{"id":72284,"date":"2021-05-10T12:35:20","date_gmt":"2021-05-10T10:35:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=72284"},"modified":"2021-05-10T13:23:55","modified_gmt":"2021-05-10T11:23:55","slug":"putin-in-seiner-rede-zum-siegestag-am-9-mai-russland-wird-wiederaufleben-des-nazismus-in-europa-nicht-hinnehmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=72284","title":{"rendered":"Putin in seiner Rede zum Siegestag am 9. Mai: Russland wird Wiederaufleben des Nazismus in Europa nicht hinnehmen"},"content":{"rendered":"<p>In diesem Jahr hat die Parade eine besondere Bedeutung. Denn am 22. Juni 1941, also vor 80 Jahren, begann der &Uuml;berfall von Hitler-Deutschland auf die Sowjetunion. Bundestagspr&auml;sident Wolfgang Sch&auml;uble erkl&auml;rte bereits, dass es am 22. Juni 2021 in Berlin keine Gedenkveranstaltung geben wird. Aus Moskau berichtet <strong>Ulrich Heyden<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nRussland gedachte am 9. Mai mit einer Milit&auml;rparade des 76. Jahrestages des Sieges &uuml;ber Hitler-Deutschland. Im letzten Jahr konnte die traditionelle Siegesparade wegen der Corona-Krise nicht am 9. Mai stattfinden. Sie wurde am 24. Juni 2020 nachgeholt, dem Tag, an dem 1945 die erste Siegesparade nach dem Krieg stattfand (<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=60808\">mehr zur Geschichte des Feiertages am 9. Mai hier<\/a>).<\/p><p><strong>Eine halboffizielle Parade f&uuml;r das Volk<\/strong><\/p><p>Wer die russische Milit&auml;rtechnik am 9. Mai auf Moskaus Stra&szlig;en sehen wollte, konnte den Fernseher einschalten. Alles wurde mit aufw&auml;ndiger Kamera-Technik &uuml;bertragen. Doch viele Moskauer und G&auml;ste der Stadt wollen das am 9. Mai mit eigenen Augen sehen. Das war in diesem Jahr &auml;u&szlig;erst schwierig, weil die Stadtverwaltung viele Stra&szlig;en und U-Bahnh&ouml;fe rund um den Roten Platz abgesperrt hatte. Gab es wohlm&ouml;glich Bef&uuml;rchtungen vor Aktionen von Oppositionellen?<\/p><p>Schnell sprach sich herum, dass man die Panzer sehen kann, wenn sie vom Roten Platz &uuml;ber den Neuen Arbat zu ihren Standorten zur&uuml;ckfahren. Und so setzte sich durch die Stadt eine kleine V&ouml;lkerwanderung mit dem Ziel Neuer Arbat in Bewegung. Dort war die Stimmung dann <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=rCIQx0iZ8os\">erwartungsvoll und froh<\/a>. <\/p><p>Das kurze Aufeinandertreffen von Streitkr&auml;ften und B&uuml;rgern war so etwas wie eine halboffizielle Parade f&uuml;r die einfachen Leute, die es nicht auf die Trib&uuml;nen am Roten Platz geschafft hatten. Die Soldaten standen in ihren gepanzerten Fahrzeugen stramm, den Blick nach vorne gerichtet. Doch immer erwiderten sie l&auml;chelnd das Winken der Zuschauer oder  hupten.<\/p><p>F&uuml;r mich als geb&uuml;rtigen Westdeutschen war, als ich Anfang der 1990er Jahre nach Russland kam, das innige Verh&auml;ltnis der Russen zu ihren Streitkr&auml;ften zun&auml;chst nicht nachvollziehbar. Zu sehr war ich in meiner westdeutschen Skepsis gegen&uuml;ber Milit&auml;r gefangen. Es brauchte eine Zeit, bis ich verstand, dass die einfachen Russen ihre Soldaten aus historischer Erfahrung achten und sogar lieben. Immer wieder ist unter einfachen Russen die Rede davon, dass die Armee daf&uuml;r sorgt, &bdquo;dass der Himmel &uuml;ber uns friedlich ist&ldquo;. Es f&auml;llt schwer, etwa angesichts der Erfahrungen des deutschen &Uuml;berfalls auf die Sowjetunion, dagegen zu argumentieren.<\/p><p><strong>In Decken und Regenm&auml;ntel eingeh&uuml;llte Veteranen<\/strong><\/p><p>Um 10 Uhr morgens begann die traditionelle Veranstaltung auf dem Roten Platz. In seiner <a href=\"http:\/\/en.kremlin.ru\/events\/president\/news\/65544\">Rede<\/a> dankte der russische Pr&auml;sident den Kriegsveteranen: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wir verbeugen uns vor ihrem Mut und starkem Willen, wir danken f&uuml;r das unsterbliche Beispiel von Geschlossenheit und Liebe zur Heimat.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Den Sieg 1945 habe das &bdquo;sowjetische Volk&ldquo; errungen. &bdquo;Menschen aller Nationalit&auml;ten und Glaubensrichtungen k&auml;mpften um jeden Fu&szlig;breit heimischer Erde.&ldquo; Dann kam Putin auf den 22. Juni 1941 zu sprechen:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Der Feind griff unser Land an, kam auf unseren Boden, um zu morden, um Tod und Schmerz zu verbreiten, Schrecken und unermessliches Leiden.  Er wollte nicht nur die politische Ordnung st&uuml;rzen, das sowjetische System, sondern uns auch als Staat vernichten, als Nation und unsere V&ouml;lker von dieser Erde ausradieren.