{"id":72006,"date":"2021-04-29T14:42:47","date_gmt":"2021-04-29T12:42:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=72006"},"modified":"2021-04-29T16:52:12","modified_gmt":"2021-04-29T14:52:12","slug":"bolivien-die-fortsetzung-der-lithium-intrige-oder-die-britischen-fingerabdruecke-im-putsch-gegen-evo-morales","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=72006","title":{"rendered":"Bolivien \u2013 Die Fortsetzung der Lithium-Intrige oder: Die britischen Fingerabdr\u00fccke im Putsch gegen Evo Morales"},"content":{"rendered":"<p>In den vergangenen Wochen entfachten sich die politischen Spannungen in Bolivien an der am 13. M&auml;rz vollzogenen Verhaftung der ehemaligen De-facto-Pr&auml;sidentin Jeanine &Aacute;&ntilde;ez und der Ausstellung von Haftbefehlen gegen einzelne, zum Teil landesfl&uuml;chtige Minister ihres Kabinetts und gegen Gener&auml;le der Putschregierung, die im November 2019 nach dem Sturz der demokratischen Regierung Evo Morales und dessen Flucht ins Exil die Macht &uuml;bernommen hatte. A&ntilde;ez werden &bdquo;Volksverhetzung, Terrorismus und Verschw&ouml;rung&ldquo; vorgeworfen. Ein Bericht von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6582\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-72006-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210429-Bolivien-Die-Fortsetzung-der-Lithium-Intrige-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210429-Bolivien-Die-Fortsetzung-der-Lithium-Intrige-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210429-Bolivien-Die-Fortsetzung-der-Lithium-Intrige-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210429-Bolivien-Die-Fortsetzung-der-Lithium-Intrige-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=72006-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210429-Bolivien-Die-Fortsetzung-der-Lithium-Intrige-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"210429-Bolivien-Die-Fortsetzung-der-Lithium-Intrige-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Zum ersten Mal nach dem Wahlsieg Luis Arces und der R&uuml;ckkehr der linken &bdquo;Bewegung zum Sozialismus&ldquo; (MAS) an die Macht kam es in verschiedenen Landesteilen &ndash; insbesondere jedoch in der ultrakonservativen Bastion und reichsten bolivianischen Provinz Santa Cruz &ndash; zu &ouml;ffentlichen Protesten, Stra&szlig;enkrawallen und rechtsradikalen Kampfansagen. Das sogenannte &bdquo;B&uuml;rgerkomitee f&uuml;r Santa Cruz&ldquo; rief beispielsweise zu zivilem Widerstand auf. Die Regierung Luis Arce bestritt jedoch energisch, den Inhaftierungen l&auml;gen politische Motivationen zugrunde und verwies auf normale Gerichtsverfahren, die unter anderem das Ziel verfolgten, international anerkannte schwere Menschenrechtsverletzungen aufzukl&auml;ren, wor&uuml;ber die NachDenkSeiten <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=66480\">im November 2020 berichteten<\/a>.<\/p><p><strong>Ver&auml;nderung der politischen Landkarte<\/strong><\/p><p>Die neue ultrakonservative Welle gegen die Regierung Luis Arce begann bereits im Dezember 2020 als Reaktion auf das verabschiedete Verm&ouml;gensbesteuerungs-Gesetz durch die von der MAS mehrheitlich besetzte Abgeordnetenkammer, das Privatbesitz von &uuml;ber 4,3 Millionen US-Dollar veranlagt und zur Best&auml;tigung an den Senat weitergeleitet wurde.