{"id":72691,"date":"2021-05-23T14:00:02","date_gmt":"2021-05-23T12:00:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=72691"},"modified":"2021-05-23T20:50:17","modified_gmt":"2021-05-23T18:50:17","slug":"kinder-corona-und-der-digitale-distanzunterricht-keine-auswege-aus-der-bildungskatastrophe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=72691","title":{"rendered":"Kinder, Corona und der digitale Distanzunterricht \u2013 Keine Auswege aus der Bildungskatastrophe?"},"content":{"rendered":"<p>Die Situation, die die UNICEF Anfang M&auml;rz als &bdquo;katastrophale Bildungskrise&ldquo; bezeichnet hat, h&auml;lt an. Au&szlig;erdem herrschen in der Diskussion um Kinder, Corona und den digitalen Distanzunterricht Irrt&uuml;mer, Stereotype, Fehleinsch&auml;tzungen und Verharmlosungen vor. Darum folgt hier ein notwendiges Postscriptum zum E-Learning in der Corona-Krise und seinen Folgen. <b>Von Finn Jagow und Bernd Schoepe.<\/b><br>\n<!--more--><\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Man kann auch einfach die Augen schlie&szlig;en &ndash; Eine gro&szlig;e menschliche F&auml;higkeit, und noch fast unerkannt, etwas, was vor Augen liegt, nicht sehen, weil man es nicht sehen will.&ldquo;<br>\nJoseph Weizenbaum, Kurs auf den Eisberg. Die Verantwortung des Einzelnen und die Diktatur der Technik, M&uuml;nchen \/ Z&uuml;rich 1987, S. 31.\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\n&bdquo;Bildung muss bei den Ma&szlig;nahmen zur Bew&auml;ltigung der Gesundheitskrise und bei den Wiederaufbaupl&auml;nen eine Priorit&auml;t sein.&ldquo;<br>\nAudrey Azalou, UNESCO-Generaldirektorin gegen&uuml;ber der Nachrichtenagentur AFP.\n<\/p><\/blockquote><ol>\n<li>\n<b>Einleitung <\/b>\n<p><b>1.1 P&auml;dagogische Interpretation zum Kinder- und Jugend-Lockdown<\/b><\/p>\n<p>Am 21. M&auml;rz 2021 ver&ouml;ffentlichten wir &ndash; zuerst auf der Seite des GEW-Magazins Ansbach[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">&laquo;1<\/a>] &ndash; unsere Studie, die wir mit drei Klassen des 11. Jahrgangs von zwei Hamburger Stadtteilschulen zu den Folgen des Distanzunterrichts im zweiten Schul-Lockdown durchgef&uuml;hrt haben. Zur schnellen Information haben wir die Kurzfassung unserer Studienergebnisse, die wir anschlie&szlig;end als Pressemitteilung geschrieben haben, als Anhang dem hier vorliegenden Folgetext hinzugef&uuml;gt. <\/p>\n<p>Wir sahen uns vor allem aus zwei Gr&uuml;nden gen&ouml;tigt, der Auswertung der Untersuchungsergebnisse zur Lage unserer Sch&uuml;ler:innen eine Fortsetzung folgen zu lassen. Erstens befinden wir uns inzwischen im f&uuml;nften Monat des Schul-Lockdowns, von dem in Hamburg wie auch in anderen Bundesl&auml;ndern, immer noch eine gro&szlig;e Zahl von Sch&uuml;ler:innen (in Hamburg die meisten) betroffen sind. D.h., die Situation, die die UNICEF Anfang M&auml;rz als &bdquo;katastrophale Bildungskrise&ldquo;[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">&laquo;2<\/a>] bezeichnet hat, h&auml;lt an. Darauf mussten wir reagieren. Zweitens ist uns seitdem noch klarer zu Bewusstsein gekommen, dass in der Diskussion um Kinder[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">&laquo;3<\/a>], Corona und den digitalen Distanzunterricht bzw. das E-Learning im Schul-Lockdown Stereotype, Verharmlosungen, ein teilweise erschreckender Mangel an Problemsensibilit&auml;t und viele Irrt&uuml;mer und Fehleinsch&auml;tzungen vorherrschen. Gemeinsam f&uuml;hrt all dies weiterhin dazu, dass durch eine von uns zunehmend als bedr&uuml;ckend wahrgenommene &bdquo;Verhinderungskoalition&ldquo;, die im Panik-Modus agiert, vers&auml;umt wird, dass in der Gesellschaft und vor allem in der Politik endlich Auswege aus der Bildungskatastrophe aufgezeigt werden. Diese sind, wie wir zeigen werden, n&ouml;tiger denn je. Insofern ist der Text auch zu lesen als ein Hilferuf zweier extrem besorgter P&auml;dagogen.<\/p>\n<p>Nachdem im Januar unsere Beobachtung des Kurses in der Coronapolitik und der getroffenen sowie diskutierten Ma&szlig;nahmen ergab, dass mit gr&ouml;&szlig;erer Ungewissheit bez&uuml;glich der Schlie&szlig;ungsdauer der Schulen gerechnet werden muss, entstand die Idee, N&auml;heres &uuml;ber die Lage in Erfahrung zu bringen, in der sich unsere Sch&uuml;ler:innen seit Mitte Dezember befinden. Inzwischen sind wir, wie nicht oft genug wiederholt werden kann, im f&uuml;nften (!) Monat des Schul-Lockdowns, von dem in Hamburg immer noch die meisten Sch&uuml;ler:innen zur G&auml;nze betroffen sind. Und kein Ende scheint in Sicht. Nur in den Abschlussklassen wurde ab dem 15.03. auf Hybrid- bzw. halbierten Pr&auml;senzunterricht (unter versch&auml;rften Schutzbedingungen mit zweimaligem Testen pro Woche) umgestellt. <\/p>\n<p>Schnell hat sich &ndash; auch durch den gro&szlig;en Einsatz in puncto Digitalisierung &ndash; an den Schulen eine<i><b> &bdquo;neue Normalit&auml;t&ldquo;<\/b><\/i> herausgebildet. Angesichts unserer dramatischen Untersuchungsergebnisse und weiterer, eigentlich un&uuml;berh&ouml;rbaren Alarmzeichen aus der Kinder- und Jugendmedizin, -Psychiatrie und -Soziologie sowie der Kindheits- und Bildungsforschung &ndash; die dennoch nicht wahrgenommen werden &ndash; sehen wir uns herausgefordert, diese &bdquo;neue Normalit&auml;t&ldquo; radikal infrage zu stellen. Aus diesem Grund &ndash; und weil die Geschichte nach unserer Studie weiterging &ndash; haben wir uns zu einer Art <i>Postscriptum<\/i> entschieden, das wir aber <i>proaktiv <\/i>verstanden wissen wollen. <\/p>\n<p>Dazu ein einfaches Gedankenexperiment: Was h&auml;tten wir vor zwei Jahren gesagt, wenn man uns das Szenario: &bdquo;Mehrere wochen-, ja monatelange Schulschlie&szlig;ungen durch ein &bdquo;neues&ldquo; Virus; Kontakt zu den Sch&uuml;ler:innen gibt es nur noch auf digitalen Kan&auml;len, der Unterricht wird komplett auf Online-Formate umgestellt&ldquo;, vorgelegt und gesagt h&auml;tte, diese Annahme sei durchaus realistisch, wir sollten uns mental schon mal darauf vorbereiten?<\/p>\n<p>H&auml;tten wir dies f&uuml;r m&ouml;glich gehalten? Oder h&auml;tten wir da nicht eher ungl&auml;ubig gelacht und dies f&uuml;r einen mehr oder minder gelungenen Scherz gehalten? W&auml;ren wir gar geneigt gewesen zu glauben, dass wir uns im Rekordtempo an die neuen Verh&auml;ltnisse gew&ouml;hnen und sich alles an ein solch dystopisch anmutendes Science-Fiction-Szenario in k&uuml;rzester Zeit anpasst bzw. sich dem unterordnet? Tats&auml;chlich scheinen viele Kolleg:innen das Online-Schooling inzwischen als Selbstverst&auml;ndlichkeit handzuhaben und so auch anzusehen. Nat&uuml;rlich spricht daraus zum einen eine professionelle Einstellung, die damit ihre Krisentauglichkeit &ndash; nach anf&auml;nglichem, vor allem auch technisch bedingtem Schlingern &ndash; unter Beweis stellt. Eine Bew&auml;hrungsprobe, die alles in allem gut bestanden wurde. D.h. durch sehr viel Anstrengung gelang es, die digitale Versorgung (wir sprechen hier f&uuml;r den Stadtstaat Hamburg) weitgehend sicherzustellen. Das soll nicht kleingeredet werden.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite aber irritiert uns dieser Umgang, weil damit die Differenz zum Verschwinden gebracht wird, die nicht blo&szlig; als die Differenz zwischen Digitalem und Analogem aufscheint. Wie kann es sein, dass wir uns in ein Arrangement zum Lernen m&ouml;glichst nahtlos einpassen (wollen?), das alle menschlichen Kontexte, in denen das schulische Lernen sonst stattfindet, ausblendet bzw. aufgrund seines technischen Charakters &uuml;ber diese Kontexte, in die das Lernen sozial immer eingebettet ist, gar nicht verf&uuml;gt? Die K&uuml;nstlichkeit der Anordnung der Kommunikation in jeder Video-Unterrichtskonferenz ist ja f&uuml;r alle un&uuml;bersehbar. Wird das &bdquo;Unterrichtsgeschehen&ldquo; dort berechenbarer, planbarer &ndash; so um den Preis der Lebendigkeit. Interaktion mutiert zu einer Schrumpfform, sowohl das Gemeinschaftliche der Lernsituation im Klassenraum als auch die Pr&auml;senz, das Spontane, Mimik, Gestik, Sprache, der &bdquo;Einfall des Lebendigen&ldquo; in den oft sonst als bleiern und unendlich langweilig (wenn man sich dabei noch an seine eigene Schulzeit erinnern kann&hellip;) erlebten Unterrichts f&auml;llt weg. Das, was der Schule selbst den Sch&uuml;ler:innen, die von ihr nicht sonderlich angetan sind und Schule eher als eine Quelle der Unlust wahrnehmen, reizvolle Spannungsmomente schenkt und ihr mitunter ein Surplus des Unvorhersehbaren gibt, ist zum Verschwinden gebracht.[<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">&laquo;4<\/a>] Wobei es zum Gl&uuml;ck im Analogen nicht ganz so selten geschieht, dass dies in einer Schleifenbewegung auch dem Lernen wieder zugutekommt, weil es die Beziehung zu dem Lehrer oder der Lehrerin sowie die Bindungen in der Klassengemeinschaft bereichert und festigt.<\/p>\n<p>Und was passiert mit Unterricht und Bildung, wenn der &bdquo;menschliche Faktor&ldquo; heruntergefahren, bis g&auml;nzlich ausgeblendet und der Betrieb auf die technische Sicherstellung weit weniger der p&auml;dagogischen und didaktischen Aspekte als der rein fachlichen Inhalte und Anforderungen umgestellt wird?[<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">&laquo;5<\/a>]<\/p>\n<p>Wer sich redlich bem&uuml;ht, der disruptiven Erfahrung aus dem Gedankenexperiment den Anschein einer &bdquo;neuen Normalit&auml;t&ldquo; zu geben, l&auml;uft Gefahr bei dieser Konvertierungsarbeit (die gerade zuhauf verrichtet wird) nicht so ohne Weiteres mitzubekommen, dass viele Sch&uuml;ler:innen den Eindruck nicht mehr loswerden, E-Learning bedeute, sich jetzt selbst alles das beibringen zu m&uuml;ssen, was auch in der &bdquo;analogen&ldquo; Schule &bdquo;drankommt&ldquo;. Nur erfolgt dieses &bdquo;Selber-Beibringen&ldquo; unter keineswegs frei gew&auml;hlten, au&szlig;ergew&ouml;hnlichen, sogar geschichtlich einmaligen Bedingungen, m.a.W. unter <b>stark krisenhaften Umst&auml;nden<\/b>, <i><b>die einen Bruch mit allen Routinen des Lernens und Lehrens bedeuten<\/b><\/i>. W&auml;hrend im analogen Unterricht die Inhalte aber vermittelt, d.h. gelehrt werden, da Unterrichten prinzipiell (leider nicht empirisch) immer ein <i>Eingehen auf Lernschwierigkeiten und Verstehensprobleme <\/i>bedeutet, wird der eigentliche Kl&auml;rungsprozess, der zum Lernerfolg f&uuml;hrt, hier durch die Losl&ouml;sung vom gemeinsamen Praxisraum des &bdquo;Hier und Jetzt&ldquo; auch in die h&auml;usliche Sph&auml;re delegiert oder besser &bdquo;ausgesourct&ldquo; &ndash; dorthin, wo ja derzeit <i>alles <\/i>stattfindet! Das f&uuml;hrt zu einer <i><b>Perfektionierung&hellip;der &Uuml;berforderung<\/b><\/i>! Diese bleibt aber, was alles noch viel schlimmer macht, au&szlig;erhalb des Fokus der Kamera. Und niemand spricht dazu ins Mikrofon. Oder: Wer sieht und h&ouml;rt die soziale Isolation und Einsamkeit, die der Online-Unterricht bewirkt?[<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">&laquo;6<\/a>] Und selbst wenn er etwas s&auml;he in dieser &bdquo;neuen Normalit&auml;t&ldquo;, f&uuml;hlte er sich daf&uuml;r (mit-) verantwortlich?[<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">&laquo;7<\/a>]<\/p>\n<p>Je schneller wir uns an das Format des Online-Lernens gew&ouml;hnen &ndash; da es uns auch immer wieder als das erfolgversprechendste Zukunftsmodell f&uuml;r das gesamte Bildungswesen respektive seinen Fortschritt empfohlen wird[<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">&laquo;8<\/a>] &ndash; desto geringer f&auml;llt das Zeit- und Aufmerksamkeitsquantum aus, um all dem nachzusp&uuml;ren, was durch dieses k&uuml;nstliche Lernsetting abgekoppelt wird und verlorengeht. Da das E-Learning aber lauter denn je als L&ouml;sung des Problems in der und f&uuml;r die Krise und dar&uuml;ber hinaus propagiert wird &ndash; wo es doch eigentlich nur ein <b>Notbehelf <\/b>ist[<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">&laquo;9<\/a>] &ndash; verlieren wir durch das Disruptive, durch das unser Handeln neu ausgerichtet wird, die Empfindung f&uuml;r das Abgekoppelte und Verlorengegangene. Dieses l&ouml;st sich dadurch aber nicht auf, sondern addiert sich vielmehr auf der R&uuml;ckseite unserer digitalen Betriebsamkeit zur schwersten Hypothek der bislang gr&ouml;&szlig;ten Bildungskrise auf[<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>], in die wir durch die Corona-Ma&szlig;nahmenpolitik geraten sind und bei der immer noch kein Licht am Ende des Tunnels erkennbar wird. Eher drohen &ndash; mit der abermaligen Ver&auml;nderung des Infektionsschutzgesetzes &ndash; neuerliche Versch&auml;rfungen. <\/p>\n<p>Diese Gedanken gaben so oder so &auml;hnlich die latente Sinnstruktur f&uuml;r den Plan ab, der wie gesagt im Januar entstand und &uuml;ber den wir &ndash; zwei seit Studientagen befreundete Kollegen &ndash; uns praktisch dann sehr schnell verst&auml;ndigen konnten. <\/p>\n<p><b>1.2.<\/b> <b>Der Ansatz der Studie und ihre Ergebnisse im Lichte einer verfehlten Politik<\/b><\/p>\n<p>Im Februar &ndash; unter dem Eindruck dieser anhaltenden Ungewissheit, die dem Leben und dem eigenen Tun einerseits etwas schwebend Unwirkliches, andererseits so etwas unaufhebbar Schweres, Unbewegliches gibt &ndash; aufgrund der Tatsache, dass es uns als P&auml;dagogen verwehrt ist, &uuml;berhaupt einen Einfluss auf Dauer und Ausgestaltung dieser Zeit zu nehmen &ndash; haben wir dann den Fragebogen konzipiert und ihn den Sch&uuml;ler:innen geschickt. Von vorneherein war das Projekt gedacht als eine auf Freiwilligkeit beruhende Einladung zur Selbstwahrnehmung und -reflexion. Eine Gelegenheit, einmal aus dem Hamsterrad, das aus dem schulischen in den h&auml;uslichen Bereich verschoben und dabei gleichsam beschleunigt wurde, auszubrechen. Wir wollten der von uns als l&auml;hmend empfundenen Situation, mit der wir tagt&auml;glich konfrontiert sind, etwas entgegensetzen. Deshalb war uns die Betonung des au&szlig;erschulischen Charakters dieser Studie besonders wichtig. Auf keinen Fall sollte der Eindruck erzeugt werden, dass es sich bei der Beteiligung daran um eine &bdquo;Pflichtveranstaltung&ldquo; oder quasi eine &bdquo;erweiterte Hausaufgabe&ldquo; handele. Es ging uns darum, die Sch&uuml;ler:innen <b>gezielt ganzheitlich anzusprechen<\/b>, um ihnen auch leichter den Weg zu ebnen, ganzheitlich (also nicht fixiert auf die Sch&uuml;ler:innenrolle, bei der in den Reaktionen und Antworten immer schon die Erwartung der Lehrer:innen antizipiert werden) zum E-Learning im Kontext <b>ihrer gesamten Lebenssituation<\/b> Stellung zu nehmen.[<a href=\"#foot_11\" name=\"note_11\">&laquo;11<\/a>]<\/p>\n<p><b>Diesen ganzheitlichen Ansatz vermissen wir auch schmerzhaft im aktuellen Diskurs &uuml;ber die Fragen nach einem angemessenen Gesundheitsbegriff<\/b>. Denn ein angemessener Gesundheitsbegriff, ganz im Sinne der WHO[<a href=\"#foot_12\" name=\"note_12\">&laquo;12<\/a>], m&uuml;sste als Richtschnur dem staatlichen Handeln in der Pandemie-Bek&auml;mpfung zugrunde gelegt werden, <b>um die aus dem Gesundheitsbegriff abzuleitenden Folgen &uuml;berhaupt legitimieren zu k&ouml;nnen<\/b>. Wir vermissen insbesondere die <i><b>systematische <\/b><\/i><b>Beachtung der Menschenrechte<\/b>, zuv&ouml;rderst die der <b>besonders vulnerablen Gruppen<\/b> (Kinder und alte Menschen), die die Politik mit dem allein auf COVID-19 abgestellten Gesundheitsschutz in eine immer st&auml;rkere Schieflage in Bezug auf zahlreiche andere, konfligierende Schutzbed&uuml;rfnisse gebracht hat, <b>die in einer Demokratie gegeneinander abgewogen werden m&uuml;ssten<\/b>. Diese Schieflage f&uuml;hrt dazu, dass die Politik in den Augen vieler B&uuml;rger:innen immer inkonsistenter und dadurch unglaubw&uuml;rdiger agiert. <i><b>Denn durch das Coronavirus und die Ausrufung des epidemischen Notstandes wird die Gemeinwohlorientierung im politischen Entscheidungsprozess ja nicht kurzerhand aufgehoben<\/b><\/i>. <\/p>\n<p>Angesichts der fehlenden umfassenden Analyse der allgemeinen gesellschaftlichen Gef&auml;hrdungssituationen, der Verantwortungsdiffusion bei den politischen Entscheidungstr&auml;gern und der &bdquo;Systemrelevanz&ldquo; von Bereichen, an die die Frage ihres funktionalen Offenhaltens oder (anhaltenden) dysfunktionalen Schlie&szlig;ens gekoppelt wird, t&auml;te eine &Uuml;berwindung der geradezu manischen Fixierung auf die Coronainfektions-Fallzahlen &ndash; die strenggenommen lediglich positive Tests sind &ndash; und des absolut gesetzten Blicks ausschlie&szlig;lich und isoliert auf das SARS-CoV-2-Infektionsgeschehen Not. Es ist lange evident, dass unterschiedliche Gruppen in der Gesellschaft unterschiedlich stark vom Infektionsrisiko betroffen sind. Angemessen w&auml;re es, die besonders vulnerablen Gruppen in das Zentrum der Ma&szlig;nahmenpolitik zu stellen und daf&uuml;r m&ouml;glichst passgenaue Konzepte zu entwickeln. Ebenso klar ist, dass sich die Ma&szlig;nahmen dabei nicht &ndash; wie bisher &ndash; auf die Abwehr der Virusgefahr beschr&auml;nken k&ouml;nnen, da f&uuml;r junge Menschen ein nur sehr geringes Risiko besteht, ernsthaft an SARS-CoV-2 zu erkranken.