{"id":73063,"date":"2021-06-05T11:30:50","date_gmt":"2021-06-05T09:30:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=73063"},"modified":"2021-06-05T18:15:33","modified_gmt":"2021-06-05T16:15:33","slug":"wie-kam-es-zur-corona-krise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=73063","title":{"rendered":"Wie kam es zur Corona-Krise?"},"content":{"rendered":"<p>Wie konnte Corona zu diesem weltweiten Ph&auml;nomen werden, auf das so unterschiedliche Gesellschaften so &auml;hnlich reagierten? Wie beurteilte die Wissenschaft Corona? Wie reagierte die deutsche Politik auf Corona? Wie berichteten die Medien? Diesen Fragen soll im Folgenden nachgegangen werden. Diesen Fragen geht unser Leser Norbert Krause nach.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Bergamo und die erste Welle<\/strong><\/p><p>Wenn ein neues Thema in den Medien und in der Politik aufkommt, dann gibt es zun&auml;chst eine Zeit der Definition: Um was handelt es sich? Gibt es bereits Krankheiten, die &auml;hnlich verlaufen? Sollte man es als Seuche begreifen und alle Kranken isolieren sowie Infektionsschutzma&szlig;nahmen ergreifen oder sollte man es wie eine individuelle Krankheit verstehen, die ein Eingreifen des Staates nicht erfordert? Dieses Austarieren zwischen staatlicher Verantwortung und privater Eigenverantwortung ist insbesondere dann bei Krankheiten der Fall, wenn die &Uuml;bertragungswege und die Sterblichkeit noch unklar sind: Je h&ouml;her die Sterblichkeit und je einfacher die &Uuml;bertragung stattfindet, desto eher sieht sich der Staat in der Verantwortung. Bei Corona waren beide Punkte am Anfang ungekl&auml;rt. <\/p><p>Naheliegenderweise wurde aber Corona am <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/nachrichten\/heute-sendungen\/videos\/coronavirus-milde-erkrankung-100.html\">Anfang als Grippe verstanden<\/a>, da es sich um ein Virus aus einer schon bekannten Virusfamilie handelt. Dementsprechend reagierte auch die Politik zun&auml;chst wenig alarmistisch und <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Z5vUNVlARQg\">betonte, dass man sehr gut vorbereitet sei<\/a>.<\/p><p>Nach diesem anf&auml;nglichen Herunterspielen kamen die Bilder aus Italien, insbesondere aus Bergamo. Heute wei&szlig; man, dass dort kein Massensterben stattfand &ndash; aber es starben deutlich mehr Menschen als w&auml;hrend einer normalen Grippewelle. Mittlerweile wurde auch <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2020\/11\/29\/world\/europe\/coronavirus-bergamo-italy.html\">rekonstruiert<\/a>, wie es dazu kam: Zum Zeitpunkt des Ausbruchs gab es noch die Anweisung der WHO, dass Tests nur bei Personen durchzuf&uuml;hren sind, die Verbindungen nach China hatten &ndash; dementsprechend wurde die Pandemie erst mit gro&szlig;er Verz&ouml;gerung entdeckt und auch nur, weil ein Arzt das WHO-Protokoll brach. Es waren zudem kaum Tests verf&uuml;gbar, um die Ansteckungen &uuml;berhaupt zu entdecken. Die italienische Regierung verz&ouml;gerte die Abschottung der Region zus&auml;tzlich &ndash; wahrscheinlich weil die gro&szlig;en regionalen Wirtschaftsunternehmen vor wirtschaftlichen Einbu&szlig;en warnten.<\/p><p>Dies f&uuml;hrte zu einem ungehinderten Ausbruch von Corona. Auf diese Weise starben deutlich mehr Menschen als gew&ouml;hnlich &ndash; auch weil das gesamte Gesundheitssystem kollabierte und auch andere Notf&auml;lle nicht mehr versorgt werden konnten. Auf solche Ereignisse sind Bestattungsunternehmen nicht eingestellt. Da die Verbreitungswege von Corona noch unklar waren, kam hinzu, dass alle Leichen einge&auml;schert werden sollten &ndash; normalerweise wird dies nur mit weniger als der H&auml;lfte der Leichen getan. Dies f&uuml;hrte dazu, dass Leichen vom Milit&auml;r abtransportiert werden und zu anderen Krematorien gebracht werden mussten. Die <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/feuilleton\/corona-krise-das-bild-das-um-die-welt-gegangen-ist-ld.1558320\">Bilder dieses Transports<\/a> gingen um die Welt. <\/p><p>Sie trafen auf Medien, die bei Katastrophen einen Wettbewerb um die dramatischsten Bilder und Stories beginnen, weil der Ausnahmezustand eine hohe Quote verspricht. Diese auf Negativit&auml;t und Katastrophenszenarien fixierten Medien &auml;nderten die Beurteilung von Corona Anfang M&auml;rz 2020 gravierend &ndash; aus der anf&auml;nglichen Grippe wurde, da die &Uuml;bertragungswege und die Mortalit&auml;t weiterhin unklar waren, eine lebensbedrohliche Seuche, die mit allen der Regierung zur Verf&uuml;gung stehenden Ma&szlig;nahmen verhindert werden musste. Eine Einordnung der Bilder aus Bergamo und der dazugeh&ouml;rigen Zahlen durch die Medien war jedoch zu diesem Zeitpunkt nur schwer m&ouml;glich, da noch viel zu wenig &uuml;ber die Krankheit bekannt war.<\/p><p>Die deutsche Bev&ouml;lkerung war durch die Bilder aus Bergamo geschockt und ver&auml;ngstigt: Viele Menschen hatten Angst davor, auf einem B&uuml;rgersteig zu nah aneinander vorbeizulaufen. Die Angst f&uuml;hrte dazu, dass die Menschen sich sehr folgsam an alle Ma&szlig;nahmen hielten und <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Themen\/Querschnitt\/Corona\/Gesellschaft\/kontextinformationen-gesellschaft.html#Mobi\">ihre Mobilit&auml;t extrem reduzierten<\/a>. Dabei waren die Ma&szlig;nahmen der ersten Welle eher improvisiert: Das ganze &ouml;ffentliche und private Leben wurde heruntergefahren &ndash; und damit auch die Wirtschaft. Das funktionierte europaweit sehr gut &ndash; auch weil der Sommer kam und sich das gesellschaftliche Leben nach drau&szlig;en verlagerte. Um das Leben in geschlossenen R&auml;umen wie Caf&eacute;s, Theatern, Kinos oder dem Einzelhandel wieder zu erm&ouml;glichen, wurde dort eine Maskenpflicht eingef&uuml;hrt &ndash; auch wenn der Nutzen der damals verwendeten Alltagsmasken nicht nachgewiesen war. <\/p><p>Deutschland hatte die erste Welle im M&auml;rz und April deutlich besser &uuml;berstanden als die meisten anderen europ&auml;ischen L&auml;nder. Die Infektionszahlen waren relativ hoch (aus heutiger Sicht allerdings <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2021\/12\/corona-pandemie-erste-welle-deutschland-infektionszahlen-todesfaelle-statistik\">immer noch untersch&auml;tzt<\/a>), die Todeszahlen blieben aber erstaunlich niedrig. Deutschland galt mit seiner Strategie des Testens weltweit als ein <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2020\/04\/04\/world\/europe\/germany-coronavirus-death-rate.html\">Mustersch&uuml;ler der Corona-Bek&auml;mpfung<\/a>.<\/p><p><strong>Die Hoffnung des Sommers 2020 und eine politische Langfriststrategie<\/strong><\/p><p>Im Sommer 2020 gab es insgesamt nur noch wenige F&auml;lle, aber auch <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/corona-ausbruch-in-coesfelder-schlachthof-sch%C3%BCrt-%C3%A4ngste\/av-53387390\">einige<\/a> <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/wirtschaft\/unternehmen\/2020-06\/toennies-coronavirus-infizierte-qurantaene-guetersloh-lockdown\/komplettansicht\">Corona-Ausbr&uuml;che in Schlachth&ouml;fen<\/a>. Ansonsten wurde im Sommer 2020 dar&uuml;ber <a href=\"https:\/\/www.swp.de\/panorama\/corona-impfpflicht-wird-die-impfung-bald-zur-vorschrift-in-deutschland_-das-ist-der-momentane-stand-45785279.html\">diskutiert<\/a>, ob es eine <a href=\"https:\/\/www.swp.de\/panorama\/corona-impfpflicht-wird-die-impfung-bald-zur-vorschrift-in-deutschland_-das-ist-der-momentane-stand-45785279.html\">allgemeine Impfpflicht<\/a> geben sollte, und daran <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/wissen\/Drosten-Warn-App-kommt-zur-rechten-Zeit-article21850463.html\">geglaubt<\/a>, dass die Einf&uuml;hrung einer Corona-Kontaktverfolgungs-App ein Wiedererstarken von Corona verhindern w&uuml;rde.<\/p><p>Dass man glaubte, Corona auf diese Weise mit der App und mit den Masken im Winter verhindern zu k&ouml;nnen, f&uuml;hrte auch dazu, dass an den entscheidenden Stellschrauben, die f&uuml;r die Dramatik der Pandemie sorgten, nicht gearbeitet wurde. Der Engpass, das war im Fr&uuml;hjahr 2020 immer <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/coronavirus-beatmungsgeraet-medizin-interview-1.4876052\">wiederholt worden<\/a>, seien die Beatmungsger&auml;te auf den Intensivstationen. Kurzfristig hatte die Politik einige Ma&szlig;nahmen ergriffen, um die Situation in den Krankenh&auml;usern zeitweise zu verbessern: Die <a href=\"https:\/\/www.gkv-spitzenverband.de\/krankenversicherung\/krankenhaeuser\/pflegepersonaluntergrenzen\/ppu_2020\/ppug_2020.jsp\">Betreuungsschl&uuml;ssel wurden ausgesetzt<\/a>, es <a href=\"https:\/\/www.bundesgesundheitsministerium.de\/presse\/pressemitteilungen\/2020\/1-quartal\/corona-gesetzespaket-im-bundesrat.html\">wurden Pr&auml;mien f&uuml;r freigehaltene Betten gezahlt<\/a>, es <a href=\"https:\/\/www.divi.de\/aktuelle-meldungen-intensivmedizin\/covid-19-erste-daten-fuer-die-anzahl-von-patienten-sowie-verfuegbaren-intensivbetten\">wurde ein Intensivbettenregister eingerichtet<\/a> und es <a href=\"https:\/\/www.bundesgesundheitsministerium.de\/presse\/pressemitteilungen\/2020\/1-quartal\/corona-gesetzespaket-im-bundesrat.html\">wurden Pr&auml;mien f&uuml;r neu eingerichtete Intensivbetten gezahlt<\/a>. Diese Sonderregelungen liefen im August und September aus. Zu diesem Zeitpunkt waren die Corona-Zahlen weiterhin niedrig und viele Krankenh&auml;user waren aufgrund der Regelungen und der Angst der Menschen, sich in ein Krankenhaus zu begeben, &uuml;ber das ganze Jahr betrachtet deutlich unterausgelastet gewesen. F&uuml;r die Politik bestand keine Notwendigkeit, das Gesetz zu verl&auml;ngern &ndash; zumal man auch nicht an eine neue Corona-Welle im Herbst glaubte.<\/p><p>Dies passte aber auch gut zur politischen Langfrist-Strategie im Gesundheitswesen: Die Politik wollte, unterst&uuml;tzt von ThinksTanks und Lobbygruppen, das <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Die-Corona-Krise-und-die-Privatisierung-des-Gesundheitssystems-6000417.html\">Gesundheitswesen umstrukturieren<\/a>, um es f&uuml;r Investoren und Krankenhauskonzerne attraktiver zu machen. Wichtigster Kostensenkungsfaktor sowohl im Krankenhaus als auch in den Pflegeeinrichtungen sind dabei die Personalkosten: Immer weniger Personal ist f&uuml;r immer mehr Patienten verantwortlich. F&uuml;r diese Sto&szlig;richtung der Politik kam die Corona-Pandemie, vorsichtig formuliert, sehr unpassend: Es ist f&uuml;r die Bev&ouml;lkerung nicht ersichtlich, warum man bei einer nationalen Notlage wie Corona Strukturen abbauen sollte, die helfen, die Pandemie einzud&auml;mmen. Zudem wurde das deutsche Gesundheitssystem mit seiner hohen Krankenhausdichte international viel gelobt und war <a href=\"https:\/\/www.ft.com\/content\/d979c0e9-4806-4852-a49a-bbffa9cecfe6\">besser auf Corona vorbereitet als die Krankenh&auml;user der meisten anderen L&auml;nder<\/a>. Die Strategie der Politik war daher, den Bedarf an Krankenh&auml;usern und Pflegepersonal, der durch Corona entstand, zu untertunneln: Wenn die Pandemie erst einmal vorbei ist, kann die Langfriststrategie auch wieder verfolgt werden. Zum jetzigen Zeitpunkt sollte man nichts machen, was diese Langfriststrategie in der Zukunft behindern k&ouml;nnte. Sch&ouml;n pointiert wurde dies vom Postillon <a href=\"https:\/\/www.der-postillon.com\/2020\/12\/spahn-wenn-alle-zusammenhalten-konnen.html\">hier<\/a> dargestellt.<\/p><p>Dieser von Corona unabh&auml;ngige Umbau des Gesundheitswesens war auch der Grund daf&uuml;r, dass im Jahr 2020 mehrere kleine Krankenh&auml;user aufgrund von geringer Rentabilit&auml;t geschlossen wurden und die Versorgung durch gr&ouml;&szlig;ere Krankenh&auml;user &uuml;bernommen wurde. Dies wurde von Kritikern h&auml;ufig angef&uuml;hrt, um zu beweisen, dass es der Regierung gar nicht um die Bek&auml;mpfung von Corona ginge. Correctiv versuchte dies in einem <a href=\"https:\/\/correctiv.org\/faktencheck\/2021\/03\/30\/liste-mit-angeblich-im-jahr-2020-geschlossenen-krankenhaeusern-fuehrt-in-die-irre\/\">Faktencheck<\/a> als Ger&uuml;cht zu widerlegen. Die akribische Recherche best&auml;tigt durch die Schilderung der einzelnen Schlie&szlig;ungen und Verlegungen aber zugleich auch die dahinterstehende Langfriststrategie einer zunehmenden Zentralisierung und Profitorientierung im Gesundheitswesen.<\/p><p><strong>Die Wissenschaft<\/strong><\/p><p>Die Wissenschaft hatte w&auml;hrend der ersten Welle gro&szlig;e Fortschritte im Verst&auml;ndnis von Corona gemacht. Es bildete sich ein wissenschaftlicher Konsens heraus: Corona wird durch Aerosole &uuml;bertragen und ist etwa zehnmal t&ouml;dlicher als eine normale Grippe. Die Sterblichkeitsrate bei einer Infektion betr&auml;gt laut einer Metastudie <a href=\"https:\/\/www.who.int\/bulletin\/volumes\/99\/1\/20-265892\/en\/\">0,<\/a><a href=\"https:\/\/www.who.int\/bulletin\/volumes\/99\/1\/20-265892\/en\/\">23<\/a><a href=\"https:\/\/www.who.int\/bulletin\/volumes\/99\/1\/20-265892\/en\/\"> Prozent<\/a>. Das Risiko steigt mit <a href=\"https:\/\/www.springermedizin.de\/covid-19\/assessing-the-age-specificity-of-infection-fatality-rates-for-co\/18667556\">zunehmendem Alter<\/a> an: Kinder unter 10 Jahren haben ein Risiko von 0,002 %, bei Personen im Alter von 55 Jahren betr&auml;gt das Risiko bereits 0,4 % (wenn sie keine Vorerkrankungen haben). Besonders gef&auml;hrdet sind aber &auml;ltere Menschen &uuml;ber 85 Jahren, deren Risiko, an einer Corona-Infektion zu sterben, sehr hoch ist (15 Prozent). Die Sterblichkeit variiert allerdings auch von Land zu Land &ndash; abh&auml;ngig von der Alterszusammensetzung der Bev&ouml;lkerung und den medizinischen Versorgungsstrukturen (vgl. <a href=\"https:\/\/ourworldindata.org\/uploads\/2020\/03\/COVID-CFR-by-age-710x550.png\">hier<\/a>, Anmerkung: In dieser Grafik ist allerdings nicht die oben genannte Infektionssterblichkeit gezeigt, sondern die Fallsterblichkeit dargestellt &ndash; eine Erkl&auml;rung des Unterschiedes findet sich <a href=\"https:\/\/ourworldindata.org\/mortality-risk-covid\">hier<\/a>).<\/p><p>Die wissenschaftlichen Vorschl&auml;ge zur Bek&auml;mpfung von Corona basieren auf diesem Wissen. Grunds&auml;tzlich sollten die Risikogruppen gesch&uuml;tzt werden. Doch in der Frage, wie man diesen Schutz am besten gew&auml;hrleisten kann, gibt es unterschiedliche Ans&auml;tze. Der in den meisten westlichen L&auml;ndern schon w&auml;hrend der ersten Welle verfolgte Ansatz ist es, zu versuchen, durch generelle Lockdowns und Einschr&auml;nkungen der sozialen Kontakte die Infektionszahlen m&ouml;glichst niedrig zu halten. Damit verringert man die Wahrscheinlichkeit, dass sich beispielsweise das Personal von Altenheimen mit Corona infiziert und die dort befindliche Risikogruppe ansteckt. Gleichzeitig verhindert man durch die niedrigen generellen Infektionszahlen, dass sich &Auml;ltere und Vorerkrankte im &ouml;ffentlichen Leben anstecken. Ideal w&auml;re aus dieser Sicht ein kompletter Shutdown des &ouml;ffentlichen Lebens f&uuml;r drei Wochen.