{"id":72675,"date":"2021-05-22T14:00:08","date_gmt":"2021-05-22T12:00:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=72675"},"modified":"2021-05-26T07:31:19","modified_gmt":"2021-05-26T05:31:19","slug":"genug-ist-genug","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=72675","title":{"rendered":"Genug ist genug"},"content":{"rendered":"<p>schreibt <strong>Abraham Melzer<\/strong> in diesem Beitrag zu dem blutigen Konflikt zwischen Israel und den Pal&auml;stinensern und der Resonanz, die dieser momentan in der deutschen &Ouml;ffentlichkeit erf&auml;hrt. Hier schreibt jemand, der genug davon hat, dass die israelische Regierung in seinem Namen agiert und dass Kritik an dieser Politik als Antisemitismus gebrandmarkt wird. Wie Abraham Melzer schreibt, ist auch ihm als j&uuml;dischem Deutschen schon dieser Vorwurf gemacht worden. Wenn man seinen Text liest, merkt man, dass Abraham Melzer sicher streitbar, aber genauso sicher auch kein Antisemit ist. Dieser Artikel ist auch schon <a href=\"http:\/\/der-semit.de\/genug-ist-genug\/\">auf DER SEMIT erschienen<\/a> und wir ver&ouml;ffentlichen ihn hier mit freundlicher Genehmigung von Herrn Melzer.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2128\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-72675-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210525_Genug_ist_genug_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210525_Genug_ist_genug_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210525_Genug_ist_genug_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210525_Genug_ist_genug_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=72675-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210525_Genug_ist_genug_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"210525_Genug_ist_genug_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><b>Genug ist genug<\/b><br>\n<em>Von Abraham Melzer<\/em><\/p><p>Die Hysterie in Deutschland bei Politikern und in den Medien angesichts der Ereignisse im &bdquo;Heiligen Land&ldquo;, wie Israel im ZDF bezeichnet wird, ist inzwischen unertr&auml;glich geworden. Man mag diese Hysterie kaum mehr kritisieren, denn das &auml;hnelt dem Versuch, Wasser in einen Eimer gie&szlig;en, der ein Loch im Boden hat. Die Bombenn&auml;chte von Tel Aviv gleichen zwar den Bombenn&auml;chten von Gaza, zumindest was die Angst der Bev&ouml;lkerung betrifft, aber zu viele Israelis akzeptieren leider die L&uuml;gen ihrer Regierung, und in Deutschland ist es nicht anders. Besatzer und Besetzte haben Angst vor einem drohenden Krieg, vor einer ungewissen Zukunft. Bei einem Krieg gibt es keine Sieger, nur Verlierer. Und wir in Deutschland haben Angst vor verzweifelt protestierenden pal&auml;stinensischen und moslemischen Jugendlichen und sch&uuml;tzen uns, indem wir sie Antisemiten nennen. Auf einer proisraelischen Demonstration in M&uuml;nchen sagte eine J&uuml;din, die in Israel lebt, sie habe in M&uuml;nchen mehr Angst als in Sderot, wo t&auml;glich Raketen aus Gaza fallen. Das ist nicht nur &uuml;bertrieben, das ist vollkommen krankhaft. Die Polizei und die Medien berichten, dass fast alle Kundgebungen und Demonstrationen friedlich verlaufen sind. Wie dogmatisch muss man sein, um nicht nur zu ignorieren was in Deutschland stattfindet, sondern auch was in Sderot passiert.<\/p><p>Seit Jahren werden Pal&auml;stinenser aus ihren Wohnungen und H&auml;usern in Ostjerusalem vertrieben. Sie sollen Platz machen f&uuml;r national-religi&ouml;se j&uuml;dische Siedler. Was zurzeit in Sheikh Jarrah passiert, ist nicht nur ein Paradebeispiel ethnischer S&auml;uberung und israelischer Besatzungsgewalt, sondern gleichzeitig auch ein Beispiel f&uuml;r die skrupellose Politik eines rechtsreaktion&auml;ren, autorit&auml;ren Ministerpr&auml;sidenten, der bereit ist, israelische Soldaten und pal&auml;stinensische Zivilisten zu opfern, nur um von seinen Gerichtsverfahren abzulenken und an der Macht zu bleiben. <em>Da Netanjahu keine Mehrheit hat, um eine Koalition zu bilden, sucht er die Eskalation in Jerusalem, um einen Keil zwischen seine politischen Gegner zu treiben, was ihm ja auch gelungen ist, denn die arabische Raam-Partei, die bereit war, mit seinen Gegnern zu koalieren, hat dies jetzt angesichts der j&uuml;ngsten Entwicklungen nat&uuml;rlich widerrufen.<\/em><\/p><p>Inzwischen haben die Pal&auml;stinenser angefangen sich zu wehren. Und als das international bekannt wurde, krochen die journalistischen und politischen Heuchler &uuml;berall aus ihren L&ouml;chern. Ohne sich sachkundig gemacht zu haben, wissen sie, wie sie schreiben m&uuml;ssen: zum einen pro-israelisch und zum anderen hetzerisch. Besonders t&uuml;chtig posaunt die konservative Zeitschrift &bdquo;<i>Focus&ldquo; <\/i>mit ihren Korrespondenten Ulrich Reitz und Hugo M&uuml;ller-Vogg ihr Nichtwissen laut und deutlich vernehmbar hinaus, und Politiker wie Heiko Maas und Cem &Ouml;zdemir reden nur noch von Antisemitismus, als ob sich damit die Gemengelage in Israel\/Pal&auml;stina erkl&auml;ren lie&szlig;e.