{"id":72248,"date":"2021-05-09T11:45:34","date_gmt":"2021-05-09T09:45:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=72248"},"modified":"2021-05-10T07:35:52","modified_gmt":"2021-05-10T05:35:52","slug":"mit-messianischem-eifer-gegen-satanswerk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=72248","title":{"rendered":"Mit messianischem Eifer gegen \u201eSatanswerk\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Philippinen: Das Regime von Rodrigo R. Duterte versagte bei der Covid-19-Pandemiebek&auml;mpfung auf ganzer Linie. Nun l&auml;sst es seine milit&auml;rischen Kettenhunde selbst gegen jene los, die sich in Eigenregie zu helfen wissen. Von <b>Rainer Werning<\/b>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9467\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-72248-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210508-Mit-messianischem-Eifer-gegen-Satanswerk-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210508-Mit-messianischem-Eifer-gegen-Satanswerk-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210508-Mit-messianischem-Eifer-gegen-Satanswerk-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210508-Mit-messianischem-Eifer-gegen-Satanswerk-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=72248-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210508-Mit-messianischem-Eifer-gegen-Satanswerk-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"210508-Mit-messianischem-Eifer-gegen-Satanswerk-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Anfang April ereignete sich in General Trias, einer Stadt in der s&uuml;dlich von Manila gelegenen Provinz Cavite, ein Aufsehen erregender Fall. Dort war u.a. der 28-j&auml;hrige Darren Manaog Pe&ntilde;aredondo von lokalen Polizeikr&auml;ften aufgegriffen worden, als er trotz bestehender Ausgangssperre f&uuml;r sich und seine Familie Wasser holen wollte. Zur &bdquo;Strafe&ldquo; wurden Pe&ntilde;aredondo und andere Quarant&auml;ne-Verletzer von den diensthabenden Polizisten gezwungen, insgesamt 300 Liegest&uuml;tze und Kniebeugen zu absolvieren. Der Cousin des Opfers, Adrian Luce&ntilde;a, sagte sp&auml;ter gegen&uuml;ber Reportern, Darren, der ein Herzleiden hatte, war nach seiner R&uuml;ckkehr kaum in der Lage zu gehen. Er taumelte, konnte keine Treppen mehr steigen, brach zusammen und sein Gesicht f&auml;rbte sich violett. Trotz mehrerer Versuche, ihn wiederzubeleben, verstarb er am &uuml;bern&auml;chsten Tag.<\/p><p>Ebenfalls Anfang April kritisierte <i>Human Rights Watch<\/i>, dass Quarant&auml;ne-Regelbrecher w&auml;hrend einer der weltweit harschesten und am l&auml;ngsten andauernden Lockdowns von der Polizei und lokalen Beamten in der Provinz Laguna, auch s&uuml;dlich von Manila gelegen, in Hundek&auml;fige eingesperrt und andere gezwungen wurden, in br&uuml;tender Mittagshitze auszuharren. F&uuml;r das Regime sind diese Menschen &bdquo;Kriminelle&ldquo; und &bdquo;Schwerverbrecher&ldquo;, die genauso martialisch gejagt werden wie &bdquo;Drogenabh&auml;ngige&ldquo; und &bdquo;Kommunisten&ldquo;. Bei selbst harmlosen Verst&ouml;&szlig;en gegen die strikten Quarant&auml;ne-Verordnungen gilt der unmissverst&auml;ndliche Befehl Dutertes an &bdquo;seine Soldaten&ldquo; und &bdquo;seine Polizisten&ldquo;: &bdquo;Wenn es &Auml;rger gibt oder zur Gewalt kommt und euer Leben in Gefahr ist, dann schie&szlig;t sie tot.