{"id":72473,"date":"2021-05-17T11:00:45","date_gmt":"2021-05-17T09:00:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=72473"},"modified":"2021-05-21T11:54:52","modified_gmt":"2021-05-21T09:54:52","slug":"perspektivwechsel-als-voraussetzung-fuer-friedensfaehigkeit-das-verhaeltnis-des-westens-zu-russland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=72473","title":{"rendered":"Perspektivwechsel als Voraussetzung f\u00fcr Friedensf\u00e4higkeit &#8211; Das Verh\u00e4ltnis des Westens zu Russland"},"content":{"rendered":"<p>In der letzten Woche wies NachDenkSeiten-Herausgeber Albrecht M&uuml;ller <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=72298\">darauf hin<\/a>, wie weitverbreitet und dabei falsch die Erz&auml;hlung ist, Russland und die USA seien in gleichem Ma&szlig;e f&uuml;r die Spannungen im Ost-West-Verh&auml;ltnis verantwortlich. Wer diese Erz&auml;hlung verbreitet, vergisst dabei nicht nur, wie vor allem USA und NATO ihre Versprechen gegen&uuml;ber Russland gebrochen haben, sondern hat auch Lehren aus der erfolgreichen Ostpolitik der Bundesregierung unter Willy Brandt nicht verstanden. Der Gr&uuml;nder des ost-west-forums, <strong>Axel Schmidt-G&ouml;delitz<\/strong>, zeichnet f&uuml;r die NachDenkSeiten in einem lesenswerten Essay die geschichtliche Entwicklung der letzten Jahrzehnte nach und widerlegt dabei die falschen Erz&auml;hlungen. <\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8919\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-72473-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210517_Perspektivwechsel_als_Voraussetzung_fuer_Friedensfaehigkeit_Das_Verhaeltnis_des_Westens_zu_Russland_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210517_Perspektivwechsel_als_Voraussetzung_fuer_Friedensfaehigkeit_Das_Verhaeltnis_des_Westens_zu_Russland_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210517_Perspektivwechsel_als_Voraussetzung_fuer_Friedensfaehigkeit_Das_Verhaeltnis_des_Westens_zu_Russland_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210517_Perspektivwechsel_als_Voraussetzung_fuer_Friedensfaehigkeit_Das_Verhaeltnis_des_Westens_zu_Russland_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=72473-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210517_Perspektivwechsel_als_Voraussetzung_fuer_Friedensfaehigkeit_Das_Verhaeltnis_des_Westens_zu_Russland_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"210517_Perspektivwechsel_als_Voraussetzung_fuer_Friedensfaehigkeit_Das_Verhaeltnis_des_Westens_zu_Russland_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Die Entspannungspolitik nach der Kuba-Krise<\/strong><\/p><p>Nach der Kuba-Krise, die die beiden Weltm&auml;chte USA und Sowjetunion an den Rand eines neuerlichen Weltkrieges brachten, trat kurzfristig Vernunft ein: Beide Seiten erkannten, dass die R&uuml;stungsanstrengungen zu einem &bdquo;Gleichgewicht des Schreckens&ldquo; gef&uuml;hrt hatten. Eine Phase der Entspannungspolitik trat ein, ein rotes Telefon zwischen den Pr&auml;sidenten beider Weltm&auml;chte wurde installiert und zahlreiche Vertr&auml;ge sicherten diese Entspannungspolitik auf h&ouml;chster Ebene ab. <\/p><p>In der Bundesrepublik Deutschland wurde mit der neuen Bundesregierung Brandt-Scheel ebenfalls eine neue Ostpolitik unter dem Schlagwort &bdquo;Wandel durch Ann&auml;herung&ldquo; auf den Weg gebracht. Es war vor allem der