<\/p><p>So schreibt Reitz &ndash; wenn ich mit dem letzten Absatz seines Pamphlets beginnen darf, dass das Logo von <i>Paliroots<\/i> eine Karte von Israel samt Gazastreifen und Westjordanland in den pal&auml;stinensischen Farben zeige, &ndash; mit anderen Worten: &bdquo;Die Organisation erkennt das Existenzrecht des Staates Israel nicht an.&ldquo; Ist das nun ein Beweis f&uuml;r pal&auml;stinensische Politik oder ist das ein Beweis f&uuml;r zwanghafte Interpretationen? Sicher aber ist: Israel jedenfalls erkennt das Existenzrecht eines Staates Pal&auml;stina schon gar nicht an.<\/p><p>Das Verst&auml;ndnis f&uuml;r die Zusammenh&auml;nge kann nur jemandem abgehen, der von den Verh&auml;ltnissen vor Ort nichts wissen will. <i>Paliroots<\/i> ist eine Handelsmarke f&uuml;r wirtschaftliche Erzeugnisse. Die 2016 gegr&uuml;ndete Mission von <i>PaliRoots<\/i> ist es, die Welt f&uuml;r die pal&auml;stinensische Kultur zu sensibilisieren, indem Spezialprodukte hergestellt werden, die von dieser Kultur inspiriert sind.<\/p><p>Das Logo zeichnet die Umrisse des ehemaligen Mandatsgebiets Pal&auml;stina. Wie soll die Handelsmarke die politische Aussage transportieren, Israel existiere nicht oder sein Existenzrecht werde nicht anerkannt. Die Marke weist allenfalls auf den Ursprung der Ware aus dem einstigen Mandatsgebiet hin.<\/p><p>Wenn man allerdings in Israel einen Leihwagen mietet, bekommt man eine Stra&szlig;enkarte gratis dazu. Diese wird vom israelischen Verkehrsministerium herausgegeben. Auch auf dieser sind, genau wie auf der Karte von <i>Paliroots<\/i>, keine Grenzen verzeichnet. Der Autoverleih weist darauf hin, dass die Versicherung nur &bdquo;innerhalb der Grenzen Israels&ldquo; g&uuml;ltig sei. Und wo sind die Grenzen auf dieser Karte des Ministeriums angezeigt? Fehlanzeige! Es finden sich keine Grenzen. Die Karten des Autoverleihs sind identisch mit denen der Regierung und d&uuml;rfen nur in dieser Form ausgeh&auml;ndigt werden.<\/p><p>Aber hierzulande glaubt man, die Schuld f&uuml;r fehlende Grenzlinien auf Karten bei den Pal&auml;stinensern abladen zu d&uuml;rfen. Warum greifen sich die deutschen Medien, willk&uuml;rlich Fakten heraus, um sie politisch zu skandalisieren? F&uuml;r Julius Streicher, den Herausgeber des St&uuml;rmers, waren die Juden so etwas wie Ratten. Sie erscheinen in Streichers Zeitschrift auch als Vertreter des amerikanischen Kapitals. Auf jeden Fall waren sie grunds&auml;tzlich an allem schuld (Die Juden sind unser Ungl&uuml;ck!). Man k&ouml;nnte meinen, dass Ulrich Reitz und Hugo M&uuml;ller-Vogg von Altmeister Julius Streicher abkupfern. Dabei wechseln sie nur das Feindbild aus: F&uuml;r sie sind grunds&auml;tzlich die Pal&auml;stinenser an allem schuld.<\/p><p>Hugo M&uuml;ller-Vogg ist sich nicht einmal zu schade, Greta Thunberg, die junge Klima-Ikone aus Schweden, zu beschuldigen, ihre Prominenz zu missbrauchen, um damit &bdquo;das Bestreben terroristischer Pal&auml;stinenser zu unterst&uuml;tzen, Israel und seine Bev&ouml;lkerung auszul&ouml;schen.&ldquo; Gretas Vergehen besteht darin, dass sie auf Twitter die Botschaften der kanadischen J&uuml;din Naomi Klein mit ihren Millionen von &bdquo;Followern&ldquo; verbreitet hat. F&uuml;r M&uuml;ller-Vogg ist die J&uuml;din Naomi Klein allerdings eine &bdquo;Israel-Hasserin&ldquo;, denn sie wirft Israel ganz zurecht &bdquo;ein Kriegsverbrechen nach dem anderen&ldquo; vor. Naomi Klein tut das, was ihr Gewissen ihr vorschreibt. Nur Menschen, die kein Gewissen haben, k&ouml;nnen das verurteilen. Und M&uuml;ller-Vogg sollte lieber schweigen. Mit solchen Freunden braucht Israel wahrlich keine Feinde mehr.<\/p><p>Man h&ouml;rt und liest nahezu ausschlie&szlig;lich von der &bdquo;<i>radikal-islamistischen Hamas<\/i>&ldquo;, die &bdquo;mit ausl&auml;ndischem Geld&ldquo; &ndash; nat&uuml;rlich aus dem Iran &ndash; finanziert wird. Angeblich will die Hamas &bdquo;die Juden ins Meer werfen&ldquo;. Tats&auml;chlich hat die Hamas seit Gr&uuml;ndung des Staates Israel keinen einzigen Juden ins Meer geworfen. Die Israelis allerdings haben beispielsweise hunderttausende Pal&auml;stinenser in die W&uuml;ste getrieben. Dennoch wird Israel mit Milliarden Dollar von den USA und von Deutschland finanziert. &bdquo;Pecunia not olet&ldquo;, sagte Kaiser Verspasian. Riecht das Geld der Iraner, wird das Geld der Amerikaner &auml;hnlich stinken, zumal das iranische Geld auch nur aus Geld amerikanischer Zahlungen f&uuml;r &Ouml;l ist.<\/p><p>Ulrich Reitz beklagt, dass die Stadt Hagen eine Israel-Fahne eingerollt habe, die urspr&uuml;nglich zum Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Israel gehisst worden war (12. Mai 1965). Reitz erkennt im Einrollen ein &bdquo;Defizit an Demokratie&ldquo;. Warum? Reitz schreibt, &bdquo;einige B&uuml;rger h&auml;tten das Hissen der Israel-Flagge als einseitige Parteinahme zu Gunsten Israels im aktuellen milit&auml;rischen Konflikt zwischen Israel und der Hamas gewertet.