&ldquo; Er, der Pr&auml;sident, decke ein solches Verhalten und stehe notfalls daf&uuml;r gerade. Wie selbstherrliche Warlords patrouillieren heute bis buchst&auml;blich an die Z&auml;hne bewaffnete Polizisten und Soldaten in den zahlreichen Armenvierteln auf dem Archipel. Gleichzeitig dienen sie als makabre Kulissen solcher Dokumentarfilme und Reportagen wie <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=qugduxazBBg\"><i>On the President&rsquo;s Order<\/i> (2019)<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=hV3odUiQrqI\"><i>Dutertes Methoden im Schatten des Virus <\/i>(2020)<\/a>.<\/p><p><b>Staatsversagen<\/b><\/p><p>Und dann das! Mitte April ging pl&ouml;tzlich aus Sicht der antikommunistischen Betonmischer und Hardliner innerhalb der philippinischen Streitkr&auml;fte (AFP) ein neues b&ouml;sartiges kommunistisches Gespenst im Lande um &ndash; das Gespenst der sogenannten &bdquo;community pantries&ldquo;. Da hatte es doch glatt die 26-j&auml;hrige Ana Patricia Non gewagt, als erste Person im Gro&szlig;raum Manila einen Bambuskarren mit Lebensmitteln &ouml;ffentlich aufzustellen und diese an die &Auml;rmsten der Armen kostenlos zu verteilen. Gem&auml;&szlig; dem Motto in Filipino: <i>&bdquo;<\/i><i>Magbigay ayon sa kakayahan, kumuha ayon sa panga-ngailangan.&rdquo; (<\/i><i>&bdquo;Gib&lsquo;, was immer du kannst, nimm&lsquo; nur, was du brauchst.&ldquo;) <\/i>Sie appellierte damit an <i>&bdquo;bayanihan&ldquo;<\/i>, was f&uuml;r Filipinos der Inbegriff unmittelbarer Nachbarschaftshilfe ist. Zur Illustration wird gern auf solche Dorfszenen verwiesen, wo Menschen in Gemeinschaftsanstrengung gefertigte Bambus- oder Nipah&uuml;tten auf Schultern gestemmt von einem Ort zur neuen Heimst&auml;tte transportieren. Frau Nons Appell fand in Windeseile &uuml;berall im Lande Nachahmer.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Hungernden zu ern&auml;hren und die Menschen miteinander zu verbinden&ldquo;, konstatierte Prinz Kennex R. Aldama, Sozialwissenschaftler und Vizepr&auml;sident der Philippinischen Soziologischen Gesellschaft, am 22. April im Onlinemagazin <i>Rappler, &bdquo;<\/i>sind<i> <\/i>die beabsichtigten Ziele der Gemeinschaftsverpflegung. Aber ihr kontinuierliches Auftauchen sagt uns noch etwas Anderes: die Schw&auml;che des Staates. (&hellip;) Die Gemeinschaftsverpflegung ist eine bedeutende Bewegung. Aber sie kann uns nicht vor der Pandemie retten, und zwar aus dem entscheidenden Grund, dass sie f&uuml;r einen bestimmten Zweck konzipiert sind. Sie f&uuml;llen den Magen, aber sie k&ouml;nnen das Virus nicht ausrotten. Sie k&ouml;nnen einer Familie zu einem bestimmten Zeitpunkt Essen auf den Tisch bringen, aber die langfristigen Auswirkungen dieser Pandemie erfordern eine Reihe von Programmen und Ma&szlig;nahmen, die unsere Mittel zum &Uuml;berleben der Menschheit sichern: Nahrung, Gesundheit, Arbeitspl&auml;tze, Bildung und Technologie.