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Putin warnt vor &Uuml;berlegenheitsgef&uuml;hlen, Antisemitismus und Russophobie<\/strong><\/p><p>Der russische Pr&auml;sident zog in seiner Rede Parallelen zwischen den Entwicklungen in Deutschland in den 1930er Jahren und den Entwicklungen in der Ukraine und den baltischen Staaten heute. Fast ein Jahrhundert trenne die Menschheit von den Ereignissen, &bdquo;als im Zentrum von Europa ein ungeheuerliches Nazi-Tier frech wurde und r&auml;uberische St&auml;rke gewann. Immer zynischer h&ouml;rte man die Losungen der rassischen und nationalen &Uuml;berlegenheit, des Antisemitismus und der Russophobie&ldquo;.<\/p><p>Mit Leichtigkeit seien damals Vereinbarungen gebrochen worden, &bdquo;die dazu dienten, ein Abgleiten in einen Weltkrieg zu stoppen.&ldquo; Heute drohe in Europa abermals eine faschistische Gefahr: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Viel von der Ideologie der Nazis, die von der wahnwitzigen Vorstellung ihrer Exklusivit&auml;t besessen waren, versucht man erneut zu nutzen. (&hellip;) Heute sehen wir einen Rummel von nicht v&ouml;llig vernichteten Strafkommandos und ihrer Nachfolger. Es gibt den Versuch, die Geschichte umzuschreiben, die Verr&auml;ter und Verbrecher freizusprechen, an dessen H&auml;nden das Blut Hunderttausender friedlicher Menschen klebt.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Mit diesen S&auml;tzen spielte der russische Pr&auml;sident auf die staatlich angeordnete Huldigung von Hitler-Kollaborateuren wie Stepan Bandera und die faschistischen Aufm&auml;rsche in der Ukraine an: Am 28. April wurde im Zentrum von Kiew unter Obhut von B&uuml;rgermeister Vitali Klitschko ein <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=4Wyo39OKhmY\">Gedenkmarsch<\/a> zu Ehren der Gr&uuml;ndung der &bdquo;Division Galizien&ldquo; im Jahr 1943 durchgef&uuml;hrt. Die Division geh&ouml;rte zur Waffen-SS und war 12.000 Mann stark. Mitglieder waren ukrainische Ultranationalisten und Volksdeutsche. <\/p><p>Die Division wurde an der Ostfront und auf dem Balkan als Strafkommando gegen Partisanen und Zivilisten eingesetzt. Nach der Entscheidung des N&uuml;rnberger Kriegsverbrechertribunals ist die SS eine verbrecherische Organisation. <\/p><p>Nach der Rede des russischen Pr&auml;sidenten erkl&auml;rte sein Sprecher, Dmitri Peskow, im Radio &bdquo;Echo Moskau&ldquo;:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Es ist kein Geheimnis, dass in europ&auml;ischen L&auml;ndern die Neonazis immer mehr den Kopf erheben und die Europ&auml;er mit ihnen ringen. Das ist nat&uuml;rlich nicht hinnehmbar f&uuml;r unser Land. In der Ukraine und in einigen baltischen Staaten sehen wir diese Neonazis auch. &acute;Galizien&acute; marschierte vor kurzem in Kiew.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Buddhistische Kosaken auf der Milit&auml;rparade<\/strong><\/p><p>Die diesj&auml;hrige <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=fJsb6movvig&amp;t=3424s\">Milit&auml;rparade<\/a> auf dem Roten Platz war kein einfaches Unterfangen. Die Wolken hingen tief und ab und zu tr&ouml;pfelte es. Die Lufttemperatur betrug acht Grad. Auf den Trib&uuml;nen am Roten Platz hatten sich die 80- und 90-j&auml;hrigen Veteranen Regenm&auml;ntel und Decken &uuml;ber ihre Uniformen geh&auml;ngt. Und mehrmals sah man, wie Putin den alten M&auml;nnern herunterrutschende Decken wieder auf die Schultern schob.<\/p><p>Zuerst marschierten 12.000 Soldaten verschiedenster Waffengattungen &ndash; unter ihnen auch buddhistische Kosaken aus Kalmykien &ndash; &uuml;ber den Platz. Dann rollte Milit&auml;rger&auml;t &uuml;ber das Pflaster.  <\/p><p><strong>Der Marsch des Unsterblichen Regiments soll sp&auml;ter stattfinden<\/strong><\/p><p>Den traditionellen Marsch von B&uuml;rgern der Stadt unter dem Motto &ldquo;Unsterbliches Regiment&rdquo; hatte die Stadtverwaltung f&uuml;r den 9. Mai abgesagt. Der Marsch, bei dem Angeh&ouml;rige von Soldaten und Soldatinnen, die im Zweiten Weltkrieg k&auml;mpften, mit den Portr&auml;ts ihrer Vorfahren durch Moskaus Stra&szlig;en ziehen, findet seit 2007 statt. Am 24. Juni dieses Jahres soll der Marsch dann &ndash; wenn es die Corona-Situation erlaubt &ndash; in den St&auml;dten Russlands nachgeholt werden. <\/p><p>Am diesj&auml;hrigen 9. Mai fand immerhin noch ein <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=zSZuNseqM6E\">virtueller Marsch<\/a> des &bdquo;Unsterblichen Regiments&ldquo; statt. Angeh&ouml;rige konnten Bilder von ihren Vorfahren und Selbstportr&auml;ts einschicken, die dann nacheinander online gezeigt wurden. <\/p><p>Titelbild: Ulrich Heyden<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/2641feb0dadf4232b02ec39285419bf8\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In diesem Jahr hat die Parade eine besondere Bedeutung. Denn am 22. Juni 1941, also vor 80 Jahren, begann der &Uuml;berfall von Hitler-Deutschland auf die Sowjetunion. Bundestagspr&auml;sident Wolfgang Sch&auml;uble erkl&auml;rte bereits, dass es am 22. 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