{"id":71956,"date":"2021-04-28T09:16:15","date_gmt":"2021-04-28T07:16:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=71956"},"modified":"2021-04-29T08:05:19","modified_gmt":"2021-04-29T06:05:19","slug":"israels-staatsterrorismus-gegen-den-iran","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=71956","title":{"rendered":"Israels Staatsterrorismus gegen den Iran"},"content":{"rendered":"<p>Mitte April ereignete sich in der wichtigsten iranischen Atomanlage in Natanz ein Bombenanschlag, der dem israelischen Mossad zugeschrieben wird. Das iranische Atomprogramm sei um neun Monate zur&uuml;ckgeworfen. Dieser Anschlag reiht sich ein in eine lange Liste israelischen Staatsterrorismus gegen den Iran und sein Zeitpunkt ist kein Zufall: Parallel laufen in Wien indirekte Gespr&auml;che zwischen den USA und dem Iran, um beide L&auml;nder ohne Gesichtsverlust zur&uuml;ck zu ihren Verpflichtungen des Iran-Deals von 2015 zu holen. Doch Benjamin Netanyahu will diese Verhandlungen sabotieren und taumelt lieber einem offenen, katastrophalen Krieg mit dem Iran entgegen. Von <b>Jakob Reimann<\/b><\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7630\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-71956-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210428_Israels_Staatsterrorismus_gegen_den_Iran_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210428_Israels_Staatsterrorismus_gegen_den_Iran_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210428_Israels_Staatsterrorismus_gegen_den_Iran_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210428_Israels_Staatsterrorismus_gegen_den_Iran_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=71956-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210428_Israels_Staatsterrorismus_gegen_den_Iran_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"210428_Israels_Staatsterrorismus_gegen_den_Iran_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Am Sonntag, den 11. April, ereignete sich ein Anschlag auf die iranische Nuklearanlage Natanz in der Isfahan-Provinz im Landesinneren. Zun&auml;chst kursierte die Vermutung eines Cyberangriffs auf das Stromnetz, doch stellte sich rasch heraus, dass es sich um einen vom Innern der Anlage ausgef&uuml;hrten Bombenanschlag handelte. Die Bombe soll in die Anlage geschmuggelt und via Fernz&uuml;nder detoniert worden sein. Durch die Explosion wurde das von der Au&szlig;enwelt isolierte interne Stromsystem zur Versorgung der Zentrifugen &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2021\/04\/11\/world\/middleeast\/iran-nuclear-natanz.html\">vollst&auml;ndig zerst&ouml;rt<\/a>&ldquo;, erkl&auml;ren anonyme israelische und US-amerikanische Geheimdienstquellen gegen&uuml;ber der New York Times. Laut dem Forschungsleiter des iranischen Parlaments wurden dabei &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/world-middle-east-56734657\">Tausende Zentrifugen besch&auml;digt oder zerst&ouml;rt<\/a>&ldquo;. Zur Zeit des Anschlags waren rund 1.000 Personen vor Ort, die alle in Lebensgefahr gebracht wurden. Auch h&auml;tte eine vernichtende Umweltkatastrophe ausgel&ouml;st werden k&ouml;nnen. Natanz ist die wichtigste Atomanlage im Iran, hier wird zu Forschungszwecken sowie im industriellen Ma&szlig;stab Uran angereichert. Gemeinhin wird berichtet, dass das iranische Atomprogramm durch den Anschlag um sechs bis neun Monate zur&uuml;ckgeworfen wurde. Teheran vermutete Israel als Schuldigen und pr&auml;sentierte kurz darauf den <a href=\"https:\/\/www.presstv.com\/Detail\/2021\/04\/17\/649682\/Iran-releases-picture-of-culprit-behind-Natanz-sabotage-act\">43-j&auml;hrigen Reza Karimi<\/a>, der im Auftrag des israelischen Mossad-Geheimdienstes den Anschlag ausgef&uuml;hrt haben soll, jedoch bereits aus dem Iran geflohen sei.