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Und <a href=\"https:\/\/www.rappler.com\/voices\/imho\/opinion-what-community-pantries-tell-kind-state\">Aldama erg&auml;nzte<\/a>:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Duterte selbst hat durch seine populistische Rhetorik versucht, die &Ouml;ffentlichkeit davon zu &uuml;berzeugen, dass die komplexen Probleme wie illegale Drogen, Bestechung und Korruption sowie territoriale Streitigkeiten nur von ihm selbst gel&ouml;st werden k&ouml;nnen. Er hat in seinen Reden sogar die F&auml;higkeit des Rechtsstaates und die Rolle der demokratischen Institutionen herabgew&uuml;rdigt.<\/p>\n<p>In seinen w&ouml;chentlichen Ansprachen an die Nation &uuml;ber die Reaktion unseres Landes auf die Pandemie bleibt sein Stil derselbe. Er war zuversichtlich, dass das Virus auf nat&uuml;rliche Weise verschwinden wird. Er versicherte uns, dass die Impfstoffe bald da sein werden und dass wir einfach abwarten sollten. Aber was die Menschen brauchen und von der Regierung fordern, geht weit &uuml;ber reine Rhetorik hinaus. Was uns retten wird, sind nicht die Worte und der vereinfachende Ansatz eines starken Mannes in diesem schwachen Staat, sondern konkrete und effektive L&ouml;sungen mit langfristigem Nutzen wie Massentests, Impfungen und gute Krankenhausleistungen.<\/p>\n<p>Die aktuelle Situation offenbart die Unzul&auml;nglichkeiten und Grenzen der derzeitigen Regierung. Mit falschen Priorit&auml;ten, Korruption im Gesundheitssystem und unklaren und unwirksamen L&ouml;sungen zur Bek&auml;mpfung der Pandemie k&ouml;nnen die Menschen sp&uuml;ren, dass sie nicht ihre Hoffnungen auf den starken Mann setzen k&ouml;nnen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>&bdquo;Die Gemeinschaftsverpflegungsstellen sind Ausdruck einer neuen Solidarit&auml;t&ldquo;, hei&szlig;t es in einer am 18. April <a href=\"http:\/\/philippinesociology.com\/contagion-of-mutual-aid-in-the-philippines\/\">publizierten Studie<\/a>, die in Gemeinschaftsarbeit zwischen der <i>Philippinischen Soziologischen Gesellschaft (PSS)<\/i> und <i>Oxfam Philippines<\/i> entstand, &bdquo;die aus dem kollektiven Trauma w&auml;hrend der Pandemie entstanden ist. Jetzt, da sich die Menschen in diesen emanzipatorischen &sbquo;viralen&lsquo; R&auml;umen versammelt haben, sollten diese gegen den Zynismus derjenigen verteidigt werden, die ihr noch nicht erwachtes politisches Potenzial f&uuml;rchten. Die Gemeinschaftsspeicher sind noch keine Versammlungs- oder Demonstrationsorte, aber die materiellen Bedingungen des Mangels und der Frustration k&ouml;nnten sie in sehr naher Zukunft zu offenen Orten des Widerstands machen.&ldquo; Der Anthropologe und Kolumnist der Tageszeitung <i>Philippine Daily Inquirer<\/i>, Gideon Lasco, twitterte die in diesem Zusammenhang schon fast subversiv anmutende Frage: &bdquo;Wie kommt es, dass so kleine Initiativen mit so wenig so viel erreichen und unsere Regierung mit so viel nur so wenig zustande bringt?&ldquo;<\/p><p><b>Schroffe soziale Gegens&auml;tze<\/b><\/p><p>&bdquo;Das Vers&auml;umnis, das Virus einzud&auml;mmen, und die mangelnde fiskalische Unterst&uuml;tzung bedeuten, dass die Philippinen die langsamste Erholung in der Region erleben&ldquo;, konstatiert die in London ans&auml;ssige Denkfabrik <i>Capital Economics<\/i> in ihrem Wirtschaftsausblick vom 21. April. Tats&auml;chlich durchl&auml;uft der Inselstaat mit seiner 108 Millionen Einwohner z&auml;hlenden Bev&ouml;lkerung seine verheerendste Wirtschaftskrise. Immer mehr Menschen hungern, weil die COVID-19-Pandemie neben einem rasanten Anstieg von Arbeitslosigkeit und Unterbesch&auml;ftigung zum <a href=\"https:\/\/opinion.inquirer.net\/139659\/bleak-projections\">R&uuml;ckgang des Bruttoinlandsprodukts<\/a> um knapp zehn Prozent gegen&uuml;ber dem Vorjahr f&uuml;hrte. Die mit Abstand schlechteste wirtschaftliche Performance in der gesamten Region Ostasien\/Westpazifik.