<\/p><p>Zeitgleich mit den j&uuml;ngsten <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=71520\">Pr&auml;sidentschaftswahlen in Ecuador und Peru<\/a> fanden auch in Bolivien Regionalwahlen zur Neubesetzung der Provinzverwaltungen statt, die als Folge der konservativen Offensive eine Ver&auml;nderung der politischen Landkarte erkennen lassen. Sie macht eine neue Machtverschiebung zwischen der MAS und der Opposition deutlich, die nach Meinung progressiver Beobachter die Regierungspartei zu einer rigorosen internen Bewertung und Selbstkritik sowie zur Analyse des harten &bdquo;Anti-MAS&ldquo;-Kurses und der Entstehung einer neuen, gem&auml;&szlig;igteren Opposition verpflichten. Nach den j&uuml;ngsten Regionalwahlen werden n&auml;mlich sechs Departements von Gouverneuren der Opposition regiert, w&auml;hrend allein Oruro, Potos&iacute; und Cochabamba weiterhin von der Regierungspartei MAS verwaltet werden.<\/p><p><strong>Wegen A&ntilde;ez und Almagro: der politische Druck der USA auf die bolivianische Justiz<\/strong><\/p><p>&bdquo;Wir sind zutiefst besorgt &uuml;ber wachsende Anzeichen von antidemokratischem Verhalten und Politisierung des Rechtssystems in Bolivien. Die bolivianische Regierung sollte inhaftierte ehemalige Beamte auf freien Fu&szlig; setzen, bis eine unabh&auml;ngige und transparente Untersuchung der Menschenrechte und der Bedenken hinsichtlich des ordnungsgem&auml;&szlig;en Verfahrens vorliegt&ldquo;, <a href=\"https:\/\/twitter.com\/SecBlinken\/status\/1375831718633029633\">stimmte US-Au&szlig;enminister Antony Blinken<\/a> am 27. M&auml;rz mit auff&auml;lliger Unredlichkeit in den konservativen Chor ein.<\/p><p>&bdquo;Politisierung des Rechtssystems&ldquo;? Blinken ist offenbar der &Uuml;berzeugung, die H&auml;me solle als au&szlig;enpolitische Devise des State Departments fortgesetzt werden. Hat er sich doch vor wenigen Wochen stolz zur Fortsetzung des weltweit <a href=\"https:\/\/twitter.com\/SecBlinken\/status\/1364209544189136898\">von den USA angefeuerten Justizkrieges, genannt Lawfare,<\/a> bekannt, als er die Stichwahl in Ecuador mit einer <a href=\"https:\/\/www.pagina12.com.ar\/325907-estados-unidos-premio-a-la-fiscal-de-ecuador-que-investiga-a\">zynisch anmutenden &bdquo;Pr&auml;mie&ldquo;<\/a> &ndash; dem &bdquo;State Department&acute;s International Anticorruption Champions Award&ldquo; &ndash; f&uuml;r die ecuadorianische Staatsanw&auml;ltin Diana Salazar beeinflusste.<\/p><p>Auch der Chilene Jos&eacute; Miguel Vivanco, Direktor von Human Rights Watch (HRW) f&uuml;r Amerika, schaltete sich via Twitter in die Verhaftungen ein und stellte den gegen A&ntilde;ez vorgebrachten <a href=\"https:\/\/twitter.com\/jmvivancohrw\/status\/1370523877323988994\">Vorwurf des Terrorismus infrage<\/a>. Anders als Blinken wies Vivanco jedoch auch darauf hin, dass es w&auml;hrend der Regierung von &Aacute;&ntilde;ez &bdquo;zu schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen gekommen sei, darunter zwei Massaker&ldquo;, und forderte, dass sie &bdquo;unter voller Achtung des ordnungsgem&auml;&szlig;en Verfahrens&ldquo; untersucht werden. HRW hatte bereits im September 2020 gegen die politische Verfolgung der MAS und der Morales-Anh&auml;nger <a href=\"https:\/\/cnnespanol.cnn.com\/lite\/?article=893377\">Protest eingelegt<\/a>.<\/p><p>Als der bolivianische Justizminister Iv&aacute;n Lima bekanntgab, den Generalsekret&auml;r der in Washington ans&auml;ssigen OAS, Luis Almagro, wegen &bdquo;Verst&ouml;&szlig;en&ldquo; gegen Vereinbarungen der OAS mit der Andennation <a href=\"https:\/\/www.pagina12.com.ar\/329862-bolivia-le-iniciara-un-juicio-a-luis-almagro\">vor Gericht zu stellen<\/a>, l&ouml;ste die Erkenntnis, dass die Ermittlungen der bolivianischen Justiz sich nicht auf die einheimischen Akteure begrenzten, sondern auf internationale Protagonisten des Staatsstreichs ausweiteten, Irritationen in den USA aus. Mit &bdquo;Verst&ouml;&szlig;en&ldquo; spielte Lima auf den OAS-Wahlbericht vom Oktober 2019 an, der eindeutig die politische Krise in Bolivien anfeuerte und im Putsch gegen Pr&auml;sident Evo Morales gipfelte. Doch als Gipfel des Zynismus ma&szlig;ten sich die OAS und Almagro j&uuml;ngst an, eine internationale Kommission mit der &bdquo;Aufdeckung&ldquo; der Korruption der Regierung Morales &ndash; im Kleingedruckten: &bdquo;einschlie&szlig;lich der Zeit von Jeanine &Aacute;&ntilde;ez&ldquo; &ndash; zu beauftragen.