<\/p><p><strong>Der Mossad steckt hinter dem Anschlag<\/strong><\/p><p>Es geh&ouml;rt zur Politik der israelischen Regierung, milit&auml;rische oder Geheimdienstoperationen, die ihr vorgeworfen werden, in aller Regel weder zu best&auml;tigen noch zu dementieren. Beim Natanz-Anschlag verdichten sich hingegen die Kommentare, Leaks und Einsch&auml;tzungen, die alle in nur eine Richtung deuten: So identifiziert das israelische &ouml;ffentlich-rechtliche Kan Radio unter Berufung auf anonyme Quellen den <a href=\"https:\/\/english.alarabiya.net\/News\/middle-east\/2021\/04\/11\/Mossad-behind-attack-on-Iran-s-nuclear-site-Israeli-radio-cites-intelligence-sources\">Mossad hinter dem Anschlag<\/a> und auch die rechtslastige, Netanyahu-freundliche Jerusalem Post titelte unter Berufung auf &bdquo;westliche Quellen&ldquo;: &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.jpost.com\/middle-east\/incident-reported-in-iranian-natanz-nuclear-facility-664792\">Mossad hinter Angriff auf iranische Nuklearanlage Natanz<\/a>&ldquo;. Noch am Tag des Anschlags r&auml;umten mehrere ungenannte israelische Geheimdienstquellen gegen&uuml;ber verschiedenen hebr&auml;ischsprachigen Medien ein, <a href=\"https:\/\/www.timesofisrael.com\/western-officials-say-mossad-behind-natanz-power-cut-iran-calls-it-terrorism\/\">der Mossad habe den Angriff durchgef&uuml;hrt<\/a>, wie die Times of Israel berichtet. Netanyahu selbst implizierte am selben Tag eine israelische T&auml;terschaft: &bdquo;Der Kampf gegen den Iran [&hellip;] ist eine gigantische Mission.&ldquo; Der h&ouml;chste Milit&auml;r im Land, Generalstabschef Aviv Kochavi, konnte sich noch bremsen, die T&auml;terschaft Israels nicht direkt einzur&auml;umen, als er einen Tag sp&auml;ter erkl&auml;rte: Israels &bdquo;Operationen im gesamten Nahen Osten bleiben nicht vor den Augen unserer Feinde verborgen. [&hellip;] <a href=\"https:\/\/www.jpost.com\/middle-east\/incident-reported-in-iranian-natanz-nuclear-facility-664792\">Wir werden auch weiterhin agieren<\/a> und dabei Macht und Diskretion kombinieren&ldquo;. Auch der israelische Au&szlig;enminister Gabi Ashkenazi erkl&auml;rt recht unverbl&uuml;mt: &bdquo;Wir ergreifen Ma&szlig;nahmen [gegen den Iran], <a href=\"https:\/\/www.jpost.com\/israel-news\/ashkenazi-on-natanz-explosion-our-actions-in-iran-better-left-unsaid-633923\">die lieber unausgesprochen bleiben<\/a>&ldquo;.<\/p><p>Angesichts dieser Vielzahl an Leaks und Andeutungen und mit der langen Liste &auml;hnlicher Anschl&auml;ge Israels gegen den Iran im Hinterkopf (dazu sp&auml;ter mehr), ist es fair, zu sagen: Der Mossad steckt hinter dem Anschlag von Natanz.<\/p><p>In einer regelrecht Orwell&rsquo;schen Bedeutungsumkehr der Worte <a href=\"https:\/\/www.timesofisrael.com\/netanyahu-to-visiting-us-defense-secretary-we-wont-let-iran-obtain-nukes\/\">erkl&auml;rte<\/a> Netanyahu einen Tag nach dem Anschlag: &bdquo;Im Nahen Osten gibt es keine gef&auml;hrlichere, gravierendere und dringlichere Bedrohung als die des fanatischen Regimes im Iran&ldquo;. Und weiter: &bdquo;Israel wird sich auch weiterhin gegen die Aggression und den Terrorismus des Iran verteidigen&ldquo;. Derartige Worte zu &auml;u&szlig;ern, kurz nachdem die eigene Regierung einen Bombenanschlag auf den Iran ver&uuml;bt hat, illustriert die Chuzpe der Netanyahu-Administration.<\/p><p><strong>Irans Antwort und das Versagen westlicher Medien<\/strong><\/p><p>Der Natanz-Anschlag ereignete sich einen Tag, nachdem Iran feierlich den Betrieb seiner weiterentwickelten IR-5- und IR-6-Zentrifugen aufnahm. Der iranische Au&szlig;enminister Javad Zarif sagte kurz nach dem Anschlag: &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.jpost.com\/middle-east\/incident-reported-in-iranian-natanz-nuclear-facility-664792\">Natanz wird st&auml;rker sein als je zuvor<\/a>, mit noch fortschrittlicheren Maschinen.&ldquo; Die in der Testphase befindliche IR-9 soll das Uran k&uuml;nftig 50-mal schneller anreichern als die urspr&uuml;ngliche IR-1, die unter dem Iran-Deal von 2015 erlaubt ist. Als Reaktion auf den Anschlag wurden in Natanz &bdquo;sechs Kaskaden mit bis zu 1.044 IR-2m-Zentrifugen und zwei Kaskaden mit bis zu 348 IR-4-Zentrifugen&ldquo; installiert, <a href=\"https:\/\/www.timesofisrael.com\/syrian-war-monitor-claims-3-killed-as-iran-oil-tanker-struck-by-drone\/\">berichtet Reuters<\/a>, was dem Anderthalbfachen beziehungsweise Doppelten der jeweils bisher installierten Zentrifugen entspricht.