<\/p><p>Die d&uuml;stere Sichtweise deckt sich mit den Einsch&auml;tzungen von Ratingagenturen ebenso wie mit jenen der <i>Weltbank<\/i> und der in Manila beheimateten <i>Asiatischen Entwicklungsbank (ADB)<\/i>, wonach die COVID-19-Situation (Stand am 6. Mai: 1,080 Millionen Infizierte; 17.991 Tote) in den Philippinen &bdquo;katastrophal&ldquo; sei. Dieselben Institute gehen davon aus, dass das Land bis mindestens Anfang 2023 das Schlusslicht in der gesamten Region bleiben wird.<\/p><p>Laut einer im M&auml;rz 2021 publizierten Umfrage des <i>Asian Development Bank Institute (ADBI)<\/i> mussten 67 Prozent der philippinischen Haushalte binnen eines Jahres Einkommenseinbu&szlig;en von mehr als 25 Prozent aufgrund der Pandemie hinnehmen. An zweiter Stelle rangiert Indonesien mit 64 Prozent der Haushalte und an letzter Stelle Malaysia mit 40 Prozent. Eine weitere Aufschl&uuml;sselung der Daten zeigt, dass mehr philippinische Haushalte w&auml;hrend der Pandemie die st&auml;rksten Einkommenseinbu&szlig;en erlitten als in allen anderen neun Mitgliedsstaaten der <i>Vereinigung s&uuml;dostasiatischer Nationen (ASEAN)<\/i>. Bei etwa 21 Prozent der philippinischen Haushalte fiel das Einkommen um mehr als 75 Prozent. In drei L&auml;ndern (Kambodscha, Indonesien und Thailand) mussten 11 Prozent der Haushalte w&auml;hrend der Pandemie einen solchen Einkommensr&uuml;ckgang hinnehmen; Vietnam verzeichnete mit vier Prozent den geringsten Wert. Einen Einkommensr&uuml;ckgang von mehr als 50 Prozent hatten 41 Prozent der philippinischen Haushalte zu verzeichnen. Indonesien liegt mit 27 Prozent der Haushalte an zweiter Stelle, w&auml;hrend Vietnam mit 15 Prozent den niedrigsten Wert aufwies.<\/p><p>&bdquo;Die mangelnde Kontrolle der Pandemie, die Unf&auml;higkeit, Impfstoffe zu beschaffen, und die relative Entfernung von den Exportlieferketten tragen dazu bei, dass die Philippinen zu den mit Abstand schw&auml;chsten L&auml;ndern der Region geh&ouml;ren&rdquo;, konstatiert <i>Moody&rsquo;s Analytics<\/i> in ihrem Report vom 18. April. Korruption im Gesundheitssektor und die vergleichsweise mickrige Bereitstellung von lediglich 117 Milliarden Peso f&uuml;r die Pandemiebek&auml;mpfung im Vergleich zu avisierten 1,1 Billionen Peso f&uuml;r ehrgeizige Infrastrukturvorhaben offenbaren zudem eine falsche Priorit&auml;tensetzung des Regimes. Gerade einmal vier Prozent des laufenden Staatsbudgets sind f&uuml;r die Bek&auml;mpfung von Covid-19 vorgesehen. Und nur 1,3 Prozent der Bev&ouml;lkerung sind bis dato geimpft.