{"id":72185,"date":"2021-05-06T10:43:10","date_gmt":"2021-05-06T08:43:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=72185"},"modified":"2022-02-14T15:32:45","modified_gmt":"2022-02-14T14:32:45","slug":"freiheit-herrscht-nicht-fragen-an-moshe-zuckermann-zum-100-geburtstag-von-erich-fried","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=72185","title":{"rendered":"\u201eFreiheit herrscht nicht\u201c &#8211; Fragen an Moshe Zuckermann zum 100. Geburtstag von Erich Fried"},"content":{"rendered":"<p>Am 6. Mai 2021 j&auml;hrt sich der 100. Geburtstag von Erich Fried. Er galt in der Bundesrepublik als Ikone der politischen Lyrik. Als marxistischer Intellektueller, der regelm&auml;&szlig;ig die zahlreichen Leichen im Keller des postfaschistischen Deutschlands ausgrub und mit ihnen eine Dauerpr&auml;sentation der vergangenheitspolitischen Schande veranstaltete, wurde er von seinen Anh&auml;ngern als &bdquo;St&ouml;ren-Fried&ldquo; verehrt und von seinen zahlreichen Gegnern als ebensolcher zum Teufel gew&uuml;nscht. Nicht zuletzt auch, weil er mit seinen ideologiekritischen Sprachexperimenten und seinem Wortwitz den wachsenden Orwellianismus in der politischen Kultur der sp&auml;tkapitalistischen Gesellschaft karikierte und damit dessen Urheber und Profiteure blo&szlig;stellte. In ihrem Buch <i>&bdquo;Gegen Entfremdung&ldquo;<\/i><i> <\/i>beleuchten<i> <\/i>Moshe Zuckermann und Susann Witt-Stahl das dichterische Werk des herausragenden Literaten Fried und sein engagiertes Wirken als Marxist, Friedensk&auml;mpfer und Antifaschist. <b>Rainer Weiss<\/b> hat mit <b>Moshe Zuckermann<\/b> gesprochen.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_4293\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-72185-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210506_Freiheit_herrscht_nicht_Moshe_Zuckermann_zum_100_Geburtstag_von_Erich_Fried_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210506_Freiheit_herrscht_nicht_Moshe_Zuckermann_zum_100_Geburtstag_von_Erich_Fried_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210506_Freiheit_herrscht_nicht_Moshe_Zuckermann_zum_100_Geburtstag_von_Erich_Fried_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210506_Freiheit_herrscht_nicht_Moshe_Zuckermann_zum_100_Geburtstag_von_Erich_Fried_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=72185-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210506_Freiheit_herrscht_nicht_Moshe_Zuckermann_zum_100_Geburtstag_von_Erich_Fried_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"210506_Freiheit_herrscht_nicht_Moshe_Zuckermann_zum_100_Geburtstag_von_Erich_Fried_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><b>Erich Fried war ja in erster Linie Lyriker. Seine erfolgreichsten B&uuml;cher waren allesamt Gedichtb&auml;nde. In welcher Tradition w&uuml;rdest Du ihn einordnen?