{"id":72559,"date":"2021-05-19T08:41:03","date_gmt":"2021-05-19T06:41:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=72559"},"modified":"2021-05-19T16:51:07","modified_gmt":"2021-05-19T14:51:07","slug":"wie-israels-straflosigkeit-ein-ende-setzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=72559","title":{"rendered":"Wie Israels Straflosigkeit ein Ende setzen?"},"content":{"rendered":"<p>Wem gilt dieser j&uuml;ngste verheerende Angriff auf Gaza? Die m&auml;chtigste und schlagkr&auml;ftigste Armee der Region richtet ihre Macht gegen Fl&uuml;chtlinge und deren Nachfahren. Einige wurden 1948 aus ihren H&auml;usern vertrieben, andere 1967. Warum wurden sie aus ihrer Heimat vertrieben? Weil sie Pal&auml;stinenser sind. Darin liegt die Wurzel der Trag&ouml;die. Von <strong>Yakov M. Rabkin<\/strong>. Aus dem Englischen von <strong>Susanne Hofmann<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_145\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-72559-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210519_Wie_Israels_Straflosigkeit_ein_Ende_setzen_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210519_Wie_Israels_Straflosigkeit_ein_Ende_setzen_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210519_Wie_Israels_Straflosigkeit_ein_Ende_setzen_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210519_Wie_Israels_Straflosigkeit_ein_Ende_setzen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=72559-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210519_Wie_Israels_Straflosigkeit_ein_Ende_setzen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"210519_Wie_Israels_Straflosigkeit_ein_Ende_setzen_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Die Asymmetrie besteht nicht nur hinsichtlich der milit&auml;rischen Macht zwischen Israel und den zusammengew&uuml;rfelten Widerstandsgruppen der Pal&auml;stinenser. Sie besteht vor allem hinsichtlich der Menschenrechtslage. Eines dieser Rechte ist das Recht auf Selbstverteidigung. Nach jahrzehntelanger Unterdr&uuml;ckung vor den Augen der &bdquo;internationalen Gemeinschaft&ldquo;.<\/p><p>Jene hat diese Situation &uuml;berhaupt erst geschaffen, als 1947 L&auml;nder, die nicht in dieser Region liegen, beschlossen, Pal&auml;stina aufzuteilen &ndash; gegen den Willen der Mehrheit seiner Bewohner und seiner Nachbarstaaten. Niemand hat ein moralisches Recht, den Unterdr&uuml;ckten zu diktieren, wie sie sich wehren sollen. Pal&auml;stinenser h&auml;tten keine selbstgebauten Raketen auf Israel abgeschossen, h&auml;tte man ihnen erlaubt, raffinierte Waffen zu besitzen, die sie gezielt auf milit&auml;rische Anlagen h&auml;tten richten k&ouml;nnen. Doch in der heutigen neokolonialen Welt d&uuml;rfen manche ausgekl&uuml;gelte Waffen haben, andere dagegen nicht.<\/p><p>Als einige dieser primitiven Raketen in Tel Aviv landeten &ndash; &uuml;brigens einen H&auml;userblock entfernt vom Wohnort meiner Tochter &ndash; wurden die Israelis aus einem gef&auml;hrlichen Schlummer geweckt. Viele von ihnen lebten in einer Blase, genossen das Strandleben, Caf&eacute;s und andere Annehmlichkeiten eines hohen Lebensstandards, w&auml;hrend wenige Autominuten entfernt 95 Prozent der Pal&auml;stinenser, die im Gazastreifen leben &ndash; die H&auml;lfte von ihnen Kinder &ndash; keinen Zugang zu sauberem Wasser haben.<\/p><p>Israel ist ein wohlhabendes Land geworden, es hat in Bezug auf das Pro-Kopf-Einkommen den 20. Platz weltweit erklommen. Die Lebensqualit&auml;t ist hoch und die gro&szlig;e Mehrheit der Israelis nimmt das Schicksal der Pal&auml;stinenser gar nicht wahr. Die Situation &auml;hnelt anderen F&auml;llen von Siedler-Kolonialismus wie S&uuml;dafrika, und es ist nur logisch, dass sich Vergleiche zwischen Israels Herrschaft und der Apartheid zunehmend aufdr&auml;ngen.<\/p><p>Die zionistischen Gr&uuml;nderv&auml;ter nannten das &bdquo;afrada&rdquo;, Separation. Diese Politik hat die Pal&auml;stinenser in den 1920er Jahren der Arbeit beraubt. Sp&auml;ter, als die Zionisten ihren Staat gr&uuml;ndeten, wurden tausenden Pal&auml;stinensern ihre Wohnungen entzogen. Die Politik, &bdquo;ein Maximum an Territorium mit einem Minimum von Arabern&ldquo; zu erringen, wird seit dieser Zeit verfolgt. Diese Strategie hat den aktuellen Brand verursacht, dieses Mal, als zionistische Siedler kamen, um geb&uuml;rtige Pal&auml;stinenser in Jerusalem zu vertreiben. Warum diskriminiert, vertreibt und t&ouml;tet der israelische Staat immer wieder Pal&auml;stinenser? Weil sie zuf&auml;llig dem zionistischen Projekt, einen &bdquo;j&uuml;dischen Staat&ldquo; zu errichten, im Wege stehen. Die Pal&auml;stinenser sind also mit anderen Worten die &bdquo;falsche&ldquo; Sorte, auch wenn sie seit Jahrhunderten auf ihrem Land leben.<\/p><p>Oft verliert man das gro&szlig;e Ganze aus den Augen, wenn man sich auf einen bestimmten Vorfall konzentriert. Es ist aber wichtig, den Wald hinter den B&auml;umen zu sehen, wahrzunehmen, was hinter der j&uuml;ngsten Gewalt steckt. Israel wurde auf Ungerechtigkeit errichtet, auf systematischer ethnischer S&auml;uberung und Vertreibung. Einige, die diese erlitten, sind Juden, die aus ihrer Heimat in Europa vertrieben wurden.