au&szlig;enpolitische Berater Brandts, Egon Bahr, der das entsprechende Strategiepapier erarbeitete und schlie&szlig;lich in monatelangen Verhandlungen mit Moskau, dann mit Polen und schlie&szlig;lich mit der DDR umsetzte. In seinem engeren Beraterkreis wiederholte er immer wieder seinen Leitgedanken: Verhandlungen zwischen Staaten basieren auf Vertrauen. Und das bedeutet: Die Interessen des jeweiligen Partners, dessen emotionale Lage &ndash; vor allem seine &Auml;ngste &ndash; und schlie&szlig;lich die Vorgeschichte des Landes in den Verhandlungen zu ber&uuml;cksichtigen. Nur auf dieser Basis ist ein tragf&auml;higer Kompromiss m&ouml;glich. Kurz und b&uuml;ndig: Wer dazu nicht f&auml;hig ist, ist nicht friedensf&auml;hig. <\/p><p>In seinen Verhandlungen mit Moskau &ndash; von Washington mitgetragen &ndash; hat Bahr diese Erkenntnis in die Praxis umgesetzt. Ihm war klar, dass der Kreis von sowjetisch besetzten Satelliten-Staaten nicht nur imperialer Machtpolitik entsprang, sondern auch mit den Einkreisungs&auml;ngsten der Russen zu tun hat. Hitler und Napoleon sind tief im kollektiven Ged&auml;chtnis der Russen verankert. Dass die mit den USA verb&uuml;ndete und von ihr milit&auml;risch besch&uuml;tzte Bundesrepublik die bestehenden Grenzen Europas nunmehr erstmals anerkannte &ndash; mit dem Zusatz, dass eine Ver&auml;nderung nur im beiderseitigen Einvernehmen m&ouml;glich ist &ndash; war f&uuml;r die sowjetische Regierung ein wichtiger Durchbruch. <\/p><p>Die danach folgenden Vertr&auml;ge mit der Sowjetunion, mit Polen, der DDR und schlie&szlig;lich das Vierm&auml;chteabkommen &uuml;ber Berlin &ndash; waren allesamt wichtige Marksteine auf dem Weg zu einem insgesamt regulierten und friedlichen Nebeneinander, was schlie&szlig;lich den Weg zur Wiedervereinigung Deutschlands ebnete.<\/p><p><strong>Der Zusammenbruch des sowjetischen Imperiums. Hoffnungen auf ein neues Kapitel in der Geschichte Europas<\/strong><\/p><p>Gorbatschow, seit 1985 Staatspr&auml;sident der UdSSR und Generalsekret&auml;r der KPdSU, leitete ein neues Kapitel in den internationalen Beziehungen ein. In dieser Zeit erkannte die Sowjetunion, dass sie mit der Dynamik der marktradikal-kapitalistischen Staaten des Westens wirtschaftlich und damit auch r&uuml;stungspolitisch nicht mehr mithalten konnte. Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umgestaltung) sollten durch mehr Demokratie und einer begrenzten &bdquo;marktwirtschaftlichen Umgestaltung&ldquo; einen lebensf&auml;higen Sozialismus erm&ouml;glichen. Das alles sollte auch anderen osteurop&auml;ischen L&auml;ndern erlaubt sein. <\/p><p>Was die einen als Zusammenbruch empfanden, war f&uuml;r Gorbatschow und f&uuml;r weite Teile der Weltbev&ouml;lkerung ein geschichtlicher Neuanfang. In der <strong>Charta von Paris<\/strong>, mit der die Konferenz &uuml;ber Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa am 21. November 1990 endete, erkl&auml;rten die Staats- und Sicherheitschefs der Sowjetunion, der USA, Kanada und 32 europ&auml;ischer Staaten die Spaltung Europas f&uuml;r beendet, verpflichteten sich zur Demokratie als einzige legitime Regierungsform und sicherten ihren V&ouml;lkern die Gew&auml;hrleistung der Menschenrechte und Grundfreiheiten zu. Mehr noch: <em><strong>Ein neues europ&auml;isches Sicherheitssystem sollten die NATO und den Warschauer Pakt ersetzen<\/strong><\/em>. Gorbatschow sprach von einem gemeinsamen europ&auml;ischen Haus, in dem auch die Sowjetunion Wohnrecht erhalten sollte.