&ldquo;<\/p><p>Hat die Stadtverwaltung nicht durchaus geschickt gehandelt, als sie die Flagge einrollte, wie es von besorgten B&uuml;rgern verlangt wurde, wom&ouml;glich h&auml;tten aufgebrachte Demonstranten sie verbrennen wollen? Da f&uuml;r Herrn Reitz die Hamas eine Terror-Organisation ist, hoffte er wohl auf Radau. Offensichtlich ist er entt&auml;uscht, weil die Stadtverwaltung ihm den Spa&szlig; verdorben hat.<\/p><p>Moshe Zuckermann, emeritierter Professor der Universit&auml;t Tel Aviv, sagte dieser Tage in einem Interview: &bdquo;Die Tatsache, dass einen Tag nach Ausbruch der Gewalteskalation in Charlottenburg der B&uuml;rgermeister die israelische Flagge hochgehisst hat, um seine Solidarit&auml;t mit Israel zu bezeugen, hat mich nicht weniger mit Ekel erf&uuml;llt als die Tatsache, dass irgendwelche Israel-Kritiker meinen, sich unbedingt antisemitisch geben zu m&uuml;ssen.&ldquo; Dem kann ich nur zustimmen. Und Moshe Zuckermann f&auml;hrt fort: &bdquo;Antisemitismus ist Mist, das wollen wir doch einmal festhalten. Aber er ist heute eine viel kleinere Gefahr, als er einmal gewesen ist. Nat&uuml;rlich ist Antisemitismus eines der schlimmsten Ressentiments, die es in der Geschichte gegeben hat. Deswegen muss er bek&auml;mpft werden. Allerdings muss man auch sagen, dass diejenigen, die meinen, sich mit Israel solidarisieren zu sollen und darin den Antisemitismus zu bek&auml;mpfen, ein vollkommen falsches Bild haben. Israel hat eine ganze Menge daf&uuml;r getan, dass in der arabischen Welt Antisemitismus gang und g&auml;be ist.&ldquo;<\/p><p>Aber Reitz und M&uuml;ller-Vogg sind nicht allein: viele andere Journalisten und Schreiberlinge verwechseln den berechtigten Zorn von jungen Arabern und T&uuml;rken auf Israel mit &bdquo;Hass auf Juden&ldquo;. Es ist noch nicht lange her, dass Deutsche in &bdquo;Mitteldeutschland&ldquo; die Russen gehasst haben, weil sie ihr Land besetzt hielten. Und hat man in Westdeutschland nicht &bdquo;Ami go home&ldquo; auf Demonstrationen skandiert? Und wie lang mag wohl die Liste der V&ouml;lker in Latein-Amerika, Afrika und Ost-Asien werden, die Gringos und Yankees hassen? Es liegt in der Natur der Sache, dass ein durch Besatzung unterdr&uuml;cktes Volk seine Unterdr&uuml;cker fr&uuml;her oder sp&auml;ter zu hassen beginnt. Nach 70 Jahren brutaler Unterdr&uuml;ckung hassen die Pal&auml;stinenser die Israelis heute zwangsl&auml;ufig. Auch die Juden hassten einst ihre griechischen, r&ouml;mischen, babylonischen und &auml;gyptischen Besatzer und haben sich gegen sie erhoben. Und wenn die Besatzer Israelis sind, dann ist der Hass auf sie nicht zwangsl&auml;ufig Antisemitismus. Schlie&szlig;lich haben die Araber und die Pal&auml;stinenser auch die T&uuml;rken gehasst und bek&auml;mpft, die ihr Land besetzt hatten und ihre Unabh&auml;ngigkeit einschr&auml;nkten. Es war damals wie heute kein Antisemitismus. &bdquo;Es ist eine Verharmlosung der Proteste&ldquo;, sagte die pal&auml;stinensische Botschafterin Dr. Khouloud Daibes<b> <\/b>anl&auml;sslich eines Interviews beim Deutschlandfunk, &bdquo;wenn man sie nur als antisemitisch bezeichnet.&ldquo; Peinlich war es zuzuh&ouml;ren, wie der Moderator sie bedr&auml;ngt hatte, sich von der Bombardierung Tel Avivs zu distanzieren. Ich habe noch nie erlebt, dass ein israelischer Botschafter aufgefordert wurde, sich von der Bombardierung von Gaza zu distanzieren.<\/p><p>Der Begriff &bdquo;Antisemitismus&ldquo; steht n&auml;mlich f&uuml;r unberechtigten, rassistischen, irrationalen Hass, so wie dazumal in Deutschland, wo j&uuml;dische Mitb&uuml;rger die Deutschen mitnichten unterdr&uuml;ckten, und trotzdem von diesen gehasst wurden. Das m&ouml;gen Ulrich Reitz und Konsorten nicht unterscheiden. Wenn es aber pal&auml;stinensischen, t&uuml;rkischen oder wie auch immer gearteten Antisemitismus gibt, der sich aus Israel-Kritik entwickelte, dann ist das genau das, was die Israelis wollen, denn der Antisemitismus bedient die israelische Propaganda. Man braucht den Antisemitismus geradezu, um sagen zu k&ouml;nnen: &bdquo;Die ganze Welt ist gegen uns. Deshalb lassen wir uns von niemanden etwas vorschreiben.&ldquo;<\/p><p>Das erinnert mich an Heinrich Heines Gedicht von 1824:<\/p><p><i>An Edom!<\/i><br>\n<i>Ein Jahrtausend schon und l&auml;nger,<\/i><br>\n<i>Dulden wir uns br&uuml;derlich,<\/i><br>\n<i>Du, du duldest, dass ich atme,<\/i><br>\n<i>Dass du rasest, dulde Ich.<\/i><\/p><p><i>Manchmal nur, in dunklen Zeiten,<\/i><br>\n<i>Ward dir wunderlich zu Mut,<\/i><br>\n<i>Und die liebesfrommen T&auml;tzchen<\/i><br>\n<i>F&auml;rbest du mit meinem Blut!<\/i><\/p><p><i>Jetzt wird unsre Freundschaft fester,<\/i><br>\n<i>Und noch t&auml;glich nimmt sie zu;<\/i><br>\n<i>Denn ich selbst begann zu rasen,<\/i><br>\n<i>Und ich werde fast wie Du.