<\/p><p>Justizminister Lima lie&szlig; sich nicht beirren und k&uuml;ndigte rechtliche Schritte gegen Almagro wegen &bdquo;fortgesetzter Einmischung in die inneren Angelegenheiten&ldquo; an. Der Generalsekret&auml;r m&uuml;sse wegen der gravierenden Unterstellungen und Behauptungen und seiner Verantwortungslosigkeit zur Rechenschaft gezogen werden.<\/p><p>Obwohl sogar mit einer <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2020\/06\/07\/world\/americas\/bolivia-election-evo-morales.html\">Selbstkritik der <em>New York Times<\/em><\/a> eingestanden, dass Morales und die Demokratie Boliviens im November 2019 durch einen brutalen Putsch von der B&uuml;hne gejagt wurden, <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/world-latin-america-56381697\">setzt die britische BBC<\/a> anderthalb Jahre danach den Staatsstreich immer noch in Anf&uuml;hrungszeichen und nennt die mit dem Staatsstreich illegal eingesetzte De-facto-Staatschefin eine &bdquo;Interims-Pr&auml;sidentin&ldquo;. Doch sollte der offizielle british approach nicht verwundern, er hat tiefe Wurzeln in Boliviens Geschichte; zum Beispiel mit der Finanzierung des Salpeter-Krieges (1879-1883) auf der Seite Chiles gegen Peru und Bolivien, der in der chilenischen Einverleibung von 150.000 km2 bolivianischen Territoriums, einschlie&szlig;lich der 450 km langen, gesamten K&uuml;ste, gipfelte.<\/p><p><strong>Der Kn&uuml;ller nach anderthalb Jahren: OAS-Bericht &uuml;ber angebliche &bdquo;Wahlf&auml;lschung&ldquo; wurde aus der britischen Botschaft in La Paz gespeist<\/strong><\/p><p>Den Reportern Mark Curtis und Matt Kennard von der britischen Investigativ-Gruppe <em>Declassified<\/em>, die aus Sicherheitsgr&uuml;nden ihre Recherchen auf der s&uuml;dafrikanischen Plattform <a href=\"https:\/\/www.dailymaverick.co.za\/article\/2021-03-30-bolivia-the-british-ambassador-who-supported-a-coup\/\"><em>Daily Maverick<\/em> ver&ouml;ffentlicht<\/a>, gelang eine faktenreiche, &uuml;berzeugende Untersuchung &uuml;ber die bisher unbekannte Rolle Gro&szlig;britanniens als Protagonist des Putsches gegen Ex-Pr&auml;sident Evo Morales. Der Eingriff wurde bisher nicht nur vom britischen Mainstream, sondern von nahezu s&auml;mtlichen westlichen Medien verschwiegen. Es handelt sich allerdings um eine zugleich haneb&uuml;chene und skandal&ouml;se Chronik, die an die jahrhundertealten kolonialistischen Umtriebe der Insel erinnert und von Piraterie bis zur kinematografischen 007-Wei&szlig;waschung reichen. In La Paz und im tiefen bolivianischen Hinterland tummelten sich diplomatisches Personal, ehemalige Geheimagenten, Satelliten- und Drohnen-Unternehmen, allesamt vom Foreign Office abgesegnet, das mit der Operation seine Augen auf die bolivianischen Lithium-Vorkommen richtete.