<\/p><p>Diese Sichtweise wird von einer kleineren Gruppe von Wissenschaftlern <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Great_Barrington_Declaration\">infrage gestellt<\/a>:<\/p><p>Die Infektionszahlen niedrig zu halten, sei im Herbst und Winter sehr unrealistisch und w&uuml;rde immer neue Lockdowns erfordern. Sie betonen stattdessen die Unterschiedlichkeit des Risikos: Man m&uuml;sse sich auf den Schutz der Risikogruppen konzentrieren und daf&uuml;r nicht das komplette &ouml;ffentliche Leben stilllegen (&bdquo;Focused protection&ldquo;). Die komplette Stilllegung f&uuml;hre nicht nur zu katastrophalen Folgen f&uuml;r die Wirtschaft und vermehrten psychischen Problemen in der Bev&ouml;lkerung, sondern habe auch medizinische Folgen, da viele Menschen nicht mehr zum Arzt gehen und auch viele Vorsorgeuntersuchungen nicht mehr durchgef&uuml;hrt werden. In dieser Sichtweise k&ouml;nnen nicht-gef&auml;hrdete j&uuml;ngere Menschen unter Einhaltung bestimmter Vorsichtsma&szlig;nahmen ihr normales Leben weiterf&uuml;hren. Unklar ist allerdings, wie die Risikogruppen konkret gesch&uuml;tzt werden sollen, wie beispielsweise das Eintragen von Infektionen in Altenheime durch das Personal verhindert werden soll. Hier fordern die Vertreter kreative und individuelle L&ouml;sungen.<\/p><p>Diese Strategie sei unsolidarisch, <a href=\"https:\/\/www.johnsnowmemo.com\/\">betont die erste Wissenschaftlergruppe<\/a>, weil sie die Bek&auml;mpfung der Pandemie nur den Risikogruppen &uuml;berlasse und diese zwinge, sich aus dem &ouml;ffentlichen Leben zur&uuml;ckzuziehen, w&auml;hrend der Rest der Gesellschaft einfach weiterleben k&ouml;nne. Zudem k&ouml;nne man nicht klar unterscheiden, wer zur Risikogruppe geh&ouml;re und wer damit gesch&uuml;tzt werden m&uuml;sse.<\/p><p>Die berechtigte Gegenfrage ist allerdings, ob es solidarischer ist, wenig gef&auml;hrdete Personen einer gro&szlig;en psychischen und wirtschaftlichen Belastung auszusetzen, die teilweise gravierende Folgen f&uuml;r die pers&ouml;nliche Zukunft haben kann.<\/p><p>Man muss aber auch ber&uuml;cksichtigen, dass die Bek&auml;mpfung einer Pandemie in den Forschungsbereich von verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen f&auml;llt. Die Lockdown-Bef&uuml;rworter sind unter den Virologen h&ouml;chstwahrscheinlich in der Mehrheit. Allerdings gibt es auch andere Forschungsgebiete, die sich mit der Verbreitung von Epidemien auseinandersetzen und die eher einen gesamtgesellschaftlichen Ansatz verfolgen, die Versorgungsforschung oder Public Health beispielsweise. In diesen Disziplinen d&uuml;rfte der Anteil der Lockdown-Bef&uuml;rworter geringer sein. In dem wissenschaftlichen Konflikt geht es also auch um die Frage, welche Disziplin die Deutungshoheit &uuml;ber die Bek&auml;mpfung der Pandemie hat: Die Forscher, die das Virus direkt untersuchen, oder die Forscher, die neben der Bek&auml;mpfung auch die gesellschaftlichen Konsequenzen ber&uuml;cksichtigen.<\/p><p>Eine offene wissenschaftliche Diskussion dieser unterschiedlichen Ans&auml;tze fand nicht statt. (Eine Ausnahme findet sich <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=p78RLwjSKpA&amp;t=6s\">hier<\/a>.) F&uuml;r die Wissenschaftler der ersten Gruppe war die Position der anderen Wissenschaftler scheinbar so, als ob jemand den wissenschaftlichen Konsens beim Klimawandel leugnen w&uuml;rde. Solchen Positionen durfte man in der &Ouml;ffentlichkeit keinen Raum geben &ndash; sonst adelte man sie als gleichberechtigte wissenschaftliche Position. Das Diskussionsklima in der Wissenschaft war und ist vergiftet. Wie sich die Positionen in der Wissenschaft verteilen, ist unklar, da eine &Auml;u&szlig;erung, die dem ersten Ansatz widersprach, mit einem enormen &ouml;ffentlichen Prestigeverlust einherging. So geschah es beispielsweise dem renommierten und vielzitierten Stanford-Professor <a href=\"https:\/\/www.washingtonpost.com\/dc-md-va\/2020\/12\/16\/john-ioannidis-coronavirus-lockdowns-fox-news\/\">John Joannidis<\/a>, der als Statistiker (und nicht als Virologe) versuchte, eine relativierende Position einzunehmen.<\/p><p>Dieses Klima lag auch daran, dass die Wissenschaft noch nie eine solche Bedeutung und einen solchen Einfluss auf kurzfristige Entwicklungen hatte wie in dieser Krise. Handlungsempfehlungen der Wissenschaft konnten zu einer gr&ouml;&szlig;eren Zahl an Toten f&uuml;hren und katastrophale Zust&auml;nde ausl&ouml;sen. Inwieweit die Wissenschaft hier auch vor dem Hintergrund der medialen Bilder aus Bergamo argumentierte, kann nur schwer eingesch&auml;tzt werden. Dem zweiten Ansatz wurde jedenfalls h&auml;ufig (f&auml;lschlicherweise) vorgeworfen, dass diesem Ansatz zu folgen, bedeuten w&uuml;rde, dass man nichts tue und damit solche katastrophalen Zust&auml;nde erzeuge.<\/p><p>Ein weiterer Grund f&uuml;r das vergiftete Klima war, dass gerade in der Wissenschaft immer auch eine hohe pers&ouml;nliche Identifikation mit einer Theorie oder einem Modell stattfindet. Eine Kritik daran ist somit immer auch eine Kritik an der Person &ndash; auch wenn dies nat&uuml;rlich der idealtypischen Vorstellung von Wissenschaft als einer Form der freien und offenen Suche nach dem besten Argument (und letzten Endes der Wahrheit) widerspricht. Die Wissenschaftler identifizieren sich mit einem zusammenh&auml;ngenden Set an Theorien und Vorstellungen, wie Corona zu bek&auml;mpfen ist &ndash; einem sogenannten wissenschaftlichen Paradigma. Ein solches Paradigma kann lange Zeit die wissenschaftliche Sichtweise auf ein Ph&auml;nomen beherrschen und andere Theorien und Ans&auml;tze unterdr&uuml;cken &ndash; es wird erst abgel&ouml;st, wenn zu viel Kritik daran aufkommt und eine alternative Vorstellung plausibler erscheint, der immer mehr Vertreter folgen. Der Begriff des Paradigmas wird in <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/wissen\/revolutionen-in-der-wissenschaft-wenn-weltbilder-ins-wanken-geraten\/7195358.html\">diesem Artikel des Tagesspiegels<\/a> sehr anschaulich erkl&auml;rt.<\/p><p>Die Entstehung eines solchen wissenschaftlichen Paradigmas dauert normalerweise recht lange. In der Coronakrise entstand dieses Paradigma sehr schnell &ndash; wahrscheinlich auch durch die Dringlichkeit, mit der die Politik Antworten aus der Wissenschaft erwartete. Die erste Gruppe hatte sich mit ihrer Strategie zur Bek&auml;mpfung von Corona <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC7557300\/\">voll und ganz durchgesetzt<\/a> &ndash; auch wenn Vorschl&auml;ge zu einer differenzierteren Vorgehensweise im Sinne der zweiten Strategie von der Bev&ouml;lkerung immer wieder begr&uuml;&szlig;t wurden und von den Wissenschaftlern der ersten Gruppe massiv bek&auml;mpft werden mussten. <\/p><p><strong>Die Idee der maximalen Kontaktvermeidung<\/strong><\/p><p>Aber zur&uuml;ck zum Sommer 2020. In der Politik und in den Medien herrschte die Hoffnung vor, dass es im Herbst und Winter keine zweite Welle geben w&uuml;rde. Die <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wissenschaft\/medizin\/christian-drosten-zu-corona-die-pandemie-wird-jetzt-erst-richtig-losgehen-auch-bei-uns-a-1b2833f0-4673-4726-a352-71ddb8bfc666\">Warnungen der Virologen<\/a> und der <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/gesundheit\/coronavirus\/corona-michael-meyer-hermann-warnt-vor-ausbreitung-17004354.html\">Modellrechner<\/a>, einer Gruppe von Mathematikern, wurden nicht ernst genommen &ndash; <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/nachrichten\/heute-19-uhr\/videos\/spahn-corona-lockdown-100.html\">einen zweiten Lockdown sollte es nicht geben<\/a>. Dass dann eine zweite Welle kam (was auch ohne die Modellrechnungen sehr wahrscheinlich war), wurde von der &uuml;berraschten Politik und den ebenso &uuml;berraschten Medien als prophetische Qualit&auml;t der Virologen und Modellrechner verstanden. Diese Gruppe um Christian Drosten und Lothar Wieler hatte auch schon w&auml;hrend der ersten Welle eine gro&szlig;e Deutungsmacht besessen. Ab diesem Zeitpunkt hatte sie die komplette Deutungshoheit &uuml;ber die Krankheit gewonnen und die wesentliche Beratung der Politik &uuml;bernommen.<\/p><p>Ihre Strategie zur Bek&auml;mpfung von Corona war es, wie oben beschrieben, die Zahlen durch Lockdowns und Kontaktbeschr&auml;nkungen so niedrig wie m&ouml;glich zu halten: Alle nicht-notwendigen Kontakte sollten vermieden werden. Es sollte dabei nicht differenziert werden, welcher soziale Kontakt wirklich gef&auml;hrlich sein k&ouml;nnte &ndash; soziale Kontakte wurden generell als gef&auml;hrlich eingestuft. Diese Idee der maximalen Kontaktvermeidung basierte am Anfang sicherlich auch auf unklaren Daten zu den Ansteckungswegen &ndash; allerdings h&auml;tte bereits nach der ersten Welle beschlossen werden k&ouml;nnen, dass man Studien durchf&uuml;hrt und Kontaktdaten der Gesundheits&auml;mter auswertet (vgl. hierzu <a href=\"https:\/\/www.jmwiarda.de\/2021\/04\/28\/die-datenerhebungskatastrophe\/\">&bdquo;Die Datenerhebungskatastrophe&ldquo;<\/a>). Die Idee hatte aber gravierende gesellschaftliche Folgen: Es wurden der Einzelhandel, die Hotels, die Kultur und die Gastst&auml;tten geschlossen. Auch wenn immer wieder Studien auf deren geringen Beitrag zum Infektionsgeschehen verwiesen, konnten sie die Grundidee der maximalen Kontaktvermeidung nicht generell infrage stellen.<\/p><p>Die gro&szlig;en Unternehmen wurden allerdings nicht geschlossen &ndash; auch wenn dies eine wichtige <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/nachrichten\/politik\/corona-shutdown-homeoffice-wirtschaft-100.html\">Forderung der Wissenschaft<\/a> war, um die Mobilit&auml;t zu senken. In dieser Frage kollidierte die Strategie der Wissenschaft jedoch mit den Vorstellungen der Politik: Das wichtigste Prinzip der Politik in der zweiten und dritten Welle war es, dass die gro&szlig;en Unternehmen nicht (noch einmal) leiden sollten.<\/p><p><strong>Die Umsetzung durch die Politik<\/strong><\/p><p>Selten war die Politik so abh&auml;ngig von der Beratung durch die Wissenschaft wie in dieser Krise. Normalerweise wird die Position der Wissenschaft bei politischen Entscheidungen als eine Position unter vielen ber&uuml;cksichtigt. Die Politik kann sich optional auf Aussagen aus der Wissenschaft berufen, wenn sie ihre Entscheidungen begr&uuml;nden will &ndash; meist werden wissenschaftliche Analysen aber anderen, beispielsweise wirtschaftlichen Interessen untergeordnet.<\/p><p>In der Corona-Krise ben&ouml;tigte die Politik aber die Beratung der Wissenschaft, um ihre Ma&szlig;nahmen abzusichern und die B&uuml;rger von deren Wirksamkeit zu &uuml;berzeugen. In der Wissenschaft hatte sich, wie oben beschrieben, die Gruppe durchgesetzt, die ein komplettes Herunterfahren des &ouml;ffentlichen Lebens als einzige Chance zur Bek&auml;mpfung von Corona sah. Diese Wissenschaftler wurden sehr eng in alle politischen Entscheidungen <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/plus227192953\/Corona-Berater-Wem-die-Maechtigen-zuhoeren-und-wer-wieder-ausgeladen-wurde.html\">einbezogen<\/a>. Die Krise wurde als eine virologische Krise verstanden &ndash; dementsprechend wurden im Wesentlichen nur Virologen und Modellierer konsultiert. Wissenschaftler aus anderen Disziplinen, die die Folgen der von der Politik und der Wissenschaft verfolgten Lockdown-Strategie beschreiben konnten, wurden von der Politik hingegen nur marginal eingebunden.<\/p><p>Allerdings setzte die Politik von den Forderungen der einbezogenen Wissenschaftler nur das um, was nicht der Wirtschaft schadete, was nicht mit ihren langfristigen Strategien kollidierte und was zugleich nicht zu kostenintensiv oder zu aufw&auml;ndig war. Die Politik verstand Corona vermutlich als kurzfristiges Ereignis, das nach zwei Jahren und der Impfung endet. Daher lohnte es nicht, langfristige Ma&szlig;nahmen zu ergreifen, die viel Geld kosten &ndash; zum Beispiel alle deutschen Schulen mit Luftfiltern auszustatten &ndash; oder langfristige Privatisierungsstrategien torpedieren (siehe oben). Stattdessen setzte man lieber auf weniger kostspielige und kurzfristige Ma&szlig;nahmen wie eine Maskenpflicht, regelm&auml;&szlig;ige Tests oder Ausgangssperren.<\/p><p><strong>Die Auslastung der Intensivbetten<\/strong><\/p><p>Seit Mitte Oktober 2020 stieg die Auslastung der Krankenh&auml;user durch Corona wieder deutlich an (vgl. <a href=\"https:\/\/www.intensivregister.de\/#\/aktuelle-lage\/zeitreihen\">DIVI<\/a>). Um die &Uuml;berlastung der Krankenh&auml;user zu vermeiden, wollte die Politik die Krankenh&auml;user wieder finanziell unterst&uuml;tzen, so dass planbare Eingriffe verschoben und mehr Betten f&uuml;r Corona-Patienten freigehalten werden konnten. Die oben beschriebenen politischen Ma&szlig;nahmen der ersten Welle hatten bei einigen Krankenh&auml;usern zu Mitnahme-Effekten gef&uuml;hrt: Betten wurden beispielweise von psychiatrischen Kliniken leer gelassen, weil <a href=\"https:\/\/www.daserste.de\/information\/wirtschaft-boerse\/plusminus\/sendung\/swr\/coronahilfen-krankenhaeuser-100.html\">es lukrativer war, die Freihaltepr&auml;mie zu erhalten<\/a>. Bereits im Juli hatte die Politik daher die Freihaltepr&auml;mien abgestuft. Solche Fehlanreize wollte die Regierung bei der <a href=\"https:\/\/www.kmh-medizinrecht.de\/single-post\/neue-freihaltepauschalen-f%C3%BCr-krankenh%C3%A4user\">Neuregelung im November verhindern<\/a> und kn&uuml;pfte daher den Erhalt der Freihaltepr&auml;mie an die Versorgungsleistung des Krankenhauses, die Inzidenz im Landkreis und die Auslastung der Intensivbetten: Die Sieben-Tage-Inzidenz m&uuml;sse &uuml;ber 70 Coronaf&auml;lle pro 100.000 Einwohner liegen und die Auslastung der Intensivbetten mindestens sieben Tage lang ununterbrochen bei &uuml;ber 75 Prozent liegen.<\/p><p>Der zweite Wert wird basierend auf dem neu eingef&uuml;hrten <a href=\"https:\/\/www.intensivregister.de\/\">Intensivregister DIVI<\/a> ermittelt. An diesem Register wurde vermehrt auch Kritik ge&uuml;bt, da die Anzahl der verf&uuml;gbaren Intensivbetten stark schwanke. Tats&auml;chlich stieg die Anzahl der Intensivbetten w&auml;hrend der ersten Welle deutlich an, da viele Krankenh&auml;user neue Intensivbetten auswiesen, um die ausgesetzte Pr&auml;mie von 50.000 Euro zu erhalten. Das war insbesondere auch deshalb m&ouml;glich, weil sie das f&uuml;r den Betrieb dieser Betten notwendige Personal nicht vorhalten mussten, da der Pflegeschl&uuml;ssel ausgesetzt worden war. Als diese Sonderregelung Ende Juli endete, sank die Zahl der betreibbaren Betten in diesem Register um etwa <a href=\"https:\/\/www.intensivregister.de\/#\/faq\/18af7107-e098-43e7-a9f6-723b167559ba\">6000 Betten<\/a>.<\/p><p>Mit der Einf&uuml;hrung des neuen Gesetzes im November sank die Anzahl der verf&uuml;gbaren Betten erneut. Im Saarland pendelte sich beispielsweise die Auslastung der Intensivbetten kurz nach Erlass der Regelung tats&auml;chlich <a href=\"https:\/\/www.sr.de\/sr\/home\/nachrichten\/politik_wirtschaft\/weniger_intensivbetten_in_der_statistik_saarland_100.html\">bei knapp &uuml;ber 75 Prozent<\/a> ein. Mitte Dezember <a href=\"https:\/\/www.bundesgesundheitsministerium.de\/fileadmin\/Dateien\/3_Downloads\/Gesetze_und_Verordnungen\/GuV\/A\/BAnz_VO__Anspruchsberechtigung_der_Krankenhaeuser.pdf\">korrigierte das Gesundheitsministerium diese Regelung<\/a> teilweise: Ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von &uuml;ber 200 Infektionen je 100.000 Einwohner ist die Auslastung der Intensivbetten nicht mehr f&uuml;r den Erhalt der Freihaltepr&auml;mie relevant.