{"id":71885,"date":"2021-04-26T09:30:46","date_gmt":"2021-04-26T07:30:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=71885"},"modified":"2021-05-05T11:36:19","modified_gmt":"2021-05-05T09:36:19","slug":"brutus-liefers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=71885","title":{"rendered":"Brutus Liefers"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Brutus, auch du!&ldquo;, rief der &Uuml;berlieferung nach der gro&szlig;e Kaiser C&auml;sar, kurz bevor er tot zu Boden sank. Kurz zuvor hatte eine Gruppe von Senatoren ihm die Dolche in den Leib gerammt &ndash; und unter ihnen eben auch jener Brutus, manche sagen, sein Freund, manche sagen gar, es sei sein Sohn gewesen, jedenfalls ein enger Vertrauter. Seitdem ist der Ausruf des r&ouml;mischen Kaisers zum Sinnspruch der Entt&auml;uschung &uuml;ber einen Menschen geworden, dem man vertraut hatte, von dem man gemeint hatte, Werte und Ziele zu teilen und der nun pl&ouml;tzlich etwas getan hat, was man als &bdquo;Stich ins Herz&ldquo; empfindet. Nun hatte C&auml;sar nicht mehr genug Zeit, um &uuml;ber die Frage zu reflektieren, ob der Fehler vielleicht bei ihm selbst gelegen haben k&ouml;nnte, ob er selbst wom&ouml;glich in den letzten Monaten etwas getan haben k&ouml;nnte, was den wohl Vertrauten gegen sich aufgebracht hat. Bekanntlich verschied er wenige Sekunden, nachdem er den Satz gesprochen hatte, der ihn bis heute &uuml;berdauert, und man muss auch zugeben, dass der Moment, in dem man von Messerstichen &uuml;bers&auml;t zu Boden sinkt, nicht eben der Zeitpunkt ist, an dem man zu selbstkritischer Reflexion neigt. Von <strong>J&ouml;rg Phil Friedrich<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5430\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-71885-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210427_Brutus_Liefers_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210427_Brutus_Liefers_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210427_Brutus_Liefers_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210427_Brutus_Liefers_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=71885-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210427_Brutus_Liefers_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"210427_Brutus_Liefers_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Anders liegen die Dinge, wenn man heute gewahr wird, dass einer, den man sch&auml;tzte, urpl&ouml;tzlich unter Leuten auftaucht, die man doch eigentlich verachtet. So scheint es seit Donnerstagabend vielen Menschen in diesem Lande zu gehen, <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=71825\">die die Videos von 53 Schauspielern<\/a> gesehen haben, in denen diese ironisch, sarkastisch oder satirisch den Corona-Ma&szlig;nahmen der Bundesregierung &bdquo;zustimmen&ldquo; &ndash; und sich damit nat&uuml;rlich genau gegen diese Ma&szlig;nahmen, jedenfalls in der derzeitigen Umsetzung, stellen.<\/p><p>Ich gestehe, mich beim Anschauen der Filme k&ouml;stlich am&uuml;siert zu haben und das Gef&uuml;hl gehabt zu haben, dass hier auf mal bitter-ironische, mal heiter-satirische Weise Probleme des derzeitigen Umgangs mit der Pandemie in Politik und Alltag verhandelt wurden. Aber meine Kompetenz ist nicht die der Kunstkritik, ich kann die Qualit&auml;t und Umsetzung der Werke nicht professionell analysieren und beurteilen, sondern nur ganz intuitiv Beifall klatschen. Was ich hier versuchen will, ist, zu untersuchen, was die Reaktionen &uuml;ber den Zustand des &ouml;ffentlichen Diskurses und des demokratischen Selbstverst&auml;ndnisses in diesem Land sagen.