<\/p><p>Pogrome in Polen und der Ukraine, der nationalsozialistische Staat und lokale Abwandlungen des Faschismus waren f&uuml;r ihre Vertreibung verantwortlich. Die meisten dieser j&uuml;dischen Fl&uuml;chtlinge haben nun ein Anrecht auf Entsch&auml;digung, Abfindung und Entschuldigung. Nichts davon wird den Pal&auml;stinensern angeboten, die ihr Zuhause verlieren, weil das der politischen Strategie des zionistischen Staates entspricht. Die Pal&auml;stinenser m&uuml;ssen f&uuml;r die S&uuml;nden der Europ&auml;er zahlen, von denen viele den Nazismus enthusiastisch unterst&uuml;tzt haben.<\/p><p>Es mag gut gemeint sein, wenn die Europ&auml;er Israel uneingeschr&auml;nkte Unterst&uuml;tzung anbieten. Aber sie verwechseln die Juden mit dem Staat Israel, dessen grundlegende Ideologie und tagt&auml;gliche Praxis ethnische Dominanz ist. Israels zionistische Ideologie geht davon aus, dass nur ein ethnischer Staat mit einer tonangebenden j&uuml;dischen Mehrheit den Juden eine wahre Zufluchtsst&auml;tte bietet. Viele Juden teilen diesen Glauben nicht, der fortw&auml;hrend Gewalt hervorbringt.<\/p><p>Doch diese Vorstellung ethnischer Reinheit gef&auml;llt nicht wenigen Europ&auml;ern. Rechte Politiker bewundern Israel, einen aggressiven militarisierten Staat, der sozial, &ouml;konomisch und ethnisch extrem gespalten ist und dessen hoch entwickelte Wirtschaft f&uuml;r ausl&auml;ndische Investitionen offen ist. Israels immense Erfahrung in der Aufstandsbek&auml;mpfung &ndash; gesammelt in einem Jahrhundert des Konflikts mit den Arabern &ndash; wurde genauso wie die israelische Ausr&uuml;stung in die Kriegf&uuml;hrung in Afghanistan, im Irak, Libyen und Mali sowie in Operationen der inneren Sicherheit integriert. Kein Wunder, dass Israel der Liebling rechter Politiker, inklusive der aktuell in Wien regierenden ist.<\/p><p>Israelische Flaggen, die auf &ouml;ffentlichen Geb&auml;uden gehisst werden, stehen nicht f&uuml;r ein schlechtes Gewissen wegen der ethnischen S&auml;uberung w&auml;hrend der Nazi-Jahre. Sie sind vor allem ein Zeichen der Solidarit&auml;t mit einem Land, das viele rechte Europ&auml;er als Bollwerk gegen eine angebliche muslimische Expansion ansehen.  Sorgte sich die &ouml;sterreichische Regierung um unschuldige Menschen, die aufgrund ihrer Herkunft aus ihren H&auml;usern vertrieben wurden, h&auml;tte sie die Pal&auml;stinenser unterst&uuml;tzt. In der Tat unterst&uuml;tzte &Ouml;sterreich die Pal&auml;stinenser w&auml;hrend der Kanzlerschaft von Bruno Kreisky, einem verantwortungsbewussten j&uuml;dischen B&uuml;rger, der den Zionismus ganz prinzipiell ausdr&uuml;cklich ablehnte, nicht nur die aggressive Politik, die ihn verk&ouml;rpert. Die europ&auml;ischen Politiker von heute t&auml;ten gut daran, sich eine Scheibe seines Mutes abzuschneiden und Israels Straflosigkeit ein Ende zu setzen. <\/p><p>Titelbild: John Theodor\/shutterstock.com<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Yakov M. Rabkin<\/strong> ist emeritierter Professor f&uuml;r Geschichte an der University of Montreal und Autor des Buches <em><a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/buecher-mehr\/im-namen-der-thora.html?listtype=search&amp;searchparam=rabkin\">Im Namen der Tora: Eine Geschichte des j&uuml;dischen Widerstands gegen den Zionismus<\/a><\/em>, Frankfurt-am-Main: Fifty-Fifty Verlag, 2020. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wem gilt dieser j&uuml;ngste verheerende Angriff auf Gaza? Die m&auml;chtigste und schlagkr&auml;ftigste Armee der Region richtet ihre Macht gegen Fl&uuml;chtlinge und deren Nachfahren. Einige wurden 1948 aus ihren H&auml;usern vertrieben, andere 1967. Warum wurden sie aus ihrer Heimat vertrieben? Weil sie Pal&auml;stinenser sind. Darin liegt die Wurzel der Trag&ouml;die. Von <strong>Yakov M. Rabkin<\/strong>. Aus dem<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=72559\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":72560,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,20,171,161],"tags":[1055,302,1557,2254,305,303,2039,1281],"class_list":["post-72559","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-landerberichte","category-militaereinsaetzekriege","category-wertedebatte","tag-fluechtlinge","tag-gaza","tag-israel","tag-lebensqualitaet","tag-menschenrechte","tag-palaestina","tag-siedlungspolitik","tag-zionismus"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/shutterstock_1047215800.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/72559","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=72559"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/72559\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":72590,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/72559\/revisions\/72590"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/72560"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=72559"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=72559"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=72559"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}