[<a href=\"#foot_13\" name=\"note_13\">&laquo;13<\/a>] Das bedeutet, <i><b>dass die Vulnerabilit&auml;t von Kindern eine andere ist, als die von Risikogruppen-Angeh&ouml;rigen, Vorerkrankten und sehr alten und gebrechlichen Menschen, daher aber per se nicht weniger beachtet werden muss. <\/b><\/i>Wenn der Staat in Form seiner Regierung es hinnimmt, dass &uuml;ber f&uuml;nf Monate &ndash; und mit Einbezug des ersten Lockdowns vor einem Jahr, sogar noch l&auml;nger &ndash; die Schulen weitgehend geschlossen bleiben, das Kinderhilfswerk UNICEF von der gr&ouml;&szlig;ten Bildungskrise spricht und die UN inzwischen vor einer weltweit verlorenen &bdquo;Corona-Generation&ldquo; der heute unter 18-J&auml;hrigen warnt[<a href=\"#foot_14\" name=\"note_14\">&laquo;14<\/a>], muss gefragt werden, welches &bdquo;System&ldquo; f&uuml;r die Regierung denn eigentlich &bdquo;relevant&ldquo; ist? Soviel steht fest: Ein System, in dem die Interessen und Bed&uuml;rfnisse, die Entwicklungschancen und die Aspekte der Generationengerechtigkeit der Kinder und Jugendlichen vorrangige Ber&uuml;cksichtigung finden, ist es jedenfalls nicht. Denn dort m&uuml;ssten unter Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit solch gravierende Entscheidungen auch die <b>langfristigen Folgen<\/b>, die sich aus der Beachtung oder Nicht-Beachtung dieser Gruppe ergeben (einer Gruppe, die &ndash; ohne ihre Familien \/bzw. die Anzahl der Alleinerziehenden mitzuz&auml;hlen &ndash; aus immerhin etwa <i><b>14 Millionen Menschen<\/b><\/i> besteht) durch die heutige Politik in die Gesamtrechnung des gesellschaftlichen Schadens bzw. der Schadensbegrenzung durch die Ma&szlig;nahmen gegen COVID-19 mit einflie&szlig;en. In diesem Zusammenhang muss dem Entwicklungsargument in Begriffen der Eigengesetzlichkeit und Eigenzeitlichkeit von Seiten der Politik endlich Rechnung getragen werden:<\/p>\n<blockquote><p>\n&bdquo;Der Faktor Zeit spielt in jungen Lebensphasen eine zentrale Rolle. Ein Jahr im Alltag von jungen Menschen hat eine andere soziale, qualifaktorische, k&ouml;rperliche und pers&ouml;nliche Entwicklungsdynamik als im Erwachsenenalter. Die Folgen der Einschr&auml;nkungen in der Kindheit und Jugend schreiben sich in den biographischen Verlauf nachhaltig ein. Deswegen gilt es die Folgen abzufedern und auszugleichen.&ldquo;[<a href=\"#foot_15\" name=\"note_15\">&laquo;15<\/a>]\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Solange das Entwicklungsargument nicht ber&uuml;cksichtigt wird, muss davon ausgegangen werden, dass die immensen Probleme der Kinder und Jugendlichen weiter unter dem Rubrum der &bdquo;Kollateralsch&auml;den&ldquo;[<a href=\"#foot_16\" name=\"note_16\">&laquo;16<\/a>] subsummiert werden sollen &ndash; was ihrer Marginalisierung gleichkommt. Dies ist vor allem auch deshalb <i><b>nicht einfach hinnehmbar<\/b><\/i>, <i><b>weil sich die Bundesrepublik Deutschland mit der Unterzeichnung der UN-Kinderrechtskonvention v&ouml;lkerrechtlich verpflichtet hat, die Vorrangigkeit der Grundrechte und Schutzbed&uuml;rfnisse f&uuml;r Kinder und Jugendliche anzuerkennen<\/b><\/i>.[<a href=\"#foot_17\" name=\"note_17\">&laquo;17<\/a>]<\/p>\n<p>So stellte die Studie &bdquo;Krisengerechte Kinder statt kindergerechtem Krisenmanagement?&ldquo; des Magdeburger Professors f&uuml;r Kinderpolitik, Michael Klundt, bereits im Juni 2020 fest,<\/p>\n<blockquote><p>\n&bdquo;dass praktisch alle Entscheidungen und Ma&szlig;nahmen der Politik in dieser Zeit&ldquo; (der Corona-Krise, Anm. F.J. \/ B.S.) &bdquo;v&ouml;lkerrechtsversto&szlig;end und bundesgesetzwidrig ohne vorrangige Ber&uuml;cksichtigung des Kindeswohls vorgenommen worden [sind]. (&hellip;) Kinder h&auml;tten besonders unter Einschr&auml;nkungen wie Kontaktsperren, Ausschluss von Bildung sowie Spiel- und Sportplatzverboten zu leiden gehabt. Auch in der Lockerungsdebatte habe die Situation der Familien im Hintergrund gestanden. (&hellip;) Die Bed&uuml;rfnisse von Kindern und Jugendlichen seien fast gar nicht vorgekommen. Diese h&auml;tten zudem das Gef&uuml;hl, auf ihre Rolle als Sch&uuml;ler reduziert zu werden, w&auml;hrend fast alle anderen au&szlig;erschulischen Lebensbereiche jugendlicher Erfahrung v&ouml;llig ausgeblendet worden seien. (&hellip;) Die bislang erh&auml;ltlichen, sp&auml;rlichen Studien zeigten zudem, dass sich mit Blick auf die Kinderarmut in Deutschland die soziale Kluft verst&auml;rkt habe.&ldquo;[<a href=\"#foot_18\" name=\"note_18\">&laquo;18<\/a>]\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Statt dass zumindest die Zeit nach dem ersten Lockdown von den politisch Verantwortlichen in Bund und L&auml;ndern gemeinsam genutzt worden w&auml;re, um die offenkundigen blinden Flecken im Krisenmanagement aufzuarbeiten, bestand nach dem Beschluss eines zweiten Kinder- und Jugend-Lockdowns die einzige Ver&auml;nderung darin, dass jetzt weitgehend &ndash; bis auf wenige Ausnahmen &ndash; die Versorgung mit Online-Unterricht in den einzelnen Schularten hergestellt werden konnte.<\/p>\n<p>Wie schon erw&auml;hnt, <i>kann<\/i> man dies als einen Erfolg betrachten. Aber doch wohl nur dann, wenn man die Aussagen aus den Studien zur Vernachl&auml;ssigung, ja Missachtung der Kinderrechte[<a href=\"#foot_19\" name=\"note_19\">&laquo;19<\/a>] dabei <i>nicht<\/i> in Betracht zieht. Im M&auml;rz 2020 war es durch den damals quasi &uuml;ber Nacht hereinbrechenden Krisen- und Panik-Modus noch nachvollziehbar, dass der Staat aufgrund der fehlenden Informationen bzw. wissenschaftlich schwierigen Datenlage &uuml;ber die Gef&auml;hrlichkeit des SARS-CoV-2-Virus, generelle und rigide Ma&szlig;nahmen, Anordnungen und Verbote &uuml;ber nahezu alle Bereiche &ndash; bis auf die der Konzernstrukturen innerhalb der &Ouml;konomie &ndash; erlie&szlig;. Nach &uuml;ber 15 Monaten Corona-Krise, dem zweiten Lockdown und der sogenannten &bdquo;dritten Welle&ldquo; ist es aufgrund einer Vielzahl von evidenzbasierten Untersuchungs- und Forschungsergebnissen zum Virus, seiner Infektiosit&auml;t in Bezug auf unterschiedliche Lebensalter sowie den validierten Aussagen &uuml;ber das allgemeine, von SARS-CoV-2 ausgehende Ansteckungsrisiko nicht mehr vermittelbar, auf der Basis solcher unspezifischen, fl&auml;chendeckenden Ma&szlig;nahmen weiterhin eine so zielungenaue Corona-Eind&auml;mmungspolitik zu fahren, die in mehrfacher Hinsicht eine schier un&uuml;bersehbare Menge an &bdquo;Kollateralsch&auml;den&ldquo; erzeugt.<\/p>\n<p>Schon im Januar 2021 warnte ein die NRW-Landesregierung in der Corona-Politik beratendes Expertengremium, zu dessen Mitgliedern Virologen und Medizinethiker, aber auch Wirtschaftswissenschaftler geh&ouml;ren:<\/p>\n<blockquote><p>\n&bdquo;Das erm&uuml;dende Narrativ, die Krise k&ouml;nnte diesmal durch diese oftmals allzu unspezifischen Ma&szlig;nahmen langfristig bew&auml;ltigt werden, ist weder sachlich, noch im Hinblick auf die gesellschaftliche Stimmung zielf&uuml;hrend.&ldquo; Daf&uuml;r gelte es zun&auml;chst &bdquo;die Struktur und Dynamik des epidemiologischen Geschehens besser zu erfassen. Denn es sei erstaunlich und nicht hinnehmbar, dass &uuml;ber Ansteckungsorte sowie die Dynamik des epidemiologischen Geschehens seit dem Lockdown im Fr&uuml;hjahr 2020 immer noch zu wenig bekannt ist.&ldquo;[<a href=\"#foot_20\" name=\"note_20\">20<\/a>]\n<\/p><\/blockquote>\n<p>W&auml;hrend man also einerseits laut Claudia Kittel, Leiterin der Monitoring-Stelle zur UN-Kinderrechtskonvention beim Deutschen Institut f&uuml;r Menschenrechte, zul&auml;sst, dass man sich in Deutschland &uuml;ber die v&ouml;lkerrechtlich verbrieften Beteiligungsrechte der Kinder hinwegsetzt[<a href=\"#foot_21\" name=\"note_21\">&laquo;21<\/a>], reduziert man andererseits das Leben der Kinder und Jugendlichen auf ihre Sch&uuml;ler:innenrollen und tut so, als ob der Distanzunterricht einen ad&auml;quaten Ersatz f&uuml;r die weiteren Schulschlie&szlig;ungen darstelle.<\/p>\n<p>Es ist aber das alarmierende Kennzeichen von <b>allen<\/b> bislang durchgef&uuml;hrten Untersuchungen zur Lebens- und Lernsituation der Kinder und Jugendlichen unter den erzwungenen Bedingungen des Homeschoolings, <i><b>dass die psychosozialen Voraussetzungen des Lernens im Vergleich zum Lernerfolg zu 70 &ndash; 90% aller F&auml;lle negativ korreliert sind<\/b><\/i>. D.h. f&uuml;r die allermeisten Sch&uuml;ler:innen finden im Homeschooling keine Lernfortschritte, sondern gr&ouml;&szlig;tenteils &ndash; je nach Elternhaus &ndash; massive Lernr&uuml;ckschritte statt. 10 &ndash; 30% der Sch&uuml;ler:innen k&ouml;nnen ihren Leistungsstand lediglich halten, signifikant aber nicht ausbauen.[<a href=\"#foot_22\" name=\"note_22\">&laquo;22<\/a>]<\/p>\n<p>Dar&uuml;ber hinaus wirkt sich das Homeschooling unter den Bedingungen eines historisch bislang einzigartigen Einschlusses einer ganzen Kinder- und Jugendgeneration in zunehmend dramatischer Weise auf ihre psychische und physische Gesundheit aus. <\/p>\n<p>Derweil h&auml;lt unverdrossen die verkl&auml;rende Diskussion um die vermeintlichen Chancen an, die die &bdquo;digitale Bildung&ldquo; als Retterin in der Not der Corona-Krise den Schulen bringt, wenn man sie nur richtig (n&auml;mlich vor allem voll umf&auml;nglich, wie es die von der Digitallobby gesponserten Seiten im Internet dem Leser suggerieren wollen) zu nutzen wei&szlig;. Tats&auml;chlich f&uuml;hrt sie eine kognitive Dissonanz ins Feld, die immer schwerer aufl&ouml;sbar erscheint. Welche Zusatzannahmen m&uuml;ssen gemacht bzw. zumindest in Betracht gezogen werden, um hier Erkl&auml;rungsgrund unter die F&uuml;&szlig;e zu bekommen? Die &bdquo;schocktherapeutisch&ldquo;[<a href=\"#foot_23\" name=\"note_23\">&laquo;23<\/a>] erfolgende Durchsetzung des digitalen Fernunterrichts muss dazu unbedingt im Kontext des <i><b>neoliberalen Umbaus des Schulsystems <\/b><\/i>gesehen werden, der seit etwa 30 Jahren die Bildungslandschaften umkrempelt.[<a href=\"#foot_24\" name=\"note_24\">&laquo;24<\/a>]<\/p>\n<p>Neben der vermeintlichen Messbarkeit von Lernen und Bildung &ndash; vermeintlich, da Lernen und Bildung sich nicht messen lassen! &ndash; sind Vereinheitlichung, <i>Standardisierung<\/i>, <i>Transparenz<\/i>, <i>Datafizierung<\/i> und <i>Zentralisation<\/i> die Schl&uuml;sselbegriffe f&uuml;r diese &ouml;konomistische Deformierung von Bildung. Worauf dies im Zusammenhang mit der Rolle des digitalisierten Fernunterrichts in der &bdquo;sch&ouml;nen neuen neoliberalen Welt&ldquo; hinausl&auml;uft, deutete der ehemalige apostolische Nuntius (Botschafter) des Vatikans in den USA, Carlo Maria Vigano, vor kurzem an:<\/p>\n<blockquote><p>\n&bdquo;Wir wissen, dass (&hellip;) &sbquo;Fernunterricht&lsquo; mit sehr schwerwiegenden psychologischen Folgen f&uuml;r Kinder und Jugendliche erteilt wird. Mit dieser Operation wird heute der Grundstein daf&uuml;r gelegt, dass eines Tages der &uuml;ber das Internet angebotene Unterricht vereinheitlicht werden kann, indem entschieden wird, welche Lehrer Unterricht geben d&uuml;rfen und was sie zu sagen haben, und es w&uuml;rde mich nicht wundern, wenn diese angepasste Form der Bildung bald eine immer geringere Anzahl von Lehrern umfasst: ein einziger Geschichtsprofessor f&uuml;r alle Sch&uuml;ler einer Nation, mit einem Programm, das eng definiert und kontrolliert ist. Das ist keine ferne Realit&auml;t, jeden Studenten zu verpflichten, sich online anzuschlie&szlig;en. Auf einen Lehrer an ihrer eigenen Schule k&ouml;nnen sie nicht mehr zur&uuml;ckgreifen, weil der in den Ruhestand gezwungen oder aus dem Unterricht entfernt wurde, als Konsequenz daf&uuml;r, weil er sich nicht an die Befehle der Macht h&auml;lt. Wir d&uuml;rfen uns auch nicht wundern, wenn die neuen &sbquo;Lehrer&lsquo; (..) nur noch k&uuml;nstliche Intelligenzen sind.&ldquo;[<a href=\"#foot_25\" name=\"note_25\">&laquo;25<\/a>]\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Dass trotz dieser wohlbegr&uuml;ndeten Warnungen weiter bestehende Positivimage des Online-Lernens erinnert uns stark an das, was und wie ein Pionier der Computerforschung, der MIT-Professor und sp&auml;tere Kritiker der K&uuml;nstlichen Intelligenzentwicklung, Joseph Weizenbaum, auf die Frage eines Journalisten: &bdquo;Aber es ist doch nicht zu leugnen, dass mit Hilfe des Internets viele weit voneinander entfernte Menschen miteinander kommunizieren k&ouml;nnen, die sich vorher nicht kennengelernt h&auml;tten?&ldquo;, geantwortet hat. Nur dass man im Fall des Homeschoolings das Wort &bdquo;Freundschaft&ldquo; durch die Worte &bdquo;Lernen&ldquo; bzw. &bdquo;Unterricht&ldquo; ersetzen m&uuml;sste.<\/p>\n<p>Weizenbaums Replik:<\/p>\n<blockquote><p>\n&bdquo;Aber sie lernen sich ja auch jetzt nicht kennen. In den USA gibt es zahllose Projekte, die zum Ziel haben, dass amerikanische Kinder mit Kindern in Australien oder anderswo &uuml;ber das Internet in Verbindung treten. Sie schreiben Mails hin und her&ldquo; (Anm. F.J. \/ B.S.: Heute w&uuml;rden sie skypen und vielleicht Snapchat-Videos von sich schicken) &bdquo;tauschen sich aus. Damit wird die Illusion geweckt, amerikanische Kinder lernen australische Kinder kennen. Aber das ist es ja nicht. Sie lernen sie nicht kennen. Sie besch&auml;ftigen sich vielmehr mit ihrem Computer, anstatt zum Beispiel mit ihren Schulkollegen oder Kindern aus der Umgebung zu spielen. Es findet keine menschliche Begegnung statt, sondern eine Pseudobegegnung.&ldquo;[<a href=\"#foot_26\" name=\"note_26\">&laquo;26<\/a>]\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Und, muss man heute hinzuf&uuml;gen: So wie Online-Freundschaften Pseudobegegnungen sind, so ist h&auml;uslicher Computer-Fernunterricht ein Pseudo-Unterricht. Um Missverst&auml;ndnissen vorzubeugen: Damit soll nicht behauptet werden, dass nicht (altersgerecht und entsprechend angeleitet) am h&auml;uslichen Computer gelernt werden kann. Es geh&ouml;rt aber zur Signatur einer Krise, dass &ndash; sofern sie einen wie die Corona-Krise fast ganz auf sein privates Wohnumfeld zur&uuml;ckwirft &ndash; die Systeme der materiellen und kulturellen famili&auml;ren Reproduktion instabil werden, z.B. durch Arbeitsplatzsorgen bei den Eltern, finanzielle Mehrbelastungen, Doppelbelastungen durch die Anforderungen von Homeschooling und Homeoffice (zumal in beengten Wohnverh&auml;ltnissen), Sorge um die Kinder wegen fehlender Bildung und ihres Herausfallens aus der sozialen Integration, F&uuml;rsorge- und Beaufsichtigungsproblemen bei weiter au&szlig;er Haus arbeitenden Eltern, psychisch wachsende Belastungen durch fortgesetzte Sozialquarant&auml;ne. In solchen Lagen stehen <i><b>zu viele<\/b><\/i> lebensweltliche Bedingungen dem Lernen zuhause im Wege.<\/p>\n<p>Dar&uuml;ber hinaus gilt es, bei der Bewertung des digitalen Fernunterrichts der kategorialen Differenz von h&auml;uslichem und schulischem Lernen eingedenk zu sein:<\/p>\n<blockquote><p>\n&bdquo;Schulisches Lernen ist seinem Wesen nach kein technisches, sondern ein subjektives und interpersonales Geschehen. H&auml;usliches Lernen ist kein blo&szlig;er Orts- und Kurswechsel, sondern ein ganz anderes Bildungssystem mit anderen Voraussetzungen, Zielen und Formen. W&auml;hrend die Schule Lernprozesse und -Gegenst&auml;nde elementarisiert, entwickelt und entfaltet, schrittweise und systematisch zum komplexen Verstehen anleitet, ist das au&szlig;erschulische Lernen &ndash; darunter das h&auml;usliche &ndash; unmittelbar viel komplexer, lebensn&auml;her, ungeregelter, chaotischer und nur sehr begrenzt, z.B. beim &Uuml;ben, &sbquo;elementarisiert&rsquo; und systematisch entwickelt. Das gibt dem Einen gegen&uuml;ber dem Anderen keinen h&ouml;heren Wert (&hellip;), aber es bedeutet (&hellip;), dass das h&auml;usliche Lernen unm&ouml;glich die blo&szlig;e Fortsetzung, Verl&auml;ngerung oder Ersetzung der Schule sein kann.&ldquo;[<a href=\"#foot_27\" name=\"note_27\">&laquo;27<\/a>]\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Was muss noch passieren, damit wir den <i><b>Placebo-Charakter des E-Learnings<\/b><\/i> erkennen? Zumal dann, wenn wir die h&auml;uslichen St&ouml;rquellen identifiziert haben, die best&auml;ndig mit den Lernanforderungen interferieren? Wann bekommen die mittlerweile breit angelegten Studien, die uns ein weitaus gesicherteres Wissen als noch vor einem Jahr zur Wirksamkeit des Online-Unterrichts vor seinem fl&auml;chendeckenden Einsatz in der Corona-Krise vermitteln k&ouml;nnen, die Aufmerksamkeit, die sie verdient haben? So z.B. die vom Schulp&auml;dagogen Klaus Zierer, Universit&auml;t Augsburg, durchgef&uuml;hrte Meta-Analyse mit 600.000 Lernenden aus drei Nationen, die sehr gro&szlig;e Lerndefizite belegt:<\/p>\n<blockquote><p>\n&bdquo;Das Ergebnis ist eindeutig und nicht &uuml;berraschend: In allen untersuchten L&auml;ndern haben die Schulschlie&szlig;ungen mit Distanzunterricht zu einem negativen Effekt auf Seiten der Lernenden gef&uuml;hrt. Der R&uuml;ckgang der Lernleistungen entspricht durchschnittlich und hochgerechnet auf ein Schuljahr etwa dem Verlust eines halben Schuljahres. Er ist damit gr&ouml;&szlig;er als die Dauer des Lockdowns selbst, weil sie die eingefangenen Lernr&uuml;ckst&auml;nde im Laufe des Schuljahres aufgrund fehlender p&auml;dagogischer Unterst&uuml;tzungsma&szlig;nahmen noch weiter verst&auml;rken.