<\/i><\/p><p>Die Juden sind als Israelis tats&auml;chlich so geworden wie alle V&ouml;lker, was eines der Ziele des Zionismus war.<\/p><p>Deswegen k&uuml;mmert Reitz der Unterschied zwischen dem berechtigten Hass der Pal&auml;stinenser auf ihre israelischen Besatzer und dem Hass deutscher Antisemiten auf ihre j&uuml;dischen Mitb&uuml;rger nicht. Der gehasste Israeli ist Jude wie der gehasste j&uuml;dische Mitb&uuml;rger in Deutschland nach der alten Formel &bdquo;Jud ist Jud&ldquo;, wie sie im &bdquo;St&uuml;rmer&ldquo; propagiert wurde. Es mag zutreffen, dass die Immigration moslemischer (Reitz schreibt nat&uuml;rlich &bdquo;islamistischer&ldquo;) Jugendlicher zuweilen gescheitert ist. Aber bestimmt nicht im Hinblick auf den &bdquo;Antisemitismus&ldquo;. Die Anzahl angeblich antisemitischer Vorf&auml;lle unter rund einer Million Immigranten ist so gering, dass es sich in Prozentzahlen kaum ausdr&uuml;cken l&auml;sst. Nein, man ist den pal&auml;stinensischen Jugendlichen gegen&uuml;ber nicht &bdquo;zu gutgl&auml;ubig&ldquo; und auch nicht &bdquo;zu naiv&ldquo; gewesen, sondern eher von Schreiberlingen wie Henryk M. Broder &bdquo;vergiftet&ldquo; worden mit der israelischen Devise: &bdquo;Es stimmt, man hat die Pal&auml;stinenser vertrieben, aber leider nicht weit genug.&ldquo;<\/p><p>Im Vergleich zu Broders Hetze ist die Hetze Benjamin Netanjahus gegen Araber und Linke zynischer und gef&auml;hrlicher und beispiellos in der Geschichte Israels. Er ist der Politiker, der mit all seiner Kraft versucht hat &ndash; divide et impera &ndash; zu spalten und zu herrschen. Aber am Ende gelang ihm nur noch zu spalten, und das Ergebnis sehen wir heute. Aber was k&uuml;mmert uns Netanjahu. Um den sollen sich die Israelis k&uuml;mmern. Kehren wir aber vor unserer eigenen T&uuml;r.<\/p><p>Cem &Ouml;zdemir predigte im <i>heute Journal <\/i>von Freiheit, Unabh&auml;ngigkeit und Demonstrationsrecht. Diese Grundrechte sind f&uuml;r ihn ein Privileg, &bdquo;auch f&uuml;r die T&uuml;rken und Pal&auml;stinenser bei uns.&ldquo; Es findet seine Grenzen im Grundgesetz, im B&uuml;rgerlichen Gesetzbuch &ndash; und in der Staatsraison. &Ouml;zdemir f&uuml;gt folgerichtig hinzu: &bdquo;Dazu w&uuml;rde die Pflicht geh&ouml;ren, dass sich die nach Deutschland Gefl&uuml;chteten zur Existenz des Staates Israel bekennen.&ldquo;<\/p><p>Da kann man nur hoffen, dass es bei den Gr&uuml;nen auch Politiker gibt, die die Erinnerung an Auschwitz, unsere Schuld und Verpflichtung gegen&uuml;ber den Juden nicht mit dem Bekenntnis zu Israel verkn&uuml;pfen. Denn da verlangt Cem &Ouml;zdemir ja mehr als Angela Merkel mit ihrer nebul&ouml;sen Erkl&auml;rung, dass Israels Sicherheit &bdquo;deutsche Staatsr&auml;son&ldquo; sei, was Altkanzler Helmut Schmidt einmal als &bdquo;t&ouml;richt&ldquo; kommentierte.<\/p><p>Warum soll Kritik, sogar berechtigte Kritik an Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit immer dann antisemitisch sein, wenn sie die Verh&auml;ltnisse in Nah-Ost betrifft? Liefert uns Israel nicht nahezu t&auml;glich Gr&uuml;nde, seine Politik zu kritisieren? Bef&ouml;rdert man den Antisemitismus nicht geradezu, wenn man Applaus f&uuml;r Israels Politik auf diese Weise erzwingen will?<\/p><p>Den Pal&auml;stinensern in Israel und im milit&auml;risch besetzten Pal&auml;stina riet er, die Okkupation zu erdulden; &Ouml;zdemir mahnte auch, nicht gegen die Unterdr&uuml;ckung zu rebellieren, denn Rebellion gegen Israel bedeute &ndash; Antisemitismus. Insoweit hat sich &Ouml;zdemir, ein Kind t&uuml;rkischer Emigranten, vorbildlich in die deutsche Gesellschaft integriert. Er beherrscht sogar die Sprache der Anbiederung, die Sprache der Philosemiten.<\/p><p>Schlomo Sand hat in seinem Bestseller &bdquo;<i>Die Erfindung des j&uuml;dischen Volkes<\/i>&ldquo; im letzten Kapitel anno 2008 prophetisch geschrieben, dass sich fr&uuml;her oder sp&auml;ter auch die in Israel lebenden Pal&auml;stinenser erheben und Freiheit und Gleichberechtigung einfordern w&uuml;rden. Dem schlie&szlig;en sich 13 Jahre sp&auml;ter sogar die Enkelkinder der in den 50er und 60er Jahren in Deutschland eingewanderten Moslems an, gleichg&uuml;ltig ob einst aus der T&uuml;rkei oder aus Marokko zugereist. Die verh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig wenigen Pal&auml;stinenser sind nicht allein. Allen wird es zu viel. Genug ist genug. Und ihre Wut richtet sich auch gegen die j&uuml;dischen Gemeinden in Deutschland, die mit Scheuklappen, nibelungentreu und bis zur vorauseilenden Selbstaufgabe hinter einer Schim&auml;re von Israel stehen. Sie ziehen den Hass auch auf uns und auf die deutsche Presse, die nicht erm&uuml;det, ihre Gebetstrommel zu schwenken: &bdquo;Israel-Kritik ist antisemitisch.