<\/b><\/p><p>Schwer, darauf eine eindeutige Antwort zu geben. Er hat die scharfe Beobachtungsgabe und kritische Genauigkeit eines Heine, den ich aber f&uuml;r einen gr&ouml;&szlig;eren Lyriker halte. Sein Marxismus ist dem Brechts vergleichbar, auch sein k&auml;mpferischer Geist, und doch ist Brecht der gr&ouml;&szlig;ere K&uuml;nstler. Zuweilen gemahnt mich Frieds satirischer Humor an Kurt Tucholsky. <\/p><p><b>Zu Frieds Lebenszeit gab es eine ganze Reihe herausragender und auch sehr erfolgreicher Lyrikerinnen und Lyriker, wie zum Beispiel die unwesentlich j&uuml;ngere Ingeborg Bachmann, der unwesentlich &auml;ltere Karl Krolow, ein Peter Hacks oder auch ein Heiner M&uuml;ller im Osten oder ein Peter R&uuml;hmkorf, der Fried um 20 Jahre &uuml;berlebt hat. Was unterscheidet Fried von den Genannten, was macht ihn Deines Erachtens wesentlich aus?<\/b><\/p><p>Ja, es gab besonders in der Nachkriegszeit eine gro&szlig;e Reihe wichtiger Lyrikerinnen und Lyriker, deren dichterische Qualit&auml;t kaum in Zweifel gezogen werden kann. Fried war nicht der bessere Lyriker unter ihnen. Aber er war politisch der mutigste und empathischste unter ihnen. Es lag ihm, auch biographisch bedingt, etwas auf der Seele, das mit Wucht heraus musste. Das entfaltete in ihm nicht nur k&uuml;nstlerische &Auml;sthetik, sondern auch eine F&auml;higkeit zur Empathie und ja, eine nie versiegende Menschenliebe. Nicht viele Lyriker seiner Generation konnten diese Qualit&auml;t wie Fried subjektiv f&uuml;hlen und objektiv ent&auml;u&szlig;ern.<\/p><p><b>In den Zeiten um und nach &rsquo;68 galt Erich Fried als einer der Autoren, auf die sich die deutsche und europ&auml;ische Linke berief &ndash; wie auch auf Heinrich B&ouml;ll oder auf den Schweizer Max Frisch &ndash; die mit ihren B&uuml;chern wichtige politische Umw&auml;lzungen begleiteten. Spielte damals &bdquo;der K&uuml;nstler&ldquo;, der &bdquo;Schriftsteller&ldquo;, der &bdquo;Intellektuelle&ldquo; eine bedeutendere politische Rolle als heute? Und wenn ja, warum?<\/b><\/p><p>Ja, dem ist ohne Zweifel so. Jede historische Phase hat ihren spezifischen politischen Eros, der die <em>Raison d&rsquo;&ecirc;tre<\/em> und Ausrichtung des k&uuml;nstlerischen Intellektuellen in je eigener Weise bestimmt. Fried wirkte in einer Zeit, in der der Kalte Krieg noch tobte, die Gesinnungspolarit&auml;t noch vibrierte und das Postulat des Involvements noch bebte. Es war auch eine Zeit, in der die Forderung, die Vergangenheit aufzuarbeiten, eine kollektiv-existentielle Notwendigkeit im deutschsprachigen Raum darstellte. Der Kalte Krieg wurde dann durch den Niedergang des Sowjetkommunismus entschieden und die Vereinigung der beiden deutschen Staaten lie&szlig; die &ldquo;Vergangenheitsbew&auml;ltigung&rdquo; nach und nach verblassen. Deutsche Schriftsteller und Intellektuelle sind heute weniger gefordert. Sie sind auch satter, sind einigerma&szlig;en zur Ruhe gelangt.<\/p><p><b>Ein G&uuml;nter Grass, auch er ein Lyriker, hat Gedichte mit politischem Auftrag seinerzeit als &bdquo;Protestlyrik&ldquo; abgetan und ihr Wirken als Kampf mit einem &bdquo;h&ouml;lzernen Schwert&ldquo; abgetan. Hat Fried solcherlei Einordnung je gest&ouml;rt? Gibt es, was seine Standpunkte betraf, auch Abweichungen, Korrekturen, selbstkritische Momente?<\/b><\/p><p>Naja, Grass selbst hat sich ja auch an Protestlyrik versucht (&ldquo;Was gesagt werden mu&szlig;&rdquo;). Ich habe ihn in diesem Zusammenhang seinerzeit gegen seine Kritiker verteidigt. Aber unter uns gesagt &ndash; das Gelbe vom Ei war es nicht gerade, was er da zustande gebracht hatte. Fried selbst hat den Anwurf von Grass gegen ihn nicht unbeantwortet gelassen. &ldquo;Seit wann kann man den Einfluss von Gedichten in Divisionen messen?