&ldquo;[<a href=\"#foot_28\" name=\"note_28\">&laquo;28<\/a>]\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Im Interesse unserer Kinder und Jugendlichen, deren Zukunft durch die Politik gerade verspielt wird, appellieren wir an alle, die guten Willens sind, die Sch&auml;den einer nicht durchdachten Politik nun endlich zu begrenzen und die Fehler zu korrigieren, die die Agenda der Corona-Eind&auml;mmungspolitik bis zum heutigen Tag bestimmen und immer st&auml;rker negativ pr&auml;gen:<\/p>\n<blockquote><p>\n&bdquo;Letztlich alleinig auf Basis massenhafter PCR-Testungen (und nicht der tats&auml;chlichen Virusgefahr) wurde erstmals &ndash; au&szlig;erhalb von Kriegszeiten &ndash; eine ganze Generation kollektiv traumatisiert. Sprichw&ouml;rtlich &uuml;ber Nacht haben vor allem (aber nicht nur) Politik und Schulbeh&ouml;rden Kinder zu &bdquo;kleinen Erwachsenen&ldquo;, zum Objekt von Angst, Mutma&szlig;ung und Irrtum gemacht.&ldquo;[<a href=\"#foot_29\" name=\"note_29\">&laquo;29<\/a>]\n<\/p><\/blockquote>\n<\/li>\n<li><b>Was seitdem geschah&hellip;<\/b>\n<p><b>Relevante Fakten, Entwicklungen und Erkenntnisse, die von der Politik weiter ignoriert werden<\/b><\/p>\n<p><b>2.1. Fortlaufende Situation im Homeschooling: Die Lebens- und Lernsituation unserer Kinder und Jugendlichen wird immer prek&auml;rer<\/b><\/p>\n<p>Es liegen inzwischen &ndash; Einblicke dazu wurden schon durch das vorangegangene Kapitel er&ouml;ffnet &ndash; einige, auch repr&auml;sentative Studien aus der Zeit des ersten Lockdowns 2020 vor, welche auf die verheerende Situation von Kindern und Jugendlichen und dabei sowohl auf die gro&szlig;en Lernverluste durch die Schulschlie&szlig;ungen, als auch die desolate psychische Situation von Sch&uuml;ler:innen hinweisen. Da ist zum einen die schon oben erw&auml;hnte von einem Team internationaler Bildungswissenschaftler der Universit&auml;t Oxford durchgef&uuml;hrte Studie in den Niederlanden[<a href=\"#foot_30\" name=\"note_30\">30<\/a>] zu nennen, die &ndash; obwohl die Niederlande, was den Fernunterricht angeht, Deutschland um Meilen voraus ist &ndash; einen kaum vorhandenen Lernfortschritt und verheerende soziale und &ouml;konomische Auswirkungen insbesondere f&uuml;r Kinder aus benachteiligten Verh&auml;ltnissen konstatiert, wobei davon auszugehen ist, dass demnach die Lage in Deutschland sogar noch schlechter ist, &bdquo;[d]enn die Studie zu den Niederlanden fand unter den idealen Bedingungen eines nur achtw&ouml;chigen Lockdowns im Fr&uuml;hjahr bei einem hohen Stand der Digitalisierung der Schulen statt. Letzterer sei in Deutschland bekanntlich nicht gegeben&ldquo;, so Bildungs&ouml;konom Ludger W&ouml;&szlig;mann vom Ifo-Institut in M&uuml;nchen[<a href=\"#foot_31\" name=\"note_31\">&laquo;31<\/a>]. Aber auch die vom Universit&auml;tskrankenhaus Hamburg-Eppendorf durchgef&uuml;hrte Copsy-Studie[<a href=\"#foot_32\" name=\"note_32\">&laquo;32<\/a>] stellt fest, dass bereits im ersten Lockdown Kinder und Jugendliche psychisch stark unter der Corona-Situation litten und aktuell sich vier von f&uuml;nf der Befragten Kinder und Jugendlichen belastet f&uuml;hlen. Das Gesundheitsverhalten von Kindern und Jugendlichen habe sich verschlechtert, die Ern&auml;hrung sei unges&uuml;nder &ndash; inzwischen geben neu ver&ouml;ffentlichte Statistiken an, dass Kinder 30 % mehr an S&uuml;&szlig;igkeiten konsumieren und 31% der Eltern sagen in Befragungen, dass ihre Kinder im Lockdown zugenommen h&auml;tten[<a href=\"#foot_33\" name=\"note_33\">&laquo;33<\/a>] sie trieben keinen Sport mehr, w&uuml;rden ihre Freunde nicht mehr treffen und es gebe mehr Streit in den Familien, eine Zunahme von Problemen in der Schule und der Anteil von Kindern und Jugendlichen mit einer geminderten Lebensqualit&auml;t sei von 30% vor der Pandemie auf 70%, im zweiten Befragungszeitraum Dezember 2020 bis Januar 2021 gestiegen. Dabei hat die Copsy-Studie bei einer weiteren Befragung mitten in der zweiten Welle ergeben, dass 45% der Befragten den zweiten Lockdown als noch belastender empfinden als den ersten Lockdown.[<a href=\"#foot_34\" name=\"note_34\">&laquo;34<\/a>]<\/p>\n<p><b>2.2. Unterprivilegierte Kinder und Jugendliche werden um ihre schulischen Chancen gebracht<\/b><\/p>\n<p>Aber auch diese Befragung liegt inzwischen mehrere Monate zur&uuml;ck und zurzeit wird &uuml;ber eine dritte Welle und in dem Zuge &uuml;ber abermalige bzw. erneut verl&auml;ngerte Schulschlie&szlig;ungen diskutiert. Da scheint es uns wichtig, auf die seitdem weiter versch&auml;rfte Situation der von uns befragten Jugendlichen noch einmal einzugehen &ndash; und zwar aus der Perspektive der sozialkognitiven Kompetenzf&ouml;rderung und den Folgen einer fortdauernden Nicht-F&ouml;rderung der kognitiven Potenziale eines bestimmten Sch&uuml;ler:innen-Segments. Wichtig in dem Zusammenhang ist, dass viele der befragten Sch&uuml;ler:innen von einer sogenannten KESS-1-Schule stammen. Hierbei handelt es sich also um eine Sch&uuml;lerschaft, an der sich der Ausspruch von UNICEF-Exekutivdirektorin Henrietta Fiore bewahrheitet, dass die &bdquo;am meisten benachteiligten Kinder [&hellip;] den h&ouml;chsten Preis&ldquo;[<a href=\"#foot_35\" name=\"note_35\">&laquo;35<\/a>] zahlen. Den Hamburger Sozialindex, der theoretisch auf der von Pierre Bourdieu begr&uuml;ndeten soziologischen Theorie des Kapitals basiert, gibt es seit 1996. Er versucht die durch verschiedene soziale und kulturelle Zusammensetzungen der Sch&uuml;lerinnen bedingten, unterschiedlichen Rahmenbedingungen Hamburger Schulen zu beschreiben und ordnet diese auf einer Skala von 1-6 an, wobei die 1 f&uuml;r sehr schwierige, die 6 f&uuml;r sehr beg&uuml;nstigte soziale Rahmenbedingungen steht.[<a href=\"#foot_36\" name=\"note_36\">&laquo;36<\/a>] Zur Berechnung werden sowohl Sch&uuml;ler:innen und deren Eltern schriftlich befragt, als auch regionale Strukturdaten herangezogen. So flie&szlig;en neben dem Anteil Arbeitsloser oder der Wahlbeteiligung in dem statistischen Gebiet auch das kulturelle Kapital, zum Beispiel mit der Anzahl der zu Hause zur Verf&uuml;gung stehenden B&uuml;cher, den erreichten Bildungsabschl&uuml;ssen der Eltern oder der Anzahl von Museumsbesuchen, das &ouml;konomische Kapital im Sinne des Einkommens, das soziale Kapital im Sinne der Freizeitgestaltung und der elterlichen Bildungsaspiration sowie Migrationshinweise in die Datenbasis ein.<\/p>\n<p>Die in unserer Untersuchung ber&uuml;cksichtigten Schulen sind Stadtteilschulen (auf denen man ebenfalls in neun statt an den Gymnasien mit acht Jahren bis zum Abitur gehen kann) und haben einen Sozialindex von 1 beziehungsweise 4. Zur Einsch&auml;tzung: Lediglich sieben weiterf&uuml;hrende Schulen (allesamt Stadtteilschulen) in Hamburg haben einen sog. Kess-Faktor 1, immerhin 12 Stadtteilschulen in Hamburg haben einen Kess-Faktor 4.[<a href=\"#foot_37\" name=\"note_37\">&laquo;37<\/a>] Nur 7 Stadtteilschulen weisen einen h&ouml;heren Kess-Faktor 5 auf (allesamt in den gut situierten Stadtteilen Blankenese, Waldd&ouml;rfer, Poppenb&uuml;ttel, Bergstedt, Niendorf oder die Reformschulen Max-Brauer und Winterhude). Die untersuchten Stadtteilschulen k&ouml;nnen also durchaus als repr&auml;sentativ f&uuml;r das untere, respektive das obere Segment der Stadtteilschulen im Sinne des Sozialindex gelten. Dabei f&auml;llt auf, dass sich insbesondere an der Stadtteilschule des unteren sozialen Segments die Situation weiter versch&auml;rft, je l&auml;nger die Schulschlie&szlig;ungen andauern.[<a href=\"#foot_38\" name=\"note_38\">&laquo;38<\/a>]<\/p>\n<p>Im Rahmen der KESS-Untersuchungen werden regelm&auml;&szlig;ig Kompetenztests in den Bereichen Deutsch, Englisch, Mathematik, Naturwissenschaften und Gesellschaftswissenschaften an den Schulen durchgef&uuml;hrt sowie Sch&uuml;lerfrageb&ouml;gen zu den fachbezogenen Einstellungen und Selbstkonzepten ausgewertet. Eine genaue Betrachtung der Ergebnisse zeigt, dass es gravierende Leistungsunterschiede im Stadtgebiet zwischen den Schulen, aber auch innerhalb der Schulen, gibt. Dabei gibt eine Differenz von 15 Punkten den Lernr&uuml;ckstand von ungef&auml;hr einem Schuljahr an. F&uuml;r sozial benachteiligte Sch&uuml;ler:innen legen KESS-Auswertungen eine Interpretation nahe, vor deren Hintergrund die Ergebnisse unserer Untersuchung[<a href=\"#foot_39\" name=\"note_39\">&laquo;39<\/a>] umso alarmierender erscheinen m&uuml;ssen. So weisen die Sch&uuml;ler:innen an KESS-1-Schulen im Klassendurchschnitt in Orthographie und im Leseverstehen einen Lernr&uuml;ckstand von einem Jahr im Unterschied zum Durchschnitt aller Stadtteilschulen in Hamburg auf. In den Naturwissenschaften ist der Lernr&uuml;ckstand noch eklatanter, hier werden mit 30 Punkten sogar zwei ganze Lernjahre R&uuml;ckstand ausgewiesen. Ein R&uuml;ckstand, f&uuml;r den selbst an der Stadtteilschule nur wenige Monate Zeit bleiben, um ihn aufzuholen. Und der bei nunmehr 25 von 38 nicht regul&auml;r erteilten Schulwochen im Laufe des letzten Jahres Folgen haben wird. In Deutsch weisen weit &uuml;ber die H&auml;lfte der Sch&uuml;ler:innen nur Leistungen der unteren beiden Leistungsgruppen aus. In den Naturwissenschaften sind es sogar drei Viertel der Sch&uuml;ler*innen, die nur die unteren beiden Leistungsgruppen erreichen. <\/p>\n<p>Und das, obwohl ann&auml;hernd der H&auml;lfte der Sch&uuml;lerinnen durch die Lernstandsuntersuchungen ein &uuml;berdurchschnittliches oder sehr hohes kognitives Potenzial bescheinigt wird! Es handelt sich also um Sch&uuml;ler:innen, die unter den Bedingungen einer angemessenen F&ouml;rderung eher &uuml;berdurchschnittliche Ergebnisse erreichen sollten. Genau diese F&ouml;rderungen entfallen nun schon 25 Wochen komplett f&uuml;r sie. Wenn wir einzelne Sch&uuml;ler:innen genauer unter die Lupe nehmen, lassen sich Lernr&uuml;ckst&auml;nde von bis zu vier Schuljahren feststellen, was 85 von durchschnittlich 146 Leistungspunkten bedeutet. Und das bei einem in der gleichen Untersuchung bescheinigten &uuml;berdurchschnittlichen kognitiven Potenzial. Es ist augenscheinlich, dass es Sch&uuml;ler:innen mit einem solchen Leistungsr&uuml;ckstand nicht m&ouml;glich ist, sich &bdquo;Dinge selbst beizubringen&ldquo;. Von den knapp drei Jahren, die ihnen bleiben, um sich auf das Abitur vorzubereiten, ihnen noch mehr als ein halbes Jahr zu rauben und ihnen dazu noch fast alle R&auml;ume pers&ouml;nlicher Entfaltungsm&ouml;glichkeiten zu schlie&szlig;en, grenzt schon an K&ouml;rperverletzung.<\/p>\n<p><b>2.3. Nehmen wir die Traumatisierung einer ganzen Generation hin? Kurze Ph&auml;nomenologie der Folgen des Kinder- und Jugend-Lockdowns <\/b><\/p>\n<p>Und diese einschneidenden Verletzungen, die diese besonders vulnerable Gruppe erleidet, ist durchaus auch aus Lehrer:innensicht zu bemerken, denn mit der zunehmenden L&auml;nge der Schulschlie&szlig;ungen versickern auch die Reaktionen auf E-Mails, Nachrichten oder andere Kontaktaufnahmeversuche, die unter diesen Umst&auml;nden pandemiekonform noch m&ouml;glich sind. Von knapp der H&auml;lfte der Sch&uuml;ler:innen der Lerngruppe, die bei den Videokonferenzen oft nicht mehr anwesend ist, hat sich ein Teil immerhin noch abgemeldet oder entschuldigt (&uuml;brigens immer h&auml;ufiger direkt aus psychischen Gr&uuml;nden), aber den anderen Teil versucht man dann &uuml;ber Messenger oder andere Wege zu erreichen, um am Nachmittag gegen 16:00 Uhr die Reaktion zu erhalten, man habe leider verschlafen. Daf&uuml;r kommen von anderen Sch&uuml;ler:innen die Arbeitsergebnisse meist in der Zeit zwischen 23:00 Uhr und 4:00 Uhr nachts auf dem E-Mail-Account an, die Zeugnis einer um sich greifenden Schlaflosigkeit ablegen und die bereits in der Studie krass zum Vorschein kommende Virulenz an Entgrenzungsproblemen und Dissoziationserfahrungen best&auml;tigt, die komplement&auml;r zum Verlust jedes psychischen Halts gedeutet werden m&uuml;ssen. <\/p>\n<p>Dass dies mitnichten als ein Einzelschicksal anzusehen ist bzw. eine singul&auml;re Erscheinung ist, zeigen uns die zugesandten Reaktionen anderer Kolleg:innen, in denen es beispielsweise hei&szlig;t:<\/p>\n<blockquote><p>\n&bdquo;Mein Fernunterricht betraf Lerngruppen der Klassen 8, 10, 12 und 13. Insgesamt habe ich den Eindruck, dass dieser Unterricht nur sehr eingeschr&auml;nkt erfolgreich war. Zum einen hatte in allen Altersgruppen mehr als ein Viertel (!) der Sch&uuml;ler*innen wiederholt Probleme mit der Technik, zum anderen gestanden viele Sch&uuml;ler*innen (etwa ein Drittel) offen ein, dass sie einfach Hemmungen h&auml;tten, sich online zu &auml;u&szlig;ern. Auff&auml;llig war, dass vor allem leistungsschwache Sch&uuml;ler*innen Probleme mit dem Fernunterricht hatten, denn sie lieferten deutlich weniger m&uuml;ndliche und schriftliche Beitr&auml;ge ab als im analogen Unterricht. Was die Lage verkompliziert ist die Tatsache, dass diese Sch&uuml;ler*innen nicht nur in ihrer Entwicklung stagnieren, bei vielen ist sogar ein eindeutiger Regress zu beobachten. Diese Sch&uuml;ler*innen konnten bei Nachfragen oft auch einfache Fragen nicht mehr beantworten und waren deswegen selbst ungl&uuml;cklich und frustriert. F&uuml;r mich als Lehrer war es fast schmerzhaft zu erfahren, dass komplexe Lernsituationen, die ich mit mimischen und gestischen Mitteln problemlos im Pr&auml;senzunterricht vereinfachen kann, im Onlineunterricht zu un&uuml;berwindlichen H&uuml;rden wurden, da wir aufgrund der meist wackeligen Verbindungen die Kameras ausschalten mussten. Die schw&auml;cheren Sch&uuml;ler*innen verstanden das zu l&ouml;sende Problem nicht und schwiegen dann ins Mikrofon.<\/p>\n<p>Dieses Ergebnis nach einem Jahr &sbquo;Herumlockdownens&rsquo; d&uuml;rfte aber eigentlich niemanden &uuml;berraschen, denn Forschungen in den USA haben schon vor Jahren gezeigt, dass besonders nach den langen Sommerferien, in denen sozial schwache Sch&uuml;ler*innen kaum bildungsrelevante Stimuli zuhause erhalten, ein dramatischer Leistungsabfall bei diesen zu beobachten ist. Mit anderen Worten, lange schulfreie Zeiten gef&auml;hrden f&uuml;r sozial benachteiligte Sch&uuml;ler*innen den Bildungserfolg. Ob diese L&uuml;cke durch die &uuml;bliche beh&ouml;rdliche Flickschusterei (z.B. punktuelle Nachhilfe- und F&ouml;rderkurse durch wenig qualifiziertes Personal) wieder geschlossen werden kann, darf bezweifelt werden.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Und auch von Elternseite wird die Misere ja zweifelsohne erkannt &ndash; und durchlitten:<\/p>\n<blockquote><p>\n&bdquo;In den Medien wird es oft so dargestellt, als sei die digitale Schule die Rettung der Bildung in Zeiten von Corona &ndash; das stimmt leider nur in sehr eingeschr&auml;nktem Ma&szlig;e. Die Entfremdung, die Bildschirm-Arbeit, die Isolation und auch die Art der Aufgabenerteilung (Lehrer*innen k&ouml;nnen nicht absch&auml;tzen, was allein erarbeitbar ist, wenn Aufgaben anstelle von Unterricht erteilt werden und es keinen Abstimmungsprozess &uuml;ber alle F&auml;cher gibt) f&uuml;hrt zusammen mit dem fehlenden pers&ouml;nlichen Austausch f&uuml;r viele Sch&uuml;ler*innen in die &Uuml;berarbeitung und &Uuml;berforderung.<\/p>\n<p>Meine Kinder sind inzwischen so ungef&auml;hr bei einer 50 Stunden Woche angekommen. Es wird oft bis nachts gearbeitet, Erholung muss irgendwie in kurzen Phasen eingeplant werden, wenn sie &uuml;berhaupt in dem zu schaffenden Pensum irgendwo hineinpasst. Wohlgemerkt &ndash; Wochenenden inklusive! Hinzu kommt ein Bombardement von jederzeit aufploppenden Nachrichten zu Hausaufgaben, Zoom-Konferenzen etc. Da w&uuml;rden auch einige Erwachsene in die Knie gehen. Es scheint mir wie eine vorgezogene berufliche Management-T&auml;tigkeit, bei der man in manchen Firmen ja auch sein Menschsein an der Pforte abgeben muss.&ldquo;[<a href=\"#foot_40\" name=\"note_40\">40<\/a>]\n<\/p><\/blockquote>\n<p>W&auml;hrend bei den Sch&uuml;ler:innen beh&uuml;teter, materiell gut und mit gr&ouml;&szlig;erer Wohnfl&auml;che ausgestatteter Elternh&auml;user sich das Problem eher in terms von gesteigertem Leistungsdruck und zus&auml;tzlicher enormer Beanspruchung stellt, die sich auf Kinder und Eltern nahezu gleicherma&szlig;en verteilt und die Homeschooling-Anforderungen das ganze eingespielte lebenspraktische Ensemble auf die permanente &bdquo;&Uuml;berholspur&ldquo; eines deutlich noch erh&ouml;hten Leistungs- und Belastungsdrucks zwingen, schaffen es Sch&uuml;ler:innen aus weniger privilegierten Familien nicht mehr, am angebotenen Fernunterricht teilzunehmen, weil sie &ndash; ohne oder mit zu wenig Unterst&uuml;tzung &ndash; vor den Anforderungen kapituliert haben.