<\/p><p>Die zu erwartende Trotzreaktion des Iran illustriert bilderbuchartig, wie der israelische Bombenanschlag sein Resultat in seine urspr&uuml;ngliche Begr&uuml;ndung wiederkehrt. Wenige Tage nach dem Natanz-Anschlag verk&uuml;ndete der Leiter der Iranischen Atomenergieorganisation AEOI, Ali Akbar Salehi, der Iran habe Uran nun auf 60 Prozent angereichert, was technisch nur noch knapp unter den 90 Prozent Anreicherung liegt, die zum Bau von Atomwaffen n&ouml;tig w&auml;re. St&uuml;ndlich w&uuml;rden neun Gramm angereichert. Bis auf die Anti-Iran-Falken in Israel und den USA behauptet niemand ernsthaft, dies sei tats&auml;chlich ein Schritt hin zur iranischen Bombe &ndash; vielmehr herrscht Konsens dar&uuml;ber, dass es sich hier um den Aufbau von Verhandlungsmasse in zuk&uuml;nftigen Gespr&auml;chen zur Aufhebung von Sanktionen handelt sowie um &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.timesofisrael.com\/irans-rouhani-says-60-enrichment-is-response-to-israels-nuclear-terrorism\/\">die Antwort auf eure Niedertracht<\/a>&ldquo;, wie es Pr&auml;sident Rouhani in Richtung Israel formuliert.<\/p><p>Auch das Timing des Anschlags selbst ist alles andere als zuf&auml;llig: Just in dieser Zeit begannen in Wien indirekte Gespr&auml;che zwischen der Biden-Administration und dem Iran dar&uuml;ber, wie beide L&auml;nder &ndash; ohne das Gesicht zu verlieren &ndash; wieder zu ihren Verpflichtungen unter dem Nuklearabkommen zur&uuml;ckkehren k&ouml;nnen. Der israelische Anschlag in Natanz sollte die Gespr&auml;che sabotieren, doch laufen diese <a href=\"https:\/\/www.aljazeera.com\/news\/2021\/4\/22\/us-tells-iran-sanctions-it-could-lift-for-return-to-nuclear-deal\">unbeschadet und relativ konstruktiv<\/a> weiter. Israels Obstruktionismus dient dem Ziel, den iranischen Geduldsbogen derart zu &uuml;berspannen, dass auch Teheran den Verhandlungstisch umwirft und so wieder zu dem internationalen Paria wird, als den die israelische Propaganda seinen Erzfeind so gerne zeichnen will.<\/p><p>Bereits im Mai 2019, ein Jahr, nachdem Trump aus dem Iran-Deal (offiziell: JCPOA) ausstieg, begann Teheran, in f&uuml;nf Schritten seine Verpflichtungen zur&uuml;ckzufahren, etwa indem mehr Kilogramm und auf einen h&ouml;heren Grad angereichert oder mehr Zentrifugen installiert wurden. All diese Schritte sind technisch leicht umkehrbar. Sie waren die iranische Reaktion darauf, dass nicht nur die USA, sondern auch die anderen Vertragsparteien China, Deutschland, EU, Frankreich, Gro&szlig;britannien und Russland <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=57959\">den Iran-Deal verletzten<\/a>, indem sie Teheran die zugesagten Handelserleichterungen nicht gew&auml;hrten.<\/p><p>Ich m&ouml;chte an dieser Stelle auf eine eklatante Irref&uuml;hrung unserer schreibenden Kolleginnen und Kollegen im Westen hinweisen: Nach ihrer Erz&auml;hlung w&uuml;rde der Iran mit der Aussetzung seiner Verpflichtungen das Nuklearabkommen brechen, so lesen wir in s&auml;mtlichen gro&szlig;en westlichen Gazetten. Irans Au&szlig;enminister, der diese L&uuml;ge jedes Mal redigiert, wird daf&uuml;r verspottet; ebenso Pr&auml;sident Rouhani, der auch nach Bekanntgabe der 60-Prozent-Anreicherung j&uuml;ngst erneut versichert: &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.timesofisrael.com\/irans-rouhani-says-60-enrichment-is-response-to-israels-nuclear-terrorism\/\">Was wir machen, ist legal.<\/a>&ldquo; Das mag in westlichen Ohren sonderbar klingen, doch rechtfertigt Teheran sein Handeln stets mit <a href=\"#page=17\">Artikel 36 des JCPOA<\/a>, der jeder Vertragspartei das Recht einr&auml;umt, &bdquo;ihre Verpflichtungen ganz oder teilweise auszusetzen&ldquo;, wenn sich die anderen Parteien einer &bdquo;signifikanten Nichterf&uuml;llung&ldquo; ihrer Vertragsverpflichtungen schuldig machen. Wir k&ouml;nnen uns nach Belieben &uuml;ber Teherans Aussetzung seiner Verpflichtungen moralisch emp&ouml;ren, doch handelte der Iran stets im Einklang mit dem V&ouml;lkerrecht &ndash; alle anderen Parteien brechen jeden Tag das V&ouml;lkerrecht. Es kann nicht oft genug darauf hingewiesen werden.<\/p><p>Eine Randnotiz: Ich m&ouml;chte &uuml;ber dieses Verhalten meiner Kolleginnen und Kollegen der schreibenden Zunft nicht urteilen, doch fallen mir spontan zwei m&ouml;gliche Gr&uuml;nde ein: Entweder ist es Faulheit, die Dokumente, &uuml;ber die sie schreiben und auf deren Grundlage sie den Iran des V&ouml;lkerrechtsbruchs beschuldigen, im Original nicht zu studieren. Oder sie sind sich der Existenz des Paragraphen 36 sehr wohl bewusst und ergehen sich demnach in vors&auml;tzlicher Irref&uuml;hrung und aus ideologischen Gr&uuml;nden in anti-iranischer Propaganda. Ersteres w&uuml;rde journalistische Inkompetenz belegen, Zweiteres Kollaboration im staatlichen Konfrontationskurs respektive Kriegseintrittspropaganda &ndash; beides lie&szlig;e tief in das Berufsethos des westlichen Journalismus blicken.