<\/p><p>Als Archipel mit &uuml;ber 7.000 Inseln geh&ouml;ren die Philippinen &uuml;berdies zu den anf&auml;lligsten L&auml;ndern der Welt f&uuml;r Naturkatastrophen. Dar&uuml;ber hinaus, res&uuml;miert die renommierte <a href=\"https:\/\/www.thelancet.com\/journals\/lanwpc\/article\/PIIS2666-6065(21)00069-9\/fulltext\">medizinische Fachzeitschrift <i>The Lancet<\/i><\/a>, wurde der langj&auml;hrige Kampf gegen Infektionskrankheiten durch den Anstieg von nicht &uuml;bertragbaren Krankheiten aufgrund von &Auml;nderungen des Lebensstils und einer Zunahme von Risikoverhaltensweisen verst&auml;rkt. Diese Probleme haben die Bev&ouml;lkerung f&uuml;r die schweren negativen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie pr&auml;disponiert. Neben den direkten gesundheitlichen Verlusten durch die Pandemie und die damit verbundene politische Reaktion gibt es indirekte gesundheitliche Verluste, die schwer abzusch&auml;tzen sind &ndash; zum Beispiel, wenn Ressourcen f&uuml;r das Gesundheitswesen von anderen wichtigen Bereichen abgezogen wurden.<\/p><p>Als schriller Kontrast zu alledem: Das kumulierte Verm&ouml;gen der <a href=\"https:\/\/www.manilatimes.net\/2021\/04\/08\/news\/national\/17-ph-billionaires-make-it-to-forbes-richest-list\/861219\/\">17 philippinischen Milliard&auml;re<\/a> bel&auml;uft sich gegenw&auml;rtig auf 45,6 Milliarden Dollar (2,2 Billionen Peso), basierend auf der aktuellen <i>Forbes<\/i>-Liste &ndash; etwa der H&auml;lfte des laufenden Staatshaushalts in H&ouml;he von 4,5 Billionen Peso (93,7 Milliarden US-Dollar). Trotz oder wegen der Coronavirus-Pandemie vermochten die philippinischen Milliard&auml;re ihren Reichtum zu vergr&ouml;&szlig;ern. Laut <i>Forbes <\/i>f&uuml;hrt die Liste unter den weltweit 2.755 erfassten Milliard&auml;ren den Immobilienmagnaten Manuel Villar als reichsten Filipino auf. Dessen Verm&ouml;gen stieg um 28,6 Prozent von 5,6 Milliarden Dollar (271 Milliarden Peso) im Jahr 2020 auf 7,2 Milliarden Dollar (349,45 Milliarden Peso) im Jahr 2021 an.<\/p><p><b>Antikommunismus allerorten<\/b><\/p><p>So rasch sich die &bdquo;community pantries&ldquo; landesweit verbreiteten, so knallhart erfolgten die Reaktionen der staatlichen &bdquo;Sicherheits&ldquo;kr&auml;fte. Vor allem seitens des Frontmanns in punkto &bdquo;nationale Sicherheit und &ouml;ffentliche Ordnung&ldquo;, Generalleutnant Antonio G. Parlade, Jr. Gegen&uuml;ber Lokalreportern erkl&auml;rte der General am 20. April w&ouml;rtlich: &bdquo;Das ist eine Person, Anna, Patricia, richtig? Dasselbe mit Satan. Satan gab Eva einen Apfel. Da hat alles angefangen.&ldquo; &bdquo;Ich beziehe mich hier auf die gro&szlig;e Organisation&ldquo;, f&uuml;gte Parlade hinzu, &bdquo;die wohl hinter all dem steckt. Wieso wurden sie (die &sbquo;community pantries&lsquo; &ndash; <i>RW<\/i>) pl&ouml;tzlich aus dem Boden gestampft? Warum haben sie nur ein einziges Thema?&ldquo;<\/p><p>Was zu erwarten war, lie&szlig; nicht lange auf sich warten. Frau Non und ihre Mitstreiter wurden eingesch&uuml;chtert und gezwungen, ihre Aktionen einige Tage einzustellen. Derweil wurde ihre Idee gekapert und rasch instrumentalisiert. Im Norden der gr&ouml;&szlig;ten s&uuml;dlichen Insel Mindanao entstanden auf Anweisung des B&uuml;ros der Nationalpolizei in der Region X eigene Nahrungsmittelst&auml;nde mit der Bezeichnung &bdquo;BARANGAYanihan&ldquo;, um als kombinierte Polizei-Gemeinde-Aktivit&auml;t &bdquo;die Herzen und Hirne der Bev&ouml;lkerung&ldquo; f&uuml;r sich zu gewinnen.