer noch v&ouml;llig unklar, was Peking hinter den Kulissen tut und ob es nicht doch noch die Seiten wechselt. China hat die Junta bislang nicht entscheidend unterst&uuml;tzt, sondern zu einer &bdquo;innenpolitischen Auss&ouml;hnung&ldquo; aufgerufen. Dass eine innenpolitische Auss&ouml;hnung unrealistisch ist und nicht mehr geht, d&uuml;rfte mittlerweile auch in Peking angekommen sein. Jetzt ist es f&uuml;r China an der Zeit, Partei zu ergreifen und die Seiten zu wechseln, denn ein demokratisches Myanmar ist ein zuverl&auml;ssigerer Partner als die Gener&auml;le. Es ist entscheidend, was die PRC zu tun gedenkt, da sie leider das einzige Land ist, das einen bedeutenden Einfluss in Myanmar und auf das regierende Milit&auml;r hat.<\/p><p>Myanmar wird erst dann friedlich sein, wenn es eine f&ouml;derale Demokratie ist.  Die Einigkeit, die sich zurzeit gegen den Putsch zeigt, bietet die beste Gelegenheit, dieses neue politische System zu etablieren. Peking k&ouml;nnte diesen Erfolg herbeif&uuml;hren, zusammen mit seinen Verb&uuml;ndeten bei den ethnischen Minderheiten. Wenn es dies tut, wird es die regionale Stabilit&auml;t bewahren und auch helfen, Chinas langj&auml;hriges Imageproblem in Myanmar zu l&ouml;sen. Und die Welt w&uuml;rde applaudieren.<\/p><p>Titelbild: hyotographics\/shutterstock.com<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.irrawaddy.com\/opinion\/russia-plots-next-moves-myanmar-chessboard.html\">Russia Plots Its Next Moves on the Myanmar Chessboard<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/List_of_equipment_of_the_Myanmar_Army\">List of equipment of the Myanmar Army<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.irrawaddy.com\/opinion\/guest-column\/china-myanmar-no-interference.html\">China and Myanmar: No interference?, The Irrawaddy, 23. M&auml;rz 2021<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Welt schaut entsetzt auf Myanmar: Ein Milit&auml;rputsch, die F&uuml;hrer einer demokratisch gew&auml;hlten Regierung wurden verhaftet. Suu Kyi, Staatspr&auml;sident Win Myint sowie viele andere Regierungsmitglieder sitzen seit dem 1. Februar im Gef&auml;ngnis. Seit nunmehr drei Monaten gibt es landesweite Proteste und Streiks. Bereits 800 Menschen wurden erschossen, weil sie gegen den Milit&auml;rputsch auf die Stra&szlig;e<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=71839\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":71861,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,126,20,30],"tags":[3047,282,379,2102,2052,2539,2840,2875,663,259,2645,639,2377],"class_list":["post-71839","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-erosion-der-demokratie","category-landerberichte","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-asean","tag-buergerproteste","tag-china","tag-geostrategie","tag-investitionen","tag-kriegsrecht","tag-massenmord","tag-myanmar","tag-putsch","tag-russland","tag-seidenstrasse","tag-uno","tag-waffenlieferungen"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/shutterstock_1331192546.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/71839","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=71839"}],"version-history":[{"count":13,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/71839\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":71872,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/71839\/revisions\/71872"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/71861"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=71839"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=71839"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=71839"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}