<\/p><p>So verst&auml;ndlich die Einbeziehung der Intensivkapazit&auml;ten der Krankenh&auml;user war, um erneute Mitnahmeeffekte zu verhindern, so schwer macht es diese Regelung allerdings auch, die reale Auslastung von Krankenh&auml;usern in Regionen mit niedrigeren Inzidenzzahlen einzusch&auml;tzen. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund der immer wieder von Wissenschaft und Medien ge&auml;u&szlig;erten Warnung vor einer &Uuml;berlastung der Krankenh&auml;user bedeutsam.<\/p><p><strong>Die f&ouml;derale Struktur<\/strong><\/p><p>Es kann als ein grunds&auml;tzliches Motiv der Politik verstanden werden, einen solchen Ausnahmezustand und die damit verbundene Panik in der Bev&ouml;lkerung zu verhindern. Die oben beschriebene Differenzierungsstrategie w&auml;re politisch nur schwer umzusetzen gewesen &ndash; insbesondere auch vor dem Hintergrund, dass alle europ&auml;ischen L&auml;nder (au&szlig;er Schweden) auf den Lockdown-Ansatz setzten. Bei dieser Strategie h&auml;tte man individuelle, kreative L&ouml;sungen finden und viel Angst in der Bev&ouml;lkerung, falls die Zahlen steigen sollten, abbauen m&uuml;ssen. Gleichzeitig h&auml;tte man auch die Medien beruhigen m&uuml;ssen, die ihren skandalorientierten Verarbeitungsmechanismen entsprechend immer wieder hysterisch &uuml;ber Corona-Ausbr&uuml;che, steigende Infektionszahlen und &uuml;berlastete Intensivstationen berichten (dazu gleich mehr). Wenn es steigende Todeszahlen gibt und keine Ma&szlig;nahmen zur Verhinderung ergriffen werden, werden diese der Politik angelastet.<\/p><p>Um die von der Politik ergriffenen Ma&szlig;nahmen zu erkl&auml;ren, kommt aber noch ein weiteres politisches Handlungsprinzip hinzu: Wenn eine Krise erkennbar ist, muss Handlungsf&auml;higkeit bewiesen werden. Bei Corona wurde der Nachweis der Handlungsf&auml;higkeit der Politik stark an die Entwicklung der Infektionszahlen gekn&uuml;pft &ndash; insbesondere auch, weil die Medien sich sehr stark auf die Berichterstattung dieser Zahlen fokussierten: Gingen diese nach oben, musste dringend politische Handlungsf&auml;higkeit bewiesen werden. Da Deutschland f&ouml;deral strukturiert ist, gab es drei Ebenen, auf denen unterschiedlichste Politikerinnen und Politiker nun ihre Kompetenzen zum Schutz der Bev&ouml;lkerung beweisen konnten: Auf Bundesebene, auf Landesebene oder auf kommunaler Ebene konnten also zum Beispiel Alkoholausschankverbote, Ausgangssperren, Sperrung von &ouml;ffentlichen Pl&auml;tzen, Verbote der Benutzung von &ouml;ffentlichen B&auml;nken, Maskenpflicht an Rodelh&auml;ngen, Maskenpflicht in Innenst&auml;dten oder generelle Kontaktverbote beschlossen werden. Die meisten Ma&szlig;nahmen orientierten sich dabei an der oben beschriebenen Idee der maximalen Kontaktvermeidung, verschonten grunds&auml;tzlich die Wirtschaft und richteten sich auf das &ouml;ffentliche Leben. Ob die Ma&szlig;nahmen allerdings eine wissenschaftlich nachgewiesene Wirksamkeit gegen die Verbreitung von Corona hatten, war bei den Entscheidungen nur nachrangig &ndash; es ging darum, das Primat des Handelns zu behalten. Insbesondere durch diesen symbolpolitischen Aktivismus auf den verschiedenen f&ouml;deralen Ebenen hat die Politik bei der Bev&ouml;lkerung vermutlich viel an <a href=\"https:\/\/projekte.uni-erfurt.de\/cosmo2020\/web\/topic\/vertrauen-ablehnung-demos\/10-vertrauen\/#vertrauen-in-medien-regierung-landesregierung-who-wissenschaft\">Vertrauen verloren<\/a>.<\/p><p><strong>Mediale Verarbeitungsstrukturen und Haltungsjournalismus<\/strong><\/p><p>Von den Medien wurde dieses Potpourri an politischen Ma&szlig;nahmen generell unterst&uuml;tzt und nur punktuell kritisiert. Wie die Medien auf die Bilder aus Bergamo reagierten, ist oben bereits beschrieben worden. Die Corona-Berichterstattung der Medien folgte auf der einen Seite zun&auml;chst den klassischen medialen Aufmerksamkeits- und Verarbeitungsmechanismen: Dramatik und Negativit&auml;t versprechen Aufmerksamkeit.<\/p><p>In den Medien erschienen ausf&uuml;hrliche Home-Stories &uuml;ber Long-Covid-F&auml;lle &ndash; <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/muenchen\/coronavirus-junge-menschen-1.4995051?reduced=true\">insbesondere unter jungen Menschen<\/a>. Solche Geschichten boten sich f&uuml;r die Medien nat&uuml;rlich an, da sie sehr viele Nachrichtenfaktoren auf sich vereinen konnten &ndash; im Gegensatz zu der Geschichte &bdquo;Alter Mensch stirbt an Corona&ldquo;. Eine Einordnung der H&auml;ufigkeit dieser Symptome fehlte allerdings in diesen Artikeln, weil das Ph&auml;nomen von der Wissenschaft noch nicht untersucht worden war. Die Prominenz dieser Long-Covid-Artikel f&uuml;hrte dazu, dass viele Menschen gro&szlig;e Angst vor der Ansteckung entwickelten und die bestehende Gefahr &uuml;bersch&auml;tzten.<\/p><p>Ein weiteres wichtiges Merkmal, das auf klassischen medialen Verarbeitungsstrukturen basiert, ist die dramatische Berichterstattung &uuml;ber L&auml;nder, in denen Covid au&szlig;er Kontrolle ger&auml;t. Dies begann im Fr&uuml;hjahr 2020 mit <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/nachrichten\/panorama\/coronavirus-italien-1000-tote-100.html\">Italien<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/nachrichten\/politik\/coronavirus-usa-new-york-102.html\">New York<\/a>, wurde im Januar mit <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/regierung-steckte-sich-die-finger-in-die-ohren-und-ploetzlich-zeigte-die-kurve-in-irland-senkrecht-nach-oben\/26790358.html\">Irland<\/a> und im Februar mit <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/corona-portugal-bundeswehr-1.5193969?reduced=true\">Portugal<\/a> fortgef&uuml;hrt und endete vorerst im April 2021 mit <a href=\"https:\/\/www.t-online.de\/nachrichten\/ausland\/id_89830724\/corona-katastrophe-in-brasilien-wo-politischer-unwille-tausende-leben-kostet.html\">Brasilien<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/verbraucher\/volle-kanne\/corona-in-indien-kampf-um-sauerstoff-100.html\">Indien<\/a>. Erstaunlicherweise wurde &uuml;ber Tschechien, das im gesamten ersten Quartal 2021 <a href=\"https:\/\/covid19-country-overviews.ecdc.europa.eu\/#11_Czechia\">mindestens genauso hart<\/a> von Corona betroffen war wie <a href=\"https:\/\/covid19-country-overviews.ecdc.europa.eu\/#30_Portugal\">beispielsweise Portugal <\/a>im Februar, nicht in dieser Form berichtet. &Uuml;ber die Beruhigung der Situation in diesen L&auml;ndern wurde nur sehr selten berichtet, da dies nicht den medialen Aufmerksamkeitsstrukturen entspricht (&bdquo;if it bleeds, it leads&ldquo;). Durch diese Form der Berichterstattung wurde der Bev&ouml;lkerung immer wieder verdeutlicht, wie gef&auml;hrlich Corona ist und was passieren w&uuml;rde, wenn man andere als die beschlossenen Ma&szlig;nahmen ergreifen w&uuml;rde: Eine humanit&auml;re Katastrophe.<\/p><p>Diese klassische mediale Verarbeitungsweise wurde aber durch eine neue mediale Entwicklung verst&auml;rkt. In den 2010er Jahren &auml;nderte sich das &ouml;ffentliche Selbstverst&auml;ndnis von vielen Journalistinnen und Journalisten: Sie wollten in ihrer journalistischen T&auml;tigkeit ihre Haltung und ihre Werte zeigen (vgl. <a href=\"https:\/\/www.fachjournalist.de\/journalistisches-rollenverstaendnis-eine-frage-der-haltung\/\">hier<\/a>). Das bisher vorherrschende Rollenbild im Journalismus war, dass m&ouml;glichst neutral &uuml;ber die verschiedenen Positionen zu einem Thema berichtet werden sollte. Dieses Bild war nat&uuml;rlich idealisiert und in vielen Bereichen, insbesondere in der Au&szlig;enpolitik, gab es auch schon fr&uuml;her einen gro&szlig;en medialen Gleichklang. Dass nun aber die nicht-neutrale Berichterstattung als <a href=\"https:\/\/www.mediummagazin.de\/aktuelles-essay-drepper\/\">Haltungsjournalismus<\/a> <a href=\"https:\/\/twitter.com\/georgrestle\/status\/1014133298245853184?lang=en\">&ouml;ffentlich geadelt wurde<\/a>, war eine neue Entwicklung.<\/p><p>Die ersten Folgen dieser neuen Form des Journalismusverst&auml;ndnisses wurden in der Fl&uuml;chtlingskrise 2015\/16 deutlich. Die Medien wollten, dass die Zuwanderung von Fl&uuml;chtlingen aus Syrien von den Menschen in Deutschland im Sinne einer neuen &bdquo;Willkommenskultur&ldquo; positiv gesehen wurde und keine Fremdenfeindlichkeit wie in den 90er Jahren daraus entsteht. Das f&uuml;hrte dazu, dass es eine einheitlich positive Berichterstattung in den Medien gab, die sich an der von der Politik vorgegebenen Position (&bdquo;Wir schaffen das&ldquo;) orientierte &ndash; alternative Positionen konnten nicht mehr vertreten werden und die &Auml;ngste eines gro&szlig;en Teils der Bev&ouml;lkerung wurden von den Medien ausgeblendet. Dies sind einige der Ergebnisse einer <a href=\"https:\/\/www.otto-brenner-stiftung.de\/wissenschaftsportal\/informationsseiten-zu-studien\/studien-2017\/die-fluechtlingskrise-in-den-medien\/\">Studie des Journalismusforschers Michael Haller<\/a> im Auftrag der gewerkschaftsnahen Otto-Brenner-Stiftung. Haller untersuchte die Berichterstattung &uuml;ber die Fl&uuml;chtlingskrise in &uuml;berregionalen Medien und in Lokalmedien mit dem (relativ hohen) Anspruch, dass Massenmedien die verschiedenen Meinungen einer Gesellschaft wiederspiegeln sollten. Er kommt zu dem Schluss, dass &bdquo;die Kommentare grosso modo nicht dem Ziel [dienten], verschiedene Grundhaltungen zu er&ouml;rtern, sondern dem, der eigenen &Uuml;berzeugung bzw. der regierungspolitischen Sicht Nachdruck zu verleihen.&ldquo; (S. 135) In der Fl&uuml;chtlingskrise bildeten die Massenmedien also nicht widerstreitende gesellschaftliche Ansichten ab, sondern schr&auml;nkten den Meinungskorridor im &ouml;ffentlichen Raum auf das ein, was von der Politik vorgegeben worden war und von den Journalisten als moralisch richtig begr&uuml;&szlig;t wurde. Als Konsequenz dieser einseitigen und manipulativen Berichterstattung glaubt &bdquo;ein beachtlicher Teil der Bev&ouml;lkerung [&hellip;] seither, der Journalismus werde offenbar gezwungen, systemkonform und insofern manipulierend zu berichten.&ldquo; (S. 142) Kritische Meinungen jenseits der offiziellen Linie wurden in den Medien als rechts abgewertet. Die davon Betroffenen zogen sich in alternative Kommunikationskan&auml;le zur&uuml;ck und nutzten zunehmend die sozialen Medien. Dort fanden sie &bdquo;Echokammern&ldquo; und &bdquo;Filterbubbles&ldquo; vor, die zu einer Radikalisierung ihrer Positionen beitrugen, die von den Medien nun h&auml;ufig beklagt wird. Gerade weil der Journalismus die Funktion nicht mehr erf&uuml;lle, so fasst Haller zusammen, &ouml;ffentliche Verst&auml;ndigungsprozesse zwischen verschiedenen Meinungen in Gang zu bringen und darzustellen, entstehen diese voneinander abgeschotteten Kommunikationsinseln.<\/p><p><strong>Der mediale Gleichklang und Twitter<\/strong><\/p><p>Diese Entwicklung setzte sich in der medialen Berichterstattung erst &uuml;ber den Klimawandel und dann &uuml;ber die Corona-Krise fort. W&auml;hrend es bei der Fl&uuml;chtlingskrise darum ging, negative rechte Einstellungen und Taten gegen&uuml;ber Fl&uuml;chtlingen zu verhindern, geht es bei der Corona-Krise darum, Corona-Tote und die &Uuml;berlastung der Intensivstationen zu verhindern. Die Bev&ouml;lkerung muss daher von der Notwendigkeit der politischen Ma&szlig;nahmen zur Bek&auml;mpfung &uuml;berzeugt und beim Befolgen der Ma&szlig;nahmen angeleitet werden. Die Medien folgen hier wieder den Vorgaben der Politik. Kritische mediale Diskussionen beschr&auml;nken sich auf die Sinnhaftigkeit einiger weniger Ma&szlig;nahmen der Politik, zum Beispiel <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/zeit-magazin\/leben\/2021-02\/friseuroeffnungen-lockdown-ende-corona-krise-pro-contra-prioritaet\">Friseur&ouml;ffnungen<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/gesundheit\/gesundheit-debatte-ueber-schuloeffnungen-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-210208-99-343347\">Schul&ouml;ffnungen<\/a> oder <a href=\"https:\/\/taz.de\/Pro-und-Contra-Ausgangsbeschraenkungen\/!5677780\/\">Ausgangssperren<\/a>. Unterst&uuml;tzt werden die Medien dabei von &bdquo;der&ldquo; Wissenschaft &ndash; in Form der oben beschriebenen Gruppe von Virologen und Modellierern. Um so mehr sehen sich die Medien in dieser Frage auf der Seite der Vernunft und des Richtigen.<\/p><p>Aber k&ouml;nnen die Medien &uuml;berhaupt Positionen beziehen, die von niemandem in der &ouml;ffentlichen Arena vertreten werden? Sie sind schlie&szlig;lich auf prominente Sprecher angewiesen, um deren widerstreitende Positionen darzustellen. Spiegeln die Medien also nur den Gleichklang in Politik und Wissenschaft wider? Mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht: Die Berichterstattung verst&auml;rkte den vorhandenen Gleichklang noch, indem die Medien durch die Skandalisierung anderer Ans&auml;tze bewusst daf&uuml;r sorgten, dass andere Sprecher in der &ouml;ffentlichen Arena nicht mehr &ndash; ohne Angst vor Gesichtsverlust &ndash; auftauchten konnten. Dabei h&auml;tten gerade die Medien auch andere Experten zu Wort kommen lassen k&ouml;nnen, die die gesellschaftlichen Folgen der Corona-Politik thematisieren.<\/p><p>Tats&auml;chlich erschienen sogar auch einige Berichte, die auf die Folgen des von der Politik verh&auml;ngten Lockdowns aufmerksam machten: &Uuml;ber <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/panorama\/coronavirus-haeusliche-gewalt-kinder-1.4889974?reduced=true\">zunehmende h&auml;usliche Gewalt<\/a>, &uuml;ber <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/panorama\/kinder-corona-depressionen-psychologie-coronavirus-lockdown-1.5192200?reduced=true\">die gravierenden psychologischen Folgen<\/a> und die Probleme des <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/im-homeoffice-braucht-man-keine-handtasche\/a-55807886\">Einzelhandels<\/a> oder von <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/wie-geht-es-der-gastronomie-in-der-corona-pandemie-podcast-a-8312eb3f-4549-4ac8-93a4-c4e932847650\">Gastst&auml;tten<\/a>&ndash; und <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/corona-lockdown-bedrueckende-stille-im-hotel.2165.de.html?dram:article_id=494964\">Hotelbetreibern<\/a> oder <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/nachrichten\/panorama\/corona-pandemie-kultur-kunst-100.html\">Kulturschaffenden<\/a>. Mit gro&szlig;em journalistischen Eifer wurde auch &uuml;ber die <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/investigativ\/ndr-wdr\/maskenaffaere-107.html\">Masken-Aff&auml;re der CDU<\/a> berichtet &ndash; m&ouml;glicherweise, um der &Ouml;ffentlichkeit (und sich selbst) zu beweisen, dass man auch noch kritisch &uuml;ber die Regierung berichten kann. Dennoch wurde jeder Versuch, der eine &Auml;nderung der zugrundeliegenden Politik auch nur andeutete, massiv skandalisiert &ndash; beispielsweise falls die <a href=\"https:\/\/www.stern.de\/gesundheit\/coronavirus--lockdown-bringt-nichts--kritik-an-kbv-chef-andreas-gassen-9536776.html\">Effektivit&auml;t von Lockdowns<\/a>, die <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wissenschaft\/medizin\/coronavirus-massnahmen-wie-aussagekraeftig-ist-der-inzidenzwert-a-ced04d3c-6b39-46c9-882b-8e77cbee3a69\">Inzidenzzahlen<\/a>, die <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/gesundheit\/diagnose\/divigate-in-der-corona-pandemie-die-manipulation-die-keine-war-a-de103992-7fcc-469b-96b1-0b299c342948\">&Uuml;berlastung der Intensivstationen<\/a> oder die <a href=\"https:\/\/www.fr.de\/meinung\/kommentare\/allesdichtmachen-jan-josef-liefers-ulrich-tukur-corona-krise-theater-film-kunst-90472803.html\">mediale Berichterstattung<\/a> infrage gestellt wurde oder wenn <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/panorama\/marlene-lufen-video-lockdown-debatte-corona-1.5197373?reduced=true\">die gesundheitlichen Folgen der Lockdowns<\/a> betont wurden. Die Berichterstattung folgte dabei einem Muster: Die kritischen Aussagen wurden zun&auml;chst sehr kurz dargestellt, um dann voller Emp&ouml;rung direkt von mehreren Experten der oben genannten Wissenschaftler-Gruppe als v&ouml;llig falsch widerlegt zu werden und auch als Weg zu mehr Toten auf den Intensivstationen verteufelt zu werden. Zus&auml;tzlich kommentierten die Journalistinnen und Journalisten die Vorschl&auml;ge abschlie&szlig;end nach dem verst&auml;ndnis-simulierenden Muster: &bdquo;Wir alle leiden doch unter den Ma&szlig;nahmen, aber sie sind alternativlos.