<\/p><p>F&uuml;r Parlade und seine engsten Vertrauten stand sofort fest, dass die &bdquo;community pantries&ldquo; eigentlich <a href=\"https:\/\/www.manilatimes.net\/2021\/04\/23\/opinion\/columnists\/community-pantry-ph\/866680\/?utm_campaign=magnet&amp;utm_source=article_page&amp;utm_medium=related_articles\">&bdquo;kommunistisches Teufelswerk&ldquo;<\/a> und aus dem politischen Untergrund gesteuert sind. Manipuliert von der Kommunistischen Partei der Philippinen (CPP) und ihrem bewaffneten Arm, der Neuen Volksarmee (NPA), um so neue Mitglieder zu rekrutieren. Seit der Jahreswende 1968\/69 f&uuml;hren sie einen erbitterten Guerillakrieg gegen die Zentralregierung in Manila. In ganz S&uuml;dostasien, wo die meisten kommunistischen Parteien l&auml;ngst von der politischen B&uuml;hne verschwunden sind, bilden die Philippinen eine Ausnahme. Dort, so die Position der CPP\/NPA, existiere mit den &bdquo;drei Haupt&uuml;beln Feudalismus, Imperialismus und b&uuml;rokratischer Kapitalismus&ldquo; ein legitimes Angriffsziel, um damit gleichzeitig Massenarmut, grassierender Korruption und omnipr&auml;senten politischen Dynastien einen Riegel vorzuschieben.<\/p><p>Kein Wunder, dass s&auml;mtlichen Regierungen in Manila seit der &Auml;ra des Despoten Ferdinand E. Marcos (1965-86) die CPP\/NPA ein Dorn im Auge sind. Um diesen endg&uuml;ltig das R&uuml;ckgrat zu brechen, unterzeichnete Duterte am 4. Dezember 2018 die Exekutivorder 70. Sie legt fest, dass die Counterinsurgengy (Aufstandsbek&auml;mpfung) fortan als &bdquo;gesamtnationale Aufgabe&ldquo; gilt. Der laut dieser Order frischgek&uuml;rten <i>Nationalen Task Force zur Beendigung des lokalen kommunistischen bewaffneten Konflikts (NTF-ECLAC)<\/i> obliegt es, des Pr&auml;sidenten Counterinsurgengy-Strategie bis zum Ende seiner Amtszeit Ende Juni 2022 auf Teufel komm raus erfolgreich umzusetzen. Dirigiert wird die NTF-ECLAC von hochrangigen Milit&auml;rs und ehemaligen Generalstabschefs mit Duterte als ihrem Vorsitzenden und eben Generalleutnant Parlade als ihrem Sprecher.<\/p><p>In Personalunion ist Parlade aber auch Oberbefehlshaber des <i>S&uuml;dluzon-Kommandos <\/i>der Streitkr&auml;fte (AFP), das in den s&uuml;dlich von Manila gelegenen Provinzen f&uuml;r die Counterinsurgengy verantwortlich ist. Dort kam es vor allem seit Jahresbeginn zu einer systematischen Hatz auf fortschrittliche Gewerkschafter, Arbeiter- und Bauernf&uuml;hrer, Fischerleute sowie kritische Studenten, Kirchenleute und Umweltsch&uuml;tzer. Allein am 7. M&auml;rz, landesweit als &bdquo;Blutsonntag&ldquo; bekannt, wurden im Gro&szlig;raum Manila neun Sozialaktivisten ermordet und sechs weitere mit fadenscheinigen Begr&uuml;ndungen verhaftet. Allesamt Opfer des <i>&bdquo;red-tagging&ldquo;,<\/i> der Brandmarkung als &bdquo;terroristische Kommunisten&ldquo;, was zum Markenzeichen unter Parlade geworden ist.<\/p><p>Parlade genie&szlig;t &uuml;berdies das Privileg, sich in der &auml;ltesten Tageszeitung des Landes, in der <i>Manila Times<\/i>, mit seinen antikommunistischen Hetztiraden als Kolumnist &auml;u&szlig;ern zu k&ouml;nnen. In zahlreichen seiner dort publizierten Texte beklagt er sich dar&uuml;ber, dass es die staatlichen Organe in der Vergangenheit leider vers&auml;umt h&auml;tten, nicht schon viel fr&uuml;her die CPP\/NPA &bdquo;beseitigt zu haben&ldquo;. Die mit ihnen gef&uuml;hrten Friedensverhandlungen seien vertane Zeit gewesen und h&auml;tten die jeweiligen Regierungen in Manila lediglich eingelullt. Insgeheim z&auml;hlt Parlade zu jener AFP-Garde, die gern die &bdquo;Jakarta-Methode&ldquo; exekutiert s&auml;he.