&rdquo;, fragte er. Zurecht, wie ich meine. Es ist in der Tat eine gravierende Frage, ob Gedichte einen politischen Auftrag transportieren k&ouml;nnen. <\/p><p><b>Nat&uuml;rlich war Fried ein Marxist, oder? Aber der Marxismus hatte und hat viele Lager, und der eine Marxist traute und traut dem anderen nicht. Wo stand Fried? Wem f&uuml;hlte er sich nahe? Gab es &uuml;berhaupt ein Lager, in dem er zu Hause war?<\/b><\/p><p>Nat&uuml;rlich war Fried Marxist. Einem bestimmten Lager geh&ouml;rte er nicht an. Er war kein Anh&auml;nger der Sowjetunion, gelinde ausgedr&uuml;ckt. Er f&uuml;hlte sich eher der deutschen Studentenbewegung und der Achtundsechziger-Emphase, mithin dem Freudomarxismus nah. Er verurteilte zwar den RAF-Terror, bewunderte aber Ulrike Meinhof. Er war Antizionist, f&uuml;hlte sich der Matzpen-Gruppe, einer Bewegung von israelisch-j&uuml;dischen und pal&auml;stinensischen Sozialisten, verbunden. Er war aber vor allem darin genuiner Marxist, dass er f&uuml;r die menschliche Freiheit und gegen Entfremdung ein Leben lang k&auml;mpfte.<\/p><p><b>Fried, der in London lebte, war ja auch ein wunderbarer &Uuml;bersetzer, zum Beispiel von St&uuml;cken von Shakespeare, die heute noch in Frieds Versionen gespielt werden. K&ouml;nnte es sein, dass er damit seine Begabung zum Dialogischen schulte, zur Ansprache eines Gegen&uuml;bers? Und dass er, obschon &Ouml;sterreicher durch und durch, schon wegen seines Wohnorts &bdquo;freier&ldquo; und offener war als die schriftstellerische &bdquo;Konkurrenz&ldquo; hierzulande?<\/b><\/p><p>Ich wei&szlig; nicht, ob Fried seine Begabung zum Dialogischen an seinem &Uuml;bersetzungswerk schulte. Kann sein. Aber ganz au&szlig;er Frage steht, dass ihm das Dialogische sowohl in seiner Kunst als auch in seinem Umgang mit Menschen allgemein von existentieller Wichtigkeit war. Als &ouml;ffentlicher Intellektueller suchte er den Dialog unentwegt, auch dort, wo er harsche Kritik am Bestehenden &uuml;bte. Fried lebte in London, aber seine Wirkungssph&auml;re war letztlich der deutschsprachige Raum. Ob London dazu beitrug, dass er freier und offener als seine deutschen Kollegen war, wei&szlig; ich nicht. Ich sehe, wie ich vorhin sagte, seine Freiheit und Offenheit eher in seinen tragischen lebensgeschichtlichen Erfahrungen und der aus ihnen gezogenen Konsequenz begr&uuml;ndet.<\/p><p><b>Es gibt ein Gedicht von Fried mit drei markanten Zeilen: &bdquo;Ich soll nicht morden\/ ich soll nicht verraten\/ Das wei&szlig; ich\/ Ich muss noch ein Drittes lernen:\/ Ich soll mich nicht gew&ouml;hnen.&ldquo; W&uuml;rdest Du mir beipflichten, dass in diesen Zeilen der ganze Charakter, das Wesen dieses Autors aufscheint?<\/b><\/p><p>Ja, Du hast vollkommen recht. Das ist der ganze Fried, die Quintessenz seiner Ausrichtung auf den Menschen und die Welt. Das will wohlverstanden sein: Die Gew&ouml;hnung an die Barbarei am Menschen bedeutet nicht nur die Entfremdung von den Opfern dieser Barbarei, sondern auch die Entfremdung von sich selbst &ndash; die Selbstentfremdung. Das korrespondiert mit Adornos Einsicht, dass das verdinglichte Bewusstsein zwangsl&auml;ufig die Menschen als Dinge zu behandeln beginnt. Die Gew&ouml;hnung ist da der erste Schritt.