&ldquo;<\/p><p>Es kommt noch etwas hinzu; der Konflikt &uuml;berlappt sich mit einem weiteren Konflikt. Die milit&auml;rischen &bdquo;W&auml;chter der (Grenz-) Mauern&ldquo;, wie der Krieg gegen Gaza genannt wird, sind zugleich die H&uuml;ter von Benjamin Netanjahus Job als Ministerpr&auml;sident. So konnte man es in der hebr&auml;ischen Ausgabe von <i>Haaretz<\/i> lesen. Ihm wird vorgehalten, dass er die Eskalation f&ouml;rdere und dass er folglich die alleinige Verantwortung f&uuml;r die weitere Entwicklung tr&auml;gt. Wenn &bdquo;unser&ldquo; Dr. Joseph Schuster, der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, von &bdquo;Ursache und Wirkung&ldquo; spricht, dann hat er im Prinzip Recht, wenn er die Ursache nicht mit der Wirkung verwechseln w&uuml;rde: Schuster beklagt, dass nicht zwischen Juden und Israelis unterschieden werde. Aber ist das nicht in erster Linie seine Schuld, nachdem er seit Jahren unkritisch hinter der Politik Israels steht? Seine Vorg&auml;ngerin Frau Dr. Charlotte Knobloch hat &ouml;ffentlich bekundet, dass ihr Herz immer f&uuml;r Israel schlage. Da kann es doch nicht wundern, dass viele Deutsche annehmen, dass praktisch alle Juden hinter Israel stehen. Die Moslems sehen das zumeist genauso. Und zu sagen, wie ich es in unseren Zeitungen lese, die Hamas habe den Krieg begonnen, ist genauso unsinnig wie zu Beginn des Zweiten Weltkriegs, als es hie&szlig;, die Juden h&auml;tten Deutschland den Krieg erkl&auml;rt.<\/p><p>Deswegen sollte sich niemand wundern, wenn auch vor j&uuml;dischen Gemeinden gegen Israel demonstriert wird. Dort verlangt man von den j&uuml;dischen Mitb&uuml;rgern eine unkritischere Haltung zu den Ereignissen. In Deutschland gibt es nur eine israelische Botschaft, aber &uuml;berall im Land gibt es j&uuml;dische und (leider) &bdquo;para-israelische&ldquo; Synagogengemeinden. Und sind denn die j&uuml;dischen Gemeinden nicht eine Art &bdquo;Staat im Staat&ldquo;? H&auml;ngen nicht in allen j&uuml;dischen Gemeinden die Portr&auml;ts der jeweiligen israelischen Pr&auml;sidenten, h&auml;ngt nicht in jeder Gemeinde die israelische Flagge und werden sie nicht zus&auml;tzlich von israelischen Armeeveteranen gesch&uuml;tzt? Und wird im Ritus nicht um das Wohl der israelischen Soldaten gebetet, nicht um das Wohl der Soldaten der Bundeswehr?<\/p><p>Es ist doch heuchlerisch, die pal&auml;stinensischen Jugendlichen wegen Antisemitismus zu diffamieren, weil sie vor j&uuml;dischen Gemeinden gegen Israels Politik protestieren. Diese Gemeinden vertreten in Deutschland die israelische Politik, und sie bekennen sich auch ganz offen dazu. Solange hier keine Synagogen angez&uuml;ndet werden, wie von den Nazis, werden wir Juden das bisschen Radau ertragen k&ouml;nnen und m&uuml;ssen, wenn wir so sehr hinter Israel stehen.<\/p><p>Viele Juden in Israel, den USA, in Frankreich und in England erheben ihre Stimme gegen Israels aggressive Politik. Nur in Deutschland werden solche Juden als Verr&auml;ter, j&uuml;dische Selbsthasser oder gar &bdquo;ber&uuml;chtigte Antisemiten&ldquo; diskreditiert, wie unl&auml;ngst Knobloch mich nannte.<\/p><p>Dr. Schuster und Charlotte Knobloch repr&auml;sentieren die israelgl&auml;ubigen Juden in Deutschland. Ich zweifle, ob sie auch Verst&auml;ndnis f&uuml;r die israelkritischen Juden und Israelis haben. Politische Einsichten fehlen ihnen offensichtlich. Dr. Schuster wird nicht m&uuml;de von &bdquo;antisemitischen Demonstrationen&ldquo; zu predigen, obwohl &bdquo;nur&ldquo; f&uuml;r die Freiheit von Pal&auml;stina und f&uuml;r ein Ende der israelischen Gewalteins&auml;tze demonstriert wird. Und wenn &bdquo;Frieden f&uuml;r Pal&auml;stina&ldquo; skandiert wird, dann w&auml;re es kl&uuml;ger mitzumachen, denn Frieden f&uuml;r Pal&auml;stina ist auch Frieden f&uuml;r Israel. Er verurteilt den Raketenbeschuss Israels und verliert kein Wort des Bedauerns &uuml;ber den wesentlich heftigeren Raketenbeschuss der israelischen Luftwaffe. Es wurden bis heute (19.5.) 10 Israelis t&ouml;dlich getroffen, aber etwa 200, also zwanzig Mal so viele Pal&auml;stinenser durch israelische Vergeltungsschl&auml;ge. In Bat Jam, s&uuml;dlich von Tel Aviv haben j&uuml;dische Israelis einen arabisch aussehenden Mann gelyncht. &bdquo;<i>Hanged by Mistake<\/i>&ldquo; steht auf manchem &bdquo;<i>Tombstone<\/i>&ldquo; im Wilden Westen. So k&ouml;nnen die Henker jetzt auch das Grab des &bdquo;arabisch aussehenden&ldquo; Juden beschriften. Und trotzdem wird es so weitergehen. Denn arabisch aussehende Juden gibt es in Israel Millionen (<i>die<\/i> <i>Mizrachim).<\/i> Nun leben sie ab jetzt eventuell auch in Sorge. Ist das recht so, Herr Dr. Schuster?<\/p><p>Berechtigte Proteste gegen Israels Politik werden durch die Haltung des Zentralrats der Juden und durch die Spr&uuml;che des unseligen Antisemitismusbeauftragten Felix Klein automatisch in &bdquo;antisemitische Kundgebungen&ldquo; umgedeutet. Die Kundgebungen sind aber sehr wohl berechtigt. Trotzdem werden sie von der Bundesregierung &bdquo;nicht geduldet&ldquo;. Wozu soll das f&uuml;hren? Wenn alsbald Demonstrationen gegen offensichtliches Unrecht nicht mehr erlaubt sein sollten, best&auml;tigt sich die Besorgnis vieler B&uuml;rger, dass der Staat die Grundrechte einschr&auml;nken, wenn nicht gar kassieren will.