<\/p><p>Da ist zun&auml;chst das, was man als C&auml;sar-Brutus-Syndrom bezeichnen kann. Wenn eine gesch&auml;tzte Person etwas tut, was man &bdquo;nicht von ihr erwartet h&auml;tte&ldquo;, dann wird das nicht zum Anlass genommen, die eigenen Erwartungen, wom&ouml;glich die eigenen &Uuml;berzeugungen zu pr&uuml;fen, sondern nur dazu, diese Person nun neu einzusortieren. Im besten Fall sind die Schauspieler &bdquo;den Rechten&ldquo; auf den Leim gegangen, im schlimmsten Fall sind sie eben &bdquo;in Wirklichkeit&ldquo; selbst Rechte, man hat sich nur in ihnen geirrt.<\/p><p>Dieses Urteil ist aber genau besehen unlogisch. Warum sollte jemand, dem man bisher vertraute, mit dem man vielleicht sogar befreundet war, sich nun pl&ouml;tzlich als ein ganz Anderer erweisen, von dem man durch einen Abgrund getrennt ist? W&auml;re es nicht sinnvoller, zu diskutieren, an welcher Stelle, in welcher Frage genau man die Welt verschieden sieht? W&auml;re das nicht der Weg, die eigenen Urteile zu pr&uuml;fen und zugleich mit dem, der da so &uuml;berraschend eine ganz andere Sicht auf die Dinge hat, im Gespr&auml;ch zu bleiben?<\/p><p>Stattdessen konnten wir in den letzten Tagen Stellungnahmen lesen und h&ouml;ren, die eher vermuten lassen, dass man die eigene Meinung gegen den Einbruch des Undenkbaren sch&uuml;tzen will, und sei es um den Preis der Verhinderung jeder weiteren M&ouml;glichkeit der Diskussion.<\/p><p><strong>Wenn der Feind dich lobt&hellip;<\/strong><\/p><p>Wohl das h&auml;ufigste Argument, das gegen die Schauspieler vorgebracht wurde, war der &bdquo;Beifall von der falschen Seite&ldquo;. Sie h&auml;tten den Coronaleugnern und Querdenkern, den Rechtsextremen und der AfD Munition geliefert, war zu lesen. Der Applaus von den falschen Leuten solle ihnen zu denken geben, er w&uuml;rde doch zeigen, dass sie eine falsche These vertreten und dass die ganze Aktion ein Fehler war.<\/p><p>Ganz davon abgesehen, dass dieses Argument auf die Schrift &bdquo;Wem n&uuml;tzt es?&ldquo; des russischen Revolution&auml;rs Wladimir Iljitsch Lenin zur&uuml;ckgeht und dass es tats&auml;chlich ein beliebtes Totschlagargument gegen jede Kritik in den sogenannten sozialistischen Gesellschaften war, ist es nat&uuml;rlich geeignet, tats&auml;chlich jeden konstruktiven Streit um politische Ma&szlig;nahmen unm&ouml;glich zu machen. Selbstverst&auml;ndlich werden die radikalen Gegner einer Demokratie immer einer Kritik am aktuellen Zustand zustimmen. Ihnen gelingt damit zweierlei: Sie k&ouml;nnen ihre Anschlussf&auml;higkeit an aktuelle Debatten demonstrieren und sie k&ouml;nnen den konstruktiven Streit zwischen Demokraten zum Grundsatzstreit &uuml;ber das ganze System zuspitzen. Nebenbei k&ouml;nnen sie nat&uuml;rlich auch immer darauf rechnen, dass Demokraten sich mit kritischen Einsch&auml;tzungen zur&uuml;ckhalten, aus Angst vor der Zustimmung durch die &bdquo;falschen Leute&ldquo; &ndash; das wiederum k&ouml;nnen genau diese Leute dann nutzen, um sich selbst zum Sprecher dieser Kritik zu machen.