&ldquo;<\/p><p>Dies ist allerdings nur ein pers&ouml;nlicher Eindruck, der hier mit einigen beispielhaften Artikeln illustriert wurde. Ob die Medien tats&auml;chlich in einem solchen Gleichklang berichtet haben, werden wohl erst kommunikationswissenschaftliche Studien im Nachhinein eindeutig nachweisen k&ouml;nnen. Die Medien sind sich zumindest keiner Schuld bewusst, sondern wohl eher stolz auf ihre wissenschaftsjournalistische Vermittlungsleistung. Michael Haller konstatiert in seiner Studie zur Fl&uuml;chtlingskrise im Jahr 2017: &bdquo;Auf dieser Ebene [der strukturellen, N.K.] verweisen die Ergebnisse auf gravierende Dysfunktionen des Informationsjournalismus [&hellip;]. Diese St&ouml;rungen haben sich so tief eingefressen, dass sie von Journalisten oder einzelnen Redaktionen vermutlich f&uuml;r normal gehalten, das hei&szlig;t nicht als solche wahrgenommen oder gar problematisiert werden.&ldquo; (S. 141)<\/p><p>Ein Grund f&uuml;r diese Betriebsblindheit liegt sicherlich auch an der zunehmenden Nutzung des Nachrichtendienstes Twitter. Twitter dient Journalisten, Politikern und Wissenschaftlern als Selbstvergewisserungsmedium: Dort steht der &ouml;ffentliche Pranger, auf dem falsche Aussagen als erstes skandalisiert und verh&ouml;hnt werden k&ouml;nnen und damit auch die Richtigkeit der eigenen Position durch alle relevanten Anderen best&auml;tigt werden kann. Die meisten vom medialen Konsens abweichenden &ouml;ffentlichen &Auml;u&szlig;erungen wurden, bevor die mediale Berichterstattung dar&uuml;ber &uuml;berhaupt einsetzen konnte, dort schon eingeordnet und kommentiert &ndash; teilweise schafften es die Twitter-Kommentare dann auch in die mediale Berichterstattung. Auch aufgrund dieses extrem schnellen Vorab-Meinungsbildungsmechanismus sollte der Verst&auml;rkungseffekt dieser Plattform nicht untersch&auml;tzt werden.<\/p><p>Seit die Medien nicht mehr den Raum f&uuml;r Diskussionen zwischen verschiedenen Positionen bieten, ist Twitter allerdings auch einer der letzten Orte (neben Facebook), an dem noch &ouml;ffentliche Diskussionen ausgetragen werden k&ouml;nnen. Der Ton ist allerdings, wie in der Wissenschaft auch, vergiftet und nicht auf Meinungsaustausch ausgerichtet: Die meiste Aufmerksamkeit gewinnen die Kommentare, die Aussagen sarkastisch und ironisch drehen oder dramatische Vergleiche ziehen. Eine Polarisierung der Positionen folgt bei dieser Grundstruktur fast zwangsl&auml;ufig.<\/p><p>Diese Polarisierung des &ouml;ffentlichen Raums hat auch gravierende zwischenmenschliche Folgen. Die gro&szlig;en Krisen der letzten Jahre (Bankenkrise, Fl&uuml;chtlingskrise, Klimakrise) hatten nur indirekte Auswirkungen auf den tats&auml;chlichen Lebensalltag der meisten Menschen. Die Corona-Krise ver&auml;ndert hingegen den Lebensalltag der allermeisten Menschen und greift tief in die Lebensgestaltung ein. Dementsprechend m&uuml;ssen sich die meisten Menschen zu diesen Ver&auml;nderungen auch positionieren. Dass die Medien in einer solchen Situation die gesellschaftlich vorhandenen Positionen nur extrem polarisiert als falsch oder richtig darstellen, f&uuml;hrt auf zwischenmenschlicher Ebene zu starken Spannungen: Die im &ouml;ffentlichen Raum nicht zu vereinbarenden Positionen werden im privaten Raum als Stellvertreterkriege fortgef&uuml;hrt und zerst&ouml;ren so Freundschaften und auch Beziehungen. Wenn alle gesellschaftlich relevanten Positionen in den Medien von prominenten Personen vertreten werden w&uuml;rden und dort in Diskussionen nebeneinander stehen k&ouml;nnten, k&ouml;nnte die Bev&ouml;lkerung sich in privaten Gespr&auml;chen auf diese Diskussionen berufen und m&uuml;sste nicht so erbittert dar&uuml;ber streiten. Die Medien berichten indes auch &uuml;ber diese <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/wenn-corona-freundschaften-zerst%C3%B6rt\/a-56698501\">privaten Kleinkriege<\/a> &ndash; ohne allerdings den Grund f&uuml;r die Verwerfungen in ihrer eigenen Berichterstattung zu suchen.<\/p><p><strong>Die Rechten und die gespaltene Linke<\/strong><\/p><p>In der Bev&ouml;lkerung traf die Polarisierung in Medien, Politik und Wissenschaft auf unterschiedliche Str&ouml;mungen: Das klassische Links-Rechts-Schema kann die Reaktionen der gesellschaftlichen Gruppen nur teilweise erkl&auml;ren. Die Wirkung der Corona-Ma&szlig;nahmen kann eher auf der liberalen Achse eingeordnet werden &ndash; als ein zu gro&szlig;er Eingriff des Staates in die Privatangelegenheiten seiner B&uuml;rger. Wie sehr die weltweiten Coronama&szlig;nahmen die politischen Landkarten durcheinanderwirbeln, erkennt man beispielsweise daran, dass viele staatsablehnende Republikaner das schwedische Modell (dazu sp&auml;ter mehr) <a href=\"https:\/\/www.nbcnews.com\/news\/world\/lockdown-protesters-shout-be-sweden-swedes-say-they-are-missing-n1207566\">bef&uuml;rworten<\/a> &ndash; obwohl Schweden ja noch immer ein Musterbeispiel eines stark regulierenden Sozialstaats ist. <\/p><p>Dass der Staat sich nicht in das Privatleben der B&uuml;rger und in die Wirtschaft einmischen soll, ist eine klassische Position von Konservativen und Liberalen. Gerade dieses Prinzip wird durch die Corona-Ma&szlig;nahmen massiv verletzt. Nicht umsonst wurde die gr&ouml;&szlig;te Gegenbewegung gegen Corona, Querdenken, von einem <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/international\/querdenker-michael-ballweg-will-ob-in-stuttgart-werden-ld.1585590\">ehemaligen Unternehmer aus Baden-W&uuml;rttemberg<\/a> gegr&uuml;ndet. Die extreme Rechte geht noch weiter und kritisiert nicht nur die staatlichen Eingriffe zur Bek&auml;mpfung von Corona, sondern sieht darin eine Verschw&ouml;rung der Eliten, um die B&uuml;rger zu kontrollieren. Die Impfung werde dazu genutzt, die Bev&ouml;lkerung unfruchtbar zu machen &ndash; ganz im Sinne der gro&szlig;en <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/faktenfinder\/volksaustausch-101.html\">Austauscherz&auml;hlung<\/a>.<\/p><p>Schon w&auml;hrend der Fl&uuml;chtlingskrise hatten die Rechten von der scharfen Grenzziehung innerhalb der Medien profitiert: Wer nicht f&uuml;r diese Form der massenhaften Einwanderung war, war rechts. Auch in der Corona-Krise profitieren die Rechten wieder von einer &auml;hnlichen Grenzziehung: Wer nicht f&uuml;r die Ma&szlig;nahmen ist, ist ein Verschw&ouml;rungstheoretiker und rechts. Jegliche grundlegende Kritik an den Ma&szlig;nahmen zur Bek&auml;mpfung von Corona und zur Berichterstattung in den Medien wurde so diffamiert. Dabei nutzen die Rechten einen einfachen Reflex der Medien, um diese kritischen Positionen zu besetzen: Sie m&uuml;ssen nur einer kritischen &Auml;u&szlig;erung zustimmen und Beifall zollen, dann wenden sich die Medien angeekelt von der &Auml;u&szlig;erung und dem Argument ab. Auf diese Weise werden sie von der Bev&ouml;lkerung als die einzige kritische Stimme gegen diese Politik wahrgenommen. Die urspr&uuml;nglich kaum relevante europakritische Partei AfD ist durch die mediale Berichterstattung &uuml;ber die Fl&uuml;chtlingskrise und diesen einfachen Mechanismus vor vier Jahren zur gr&ouml;&szlig;ten Oppositionspartei im deutschen Bundestag geworden. Auch in der Corona-Krise werden wieder viele von der Politik Entt&auml;uschte ihren Weg zur AfD finden. Allerdings wird sich die AfD, insbesondere im Westen, die Stimmen der Entt&auml;uschten auch mit der FDP teilen m&uuml;ssen, die sich als b&uuml;rgerliche, also weniger rechte H&uuml;terin der B&uuml;rgerrechte profiliert.<\/p><p>Wie schon in der Fl&uuml;chtlingskrise haben die Linken das gesamte Feld der Kritik den Rechten &uuml;berlassen. Im Unterschied zur Fl&uuml;chtlingskrise ist die Linke aber in der Corona-Krise pl&ouml;tzlich gespalten: Ein gro&szlig;er Teil der Linken hatte sich schon immer auf Identit&auml;ten, Diskriminierungen und Minderheitenschutz fokussiert. F&uuml;r diese Gruppe stand es daher au&szlig;er Frage, dass man Solidarit&auml;t mit den gesellschaftlichen Risikogruppen zeigen m&uuml;sse. Das wissenschaftliche Lockdown-Paradigma wurde komplett &uuml;bernommen. In dieser Gruppe fanden sich sogar widerstreitende linke Bewegungen wieder: Linke, die an die Macht und das Umverteilungspotential des Staates glauben, und Linke, die den Nationalstaat abschaffen wollen und internationale Grenzenlosigkeit als Ziel haben. Die <a href=\"https:\/\/zero-covid.org\/language\/en\/\">Zero-Covid-Strategie<\/a> vereinte beide Positionen, indem sie einen gesamteurop&auml;ischen Shutdown fordert, der durch sozialstaatliche Leistungen abgefedert werden soll. Hinzu kommt mit der Forderung eines konsequenten Lockdowns der Wirtschaft auch noch klassisch linke Kapitalismuskritik. Diese Gruppe der Linken wurde zu den h&auml;rtesten Lockdown-Verfechtern: Jede Ma&szlig;nahme der Regierung ging ihnen nicht weit genug und jeder Ruf nach Lockerungen wurde als rechts sowie als Weg in eine humanit&auml;re Katastrophe gebrandmarkt. Die mit dem Lockdown einhergehenden sozialen Folgen f&uuml;r einen gro&szlig;en Teil der Bev&ouml;lkerung wurden entweder &ndash; wie in den Medien &ndash; als alternativlos dargestellt oder sollten gro&szlig;z&uuml;gig vom Staat abgefedert werden.<\/p><p>Ein Teil der Linken beurteilte die Corona-Krise jedoch diametral anders: Dies waren zum einen Linke, die der klassischen Medizin skeptisch gegen&uuml;berstehen, und zum anderen liberale Linke, die nicht wollen, dass der Staat sich in ihre pers&ouml;nlichen Angelegenheiten einmischt. Die bereits im Sommer 2020 gef&uuml;hrte (noch theoretische) Diskussion &uuml;ber einen m&ouml;glichen Impfzwang und die im ersten Lockdown massiv eingeschr&auml;nkten Grundrechte verdeutlichten beiden Gruppen, welchen Weg die Politik nehmen w&uuml;rde und wie sie sich positionieren sollten. Viele gingen auf die Stra&szlig;e und demonstrierten dort gemeinsam unter dem Label &bdquo;Querdenken&ldquo;. Der Zweifel an der von der Schulmedizin beschriebenen Krankheit Corona war auf der einen Seite das verbindende Element mit den dort demonstrierenden Rechten, die daran glaubten, dass Corona nur eine staatliche Erfindung sei, um andere weitreichendere Pl&auml;ne durchzusetzen. Auf der anderen Seite war die Nicht-Einmischung des Staates f&uuml;r die staatsskeptischen Linken das verbindende Element mit den ebenfalls dort demonstrierenden b&uuml;rgerlichen Liberalen. F&uuml;r die weiter oben beschriebene  Gruppe der linken Lockdown-Verfechter stellte es einen Tabubruch dar, dass dort (in ihren Augen: ehemals) Linke gemeinsam mit Rechten demonstrierten. Sie organisierten &ndash; im Sinne ihres klassischen Kampfes gegen Rechts &ndash; Demonstrationen gegen die Querdenken-Demonstrationen.<\/p><p>In den Medien wurde zudem auch sehr stark gegen diese seltsam zusammengesetzten Demonstrationen polemisiert. Dies f&uuml;hrte zu einer weiteren Radikalisierung der Teilnehmer dieser Demonstrationen und zu einem Vertrauensverlust in die mediale Berichterstattung bei einer Gruppe, die dies bisher so nicht gekannt hatte. Allerdings &auml;nderte sich die mediale Berichterstattung im Laufe der Corona-Krise auch und es wurde etwas differenzierter &uuml;ber diese Demonstrationen berichtet.<\/p><p><strong>Der Schutz der Altenheime und die Bilanz der zweiten Welle<\/strong><\/p><p>Doch was passierte w&auml;hrend der zweiten und dritten Corona-Welle? Wie erfolgreich war die von den Wissenschaftlern vertretene Strategie zur Bek&auml;mpfung von Corona? Am Ende der dritten Welle kann dies nun langsam eingesch&auml;tzt werden.<\/p><p>Die wesentliche Strategie w&auml;hrend der zweiten und dritten Welle war es, mit Hilfe eines generellen Lockdowns und von Kontaktbeschr&auml;nkungen die generellen Infektionszahlen niedrig zu halten und so die Risikogruppen zu sch&uuml;tzen. Zun&auml;chst wurden in einem sogenannten &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/leben\/aktuell-wellenbrecher-lockdown-1.5098862\">Wellenbrecherlockdown<\/a>&ldquo; im November 2020 der Einzelhandel, die Gastst&auml;tten, Hotels und die Kulturbranche geschlossen. Dieser &bdquo;Lockdown light&ldquo; wurde im Dezember noch einmal <a href=\"https:\/\/www.bundesregierung.de\/resource\/blob\/997532\/1827366\/69441fb68435a7199b3d3a89bff2c0e6\/2020-12-13-beschluss-mpk-data.pdf\">versch&auml;rft<\/a> &ndash; allerdings, wie oben bereits beschrieben, ohne die Wirtschaft zu Ma&szlig;nahmen zu verpflichten.