<\/p>\n<p>Sie kommen aber auch nicht unbedingt, beziehungsweise nur sehr sporadisch, mit Hilferufen aus sich heraus, in denen es hei&szlig;t, dass sie zurzeit nicht weiter w&uuml;ssten, sich alles eint&ouml;nig anf&uuml;hle und unendlich lang (<i>Dissoziation der Zeiterfahrung<\/i>), dass sie seit drei Monaten dasselbe Gef&uuml;hl h&auml;tten (<i>Monotonie<\/i>) und es allen in ihrem Umfeld gleich gehe, dass es sie traurig mache zu sehen, was aus ihrem Leben geworden sei (<i>Depression<\/i>) und so weiter. Diejenigen, die es schaffen, sich ordnungsgem&auml;&szlig; vom Fernunterricht abzumelden, weil sie von einer psychischen Krise in die andere taumeln, geh&ouml;ren fast schon zu den <i>lucky few<\/i>. Andere sind kaum noch erreichbar, weder durch den schulischen Beratungsdienst, noch durch die Schule selbst. Nat&uuml;rlich gibt es auch wenige, die mit der Situation weiterhin oder inzwischen gut zurechtkommen und die sich arrangiert haben. Aber insgesamt ist die Lage f&uuml;r mindestens die H&auml;lfte der Sch&uuml;ler:innen zunehmend desolat und eine Entspannung nicht in Sicht. Insbesondere die fehlende Aussicht auf eine wie auch immer geartete Besserung der Situation ist es, die den meisten zu schaffen macht. <\/p>\n<p>Wobei zu den (vergleichsweise wenigen) Sch&uuml;ler:innen, die das Homeschooling nicht als eine nicht enden wollende Malaise durchleiden, sondern teilweise sogar als eine Befreiung, jedenfalls pers&ouml;nlich als Erleichterung wahrnehmen, zu sagen ist, dass dies insbesondere Sch&uuml;ler:innen sind, die bisher schon schulvermeidende Verhaltensweisen gezeigt und so vielleicht im Homeschooling eine Zufluchtsm&ouml;glichkeit f&uuml;r ihre von Schul&auml;ngsten maltr&auml;tierte Seele gefunden zu haben scheinen, mit dem Lernen alleine und zu Hause gut klarkommen und gegebenenfalls ihre Leistungen sogar verbessern k&ouml;nnen. Diese werden aber nun in Zukunft bei den unweigerlich kommenden Wieder-&Ouml;ffnungen von Schulen mit ihren umso st&auml;rker dann erneut aufflackernden &Auml;ngsten und Problemen ganz besonders stark zu k&auml;mpfen haben. Schulverweigerung bei introvertierten und unter &Auml;ngsten und Angstst&ouml;rungen leidenden Sch&uuml;ler:innen wird ein riesengro&szlig;es Thema werden, was die Schulpsycholog:innen und Therapeut:innen noch st&auml;rker, als das jetzt schon der Fall ist, besch&auml;ftigen wird. Die langen Schulschlie&szlig;ungen und ein entsprechend immer sp&auml;ter eintretendes Zur&uuml;ckkehren-M&uuml;ssen in die Schule kann f&uuml;r diese Sch&uuml;ler:innen weitaus schlimmere Folgen haben, als w&auml;ren sie durchgehend in den Schulen geblieben, darauf weisen ebenfalls erste Untersuchungen hin[<a href=\"#foot_41\" name=\"note_41\">&laquo;41<\/a>].<\/p>\n<p><b>2.4. Anhaltende Irritationen und unsere Initiative als ein Antwortversuch<\/b><\/p>\n<p>Die Ergebnisse unserer Studie, die wir in dem Text &bdquo;E-Learning &ndash; Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie&hellip;?&ldquo; ausgewertet und vorgestellt haben, sind zwar nur nicht-repr&auml;sentative Ergebnisse einer zahlenm&auml;&szlig;ig kleinen Stichprobe. Sie f&uuml;gen sich aber bruchlos in das inzwischen durch &bdquo;professionelle&ldquo; wissenschaftliche Studien entstandene Gesamtbild ein. Ihre negativen Befunde waren f&uuml;r uns daher nicht dazu angetan, nach der Ver&ouml;ffentlichung wieder zur Tagesordnung &uuml;berzugehen. Schlie&szlig;lich handelt es sich bei den Betroffenen um unsere Sch&uuml;ler:innen. Und je l&auml;nger der Sch&uuml;ler-Lockdown dauert, desto st&auml;rker fragen wir uns: Wo bleibt der Aufschrei unserer Kolleg:innen? Wo bleibt die Initiative der Lehrer-Gewerkschaften? <\/p>\n<p>M&uuml;ssen wir inzwischen wirklich glauben, dass das, was uns ein alter GEW&rsquo;ler auf unsere Kritik hin geschrieben, eine gestaltf&ouml;rmig richtige Interpretation der vorherrschend anzutreffenden Einstellung bei den Lehrer:innen ist? <\/p>\n<blockquote><p>\n&bdquo;Ich glaube, dass viele Lehrkr&auml;fte meiner Beobachtung nach ganz gerne im Distanzunterricht agieren, so wird mir das wenigstens von vielen GEW-Mitgliedern best&auml;tigt. Da sind sie auf Distanz, haben keine Disziplinst&ouml;rungen, m&uuml;ssen im Unterricht nicht individuell auf die Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;ler eingehen und differenzieren. Digitalisierung ja, wenn man sich schnell und leicht einarbeiten kann und dadurch weniger zu tun hat&hellip;&ldquo;\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Wir scheuen jedoch davor zur&uuml;ck, uns diese Lesart zu eigen zu machen, denn das w&uuml;rde bedeuten, die Vorstellung zulassen zu m&uuml;ssen, dass zahlreiche Lehrer:innen eventuell bereit w&auml;ren, die Entfremdung dieser Lernsituation hinzunehmen, insoweit sie ihrer eigenen Bequemlichkeit zugute kommt.<\/p>\n<p>Relativ schnell nach den Ver&ouml;ffentlichungen regte sich in uns der Impuls weiterzumachen. Wir kamen &uuml;berein, E-Mails an die Medien und die Parteien zu schreiben, um auf die Notwendigkeit eines raschen Handelns aufmerksam zu machen. Au&szlig;erdem haben wir versucht, Kontakt zu den Lehrer-Gewerkschaften DLV und GEW aufzunehmen.<\/p>\n<p>An die schul- bzw. bildungspolitischen Sprecher der B&uuml;rgerschaftsfraktionen von SPD, Gr&uuml;ne, CDU und Linke richteten wir einen Appell, die Belange der Kinder und Jugendlichen bei der Diskussion um die Corona-Ma&szlig;nahmen endlich in den Fokus der politischen Entscheidungen zu stellen. <\/p>\n<p>Au&szlig;erdem schlugen wir gezielte Schritte daf&uuml;r vor:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Schulpolitiker:innen im Rathaus sollen sich daf&uuml;r einsetzen, dass die Schulbeh&ouml;rde die psychosozialen Folgen des Schul-Lockdowns untersuchen l&auml;sst und einen Ad-hoc-Plan zur Unterst&uuml;tzung derjenigen Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;ler vorlegt, die vom Distanzunterricht fast oder ganz &bdquo;abgeh&auml;ngt&ldquo; worden sind.<\/li>\n<li>&Ouml;ffentliche Anh&ouml;rung zu diesem Thema im Schulausschuss mit Betroffenen und Experten.<\/li>\n<li>Aussetzung der Leistungsnachweise, Benotungen und Abschlusspr&uuml;fungen, bis ein halbwegs regul&auml;rer Pr&auml;senzunterricht f&uuml;r alle Jahrg&auml;nge wieder stattfindet.<\/li>\n<li>Revision der Verordnungen zum Distanzunterricht, damit in der besonderen, oftmals prek&auml;ren psychosozialen Lage, in der sich die Sch&uuml;ler:innen durch den anhaltenden Lockdown befinden, wirklich daf&uuml;r gesorgt wird, dass die psychosozialen Belastungen nicht noch weiter steigen, sondern im Interesse des Kindeswohls verringert werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Von den Medien der Hansestadt reagierte nur die &bdquo;Hamburger Morgenpost&ldquo; schnell und ver&ouml;ffentlichte binnen weniger Tage einen sehr informativen Bericht &uuml;ber unsere Studie[<a href=\"#foot_42\" name=\"note_42\">&laquo;42<\/a>]. Immerhin sagte uns auch die Hamburger Lehrerzeitung (hlz), das Mitglieder-Magazin der GEW in der Hansestadt, eine Ver&ouml;ffentlichung in ihrer n&auml;chsten Ausgabe zu.<\/p>\n<p>Versp&auml;tet realisierten wir, dass wir an eine Gruppe zun&auml;chst gar nicht gedacht hatten, n&auml;mlich ausgerechnet an die, um die es geht: die Kinder und Jugendlichen. Dies konnte kein Zufall sein, sondern spiegelt ein zentrales Problem in der ganzen Wahrnehmungsmatrix des Schul-Lockdowns wider. Die besonders von den Ma&szlig;nahmen betroffenen Gruppen finden am wenigsten Geh&ouml;r in der &ouml;ffentlichen Debatte. Daraufhin schrieben wir eine E-Mail an die Sch&uuml;ler:innen-Kammer, auf die aber leider bisher nicht geantwortet wurde.[<a href=\"#foot_43\" name=\"note_43\">&laquo;43<\/a>]<\/p>\n<p><b>2.5. Das (Wieder-) Verstummen unserer Kinder und das &bdquo;Stillhalten&ldquo; der Medien<\/b><\/p>\n<p>Erst im M&auml;rz dieses Jahres gelang es einer spontanen Aktion Berliner Obersch&uuml;ler, die auf einem Padlet (digitale Pinnwand) Eintragungen zu ihrer Stimmungslage nach Monaten des Schul-Lockdowns machten[<a href=\"#foot_44\" name=\"note_44\">&laquo;44<\/a>], damit etwas &uuml;berregionale Aufmerksamkeit zu erzeugen. Erst danach, so hie&szlig; es, h&auml;tte sich &bdquo;eine Schulpsychologin um die Jugendlichen gek&uuml;mmert.&ldquo; <\/p>\n<p>Leider sind die Medien an diesem Thema nicht drangeblieben. Die wenigen Artikel, die z.B. im &bdquo;Hamburger Abendblatt&ldquo; dazu erschienen sind, berichten alle nur <i><b>&uuml;ber <\/b><\/i>die Kinder und Jugendlichen und lassen vor allem Politiker und &bdquo;Bildungsexperten&ldquo;, im besten Fall noch &bdquo;Kindersch&uuml;tzer&ldquo; zu Wort kommen. Nicht aber die Kinder und Jugendlichen selbst, sie bleiben auffallend stumm, obwohl die Kinderrechtskonvention ihre Anh&ouml;rung in solchen F&auml;llen verbindlich vorschreibt, und zwar schon bevor Ma&szlig;nahmen in Kraft treten. <\/p>\n<p>Deshalb m&ouml;chten wir hier wenigstens, stellvertretend f&uuml;r viele weitere unter die Haut gehende Originalzeugnisse, drei Dokumente der Verzweiflung aus der Padlet-Sammlung[<a href=\"#foot_45\" name=\"note_45\">&laquo;45<\/a>] wiedergeben:<\/p>\n<ul>\n<li><i>&bdquo;Ich habe t&auml;glich Kopfschmerzen und panik-attacken. Bitte das muss schnell aufh&ouml;ren.<\/i><\/li>\n<li>&bdquo;<i>Ich werde nicht m&uuml;de. Ich kann nicht schlafen. Ich habe keine Energie. Ich will neben meinen Mitsch&uuml;ler*innen sitze und mit den Lehrer*innen face to face kommunizieren. Bitte.&ldquo;<\/i><\/li>\n<li>&bdquo;<i>KEIN Lehrer war gn&auml;dig mit irgendeiner Note, oder hat aufgerundet. Es wurde absolut nichts ber&uuml;cksichtigt.&ldquo;<\/i><\/li>\n<\/ul>\n<p><b>2.6. Zur Reaktion der Politik<\/b><\/p>\n<p>Was die Reaktionen der angeschriebenen Fraktionen in der Hamburger B&uuml;rgerschaft anbelangt, reicht f&uuml;r die Regierungsparteien SPD und B&uuml;ndnis 90 \/ Die Gr&uuml;nen ein knapper Absatz.<\/p>\n<p>Die SPD reagierte gar nicht.[<a href=\"#foot_46\" name=\"note_46\">&laquo;46<\/a>] Die Gr&uuml;nen schickten uns eine Mail der pers&ouml;nlichen Referentin der schulpolitischen Sprecherin, die im Wesentlichen nur ein Eigenlob &uuml;ber ihre Politik enthielt und ansonsten dem von den Gr&uuml;nen gerne propagierten Gedanken der B&uuml;rgerpartizipation Hohn sprach (Tenor: Danke f&uuml;r ihre ungefragte Beteiligung &ndash; &bdquo;nehmen wir mit&ldquo;).[<a href=\"#foot_47\" name=\"note_47\">&laquo;47<\/a>]<\/p>\n<p>Bei den Oppositionsparteien CDU und Linke fanden wir dagegen Geh&ouml;r. Die CDU k&uuml;ndigte uns in einer E-Mail der schulpolitischen Sprecherin Birgit St&ouml;ver an, sich f&uuml;r eine &ouml;ffentliche Anh&ouml;rung zu der Lage der Sch&uuml;ler:innen im Lockdown einzusetzen. <\/p>\n<p>Die Fraktionsvorsitzende der Linkspartei, Sabine Boeddinghaus, lud uns ein, im Landesarbeitskreis f&uuml;r Schul- und Bildungspolitik ihrer Partei unsere Studie und Positionen vorzustellen und mit den LAG-Mitgliedern zu diskutieren. Die Veranstaltung steht noch aus.<\/p>\n<p><b>2.7. Die Reaktion der Gewerkschaften<\/b><\/p>\n<p>Eine Einladung zu einer Online-Konferenz mit GEW-Vorstandsmitgliedern erhielten wir auch. GEW-Vorsitzende Anja Bensinger-Stolze antwortete prompt. Umso unverst&auml;ndlicher, dass wir trotz Nachfrage unsererseits danach nichts wieder von der GEW geh&ouml;rt haben. Vom Deutschen Lehrer-Verband erhielten wir bis dato keine Antwort.<\/p>\n<p>Bedauerlicherweise ist es uns daher nur m&ouml;glich, in diesem Text unser Befremden &uuml;ber die Positionierung der GEW zum Ausdruck zu bringen. Wir h&auml;tten das lieber pers&ouml;nlich gemacht, aber das Schweigen der GEW l&auml;sst uns hier leider keine andere Wahl. Im November schrieb der Hamburger GEW-Vorstand in der &bdquo;hlz&ldquo; &ndash; Zeitschrift der GEW Hamburg &ndash; noch:<\/p>\n<blockquote><p>\n&bdquo;Wir ermahnen den Senat, die B&uuml;rgerschaft im Kampf gegen die Corona-Pandemie st&auml;rker zu beteiligen, um die Akzeptanz der einschneidenden Ma&szlig;nahmen bei der Bev&ouml;lkerung auf eine breitere Legitimationsgrundlage zu stellen (&hellip;) Die aktuelle Entwicklung ist f&uuml;r die Demokratie, den Zusammenhalt der Gesellschaft und den allgemeinen Gesundheitsschutz problematisch.&ldquo;[<a href=\"#foot_48\" name=\"note_48\">&laquo;48<\/a>]\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Aktuell &ndash; in den Presse-Erkl&auml;rungen zur &Auml;nderung des Infektionsschutzgesetzes &sect; 28 &ndash; liest man von solchen Bedenken nichts mehr. Im Gegenteil: Obwohl der Inzidenzwert nicht dazu geeignet ist (als alleiniger Wert schon gar nicht!) wissenschaftlich verl&auml;ssliche Aussagen &uuml;ber das bestehende Infektionsrisiko zu machen[<a href=\"#foot_49\" name=\"note_49\">&laquo;49<\/a>], bef&uuml;rwortet die GEW die Steuerung der politischen Corona-Ma&szlig;nahmen und die neu geplanten, verfassungsrechtlich hoch problematischen[<a href=\"#foot_50\" name=\"note_50\">50<\/a>] &Auml;nderungen des Infektionsschutzgesetzes von diesem falschen, beliebig manipulierbaren Messwert weiterhin abh&auml;ngig zu machen. Mehr noch: W&uuml;rde es jetzt nach der GEW gehen, w&uuml;rde der (willk&uuml;rlich gesetzte) Inzidenzwert f&uuml;r Schulschlie&szlig;ungen noch weiter als in der Regierungsvorlage von 165 auf 100 versch&auml;rft werden &ndash; ein skandal&ouml;ser Vorgang, der unseres Erachtens zeigt, wie stark die Diskussion des Gesundheitsschutzes in immer irrationalere Fahrwasser ger&auml;t.[<a href=\"#foot_51\" name=\"note_51\">&laquo;51<\/a>] Besonders besch&auml;mend finden wir, dass der GEW in diesen Presse-Mitteilungen die Rechte von Millionen Sch&uuml;ler:innen keine Zeile wert sind.[<a href=\"#foot_52\" name=\"note_52\">&laquo;52<\/a>]<\/p><\/li>\n<li><b>3. Unsere Vorschl&auml;ge<\/b>\n<p>Recht bald nach der Ver&ouml;ffentlichung unserer Studie wurden wir gefragt, was <i>wir <\/i>denn f&uuml;r Alternativen aufzeigen k&ouml;nnten?! Und obwohl es m&ouml;glich sein muss, Kritik an den bestehenden Verh&auml;ltnissen zu &uuml;ben, ohne gleich in Zugzwang zu geraten, einen konstruktiven Gegenvorschlag zu machen, wollen wir hier gerne den ein oder anderen Vorschlag vorlegen, wie die derzeitige Misere beseitigt werden k&ouml;nnte.<\/p>\n<p><b>3.1. Politische Vorschl&auml;ge:<\/b><\/p>\n<p>Da sind zum einen die politischen Vorschl&auml;ge, die wir auch schon in den oben erw&auml;hnten Schreiben an die politischen Verantwortungstr&auml;ger unterbreitet haben, wie beispielsweise eine <b>&ouml;ffentliche Anh&ouml;rung im Schulausschuss<\/b>, bei der sich interessierte B&uuml;rger:innen und insbesondere Sch&uuml;ler:innen zu Wort melden k&ouml;nnen und Schulbeh&ouml;rde und Senat Rede und Antwort stehen m&uuml;ssen.<\/p>\n<p>Entscheidender jedoch scheint uns die Aktivierung und Einbeziehung von Interessenvertretungen von Jugendlichen und damit eben auch Sch&uuml;ler:innen wie dem Deutschen Bundesjugendring, der Landessch&uuml;lervertretungen, auch der Jugendorganisationen der Parteien (wo sind diese eigentlich als Kinder- und Jugendvertreter?) mit dem Ziel zu sein, einen <b>Kinder- und Jugendgipfel<\/b> durchzuf&uuml;hren, bei dem die eklatanten Verst&ouml;&szlig;e gegen die Rechte von Kindern und Jugendlichen durch die in der Pandemie ergriffenen Ma&szlig;nahmen thematisiert und aufgearbeitet werden k&ouml;nnen <i><b>und mit den Jugendlichen um Perspektiven gerungen wird.<\/b><\/i><\/p>\n<p>Dar&uuml;ber hinaus muss unbedingt die <b>Expertise der Kinder&auml;rzte und der Kinder- und Jugendpsychiater und -therapeuten<\/b> nachgefragt werden. Es ist haarstr&auml;ubend, dass ganz offensichtlich nur noch Virologen &uuml;ber Ma&szlig;nahmen zur Infektionsprophylaxe entscheiden. Kinder&auml;rzte und Kinder- und Jugendpsychiater k&ouml;nnen besser sagen, was n&ouml;tig ist, um die vulnerable Gruppe der Kinder und Jugendlichen endlich <b>besser<\/b> und <b>umfassender<\/b> zu sch&uuml;tzen.<\/p>\n<p>Wichtig ist auch, das starre Korsett der (Zwangs-)Vorstellung abzulegen, dass alles ganz &bdquo;normal&ldquo; weiterl&auml;uft. Es kann nur als Zeichen geistiger Erstarrung oder hochgradiger Verdr&auml;ngung gedeutet werden[<a href=\"#foot_53\" name=\"note_53\">&laquo;53<\/a>], so zu tun, als g&auml;be es keine besondere Situation, die besondere Ma&szlig;nahmen und ein <b>kreatives, phantasiebegabtes Herangehen an die Lage<\/b> <b>erforderlich <\/b>macht. Dazu geh&ouml;rt auch viel mehr Freiwilligkeit, Flexibilit&auml;t, auch ein gewisses Improvisationstalent im Umgang mit der Krise &ndash; und der Mut dazu! Gefragt sind wahrhaft <b>kreative Wege aus der Krise<\/b> (und nicht die Verschiebung der Abiturpr&uuml;fung um eine Woche und die Verl&auml;ngerung der Bearbeitungszeit im mittleren Schulabschluss um 30 Minuten)! <\/p>\n<p>Da durch die Ma&szlig;nahmen zur Eind&auml;mmung der Pandemie die Rechte von Kindern und Jugendlichen massiv verletzt werden, w&auml;hrend gleichzeitig &uuml;ber die Aufnahme der Kinderrechte ins Grundgesetz diskutiert wird &ndash; was man auch scheinheilig nennen k&ouml;nnte &ndash; ist endlich eine <b>zentrale Beschwerdestelle (die die UN-Kinderrechtskonvention vorsieht) f&uuml;r Kinder und Jugendliche<\/b> zu schaffen, bei der diese sich unkompliziert und niedrigschwellig &uuml;ber Missachtungen und Verletzungen ihrer Rechte beschweren k&ouml;nnen.<\/p>\n<p>Zus&auml;tzlich sind <b>Analysen und Aufarbeitungen<\/b> der gesundheitlichen (Sp&auml;t-)Folgen der Corona-Ma&szlig;nahmen bei Kindern (physisch und psychisch) n&ouml;tig sowie die Gr&uuml;ndung eines deutschlandweiten Entsch&auml;digungsfonds speziell f&uuml;r Minderj&auml;hrige f&uuml;r besonders schwer von den Ma&szlig;nahmen Betroffenen.[<a href=\"#foot_54\" name=\"note_54\">&laquo;54<\/a>] Auch die Einrichtung bzw. der Ausbau von <b>F&ouml;rderprogrammen<\/b> f&uuml;r besonders benachteiligte Sch&uuml;ler:innen geh&ouml;rt dazu.