<\/p><p>Das Frankfurter Ordnungsamt hat es gerade versucht und eine f&uuml;r vergangenen Samstag geplante Kundgebung mehrerer pro-pal&auml;stinensischer Gruppen untersagt. Die Beh&ouml;rde sieht darin Aufrufe zur Gewalt, die die &ouml;ffentliche Sicherheit gef&auml;hrden, obwohl mehrere Kundgebungen in Deutschland durchaus friedlich verlaufen sind. Die Frankfurter Beh&ouml;rden bel&uuml;gen uns wissentlich und vors&auml;tzlich. Meinungsfreiheit und Artikel 5 unseres Grundgesetzes interessieren den stellvertretenden B&uuml;rgermeister, Stadtk&auml;mmerer, Vorsitzenden der DIG (Deutsch-Israelische Gesellschaft) und Antisemitismusbeauftragten des Landes Hessen Uwe Becker offensichtlich nicht. Wenn es um Israel geht, kennt er kein Grundgesetz.<\/p><p>Zu der Kundgebung anl&auml;sslich des sogenannten Nakba-Tages hatten verschiedene pal&auml;stinensische Organisationen aufgerufen. Aber wieder zeigt sich, dass pal&auml;stinensische Organisationen nicht die gleichen Rechte haben wie zum Beispiel die J&uuml;dische Gemeinde, die ihre pro-israelische Kundgebung abhalten durfte. Schuld daran sind vor allem die besonderen Zust&auml;nde in Frankfurt, n&auml;mlich eine aggressive j&uuml;dische Gemeinde und Uwe Becker (CDU), der &uuml;berall und st&auml;ndig Antisemitismus wittert und Kundgebungen und sogar Vortr&auml;ge verbieten l&auml;sst, um seinen Freunden in Jerusalem gef&auml;llig zu sein. Wom&ouml;glich will auch er einen Ehrendoktortitel von irgendeiner obskuren israelischen Akademie im Westjordanland von einem Besuch in Israel mit nach Hause bringen.<\/p><p>Aber gottseidank haben wir noch rechtschaffene Richter in Deutschland, die sich an Recht und Gesetz halten und vor allem das Grundgesetz achten, das von Leuten wie Uwe Becker oder Josef Schuster leichtfertig ignoriert wird. Das Frankfurter Verwaltungsgericht kippte das Verbot am Samstagnachmittag jedenfalls. Der Verbotsantrag der Stadt Frankfurt ging daraufhin in die n&auml;chste Instanz vor den Verwaltungsgerichtshof in Kassel. Zu Beginn der Kundgebung um 15.30 Uhr lag der Beschluss des VGH allerdings noch nicht vor. Kurz vor 18 Uhr best&auml;tigte der 2. Senat des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs aber den Beschluss des Frankfurter Verwaltungsgerichts, dass das von der Stadt Frankfurt ausgesprochene Versammlungsverbot keinen Bestand hat. Die Kundgebung konnte damit stattfinden. Das Frankfurter Verwaltungsgericht begr&uuml;ndete seine Entscheidung wie folgt: &bdquo;Allein die thematisch nicht gewollte Versammlung und die M&ouml;glichkeit, dass Ausrichtung und &Auml;u&szlig;erungen als antisemitisch empfunden werden k&ouml;nnten, rechtfertigten ein Verbot der pro-pal&auml;stinensischen Kundgebung nicht.&ldquo; Und damit hat das Gericht den Nagel auf den Kopf getroffen. Manchen Kommunalpolitikern und Bundespolitikern bis zum Innenminister passt die ganze Richtung nicht, weniger die Gefahr von Ausschreitungen. Sie schlagen sich auf die Seite der j&uuml;dischen Gemeinden, die sich ihrerseits auf die Seite Israels schlagen. Erstere sind Opportunisten und letztere unterwerfen sich der israelischen Propaganda und sind letztlich Opfer des innerj&uuml;dischen sozialpsychischen Drucks, hinter Israel stehen zu m&uuml;ssen, auch wenn es unrecht hat. Nach dem Motto: <i>Right or wrong &ndash;my country<\/i>. Dabei ist Israel nicht einmal ihr &ldquo;<i>country<\/i>&rdquo;. Es ist nicht einmal ihre Wunschvorstellung, denn sonst w&uuml;rden sie alle nach Israel auswandern. Israel w&uuml;rde es allerdings begr&uuml;&szlig;en und zur Not sogar die Reisekosten &uuml;bernehmen.<\/p><p>Aber das M&auml;rchen von gepackten Koffern ist in der Tat nur ein M&auml;rchen. Keiner sitzt in seiner Wohnung auf gepackten Koffern (Ausnahmen best&auml;tigen die Regel). Alle Juden, die ich kenne, leben gern in Deutschland, und die wenigsten haben Angst vor Antisemitismus. Sie wissen, dass Israels Warnungen vor Antisemitismus Teil der israelischen Propaganda sind, und dass nur &bdquo;dumme Gojim&ldquo; wie Felix Klein oder Uwe Becker diese in falsch verstandener Solidarit&auml;t oder Opportunit&auml;t nachplappern.<\/p><p>Und so reicht der Nahost-Konflikt in unsere Gesellschaft hinein, mit der Folge, dass versucht wird, das Grundgesetz zu verbiegen und unschuldige B&uuml;rger zu verfolgen, die eine andere Meinung haben als ein Herr Becker oder ein Herr Klein, oder der Vorsitzende der j&uuml;dischen Gemeinde.<\/p><p>Da stellt sich die Frage: Wer regiert in Frankfurt und in ganz Deutschland? Ich m&ouml;chte nicht falsch verstanden werden: Nat&uuml;rlich gibt es auch jetzt und heute wirkliche Antisemiten, die die &bdquo;Gunst der Stunde&ldquo; nutzen und ihren geh&auml;ssigen antisemitischen M&uuml;ll auch bei sogenannten &bdquo;anti-israelischen&ldquo; Demonstrationen loswerden wollen. Aber es ist immer eine verschwindend kleine Minderheit, die es nicht rechtfertigt, den Kundgebungen und Demonstrationen den Stempel des Antisemitismus aufzudr&uuml;cken.