<\/p><p><b>Fried war ein Bejaher der Liebe und des Lebens, ein immer wieder unbeirrbarer Romantiker trotz seiner Erfahrungen, die er zeitlebens mit den Ewiggestrigen machen musste. Woraus hat er die Kraft daf&uuml;r bezogen, was hat ihn so stark und &ndash; f&uuml;r seine Anh&auml;nger &ndash; so &uuml;berzeugend gemacht?<\/b><\/p><p>Es war in erster Linie eben das, wonach Du fragst: seine Liebe bzw. seine Liebesf&auml;higkeit, die fast keine Grenzen kannte. &Uuml;brigens nicht nur Menschen, sondern auch Tieren gegen&uuml;ber. Wenn man nun fragt, woher nahm er die Kraft zu solcher Liebe, dann stellt man eine f&uuml;r Fried letztlich leere Frage. In seinem Gedicht &ldquo;Was es ist&rdquo; beantwortet sich die Frage nach der Liebe mit der herrlichen Antwort der Liebe: &ldquo;Es ist, was es ist&rdquo;.<\/p><p><b>Fried ist seit &uuml;ber 20 Jahren tot. Und doch lebt sein Werk, leben vor allem seine Liebesgedichte mit bis heute &bdquo;weit &uuml;ber eine Million verkauften Exemplaren&ldquo;, wie Wagenbach, Frieds verlegerische Heimat, stolz verk&uuml;ndet. Hat Fried die Potenz, wie vielleicht sonst nur ein Brecht oder ein Hesse (der allerdings vornehmlich mit seiner Prosa), auch die n&auml;chsten Generationen zu erreichen?<\/b><\/p><p>Das ist eine ganz gro&szlig;e Frage. Ich wei&szlig; eigentlich &uuml;berhaupt nicht mehr, was aus dem kulturellen Fundus der klassischen Moderne noch die n&auml;chsten Generationen erreichen kann. Ich habe manchmal das Gef&uuml;hl, dass der gesamte Kultur-, Kunst- und Wertekosmos dieser Moderne mittlerweile zur &ldquo;Welt von gestern&rdquo; geh&ouml;rt. Von der Form und dem Inhalt her sollte eigentlich Frieds Lyrik diese Potenz aufweisen. Es stellt sich nur die Frage, ob sich nicht eine Welt herausbildet, in der solche Potenzen nichts mehr gelten. <\/p><p><b>Da vor allem die Liebeslyrik Frieds so viele Menschen erreicht und sogar Eingang in Dutzende von Schulb&uuml;chern erreicht hat: Wie w&uuml;rdest Du Frieds Verst&auml;ndnis von Erotik beschreiben &ndash; und k&ouml;nnte man ihn als einen Vork&auml;mpfer f&uuml;r einen Umgang mit Sexualit&auml;t bezeichnen, die bis weit in die Sechzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts verkrampft, verschwitzt und verzopft daherkam?<\/b><\/p><p>Ja, Fried ist &ndash; zumindest objektiv &ndash; ein solcher Vork&auml;mpfer gewesen. In Deiner Frage steckt bereits die Antwort: Gerade weil in den vorangegangenen Generationen der Umgang mit Sexualit&auml;t &ldquo;verkrampft, verschwitzt und verzopft daherkam&rdquo;, war die Zeit gleichsam &ldquo;reif&rdquo; f&uuml;r eine sexuelle Revolution. In diesem Kontext kam der Liebeslyrik von Fried eine bedeutende Rolle zu.<\/p><p><b>Ist Fried also im besten Sinne ein Aufkl&auml;rer zu nennen?<\/b><\/p><p>Das ist eine prek&auml;re Frage. Denn ein Marxist m&ouml;chte die Grenzen der historischen Aufkl&auml;rung, die sich ja mit dem &Uuml;berbau der b&uuml;rgerlichen Gesellschaft bildete, &uuml;berwinden. Wenn man aber Aufkl&auml;rung als den Versuch begreift, das falsche Bewusstsein durch Praxis in ein richtiges zu verwandeln, darf Fried in der Tat in diesem besten Sinne als ein Aufkl&auml;rer erachtet werden.