<\/p>\n<p><b>3.2. Praktische Vorschl&auml;ge zur &Uuml;berwindung des gesundheitsgef&auml;hrdenden und ineffektiven Homeschoolings<\/b><\/p>\n<blockquote><p>\n&bdquo;Um pandemiebedingte Lernr&uuml;ckst&auml;nde auszugleichen (&hellip;) m&uuml;ssen wir Realr&auml;ume schaffen f&uuml;r ein Miteinander, nach vielen Monaten der Isolation an Display und Touchscreen. Der Mensch ist ein soziales Wesen und kann sich nur in Gemeinschaft sozialisieren. Daher m&uuml;ssen wir Schulen viel st&auml;rker als einen sozialen Lebensraum des Miteinanders und gemeinsamen Lernens gestalten, statt Kinder und Jugendliche immer fr&uuml;her an Rechnern zu vereinzeln.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"http.\/\/www.futur-iii\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2021\/03\/neue_normalitaet_lang.pdf\">Ralf Lankau, Was sich aus Unterricht im Coronamodus lernen l&auml;sst<\/a>.<\/p>\n<p>Grunds&auml;tzlich sprechen wir uns f&uuml;r eine <b>umgehende und<\/b> (evidenzbasiert) <b>&uuml;berf&auml;llige R&uuml;ckkehr aller Sch&uuml;ler:innen zum Pr&auml;senzunterricht aus<\/b>.[<a href=\"#foot_55\" name=\"note_55\">&laquo;55<\/a>]<\/p>\n<p>Bei etwaigen F&auml;llen von vor Ort anzutreffenden erh&ouml;hten Infektionsrisiken (auch in den Schulen) halten wir Hybridunterrichtskonzepte ebenfalls f&uuml;r denk- bzw. vertretbar, solange aktivierende, kinder- und jugendgerechte didaktische und p&auml;dagogische Aspekte in den Mittelpunkt ihrer Ausgestaltung gestellt werden.[<a href=\"#foot_56\" name=\"note_56\">&laquo;56<\/a>]<\/p>\n<p>Tats&auml;chlich lie&szlig;e sich die derzeitig missliche Situation des monotonen, seelenlosen und bei vielen Sch&uuml;ler:innen Depressionen und andere psychische St&ouml;rungen hervorrufenden digitalen Distanzunterrichts durch einige ganz praktische Vorschl&auml;ge in ihren schlimmsten Auswirkungen sofort &ndash; wenn nicht l&auml;nger zugewartet wird &ndash; abschw&auml;chen.<\/p>\n<p>Wir haben eine Reihe von Vorschl&auml;gen erarbeitet (was schnell ging und uns leicht fiel, weil sie p&auml;dagogisch auf der Hand liegen!), die den Geist des vorangestellten Mottos aus Ralf Lankaus Aufsatz &uuml;ber die Konsequenzen der durch die Corona-Krise (als ihr Realit&auml;tstest oder &bdquo;Ernstfall&ldquo;) entzauberten digitaltechnischen Euphorie atmen. <i><b>Auch hier scheint uns einmal mehr aktuell die Technik den Blick auf die mannigfaltige Wirklichkeit mit ihren Chancen und Potenzialen zu verstellen. <\/b><\/i><\/p>\n<p>So k&ouml;nnte man <b>Studierende<\/b>, da viele durch die Corona-Ma&szlig;nahmen ihre Nebenjobs verloren haben, <b>mit kleinen Gruppen von 4-6 Jugendlichen zusammenbringen<\/b> (&uuml;ber einen Etat an jede Schule &ndash; z.B. f&uuml;r Honorarkr&auml;fte), die sich mit ihren Ideen, was sie mit den Kindern und Jugendlichen gerne tun wollen\/k&ouml;nnen, an die Schulen wenden. Diese stimmen ihre Angebote mit den Lehrer:innen ab, welche ihrerseits interessierte Sch&uuml;ler:innen vermitteln. Das k&ouml;nnten Angebote f&uuml;r Erkundungen in der Natur oder Museen, f&uuml;r Sport oder interessante Hobbys etc. sein. Auch ehrenamtliches Engagement w&auml;re m&ouml;glich, z.B. durch den Deutschen Sportbund (dazu m&uuml;sste Kinder- und Jugendsport nat&uuml;rlich wieder zugelassen werden), die freiwilligen Feuerwehren, Technisches Hilfswerk, Jugendverb&auml;nde und Organisationen wie NGOs oder Musik-, Tanz- und Bildende-Kunst-Gruppen. Mit diesen Angeboten w&uuml;rden Sch&uuml;ler:innen aus dem komat&ouml;sen Pendeln zwischen Bett und Laptop herausgerissen und wieder in die Sph&auml;re der realen (Bildungs-)Erfahrung gebracht. Sie w&uuml;rden oftmals an der frischen Luft und in kleinen Gruppen bei minimiertem Infektionsrisiko in der Begegnung mit anderen Menschen Sozialisationserfahrungen machen, und vielleicht nach diesem langen und zumindest teilweise auch traumatischen <i>Cocooning <\/i>beginnen, die reale Welt mit neuen Augen zu sehen.<\/p>\n<p>Eine &auml;hnliche Idee, insbesondere f&uuml;r Sch&uuml;ler:innen, die die deutsche Sprache erst lernen (und die in den Monaten des Lockdowns die deutsche Sprache teils wieder <i>verlernt<\/i> haben) sind <i><b>Sprachspazierg&auml;nge<\/b><\/i><i> o<\/i>der andere <i><b>Lehrspazierg&auml;nge <\/b><\/i>mit Muttersprachler:innen. Das k&ouml;nnten Sch&uuml;ler:innen h&ouml;herer Jahrg&auml;nge sein oder ebenfalls Studierende; auch hier bietet sich an, dass es Kleingruppen sind, die sich miteinander an der frischen Luft oder in Richtung anderer geeigneter Orte in Bewegung setzen. Auch kulturhistorische, geographische, politische, botanische usw. Exkursionen bieten sich hier an.<\/p>\n<p>Seit Monaten sind die Kinos und Theater geschlossen. Auch hier k&ouml;nnten Veranstaltungen f&uuml;r kleine Gruppen von Sch&uuml;ler:innen stattfinden. Es gibt z.B. einen von der Bundeszentrale f&uuml;r politische Bildung herausgegebenen Kanon sehenswerter Filme. Warum hier nicht die Zeit und die &Ouml;rtlichkeiten nutzen, um die mediale und &auml;sthetische Bildung von Sch&uuml;ler:innen voranzutreiben? <b>Kinobesuche mit der halben Klasse<\/b> d&uuml;rften &uuml;berdies ein deutlich niedrigeres Infektionsrisiko aufweisen als eine U-Bahnfahrt im Berufsverkehr. Warum fragt man nicht bei den K&uuml;nstler:innen an, die besonders stark von der Corona-Krise betroffen sind, z.B. Workshops f&uuml;r Kinder unter freiem Himmel an der frischen Luft oder gro&szlig;en, gut zu bel&uuml;ftenden R&auml;umen anzubieten? Da Geld genug da ist (zumindest haben Fluggesellschaften, Autokonzerne und andere global operierende Aktienunternehmen reichlich davon bekommen), k&ouml;nnte auch etwas f&uuml;r die Kinos und die K&uuml;nstler:innen abfallen, die sich beide in einem verzweifelten Existenzkampf befinden. <\/p>\n<p>Lehrer:innen, die nach Abw&auml;gung ihrer Kenntnisse &uuml;ber die Risiken <b>unterrichten<\/b> <b>wollen<\/b>, sollten die <b>M&ouml;glichkeit<\/b> dazu bekommen. F&uuml;r j&uuml;ngere und gesunde Lehrkr&auml;fte f&auml;llt Corona ohnehin in den Bereich des &bdquo;allgemeinen Lebensrisikos.&ldquo; Hier darf kein Druck ausge&uuml;bt werden, was sich aber durch den Beamtenstatus des Lehrerberufes ja per se leicht sicherstellen l&auml;sst. Erleichtert werden k&ouml;nnte diese Entscheidung sicherlich durch die breite Ausstattung mit <b>Luftfiltern<\/b> in den Klassenr&auml;umen. W&uuml;rde man alle Klassenzimmer in Deutschland mit guten Ger&auml;ten ausstatten, w&uuml;rde das maximal eine Milliarde Euro kosten, sch&auml;tzen Experten.[<a href=\"#foot_57\" name=\"note_57\">&laquo;57<\/a>] Eine Milliarde, die in die Zukunft unserer Jugend (und die Jugend ist doch unsere Zukunft &ndash; ?) sicherlich gut investiert w&auml;re.<\/p>\n<p>Schuladministration, Schulleitungen und auch einige Kolleg:innen sollten gewahr werden, dass der vermeintliche Erfolg, &bdquo;Unterricht nach Stundenplan&ldquo; zu machen, nicht weiter betrieben werden kann, sondern sich die didaktischen Konzepte im Lockdown an den <b>Bed&uuml;rfnissen der Sch&uuml;ler:innen orientieren m&uuml;ssen<\/b>, wenn diese (und insbesondere die ohnehin benachteiligten unter ihnen) nicht auf der Strecke bleiben sollen. Dazu sollte es in allen Schulen <b>M&ouml;glichkeiten der Partizipation<\/b> <b>und wirklichen Mitgestaltung<\/b> der Schule, auch und gerade unter Corona-Krisenbedingungen geben. Nicht die Placebo-Mitbestimmungsm&ouml;glichkeiten der Vorkrisenzeit, sondern eine tats&auml;chliche Ver&auml;nderung schulischer Strukturen nach den Bed&uuml;rfnissen derjenigen, die in ihnen lernen sollen und Freude daran finden (k&ouml;nnen). Eines ist sicher: Bleiben die postdemokratischen Zust&auml;nde[<a href=\"#foot_58\" name=\"note_58\">&laquo;58<\/a>] und das &ouml;konomistische Menschenbild der Vor-Coronazeit an den Schulen bestehen, wird sich an ihnen nichts bessern, sondern alles blo&szlig; noch weiter verschlechtern k&ouml;nnen!<\/p>\n<p>Ebenso ben&ouml;tigen die p&auml;dagogischen Fachkr&auml;fte zeitnah <b>Zusatzqualifikationen<\/b> in den Bereichen Sprach- und Traumap&auml;dagogik, Angsttherapie, Integration, gewaltfreie Kommunikation und sozialem Lernen. Ohne ausreichende begleitende Ma&szlig;nahmen zur Kompensation im p&auml;dagogischen Bereich werden die umgesetzten Corona-Ma&szlig;nahmen erhebliche, irreparable Sch&auml;den bei Kindern und Jugendlichen hinterlassen und enorme Folgekosten produzieren. <\/p><\/li>\n<li><b>4. Schluss: Die Krise als Stunde der Entscheidung<\/b>\n<p>Wir sehen bei den politischen Verantwortungs- und Entscheidungstr&auml;gern eine gef&auml;hrliche Tendenz zur Abschottung und eine bedenkliche Ignoranz gegen&uuml;ber empirisch falsifiziertem Wissens- und Erkenntnisbest&auml;nden, die nicht in ihr Krisen-Narrativ passen. Zudem sehen wir in der Gesellschaft viele, die sich von der Angst und durch die Angstkampagnen der Medien irre machen lassen und zutiefst verunsichert sind.[<a href=\"#foot_59\" name=\"note_59\">&laquo;59<\/a>]<\/p>\n<p>Warum ist Angst ein schlechter Ratgeber? Es liegt daran, dass Angst unseren Fokus verengt. Statt dass wir alle verf&uuml;gbaren Informationen &uuml;ber die Situation, unsere Position darin und folglich alle Handlungsm&ouml;glichkeiten einholen, schr&auml;nken wir uns selbst auf das &bdquo;Erkennen&ldquo; bzw. Reagieren auf Bedrohungen ein. Noch schwieriger wird es, wenn es sich um unsichtbare Bedrohungen, wie z.B. die durch ein Virus, handelt.<\/p>\n<p>Ist Angst also unsinnig? Sicher nicht. Angst ist lebenswichtig. Ohne Angst k&ouml;nnten wir Gefahren gar nicht wahrnehmen bzw. antizipieren. Dann aber <i>kann <\/i>und <i>sollte<\/i> ich meinen Verstand einsetzen, um die Gefahren realistisch einsch&auml;tzen zu k&ouml;nnen. Tue ich dies nicht, <i>l&auml;hmt<\/i> die Angst, anstatt dass sie uns <i>lehrt<\/i>, produktiv mit ihr umzugehen, indem wir &ndash; risikobewusst &ndash; unser Leben leben. Eine lebensverhindernde Angst ist eine Angst, die sich dem Tod verschrieben hat. Die Corona-Hysterie ist in diesem Sinne &ndash; auch wenn man sich ihre Folgen ansieht, die immer noch verharmlosend und gleichzeitig erschreckend empathielos &bdquo;Kollateralsch&auml;den&ldquo; genannt werden &ndash; die t&ouml;dlichere Gefahr als die, die vom Coronavirus selbst je ausgehen kann.<\/p>\n<blockquote><p>\n&bdquo;Das Wort Krise leitet sich aus dem Griechischen ab, was urspr&uuml;nglich &bdquo;Entscheidung&ldquo; bedeutet. So sollte die aktuelle Lage idealerweise eine positive Entscheidung f&uuml;r eine zuk&uuml;nftig bessere regionale Vernetzung&ldquo; (statt der Globalisierung, die einen wichtigen endogenen Faktor f&uuml;r Pandemien darstellt, Anm. F.J. \/ B.S) &bdquo;mehr Nachhaltigkeit und Sorge um das eigene Ich herbeif&uuml;hren&ldquo;.[<a href=\"#foot_60\" name=\"note_60\">60<\/a>]\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Und damit sollten wir bei den im Corona-Lockdown v&ouml;llig vernachl&auml;ssigten Kindern und Jugendlichen anfangen. Sie sind auf unsere Unterst&uuml;tzung angewiesen! Indem wir die Kinder Kinder sein lassen &ndash; und erst einmal und endlich (!) vor allem selbst zu Wort kommen lassen &ndash; stellen wir uns auch als P&auml;dagog:innen an die Seite des Lebens und damit gegen den Tod. Mag dies auch im ach so coolen 21. Jahrhundert pathetisch klingen, so ist es doch unsere tiefempfundene &Uuml;berzeugung. Es geh&ouml;rt zur Gestalt der <i>Krisis<\/i> dazu, dass wir selber entscheiden m&uuml;ssen, ob wir dem Leben und seinen Kr&auml;ften dienen wollen oder uns dem unterwerfen, was Erich Fromm psychoanalytisch als den nekrophilen Charakter der Gesellschaft [<a href=\"#foot_61\" name=\"note_61\">&laquo;61<\/a>] entschl&uuml;sselt hat.[<a href=\"#foot_62\" name=\"note_62\">&laquo;62<\/a>]<\/p>\n<blockquote><p>\n&bdquo;Die Liebe zum Leben oder die Liebe zum Toten ist die fundamentale Alternative, mit der jedes menschliche Wesen konfrontiert ist. Die Nekrophilie w&auml;chst in dem Ma&szlig;e, wie die Entwicklung der Biophilie am Wachstum gehindert wird.&ldquo;[<a href=\"#foot_63\" name=\"note_63\">&laquo;63<\/a>]\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Oder, wie es Michael H&uuml;ter formuliert hat und wie es an die P&auml;dagogik zu adressieren ist:<\/p>\n<blockquote><p>\n&bdquo;Was Kinder und Jugendliche so dringlichst br&auml;uchten, sind Menschen und Vor-Bilder an ihrer Seite, die nicht Krankheit und den Tod, sondern das Lebendige und das Leben in den Vordergrund all ihres Denkens, F&uuml;hlens und Handelns richten!&ldquo;[<a href=\"#foot_64\" name=\"note_64\">&laquo;64<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><\/li>\n<\/ol><p><i><b>&Uuml;ber die Autoren:<\/b><\/i><i><b><\/b><\/i><\/p><p>Finn Jagow (geb.1966) und Bernd Schoepe (geb. 1965), freie Autoren, die zu bildungspolitischen und bildungssoziologischen Themen schreiben, sind Kollegen und Freunde, die sich seit Studientagen kennen und damals schon viel Engagement und Freude beim gemeinsamen Verfassen soziologischer Hausarbeiten (&bdquo;Das Verschwinden der Kindheit&ldquo;) entwickelt haben. Bernd Schoepe ist auch langj&auml;hriges aktives GEW-Betriebsgruppen-Mitglied, ehem. Vertrauensmann und Mitglied der Hamburger Lehrerkammer. Hauptberuflich unterrichten beide Autoren Politik, Deutsch und Philosophie an Hamburger Stadtteilschulen.<br>\nKontakt: <a href=\"mailto:berndschoepe@gmx.de\">berndschoepe@gmx.de<\/a><\/p><p><b>Anhang<\/b><\/p><p>Pressemitteilung zu einer Studie von zwei Hamburger Lehrern &uuml;ber ihre Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;ler im Lockdown vom 28.03.2021:<\/p><p><b>E-Learning: Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie&hellip;?!?<\/b><\/p><p><b>Studie zeigt: Sch&uuml;ler:innen leiden stark unter dem Homeschooling im Lockdown<\/b><\/p><p><i><b>Von Finn Jagow und Bernd Schoepe<\/b><\/i><\/p><p>Die erneut erfolgte und fortgesetzte Schulschlie&szlig;ung im Zuge der Bek&auml;mpfung der SARS-CoViD-2-Pandemie, die jetzt schon drei Monate andauert, war f&uuml;r uns Anlass, eine Studie &uuml;ber das E-Learning w&auml;hrend des Schul-Lockdowns zu initiieren. Wir wollten, inmitten &bdquo;der gr&ouml;&szlig;ten Bildungskrise der Neuzeit&ldquo; (UNICEF), anhand von zw&ouml;lf Fragen an insgesamt drei Klassen des 11. Jahrgangs, den besonderen Lebens- und Lernbedingungen, denen unsere Sch&uuml;ler:innen schon zum zweiten Mal ausgesetzt sind, auf den Grund gehen. Denn dahingehend war bislang in der deutschen &Ouml;ffentlichkeit eher wenig Interesse zu bemerken und auch die Medien beginnen erst langsam sich dieses Themas anzunehmen. <\/p><p>Viele Antworten &uuml;bertrafen unsere schlimmsten Erwartungen. Insgesamt kommen wir nicht umhin, festzustellen, dass die Auswirkungen des digitalen Fernunterrichts auf unsere Sch&uuml;ler:innen ein noch desolateres Bild zeichnen als wir es vorab f&uuml;r m&ouml;glich oder gar f&uuml;r wahrscheinlich gehalten haben. Und, um m&ouml;glichen Fehlinterpretationen gleich vorzubeugen: Dies hat urs&auml;chlich nur wenig damit zu tun, dass die <i>Digitalisierung als Technik<\/i> immer noch nicht gut funktioniert. &Uuml;ber 90 % der Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;ler nehmen die E-Learning-Situation auch unabh&auml;ngig davon als &bdquo;belastend&ldquo; oder &bdquo;sehr belastend&ldquo; wahr: Die Situation wird als Entgrenzung erfahren, der Tag-Nacht-Rhythmus ist gest&ouml;rt, viele erw&auml;hnen Schlafst&ouml;rungen, es kommt zu einer Orts- und Zeitdiffusion und starken Problemen der Motivation wie der Konzentration. Dar&uuml;ber hinaus k&auml;mpfen die Sch&uuml;ler:innen gegen gro&szlig;e Monotonie, viele Aufgaben und schulische Pflichten werden aufgeschoben, t&uuml;rmen sich auf und werden schlie&szlig;lich verdr&auml;ngt, weil sie in ihr h&auml;usliches Leben und Lernen keine Ordnung hineinzubringen verm&ouml;gen. Zus&auml;tzlich wird die Lernweise als defizit&auml;r empfunden, da man sich isoliert und auf sich selbst zur&uuml;ckgeworfen findet. Das Problem einer als nicht-nat&uuml;rlich wahrgenommenen Kommunikation mit Mitsch&uuml;ler:innen und Lehrer:innen versch&auml;rft die oft als hoffnungslos beschriebene Lage.<\/p><p>Insgesamt b&uuml;ndeln sich die im Homeschooling auftretenden Probleme der Rhythmisierung, Orts-und Zeitdiffusion, Motivation, Isolation, Monotonie, Konzentration und Kommunikation und f&uuml;hren zu einem General-Angriff auf die Gesundheit unserer Sch&uuml;ler:innen. Die Symptome sind Strukturanomie, Entgrenzung, Verlust von Halt und Orientierung, Desozialisation und Frustrationserfahrungen &ndash; bis hin zur Depression. Wobei wichtig zu betonen ist, dass ein Gro&szlig;teil der &Auml;ngste <i>urs&auml;chlich in Verbindung zu den Ma&szlig;nahmen<\/i>, die zur Eind&auml;mmung der Infektionen getroffen wurden, genauer den Schulschlie&szlig;ungen, stehen und nicht aus einer entsprechenden Einstellung gegen&uuml;ber SARS-CoViD-2 entstanden sind. Dabei besch&auml;ftigt die Frage, wie lange die Schulschlie&szlig;ungen noch andauern werden, die Sch&uuml;ler:innen am meisten[<a href=\"#foot_65\" name=\"note_65\">&laquo;65<\/a>]. Dies korrespondiert mit dem, was Kinder&auml;rzte und Jugendtherapeuten diagnostizieren: Eine dramatisch zu nennende Zunahme von Angstst&ouml;rungen, Depressionen, Schlafst&ouml;rungen, Essst&ouml;rungen bis hin zu akuter Suizidalit&auml;t.