<\/p><p>Man kann also nur verlieren, wenn man aus Sorge vor dem Beifall aus der falschen politischen Ecke etwas ungesagt l&auml;sst, was gesagt werden m&uuml;sste. Das hei&szlig;t nicht, dass es mich z.B. kalt l&auml;sst, wenn ich sehe, dass Leute meine Tweets teilen, mit denen ich eigentlich nichts zu tun haben will. Es ist immer Anlass zur Reflexion &uuml;ber eigene Formulierungen, aber auch &uuml;ber die gesellschaftliche Situation. Wie steht es um die Demokratie, wenn es m&ouml;glich ist, dass ihre Feinde sich als ihre letzten Verteidiger aufspielen k&ouml;nnen? Man kann auch sagen: Gerade dann, wenn das m&ouml;glich ist, m&uuml;ssen wir die Kritik umso lauter selbst benennen. Der Dichter Volker Braun brachte es in einem seiner &bdquo;Berichte von Hinze und Kunze&ldquo; so auf den Punkt: Als Kunze eine Kritik an den gesellschaftlichen Verh&auml;ltnissen &auml;u&szlig;erte, erwiderte Hinze: &bdquo;Aber diese Frage stellen hie&szlig;e, den Staat in Frage stellen!&ldquo; Worauf Kunze zur&uuml;ckgab &bdquo;Wenn das so w&auml;re, m&uuml;sste man die Frage wirklich stellen.&ldquo;<\/p><p><strong>Ohrfeigen und Verh&ouml;hnung<\/strong><\/p><p>Fast ebenso h&auml;ufig war in den letzten Tagen zu h&ouml;ren und zu lesen, dass die Videos eine &bdquo;Ohrfeige f&uuml;r das Pflegepersonal auf den Intensivstationen&ldquo; und eine &bdquo;Verh&ouml;hnung der Opfer der Pandemie&ldquo; seien. Da es in keinem Video, soweit ich das &uuml;berblicke, &uuml;berhaupt um die Situation in Krankenh&auml;usern oder um die Folgen der Krankheit ging, muss man zun&auml;chst schlicht feststellen, dass dieses Argument selbst eine Instrumentalisierung der Pflegekr&auml;fte in Krankenh&auml;usern und der Erkrankten, der Verstorbenen und deren Hinterbliebenen ist. Ob irgendjemand von diesen Menschen sich von einem der Videos verletzt f&uuml;hlt, k&ouml;nnen nur diese Personen selbst sagen, ob die W&uuml;rde von Todesopfern verletzt wurde, k&ouml;nnen deren Familienangeh&ouml;rige vielleicht beurteilen, aber kein Kommentator, kein Karikaturist und erst recht kein Twitterer, der meint, das Schicksal der Betroffenen f&uuml;r seinen Kampf gegen angeblich r&uuml;cksichtslose Schauspieler benutzen zu d&uuml;rfen.<\/p><p>Davon abgesehen behauptet das Argument, wenn es &uuml;berhaupt einen Sinn hat, dass die satirisch angegriffenen Ma&szlig;nahmen der Regierung sowie das ironisch aufs Korn genommene Verhalten von Medien und Bev&ouml;lkerung irgendwie hilfreich f&uuml;r die Betroffenen, die Pflegekr&auml;fte und die Kranken seien. Die Videos behaupten aber gerade das Gegenteil: Sie wollen zeigen, dass gerade die Ma&szlig;nahmen und das Verhalten, &uuml;ber das sie sich lustig machen, eben nicht n&uuml;tzlich sind. Ein Beispiel: Wenn Jan Josef Liefers in seinem Video ironisch kritisiert, dass die Regierung nur auf wenige ausgesuchte Spezialisten h&ouml;rt und nicht die Breite der Expertise einbezieht, die zur Verf&uuml;gung steht, dann steht er gerade auf der Seite der Betroffenen, denen auf der Basis der ganzen Vielfalt wissenschaftlicher Erkenntnisse und Erfahrungen viel besser geholfen werden k&ouml;nnte. Wer versucht, diese Kritik zu unterdr&uuml;cken und gar nicht erst zur Sprache kommen zu lassen, indem er mit dem &bdquo;Argument&ldquo;, da w&uuml;rden Opfer verh&ouml;hnt, die Diskussion sozusagen schon im Ansatz abschneiden will, tut am Ende das, was er den Machern der Videos vorwirft: Er k&uuml;mmert sich einen Dreck darum, was den Betroffenen wirklich helfen w&uuml;rde, er instrumentalisiert sie nur f&uuml;r sein eigenes politisches oder aufmerksamkeits&ouml;konomisches Interesse.