<\/p><p>Demnach bot Botschafter Glekin zwei Wochen vor dem Putsch dem Computeringenieur und militanten Anti-Morales-Aktivisten Edgar Villegas in seiner Residenz Schutz. Villegas war einer der ersten, die Morales Betrug w&auml;hrend der gewonnenen Wahlen vom Oktober 2019 vorwarfen, und der offenbar die Organisation Amerikanischer Staaten (OEA\/OAS) mit Daten versorgte, die die Grundlage des OAS-Berichts bildeten, der sp&auml;ter <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=61943\">zur Rechtfertigung des Regierungssturzes herangezogen<\/a> wurde. Von Declassified darauf angesprochen, erkl&auml;rte das Au&szlig;enministerium lapidar, &bdquo;es ist l&auml;cherlich, daraus zu schlie&szlig;en, etwas Unangemessenes sei damit passiert&ldquo;. Doch Glekin belie&szlig; es nicht bei &bdquo;Schutzma&szlig;nahmen&ldquo;, er ging zur Offensive &uuml;ber. In der Woche nach den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=66480\">Massakern an unbewaffneten Demonstranten<\/a> durch das Jeanine-A&ntilde;ez-Regime provozierte Glekin Morales-Anh&auml;nger auf Twitter, &bdquo;mir bitte zu folgen&ldquo;. Als H&ouml;hepunkt des diplomatischen Zynismus veranstaltete die britische Botschaft drei Wochen nach den Massakern eine Kost&uuml;mparty zum Thema Downton Abbey.<\/p><p>Der springende Punkt im Destabilisierungs-Aktivismus von Botschafter Glekin ist, dass die von der OAS vorgetragenen &bdquo;Wahlf&auml;lschungsbeweise&ldquo; zum gro&szlig;en Teil aus der britischen Residenz in La Paz stammten. Dort bastelte Villegas mit Wahlergebnissen, die den Wahlbetrug beweisen sollten und an die OAS weitergeleitet wurden. Doch schon wenige Tage nach &Uuml;bermittlung seines Berichts an die OAS verlie&szlig; der rechtsradikale Aktivist sein Versteck und erkl&auml;rte, &bdquo;f&uuml;r Evo war es nun sehr schlecht bestellt und ich hatte das Gef&uuml;hl, ich k&ouml;nnte nach Hause gehen&ldquo;. Die OAS ver&ouml;ffentlichte ihren Abschlussbericht am 10. November 2019, woraufhin der Armeechef Morales aufforderte, zur&uuml;ckzutreten. O-Ton Villegas; &bdquo;Als Evo aufgab, war es der gl&uuml;cklichste Tag meines Lebens&ldquo;.<\/p><p>Der Eingriff in das Wahlergebnis bildete jedoch nur eine Nebenhandlung in einer <a href=\"https:\/\/www.dailymaverick.co.za\/article\/2021-03-08-revealed-the-uk-supported-the-coup-in-bolivia-to-gain-access-to-its-white-gold\/\">breiter angelegten britischen Operation<\/a>.<\/p><p><strong>Der &bdquo;Lithium-Krieg&ldquo;: Gro&szlig;britanniens Satelliten, Geheimagenten und Umtriebe mit den Putschisten<\/strong><\/p><p>Allen Anzeichen nach hatte das britische Foreign Office zuvor eine Oxford-Firma mit einer Studie zur &bdquo;Optimierung&ldquo; der bolivianischen Lithium-Vorr&auml;te nach Evo Morales&lsquo; Flucht beauftragt. Ferner fungierte die britische Botschaft als &bdquo;strategischer Partner&ldquo;, so Declassified, f&uuml;r das Putschregime und veranstaltete vier Monate nach dem Staatsstreich eine internationale Bergbauveranstaltung in Bolivien. Das Foreign Office berichtete sodann, ein von einem Veteranen der britischen Armee gegr&uuml;ndetes Unternehmen sei bereit, Bergbauunternehmen seine &bdquo;Dienstleistungen&ldquo; anzubieten. Doch l&auml;ngst davor, n&auml;mlich acht Monate vor dem Milit&auml;rputsch, hatte die britische Botschaft bereits im M&auml;rz 2019 eine britische Cybersicherheitsfirma mit engen Beziehungen zum CIA nach Bolivien geholt.<\/p><p>Was sollten diese Z&uuml;ge auf dem Schachbrett bezwecken?<\/p><p><strong>Die Lithium-Prospektion mit britischen Satelliten<\/strong><\/p><p>In den vergangenen f&uuml;nf Jahren hat die britische Regierung die Technologie der Lithiumbatterie zur Priorit&auml;t ihrer &bdquo;Industriestrategie&ldquo; erkl&auml;rt. Im Juni 2019 gab sie bekannt, 23 Millionen Pfund in die <a href=\"https:\/\/www.gov.uk\/government\/news\/green-light-for-investment-in-electric-car-battery-development\">Entwicklung von Elektroautobatterien<\/a> zu investieren. Dabei richtete sich der Blick von Downing Street auf die Landkarte S&uuml;damerikas und erkannte, &bdquo;es wird gesch&auml;tzt, dass S&uuml;damerika &uuml;ber 54 Prozent der weltweiten Lithiumressourcen verf&uuml;gt, die zunehmend zur Herstellung von Batterien f&uuml;r Elektrofahrzeuge und zur Diversifizierung der Energie ben&ouml;tigt werden&ldquo;.