[<a href=\"#foot_66\" name=\"note_66\">&laquo;66<\/a>]<\/p><p>Aus den Ausk&uuml;nften unserer Sch&uuml;ler:innen <i>muss <\/i>der Eindruck gewonnen werden, dass das Leben dieser jungen Menschen tats&auml;chlich seit &uuml;ber drei Monaten weitgehend nur noch auf das Schlafen (bzw. einen Zustand fast vollst&auml;ndiger Passivit&auml;t, ja Apathie) und dem Sitzen oder Liegen vor elektronischen Ger&auml;ten (teils zu schulischen, teils zu tendenziell entgegengesetzten Zwecken) zusammengezurrt ist. Was dies f&uuml;r das pers&ouml;nliche Wohl und die Gesundheit unserer Sch&uuml;ler:innen bedeutet, l&auml;sst sich schon anhand der Zahlen der durchschnittlichen Dauer der Mediennutzung erkennen, die in unserer Stichprobe bei zehn Stunden t&auml;glich liegt (gegen&uuml;ber sieben bis acht Stunden im ersten Lockdown)[<a href=\"#foot_67\" name=\"note_67\">&laquo;67<\/a>]. Angesichts dieses dramatischen Bildes und der psychisch extrem angespannten Lage sowie dem Leiden unserer eigenen Sch&uuml;ler:innen daran, sind wir entt&auml;uscht dar&uuml;ber, dass offenbar noch immer viel zu wenige P&auml;dagog:innen der Dimension dieser Gef&auml;hrdung unserer Kinder und Jugendlichen gewahr werden, denn sonst h&auml;tten sie und ihre Verb&auml;nde doch schon l&auml;ngst Alarm schlagen m&uuml;ssen. <\/p><p>Dabei f&auml;llt auf, dass mit dem Lockdown ganz offensichtlich der Leistungsdruck f&uuml;r die meisten Sch&uuml;ler:innen keinesfalls nachgelassen hat, sondern sich auf &auml;u&szlig;erst problematische Weise in ihre psychischen Systeme als eine nicht ad&auml;quat bearbeitbare Anforderung zwischen Selbst- und Fremdsteuerung (bzw. dem mangelnden Ausgleich beider Anforderungen) verschoben und umso tiefer eingeschrieben hat. Statt dass Schule daf&uuml;r Sorge tr&auml;gt, dass Leistungsdruck in dieser gr&ouml;&szlig;ten Bildungskrise der Neuzeit von den Kindern, die ihn erleiden m&uuml;ssen, genommen wird, &uuml;bt ein selbst offenbar hochgradig fremdgesteuertes, nur auf Leistung und Leistungserf&uuml;llung getrimmtes Schulsystem noch zus&auml;tzlichen Druck auf bereits durch die Lockdown-Situation &bdquo;abgetauchte&ldquo;, zutiefst verunsicherte Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;ler aus. Dieser Druck droht, zu dauerhaften Verletzungen der Gesundheit der Sch&uuml;ler:innen zu f&uuml;hren. <\/p><p>Wann also werden neben Virolog:innen und Epidemiolog:innen wirklich Gesundheitssachverst&auml;ndige anderer Fachrichtungen und Disziplinen von den Politikern <i>vor <\/i>ihren Beschlussfassungen und <i>vor<\/i> neuen Verordnungen geh&ouml;rt? Wann bringen P&auml;dagog:innen, die doch eigentlich Anw&auml;lte der Kinder und Jugendlichen sind (oder zumindest sein sollten) und prim&auml;r das Kinder-und Jugendwohl vor Augen haben (oder haben sollten), die Bed&uuml;rfnisse und Perspektiven der im Lockdown fast immer isoliert und still vor sich hin leidenden, im Hamsterrad digitalen Lernstresses hilflos gefangenen und einer allgemeinen psychosozialen &Uuml;berforderungssituation ausgelieferten Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;lern, laut und deutlich zu Geh&ouml;r? Wenn es noch eines solchen Negativbeweises bedurft h&auml;tte: die Kinder und Jugendlichen haben in der &bdquo;<i>Lobbyrepublik Deutschland&ldquo;<\/i> keine Lobby!<\/p><p>Das &bdquo;gro&szlig;e Experiment&ldquo; des E-Learnings, das pandemiebedingt vor einem Jahr begann, haben wir nun monatelang an den Sch&uuml;ler:innen im &bdquo;versch&auml;rften&ldquo; Realit&auml;tstest ausprobiert. Auch wenn dieses Experiment vom Gesichtspunkt der Versorgung mit digitalen Ger&auml;ten und Technik aus betrachtet f&uuml;r unsere Schulen als Erfolg angesehen werden kann, k&ouml;nnen uns die Ergebnisse der Studie sowohl vom P&auml;dagogischen, der Lernergebnisse als auch der Bildungswirksamkeit f&uuml;r unsere Sch&uuml;ler:innen nicht zufriedenstellen. Stattdessen zeigt der Schul-Lockdown uns &uuml;berdeutlich: Digitaler Fernunterricht kann kein ad&auml;quater Ersatz f&uuml;rs analoge Schulemachen sein.<\/p><p>Hier die wichtigsten Einzelergebnisse der qualitativen &ndash; nicht-repr&auml;sentativen Stichprobenbefragung zu den Erfahrungen der Sch&uuml;ler:innen mit Online- \/ E-Lernen w&auml;hrend des Schul-Lockdowns in Stichworten und Zahlen:<\/p><ul>\n<li>90 % aller Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;ler nehmen die derzeitige Situation des Schul-Lockdown als &bdquo;belastend&ldquo;, jeder zweite Befragte sogar als &bdquo;sehr belastend&ldquo; wahr.<\/li>\n<li>Die Motivation sch&auml;tzen die Sch&uuml;ler:innen zu &uuml;ber 50 % als mittelm&auml;&szlig;ig, zu 30 % als schwach und nur zu 17 % als gut ein.<\/li>\n<li>Fast jeder zweite geht davon aus, dass sich seine Noten durch die Lockdowns verschlechtern werden.<\/li>\n<li>&Uuml;ber 60 % vermissen Ihre Freunde, 35 % die gemeinsamen Aktivit&auml;ten mit anderen Menschen. Ein Drittel vermisst Sport und die normale Freizeit.<\/li>\n<li>60 % der Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;ler geben an, &Auml;ngste infolge der durch die Politik getroffenen Ma&szlig;nahmen gegen die SARS-CoVid-2-Pandemie entwickelt zu haben.<\/li>\n<li>58 % bekommen zu Hause wenig oder gar keine Unterst&uuml;tzung<\/li>\n<li>69 % der Sch&uuml;lerinnen sagen: Die Schule nimmt nur teilweise R&uuml;cksicht auf die besondere Situation, 24 % sagt: sie nimmt keine oder nur wenig und nur 6.9 % sagt, sie nimmt viel R&uuml;cksicht. <\/li>\n<li>90 % der Sch&uuml;ler:innen sprechen sich daf&uuml;r aus, m&ouml;glichst schnell wieder in den Pr&auml;senzunterricht zur&uuml;ckkehren zu k&ouml;nnen, 24% k&ouml;nnen sich in der derzeitigen Situation am besten Hybridunterricht (Mischung aus Pr&auml;senz-und digitalen Fernunterricht) vorstellen, wenn sie eine Wahlm&ouml;glichkeit bekommen.<\/li>\n<\/ul><p><i><b>Die Studie im Internet:<\/b><\/i><\/p><ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.gew-ansbach.de\/2021\/03\/e-learning-risiken-und-nebenwirkungen\/\">gew-ansbach.de\/2021\/03\/e-learning-risiken-und-nebenwirkungen\/<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/bildung-wissen.eu\/fachbeitraege\/e-learning-zu-risiken-und-nebenwirkungen-fragen-sie.html\">bildung-wissen.eu\/fachbeitraege\/e-learning-zu-risiken-und-nebenwirkungen-fragen-sie.html<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.aufwach-s-en.de\/2021\/03\/e-learning-zu-risiken-und-nebenwirkungen-fragen-sie\/\">aufwach-s-en.de\/2021\/03\/e-learning-zu-risiken-und-nebenwirkungen-fragen-sie\/<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=71033\">nachdenkseiten.de\/?p=71033<\/a><\/li>\n<\/ul><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.gew-ansbach.de\/2021\/03\/e-learning-risiken-und-nebenwirkungen\/\">gew-ansbach.de\/2021\/03\/e-learning-risiken-und-nebenwirkungen\/<\/a> Zum &Uuml;berblick auf wichtige Ergebnisse siehe auch Hamburger Morgenpost (<a href=\"https:\/\/mobil.mopo.de\/hamburg\/-uebertrifft-schlimmste-erwartungen--homeschooling--hamburger-lehrer-mit-krassem-fazit-38236682\">mobil.mopo.de\/hamburg\/-uebertrifft-schlimmste-erwartungen&ndash;homeschooling&ndash;hamburger-lehrer-mit-krassem-fazit-38236682<\/a>) vom 31.03.2021.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.unicef.de\/informieren\/aktuelles\/presse\/2021\/unicef-bericht-schulschliessungen\/236974\">unicef.de\/informieren\/aktuelles\/presse\/2021\/unicef-bericht-schulschliessungen\/236974<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Nach der hier zugrunde gelegten Definition der UN-Kinderrechtskonvention alle jungen Menschen unter 18 Jahren.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] Siehe dazu Carl Bossard: &bdquo;Kontingenz, Ungewissheit und das Unverf&uuml;gbare: Diese drei Eckwerte geh&ouml;ren darum konstitutiv zum Schulalltag [&hellip;] Im Zuf&auml;lligen und Unverf&uuml;gbaren, in dem, was nicht geplant werden kann, liegt das Kontingente dieses anspruchsvollen Berufs. [&hellip;] Das Offene und Unvorhersehbare geh&ouml;rt zum Unterricht. Das Kreative braucht eben einen Schuss Chaos. Darum ist die Kontingenz in der Schule &ndash; wie auch im t&auml;glichen Leben &ndash; allgegenw&auml;rtig; sie l&auml;sst sich weder restlos beherrschen noch eliminieren. Im Gegenteil: In unplanbaren Situationen liegen manche &uuml;berraschenden, wertvollen Aspekte des Unterrichts.&ldquo; Carl Bossard, Von der p&auml;dagogischen Ungewissheitsdynamik, <a href=\"https:\/\/www.bildung-wissen.eu\/fachbeitraege\/von-der-paedagogischen-ungewissheitsdynamik.html\">bildung-wissen.eu\/fachbeitraege\/von-der-paedagogischen-ungewissheitsdynamik.html<\/a>, 20.04.2021.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Ingo Leipner fasst in seinem Buch &bdquo;Die Katastrophe der digitalen Bildung&ldquo; in dem aktuellen Kapitel zur Corona-Zeit die Schwachpunkte, wie sie jetzt aus den Homeschooling-Erfahrungen ersichtlich wurden, zusammen. Er nennt, neben den &uuml;bergeordneten Aspekten des Daten- und Pers&ouml;nlichkeitsschutzes und der Gefahr permanenter &Uuml;berwachung: Kaum eingeschaltete Webcams der Sch&uuml;ler:innen (datenschutzrechtlich verst&auml;ndlich!), die nicht ausgesch&ouml;pften M&ouml;glichkeiten der interaktiven Funktionen digitalen Lernens, die betr&auml;chtlichen sozialen Folgen des Homeschoolings bei benachteiligten Sch&uuml;ler:innen, die zu Hause &uuml;berfordert sind, das fehlende Feedback der Sch&uuml;ler:innen, damit die Lehrkr&auml;fte beurteilen zu k&ouml;nnen, wie die Lernsituation tats&auml;chlich aussieht sowie nicht zuletzt die fehlende menschliche Atmosph&auml;re in Online-Formaten, bei denen Humor und pers&ouml;nliche Facetten zu kurz kommen. Ingo Leipner, Die Katastrophe der digitalen Bildung, M&uuml;nchen 2020, 1.Kap., S.11 &ndash; 35<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] Ein sehr eindr&uuml;ckliches und menschlich anr&uuml;hrendes Video, das jeder P&auml;dagoge sehen sollte: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=iSkbd6hRkXo\">youtube.com\/watch?v=iSkbd6hRkXo<\/a> und: <a href=\"https:\/\/freie-linke.de\/freier-funke\/2021\/04\/offener-brief-fuer-mehr-menschlichkeit-in-der-corona-krise\">freie-linke.de\/freier-funke\/2021\/04\/offener-brief-fuer-mehr-menschlichkeit-in-der-corona-krise<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] Wer vorschnell den Ausnahmezustand als neue Normalit&auml;t akzeptiert, darf sich nicht wundern, wenn er vielleicht eines Tages gefragt wird, ob er wirklich nicht gesehen hat bzw. sehen konnte, was dann passiert ist. Hannah Arendt, die wohl ber&uuml;hmteste Totalitarismus-Forscherin des 20. Jahrhunderts gab uns folgende Erkenntnis mahnend mit auf den Weg: &bdquo;Jedes totalitaristische System kreiert Wege der einen neuen Normalit&auml;t, nicht einmal die einer formalen Rechtm&auml;&szlig;igkeit.&ldquo; Eine Bemerkung, die im Kontext des nun schon 13-monatigen Regierens auf Grundlage von grundrechtseinschr&auml;nkenden Notstandsgesetzen &ndash; die durch die Ausrufung der &bdquo;epidemischen Lage von nationaler Tragweite&ldquo; im Deutschen Bundestag vom 25.03.2020 erfolgte &ndash; eigentlich hellh&ouml;rig und beim derzeitigen Umgang mit der Demokratie &ouml;ffentlich Resonanz verdiente. Oder &ndash; wie Roberto J. De Lapuente am 19.04.2021 rhetorisch fragt: &bdquo;So ein bisschen Ausnahmezustand kann unsere Demokratie doch wohl verkraften, oder?&ldquo; Und dann fortf&auml;hrt: &bdquo;Dass man nach dem Notstand wieder zur&uuml;ckswitcht in die Normalit&auml;t, so lehrt uns die Geschichte, <i>ist<\/i> eher ein Ausnahmezustand. (&hellip;) Auf die eine oder andere Weise werden die Grundrechte sicher wieder aktiviert. Aber was hat der Entzug mit der Wahrnehmung auf unsere sonst so gelobten Werte gemacht?&ldquo; Roberto J. De Lapuente, Ausnahmsweise ohne Grundrechte, <a href=\"https:\/\/www.neulandrebellen.de\/2021\/04\/ausnahmsweise-ohne-grundrechte\/\">neulandrebellen.de\/2021\/04\/ausnahmsweise-ohne-grundrechte\/<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] In dessen Verfolgung wir, so die Klage, eh&rsquo; schon so weit zur&uuml;cklagen, dass wir jetzt ein wahrhaft atemloses Aufholrennen unternehmen mussten.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] &bdquo;Selbst perfekte digitale Lernsysteme sind niemals in der Lage, direktes Lernen von Menschen durch Menschen zu ersetzen. Wir brauchen gute Lehrkr&auml;fte, die mit ihren Klassen so arbeiten, dass ein Funken &uuml;berspringt. Ein Funke der Begeisterung (&hellip;) Davon ist unser Bildungssystem an vielen Stellen weit entfernt.&ldquo; Ingo Leipner, Die Katastrophe der digitalen Bildung, a.a.O., S. 34.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>] Rund 1,5 Milliarden (!) Kinder sind von Schulschlie&szlig;ungen und Unterrichtsausfall insgesamt bislang betroffen gewesen. F&uuml;r mehr als 168 Millionen Kinder sind weltweit laut UNICEF seit fast einem Jahr Schulen aufgrund von Lockdowns wegen der Covid-19-Pandemie vollst&auml;ndig geschlossen. 214 Millionen Kinder haben mehr als drei Viertel ihres Unterrichts verpasst, Siehe: <a href=\"https:\/\/www.unicef.de\/informieren\/materialien\/report-covid-19-and-school-closures\/239486\">unicef.de\/informieren\/materialien\/report-covid-19-and-school-closures\/239486<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_11\" name=\"foot_11\">&laquo;11<\/a>] Jedenfalls bem&uuml;hten wir uns, dies in unserem Anschreiben m&ouml;glichst deutlich an sie heranzutragen und in den Nachfragen der Sch&uuml;ler:innen bewusst diesen &uuml;ber den schulischen Erfahrungsrahmen hinausgehenden ganzheitlichen Ansatz zu akzentuieren.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_12\" name=\"foot_12\">&laquo;12<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.euro.who.int\/de\/about-us\/partners\/news\/news\/2018\/12\/health-is-a-human-right\">euro.who.int\/de\/about-us\/partners\/news\/news\/2018\/12\/health-is-a-human-right<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_13\" name=\"foot_13\">&laquo;13<\/a>] Verwiesen sei hier an die j&uuml;ngste Publikation der Deutschen Gesellschaft f&uuml;r p&auml;diatrische Infektiologie (DGPI) und die Deutsche Gesellschaft f&uuml;r Krankenhaushygiene (DGKH) zum Thema Hospitalisierung und Sterblichkeit von Covid-19 bei Kindern. Demnach hat mit Stand vom 11. April 2021 das seit dem 17. M&auml;rz 2020 gef&uuml;hrte Register, in dem bundesweit Kinderkliniken station&auml;r behandelte Kinder und Jugendliche mit SARS-CoV-2-Infektionen melden, bislang 1259 Kinder aus 169 Kliniken mit ihren detaillierten klinischen Verl&auml;ufen eingetragen: &bdquo;Ungef&auml;hr ein Drittel der Kinder war J&uuml;nger als ein Jahr, ein Drittel zwischen zwei und sechs Jahren und ein Drittel zwischen sieben und 20 Jahre. 62 der 1259 Patienten (5%) mussten auf einer Intensivstation behandelt werden. Seit Beginn des Registers im M&auml;rz 2020 wurden insgesamt acht verstorbene Kinder gemeldet, davon waren drei Kinder in einer palliativen Situation verstorben. Bei vier Kindern wurde COVID-19 als Todesursache festgestellt. (&hellip;) Die nun seit Beginn der Pandemie gemachte Beobachtung, dass von den sch&auml;tzungsweise 14 Millionen Kindern und Jugendlichen in Deutschland und laut RKI insgesamt 78.537 Todesf&auml;llen mit und an SARS-CoV-2 bis zum 13. April 2021, nur etwa 1200 mit einer SARS-CoV-2-Infektion im Krankenhaus (weniger als 0,01%) behandelt werden mussten und vier an ihrer Infektion verstarben (weniger als 0,00002%) sollte Anlass sein, Eltern &uuml;bergro&szlig;e Sorgen vor einem schweren Krankheitsverlauf bei ihren Kindern zu nehmen.&ldquo; &Auml;rzte-Verband: Eltern brauchen keine &uuml;bergro&szlig;en Sorgen um Kinder zu haben, Berliner Zeitung, 20.04.2021.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_14\" name=\"foot_14\">&laquo;14<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.unicef.de\/informieren\/aktuelles\/presse\/2020\/covid-19-folgen-fuer-kinder\/230526\">unicef.de\/informieren\/aktuelles\/presse\/2020\/covid-19-folgen-fuer-kinder\/230526<\/a>. <a href=\"https:\/\/nuernberger-blatt.de\/2021\/03\/unesco-warnt-vor-generationenkatastrophe-im-bildungsbereich-88407\">nuernberger-blatt.de\/2021\/03\/unesco-warnt-vor-generationenkatastrophe-im-bildungsbereich-88407<\/a>. Gr&ouml;&szlig;eren &uuml;berregionalen Zeitungen wie z.B. der S&uuml;ddeutschen Zeitung oder der FAZ war die Warnung, dass die Schulschlie&szlig;ungen weltweit &bdquo;die (Entwicklungs-)Fortschritte der vergangenen zwei Jahrzehnte zunichte&ldquo; machten, keine Meldung wert. Daf&uuml;r informierte die S&uuml;ddeutsche Zeitung ihre Leserschaft auf 50 Zeilen dar&uuml;ber, dass &bdquo;die finnische Sauna zum Weltkulturerbe ernannt&ldquo; (21.12.2020) wurde. <\/p>\n<p>[<a href=\"#note_15\" name=\"foot_15\">&laquo;15<\/a>]<i><\/i> Sabine Andresen et al., Nachteile von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen ausgleichen. Politische &Uuml;berlegungen im Anschluss an die Studien JuCo und KiCo, Hildesheim 2020. Zitiert nach Jochen Schirp, Kinder und Jugend und Corona, Februar 2020, <a href=\"https:\/\/www.bildung-wissen.eu\">bildung-wissen.eu<\/a>.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_16\" name=\"foot_16\">&laquo;16<\/a>] Sprachwissenschaftler haben zu Recht den Begriff &bdquo;Kollateralschaden&ldquo; zum Unwort des Jahres 1999 erkl&auml;rt. Er kommt aus der Kriegsberichterstattung.