<\/p><p><strong>Heiko Maas vs. Vereinte Nationen<\/strong><\/p><p>Ein wesentlicher Kritikpunkt rechter Agitatoren gegen den Iran-Deal lautet, dass er weder das ballistische Raketenprogramm des Iran noch dessen expansive Aktivit&auml;ten im Nahen Osten umfasst, was beides bekanntlich auch nie das Ziel war: Maximales Herunterschrauben des iranischen Nuklearprogramms gegen Aufhebung der Sanktionen, so lautete der Deal, an dessen Vorgaben sich Teheran &ndash; im Gegensatz zu allen anderen Parteien &ndash; bis Mai 2019 penibel hielt, wie die Internationale Atomenergie-Organisation IAEA zw&ouml;lf Mal best&auml;tigte. Ein Jahr zuvor, im Mai 2018, stieg Donald Trump aus dem Deal aus, fuhr seine &bdquo;maximum pressure&ldquo;-Politik der illegalen Sanktionen und setzte so die Eskalationsspirale in Gang, die uns kausal direkt zum j&uuml;ngsten Bombenanschlag auf Natanz f&uuml;hrte.<\/p><p>Pr&auml;sident Rouhani versicherte stets, der Iran werde seine Verpflichtungen wieder vollst&auml;ndig erf&uuml;llen, sollten die USA Trumps illegale Sanktionen zur&uuml;cknehmen &ndash; eine Chance, die unbedingt ergriffen werden muss. Doch anstatt hier als ehrlicher Broker zu agieren und den Iran-Deal zu retten, <a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/politik\/meinungsstark-politik\/iran-maas-spielt-mit-dem-feuer\/\">schlug die Bundesregierung in den Eskalationskurs Washingtons ein<\/a>. Bereits im Dezember 2020 biedert sich Au&szlig;enminister Heiko Maas (SPD) an den doch eigentlich so verhassten Pr&auml;sidenten Trump an: &bdquo;Eine R&uuml;ckkehr zum bisherigen Abkommen wird nicht ausreichen. Wir haben klare Erwartungen an Iran: keine Nuklearwaffen, aber auch kein ballistisches Raketenprogramm, das die ganze Region bedroht. Au&szlig;erdem muss Iran eine andere Rolle in der Region spielen.&rdquo; Der deutsche Au&szlig;enminister kann nat&uuml;rlich Erwartungen, W&uuml;nsche und Tr&auml;ume haben, wie es ihm beliebt, nur gibt es ein Problem: Als Forderung und Vorbedingung an den Iran formuliert sind seine &bdquo;klaren Erwartungen&ldquo; v&ouml;lkerrechtswidrig. Denn: Der Iran-Deal ist nicht &bdquo;nur&ldquo; ein Vertrag zwischen Iran und sieben Weltm&auml;chten, sondern in <a href=\"https:\/\/www.un.org\/Depts\/german\/sr\/sr_15\/sr2231.pdf\">Resolution 2231 des UN-Sicherheitsrats<\/a> verbrieft und damit f&uuml;r alle L&auml;nder dieser Welt v&ouml;lkerrechtlich bindend.<\/p><p>Zum weiteren Verst&auml;ndnis ein kurzer Abstecher zu den zwei Kritikgr&uuml;nden, iranische Raketen und Teherans Unterst&uuml;tzung von Milizen in Nahost. Diese tragen in ihrem Kern das alte Dilemma der Geo- und Sicherheitspolitik: Des einen Defensive ist durch des anderen Brille Offensive. Wer Irans misstrauisches Verhalten im Hier und Heute verstehen will, muss sich das Jahrzehnt nach der Islamischen Revolution 1979 ansehen, den Iran-Irak-Krieg 1980&ndash;1988: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=70630\">Mit deutschem Giftgas und Geheimdienstinformationen der CIA<\/a> f&uuml;hrte Saddam Hussein einen brutalen Giftgaskrieg gegen den Iran. Bis auf Nordkorea und Syrien von der gesamten Welt verraten, flehte Teheran diese Welt an, ballistische Raketen zu erhalten, um doch wenigstens seine Zivilbev&ouml;lkerung vor Saddams Gasbeschuss verteidigen zu k&ouml;nnen. Vergeblich. Am Ende starben bis zu einer Million Menschen, <a href=\"#Casualties\">mehr als Hunderttausend<\/a> allein am Gas. Westliche Akteure arbeiten seit der Revolution von 1979 daran, das iranische Regime zu Fall zu bringen &ndash; und schrecken dabei selbst vor der Komplizenschaft an Giftgasmassakern nicht zur&uuml;ck. Das ist der Grund, warum der Iran autark Raketen baut und sich in der Region ein Netzwerk aus Proxy-Milizen h&auml;lt.<\/p><p>Gesagtes soll das Verhalten des Iran keineswegs <i>rechtfertigen<\/i>, sondern rational <i>erkl&auml;ren<\/i>, es soll geopolitische Realit&auml;ten anerkennen: Teherans Verhalten ist das, was Iran-Experte Michael L&uuml;ders &bdquo;Vorw&auml;rtsverteidigung&ldquo; nennt &ndash; Irans einzige R&uuml;ckversicherung, sich nicht in die lange Liste der vom westlichen Imperialismus &uuml;berfallenen Staaten einzureihen, nicht zum neuen Afghanistan, Irak, Libyen, Syrien zu werden. Wir k&ouml;nnen uns &uuml;ber Raketen und Milizen moralisch emp&ouml;ren &ndash; aus reinem Selbstschutz wird Teheran beides nicht aufgeben.