<\/p><p>Der Schutz der Altenheime wurde nicht als priorit&auml;r betrachtet &ndash; auch weil niemand mit einer zweiten Welle gerechnet hatte. Der Sommer war somit nicht genutzt worden, um ein Schutzkonzept f&uuml;r Altenheime zu entwickeln. Grunds&auml;tzlich wollte man die Bewohner der Altenheime besser sch&uuml;tzen, aber auch verhindern, dass sie noch einmal durch ein Besuchsverbot so isoliert werden wie im Fr&uuml;hjahr. Ein m&ouml;glicher Weg zum Schutz der Bewohner war das verst&auml;rkte Testen des Personals und der Besucher. Im September hatte die WHO in einer <a href=\"https:\/\/www.who.int\/publications-detail-redirect\/antigen-detection-in-the-diagnosis-of-sars-cov-2infection-using-rapid-immunoassays\">Empfehlung<\/a> eine neue Form von Schnelltests als wissenschaftlich valide Testvariante beurteilt. Im Oktober passte die Bundesregierung die <a href=\"https:\/\/www.bundesgesundheitsministerium.de\/fileadmin\/Dateien\/3_Downloads\/C\/Coronavirus\/Verordnungen\/Corona-Test-VO_BAnz_AT_141020.pdf\">Testverordnung<\/a> an: Besucher und Bewohner von Altenheimen sollten Schnelltests durch medizinisch geschultes Personal erhalten. Die Altenheime mussten daf&uuml;r ein einrichtungsbezogenes Testkonzept beim Gesundheitsamt einreichen und darin ihren Bedarf an Schnelltests darlegen. Die Gesundheits&auml;mter waren allerdings durch den Beginn der zweiten Welle &uuml;berlastet &ndash; in einem <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article218818238\/Corona-Schnelltests-im-Altenheim-In-der-Form-nicht-umsetzbar.html\">Interview<\/a> sagt der Leiter eines Pflegeheims, dass ihm das Gesundheitsamt gesagt habe, das Konzept sei dann genehmigt, wenn er nach zwei Wochen nichts vom Gesundheitsamt geh&ouml;rt h&auml;tte. Die L&auml;nder <a href=\"https:\/\/www.aerzteblatt.de\/nachrichten\/118155\/Antigenschnelltests-laufen-in-ersten-Laendern-an\">bestellten<\/a> im November auch schon pr&auml;ventiv ein gro&szlig;e Menge an Schnelltests. Die Pflegeheime hatten allerdings gar nicht ausreichend Personal, um die Tests durchzuf&uuml;hren, da beispielsweise f&uuml;r jeden Test Schutzkleidung angelegt werden musste. Im Dezember versch&auml;rfte die Bundesregierung die bisherige <a href=\"https:\/\/www.bundesregierung.de\/resource\/blob\/997532\/1827366\/69441fb68435a7199b3d3a89bff2c0e6\/2020-12-13-beschluss-mpk-data.pdf\">Testregelung<\/a><span style=\"color:black\"> f&uuml;r Altenheime noch einmal: Eine mehrmalige Testpflicht des Personals wurde eingef&uuml;hrt und in Regionen mit erh&ouml;hter Inzidenz mussten alle Besucher getestet werden. Offen blieb allerdings, wer diese Vorgabe in den Pflegeeinrichtungen umsetzen und die Tests durchf&uuml;hren sollte. Es musste sich um medizinisch geschultes Personal handeln. Die Kommunen wollten das Technische Hilfswerk fragen, der Bund wollte dies nicht &ndash; m&ouml;glicherweise aus Angst vor der Symbolik eines Einsatzes des Katastrophenschutzes in Altenheimen vor Weihnachten. Stattdessen wollte die Regierung eine Hotline der Arbeitsagentur einrichten lassen, bei der sich Freiwillige melden konnten. Der Start der Hotline verz&ouml;gerte sich allerdings aufgrund von <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/corona-schnelltest-pflicht-in-altenheimen-wir-versuchen-uns-selbst-hilfe-zu-holen-a-cd9b0cd3-629f-44e5-87b6-7787ba6bbf8c\">b&uuml;rokratischen Fragen<\/a> bis Ende Januar. In der Not wurde die Armee angefragt, deren Einsatz sich ebenfalls durch b&uuml;rokratische H&uuml;rden verz&ouml;gerte (wo sollten die Soldaten schlafen und wer bezahlt daf&uuml;r?). Die Satiresendung &bdquo;Die Anstalt&ldquo; fasst die Versuche der Personalgewinnung pointiert <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=6l4pAvIfdE0\">hier<\/a> zusammen. <\/span><\/p><p>Das Ergebnis des Lockdowns und des mangelhaften Schutzes der Altenheime: Die Infektionszahlen unter der j&uuml;ngeren und mobilen Bev&ouml;lkerung konnten durch den umgesetzten Lockdown stabil gehalten und auch gesenkt werden. Der Effekt, dass dadurch auch die &auml;ltere Bev&ouml;lkerung gesch&uuml;tzt werden konnte, blieb jedoch aus: Die Infektionszahlen unter den &Auml;lteren stiegen w&auml;hrend der zweiten Welle im Dezember und Januar extrem an &ndash; bei einem gleichzeitigen Stagnieren und leichten Sinken der Zahlen unter den J&uuml;ngeren (vgl. <a href=\"https:\/\/www.rki.de\/DE\/Content\/InfAZ\/N\/Neuartiges_Coronavirus\/Situationsberichte\/Mai_2021\/2021-05-18-de.pdf?__blob=publicationFile\">hier<\/a>, Abb. 7:). Das f&uuml;hrte dazu, dass in der zweiten Welle von November bis Januar von allen Toten ein hoher Prozentsatz in Pflegeheimen untergebracht war: Von den 71.000 Coronatoten, die bis Anfang M&auml;rz gestorben waren, lebten mehr als <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/corona-mindestens-29-000-tote-in-alten-und-pflegeheimen-17229522.html\">29.000 in Pflegeeinrichtungen<\/a> (41%).<\/p><p>Dass die Pflegeheime nicht gesch&uuml;tzt werden konnten, war allerdings kein speziell deutsches Problem. Auch international gelang es kaum, die Pflegeheime zu sch&uuml;tzen. Im November 2020 brachte die Europ&auml;ische Seuchenschutzbeh&ouml;rde ECDC eine <a href=\"https:\/\/www.ecdc.europa.eu\/sites\/default\/files\/documents\/Increase-fatal-cases-of-COVID-19-among-long-term-care-facility-residents.pdf\">Risikoeinsch&auml;tzung<\/a> heraus, die neben Handlungsempfehlungen auch erste Zahlen aus anderen L&auml;ndern enthielt: In Frankreich starben 45 Prozent der Corona-Toten in Pflegeeinrichtungen, in Belgien waren es 43 Prozent. In den USA waren es im April 2021 <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/interactive\/2020\/us\/coronavirus-nursing-homes.html\">35 Prozent der Toten<\/a>. <\/p><p>Was genau in diesen L&auml;ndern geschah, kann hier nicht rekonstruiert werden. Pflegeheime scheinen f&uuml;r das Corona-Virus jedenfalls ideale Verbreitungsbedingungen zu bieten: Auf engem Raum befinden sich viele alte Menschen mit Vorerkrankungen, die t&auml;glich l&auml;ngeren Nahkontakt zu Pflegepersonal haben, das aufgrund der personellen Unterbesetzung der Heime kaum eine Chance hat, Hygienema&szlig;nahmen konsequent einzuhalten &ndash; geschweige denn als Zusatzaufgabe noch regelm&auml;&szlig;ige Tests durchzuf&uuml;hren. Hinzu kommt, dass das Pflegepersonal h&auml;ufig prek&auml;r besch&auml;ftigt ist und es sich aufgrund der eigenen finanziellen Lage und der Personalsituation im Pflegeheim nicht leisten kann, bei Krankheit zu Hause zu bleiben. Um die Entwicklung der Todeszahlen in den Altenheimen zu verhindern, w&auml;re wohl eine Abkehr von der oben beschriebenen politischen Langzeitstrategie der Privatisierung und eine bessere personelle Ausstattung der Altenheime notwendig gewesen. <\/p><p>Gleichzeitig h&auml;tte man auch fr&uuml;hzeitig anerkennen m&uuml;ssen, dass es bekannte Risikogruppen gibt, die priorit&auml;r gesch&uuml;tzt werden m&uuml;ssen. Es scheint, dass das Konzept des generellen Lockdowns zum Schutz der Risikogruppen eine grunds&auml;tzliche Schwachstelle hat, wenn die geforderten Ma&szlig;nahmen von der Politik nicht komplett im Sinne der Wissenschaft umgesetzt werden &ndash; dann gibt es kein Sicherheitsnetz, das die Risikogruppen noch sch&uuml;tzen k&ouml;nnte. Wenn noch langsame, entscheidungsunf&auml;hige b&uuml;rokratische Strukturen und ein personell unterbesetztes Pflegesystem hinzukommen, f&uuml;hrt dies zu katastrophal hohen Todeszahlen in der Risikogruppe.<\/p><p><strong>Alternative Ans&auml;tze und die Wissenschaft<\/strong><\/p><p>Dass man &auml;ltere Menschen besser h&auml;tte sch&uuml;tzen k&ouml;nnen, versuchte die Stadt T&uuml;bingen mit ihrem alternativen Ansatz zu beweisen. Dieser Ansatz folgte im wesentlichen der &bdquo;Focused Protection&ldquo;-Strategie der unterlegenen Wissenschaftlergruppe. Die Strategie wurde zus&auml;tzlich zu den bestehenden bundesweiten Schutzma&szlig;nahmen umgesetzt und nicht &ndash; wie es h&auml;ufig f&auml;lschlicherweise den Wissenschaftlern dieser Gruppe unterstellt wurde &ndash; unter Aussetzung aller Schutzma&szlig;nahmen f&uuml;r die j&uuml;ngere Bev&ouml;lkerung. Es wurden kreative Wege gefunden, wie die &auml;ltere Bev&ouml;lkerung gesch&uuml;tzt werden konnte: Die j&uuml;ngere Bev&ouml;lkerung wurde gebeten, nicht am Vormittag einzukaufen, sondern diese Zeit der &auml;lteren Bev&ouml;lkerung zum Einkaufen zu lassen. &Auml;ltere Leute konnten Taxis zum Preis eines Nahverkehrstickets nutzen, um nicht den &uuml;berf&uuml;llten &ouml;ffentlichen Nahverkehr nutzen zu m&uuml;ssen. Zudem wurden Anfang November kostenlos FFP2-Masken an diese verteilt. Vor einem Besuch von &auml;lteren Personen konnten die Menschen seit Ende Oktober in Testzentren oder im Pflegeheim einen kostenlosen Schnelltest durchf&uuml;hren. Die Tests wurden durch Freiwillige des Deutschen Roten Kreuzes durchgef&uuml;hrt. Schon seit Anfang September wurde das Personal in Alten- und Pflegeheimen regelm&auml;&szlig;ig getestet.<\/p><p>In den Medien gab es von Anfang bis Mitte Dezember auch <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/boris-palmer-ueber-tuebingens-corona-sonderweg-wir-haben-zuletzt-bei-den-ueber-75-jaehrigen-keine-faelle-mehr\/26698406.html\">einige Berichte<\/a> &uuml;ber diesen T&uuml;binger Ansatz, da der T&uuml;binger Oberb&uuml;rgermeister, Boris Palmer, erkl&auml;rt hatte, dass es seit einigen Wochen dank des T&uuml;binger Wegs keine Infektionen in den Alten- und Pflegeheimen mehr gegeben habe. In den Medien herrschte allerdings &ndash; wie in der Wissenschaft &ndash; eine gro&szlig;e Skepsis gegen&uuml;ber den Schnelltests vor, da diese falsche Sicherheit vorgaukeln k&ouml;nnten. Au&szlig;erdem seien diese Tests und das f&uuml;r die Durchf&uuml;hrung ben&ouml;tigte Personal zu teuer. Die Frage war auch, ob dieser Ansatz auf Deutschland &uuml;bertragbar sei &ndash; schlie&szlig;lich sei T&uuml;bingen eine akademisch gepr&auml;gte Kleinstadt. Mitte Dezember galt das Modell dann zumindest in den <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/news\/2020-12\/14\/rueckschlag-fuer-tuebinger-weg-mehr-infektionen-in-heimen\">Medien als diskreditiert<\/a>, nachdem einige Medien einzelne F&auml;lle in Altenheimen aufgedeckt hatten.<\/p><p>Erstaunlicherweise &auml;u&szlig;erte sich in den Medien kein einziger der wissenschaftlichen Lockdown-Bef&uuml;rworter zu diesem Ansatz. Zur gleichen Zeit &auml;u&szlig;erte sich einer der Hauptvertreter dieses Ansatzes, Christian Drosten, in seinem Podcast allerdings unerwartet absch&auml;tzig &uuml;ber ein <a href=\"https:\/\/www.monitor-versorgungsforschung.de\/Abstracts\/Abstract2020\/mvf-0620\/Schrappe_etal_Thesenpapier_6-0_Corona-Pandemie\">Thesenpapier<\/a> seines Professorenkollegen Matthias Schrappe, das einen differenzierten Focused-Protection-Ansatz vorschlug. Er sagte in seinem <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/info\/68-Coronavirus-Update-Harter-Lockdown-jetzt,podcastcoronavirus272.html#Dunkelziffer\">Podcast <\/a><a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/info\/68-Coronavirus-Update-Harter-Lockdown-jetzt,podcastcoronavirus272.html#Dunkelziffer\">Mitte Dezember<\/a> unter anderem: &bdquo;Ein Vorschlag, der hier stark versucht wird zu machen, ist: Man muss sich doch st&auml;rker auf das Sch&uuml;tzen der Risikogruppe konzentrieren. Das ist richtig. Das w&uuml;rde niemand bestreiten. Nur man muss Dinge mit einer Umsetzungsidee vorschlagen. Das fehlt hier einfach. Also, wenn man nicht beitragen kann, wie man es denn besser hinkriegen kann und daf&uuml;r auch vielleicht wissenschaftliche Belege zitieren kann, wie man dahin kommt, dann ist das einfach nicht sehr n&uuml;tzlich. Dann macht das bei denen, die sich nicht im Detail auskennen, auch bei den Politikern, den Eindruck, die Wissenschaft ist sich nicht einig und man kann sich auf die Wissenschaft gar nicht mehr verlassen.&ldquo;<\/p><p>Die zeitgleich in den Medien beschriebenen konkreten T&uuml;binger Umsetzungsideen kommentierte Drosten allerdings nicht. Aus seiner Sicht als Wissenschaftler war dies sogar verst&auml;ndlich, da der T&uuml;binger Versuch keinerlei wissenschaftlichen Standards gen&uuml;gte. Daher kann die Frage, ob dieser Ansatz funktioniert hat, leider kaum beantwortet werden. Die Stadt hat (laut Pressestelle) aufgrund ihrer geringen Einwohnerzahl (unter 100.000) keine systematischen Zahlen zur Altersstruktur der Infizierten erhoben &ndash; die T&uuml;binger Zahlen wurden gemeinsam mit dem (deutlich gr&ouml;&szlig;eren) Landkreis erhoben und k&ouml;nnen von den dortigen Infektionszahlen nicht getrennt werden. Die Berichterstattung &uuml;ber den T&uuml;binger Weg, die Mitte Dezember einsetzte, k&ouml;nnte also &ndash; zumindest, wenn man keine genauen Daten hat &ndash; auch nur eine PR-Aktion gewesen sein.<\/p><p>Allerdings muss hier auch betont werden, dass die M&ouml;glichkeit, wissenschaftlich begleitete Modellversuche auf regionaler Ebene durchzuf&uuml;hren, erst Ende M&auml;rz 2021 von der Politik <a href=\"https:\/\/www.twobirds.com\/de\/news\/articles\/2021\/germany\/covid-19-verordnungen-und-verfuegungen-bl#Modellversuche%20in%20den%20L%C3%A4ndern\">erm&ouml;glicht <\/a>wurde (und dann mit der Bundesnotbremse einen Monat sp&auml;ter &ndash; nach einer Welle an Modellprojekten &ndash; wieder zur&uuml;ckgenommen wurde). Es gab keine finanzielle F&ouml;rderung f&uuml;r die Durchf&uuml;hrung von wissenschaftlichen Versuchen, die der Lockdown-Idee widersprachen. Die Stadt T&uuml;bingen musste die Schnelltests aus ihrem eigenen Budget bezahlen (immerhin 500.000 Euro). Eine F&ouml;rderung f&uuml;r die wissenschaftliche Begleitung gab es nicht.<\/p><p>Die Forderung von Christian Drosten, dass alternative Ans&auml;tze auch wissenschaftlich belegbar sein sollten, lie&szlig; sich somit gar nicht umsetzen, weil Forschungsprojekte zu diesen Ans&auml;tzen aufgrund der aktuellen Vorstellung der Bek&auml;mpfung von Corona gar nicht finanziert wurden. Das erste Forschungsf&ouml;rderprogramm des Bundesministeriums f&uuml;r Bildung und Forschung, das im M&auml;rz 2020 ausgeschrieben wurde, umfasste bis zu 45 Millionen Euro. Eine &Uuml;bersicht &uuml;ber die vom BMBF gef&ouml;rderten Projekte im Zusammenhang mit Corona findet sich <a href=\"https:\/\/www.gesundheitsforschung-bmbf.de\/de\/erforschung-von-covid-19-im-zuge-des-ausbruchs-von-sars-cov-2-11483.php\">hier<\/a>. Neben sehr vielen Forschungsprojekten zu medizinischen Behandlungsaspekten von Corona finden sich dort drei Projekte zur Frage, wie man m&ouml;glichst gut den Effekt von Lockdown-Ma&szlig;nahmen und deren Auswirkung auf das Verhalten der Bev&ouml;lkerung modellieren kann (<a href=\"https:\/\/www.gesundheitsforschung-bmbf.de\/de\/vorhersage-der-sars-cov-2-infektionsdynamik-und-evaluation-von-politischen-11917.php\">CoViDec<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.gesundheitsforschung-bmbf.de\/de\/copredict-covid-19-evaluation-von-praventionstrategien-durch-agentenbasierte-simulationen-11714.php\">CoPREDICT<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.gesundheitsforschung-bmbf.de\/de\/mokoco19-modellbasierte-datenanalyse-fur-die-bevolkerungsbezogene-prospektive-covid-19-11709.php\">MoKoCo19<\/a>). Die ersten Ergebnisse dieser Projekte fanden sich in den Diskussionen zur zweiten und dritten Welle bereits <a href=\"https:\/\/www.helmholtz.de\/aktuell\/coronavirus-sars-cov-2\/stellungnahme-der-helmholtz-initiative-systemische-epidemiologische-analyse-der-covid-19-epidemie\/\">wieder<\/a> und beeinflussten den medialen Diskurs in einem <a href=\"https:\/\/twitter.com\/tilojung\/status\/1355912030679654406?lang=en\">&auml;ngstigenden Sinne<\/a>. Vier Projekte besch&auml;ftigen sich mit dem Thema Risikokommunikation und wie man mit der Bev&ouml;lkerung in einer Krise kommunzieren sollte, damit Ma&szlig;nahmen befolgt werden (<a href=\"https:\/\/www.gesundheitsforschung-bmbf.de\/de\/gick-gesundheitskommunikation-in-corona-krise-11633.php\">GICK<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.gesundheitsforschung-bmbf.de\/de\/rezeption-und-akzeptanz-oeffentlicher-informationen-trotz-polarisierung-12099.php\">RAPID-COVID<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.gesundheitsforschung-bmbf.de\/de\/ricort-anforderungen-an-die-risikokommunikation-fur-spezifische-zielgruppen-in-einer-lang-11659.php\">RiCoRT<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.gesundheitsforschung-bmbf.de\/de\/offentliche-wahrnehmung-ethischer-rechtlicher-und-sozio-okonomischer-dimensionen-11712.php\">Understand-ELSED<\/a>). Zwei Projekte untersuchen, welche Rolle Solidarit&auml;t bei den individuellen Reaktionen der Menschen auf die Ma&szlig;nahmen spielt (<a href=\"https:\/\/www.gesundheitsforschung-bmbf.de\/de\/solidaritaet-zwischen-freiheitseinschraenkung-und-wirtschaftlichem-wohlergehen-12090.php\">SAFE-19<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.gesundheitsforschung-bmbf.de\/de\/solidaritaet-in-zeiten-der-pandemie-longitudinale-internationale-vergleichsstudie-12089.php\">SolPan<\/a>). Zwei Projekte erforschen die Entwicklung von Schnelltests (<a href=\"https:\/\/www.gesundheitsforschung-bmbf.de\/de\/sars2-mab-test-entwicklung-eines-vor-ort-schnelltestes-zum-nachweis-von-sars-cov-2-11657.php\">SARS2-MAB-Test<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.gesundheitsforschung-bmbf.de\/de\/corna-entwicklung-eines-schnelltest-auf-cov-2-na-aus-abstrichen-11672.php\">coRNA<\/a>) und ein Projekt die Optimierung von Masken (<a href=\"https:\/\/www.gesundheitsforschung-bmbf.de\/de\/evaluation-von-lungenfunktion-koerperlicher-belastbarkeit-und-luftnot-mit-masken-12178.php\">BIO-PROTECT-Mask<\/a>). Au&szlig;erdem besch&auml;ftigt sich jeweils ein Projekt mit den Auswirkungen der Ma&szlig;nahmen auf die &bdquo;soziale Gesundheit&ldquo; (<a href=\"https:\/\/www.gesundheitsforschung-bmbf.de\/de\/auswirkungen-der-politischen-und-sozialen-massnahmen-zur-eindaemmung-der-pandemie-11930.php\">CoronaCare<\/a>), den sozio&ouml;konomischen Folgen der Ma&szlig;nahmen (<a href=\"https:\/\/www.gesundheitsforschung-bmbf.de\/de\/soep-cov-sozio-okonomische-faktoren-und-folgen-der-verbreitung-des-coronavirus-in-11489.php\">SOEP-CoV<\/a>), den Folgen f&uuml;r die Gesetzgebung (<a href=\"https:\/\/www.gesundheitsforschung-bmbf.de\/de\/legemerge-gesetzgebung-im-gesundheitsnotstand-12088.php\">LegEmerge<\/a>) sowie mit der Vorausplanung von Corona-Behandlungen in der Altenpflege (<a href=\"https:\/\/www.gesundheitsforschung-bmbf.de\/de\/behandlung-in-der-stationaeren-altenpflege-waehrend-der-covid-19-pandemie-planen-12187.php\">BVP-Akut<\/a>).