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_17\" name=\"foot_17\">&laquo;17<\/a>] Das Deutsche Institut f&uuml;r Menschenrechte hat in seiner Stellungnahme mit dem Titel &bdquo;Kinderrechte in Zeiten der Corona-Pandemie&ldquo; bereits im Mai 2020 (!) darauf hingewiesen, &bdquo;dass Kinder neben Schutzrechten auch ein Recht auf soziale Kontakte, soziale Teilhabe, Spiel sowie fr&uuml;hkindliche und schulische Bildung haben. (&hellip;) Zwar sind auch Erwachsene infolge der Ausgangsbeschr&auml;nkungen&ldquo;, so hei&szlig;t es weiter, &bdquo;in ihrer sozialen Teilhabe eingeschr&auml;nkt, f&uuml;r Kinder ergibt sich die besondere Belastung jedoch dadurch, dass sie in ihren Entwicklungsschritten gehemmt werden k&ouml;nnen oder gar R&uuml;ckschritte erleiden, die sie nur schwer aufholen k&ouml;nnen.&ldquo; Deutsches Institut f&uuml;r Menschenrechte, Stellungnahme zu den Kinderrechten in Zeiten der Corona-Pandemie, Mai 2020, <a href=\"https:\/\/www.institut-fuer-menschenrechte.de\/fileadmin\/Redaktion\/Publikationen\/Stellungnahme_Kinderrechte_in_der_Corona-Pandemie.pdf\">institut-fuer-menschenrechte.de\/fileadmin\/Redaktion\/Publikationen\/Stellungnahme_Kinderrechte_in_der_Corona-Pandemie.pdf<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_18\" name=\"foot_18\">&laquo;18<\/a>]<i><\/i> Kindeswohl in Corona-Krise laut Studie nicht ber&uuml;cksichtigt, <a href=\"https:\/\/www.rp-online.de\">rp-online.de<\/a>, 14.06.2020.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_19\" name=\"foot_19\">&laquo;19<\/a>] Stellungnahme der Deutschen Akademie f&uuml;r Kinder- und Jugendmedizin, <a href=\"https:\/\/dakj.de\/stellungnahmen\/stellungnahme-der-deutschen-akademie-fuer-kinder-und-jugendmedizin-e-V--zu-weiteren-einschraenkungen-der-lebensbedingungen-von-kindern-und-jugendlichen-in-der-pandemie-mit-dem-neuen-coronavirus-sar\/\">dakj.de\/stellungnahmen\/stellungnahme-der-deutschen-akademie-fuer-kinder-und-jugendmedizin-e-V&ndash;zu-weiteren-einschraenkungen-der-lebensbedingungen-von-kindern-und-jugendlichen-in-der-pandemie-mit-dem-neuen-coronavirus-sar\/<\/a> und: <a href=\"https:\/\/www.aerzteblatt.de\/nachrichten\/122651\/Kinderschutzbund-Rechte-von-Kindern-nicht-ausreichend-gewahrt\">aerzteblatt.de\/nachrichten\/122651\/Kinderschutzbund-Rechte-von-Kindern-nicht-ausreichend-gewahrt<\/a>. <\/p>\n<p>[<a href=\"#note_20\" name=\"foot_20\">&laquo;20<\/a>] Laschets Corona-Experten warnen vor &bdquo;neuen unspezifischen Ma&szlig;nahmen&ldquo;, FAZ, 19.01.2021<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_21\" name=\"foot_21\">&laquo;21<\/a>] Vor der Kinderkommission des Deutschen Bundestages f&uuml;hrte Claudia Kittel in einer Expertenanh&ouml;rung am 09.09.2020 dazu aus: &bdquo;Einschr&auml;nkungen von Kinderrechten, wie sie zur Bek&auml;mpfung der Corona-Pandemie weltweit vorgenommen wurden, m&uuml;ssen verh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig sein. Verf&uuml;gt die Politik noch &uuml;ber keine ausreichende Wissensgrundlage, sei sie gehalten, die Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeit der getroffenen Ma&szlig;nahmen st&auml;ndig zu &uuml;berpr&uuml;fen.&ldquo; Wir k&ouml;nnen hierzu <i>keine einzige<\/i> auf ver&auml;nderte Wissensgrundlage (ob ausreichend oder nicht ausreichend) erfolgte &Uuml;berpr&uuml;fung der Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeit des Schul-Lockdowns seit seiner f&uuml;nfmonatigen Dauer f&uuml;r die meisten Sch&uuml;ler:innen durch die Politik feststellen.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_22\" name=\"foot_22\">&laquo;22<\/a>] So wird in der Studie &uuml;ber die Niederlande, die f&uuml;r die Digitalisierung dank einer der h&ouml;chsten Internet-Zugangsraten weltweit mit einem &bdquo;Best-Case&ldquo;-Szenario aufwartet, von dem Forscherteam der Universit&auml;t Oxford, als ein zentrales Ergebnis festgehalten, &bdquo;dass trotz dieser guten Voraussetzungen die Fortschritte der Sch&uuml;ler erheblich zur&uuml;ckgingen, was auf noch gr&ouml;&szlig;ere Verluste in L&auml;ndern hindeutet, die weniger gut auf die Herausforderungen von Onlineunterricht vorbereitet sind.&ldquo; Weiter wird dazu ausgef&uuml;hrt: &bdquo;Sch&uuml;ler haben beim Lernen von zu Hause aus mit anderen Worten kaum oder gar keine Fortschritte gemacht.&ldquo; Co-Autor Per Engzell: &bdquo;F&uuml;r Kinder aus benachteiligten Verh&auml;ltnissen waren die Auswirkungen noch verheerender. Der Verlust an Wissen war bei Kindern, deren Eltern keine Hochschulbildung haben, um bis zu 50% st&auml;rker als bei Kindern aus Akademikerfamilien.&ldquo; Spiegel, Auszug der Studie. In: <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/consent-a-?targetUrl=https%3A%2F%2Fwww.spiegel.de%2Fpanorama%2Fbildung%2Fstudie-zu-corona-schulschliessungen-kinder-haben-wenig-oder-nichts-gelernt-a-88d91b2c-840c-4e79-b7c3-3fb98adbdac9&amp;ref=https%3A%2F%2Fwww.google.com\">spiegel.de\/consent-a-?targetUrl=https%3A%2F%2Fwww.spiegel.de%2Fpanorama%2Fbildung%2Fstudie-zu-corona-schulschliessungen-kinder-haben-wenig-oder-nichts-gelernt-a-88d91b2c-840c-4e79-b7c3-3fb98adbdac9&amp;ref=https%3A%2F%2Fwww.google.com<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_23\" name=\"foot_23\">&laquo;23<\/a>] Siehe Naomi Klein: Die Schockstrategie: der Aufstieg des Katastrophen-Kapitalismus, Frankfurt\/M. 2007.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_24\" name=\"foot_24\">&laquo;24<\/a>] Vgl. dazu Bernd Schoepe, Die Effizienzgewinne der Digitalisierung aus p&auml;dagogischer Perspektive, <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/210129-Quelle-Hinweis-9.pdf\">nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/210129-Quelle-Hinweis-9.pdf<\/a>: &bdquo;Die Effizienzgewinne der Digitalisierung m&uuml;ssen im Kontext eines neuen Typus von Kontrollgesellschaft diskutiert werden, der eine epochale Z&auml;sur f&uuml;r das Schul-und Bildungswesen darstellt.&ldquo; In diesem komme der Digitalisierung im Verbund &bdquo;mit neuen Ideologie-, Konditionierungs-und Kontrollinstanzen und &ndash; Techniken (&hellip;) die Rolle der Verhaltenssteuerung, des <i>Profilings<\/i> und <i>Mental Programmings<\/i> (vulgo: Gehirnw&auml;sche) zu (S.4). &bdquo;In der Errichtung eines (&hellip;) algorithmisch und psychometrisch selbstgesteuerten Lern-und Kontrollregimes liegt (&hellip;) ihr eigentlicher Effizienzgewinn: In ihrem (&hellip;) auf das kognitive und das Verhaltenssystem zielenden Steuerungs- und unmittelbar wirkendem Beeinflussungspotential, das sich nach (&hellip;) Implementierung in der Sozialisationsinstanz Schule allgemein gesellschaftlich Bahn brechen soll.&ldquo; (S.19).<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_25\" name=\"foot_25\">&laquo;25<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.lifesitenews.com\/opinion\/abp-vigano-on-truth-over-fear-covid19-the-vaccine-and-the-great-reset\">lifesitenews.com\/opinion\/abp-vigano-on-truth-over-fear-covid19-the-vaccine-and-the-great-reset<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_26\" name=\"foot_26\">&laquo;26<\/a>] Joseph Weizenbaum, Inseln der Vernunft im Cyberstrom? &ndash; Auswege aus der programmierten Gesellschaft, Freiburg \/ Bonn, 2016, S. 30.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_27\" name=\"foot_27\">&laquo;27<\/a>] Eberhard Keil, Didaktisierung statt Digitalisierung, <a href=\"https:\/\/www.lehrernrw.de\">lehrernrw.de<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_28\" name=\"foot_28\">&laquo;28<\/a>] Bei dieser Meta-Studie wurden die Lernleistungen von Sch&uuml;ler:innen aus den Niederlanden, der Schweiz und den USA ausgewertet. Bei aller Unterschiedlichkeit der Schulsysteme sei ein Vergleich durch &auml;hnliche Pandemie-Ma&szlig;nahmen m&ouml;glich. Zitiert nach Ralf Lankau, Was sich aus Unterricht im Coronamodus lernen l&auml;sst, <a href=\"https:\/\/www.bildung-wissen.eu\">bildung-wissen.eu<\/a>, 01.04.2021<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_29\" name=\"foot_29\">&laquo;29<\/a>] Michael H&uuml;ter, Wovor wir unsere Kinder wirklich sch&uuml;tzen sollten, (Vorwort), 12.01.2021, aus: Michael H&uuml;ter, Die deformierte Generation, Wer Kindheitstraumata s&auml;t, wird Totalitarismus ernten, <a href=\"https:\/\/www.rubikon.news\/artikel\/die-deformierte-generation\">rubikon.news\/artikel\/die-deformierte-generation<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_30\" name=\"foot_30\">&laquo;30<\/a>] <a href=\"https:\/\/osf.io\/preprints\/socarxiv\/ve4z7\">osf.io\/preprints\/socarxiv\/ve4z7<\/a> am 10.04.2021<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_31\" name=\"foot_31\">&laquo;31<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/wissen\/homeschooling-in-der-coronakrise-hohe-lernverluste-durch-schulschliessungen\/26628096.html\">tagesspiegel.de\/wissen\/homeschooling-in-der-coronakrise-hohe-lernverluste-durch-schulschliessungen\/26628096.html<\/a> am 10.04.2021<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_32\" name=\"foot_32\">&laquo;32<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.uke.de\/kliniken-institute\/kliniken\/kinder-und-jugendpsychiatrie-psychotherapie-und-psychosomatik\/forschung\/arbeitsgruppen\/child-public-health\/forschung\/copsy-studie.html\">uke.de\/kliniken-institute\/kliniken\/kinder-und-jugendpsychiatrie-psychotherapie-und-psychosomatik\/forschung\/arbeitsgruppen\/child-public-health\/forschung\/copsy-studie.html<\/a> am 10.04.2021<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_33\" name=\"foot_33\">&laquo;33<\/a>] Weitere aktuelle Ergebnisse bei Thomas Pany, &bdquo;Nicht einmal Pseudosolidarit&auml;t&ldquo;, <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Nicht-einmal-Pseudosolidaritaet-6022087.html\">heise.de\/tp\/features\/Nicht-einmal-Pseudosolidaritaet-6022087.html<\/a>, 20.04.2021.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_34\" name=\"foot_34\">&laquo;34<\/a>] F&uuml;r weitere 45% ist die subjektive Belastung im Vergleich zwischen ersten und zweiten Lockdown gleich stark geblieben, nur 10% empfinden nun weniger Stress als im Fr&uuml;hjahr 2020. Copsy-Studie, ebd.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_35\" name=\"foot_35\">&laquo;35<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.unicef.de\/informieren\/aktuelles\/presse\/2021\/unicef-bericht-schulschliessungen\/236974\">unicef.de\/informieren\/aktuelles\/presse\/2021\/unicef-bericht-schulschliessungen\/236974<\/a> am 10.04.2021<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_36\" name=\"foot_36\">&laquo;36<\/a>] Die erkl&auml;rten Ziele sind damit zum einen Verteilungsgerechtigkeit bei der Zuweisung zus&auml;tzlicher Ressourcen und eine faire Vergleichsm&ouml;glichkeit von Schulen &auml;hnlicher sozialer Rahmenbedingungen.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_37\" name=\"foot_37\">&laquo;37<\/a>] Laut B&uuml;rgerschaftsdrucksache 20\/7094 vom 03.05.13, der letzten Aktualisierung des Sozialindex, die allerdings f&uuml;r dieses Jahr wieder auf der Tagesordnung seht.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_38\" name=\"foot_38\">&laquo;38<\/a>] F&uuml;r die Corona-Krisensituation gilt daher noch einmal im verst&auml;rkten Ma&szlig;e, was Jochen Schirp in seinem Text &bdquo;Kinder und Jugend und Corona&ldquo; so formuliert hat: &bdquo;Angesichts der vorhandenen Vielzahl an Studien und lebenspraktischen Plausibilit&auml;ten ist es eigentlich fast schon einigerma&szlig;en trivial zu konstatieren, dass das famili&auml;re Umfeld in erheblicher Weise zu einem produktiven Bildungsmilieu beitragen kann &ndash; oder auch nicht.&ldquo; In dem Fall schlagen die schicht-und milieuspezifischen Determinanten als Lernbarrieren voll auf das h&auml;usliche E-Learning-Setting durch. Jochen Schirp, Kinder und Jugend und Corona, a.a.O.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_39\" name=\"foot_39\">&laquo;39<\/a>] In der Kurzform siehe angeh&auml;ngter Text, Finn Jagow \/ Bernd Schoepe: Pressemitteilung zu der Auswertung der Studie zu Jugendlichen im Lockdown: &bdquo;Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie&hellip;&ldquo;.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_40\" name=\"foot_40\">&laquo;40<\/a>] Aus: Barbara Auen: Offener Brief &bdquo;Unser Schulsystem im Allgemeinen und unter Corona-Bedingungen&ldquo;, M&auml;rz 2021, S. 1f., in: <a href=\"https:\/\/www.gew-ansbach.de\/data\/2021\/03\/Offener_Brief_Schulsystem_GEW_Ansbach.pdf\">gew-ansbach.de\/data\/2021\/03\/Offener_Brief_Schulsystem_GEW_Ansbach.pdf<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_41\" name=\"foot_41\">&laquo;41<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.news4teachers.de\/2020\/06\/expertin-corona-zwangspause-fuer-schulvermeidende-kinder-riskant\/\">news4teachers.de\/2020\/06\/expertin-corona-zwangspause-fuer-schulvermeidende-kinder-riskant\/<\/a>, 12.04.2021.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_42\" name=\"foot_42\">&laquo;42<\/a>] <a href=\"https:\/\/mobil.mopo.de\/hamburg\/-uebertrifft-schlimmste-erwartungen--homeschooling--hamburger-lehrer-mit-krassem-fazit-38236682\">mobil.mopo.de\/hamburg\/-uebertrifft-schlimmste-erwartungen&ndash;homeschooling&ndash;hamburger-lehrer-mit-krassem-fazit-38236682<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_43\" name=\"foot_43\">&laquo;43<\/a>] Es w&auml;re z.B. Aufgabe der Schulbeh&ouml;rde, sicherzustellen, dass die Landessch&uuml;lerr&auml;te in der Corona-Krise arbeitsf&auml;hig bleiben und sie entsprechende Unterst&uuml;tzung erhalten. Das ist nicht nur eine Frage der demokratischen Kultur, sondern ergibt sich zwingend aus der Ratifizierung der UN-Kinderrechtskonvention durch die Bundesrepublik Deutschland!<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_44\" name=\"foot_44\">&laquo;44<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/lernen-arbeiten\/verzweifelte-oberschueler-wie-einsame-maschinen-pendeln-vom-bett-zum-schreibtisch-li.143531\">berliner-zeitung.de\/lernen-arbeiten\/verzweifelte-oberschueler-wie-einsame-maschinen-pendeln-vom-bett-zum-schreibtisch-li.143531<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_45\" name=\"foot_45\">&laquo;45<\/a>] Die &Auml;u&szlig;erungen der Berliner Sch&uuml;ler decken sich in hohem Ma&szlig;e mit jenen, die unsere Sch&uuml;ler:innen in dem Fragebogen gemacht haben. Wir verweisen hier auf die Langfassung unseres Textes, in dem wir eine Reihe von &Auml;u&szlig;erungen im O-Ton der Sch&uuml;ler:innen wieder gegeben haben.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_46\" name=\"foot_46\">&laquo;46<\/a>] Sicher ein Zufall, dass wir bez&uuml;glich der Zust&auml;ndigkeit bei allen Fraktionen am l&auml;ngsten brauchten, den schulpolitischen Sprecher der SPD-B&uuml;rgerschaftsfraktion zu finden. Er kam auch als allerletztes.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_47\" name=\"foot_47\">&laquo;47<\/a>] Vgl. dazu den programmatischen Anspruch, den die Gr&uuml;nen auf ihren Hochglanz-Seiten verk&uuml;nden: <a href=\"https:\/\/www.gruene.de\/themen\/demokratie\">gruene.de\/themen\/demokratie<\/a>: &bdquo;Wir st&auml;rken die Demokratie. Wir wollen mehr Transparenz politischer Entscheidungen (&hellip;) Wir setzen uns f&uuml;r mehr B&uuml;rgerbeteiligung ein, und zwar f&uuml;r alle Menschen, die hier leben. (&hellip;) Zivilgesellschaftliches Engagement tr&auml;gt die Demokratie. Wir wollen es nachhaltig unterst&uuml;tzen.&ldquo;<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_48\" name=\"foot_48\">&laquo;48<\/a>] Anja Bensinger-Stolze, Frederik Dehnert, Sven Quiring: &bdquo;Kein &sbquo;Weiter so&lsquo;!&ldquo;, hlz, Hamburger Lehrerzeitung, 11\/2020, S.3.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_49\" name=\"foot_49\">&laquo;49<\/a>] &bdquo;Drosten-Vorg&auml;nger fordert: Vergesst die Inzidenz, nur echte Covid-F&auml;lle z&auml;hlen&ldquo;, <a href=\"https:\/\/www.nordkurier.de\/politik-und-wirtschaft\/vergesst-die-inzidenz-nur-echte-covid-faelle-zaehlen-1443137504.html\">nordkurier.de\/politik-und-wirtschaft\/vergesst-die-inzidenz-nur-echte-covid-faelle-zaehlen-1443137504.html<\/a>: &bdquo;Die Inzidenz sagt nichts &uuml;ber die tats&auml;chliche Bedrohung durch das Coronavirus aus, hei&szlig;t es in einem Appell an den Bundestag, unterzeichnet u.a. vom ehemaligen Chef-Virologen der Berliner Charit&eacute;, Detlev Kr&uuml;ger. Der Wert sei ungeeignet, &uuml;ber die Freiheit der B&uuml;rger zu entscheiden.&ldquo;<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_50\" name=\"foot_50\">&laquo;50<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/staatsrechtler-zur-aenderung-des-infektionsschutzgesetzes.694.de.html?dram:article_id=495536\">deutschlandfunk.de\/staatsrechtler-zur-aenderung-des-infektionsschutzgesetzes.694.de.html?dram:article_id=495536<\/a>, &bdquo;In der Stunde der Not h&ouml;ren verfassungsrechtliche Bindungen nicht auf&ldquo;,11.04.2021. &bdquo;Ex-Richterbund-Chef &sbquo;fassungslos&lsquo; &uuml;ber neue Pl&auml;ne des Bundes, <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/gesundheit\/gesundheit-berlin-corona-plaene-des-bundes-ex-richterbund-chef-fassungslos-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-210411-99-159803\">sueddeutsche.de\/gesundheit\/gesundheit-berlin-corona-plaene-des-bundes-ex-richterbund-chef-fassungslos-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-210411-99-159803<\/a> Diesen Kurs mitzutragen, wird f&uuml;r uns als GEW-Mitglieder zunehmend schwieriger!