<\/p><p>Wenn Heiko Maas nun exakt die Trump&rsquo;schen Talking Points &uuml;bernimmt, missachtet er diese Realit&auml;ten vollends und schwenkt auf den Kriegskurs der Anti-Iran-Falken in Washington und Jerusalem ein. Wenn er das Ende seines eigenen V&ouml;lkerrechtsbruchs an vollkommen illusorische Forderungen an Teheran kn&uuml;pft, tritt er genau wie die rechten Hetzer Trump und Netanyahu eben dieses V&ouml;lkerrecht mit F&uuml;&szlig;en &ndash; die vermeintlich werte- und regelbasierte Weltordnung, die Politikerinnen und Politiker im liberalen Westen stets heraufbeschw&ouml;ren. Selbst der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages urteilte in einem v&ouml;lkerrechtlichen Gutachten vom Juni 2018 unmissverst&auml;ndlich: &bdquo;Die rechtliche Verbindlichkeit der Vereinbarungen des JCPOA <a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/resource\/blob\/563348\/e50a08010717c3e740ca75502deedb07\/wd-2-074-18-pdf-data.pdf\">k&ouml;nnte allein der VN-Sicherheitsrat wieder aufheben<\/a>.&ldquo; Wer gibt Heiko Maas das Recht, sich &uuml;ber die UN hinwegzusetzen? Welch eine Arroganz und Anma&szlig;ung, in unserer aller Namen unilateral das Umschreiben von UN-Resolutionen zu fordern.<\/p><p>Zur&uuml;ck zum Natanz-Anschlag. Au&szlig;enminister Zarif spricht hier genau wie Pr&auml;sident Rouhani vollkommen zutreffend von &bdquo;nuklearem Terrorismus&ldquo;. Diese Formulierung kann als iranische Propaganda abgetan werden, nur ist sie zweifelsohne akkurat. Wenn Al-Qaida einen Bombenanschlag auf die einzige deutsche industrielle Urananreicherungsanlage Gronau in NRW durchf&uuml;hren w&uuml;rde, w&uuml;rden wir nat&uuml;rlich von Terrorismus sprechen; f&uuml;hrte &ndash; rein hypothetisch &ndash; Schweden den Anschlag aus, spr&auml;chen wir von Staatsterrorismus. Wenn Israel nun Bombenanschl&auml;ge in iranischen Atomanlagen begeht, ist es selbstredend genau das: Staatsterrorismus. Ein Blick zur&uuml;ck.<\/p><p><strong>Die lange Geschichte israelischen Staatsterrorismus<\/strong><\/p><p>Das iranische Nuklearprogramm blickt auf eine ereignisreiche Geschichte israelischen Staatsterrorismus zur&uuml;ck, ausgef&uuml;hrt oft in Kollaboration mit Washington. Allein im Fr&uuml;hsommer 2020 ereigneten sich innerhalb weniger Tage mehrere konzertierte Brand- und <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2020\/07\/05\/world\/middleeast\/iran-Natanz-nuclear-damage.html\">Bombenanschl&auml;ge<\/a> sowie Cyberattacken auf iranische Infrastrukturen wie Kraftwerke, medizinische Einrichtungen, Chemiefabriken, Zentrifugenmontageanlagen und wie j&uuml;ngst bereits auf die Nuklearanlage in Natanz. Zumeist wurde bei diesen Anschl&auml;gen glaubw&uuml;rdig Israel als T&auml;ter ausgemacht. 2007 berichtete die London Times unter Berufung auf &bdquo;mehrere israelische Milit&auml;rquellen&ldquo; exklusiv, die israelische Luftwaffe trainiere bereits die vollst&auml;ndige Zerst&ouml;rung der gr&ouml;&szlig;tenteils unterirdisch gelegenen Natanz-Atomanlage mittels des Einsatzes <a href=\"https:\/\/www.thetimes.co.uk\/article\/revealed-israel-plans-nuclear-strike-on-iran-kt909knnsnk\">bunkerbrechender taktischer Nuklearwaffen<\/a>. Um 2010 herum setzte der von Israel und den USA entwickelte 50 Millionen Dollar teure b&ouml;sartige Computerwurm Stuxnet rund 1.000 Zentrifugen in Natanz au&szlig;er Betrieb (Operation Olympic Games), bevor er durch einen Programmierfehler aus Natanz ausbrach und weltweit &uuml;ber 200.000 Rechner infizierte. Mit dem israelisch-US-amerikanischen <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2012\/06\/01\/world\/middleeast\/obama-ordered-wave-of-cyberattacks-against-iran.html\">Stuxnet-Terroranschlag auf Natanz<\/a> wurde Obama damit der erste US-Pr&auml;sident, der &bdquo;wiederholt Cyberwaffen einsetzte, um die Infrastruktur eines anderen Landes lahmzulegen&ldquo;, wie die New York Times damals schrieb.