<\/p><p>Sowohl das politische Handeln der Regierung als auch das Verhalten der Menschen muss kritisch begleitet werden, und da ist das Mittel der satirischen Zuspitzung genauso geeignet wie das des philosophischen Essays. Nur wenn sich alles, was in dieser Gesellschaft passiert, in der Kritik bew&auml;hrt, kann es am Ende auch das sein, was angemessen und nach menschlichem Ermessen das Beste f&uuml;r alle Betroffenen ist. Wer solche Kritik schon im Ansatz verhindern will, verhindert, dass gerade das geschieht, was f&uuml;r die Betroffenen gut, angemessen und akzeptabel ist.<\/p><p><strong>Privilegiert und arriviert<\/strong><\/p><p>Ein weiterer Versuch der Gegner der Aktion, die teilnehmenden Schauspieler zu diskreditieren, ist, dass es sich bei ihnen doch um privilegierte Stars und arrivierte Prominente handeln w&uuml;rde. Eigentlich ist es dieses &bdquo;Argument&ldquo; gar nicht wert, &uuml;berhaupt diskutiert zu werden, weil es behauptet, dass bestimmte Personen, nur weil sie gerade nicht selbst betroffen sind, sich nicht zu einem Thema &auml;u&szlig;ern d&uuml;rften, dass Menschen, die sozial abgesichert seien, sowieso keine ernsthaften Probleme haben und sich schon gar nicht zu ernsthaften Problemen &auml;u&szlig;ern d&uuml;rften. Das ist schon deshalb absurd, weil die meisten, die sich so &auml;u&szlig;ern, selbst in der gleichen oder wom&ouml;glich besseren sozialen Lage sind wie die Schauspieler &ndash; auf jeden Fall aber ebenfalls sozial abgesichert und wenig selbst betroffen sein d&uuml;rften. Wom&ouml;glich haben viele Menschen auch v&ouml;llig falsche Vorstellungen von den Eink&uuml;nften von Schauspielern jenseits der Star-Prominenz.<\/p><p>Gern wird zudem noch behauptet, die Schauspieler h&auml;tten nur wieder einmal Aufmerksamkeit erregen wollen und in den Medien auftauchen wollen, ein Vorwurf, der ebenso absurd ist, weil die so erreichte Aufmerksamkeit gerade f&uuml;r diese Personen, die auf Sympathie und positive Wahrnehmung angewiesen sind, nat&uuml;rlich auch ein besonderes Risiko ist.<\/p><p>Aber all das kann dahingestellt bleiben, weil nat&uuml;rlich jede Person unabh&auml;ngig von ihrer Bekanntheit und der Zahl der Zimmer ihrer Wohnung oder der Zahl der Ferienh&auml;user, die sie besitzt, ein Recht darauf hat, sich in der &ouml;ffentlichen Debatte zu &auml;u&szlig;ern. Wenn Liefers dar&uuml;ber geklagt h&auml;tte, dass er am Set einen Mindestabstand zum Kameramann einhalten muss oder Tukur gejammert h&auml;tte, dass derzeit keine Bettszenen gedreht werden &ndash; dann h&auml;tte man das als &bdquo;Jammern auf hohem Niveau&ldquo; angreifen k&ouml;nnen. Aber darum ging es den Schauspielern ja ersichtlich gerade nicht, es ging ihnen um Entwicklungen in der Gesellschaft, die vor allem den Spitzenstars aus rein &ouml;konomischer Sicht vermutlich egal sein k&ouml;nnten &ndash; die ihnen aber Sorgen machen und die sie dazu veranlasst haben, das Risiko des &ouml;ffentlichen Ansehens- und Sympathieverlustes einzugehen, ein Risiko, dass gerade Stars nicht gleichg&uuml;ltig sein kann. Umso h&ouml;her sollten wir, unabh&auml;ngig davon, ob wir mit den Aussagen &uuml;bereinstimmen oder nicht, diese Aktion sch&auml;tzen.