<\/p><p>Im Februar 1990 verhandelten der US-Au&szlig;enminister James Baker, Bundeskanzler Kohl und Au&szlig;enminister Genscher in Moskau. Es ging um die Zustimmung der Sowjetunion zur Wiedervereinigung Deutschlands und um die Ausdehnung der NATO auf das Gebiet der ehemaligen DDR. Dabei sei der Verzicht auf jegliche weitere Ausdehnung der NATO nach Osten &ndash; allerdings nur m&uuml;ndlich &ndash; zugesagt worden. Da der Warschauer Pakt noch existierte und eine Atmosph&auml;re des Vertrauens und des Neuanfangs zwischen Ost und West herrschte, ist das nachvollziehbar. Aber im Nachhinein erwies sich dies als schwerer Fehler. <\/p><p><em><strong>Kaum eine andere Frage hat das Verh&auml;ltnis zwischen Russland und dem Westen in der Folge so belastet, wie die Osterweiterung der NATO.<\/strong><\/em><\/p><p>Im Juli 1991 wurde der Warschauer Pakt, das Freundschafts- und Verteidigungsb&uuml;ndnis der Sowjetunion aufgel&ouml;st. Die Sowjetunion zog &uuml;berall ihre Besatzungstruppen ab &ndash; auch aus Deutschland. <\/p><p><em><strong>Von einer Aufl&ouml;sung der NATO und einem neuen, gemeinsamen europ&auml;ischen Sicherheitssystem war nicht mehr die Rede.<\/strong><\/em><\/p><p><strong>Entt&auml;uschungen und Dem&uuml;tigungen <\/strong><\/p><p>W&auml;hrend der Westen triumphierte und sich die USA als einzig verbliebene Weltmacht sah, zerbrach die Sowjetunion. Am 25. Dezember 1991 k&uuml;ndigte Staatspr&auml;sident Gorbatschow in einer kurzen Fernsehansprache seinen R&uuml;cktritt an und damit das Ende der Sowjetunion. Die ehemaligen Mitgliedsstaaten traten reihenweise aus. Der neue Pr&auml;sident Russlands, Jelzin, versuchte f&uuml;nf Tage sp&auml;ter mit der Gr&uuml;ndung einer &bdquo;Gemeinschaft unabh&auml;ngiger Staaten&ldquo; (GUS) zu retten, was noch zu retten war.<\/p><p>Aber das war nur der Anfang. Russland, wie auch ein Gro&szlig;teil seiner ehemaligen Partnerstaaten, st&uuml;rzte in eine tiefe Wirtschaftskrise. Das gesamte System der sozialen Sicherung brach zusammen, einschlie&szlig;lich der Renten. Das Gesundheits- und Bildungssystem waren nur noch begrenzt funktionsf&auml;hig. W&auml;hrend die Armut rasant stieg &ndash; Ende der 90er Jahre lebten zwischen 30 und 40 Prozent der Bev&ouml;lkerung unterhalb der Armutsgrenze &ndash; sank die durchschnittliche Lebenserwartung von 68 auf 65 Jahre. Neoliberale, auf Privatisierung und Liberalisierung der M&auml;rkte pochende US-Wirtschaftsberater, wie auch die Habgier weniger Oligarchen, die sich der reichen Bodensch&auml;tze und gro&szlig;er Industrien bem&auml;chtigten, verschlimmerten die Lage.<\/p><p>Das vor wenigen Jahren noch unbesiegbare sowjetische Weltreich war ein Tr&uuml;mmerhaufen geworden. Immer mehr Menschen sehnten sich nach den alten Zeiten zur&uuml;ck.<\/p><p>Die Erfolge des russischen Ultranationalisten Wladimir Schirinowski bei den folgenden Wahlen verst&auml;rkten in Polen und anderen osteurop&auml;ischen Staaten die Bedrohungs&auml;ngste vor Russland. Sie dr&auml;ngten auf Aufnahme in die NATO. Die Regierung Clinton sp&uuml;rte den Druck &ndash; von ihren aus Osteuropa stammenden W&auml;hlern, aber auch von der US-amerikanischen R&uuml;stungsindustrie, die auf milliardenschwere Gesch&auml;fte bei der Ausr&uuml;stung der Armeen k&uuml;nftiger Mitgliederstaaten hoffte.