<\/p><p><b>Mich pers&ouml;nlich haben die Worte von Thomas Mann ber&uuml;hrt, der &uuml;ber Frieds ersten Gedichtband (mit dem Titel &bdquo;Deutschland&ldquo;), 1944 vom &ouml;sterreichischen Exil-PEN in London herausgegeben, gesagt hat, dass Fried &bdquo;eine gewisse k&uuml;nstlerische und moralische Vergn&uuml;gtheit&ldquo; auszeichnet, &bdquo;die wohl aus einem guten &Uuml;berlegenheitsgef&uuml;hl &uuml;ber das B&ouml;se kommt.&ldquo; Gilt das, was Thomas Mann &uuml;ber den damals unbekannten 23-j&auml;hrigen Fried gesagt hat, noch heute? Ist es dieses &bdquo;gute &Uuml;berlegenheitsgef&uuml;hl &uuml;ber das B&ouml;se&ldquo;, das uns wieder und wieder f&uuml;r Fried einnimmt?<\/b><\/p><p>Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass Deine Frage f&uuml;r mich noch die Luft der &ldquo;Welt von gestern&rdquo; atmet. Aber ich f&uuml;rchte, dass von einem &ldquo;guten &Uuml;berlegenheitsgef&uuml;hl &uuml;ber das B&ouml;se&rdquo; nicht mehr die Rede sein kann. Denn nicht nur entstammte Manns Eindruck damals der Einsicht in ein radikal B&ouml;ses, das es nachgerade manich&auml;isch zu bek&auml;mpfen galt (wof&uuml;r sich bekanntlich Mann selbst einspannen lie&szlig;), sondern der Glaube an die Kunst als wirkm&auml;chtige Instanz der Freiheit war noch relativ ungebrochen. Diese Zeit ist l&auml;ngst vorbei. <\/p><p><b>Etwas Pers&ouml;nliches zum Schluss, Moshe. Hast Du ein Lieblingsgedicht von Fried, das Du uns zu seinem 100. Geburtstag ans Herz legen m&ouml;chtest?<\/b><\/p><p>Oje, es gibt unz&auml;hlige Gedichte, die ich hier anf&uuml;hren k&ouml;nnte. Statt ein Gedicht auszuw&auml;hlen, m&ouml;chte ich lieber vier Aphorismen anbieten, die &ndash; aneinandergereiht &ndash; den marxistisch beseelten Fried (und wenn ich mich dazugesellen darf, auch mich) im sch&ouml;nsten emanzipatorischen Sinne repr&auml;sentieren: (a) <a href=\"https:\/\/zitate.woxikon.de\/leben\/1938-erich-fried-unsere-lebenszeit-ist-unsere-einzige-zeit\">Unsere Lebenszeit ist unsere einzige Zeit.<\/a> (b) Wer will, dass die Welt so bleibt, wie sie ist, der will nicht, dass sie bleibt. (c) <a href=\"https:\/\/zitate.woxikon.de\/freiheit\/1937-erich-fried-das-reich-der-freiheit-ist-im-reich-der-notwendigkeit-ein-notwendiger-traum\">Das Reich der Freiheit ist im Reich der Notwendigkeit ein notwendiger Traum.<\/a> (d) <a href=\"https:\/\/zitate.woxikon.de\/freiheit\/292-erich-fried-wer-sagt-hier-herrscht-freiheit-der-luegt-denn-freiheit-herrscht-nicht\">Wer sagt: hier herrscht Freiheit, der l&uuml;gt, denn Freiheit herrscht nicht.<\/a><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><i>Moshe Zuckermann, Susann Witt-Stahl: <a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/buecher-mehr\/gegen-entfremdung.html?listtype=search&amp;searchparam=Susann%20Witt-Stahl%20Moshe%20zuckermann\">&bdquo;Gegen Entfremdung. Lyriker der Emanzipation und streitbarer Intellektueller &ndash; Gespr&auml;che &uuml;ber Erich Fried<\/a>&ldquo;<\/i><i>, 128 Seiten, Westend Verlag, 12.4.2021<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 6. Mai 2021 j&auml;hrt sich der 100. 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