<\/p><p>In seinem Buch <i>The Jakarta Method:<\/i><i> Washington&rsquo;s Anticommunist Crusade and the Mass Murder Program that Shaped Our World<\/i> (New York 2020: PublicAffairs) beschreibt der Autor Vincent Bevins, wie u.a. in Indonesien Mitte der 1960er Jahre die damals weltweit drittgr&ouml;&szlig;te kommunistische Partei, die Kommunistische Partei Indonesiens (PKI), im Zuge der Machtergreifung durch General Suharto nahezu physisch liquidiert wurde. Suharto und seine Komplizen, tatkr&auml;ftig assistiert vom US-amerikanischen Geheimdienst CIA, &bdquo;arbeiteten&ldquo; buchst&auml;blich Schwarze Listen mit den Namen von PKI-Funktion&auml;ren unterschiedlichen Grads sowie einfache PKI-Mitglieder und -Sympathisanten &bdquo;ab&ldquo; &ndash; das Todesurteil f&uuml;r mindestens eine Million Menschen.<\/p><p><b>Dynastische Ambitionen<\/b><\/p><p>Die antikommunistischen Rundumschl&auml;ge von General Parlade richteten sich in den vergangenen Wochen auch gegen Mitglieder des Abgeordnetenhauses, bekannte Schauspielerinnen und sogar Angestellte im Senat. Das hat selbst Senatoren und den Nationalen Sicherheitsberater Hermogenes C. Esperon, Jr. auf den Plan gerufen, die das Image der AFP durch das wilde Gebaren Parlades ramponiert sehen. Gegen&uuml;ber den <i>NDS<\/i> erkl&auml;rte der seit &uuml;ber drei Jahrzehnten im niederl&auml;ndischen Utrecht im Exil lebende Gr&uuml;ndungsvorsitzende der CPP, Jos&eacute; Maria Sison:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Der hochgradige Psychopath und Killer Duterte und seine milit&auml;rischen Kettenhunde, allen voran Parlade, sind momentan die besten Rekrutierer f&uuml;r unsere Sache. Letzterer sieht &uuml;berall und in allem rot &ndash; und handelt es sich dabei nur um Tomaten. Schlie&szlig;lich erkennen die Menschen glasklar, dass der Wahlspruch der &sbquo;community pantries&lsquo; von den Herrschenden tagt&auml;glich ins Gegenteil verkehrt wird: &sbquo;Nehmt, was ihr kriegen k&ouml;nnt und lasst f&uuml;r andere nichts mehr &uuml;brig.&lsquo;&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Ende April eskalierte der Schlagabtausch zwischen den Kontrahenten. Als der Ruf laut wurde, die kumulierte Summe von ann&auml;hernd 25 Mrd. Peso (umgerechnet 525 Millionen US-Dollar) f&uuml;r das diesj&auml;hrige Budget der NTF-ELCAC sowie des Etats f&uuml;r &bdquo;vertrauliche und geheimdienstliche&ldquo; Zwecke des Pr&auml;sidialamtes f&uuml;r die dringendere Pandemiebek&auml;mpfung einzusetzen, beschimpfte Parlade die Senatoren als &bdquo;dumm&ldquo;. Schlie&szlig;lich h&auml;tten diese Ende 2020 den jeweiligen Budgets zugestimmt.<\/p><p>Hinter diesem Streit wittern Regimegegner bereits das Schmieren der pr&auml;sidialen Wahlkampfmaschinerie. Anfang Mai 2022 stehen die n&auml;chsten allgemeinen Wahlen an. Bereits heute gilt die B&uuml;rgermeisterin von Davao City, der gr&ouml;&szlig;ten (Hafen-)Stadt im S&uuml;den, im Rennen um das h&ouml;chste Staatsamt als mit Abstand aussichtsreichste Kandidatin. Es ist dies keine Geringere als Sara Duterte-Carpio, die Tochter des Pr&auml;sidenten. Sie beerbte ihren Vater im Sommer 2016, nachdem dieser seit 1988 die l&auml;ngste Zeit als Chef in Davaos Rathaus residiert hatte. Und nebst Sara &bdquo;thronen&ldquo; in trautem Familienbusiness Bruder Pablo als Vizeb&uuml;rgermeister und Bruder Paolo als Kongressabgeordneter des 1. Distrikts von Davao City.