<\/p><p>Kurzum: 1996 gab Clinton Gr&uuml;nes Licht f&uuml;r die Osterweiterung der NATO. Im M&auml;rz 1999 wurden Polen, Tschechien und Ungarn aufgenommen. <\/p><p>Der neue Pr&auml;sident Russlands, Wladimir Putin, versuchte mit einer Charmeoffensive gegenzuhalten. In seiner in deutscher Sprache gehaltenen Rede im Deutschen Bundestag am 25. September 2001 betonte er die geschichtlichen und kulturellen Gemeinsamkeiten beider L&auml;nder und verwies auf die vielen politischen und wirtschaftlichen M&ouml;glichkeiten der Zusammenarbeit &ndash; auch gemeinsam in Europa. Die Bundestagsabgeordneten belohnten Putin am Ende mit stehendem Beifall. Danach geschah &ndash; nichts. <\/p><p>Im Gegenteil: Im M&auml;rz 2004 wurden Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen Rum&auml;nien, die Slowakei und Slowenien in die NATO aufgenommen, eine weitere Dem&uuml;tigung durch den Westen, dessen Truppen nun bis unmittelbar an die russische Grenze im Baltikum vorr&uuml;ckten.<\/p><p>Auf der 43. M&uuml;nchener Sicherheitskonferenz im Februar 2007 hatte Putin genau das in einer scharf formulierten Rede angeprangert. Abermals verwies er auf das gebrochene Versprechen des Westens, auf eine Osterweiterung der NATO zu verzichten. Von den Vertretern des Westens war es geradezu fahrl&auml;ssig, die Rede nicht ernst genommen zu haben.<\/p><p><strong>Putins Gegenoffensive<\/strong><\/p><p>Vor allem die USA und einige osteurop&auml;ische Staaten hatten bereits den n&auml;chsten Schritt im Auge: Die Aufnahme der Ukraine in die NATO. Das machte der scheidende Pr&auml;sident der USA, George W. Bush klar, als er 2008 w&auml;hrend der NATO-Konferenz in Bukarest offiziell verk&uuml;ndete: Es liegt im Interesse der USA, die Ukraine in die NATO aufzunehmen.<\/p><p>W&auml;hrend Polen und die drei baltischen Staaten Litauen, Estland und Lettland die USA unterst&uuml;tzten, lehnten die meisten westeurop&auml;ischen L&auml;nder den sofortigen Beitritt ab. Vor allem Deutschland mit Bundeskanzlerin Merkel und Au&szlig;enminister Steinmeier wiesen darauf hin, dass in Umfragen um die 70 Prozent der Ukrainer einen Beitritt ihres Landes in die NATO ablehnten. Man m&uuml;sse auch auf die Einkreisungs&auml;ngste der Russen R&uuml;cksicht nehmen.<\/p><p>Dennoch konnte sich der US-Pr&auml;sident im Schlusskommuniqu&eacute; gesichtswahrend durchsetzen: Der Beitritt zur NATO sei entschieden, es sei eine Frage der Zeit. Dem Westen h&auml;tte von diesem Augenblick klar sein m&uuml;ssen, dass damit gegen&uuml;ber Russland eine rote Linie &uuml;berschritten wurde.<\/p><p>Die Ukraine ist mit Russland politisch, wirtschaftlich und kulturell eng verbunden. Hinzu kommt eine gro&szlig;e russischsprachige Minderheit. Seit der Unabh&auml;ngigkeit sichern Pachtvertr&auml;ge der russischen Schwarzmeerflotte und ihrem Hauptst&uuml;tzpunkt Sewastopol ein Existenzrecht auf fremdem Boden. Auch die Nutzung des Asowschen Meeres und das Durchfahrtsrecht auf der Stra&szlig;e von Kertsch ist in einem Kooperationsvertrag zwischen beiden L&auml;ndern geregelt. Was wird sich &auml;ndern, sollte die Ukraine Mitglied der NATO werden?<\/p><p>Russland wollte nicht warten, das herauszufinden, sondern schaffte Fakten &ndash; zum Schutz der eigenen geostrategischen Position.<\/p><p>Anfang 2014 erm&ouml;glichte Russland durch milit&auml;rische Intervention die Sezession der Krim durch Volksentscheid und anschlie&szlig;end den Eintritt der Krim-Republik in die Russische F&ouml;deration.