<\/p><p>Es folgten immerhin noch drei weitere BMBF-Forschungsf&ouml;rderprogramme: Das im Juni 2020 ausgeschriebene <a href=\"https:\/\/www.gesundheitsforschung-bmbf.de\/de\/sonderprogramm-zur-beschleunigung-von-forschung-und-entwicklung-dringend-benotigter-12534.php\">F&ouml;rderprogramm zur Herstellung eines Impfstoffes<\/a> umfasste bis zu 740 Millionen Euro und wurde an drei Forschungsprojekte vergeben. Im Januar 2021 folgte die Ausschreibung eines <a href=\"https:\/\/www.gesundheitsforschung-bmbf.de\/de\/12638.php\">F&ouml;rderprogramms zur Suche nach Medikamenten gegen Corona<\/a> und im Februar ein <a href=\"https:\/\/www.bmbf.de\/foerderungen\/bekanntmachung-3457.html\">F&ouml;rderprogramm zur Untersuchung der gesellschaftlichen Auswirkungen von Corona<\/a>. Die gef&ouml;rderten Projekte des Programms zur Suche nach Medikamenten sollten bereits im Mai starten. Beim zweiten Programm wird im Oktober bekannt gegeben, welche Projekte gef&ouml;rdert werden.<\/p><p>Keines dieser Projekte besch&auml;ftigte sich allerdings mit der Frage, wie man die Risikogruppen besser sch&uuml;tzen k&ouml;nnte. Auch die Erforschung von Medikamenten zur Behandlung von Corona wurde <a href=\"https:\/\/www.daserste.de\/information\/wirtschaft-boerse\/plusminus\/sendung\/corona-medikamente-politik-100.html\">verschlafen<\/a> aufgrund der vorherrschenden Fixierung auf Impfstoffe. Dass alternative wissenschaftliche Ans&auml;tze nicht erforscht werden, ist auch einer der wesentlichen Gr&uuml;nde, warum sich wissenschaftliche Paradigmen h&auml;ufig so lange behaupten k&ouml;nnen. Ein weiterer Grund kann allerdings auch sein, dass wirtschaftliche Interessen hinter der Nicht-Erforschung von Alternativen stehen. In der Corona-Pandemie wird beispielsweise die Effektivit&auml;t des <a href=\"https:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/pii\/S0166354220302011?via%3Dihub\">theoretisch vielversprechenden<\/a> und g&uuml;nstig herzustellenden Medikaments Ivermectin in keiner wissenschaftlichen Studie in einem westlichen Land <a href=\"https:\/\/sebastianrushworth.com\/2021\/05\/09\/update-on-ivermectin-for-covid-19\/\">untersucht<\/a>. <\/p><p><strong>Der schwedische Ansatz<\/strong><\/p><p>Ein Land stellte sich allerdings gegen das wissenschaftliche Lockdown-Paradigma und verfolgte eine anderen Ansatz: Schweden setzte auf die Eigenverantwortung seiner B&uuml;rger und nicht auf generelle Lockdowns &ndash; dies war teilweise auch durch die schwedische Verfassung vorgegeben. Es traf allerdings nicht zu, dass in Schweden keine Ma&szlig;nahmen zur Bek&auml;mpfung von Corona beschlossen worden sind. Allerdings wurden deutlich weniger Ma&szlig;nahmen als im Rest Europas umgesetzt: Der Einzelhandel, die Caf&eacute;s und Hotels waren nie geschlossen &ndash; bei steigenden Infektionszahlen wurde lediglich die zugelassene Anzahl an Kunden begrenzt. Universit&auml;ten und Sekundarschulen wurden im Fr&uuml;hjahr 2020 noch geschlossen, im Winter wurden nur die Sekundarschulen geschlossen. Die schwedischen Grundschulen wurden hingegen nie geschlossen. Eine Maskennutzung unter freiem Himmel wurde nie verordnet &ndash; bei steigenden Zahlen wurde die Maskennutzung im Nahverkehr im Dezember empfohlen. Gr&ouml;&szlig;ere Versammlungen und Veranstaltungen waren aber im Winter auch in Schweden verboten. Von April bis Oktober 2020 herrschte auch ein Besuchsverbot von Altenheimen. Allerdings konnten sich durchg&auml;ngig bis zu acht Personen treffen.<\/p><p>Der schwedische Ansatz war auf den Schutz von Risikogruppen ausgelegt. Die nicht gef&auml;hrdete Bev&ouml;lkerung sollte sich durch Einhaltung der Hygieneregeln und durch Abstandhalten sch&uuml;tzen. Dieser Ansatz war der weltweit am meisten bek&auml;mpfte und unter Gegnern des Lockdowns am h&auml;ufigsten zitierte Ansatz, weil er dem offiziellen wissenschaftlichen Bek&auml;mpfungsparadigma widersprach. Dementsprechend umstritten ist auch die Frage, wie erfolgreich dieser Ansatz war.<\/p><p>In der ersten Welle im Jahr 2020 war es in Schweden &ndash; wie sp&auml;ter in Deutschland &ndash; nicht gelungen, die Alten- und Pflegeheime zu sch&uuml;tzen: Fast die H&auml;lfte der Toten in der ersten Welle starb in einem Pflegeheim, ein weiteres Viertel starb in h&auml;uslicher Pflege. Dies war vor allem auf die schlechten Pflegebedingungen und kaum vorhandene Schutzausr&uuml;stung zur&uuml;ckzuf&uuml;hren. Zu diesem fr&uuml;hen Zeitpunkt der Pandemie gab es kaum Masken oder Tests auf dem internationalen Markt. Au&szlig;erdem waren auch in Schweden die Pflegeheime <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2020\/10\/08\/business\/coronavirus-sweden-social-welfare.html\">privatisiert worden<\/a> und Personalkosten durch den Einsatz von schlecht ausgebildeten Zeitarbeitern gesenkt worden. Im Herbst 2020 wurde eine Untersuchungskommission eingesetzt, um zu kl&auml;ren, wie es zu den hohen Todeszahlen kommen konnte. Der <a href=\"https:\/\/coronakommissionen.com\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/summary.pdf\">finale Untersuchungsb<\/a><a href=\"https:\/\/coronakommissionen.com\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/summary.pdf\">ericht<\/a> erkannte an, dass die hohen Zahlen zum einen durch die hohen Infektionszahlen in der Gesamtbev&ouml;lkerung bedingt waren, sah aber zum anderen einen wesentlichen Grund f&uuml;r die Todeszahlen in den mangelhaften strukturellen Rahmenbedingungen, die in der Altenpflege in Schweden herrschen.<\/p><p>Im Dezember stiegen die Infektionszahlen in Schweden wieder deutlich an und die Intensivstationen in einigen Regionen waren am Rande ihrer <a href=\"http:\/\/portal.icuregswe.org\/utdata\/en\/report\/mort.mortalitet-iva\">Kapazit&auml;ten<\/a>. Diese Entwicklung und der europaweite politische und mediale Druck f&uuml;hrten dazu, dass auch innerhalb Schwedens der eigene Sonderweg auf <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/world-europe-55347021\">h&ouml;chster Ebene kritisiert<\/a> wurde. Im Januar wurde daher <a href=\"https:\/\/www.loc.gov\/law\/foreign-news\/article\/sweden-new-covid-19-act-enters-into-force\/\">ein Gesetz erlassen<\/a>, das der Regierung zeitlich begrenzt die M&ouml;glichkeit gibt, beispielsweise die Teilnehmerzahl bei &ouml;ffentlichen Veranstaltungen zu begrenzen und Sanktionen bei Verst&ouml;&szlig;en zu erlassen. Ein &auml;hnliches zeitlich begrenztes Gesetz hatte das Parlament bereits im April 2020 erlassen &ndash; die dort m&ouml;glichen Regelungen wurden allerdings nie eingesetzt. In diesem Jahr nutzte die Regierung das neue Gesetz und f&uuml;hrte beispielsweise einige <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20210518152443\/https:\/www.krisinformation.se\/en\/hazards-and-risks\/disasters-and-incidents\/2020\/official-information-on-the-new-coronavirus\/restriktioner-och-forbud\">Regeln f&uuml;r den Besuch von Restaurants, Cafes und Bars<\/a> ein. Allerdings blieben diese trotz der hohen Infektionszahlen ge&ouml;ffnet. Schweden hatte im Mai die h&ouml;chste Inzidenz in ganz Europa &ndash; gleichzeitig war die Todesrate eine der niedrigsten europaweit mit 12 Toten je 1 Millionen Einwohner (<a href=\"https:\/\/covid19-country-overviews.ecdc.europa.eu\/#35_Sweden\">Woche 18 &amp; 19<\/a>).<\/p><p>Allerdings gelang es in Schweden nach den Erfahrungen der ersten Welle, die &auml;ltere Bev&ouml;lkerung trotz der hohen Infektionszahlen in der zweiten und dritten Welle besser zu sch&uuml;tzen. Wenn man die Daten zur &Uuml;bersterblichkeit in der &auml;lteren Bev&ouml;lkerung untersucht, sieht man deutlich, dass es in Schweden im Dezember und Januar keine h&ouml;here Sterblichkeit als in den Vorjahren gab &ndash; ganz im Gegensatz zu Deutschland (hier ein Vergleich der &Uuml;bersterblichkeit von verschiedenen L&auml;ndern unter den <a href=\"http:\/\/www.krauses.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Exzess_Mortalitaet_Ueber-65-Jaehrige_nach_Laendern.png\">&uuml;ber 65-J&auml;hrigen<\/a> und den <a href=\"http:\/\/www.krauses.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/%20xzess_Mortalitaet_Ueber-85-Jaehrige_nach_Laendern.png\">&uuml;ber 85-J&auml;hrigen<\/a>, Quelle: <a href=\"https:\/\/www.euromomo.eu\/graphs-and-maps\/\">Euromomo<\/a>). Eine Untersuchungskommission zu den hohen Todeszahlen in Pflegeheimen im Dezember und Januar gab es in Deutschland allerdings bisher nicht.<\/p><p>Die Lockdown-Vertreter sehen das schwedische Modell hingegen als gescheitert an, da die &Uuml;bersterblichkeit des gesamten Jahres 2020 in Schweden h&ouml;her war als in den skandinavischen Nachbarl&auml;ndern. Dies l&auml;sst sich jedoch anhand der Bev&ouml;lkerungszusammensetzung erkl&auml;ren: Schweden verf&uuml;gt &uuml;ber deutlich mehr st&auml;dtische Ballungsr&auml;ume und hat einen h&ouml;heren Anteil von Migranten. (Das soll hier nur am Rande erw&auml;hnt werden: Corona ist eine Krankheit, die <a href=\"https:\/\/www.bmj.com\/content\/372\/bmj.n376\">&uuml;berproportional oft &auml;rmere Bev&ouml;lkerungsschichten trifft<\/a>. Dies liegt zum einen daran, dass diese Gruppen trotz Corona unter oftmals schlechten Arbeitsbedingungen (zum Beispiel in Schlachth&ouml;fen) weiterarbeiten m&uuml;ssen, und zum anderen daran, dass sich Infizierte aufgrund der Wohnverh&auml;ltnisse nur schlecht isolieren k&ouml;nnen.) Wenn man die &Uuml;bersterblichkeit in Bezug auf die mittleren Jahre 2015-2019 anschaut, dann hat Schweden im Corona-Jahr 2020 <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=70449\">eine der niedrigsten Raten europaweit<\/a> &ndash; deutlich niedriger als die s&uuml;deurop&auml;ischen L&auml;nder mit ihren harten Lockdowns.<\/p><p><strong>Die versch&auml;rfte Lockdown-Strategie und die Bedeutung der Impfung<\/strong><\/p><p>In Deutschland erkannten die Lockdown-Wissenschaftler bereits im Dezember, dass die Politik ihre Ma&szlig;nahmen immer wieder verw&auml;sserte und diese in ihren Augen nicht konsequent genug umsetzte. Daher <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/info\/68-Coronavirus-Update-Harter-Lockdown-jetzt,podcastcoronavirus272.html#Lockdown\">koordinierten<\/a> sich die Wissenschaftler zun&auml;chst im Dezember und gaben <a href=\"https:\/\/www.leopoldina.org\/uploads\/tx_leopublication\/2020_12_08_Stellungnahme_Corona_Feiertage_final.pdf\">eine gemeinsame Stellungnahme<\/a> zu einem in ihren Augen notwendigen Shutdown heraus. Im Januar radikalisierten die Wissenschaftler ihre Strategie und <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/wissen\/gesundheit\/2021-01\/coronavirus-strategie-no-covid-positionspapier-neuinfektionen-lockdown\">forderten<\/a>, dass die Politik eine No-Covid-Strategie verfolgen sollte, die einen Shutdown des kompletten &ouml;ffentlichen Lebens vorsah, bis die Infektionszahlen auf Null sinken. Ansonsten w&uuml;rden die von der Politik immer wieder verw&auml;sserten Ma&szlig;nahmen zu immer neuen Lockdowns f&uuml;hren. Dies bedeutete eine Versch&auml;rfung des bisherigen Ansatzes, der darauf ausgerichtet war, den exponentiellen Anstieg zu verhindern (<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Flattening_the_curve\">flattening the curve<\/a>), um so das Gesundheitssystem zu entlasten und durch Impfungen eine baldige Immunit&auml;t der Bev&ouml;lkerung zu erreichen. Der neue Ansatz zielte auf die Eliminierung des Virus und war inspiriert durch die radikalen Ans&auml;tze zur Bek&auml;mpfung von Corona in Neuseeland und China. Ob dieser Ansatz allerdings jenseits eines <a href=\"https:\/\/time.com\/5824042\/new-zealand-coronavirus-elimination\/\">gut-isolierbaren Inselstaates wie Neuseeland<\/a> und au&szlig;erhalb eines <a href=\"https:\/\/www.businessinsider.com\/chinas-coronavirus-quarantines-other-countries-arent-ready-2020-3?r=DE&amp;IR=T\">autorit&auml;ren Regimes wie China<\/a> funktionieren konnte, war w&auml;hrend der ersten Welle im Jahr 2020 noch umstritten. Auf dem H&ouml;hepunkt der zweiten Welle im Fr&uuml;hjahr 2021 blickten <a href=\"https:\/\/www.thelancet.com\/journals\/lancet\/article\/PIIS0140-6736(20)32625-8\/fulltext\">Wissenschaft<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/world\/commentisfree\/2021\/jan\/28\/all-countries-should-pursue-a-covid-19-elimination-strategy-here-are-16-reasons-why\">Medien<\/a> jedoch hoffnungsvoll auf diese L&auml;nder und deren Strategien. Hinzugekommen war insbesondere Australien, das die No-Covid-Strategie radikal umsetzte und <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/corona-melbourne-macht-erneut-dicht\/a-57681434\">Millionen-St&auml;dte wegen einzeln auftretender F&auml;lle<\/a> sperrte. Dass in Australien zu diesem Zeitpunkt Sommer war und sich Corona so besser kontrollieren lie&szlig;, wurde kaum ber&uuml;cksichtigt. Das Ergebnis stand im Vordergrund der Argumentation: Wie positiv w&auml;re es f&uuml;r alle, wenn es keine Corona-F&auml;lle mehr g&auml;be! Den Weg dahin sollte ein Shutdown-Zeitplan ebnen, der an der jeweiligen Inzidenz des Kreises orientiert war:&nbsp; Wie lange ein solcher Shutdown realistischerweise in einem deutschen Winter dauern w&uuml;rde, um eine Inzidenz von null zu erreichen, wurde jedoch nicht thematisiert (in Melbourne dauerte der rigorose Winter-Shutdown <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2020\/10\/28\/world\/australia\/melbourne-lockdown-ends.html\">beispielsweise 15 Wochen<\/a>). Ebensowenig wurde die grunds&auml;tzliche Frage gestellt, ob die geforderten Ma&szlig;nahmen zur Eliminierung von Corona einer Demokratie angemessen sind oder eher zu einem Gesundheitspolizeistaat <a href=\"https:\/\/www.hr-inforadio.de\/podcast\/politik\/echt-jetzt-ueberzeug-mich-in-18-minuten-mit-no-covid-gegen-die-pandemie,podcast-episode-85850.html\">f&uuml;hren<\/a>. Die No-Covid-Strategie befand sich zudem in einer Grauzone zwischen Politik und Wissenschaft: Handelt es sich um einen wissenschaftlichen Vorschlag zur Bek&auml;mpfung von Corona oder eher um eine politische Strategie, die von Wissenschaftlern vertreten wurde?