<\/p><p>Neben Angriffen auf iranische Nuklearinfrastruktur nutzt Israel eine weitere staatsterroristische Taktik: die Hinrichtung iranischer Wissenschaftler. Insgesamt t&ouml;tete der israelische Geheimdienst aller Wahrscheinlichkeit nach seit 2007 mindestens sechs hochrangige iranische Nuklearwissenschaftler, die tats&auml;chliche Zahl liegt wohl dar&uuml;ber. Der erste unter ihnen war der angesehene Professor f&uuml;r Elektrodynamik, Ardashir Hosseinpour, der laut dem US-Geheimdienst-Thinktank Stratfor 2007 durch &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.haaretz.com\/1.4959425\">radioaktive Vergiftung<\/a>&ldquo; in einer &bdquo;Geheimoperation&ldquo; des Mossad get&ouml;tet wurde. Zwischen 2010 und 2012 gab es mehrere Anschl&auml;ge Israels, bei denen <a href=\"#Events\">vier iranische Wissenschaftler get&ouml;tet<\/a> und einer schwer verletzt wurde; die Modi Operandi: zweimal wurden Magnetbomben an die Autos der Opfer angebracht, einmal eine ferngez&uuml;ndete Bombe in der N&auml;he detoniert und einmal feuerte ein Agent von seinem Motorrad in einem Drive-by-Shooting auf die Familie des Opfers. Mehrfach wurden bei diesen Attentaten auch die Frauen der Wissenschaftler verletzt. Iran beschuldigte jedes Mal den israelischen Mossad hinter den Mordanschl&auml;gen, teils best&auml;tigte dieser die Vorw&uuml;rfe indirekt, teils kam die Verifizierung von anderen westlichen Diensten. 2015 wurde laut iranischen Beh&ouml;rden ein &auml;hnlicher Anschlag vereitelt. Und im j&uuml;ngsten dieser F&auml;lle wurde im November 2020 Mohsen Fakhrizadeh, der &bdquo;Vater des iranischen Atomprogramms&ldquo;, <a href=\"https:\/\/www.aljazeera.com\/news\/2020\/11\/28\/irans-rouhani-accuses-israel-of-killing-top-iranian-scientist\">nahe Teheran hingerichtet<\/a>. Seine gesch&uuml;tzte schwarze Nissan-Limousine wurde mit Kugeln durchsiebt, auch sollen mehrere Bodyguards get&ouml;tet worden sein. Im April 2018 sprach Netanyahu in einem PowerPoint-Vortrag in omin&ouml;sen Worten &uuml;ber Fakhrizadeh, deren Bedeutung nun glasklar ist: &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.newsweek.com\/slain-iran-scientist-was-once-warned-israeli-prime-minister-benjamin-netanyahu-remember-that-1550867\">Remember that name.<\/a>&ldquo; &ndash; eine politische Hinrichtung mit Ansage.<\/p><p>Derartige Meldungen verpuffen in der westlichen Medienlandschaft recht schnell, f&uuml;r die Perspektive: Versuchen Sie bitte, sich einen Moment lang das Medienecho vorzustellen, w&uuml;rden iranische S&ouml;ldner in Tel Aviv, New York oder Berlin auf offener Stra&szlig;e ein Blutbad anrichten und israelische, US-amerikanische oder deutsche Wissenschaftler exekutieren.<\/p><p>Welch schwindelerregende Ausma&szlig;e die terroristische Energie der israelischen F&uuml;hrung annehmen kann, um den Iran zu schw&auml;chen, offenbart ein im Januar 2012 vom Fachblatt Foreign Policy enth&uuml;llter <a href=\"https:\/\/foreignpolicy.com\/2012\/01\/13\/false-flag\/\">Spionagethriller<\/a>, der ebenso aus der Feder einer Hollywood-Regisseurin h&auml;tte stammen k&ouml;nnen. Unter dem treffenden Titel &bdquo;False Flag&ldquo; berichtet Geheimdienstexperte Mark Perry &uuml;ber streng geheime CIA-Memos bez&uuml;glich Aktivit&auml;ten des Mossad in den Jahren 2007 und 2008. Demnach trafen sich israelische Agenten in London und anderen europ&auml;ischen Metropolen mit hochrangigen Vertretern der pakistanisch-iranischen Terrororganisation Jundallah (&bdquo;Soldaten Gottes&ldquo;), die mittels brutalster Anschl&auml;ge f&uuml;r den Tod vieler Hundert Menschen im Iran und Pakistan verantwortlich ist und sich <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/article\/us-pakistan-militants-is\/pakistan-taliban-splinter-group-vows-allegiance-to-islamic-state-idUSKCN0J20YQ20141118\">2014 dem IS anschloss<\/a>. Ziel dieser konspirativen Treffen war es, f&uuml;r die israelische Regierung Jundallah-K&auml;mpfer zu rekrutieren, die daraufhin unter falscher Flagge Mordanschl&auml;ge gegen iranische Staatsb&uuml;rger ausf&uuml;hren sollten. Um jedoch die Spuren zur Olmert-Regierung in Jerusalem zu verwischen, gaben sich die Mossad-Agenten als CIA-Mitarbeiter aus. Sie hatten gef&auml;lschte US-P&auml;sse und Taschen voller Dollarb&uuml;ndel im Gep&auml;ck und lie&szlig;en die Terroristen in dem Glauben, Washington w&uuml;rde sie f&uuml;r Anschl&auml;ge im Iran rekrutieren. George W. Bush sei &bdquo;regelrecht explodiert vor Wut&ldquo;, als er von der Operation erfuhr, da der Mossad mit dieser Aktion Vergeltungsschl&auml;ge provozieren und so US-B&uuml;rger in Lebensgefahr bringen konnte. Von der Tatsache, dschihadistische Terroristen als S&ouml;ldner f&uuml;r politische Auftragsmorde zu rekrutieren, einmal abgesehen: Dies unter falscher Flagge der eigenen Schutzmacht USA zu tun, ist an Dreistigkeit kaum zu &uuml;bertrumpfen. Konsequenzen f&uuml;r Israel gab es keine.