<\/p><p>Die westliche Welt bezeichnete dies als eine Annexion, eine Verletzung des V&ouml;lkerrechts und der UNO-Charta. Dass Putin die Interessen seines Landes auf diese Weise durchsetzt, ist nach allem, was zuvor geschah, nachvollziehbar. Die USA h&auml;tten in einem solchen Fall vermutlich nicht anders reagiert. Das Versprechen, eine neue Sicherheitsarchitektur f&uuml;r Europa aufzubauen, die sowohl Russland als auch die osteurop&auml;ischen Staaten einbezogen h&auml;tte, wurde nicht einmal angedacht. Die NATO wurde stattdessen ausgebaut und wider aller Zusicherungen systematisch bis an die russischen Grenzen vorgeschoben. <\/p><p><strong>Nichts begriffen, nichts gelernt<\/strong><\/p><p>Als Putin nicht nur die Krim annektierte, sondern mit dem B&uuml;rgerkrieg im Donbass auch daf&uuml;r sorgte, dass die Ukraine schon aus diesem Grund nicht in die NATO aufgenommen werden kann, war er endg&uuml;ltig der B&ouml;se, der Gesetzlose, der Killer geworden. Richtig: Vieles von dem, was er seither in Gang gebracht hat, ist widerw&auml;rtig und v&ouml;lkerrechtswidrig. Aber es ist auch eine Re-Aktion auf die zahlreichen, die Interessen Russlands und seiner Bev&ouml;lkerung verletzenden Entscheidungen des Westens. Wer darauf hinweist, ist ein Putin-Versteher. D&uuml;mmer kann man die ungemein erfolgreiche Friedenspolitik der &Auml;ra Brandt\/Bahr nicht mehr interpretieren. F&uuml;r sie war das Verstehen die Voraussetzung f&uuml;r Friedensf&auml;higkeit. Der Perspektivwechsel &ndash; das sich auf die Seite des Anderen zu stellen und von dort aus das Problemfeld zu analysieren &ndash; warum ist das bei der heutigen Generation von Politikerinnen und Politikern verloren gegangen? Warum sind sie so geschichtsvergessen? Muss man die Erfahrung eines Krieges erlitten haben, um das zu begreifen?<\/p><p>Titelbild: zef art\/shutterstock.com<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Informationen zum Autor:<\/strong> Axel Schmidt-G&ouml;delitz, geboren 1942 auf Gut G&ouml;delitz in Sachsen, fl&uuml;chtete 1946 mit seiner Familie in den Westen. Nach dem Studium der Politologie und Volkswirtschaft an der FU Berlin folgten Forschungsaufenthalte in Marokko und Frankreich. Nach seiner T&auml;tigkeit als freier Journalist war er von 1976 bis 1982 Referent an der St&auml;ndigen Vertretung der BRD in der DDR. Anschlie&szlig;end war Schmidt-G&ouml;delitz f&uuml;r verschiedene Projekte der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung in Kairo und Peking t&auml;tig. Von 1990 bis 2003 war er Leiter des Berliner B&uuml;ros der FES. 1998 gr&uuml;ndete er das <a href=\"https:\/\/gut-goedelitz.de\/\">ost-west-forum Gut G&ouml;delitz<\/a> und ist seit 2003 dessen Vorsitzender. Er ist Mitglied des Willy-Brandt-Kreises. 2010 erhielt Schmidt-G&ouml;delitz das Bundesverdienstkreuz f&uuml;r seine Verdienste um den Ost-West-Dialog.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der letzten Woche wies NachDenkSeiten-Herausgeber Albrecht M&uuml;ller <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=72298\">darauf hin<\/a>, wie weitverbreitet und dabei falsch die Erz&auml;hlung ist, Russland und die USA seien in gleichem Ma&szlig;e f&uuml;r die Spannungen im Ost-West-Verh&auml;ltnis verantwortlich. 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