<\/p><p>Die Politik &uuml;bernahm die Interpretation der Wissenschaftler, dass die Lockdowns im November und Dezember nicht schnell und konsequent genug erfolgt seien. Angela Merkel r&auml;umte dies als Fehler in ihrer <a href=\"https:\/\/www.bundesregierung.de\/breg-de\/service\/bulletin\/regierungserklaerung-von-bundeskanzlerin-dr-angela-merkel-1853886\">Regierungserkl&auml;rung<\/a> im Februar ein: &bdquo;Wir [waren] nicht vorsichtig genug und nicht schnell genug. Wir haben auf die Anzeichen der zweiten Welle und die Warnungen verschiedener Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hin nicht fr&uuml;h genug und nicht konsequent genug das &ouml;ffentliche Leben wieder heruntergefahren.&ldquo; Dementsprechend wurde der seit Dezember bestehende Lockdown fortgesetzt und keine Lockerungen zugelassen. Im Februar wurde von der Ministerpr&auml;sidentenkonferenz sogar beschlossen, dass es Lockerungen erst unterhalb eines (im Winter recht utopischen) Wertes von 35 geben sollte. Dieser Wert war bereits im November ins Infektionsschutzgesetz aufgenommen worden, ohne dass man davon allerdings Lockerungen abh&auml;ngig gemacht hatte. In den Monaten Februar und M&auml;rz war die Politik somit stark von dem Eindruck der zweiten Welle und den an einer No-Covid-Strategie angelehnten Forderungen der Lockdown-Wissenschaftler gepr&auml;gt.<\/p><p>Die Medien berichteten in den Monaten Dezember und Januar t&auml;glich &uuml;ber die neuen Todeszahlen &ndash; ohne diese allerdings einzuordnen, indem beispielsweise angegeben wurde, wieviele Menschen t&auml;glich in Deutschland auch ohne Corona sterben. Schon damals gab es auch <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Wer-zaehlt-als-Corona-Toter-5035504.html?seite=all\">Kritik an den Zahlen<\/a>, da sich das Robert Koch-Institut bei der Berechnung nicht an den internationalen Standards orientierte und zudem vielen Gesundheits&auml;mtern die Logik der Aufschl&uuml;sselung unklar war. Mit gro&szlig;er Wahrscheinlichkeit waren die berichteten Zahlen durch diese beiden Faktoren zu hoch.<\/p><p>Um ihr kritisches Potential zu sch&auml;rfen, fanden die Medien in dieser Zeit aber auch ein neues Thema: Das &bdquo;Impfdesaster&ldquo; in der Europ&auml;ischen Union und sp&auml;ter in Deutschland. Hier konnte das in den Medien gern verwendete Narrativ, dass Deutschland ein abgeh&auml;ngtes und r&uuml;ckst&auml;ndiges Land sei, bedient werden, das in den letzten Jahren gerne im Zusammenhang mit der Digitalisierung verwendet wurde. Dass die Impfung von vielen Millionen Menschen nicht in einem Monat umsetzbar war und eine koordinative Leistung ist, h&auml;tte eigentlich auch den <a href=\"https:\/\/uebermedien.de\/58219\/das-schimpfdesaster\/\">Medien bewusst sein k&ouml;nnen<\/a>.<\/p><p>Die Dramatik und Aufgeregtheit der Berichterstattung erkl&auml;rte sich aber auch durch die Bedeutung der Impfung: In Wissenschaft, Politik und Medien stellte sie den alleinigen Ausweg aus der Corona-Krise und den Lockdowns dar. Die Logik war: Die Pandemie <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=pGJEVXvOcRY\">endet erst dann<\/a>, wenn ein bestimmter hoher Prozentsatz der Bev&ouml;lkerung geimpft ist. Dies ist plausibel, wenn man wie die Lockdown-Wissenschaftler die Idee ablehnt, dass es bestimmte abgrenzbare Risikogruppen gibt, die durch eine Corona-Infektion gef&auml;hrdeter sind, und annimmt, dass gar nicht feststellbar ist, wer zur Risikogruppe geh&ouml;rt. In dieser Logik kann die Allgemeinbev&ouml;lkerung, bei der unklar ist, ob sie einem h&ouml;heren Sterbe- oder Long-Covid-Risiko ausgesetzt ist, nur durch eine Impfung gesch&uuml;tzt werden. Eine Differenzierung des Risikos darf nicht vorgenommen werden &ndash; die Festlegung einer Impfreihenfolge nach Risikogruppen stellte lediglich eine kurzzeitige Ausnahme von dieser M&ouml;glichst-Alle-M&uuml;ssen-Geimpft-Werden-Strategie dar. Die Vorstellung, dass die Pandemie f&uuml;r die Bev&ouml;lkerung nicht mehr gef&auml;hrlich ist, wenn die Risikogruppen und alle, die es wollen, geimpft sind, wird abgelehnt. Dies w&uuml;rde eine unkontrollierte Verbreitung von Corona bedeuten, die man auf jeden Fall vermeiden will. In der Bedeutung der Impfung f&uuml;r die Bek&auml;mpfung von Corona spiegelt sich die anfangs beschriebene wissenschaftliche Kontroverse wider. <\/p><p>Eine Begr&uuml;ndung f&uuml;r das weiter bestehende Gefahrenpotential bot insbesondere auch die britische Virusmutation. &Uuml;ber diese Mutation war lediglich bekannt, dass sie deutlich ansteckender als das bisherige Corona-Virus war und sich auch in Deutschland verbreitete. &Uuml;ber eine h&ouml;here T&ouml;dlichkeit konnte zun&auml;chst nur spekuliert werden &ndash; die Gefahr bestand allerdings darin, dass eine h&ouml;here Ansteckungsrate auch zu einer gr&ouml;&szlig;eren Anzahl an Hospitalisierungen und schweren Verl&auml;ufen f&uuml;hrte. <\/p><p>F&uuml;r die Wissenschaft war diese Mutation daher Anlass, ihre Forderungen nach einem h&auml;rteren Shutdown zu erneuern und Lockerungen auszuschlie&szlig;en. Einige Wissenschaftler <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/nachrichten\/panorama\/corona-wetter-effekte-mutante-100.html\">bezweifelten<\/a> aufgrund dieser Mutante sogar, dass die Infektionszahlen im Sommer sinken k&ouml;nnten. Die Medien konnten mit Hilfe der Mutation wieder dramatischer &uuml;ber die Ausbreitung dieser Variante berichten und die B&uuml;rger zur weiteren Befolgung der Corona-Ma&szlig;nahmen anhalten &ndash; insbesondere in den Monaten Februar und M&auml;rz, in denen die Infektionszahlen sanken. Die Politik konnte mit dem Hinweis auf <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/deutschland\/panorama\/corona-angela-merkel-zitat-neue-pandemie-100.html\">&bdquo;die neue <\/a><a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/deutschland\/panorama\/corona-angela-merkel-zitat-neue-pandemie-100.html\">Pandemie<\/a><a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/deutschland\/panorama\/corona-angela-merkel-zitat-neue-pandemie-100.html\">&ldquo;<\/a> (Angela Merkel) die weiterhin harten Ma&szlig;nahmen rechtfertigen, die sie aufgrund der Beratung durch die Wissenschaft f&uuml;r berechtigt hielt.<\/p><p><strong>Die dritte Welle<\/strong><\/p><p>Der Beginn der dritten Welle Anfang April wurde durch die britische Virusmutation erkl&auml;rt. Dass diese Variante einen Anteil an den steigenden Infektionszahlen hatte, ist wahrscheinlich. Die dritte Welle breitete sich jedoch &ndash; anders als die erste und die zweite Welle &ndash; nicht bundesweit gleichm&auml;&szlig;ig aus. Die dritte Welle wurde ausgel&ouml;st durch <a href=\"https:\/\/www.bbsr.bund.de\/BBSR\/DE\/startseite\/topmeldungen\/2020-corona-regional-update.html\">hohe Infektionszahlen in Tschechien<\/a> und verbreitete sich von Th&uuml;ringen, Sachsen und Bayern in weitere Teile Deutschlands (vgl. <a href=\"https:\/\/www.bbr-server.de\/imagemap\/leaflet\/animation\/covid-19\/index.html\">Karte<\/a>). Im Westen gab es zudem einige Corona-Hotspots, die wahrscheinlich durch Infektionen in der <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/plus229607457\/Dritte-Welle-Manche-wollen-nicht-wissen-was-bei-ihnen-vor-sich-geht.html\">Fleischindustrie<\/a> ausgel&ouml;st worden waren. Ein weiterer Ausl&ouml;ser war, dass die Infektionszahlen &ndash; insbesondere unter den 5-14-J&auml;hrigen &ndash; durch das vermehrte Testen in Schulsettings stark anstiegen.  <\/p><p>Wie auch schon w&auml;hrend der vorherigen Wellen durfte jedoch nicht zwischen den Infektionen unterschieden werden: Dass die Zahlen nur durch die vermehrten Infektionen der unter 60-J&auml;hrigen anstiegen (vgl. <a href=\"https:\/\/www.rki.de\/DE\/Content\/InfAZ\/N\/Neuartiges_Coronavirus\/Situationsberichte\/Mai_2021\/2021-05-18-de.pdf?__blob=publicationFile\">hier<\/a>, Abb. 7), war nicht von Bedeutung. Auch nicht, dass die Risikogruppen dank der Impfung gar nicht mehr gef&auml;hrdet waren &ndash; &uuml;ber 80-J&auml;hrige infizierten sich immer weniger und die Todeszahlen stiegen seit Januar nicht mehr (vgl. beispielsweise <a href=\"https:\/\/www.rki.de\/DE\/Content\/InfAZ\/N\/Neuartiges_Coronavirus\/Situationsberichte\/Apr_2021\/2021-04-13-de.pdf?__blob=publicationFile\">hier<\/a>, Abb. 8 und Abb. 9).<\/p><p>Stattdessen wurden in den Medien dramatische Szenarien skizziert &ndash; <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/arbeit\/2021-04\/intensivstationen-corona-pandemie-jens-spahn-rki-warnung-ueberlastung\">Virologen sagten voraus<\/a>, dass Ende April Triage in deutschen Krankenh&auml;usern gemacht werden m&uuml;sse. Zudem wurde wieder mehr &uuml;ber <a href=\"https:\/\/projekte.sueddeutsche.de\/artikel\/panorama\/long-covid-acht-menschen-erzaehlen-e484839\/?reduced=true\">Long Covid<\/a> geschrieben und von <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/wissen\/Warum-jetzt-mehr-Juengere-schwer-erkranken-article22518205.html\">Intensivstationen berichtet<\/a>, die mit immer j&uuml;ngeren Patienten bald voll seien.<\/p><p>Die H&auml;ufigkeit von Long Covid konnte immerhin langsam besser eingesch&auml;tzt werden: Im April 2021 <a href=\"https:\/\/www.ons.gov.uk\/peoplepopulationandcommunity\/healthandsocialcare\/conditionsanddiseases\/bulletins\/prevalenceofongoingsymptomsfollowingcoronaviruscovid19infectionintheuk\/1april2021\">sch&auml;tzte<\/a> die britische Statistikbeh&ouml;rde, dass etwa 14 Prozent der Infizierten auch drei Monate nach der Infektion noch Long-Covid-Symptome wie M&uuml;digkeit, Kopfschmerz oder Husten haben. Diese dramatischen und relativ h&auml;ufigen Schicksale wurden allerdings in den Medien nicht erg&auml;nzt um eine &auml;hnliche Anzahl an pers&ouml;nlichen Portr&auml;ts von Personen, die im Lockdown <a href=\"https:\/\/www.aerzteblatt.de\/nachrichten\/123573\/Studien-Stress-und-psychische-Probleme-haben-in-der-Pandemie-zugenommen\">psychische Probleme<\/a><span style=\"color:black\"> entwickelten. <\/span><\/p><p>Die Intensivstationen, die sich mit immer j&uuml;ngeren Patienten f&uuml;llen w&uuml;rden, waren allerdings ein medialer Mythos &ndash; dabei handelte es sich nur um vereinzelte F&auml;lle. In Deutschland wurde erstaunlicherweise das Alter der Intensivpatienten bis Ende April nicht erhoben &ndash; vermutlich auch, um die Krankheit nicht als eine Krankheit der Alten erscheinen zu lassen und damit die Solidarit&auml;t in der Bev&ouml;lkerung aufrecht zu erhalten. Es gab aber auch Daten aus anderen L&auml;ndern, die das Alter schon lange erhoben: In &Ouml;sterreich war die H&auml;lfte der Intensivpatienten &uuml;ber 65 Jahre alt (vgl. <a href=\"http:\/\/www.krauses.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Factsheet-Coronavirus-Hospitalisierungen-auf-Intensivstationen.pdf\">hier<\/a>). Wenn ein gro&szlig;er Teil der bisher auf Intensivstationen behandelten Patienten nicht mehr dorthin kommt, ist eine &Uuml;berlastung der Intensivstationen zunehmend unwahrscheinlicher. Aber auch an den in Deutschland bereits erhobenen Zahlen konnte man schon im M&auml;rz erkennen, dass die Rate der Hospitalisierungen in allen Altersgruppen seit Februar abnahm (vgl. <a href=\"https:\/\/www.rki.de\/DE\/Content\/InfAZ\/N\/Neuartiges_Coronavirus\/Situationsberichte\/Maerz_2021\/2021-03-16-de.pdf?__blob=publicationFile\">hier<\/a>, Abb. 5 &amp; 6). Man muss hier aber auch erg&auml;nzen, dass die Einsch&auml;tzung der Entwicklung der aktuellen Zahlen durch die Politik insbesondere durch die Vorl&auml;ufigkeit der Daten (Nachmeldungen) auch erschwert wurde &ndash; insbesondere, wenn es in den Medien zeitgleich Modelle gab, die <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/nachrichten\/panorama\/corona-dritte-welle-106.html\">dramatische Szenarien<\/a> vorhersagten.<\/p><p>Allerdings h&auml;tte man zur Einordnung der Zahlen und Entwicklungen auch die europ&auml;ischen Zahlen zum Vergleich heranziehen k&ouml;nnen: Die deutschen Infektionszahlen waren seit Februar <a href=\"https:\/\/ourworldindata.org\/explorers\/coronavirus-data-explorer?zoomToSelection=true&amp;time=2020-03-01..latest&amp;pickerSort=asc&amp;pickerMetric=location&amp;Metric=Confirmed+cases&amp;Interval=7-day+rolling+average&amp;Relative+to+Population=true&amp;Align+outbreaks=false&amp;country=GBR~DEU~ITA~FRA~ESP~SWE\">durchgehend niedriger<\/a> als in den meisten anderen europ&auml;ischen L&auml;ndern. Gleichzeitig gilt das deutsche Gesundheitssystem weltweit als eines der <a href=\"https:\/\/www.pharmazeutische-zeitung.de\/deutschland-in-spitzengruppe-bei-medizinischem-personal\/\">bestausgestatteten<\/a> und auch die Versorgung mit Krankenhausbetten ist im europ&auml;ischen Vergleich <a href=\"https:\/\/www.aerzteblatt.de\/nachrichten\/111624\/Intensivbetten-Deutschland-mit-hoher-Versorgungsdichte-im-internationalen-Vergleich\">sehr hoch<\/a>. Wenn also in Deutschland bei einem (im europ&auml;ischen Vergleich sehr niedrigen) Inzidenzwert von 100 in K&uuml;rze die Anwendung von Triage droht, wie soll die Situation dann in Portugal oder Tschechien oder Gro&szlig;britannien bei einem l&auml;nger andauernden Inzidenzwert von &uuml;ber 700 sein?<\/p><p>Auch in der dritten Welle musste die Politik erneut ihre Handlungsf&auml;higkeit beweisen. Ostern drohte <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wissenschaft\/medizin\/coronakrise-warum-man-ueber-ostern-die-familie-besser-nicht-besuchen-sollte-a-77a304f3-44a7-4ab3-9353-ee7033d486b4\">zu einem Superspreading-Event zu werden<\/a>. In einer Marathonsitzung der Regierung mit den Ministerpr&auml;sidenten beschloss man, dass es eine sogenannte &bdquo;Osterruhe&ldquo; geben sollte. Diese Idee war juristisch so kurzfristig nicht umsetzbar und musste von der Kanzlern als Fehler eingestanden und dann wieder zur&uuml;ckgenommen werden. Die nicht umgesetzte Osterruhe f&uuml;hrte aber dazu, dass Entscheidungen &uuml;ber Ma&szlig;nahmen nicht mehr gemeinsam mit den L&auml;ndern getroffen werden sollten, sondern dass die Regierung das Infektionsschutzgesetz &auml;nderte. Ma&szlig;nahmen sollten dank der &bdquo;Bundesnotbremse&ldquo; ab bestimmten Inzidenzwerten automatisch in Kraft treten. Damit beendete die Regierung auch das oben beschriebene f&ouml;derale Wirrwarr an Ma&szlig;nahmen. Das Gesetz war einmalig in seiner <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/prantls-blick-coronavirus-infektionsschutzgesetz-ausgnagssperren-1.5275601\">juristischen Konstruktion<\/a>. Die L&auml;nder stimmten im Bundesrat erstaunlicherweise ihrer eigenen Entmachtung zu.