<\/p><p>Die Regierung w&uuml;nschte sich bilaterale Partnerschaften, doch denen standen in Bolivien Hindernisse im Weg. Im Februar 2019 hatte die Regierung Evo Morales sich f&uuml;r ein chinesisches Konsortium als strategischen Partner f&uuml;r ein Lithiumprojekt im Wert von 2,3 Mrd. USD entschieden, das sich auf die Lithiumgewinnung an den Salzseen Coipasa und Pastos Grandes konzentrieren sollte. Nach dem Putsch bezweifelte allerdings der neue Bergbauminister des Regimes, dass die De-facto-Regierung A&ntilde;ez das Abkommen einhalten w&uuml;rde. Doch genau Coipasa und Pastos Grandes waren f&uuml;r die britische Botschaft von Interesse. Ein zwischen 2019 und 2020 von Gro&szlig;britannien und Bolivien finanziertes Projekt zielte darauf ab, &bdquo;die Exploration und Produktion von Lithium in Bolivien (in den Salarios de Coipasa und Pastos Grandes) mithilfe britischer Technologie zu optimieren&ldquo;. Nach dem Putsch ging dieses Projekt z&uuml;gig voran, so Declassified. Der Projektauftrag wurde am 25. November 2019, zwei Wochen nach dem Putsch und wenige Tage nach dem Massaker in Senkata, von seinem Hauptf&ouml;rderer, der Interamerikanischen Entwicklungsbank (IADB), genehmigt und mit 100.000 US-Dollar finanziert.<\/p><p>Sodann stellte die britische Botschaft in La Paz 5.000 Pfund f&uuml;r ein Gutachten dieses Lithiumprojekts zur Verf&uuml;gung, doch das Au&szlig;enministerium weigerte sich, Declassified zu best&auml;tigen, ob diese Mittel nach dem Putsch im November 2019 ausgezahlt wurden. Ziel war es, &bdquo;eine auf Satellitendaten basierende Anwendung zu entwickeln und zu implementieren, mit der die Exploration und Ausbeutung gro&szlig;er\/besserer Lithiumquellen in den Salinen Coipasa und Pastos Grandes in Bolivien optimiert werden kann&ldquo;. Das Foreign Office teilte sodann mit, das Projekt werde von Satellite Applications Catapult &ndash; einer in Oxford ans&auml;ssigen Organisation &ndash; durchgef&uuml;hrt, die &bdquo;Organisationen dabei hilft, die Leistungsf&auml;higkeit satellitengest&uuml;tzter Dienste zu nutzen&ldquo;. Bezeichnenderweise erh&auml;lt das Unternehmen rund ein Drittel seiner Mittel von der britischen Regierung und schwieg sich nach Anfragen von Declassified zum Bolivien-Projekt aus. Die Rechercheure stellten jedoch fest, dass Satellite Applications Catapult am 19. Dezember 2019 insgesamt 33.220 Pfund von der Regierung erhalten hat.<\/p><p><strong>Indigenen Widerstand brechen, britische Lithium-Versorgung sicherstellen<\/strong><\/p><p>Vier Monate nach dem Putsch veranstaltete die britische Botschaft in La Paz in Zusammenarbeit mit dem Bergbauministerium des A&ntilde;ez-Regimes im M&auml;rz 2020 ein &bdquo;internationales Seminar&ldquo; f&uuml;r mehr als 300 Beamte des globalen Rohstoffsektors. Daf&uuml;r beauftragte die Botschaft die britische Firma Watchman mit der Keynote-Pr&auml;sentation und der Beschreibung von &bdquo;kreativen L&ouml;sungen&ldquo; (sic!), die sich in Afrika mit der Einbeziehung lokaler Gemeinden in Bergbauprojekte bew&auml;hrt hatten. In Dokumenten des Foreign Office hei&szlig;t es: &bdquo;Watchman UK und andere Beratungsunternehmen sind jetzt online, um verschiedenen bolivianischen Bergbauunternehmen, die Win-Win-L&ouml;sungen f&uuml;r ihre Streitigkeiten mit den in der Region ans&auml;ssigen Einwohnern und indigenen V&ouml;lkern w&uuml;nschen, Dienstleistungen in diesem wichtigen Bereich anzubieten, die sich in ihren Einflussgebieten befinden&rdquo;.