<\/p><p>Im Nahen Osten sterben Menschen. Israelis schie&szlig;en auf Pal&auml;stinenser und Pal&auml;stinenser schie&szlig;en auf Israelis. Israel ist f&uuml;r Juden nicht mehr das sichere Land. Der Konflikt droht, auch auf andere L&auml;nder &uuml;berzugreifen. Ich bin sicher, dass die Menschen in Gaza sich nicht um &bdquo;die Juden&ldquo; k&uuml;mmern und nicht &bdquo;die Juden&ldquo; hassen, sondern ihre Feinde und Unterdr&uuml;cker, die Israelis, und dass auch die pal&auml;stinensischen und anderen moslemischen Jugendlichen, die in Deutschland protestieren, dies nicht aus antisemitischen Motiven heraus machen, sondern weil sie emp&ouml;rt sind &uuml;ber das Vorgehen in ihrer Heimat und &uuml;ber die Verlogenheit der deutschen Politik und der deutschen Medien. Ausnahmen wird es immer geben. Und &bdquo;Emp&ouml;rt euch&ldquo; war erst vor wenigen Jahren ein beliebter Slogan, nachdem Stephan Hessel sein gleichnamiges Buch ver&ouml;ffentlicht hat.<\/p><p>Auch der j&uuml;dische Intellektuelle Micha Brumlik hat sich in diese Debatte in opportunistischer Weise eingemischt und den Emp&ouml;rten &bdquo;pure antisemitische Agitation&ldquo; vorgeworfen. Brumlik vollzieht wieder eine Wende, nachdem er in den 70er Jahren in der J&uuml;dischen Gruppe in Frankfurt ein aktiver Antizionist war, auch wenn er oft Selbstzweifel hatte, ob &bdquo;wir j&uuml;dische Antizionisten oder Zionismus-Kritiker gef&auml;hrliche Narren, &bdquo;trojanische Esel&ldquo;, neurotische Selbsthasser oder verkappte Antisemiten waren.&ldquo; Brumlik war vor uns allen bei der &bdquo;Pal&auml;stina-Solidarit&auml;t&ldquo;, und er schreibt, dass es ihm darum ging, &bdquo;einer deutschen &Ouml;ffentlichkeit zu zeigen, wie man sich konsequent und eben nicht nationalistisch-borniert verh&auml;lt.&ldquo; Sp&auml;ter freilich verhielt sich Brumlik sehr wohl nationalistisch und borniert und keineswegs konsequent.<\/p><p>Ausgerechnet Brumlik, der erst vor wenigen Wochen die progressive und Mut machende &bdquo;Jerusalemer Erkl&auml;rung&ldquo; mitunterzeichnet hat, die vor dem inflation&auml;ren Missbrauch des Antisemitismus-Vorwurfs warnt. Offensichtlich schien es ihm nicht vorteilhaft genug, auch im aktuellen Konflikt das zu sagen, was gesagt werden muss. Die Demonstranten suchen nicht, wie Brumlik meint, nach &bdquo;einem Ventil f&uuml;r ihren Judenhass&ldquo;, sondern nach einem Ventil f&uuml;r ihren berechtigten Frust, &Auml;rger und Zorn &uuml;ber deutsche Politiker und deren Politik, sowie deutsche Intellektuelle, die wieder ihre Augen und Ohren vor dem Leid der Pal&auml;stinenser schlie&szlig;en und nicht den Mund &ouml;ffnen, wie andere j&uuml;dische und israelische Intellektuelle rund um die Welt, um dem Enteignen, Vertreiben und T&ouml;ten ein Ende zu setzen. Die Deutschen sind zwar den Juden Solidarit&auml;t und Unterst&uuml;tzung schuldig, aber nicht indem sie israelisches Unrecht und vor allem israelische Hybris guthei&szlig;en, unterst&uuml;tzen und bis in den Untergang begleiten. Denn eins ist gewiss: Hybris f&uuml;hrt letztlich zum Untergang.<\/p><p>Es ist h&ouml;chste Zeit zu erkennen, dass Israel, indem es sich gegen Terror verteidigt, selbst sehr viel mehr Terror ver&uuml;bt. Und die Pal&auml;stinenser haben das Recht, sich gegen diesen Terror zu wehren. Schon 2003 hat der englisch-kanadische Philosoph Ted Honderich in seinem Buch &bdquo;<i>Nach dem Terror<\/i>&ldquo; geschrieben: &bdquo;Die Geschichte ist ein Beweis daf&uuml;r, dass V&ouml;lker ihre Freiheit verlangen, das hei&szlig;t, das F&uuml;hren ihres eigenen Lebens an einem Ort, mit dem sie ihre Geschichte und Kultur verbindet. Es ist eine Freiheit, um die unterdr&uuml;ckte V&ouml;lker immer gek&auml;mpft haben. Den Pal&auml;stinensern wird von ihren Feinden genau das moralische Recht eines Volkes verwehrt, das diese Feinde f&uuml;r sich selbst sichern und verteidigen.&ldquo;<\/p><p>Micha Brumlik beeilte sich in einem offenen Brief, Honderich als Antisemiten zu verunglimpfen, woraufhin der Suhrkamp-Verlag das Buch aus dem Verkehr zog. Man hatte im Verlag Angst vor dem Juden Brumlik. Dieser hat sp&auml;ter eingesehen, dass er pure Hetze verbreitet hat, entschuldigt hat er sich aber bei Honderich nicht. Jetzt kehrt er, wie es scheint, wieder zu seinen Urspr&uuml;ngen zur&uuml;ck.<\/p><p>Nur drei Jahre nach diesem Skandal schrieb Micha Brumlik sein Buch &bdquo;Kritik des Zionismus&ldquo;. Darin kritisierte er die &bdquo;v&ouml;lker- und menschenrechtsverletzende israelische Besatzungspolitik&ldquo;. Und kam, wie zuvor Honderich, zu dem Schluss, dass die Situation der Pal&auml;stinenser in vielerlei Hinsicht &bdquo;schlechter sei als die der schwarzen Bev&ouml;lkerungsmehrheit in S&uuml;dafrika w&auml;hrend der Apartheid.