<\/p><p>In zeitlicher Folge dieser Mossad-Jundallah-Verschw&ouml;rung kam es zu einer Vielzahl von Terroranschl&auml;gen auf Zivilisten, Milit&auml;rs, Wissenschaftler und Regierungsmitglieder im Iran, darunter <a href=\"http:\/\/news.bbc.co.uk\/2\/hi\/middle_east\/7765474.stm\">Massenentf&uuml;hrungen<\/a>, Exekutionen, sowie Bomben- und Selbstmordanschl&auml;ge: Im Dezember 2008 <a href=\"https:\/\/iranprimer.usip.org\/blog\/2011\/aug\/23\/us-terrorism-report-mek-and-jundallah\">entf&uuml;hrte die Jundallah 16 iranische Polizisten<\/a> und richtete sie auf bestialische Weise hin. Im Mai 2009 wurden bei einem Selbstmordanschlag in einer schiitischen Mosche in der s&uuml;diranischen Provinzhauptstadt Zahedan mindestens <a href=\"https:\/\/www.aljazeera.com\/news\/2009\/7\/14\/iran-hangs-sunni-rebels\">25 Menschen durch Jundallah get&ouml;tet<\/a>. Im Oktober 2009 t&ouml;tete ein Jundallah-Selbstmordattent&auml;ter <a href=\"https:\/\/www.rferl.org\/a\/Jundallah_Profile_Of_A_Sunni_Extremist_Group\/1856699.html\">42 Menschen in der Provinz Sistan und Belutschistan<\/a> im S&uuml;dosten Irans, darunter hochrangige Offiziere der Iranischen Revolutionsgarden &ndash; der blutigste Terroranschlag im Iran seit den 1980ern. Im Juli 2010 wurden bei einem Doppel-Selbstmordanschlag der Jundallah vor einer Moschee in Zahedan <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2010\/07\/17\/world\/middleeast\/17tehran.html\">26 Menschen get&ouml;tet und &uuml;ber 300 verletzt<\/a>. Im Dezember 2010 t&ouml;tete die Jundallah in einem Selbstmordanschlag auf eine Moschee in Tschahbahar <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/world\/2010\/dec\/15\/iran-suicide-bombing-shia\">41 Menschen, viele Kinder darunter<\/a>, 100 weitere wurden verletzt. Viele weitere Anschl&auml;ge mit vielen Toten folgten. Es ist kaum m&ouml;glich, retrospektiv im Einzelnen zu rekonstruieren, ob und, wenn ja, in welchem Ma&szlig;e die Kollaboration des Mossad mit der Jundallah einen Einfluss auf diese blutigen Anschl&auml;ge hatte, doch ist es mehr als bezeichnend nachzuskizzieren, mit welch einer M&ouml;rderbande die israelische Regierung ins Bett steigt, um ohne jeden Skrupel gegen ihren Erzfeind Iran vorzugehen.<\/p><p><strong>S&auml;belrasseln auf offener See<\/strong><\/p><p>In den Tagen nach dem Anschlag auf Natanz &uuml;berschlugen sich die Ereignisse: Teheran schwor Rache. Diese sollte nicht lange auf sich warten lassen und fiel wie schon die Reaktion auf <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=57451\">Trumps Hinrichtung von General Qassem Soleimani<\/a> im Januar 2020 &ndash; als der Raketenbeschuss auf eine US-genutzte Basis im Irak bewusst so ausgef&uuml;hrt wurde, dass keine Personen zu Schaden kamen &ndash; verh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig moderat aus: Am 13. April wurde das mit Autos beladene 200-Meter-Frachtschiff Hyperion Ray des israelischen Gesch&auml;ftsmanns Rami Ungar mittels <a href=\"https:\/\/www.haaretz.com\/israel-news\/.premium-israeli-owned-ship-attacked-near-fujairah-lebanese-media-reports-1.9709254\">Drohne oder Raketenbeschuss attackiert<\/a>, wie die israelische Haaretz berichtete. Israel beschuldigt den Iran, hinter dem Angriff zu stecken. Das Schiff lag in internationalen Gew&auml;ssern vor dem emiratischen Fujairah Port und wurde bei dem Angriff leicht besch&auml;digt. Laut den Schiffs-Tracking-Websites <a href=\"https:\/\/www.marinetraffic.com\/en\/ais\/details\/ships\/shipid:3553106\/mmsi:311000322\/imo:9690559\/vessel:HYPERION_RAY\">MarineTraffic<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.myshiptracking.com\/de\/vessels\/hyperion-ray-mmsi-311000322-imo-9690559\">MyShipTracking<\/a> hat die Hyperion Ray den Hafen Hambantota in Sri Lanka als Ziel, doch liegt sie seit dem Angriff vor der K&uuml;ste Fujairahs fest. Auch in den Wochen zuvor gab es mehrere Angriffe auf israelische und iranische Schiffe in der Region, zu denen sich niemand offiziell bekannte und die an die Hocheskalationsphase im Fr&uuml;hjahr 2019 erinnerten, als eine Vielzahl ziviler Schiffe im Golf von Hormuz auf weiterhin ungekl&auml;rte Weise attackiert wurden.