<\/p><p>Zur Vorstellung: Watchman ist ein sogenanntes &bdquo;Risikomanagement-Unternehmen&rdquo;, das 2016 von Christopher Goodwin-Hudson, einem altgedienten Veteranen der britischen Armee, gegr&uuml;ndet wurde, der sp&auml;ter als Chief Global Security Officer f&uuml;r Goldman Sachs im Einsatz war. Nach eigenen Angaben unterst&uuml;tzt das Unternehmen Firmenkunden &bdquo;in den Bereichen Rohstoff-, Agrar- und Kapitalprojekte&ldquo;, die aufgrund lokaler Widerst&auml;nde &bdquo;Betriebs- Probleme&ldquo; haben.<\/p><p>Der stellvertretende Direktor des Unternehmens, Gabriel Carter, hatte verschiedene leitende Positionen in der privaten Sicherheitsbranche inne und gr&uuml;ndete 2012 ein auf Afghanistan ausgerichtetes Sicherheitsunternehmen, das &bdquo;zahlreiche britische und amerikanische &acute;Entwicklungsprojekte&acute; unterst&uuml;tzte&ldquo;. Carter, ebenfalls ein Veteran des Risikomanagements bei Goldman Sachs, ist Mitglied des Special Forces Club, eines privaten Vereins, der ausschlie&szlig;lich Veteranen-Geheimdienst- und Special-Forces-Mitgliedern in Knightsbridge, London, vorbehalten ist.<\/p><p>Die offizielle Pointe: Die Website <a href=\"https:\/\/www.watchman.co.uk\/\">Watchman &ndash; Specialist Risk Management<\/a> tr&auml;gt das Logo des britischen Au&szlig;enministeriums.<\/p><p>Die britische Lithium-Operation ist reich an anekdotenhaften Facetten und hat das Zeug f&uuml;r ein Sean-Connery-007-Remake mit dem schillernden Titel &bdquo;Die Lithiumschlacht am Pastos Grandes&ldquo;. Die &bdquo;Schlacht&ldquo; d&uuml;rfte allerdings f&uuml;r Gro&szlig;britannien als verloren gelten. Es gibt selbstredende Gr&uuml;nde, weshalb die Regierung Luis Arce nach dieser Agenten-Inszenierung eine Kooperation nicht fortsetzen w&uuml;rde.<\/p><p>Titelbild: Radoslaw Czajkowski\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den vergangenen Wochen entfachten sich die politischen Spannungen in Bolivien an der am 13. M&auml;rz vollzogenen Verhaftung der ehemaligen De-facto-Pr&auml;sidentin Jeanine &Aacute;&ntilde;ez und der Ausstellung von Haftbefehlen gegen einzelne, zum Teil landesfl&uuml;chtige Minister ihres Kabinetts und gegen Gener&auml;le der Putschregierung, die im November 2019 nach dem Sturz der demokratischen Regierung Evo Morales und dessen<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=72006\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":72007,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,126,20,178],"tags":[2971,2760,2186,2126,469,930,1507,2761,663,2121],"class_list":["post-72006","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-erosion-der-demokratie","category-landerberichte","category-ressourcen","tag-arce-luis","tag-bodenschaetze","tag-bolivien","tag-elektromobilitaet","tag-grossbritannien","tag-justiz","tag-morales-evo","tag-organisation-amerikanischer-staaten","tag-putsch","tag-wahlfaelschung"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/shutterstock_1788521273.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/72006","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=72006"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/72006\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":72012,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/72006\/revisions\/72012"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/72007"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=72006"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=72006"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=72006"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}