&ldquo; Bleibt die Frage, warum er alle paar Jahre seine Meinung &auml;ndert.<\/p><p>Der Nahost-Konflikt ist einer der l&auml;ngsten Konflikte der Welt. Er ist aber immer noch ungel&ouml;st. Und wenn wir helfen wollen, ihn zu l&ouml;sen, dann d&uuml;rfen wir nicht die T&auml;ter entschuldigen und die Opfer verurteilen. Es waren nicht die Pal&auml;stinenser, die die Juden aus ihrer Heimat vertrieben, sondern umgekehrt, sie sind von den Juden vertrieben worden. Der erste Schritt zu einem dauerhaften Frieden w&auml;re, zumindest die geschichtliche Wahrheit anzuerkennen und sich nicht hinter Mythen zu fl&uuml;chten, um das eigene Gewissen zu beruhigen, weil man als Deutscher mehr als alle anderen an diesem Konflikt schuldig ist. Ohne die Hilfe des deutschen Nationalsozialismus w&auml;ren die Zionisten eine marginale philanthropische Bewegung geblieben, und das h&auml;tte der Welt und insbesondere den Juden viel &Auml;rger erspart. Die Behauptung, Israel sch&uuml;tze die Juden auf der ganzen Welt, ist mehr Wunschdenken und Propaganda, als dass sie den Tatsachen entspricht. Israel hilft eben nicht, den Antisemitismus zu beseitigen, sondern f&ouml;rdert ihn bewusst, weil ethno-nationalistisch gesinnte Politiker wie Scharon oder heute Netanjahu fest davon &uuml;berzeugt sind, dass der Antisemitismus ihnen Juden ins Land &bdquo;sp&uuml;lt&ldquo;.<\/p><p>Selbst der ziemlich unwissende Antisemitismusbeauftragte Felix Klein muss immerhin zugeben, dass mehr als 90% des sogenannten Antisemitismus in Deutschland ein &bdquo;israelbezogener Antisemitismus&ldquo; seien. Klein versucht aber seit Jahren mit aller Gewalt und allen Tricks, die Deutungshoheit &uuml;ber Antisemitismus an sich zu rei&szlig;en. Er sagt: &bdquo;Antisemitismus, in welcher Form auch immer, werden wir nicht dulden.&ldquo; Dabei ist es an uns Juden zu bestimmen, was wir dulden oder nicht dulden wollen. Es gibt nur eine Form und Deutung des Antisemitismus: Antisemitismus ist Hass auf Juden (und nicht auf Israelis), nur weil sie Juden sind. Punkt.<\/p><p>Es geht aber bei der ganzen wirren und verwirrten Debatte im Grunde nicht um Judenhass, und auch nicht um die Delegitimierung Israels, sondern darum, Kritik an einer Politik des Staates Israel, die v&ouml;lkerrechtswidrig und wahrlich brutal, oder wie Moshe Zuckermann sagt, barbarisch ist, zu verhindern. Eine derartige Kritik muss aber in einem demokratischen Land wie Deutschland m&ouml;glich sein. Wir d&uuml;rfen nicht zulassen, dass unser Grundgesetz von Menschen okkupiert und interpretiert wird, die wenig von ihm halten. Gl&uuml;cklicherweise steht uns aber noch der Rechtsweg offen, und in den letzten Jahren haben etliche Gerichte das Recht auf Demonstrations- und Versammlungsfreiheit aufrechterhalten. Ich allein habe drei Einstweilige Verf&uuml;gungen gegen die Stadt Frankfurt und ihren Vertreter Uwe Becker erwirkt, was die Stadt nebenbei eine Menge Steuergeld gekostet hat.<\/p><p>Titelbild: Screencap SF<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>schreibt <strong>Abraham Melzer<\/strong> in diesem Beitrag zu dem blutigen Konflikt zwischen Israel und den Pal&auml;stinensern und der Resonanz, die dieser momentan in der deutschen &Ouml;ffentlichkeit erf&auml;hrt. Hier schreibt jemand, der genug davon hat, dass die israelische Regierung in seinem Namen agiert und dass Kritik an dieser Politik als Antisemitismus gebrandmarkt wird. Wie Abraham Melzer schreibt,<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=72675\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":72676,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[88,107,123,20,183,171],"tags":[840,822,1557,1919,1063,1926,303,3071,2039,2374],"class_list":["post-72675","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-antisemitismus","category-audio-podcast","category-kampagnentarnworteneusprech","category-landerberichte","category-medienkritik","category-militaereinsaetzekriege","tag-focus","tag-hamas","tag-israel","tag-lueckenpresse","tag-mueller-vogg-hugo","tag-netanjahu-benjamin","tag-palaestina","tag-reitz-ulrich","tag-siedlungspolitik","tag-staatsraeson"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/484879.170929_tg_abraham_melzer.jpg-.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/72675","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=72675"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/72675\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":72760,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/72675\/revisions\/72760"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/72676"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=72675"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=72675"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=72675"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}