<\/p><p>Denn in der Mediengesellschaft ist es wichtig, dass gerade prominente Leute, die nicht Politiker oder Experten sind und in Fragen einer Pandemie eben am ehesten auch ganz einfache Leute sind, den Mund aufmachen und das sagen, was ihnen Sorge bereitet und Angst macht. Sie werden geh&ouml;rt, &uuml;ber das, was sie sagen, spricht man, und es kann nicht einfach beiseite geschoben werden. Es w&auml;re klug, wenn diese Menschen viel mehr zu Worte k&auml;men, sie sind dem Denken des Normalb&uuml;rgers viel n&auml;her als der wissenschaftliche Experte oder die Politikerin. Schauspielerinnen und K&uuml;nstler &uuml;berhaupt m&ouml;gen auch in einer speziellen Blase leben, aber sie sind so politisch oder unpolitisch, so naiv oder gebildet wie die Programmiererin und der Verk&auml;ufer, die Busfahrerin und der Lehrer &ndash; sie erhalten in der Mediengesellschaft aber mehr Aufmerksamkeit. Deshalb sollten wir dankbar sein, wenn sie das Risiko eingehen und ihre F&auml;higkeiten nutzen, das auszusprechen, was ihnen auf der Seele liegt.<\/p><p><strong>Warum &uuml;berhaupt der Aufschrei?<\/strong><\/p><p>Zum Schluss die Frage: Warum &uuml;berhaupt gab es diesen emp&ouml;rten Aufschrei &uuml;ber diese Aktion von gut 50 Schauspielern? Daran, dass die Regierung und die Medien satirisch kritisiert wurden, kann es nicht liegen, denn das ist inzwischen wohlfeil, politische Satire, die sich &uuml;ber die Bundesregierung lustig macht, gibt es im &Uuml;berfluss, ohne dass da jemand fragt, ob es gelungen oder angemessen ist &ndash; auch zum Thema Corona-Ma&szlig;nahmen.<\/p><p>Der wunde Punkt, den diese Aktion getroffen hat, ist ein anderer: Uns, die wir uns an die Regeln halten, auch wenn sie absurd sind, die wir brav tun, was die Regierung verordnet, die wir einigen Experten an den Lippen h&auml;ngen und andere beschimpfen, weil sie etwas anderes sagen, die wir dem unkritischen Journalismus ebenso unkritisch lauschen, wird der satirische Zerrspiegel vorgehalten. Es gibt wohl nur wenige, die die F&auml;higkeit besitzen, sogleich zu sagen: &bdquo;Ok, das ist ein bisschen oder ganz sch&ouml;n &uuml;bertrieben, aber hier und da ist da was Wahres dran, ich muss da mein eigenes Verhalten kritisch &uuml;berdenken&ldquo;. Ganz nat&uuml;rlich ist es, auf ein solches &ndash; zudem satirisch verfremdetes &ndash; Spiegelbild mit Ablehnung zu reagieren. Der Aufschrei ist also verst&auml;ndlich, und die hier dargestellten Mechanismen der Zur&uuml;ckweisung sind es auch. Bleibt zu hoffen, dass es nicht dabei bleibt, dass die, die sich heute noch emp&ouml;ren, nach ein paar Tagen noch mal auf die Videos schauen k&ouml;nnen und mit etwas Gelassenheit fragen, was denn Wahres dran ist an diesen Karikaturen und warum man da &uuml;berhaupt so aggressiv reagiert hat.<\/p><p>Titelbild: rudall30\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Brutus, auch du!&ldquo;, rief der &Uuml;berlieferung nach der gro&szlig;e Kaiser C&auml;sar, kurz bevor er tot zu Boden sank. 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