<\/p><p>Als diese Regelung beschlossen wurde, war der H&ouml;hepunkt der dritten Welle bereits &uuml;berschritten. Seit Ende April sanken die Infektionszahlen deutlich. Warum die Zahlen so stetig sinken, ist unklar &ndash; m&ouml;glicherweise greifen die Impfungen, m&ouml;glicherweise treffen sich die Menschen auch mehr im Freien, m&ouml;glicherweise hemmen die leicht h&ouml;heren Temperaturen die Ausbreitung des Virus. Dass allerdings die Bundesnotbremse diesen Effekt ausgel&ouml;st haben k&ouml;nnte und sich mehr Menschen an deren eindeutige Regelungen halten, ist unwahrscheinlich &ndash; die Zahlen sanken zum einen auch schon vor dieser Regelung und zum anderen ist die Motivation der Bev&ouml;lkerung, sich an diese neuen Corona-Regeln zu halten, mit gro&szlig;er Wahrscheinlichkeit nicht mehr sehr hoch.<\/p><p><strong>&bdquo;Sonderrechte&ldquo; und Schnelltests<\/strong><\/p><p>Anfang Mai f&uuml;hrte die Politik mit einer erstaunlichen Geschwindigkeit <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/War-das-wirklich-die-richtige-Entscheidung-article22541629.html\">\"Sonderrechte\" f&uuml;r Geimpfte und Genesene ein<\/a> &ndash; zun&auml;chst allerdings nur in einem kleineren Umfang. Dies war <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/privilegien-geimpfte-101.html\">Ende des letzten Jahres<\/a> noch vehement verneint worden. Anfang Februar hatte der Ethikrat <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/gesellschaft\/zeitgeschehen\/2021-02\/corona-krise-ethikrat-geimpfte-sonderrechte-empfehlung-ablehnung-virusuebertragung\">erkl&auml;rt<\/a>, dass es &bdquo;Sonderrechte&ldquo; f&uuml;r Geimpfte und Genesene nur geben k&ouml;nne, wenn nachgewiesen sei, dass diese nicht mehr ansteckend seien. Dies konnte bisher wissenschaftlich zwar nicht nachgewiesen werden &ndash; <a href=\"https:\/\/www.swr.de\/wissen\/corona-ansteckung-geimpfte-100.html\">Einigkeit besteht allerdings darin<\/a>, dass es ein deutlich geringeres Risiko gibt.<\/p><p>Der Begriff &bdquo;Sonderrechte&ldquo; stellt allerdings schon eine <a href=\"https:\/\/www.cicero.de\/innenpolitik\/sonderrechte-geimpfte-grundrechte-impfgipfel-ethikrat\">Umkehrung der Logik des Grundgesetzes<\/a> dar: Die Gew&auml;hrung von Grundrechten darf nicht vom Gesundheitszustand, also vom Impfstatus, eines Menschen abh&auml;ngig gemacht werden, sondern der Staat muss begr&uuml;nden, wenn er diese Grundrechte seinen B&uuml;rgern vorenth&auml;lt. Ein weiteres <a href=\"https:\/\/taz.de\/Die-Gefahren-des-digitalen-Impfpasses\/!5745031\/\">rechtlich umstrittenes Vorhaben<\/a> wird in K&uuml;rze folgen: Ein digitaler Impfpass soll auf europ&auml;ischer Ebene den Tourismus wieder m&ouml;glich machen. Dass es noch Kritik an der Einf&uuml;hrung dieses Impfpasses geben wird, ist unwahrscheinlich. Die mediale Berichterstattung &uuml;ber alle Themen, die im Zusammenhang mit den Impfungen stehen, erscheint extrem einseitig &ndash; ganz im Sinne der oben beschriebenen Logik, dass die Pandemie erst endet, wenn alle geimpft wurden. Dies schlie&szlig;t auch die Kinder ein, f&uuml;r die Corona nachgewiesenerma&szlig;en keinerlei Gefahr darstellt &ndash; ganz im Gegensatz zu einem nicht ausreichend erprobten Impfstoff.<\/p><p>Die Einf&uuml;hrung der &bdquo;Sonderrechte&ldquo; war allerdings auch erm&ouml;glicht worden durch die Nutzung von Schnelltests. Im M&auml;rz wurde die Corona-Test-Verordnung so <a href=\"https:\/\/www.bdc.de\/aktualisierte-corona-testverordnung-tritt-in-kraft\/\">ge&auml;ndert<\/a>, dass Schnelltests nicht mehr nur von medizinisch geschultem Personal durchgef&uuml;hrt werden k&ouml;nnen: Eine <a href=\"https:\/\/www.swr.de\/swraktuell\/baden-wuerttemberg\/geld-fuer-corona-schnelltests-betreiber-ohne-nachweis-pflicht-100.html\">einst&uuml;ndige Schulung<\/a> reicht, um als &bdquo;geschultes Personal&ldquo; die Tests durchf&uuml;hren zu k&ouml;nnen. Dementsprechend schnell entstanden auch viele Testzentren. Mit Hilfe der Schnelltests konnten die Nicht-Geimpften dieselben &bdquo;Sonderrechte&ldquo; erhalten &ndash; man konnte ihnen also eine Handlungsoption bieten, auch wenn sie noch keine Impfung erhalten hatten. <\/p><p>An den Schnelltests erkennt man auch ein letztes wichtiges Prinzip der Bek&auml;mpfung von Corona: Ma&szlig;nahmen, deren Wirksamkeit wissenschaftlich nur teilweise erwiesen ist (<a href=\"https:\/\/www.ecdc.europa.eu\/en\/publications-data\/using-face-masks-community-reducing-covid-19-transmission\">Alltagsnutzung von Masken<\/a>), und Ma&szlig;nahmen, die aus wissenschaftlicher Sicht auch mit deutlichen Nachteilen behaftet sind und daher von der Wissenschaft skeptisch betrachtet werden (<a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/info\/Drosten-Schnelltests-sind-wohl-weniger-zuverlaessig-als-gedacht,coronavirusupdate178.html\">Schnelltests<\/a>), werden von der Politik massenhaft umgesetzt, wenn dies in die politische Strategie passt. Dies war weiter oben bereits f&uuml;r die eher symbolpolitischen Kleinma&szlig;nahmen rund um die Idee der maximalen Kontaktvermeidung beschrieben worden. Dies wird von der Politik aber auch f&uuml;r eine Entwicklung in die andere Richtung genutzt &ndash; wenn es um &Ouml;ffnungen geht. Die Masken erm&ouml;glichten der Politik eine gesichtswahrende Wiederaufnahme des &ouml;ffentlichen Lebens im Sommer 2020 und die Schnelltests leisten dies &ndash; in Kombination mit den Impfungen &ndash; im Sommer 2021.<\/p><p>Wie wird es weitergehen? Es kann sein, dass die Politik am Impfpass und an den Schnelltests festh&auml;lt. Die Einf&uuml;hrung der minimalen &bdquo;Sonderrechte&ldquo; war dann nur der Anfang und weitere &bdquo;Lockerungen&ldquo; nach diesem Prinzip werden folgen. Es kann aber auch sein, dass die Politik sich vom Konzept des permanenten Nachweisens der eigenen Corona-Ungef&auml;hrlichkeit verabschiedet, wenn die Zahlen weiterhin sinken. Durch das Sinken der Zahlen &auml;ndert sich auch die Logik der Politik &ndash; insbesondere da im September eine Bundestagswahl ansteht. Im Fr&uuml;hjahr 2021 galt unter dem Eindruck des Winters noch: Wer mit seiner Politik eine &Uuml;berlastung der Intensivstationen herbeif&uuml;hrt, dezimiert seine Chancen bei den W&auml;hlern. Im Mai gilt unter dem Eindruck des kommenden Sommers aber: Wer Ma&szlig;nahmen lockert, der gewinnt die Zustimmung der Bev&ouml;lkerung zur&uuml;ck. Ob allerdings damit die durch den Lockdown und die Polarisierung entstandenen Wunden auch heilen k&ouml;nnen, ist offen und wird sich wohl erst in den kommenden Jahren zeigen.<\/p><p><strong>Zusammenfassung<\/strong><\/p><p>Corona wurde zun&auml;chst von der Politik und den Medien als Grippe verstanden. Die mediale Katastrophen-Berichterstattung aus Norditalien &auml;nderte dies grundlegend &ndash; auch wenn viele andere Faktoren f&uuml;r die dortige Entwicklung verantwortlich waren. Der Schutz der Bev&ouml;lkerung vor Corona und die Verhinderung einer &Uuml;berlastung der Krankenh&auml;user wurde zu einer Aufgabe der Politik. Der erste Lockdown und der einsetzende Sommer senkten die Zahlen und f&uuml;hrten in Politik und Medien zu dem Glauben, dass keine zweite Welle kommen w&uuml;rde.<\/p><p>In der Wissenschaft setzte sich das Paradigma durch, dass Corona nur durch konsequente Lockdowns bek&auml;mpft werden k&ouml;nne &ndash; der Schutz der Risikogruppen lie&szlig;e sich nur so gew&auml;hrleisten. Alle anderen Ans&auml;tze, die st&auml;rker auf den Schutz der Risikogruppen und differenziertere Lockdowns setzen wollten, wurden radikal bek&auml;mpft.<\/p><p>Als die zweite Welle in Deutschland im November einsetzte, hatten die radikalen Lockdown-Bef&uuml;rworter die Deutungshoheit in Politik und Medien &uuml;bernommen. Die von diesen Wissenschaftlern vertretene Idee der maximalen Kontaktvermeidung machte eine Differenzierung der Ma&szlig;nahmen nicht mehr m&ouml;glich. Lediglich die Wirtschaft wurde von der Politik &ndash; entgegen der Empfehlung der Wissenschaftler &ndash; geschont. Die durch die Medien zum allgemeinen Indikator erhobenen Inzidenzwerte f&uuml;hrten bei Politikern auf allen f&ouml;deralen Ebenen dazu, dass sie bei zu hohen Infektionszahlen ihre Handlungsf&auml;higkeit durch immer kreativere Ma&szlig;nahmen beweisen mussten.<\/p><p>Die Medien stellten dieses Ma&szlig;nahmen-Durcheinander nur punktuell infrage. Sie sahen es vielmehr als ihre Aufgabe an, die Menschen von den &bdquo;alternativlosen&ldquo; Ma&szlig;nahmen der Politik zu &uuml;berzeugen. Alle &Auml;u&szlig;erungen, die die verfolgte Lockdown-Politik grundlegend infrage stellten, wurden skandalisiert und als Weg in eine humanit&auml;re Katastrophe dargestellt. Auf diese Weise gelang es den Medien nicht mehr, alle gesellschaftlich relevanten Positionen im &ouml;ffentlichen Raum widerzuspiegeln. Polarisierte Diskussionen in den sozialen Medien und Stellvertreterkriege im privaten Raum waren die Folge.<\/p><p>Von dieser Polarisierung profitieren insbesondere die Rechten, die in den n&auml;chsten Wahlen viele von der Politik Entt&auml;uschte gewinnen werden. Die Linken spalten sich dagegen in zwei Gruppen: Der einen Gruppe gehen die Lockdown-Ma&szlig;nahmen der Politik nicht weit genug, w&auml;hrend die andere Gruppe aus Impfskeptikern und Linksliberalen besteht, die den Ma&szlig;nahmen sehr skeptisch gegen&uuml;berstehen. Die zweite Gruppe verdeutlichte ihre Kritik auch auf Demonstrationen der Querdenken-Bewegung &ndash; gemeinsam mit b&uuml;rgerlichen Liberalen und einigen rechten Verschw&ouml;rungstheoretikern.<\/p><p>Die Bilanz der deutschen Lockdown-Strategie im Winter ist hingegen dramatisch: W&auml;hrend die Zahlen unter der j&uuml;ngeren Bev&ouml;lkerung durch die beiden Lockdowns stagnierten oder leicht sanken, stiegen die Zahlen in der Risikogruppe der &uuml;ber 80-J&auml;hrigen extrem an und f&uuml;hrten zu vielen Toten. Insbesondere die Altenheime konnten nicht gesch&uuml;tzt werden. Dies lag zum einen daran, dass im Sommer keine Strategie zum Schutz dieser bekannten Risikogruppe entwickelt worden war, und zum anderen daran, dass, als der Regierung die Dramatik der Situation bewusst wurde, in einer wochenlangen b&uuml;rokratischen Odyssee kein Personal zur Durchf&uuml;hrung der Tests gefunden wurde. Alternative Ans&auml;tze wie in T&uuml;bingen, die auf einen st&auml;rkeren Schutz der Risikogruppen gerichtet waren, wurden nicht nach wissenschaftlichen Standards durchgef&uuml;hrt. Dies lag allerdings auch daran, dass wissenschaftliche F&ouml;rderung nur an Projekte ging, die untersuchten, wie die Ideen der Lockdown-Bef&uuml;rworter am besten umgesetzt werden k&ouml;nnen.<\/p><p>Das einzige Land, das dem Lockdown-Paradigma mit einem Empowerment-Ansatz widersprach, war Schweden. Allerdings konnte auch dort die &auml;ltere Bev&ouml;lkerung, die in Pflegeheimen lebte, w&auml;hrend der ersten Corona-Welle nicht gesch&uuml;tzt werden. Dies lag aber besonders auch an der kaum verf&uuml;gbaren Schutzausr&uuml;stung und den Arbeitsbedingungen in den Pflegeheimen. In der zweiten Welle gelang der Schutz der &auml;lteren Bev&ouml;lkerung besser &ndash; so dass die &Uuml;bersterblichkeit in Schweden im Jahr 2020 eine der niedrigsten in Europa war.<\/p><p>In Deutschland erkannten die Lockdown-Wissenschaftler, dass die Politik ihre Ma&szlig;nahmen immer wieder verw&auml;sserte und nicht konsequent genug umsetzte. Daher radikalisierten sie im Dezember und Januar ihre Strategie zur Bek&auml;mpfung von Corona zu einer No-Covid-Strategie, die auf die Eliminierung des Virus ausgerichtet war und sich an Australien orientierte. Die Politik &uuml;bernahm diese Interpretation und verfolgte im Fr&uuml;hjahr 2021 eine Strategie, die sich an der No-Covid-Strategie orientierte &ndash; allerdings weiterhin, ohne die Wirtschaft bei den Ma&szlig;nahmen einzuschlie&szlig;en. Diese Fokussierung verhinderte im Folgenden auch, dass in der Politik, den Medien und der Wissenschaft wahrgenommen wurde, dass die Bedrohungslage f&uuml;r die Risikogruppen infolge der Impfungen sehr viel geringer wurde und die Gefahr einer &Uuml;berlastung der Intensivstationen &ndash; trotz steigender Infektionszahlen &ndash; nicht mehr bestand. Stattdessen wurde in den Medien &uuml;ber Long-Covid-F&auml;lle, immer j&uuml;ngere Intensivpatienten und die extremen Wirkungen der neuen britischen Mutation berichtet und damit weiterhin Angst gesch&uuml;rt. Die Welle ebbte allerdings &ndash; entgegen der Vorhersagen der Modellierer &ndash; bereits Ende April ab.<\/p><p>Um Lockerungen zu erm&ouml;glichen, beschloss die Bundesregierung im Eilverfahren, dass Geimpfte und Genesene in kleinerem Umfang mehr Rechte erhalten. Dies war auch durch die Einf&uuml;hrung der Schnelltests m&ouml;glich geworden, da sie den Nicht-Geimpften die Option auf dieselben &bdquo;Sonderrechte&ldquo; geben k&ouml;nnen. Ob dieser Weg der &bdquo;Sonderrechte&ldquo; weitergef&uuml;hrt wird oder die Politik bei weiter sinkenden Zahlen generelle Lockerungen umsetzen wird, ist unklar. Das weitere Sinken der Zahlen k&ouml;nnte in K&uuml;rze &ndash; insbesondere in Anbetracht der Bundestagswahl im September &ndash;&nbsp; dazu f&uuml;hren, dass immer mehr Politiker f&uuml;r &Ouml;ffnungen pl&auml;dieren werden, um so das verlorengegangene Vertrauen der Bev&ouml;lkerung wiederzugewinnen.<\/p><p>Titelbild: creativeneko\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie konnte Corona zu diesem weltweiten Ph&auml;nomen werden, auf das so unterschiedliche Gesellschaften so &auml;hnlich reagierten? Wie beurteilte die Wissenschaft Corona? Wie reagierte die deutsche Politik auf Corona? Wie berichteten die Medien? 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Diesen Fragen geht unser Leser Norbert Krause nach. <\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":73064,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[149,183,11],"tags":[2973,373,2933,2846,3028,2958,2880,2857,2878,2853,1163,2855,2453,3056,1222,2848,2999,1398,2834,3050],"class_list":["post-73063","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-gesundheitspolitik","category-medienkritik","category-strategien-der-meinungsmache","tag-altenheime","tag-oekonomisierung","tag-corona-app","tag-drosten-christian","tag-haltungsjournalismus","tag-hygieneregeln","tag-impfungen","tag-lockdown","tag-maskenpflicht","tag-medizinische-ausruestung","tag-meinungspluralismus","tag-morbiditaet","tag-mortalitaet","tag-nocovid","tag-pandemie","tag-personalausstattung","tag-querdenken","tag-schweden","tag-virenerkrankung","tag-virentest"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/shutterstock_1625951248-1.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/73063","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=73063"}],"version-history":[{"count":19,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/73063\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":73110,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/73063\/revisions\/73110"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/73064"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=73063"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=73063"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=73063"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}