<\/p><p>Seit Jahren f&uuml;hrt Israel einen verdeckten Krieg gegen den Iran. Dieser wird mittels Cyberkrieg, Sabotageaktionen und diversen staatsterroristischen Anschl&auml;gen gef&uuml;hrt. In den vergangenen Jahren kamen hundertfache Luftschl&auml;ge gegen iranische Stellungen in Syrien dazu. Seit kurzem findet eine Strategieverschiebung statt: &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2021\/03\/26\/world\/middleeast\/israel-iran-shadow-war.html\">Israels Schattenkrieg gegen den Iran zieht aufs offene Meer hinaus<\/a>&ldquo;, titelt die New York Times treffend. So griff Israel am 6. April den iranischen Frachter Saviz vor der jemenitischen K&uuml;ste mit einer <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2021\/04\/06\/world\/middleeast\/israel-iran-ship-mine-attack.html\">am Schiffsrumpf befestigten magnetischen Mine<\/a> an. Die israelische Regierung r&auml;umte den Angriff gegen&uuml;ber US-Offiziellen sogar ein, wie die New York Times berichtet, und sprach von &bdquo;Vergeltung&ldquo; f&uuml;r einen Angriff auf das israelische Containerschiff Lori im Arabischen Meer, das Ende M&auml;rz mutma&szlig;lich von einer iranischen Rakete getroffen wurde. Erst am Samstag beschoss vermutlich eine Drohne einen iranischen &Ouml;ltanker im Mittelmeer nahe der syrischen Baniyas-Raffinerie, wobei mutma&szlig;lich <a href=\"https:\/\/english.alarabiya.net\/News\/middle-east\/2021\/04\/24\/Iran-fuel-tanker-attacked-by-drone-off-Syria-Monitor-\">mindestens drei Syrer get&ouml;tet wurden<\/a>.<\/p><p>Seit 2019 griff Israel mindestens zehn zivile iranische Schiffe an, berichtet die New York Times unter Berufung auf israelische und US-amerikanische Regierungs-Insider, wobei die tats&auml;chliche Zahl <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2021\/03\/26\/world\/middleeast\/israel-iran-shadow-war.html\">bei Angriffen auf &uuml;ber 20 Schiffe<\/a> liegen d&uuml;rfte. Die meisten dieser Schiffe waren &Ouml;ltanker auf dem Weg nach Syrien und wurden von Spezialeinheiten der israelischen Navy angegriffen. Doch die iranischen Angriffe genau &bdquo;wie die israelischen waren offenbar nicht dazu gedacht, die Schiffe zu versenken, sondern eine Message auszusenden&ldquo;, schreibt die New York Times. Wir befinden uns in einer gef&auml;hrlichen Eskalationsspirale, in der zivile Schiffe f&uuml;r milit&auml;rische Machtgepl&auml;nkel missbraucht werden und dabei &ndash; neben der potentiellen Ausl&ouml;sung von Umweltkatastrophen &ndash; jedes Mal Zivilisten an Bord der Frachter in Lebensgefahr gebracht werden. Wie lange dieses leichtsinnige S&auml;belrasseln noch &bdquo;gut&ldquo; geht, kann niemand sagen: Was geschieht, wenn bei solch einer Aktion ein iranischer &Ouml;ltanker ungewollt tats&auml;chlich im Mittelmeer versenkt wird? Was, wenn ein israelisches Containerschiff voller deutscher Autos auf den Grund des Arabischen Meeres sinkt? Bei Machtspielchen so scharf vor einem offenen Krieg k&ouml;nnen kleinste Fehler katastrophale Folgen haben.<\/p><p>Netanyahus Kriegskurs k&ouml;nnte die gesamte Region Nahost mit einem Fl&auml;chenbrand &uuml;berziehen. Wie bezeichnend: W&auml;hrend in Wien versucht wird, den von Trump angerichteten Scherbenhaufen zu kitten, begeht Netanyahu einen Terroranschlag auf eine Nuklearanlage. Der altgediente Kolumnist Simon Tisdall fragte j&uuml;ngst im britischen Guardian: &bdquo;In einer Region, die f&uuml;r all ihre Kriegstreiber und Tyrannen ber&uuml;hmt ist &ndash; <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/commentisfree\/2021\/apr\/18\/shadow-warrior-benjamin-netanyahu-takes-a-dangerous-gamble-with-iran\">wer ist derzeit der gef&auml;hrlichste Mann im Nahen Osten?<\/a>&ldquo; Es seien weder Assad noch bin Salman noch Erdo&#287;an. Nein, der &bdquo;danger man&ldquo;-Titel geht an Benjamin Netanyahu. Angesichts dessen, was Mohammed bin Salman im Jemen so treibt, muss man diese Einsch&auml;tzung nicht unbedingt teilen. Doch eines steht ohne Zweifel fest: Ein potentieller Irankrieg &ndash; Netanyahus Endgame, seine Obsession, auf die er seit Jahrzehnten voller Fanatismus hinarbeitet &ndash; w&uuml;rde im Ausma&szlig; an Tod und Zerst&ouml;rung alles in den Schatten stellen, was wir im Pulverfass Nahost jemals erlebt haben. Netanyahu z&uuml;ndelt ohne Sinn und Verstand. Seine gesamte Regierung ist gemeingef&auml;hrlich.<\/p><p>Titelbild: LeStudio\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mitte April ereignete sich in der wichtigsten iranischen Atomanlage in Natanz ein Bombenanschlag, der dem israelischen Mossad zugeschrieben wird. Das iranische Atomprogramm sei um neun Monate zur&uuml;ckgeworfen. 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