<\/p><p>Inday Espina-Varona, eine der landesweit prominentesten Bloggerinnen und scharfe Regimegegnerin, sandte diesem Autor k&uuml;rzlich eine Mail, in der es hei&szlig;t:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Philippinen stehen am Rande der roten Zone. Dennoch h&ouml;ren wir immer noch auf Apologeten, die versuchen, die Realit&auml;t zu verdrehen. Sie geben fast schon den Patienten in den Krankenh&auml;usern die Schuld daran, dass wartende Patienten drau&szlig;en auf Parkpl&auml;tzen sterben. Aber sie haben nicht gehandelt, als es um die wirtschaftliche Absicherung von Notf&auml;llen ging. Die Gefahrenzulage kommt in manchen Bereichen ein Jahr zu sp&auml;t. Heute ruft das Regime nach Helden. So viele sind gestorben. So viele sind krank. Duterte indes hat nichts unversucht gelassen, Helden f&uuml;r das Verbrechen, Richtiges zu tun, zu st&uuml;rzen. Er stiftet laufend Verwirrung und hindert das Volk daran, zusammenzufinden. Wenn der Pr&auml;sident schon keine F&uuml;hrungspers&ouml;nlichkeit sein kann, sollte er wenigstens von der B&uuml;hne abtreten und gehen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Titelbild: Kel Malazarte\/shutterstock.com<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/b0615db5f59047a3a9347a680563c941\" alt=\"\" title=\"\" width=\"1\" height=\"1\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Philippinen: Das Regime von Rodrigo R. Duterte versagte bei der Covid-19-Pandemiebek&auml;mpfung auf ganzer Linie. Nun l&auml;sst es seine milit&auml;rischen Kettenhunde selbst gegen jene los, die sich in Eigenregie zu helfen wissen. Von <b>Rainer Werning<\/b>.<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":72249,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,149,60,20,132,133],"tags":[2871,881,2183,2857,849,1222,1971,421,2931,309,2834,2852],"class_list":["post-72248","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-gesundheitspolitik","category-innere-sicherheit","category-landerberichte","category-ungleichheit-armut-reichtum","category-wichtige-wirtschaftsdaten","tag-antikommunismus","tag-armut","tag-duterte-rodrigo","tag-lockdown","tag-nahrungsmittel","tag-pandemie","tag-philippinen","tag-polizei","tag-reichtum","tag-repressionen","tag-virenerkrankung","tag-wirtschaftsdepression"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/shutterstock_1922685566.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/72248","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=72248"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/72248\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":72270,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/72248\/revisions\/72270"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/72249"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=72248"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=72248"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=72248"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}