<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_51\" name=\"foot_51\">&laquo;51<\/a>] Da die Autoren Mitglieder der GEW sind, dr&auml;ngt es uns, in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, was Tobias Riegel auf den Nachdenkseiten pointiert zu den diesbez&uuml;glichen politischen Verwirrungen und h&ouml;chst befremdlichen Gemengelagen der coronapolitischen Positionen in Medien und Zivilgesellschaft j&uuml;ngst festgestellt hat: &bdquo;Wer h&auml;tte jemals gedacht&ldquo; (dem schlie&szlig;en wir Autoren uns an!), &bdquo;dass sich einmal einzelne Autoren in vereinzelten Artikeln des Axel Springer-Verlags mehr f&uuml;r die Rechte der Schw&auml;chsten der Gesellschaft (Arme und Kinder) publizistisch einsetzen w&uuml;rden, als SPD, Gewerkschaften und LINKE zusammen.&ldquo; Und er fragt: &bdquo;Wie k&ouml;nnen Sozialdemokraten, Linke und Gewerkschaften diese Schmach nur auf sich sitzen lassen?&ldquo; Tobias Riegel, Die &bdquo;Erm&auml;chtigung&ldquo; und das dr&ouml;hnende Schweigen der &bdquo;Zivilgesellschaft&ldquo;, <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=71735\">nachdenkseiten.de\/?p=71735<\/a>, 20.04.2021.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_52\" name=\"foot_52\">&laquo;52<\/a>] Die beiden Presse-Erkl&auml;rungen finden sich auf der Seite der GEW Ansbach (<a href=\"https:\/\/www.gew-ansbach.de\">gew-ansbach.de<\/a>). Dass Schulen keine &bdquo;Treiber der Pandemie&ldquo; sind, obwohl die GEW mit ihren Pressemitteilungen ein postfaktisches Gef&auml;hrdungsszenario an die Wand malt &ndash; ist durch eine Vielzahl von evidenzbasierten Studien l&auml;ngst als infektiologische\/epidemiologische Erkenntnis erh&auml;rtet worden, auf die wir im Text und den Fu&szlig;noten wiederholt verweisen. Mit dem v&ouml;llig unreflektierten Guthei&szlig;en von noch mehr Tests an Schulen wird die GEW mitverantwortlich daf&uuml;r, dass Schulen, wenn es &bdquo;schlecht l&auml;uft&ldquo;, bis zum Sankt-Nimmerleinstag keine vern&uuml;nftige &Ouml;ffnungsoption mehr erhalten werden, da die Schreckgespinste irgendwelcher Virenmutationen dies, falls politisch gewollt, verhindern. Dass sie zugleich f&uuml;r noch mehr Testungen in den Schulen pl&auml;diert, zeigt, dass sie sich offenbar gegen&uuml;ber der Kritik, dass diese viel zu unverl&auml;sslich seien und den Inzidenzwert unrealistisch weiter hochtreiben w&uuml;rden, offenbar selbst immunisiert hat.<\/p>\n<p>Zur<i> <\/i>Fragw&uuml;rdigkeit der Tests siehe: <a href=\"https:\/\/www.harald-walach.de\/2021\/04\/06\/corona-impfstoffe-kosten-und-nutzen-nochmals-nachdenken\/\">harald-walach.de\/2021\/04\/06\/corona-impfstoffe-kosten-und-nutzen-nochmals-nachdenken\/<\/a> sowie Tobias Riegel, Zwangstests f&uuml;r den Schulbesuch sind abzulehnen, <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=71387\">nachdenkseiten.de\/?p=71387<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_53\" name=\"foot_53\">&laquo;53<\/a>] Das l&auml;sst sich exemplarisch an der &bdquo;Erfolgsmeldung&ldquo; der Schulleiterin der Fritz-Schumacher-Schule in Hamburg-Langenhorn in der &bdquo;Hamburger Morgenpost&ldquo; erkennen, die nach dem in der Schul- und Beh&ouml;rdenpolitik vorherrschenden &bdquo;Pippi-Langstrumpf-Prinzip&ldquo; das Homeschooling als &bdquo;problemlos&ldquo; darstellt, wenn man &bdquo;einfach so weitermacht&ldquo; wie zuvor (Unterricht nach Stundenplan!) bzw. so tut, als ob es keine nennenswerten Unterschiede zwischen regul&auml;rem und h&auml;uslichem Distanzunterricht g&auml;be, die die Kinder schwer belasten. Die dort auch getroffene Aussage, dass die Kinder psychisch &bdquo;durch den Onlineunterricht aufgefangen werden&ldquo; k&ouml;nnen, halten wir f&uuml;r &auml;u&szlig;erst fraglich. Denn schon im normalen Unterricht in den normalen Schulen kann kaum ein Kind psychisch &bdquo;aufgefangen werden&ldquo;. Wie soll das dann unter den oft noch viel ung&uuml;nstigeren Bedingungen des Online-Homeschoolings gelingen? Die Aussage widerspricht auch der bereits nach dem ersten Lockdown hierzu vorliegenden wissenschaftlichen Datenlage, aus der die Problematik zahlreicher negativer psychosozialer Folgeerscheinungen ersichtlich wurde, die dieser Lockdown bei den Kindern und Jugendlichen gezeitigt hat. Wir vermuten, dass die Aussagen der Schulleiterin eher den Erfordernissen des <i>windowdressings <\/i>geschuldet sind: Man muss auf dem Pseudo-Markt der Schulen im Geiste des neoliberalen Wettbewerbskampfes, der sich diese perverserweise stellen und wider aller Vernunft gegenseitig liefern m&uuml;ssen &ndash; m&ouml;glichst gut aussehen. Und zwar unabh&auml;ngig davon, wie viele Probleme und Sorgen es an den Schulen bei den Sch&uuml;ler:innen und Lehrer:innen tats&auml;chlich gibt. <a href=\"https:\/\/www.mopo.de\/hamburg\/hamburger-schule-macht-s-vor-unterricht-nach-stundenplan---trotz-corona-37955142\">mopo.de\/hamburg\/hamburger-schule-macht-s-vor-unterricht-nach-stundenplan&mdash;trotz-corona-37955142<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_54\" name=\"foot_54\">&laquo;54<\/a>] Siehe auch hier: <a href=\"https:\/\/freie-linke.de\/mitteilungen-der-freien-linken\/die-freie-linke-zu-paedagogik-im-ausnahmezustand\">freie-linke.de\/mitteilungen-der-freien-linken\/die-freie-linke-zu-paedagogik-im-ausnahmezustand<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_55\" name=\"foot_55\">&laquo;55<\/a>] Der Nutzen von Abstandsregeln, Kohortenbildung, sozialer Distanz und Maskenpflicht in Schulen wird von wissenschaftlicher Seite angezweifelt. Beispielsweise belegt die Vorabver&ouml;ffentlichung (2020) einer Studie der Universit&auml;t Witten\/Herdecke, dass bei 68 Prozent der Kinder im Alter von 7 bis 12 Jahren durch das Tragen einer MNB (durchschnittliche Tragedauer 270 Minuten) Belastungen wie beispielweise Reizbarkeit (60 %), Kopfschmerzen (53 %), Konzentrationsschwierigkeiten (50 %), geringe Fr&ouml;hlichkeit (49 %), Unwohlsein (42 %), Lernschwierigkeiten (38 %) oder Schl&auml;frigkeit und M&uuml;digkeit (37 %) beobachtet wurden. Zu Asymptomatik und Infektiosit&auml;t bei Kindern fehlt es an wissenschaftlicher Evidenz und Forschungsergebnissen. Die Annahme, dass von Kindern im Kita- oder Grundschulalter eine Infektionsgefahr ausgeht blieb bisher unbewiesen. Aus einer Anfrage des Abgeordneten Florian Kluckert (FDP) vom 03. Dezember 2020 ans Berliner Abgeordnetenhaus geht hervor, dass die bis zum 09.12.2020 gemeldeten 217 Infektionsf&auml;lle &bdquo;Kindergarten, Hort&ldquo; und die 336 im Infektionsumfeld &bdquo;Schule&ldquo; gemeldeten &bdquo;in der Regel nicht im Umfeld Schule oder Kindergarten erworben wurden, sondern (mutma&szlig;lich) von diesen F&auml;llen dorthin eingetragen wurden&rdquo;. Im Rahmen der ersten Testreihe der Kitastudie der Charit&eacute; wurden insgesamt 701 Teilnehmende aus 12 Kindertagest&auml;tten getestet. Dabei konnte keine SARS-CoV-2 Infektion nachgewiesen werden. Lediglich eine Erzieherin wies einen schwach positiven Antik&ouml;rperspiegel auf.<br>\n(Quelle: Die Freie Linke zu P&auml;dagogik im Ausnahmezustand, <a href=\"https:\/\/www.freie-linke.de\">freie-linke.de<\/a>, 16.03.2021.)<br>\nZu weiteren Ergebnissen von nationalen und internationalen wissenschaftlichen Studien zur Rolle von Kindern und Schulen im Pandemiegeschehen siehe <a href=\"https:\/\/www.aerzteblatt.de\/archiv\/217182\/COVID-19-in-Schulen-Keine-Pandemie-Treiber\">aerzteblatt.de\/archiv\/217182\/COVID-19-in-Schulen-Keine-Pandemie-Treiber<\/a>.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_56\" name=\"foot_56\">&laquo;56<\/a>] Gute Vorschl&auml;ge dazu hat auch Eberhard Keil in &bdquo;Didaktisierung statt Digitalisierung&ldquo;, a.a.O., im letzten Teil seiner Ausf&uuml;hrungen unterbreitet, die wir nachdr&uuml;cklich empfehlen. <\/p>\n<p>[<a href=\"#note_57\" name=\"foot_57\">&laquo;57<\/a>] <a href=\"https:\/\/www1.wdr.de\/daserste\/monitor\/sendungen\/corona-politik-schulen-100.html\">wdr.de\/daserste\/monitor\/sendungen\/corona-politik-schulen-100.html<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_58\" name=\"foot_58\">&laquo;58<\/a>] Bernd Schoepe, Die Digitalisierung und ihre Effizienzgewinne aus p&auml;dagogischer Perspektive, insbes. S. 20-22, S.38-40, S.44-46, a.a.O., Jochen Krautz, Bildungsreform und Propaganda. Strategien der Durchsetzung eines &ouml;konomistischen Menschenbildes in Bildung und Bildungswesen, <a href=\"http:\/\/bildung.akgev.de\/PDF-AKG\/Krautz-Bildungsreform-und-Propaganda.pdf\">bildung.akgev.de\/PDF-AKG\/Krautz-Bildungsreform-und-Propaganda.pdf<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_59\" name=\"foot_59\">&laquo;59<\/a>] Vgl. Rainer J. Klement, Die Corona-Angstkampagne, 16.03.2020, <a href=\"http:\/\/www.rainerklement.com\">rainerklement.com<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_60\" name=\"foot_60\">&laquo;60<\/a>] Rainer J. Klement, ebd.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_61\" name=\"foot_61\">&laquo;61<\/a>]  Erich Fromm, Der nekrophile Charakter, in: Das Erich Fromm-Lesebuch, hrsg. und eingel. von Rainer Funk, Stuttgart \/ M&uuml;nchen 1985, S.72 &ndash; 86.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_62\" name=\"foot_62\">&laquo;62<\/a>] Fromm entwickelte im Anschluss an seine Rezeption des Lebens-und Todestriebes bei Sigmund Freud und eigenen klinischen Studien die Theorie des nekrophilen Charakters. Das Interessante an der Kennzeichnung der Nekrophilie im charakterologischen Sinn als &bdquo;das leidenschaftliche Angezogenwerden von allem was tot, vermodert (&hellip;) und krank ist&ldquo;, ist in unserem Zusammenhang seine Eigenheit, &bdquo;das, was lebendig ist, in etwas Unlebendiges umzuwandeln, zu zerst&ouml;ren (&hellip;)&ldquo; sowie &bdquo;das ausschlie&szlig;liche Interesse an allem, was rein mechanisch ist&ldquo; (S.72 f.). So kommt Fromm in seinen Beispielen f&uuml;r den nekrophilen Charakter nicht nur zur Alternativlosigkeit im Denken, die heute ein, wenn nicht &uuml;berhaupt das wichtigste Herrschaftsaxiom der neoliberalen Ideologie (&bdquo;TINA&ldquo; = There is no alternative) ist &ndash; so wenn er schreibt, dass &ndash; wer von diesem Impuls getrieben ist &ndash; &bdquo;in der Regel nicht in der Lage ist, andere M&ouml;glichkeiten zu erkennen, die keine Zerst&ouml;rung erfordern&ldquo; (S.74). Er macht auch klar, dass der nekrophile Charakter und seine Manifestationen &bdquo;mit der Betrachtung des einfachsten und augenf&auml;lligsten Merkmals des heutigen Industriemenschen&ldquo; zusammenf&auml;llt. In dessen Interessen-Brennpunkt stehen n&auml;mlich &bdquo;nicht mehr Menschen, Natur und lebendige Strukturen, sondern mechanische, nicht lebendige Artefakte&ldquo; bis hin zu &bdquo;den machtzentrierten Megamaschinen&ldquo;(sic!) unserer technisierten Zivilisation. W&uuml;rde Fromm heute noch leben, so w&uuml;rde er vermutlich als weitere Erscheinungsweise der Nekrophilie die Macht in den Blick nehmen, die von nackten, absolut gesetzten Zahlen (wie den Inzidenzwerten des Corona-Regimes) ausgeht. Einer Macht, die uns suggeriert, wir k&ouml;nnten alles messen und kontrollieren und dadurch sogar die Herrschaft &uuml;ber den Tod erlangen. Wir k&ouml;nnen diese auch heute noch g&uuml;ltige Beschreibung des drohenden Sieges des Todes &uuml;ber das Leben in unserer Kultur, die Fromm hier gibt, unschwer auf unseren Kontext beziehen der analogen Schule und des digitalen Distanzunterrichts sowie seines Gegenteil, dem analogen Unterricht &uuml;bertragen. Des weiteren schlie&szlig;t dies die R&uuml;ckbesinnung auf die humanen und humanistischen Quellen der Bildung mit ein. Letzteres erscheint in diesen Tagen dringlicher denn je! Wann also fangen wir mit dem <i>Sehen <\/i>an und h&ouml;ren auf damit, dass wir &bdquo;auf b&uuml;rokratische Weise die Menschen behandeln, als ob es sich um tote Gegenst&auml;nde handelt&ldquo; (Fromm, S.82.)? Der Kreis unserer Argumentation schlie&szlig;t sich im Bezug auf das E-Learning und seine Apparatelogik (&bdquo;die das Interesse f&uuml;r alles Lebendige verdr&auml;ngt hat&ldquo;, Fromm S. 79) an dem Punkt, an dem Fromm in seiner Darstellung des nekrophilen Charakters zur Unterscheidung von &bdquo;Hinsehen&ldquo; und &bdquo;Sehen&ldquo; gelangt. Denn diese Passage kn&uuml;pft sinnlogisch an das unserem Aufsatz vorangestellte Motto von Joseph Weizenbaum an, in dem dieser in ironischer Diktion sagt, dass &bdquo;die Augen (ver-)schlie&szlig;en&ldquo; eine &bdquo;gro&szlig;e menschliche F&auml;higkeit&ldquo; sei, die er als &bdquo;noch fast unerkannt&ldquo; bezeichnet. In beiden Zitaten geht es also um das Sehen und verschiedene Modi des Sehens. Auf die sich zuspitzende Situation des Kinder-und Jugend &ndash; Lockdowns bezogen: Warum <i>sehen<\/i> wir in der Gesellschaft &bdquo;etwas nicht, was vor Augen liegt&ldquo;? Weil wir es in unserer Gesellschaft &bdquo;nicht sehen <i>wollen<\/i>&ldquo;? Warum <i>wollen<\/i> wir es nicht sehen? Vielleicht, <i>weil wir schon den Blick unserer Maschinen auf die Welt und auf uns &uuml;bernommen haben<\/i>? Bei Erich Fromm wird in der durchtechnisierten Gesellschaft &bdquo;der ganze Mensch zum Bestandteil der totalen Maschinerie, welche er kontrolliert und die gleichzeitig ihn kontrolliert&ldquo;. &bdquo;Er hat&ldquo;, f&auml;hrt Fromm fort, &bdquo;keinen Plan, kein Lebensziel, au&szlig;er dass er das tut, wozu die Logik der Technik ihn veranlasst&ldquo; (S.79). &ndash; Ist das nicht auch ein passendes Bild f&uuml;r das Hamsterrad des &bdquo;digitalen Homeschoolings&ldquo;, in dem wir uns alle durch die Corona-Krise wiedergefunden oder besser: verloren haben? Und jetzt kommt die schon erw&auml;hnte Differenz, die Erich Fromm zwischen &bdquo;Hinsehen&ldquo; und &bdquo;Sehen&ldquo; aufmacht, ins Spiel: &bdquo;<i>Hinsehen<\/i>&ldquo;, schreibt er, &bdquo;ist nicht &bdquo;<i>Sehen<\/i>&ldquo;: &bdquo;<i>Sehen<\/i> ist eine menschliche Funktion, eine der gr&ouml;&szlig;ten Gaben, die der Mensch mitbekommen hat; es erfordert T&auml;tigsein, inneres Aufgeschlossensein, Interesse, Geduld und Konzentration&ldquo; (S.77) &ndash; w&auml;hrend &bdquo;<i>Hinsehen&ldquo; <\/i>seinem Wesen nach bedeute, &bdquo;dass man den Akt des Sehens zu einem Objekt macht&ldquo; (S.78), d.h. sich dem Part der Technik anpasst oder sich der Technik m&ouml;glichst gleichmacht.<br>\nIn diesem Sinne sollten wir zur &Uuml;berwindung der Krise, die immer eine Entscheidungssituation ist, das blo&szlig;e &bdquo;Hinsehen&ldquo; in die technischen Apparaturen des computergesteuerten E-Learnings &uuml;berwinden und uns wieder auf die Seite des Lebens schlagen. <i>Biophil<\/i> werden wir, in dem wir uns von der &bdquo;Kunst des Sehens&ldquo; inspirieren, ja begeistern lassen und sie endlich wieder f&uuml;r die P&auml;dagogik fruchtbar machen! Wann also fangen wir mit dem <i>Sehen<\/i> an und h&ouml;ren auf, dass wir &bdquo;auf b&uuml;rokratische Weise die Menschen behandeln, als ob es sich um tote Gegenst&auml;nde handelt&ldquo; (Fromm, S. 82)? Wann <i>sehen<\/i> wir, dass es unsere Kinder und damit die Zukunft unserer Welt sind und sein m&uuml;ssen (das Ganze und nicht nur die vom nekrophilen Charakter zerst&uuml;ckelten Teile), denen wir &bdquo;durch Ehrfurcht vor dem Leben&ldquo; (Erich Fromm) dienen &ndash; statt dem Tod?<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_63\" name=\"foot_63\">&laquo;63<\/a>] Erich Fromm, Der nekrophile Charakter, in: Erich Fromm Lesebuch, hrsg. v. Rainer Funk, Stuttgart \/ M&uuml;nchen 1985, S.82.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_64\" name=\"foot_64\">&laquo;64<\/a>] Michael H&uuml;ter, Die deformierte Generation, a.a.O.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_65\" name=\"foot_65\">&laquo;65<\/a>] In unserer Untersuchung haben 56% der Befragten den expliziten Wunsch ge&auml;u&szlig;ert, dass der Lockdown so schnell wie m&ouml;glich beendet werden soll, 24% k&ouml;nnen sich vorstellen, sofern sie Wahlm&ouml;glichkeiten haben, auch teils weiter Online &ndash; Unterricht zu haben und 20% machen die Entscheidung abh&auml;ngig von der H&ouml;he der Inzidenz bzw. allgemein von der Entscheidung durch die Politik.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_66\" name=\"foot_66\">&laquo;66<\/a>] Siehe: <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Kassenaerzte-fordern-Schulen-wieder-oeffnen-article22327192.html\">n-tv.de\/politik\/Kassenaerzte-fordern-Schulen-wieder-oeffnen-article22327192.html<\/a> vom 30.01.2021.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_67\" name=\"foot_67\">&laquo;67<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.dak.de\/bundesthemen\/kinder%E2%80%94und-jugendgesundheit-2091020.html#\/\">dak.de\/bundesthemen\/kinder&mdash;und-jugendgesundheit-2091020.html#\/<\/a><\/p>\n<\/div><p>Titelbild: Billion Photos \/ Shutterstock<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Situation, die die UNICEF Anfang M&auml;rz als &bdquo;katastrophale Bildungskrise&ldquo; bezeichnet hat, h&auml;lt an. Au&szlig;erdem herrschen in der Diskussion um Kinder, Corona und den digitalen Distanzunterricht Irrt&uuml;mer, Stereotype, Fehleinsch&auml;tzungen und Verharmlosungen vor. 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