{"id":7316,"date":"2010-11-10T11:47:13","date_gmt":"2010-11-10T10:47:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=7316"},"modified":"2014-02-17T11:29:02","modified_gmt":"2014-02-17T10:29:02","slug":"roettgen-bei-beckmann-wie-ein-unangenehmer-streber","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=7316","title":{"rendered":"R\u00f6ttgen bei Beckmann: Wie ein unangenehmer Streber"},"content":{"rendered":"<p>Wegen seiner intellektuellen Sch&auml;rfe soll er im Kabinett von Kanzlerin Angela Merkel auch &ldquo;Muttis Kl&uuml;gster&rdquo; genannt werden. Wie ein unangenehmer Streber stellte er sich bei Beckmann dar: Leugnen, die Schuld auf andere schieben, sich gegen Kritik immun oder einfach dumm stellen, logische Zusammenh&auml;nge ignorieren, bei unangenehmen Wahrheiten nachdenklich nicken, Alternativen als politisch nicht durchsetzbar erkl&auml;ren, verbale Ausfl&uuml;chte, mit Chuszpe falsche Behauptungen aufstellen, Niederlagen als Kompromiss darstellen, besch&ouml;nigen, ausweichen, andere Meinungen nicht zu Wort kommen lassen. So l&auml;sst sich das Auftreten R&ouml;ttgens <a href=\"http:\/\/mediathek.daserste.de\/daserste\/servlet\/content\/5778492?pageId=&amp;moduleId=443668&amp;categoryId=&amp;goto=&amp;show=\">bei Beckmann<\/a> zusammenfassen. Es ist die &bdquo;Klugheit&ldquo; eines Strebers dem es vor allem darum geht, in seiner Partei nach oben zu kommen: &bdquo;Wenn ich von der CDU spreche, spreche ich von wir.&ldquo; Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><br>\nBeckmann ist ja daf&uuml;r bekannt daf&uuml;r, dass er die in seine Sendung eingeladenen G&auml;ste mit Watte anpackt. Doch selbst in dieser alles andere als kritischen Sendung konnte der Beobachter studieren, wie &bdquo;Muttis Kl&uuml;gster&ldquo; agiert. <\/p><p>Die ganze Sendung hindurch strahlte er &ndash; im Gegensatz zu den Castoren allerdings sichtbar.<\/p><p>Als R&ouml;ttgen ein Zitat vorgehalten wurde, wonach er es verantwortungslos hielt, gegen den Castor-Transport zu demonstrieren, leugnet er. Sinngem&auml;&szlig;: Das Zitat ist richtig, aber ich habe es nicht gesagt. <\/p><p>Er leugnet auch, dass die Zunahme der Proteste etwas mit der Verl&auml;ngerung der Laufzeiten f&uuml;r Atomkraftwerke zu tun habe: Es sei gegen &bdquo;vorausgegangenes Tun&ldquo; demonstriert worden. Immer sind andere oder seine Vorg&auml;nger im Amt an Vers&auml;umnissen schuld. &bdquo;Der Transport ist v&ouml;llig unabh&auml;ngig von der Laufzeitverl&auml;ngerung&ldquo;. Dass seine Partei massiv gegen den Atomausstieg angegangen und den Ausstieg aus dem Ausstieg schon immer als Ziel verfolgte und dass die CDU die F&ouml;rderung erneuerbarer Energien gebremst hat, wo sie konnte, verschweigt er tunlichst. Dass Dreiviertel der Bev&ouml;lkerung gegen die jetzt geplante Laufzeitverl&auml;ngerung von bis zu 14 Jahren ist, kontert R&ouml;ttgen damit, dass die &bdquo;Stimme des Volkes im Bundestag gesprochen&ldquo; werde. <\/p><p>Wenn ihn der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei Niedersachsens, Bernhard Witthaut, in der Sendung kritisierte, dass R&ouml;ttgen seine Atompolitik auf dem R&uuml;cken der Polizei durchsetze, tut er so, als verst&uuml;nde er die Frage nicht oder er f&uuml;hlt sich nicht angesprochen. So dumm, dass er diese Kritik nicht versteht, kann doch &bdquo;Muttis Kl&uuml;gster&ldquo; gar nicht sein. Auf die Hetze der Bild-Zeitung gegen den <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/BILD\/politik\/2010\/11\/09\/castor-transport-bilanz\/der-chaos-tage.html\">&bdquo;Irrsinn&ldquo;<\/a> der Demonstranten geht er gar nicht erst ein. <\/p><p>Beim Hinweis auf Tschernobyl nachdenklich nicken und den Skandal um die Schachtanlage Asse zwar einen Skandal nennen, aber dann so zu tun, als h&auml;tte man mit der billigen Abfallgrube f&uuml;r die Atomkraftbetreiber nichts zu tun, geh&ouml;rt wohl zum Handwerkszeug solcher glatten Politiker, die wie eine Teflon-Pfanne, so agieren, dass blo&szlig; nichts an ihnen haften bleibt. <\/p><p>Auf den Vorhalt, dass es unglaubw&uuml;rdig sei, dass Gorleben als Endlager &bdquo;ergebnisoffen&ldquo; untersucht werde, wenn nicht gleichzeitig auch andere Standorte etwa Granit- oder Tonablagerungen im S&uuml;den Deutschlands gepr&uuml;ft w&uuml;rden, redet sich R&ouml;ttgen einfach damit heraus, dass das eben politisch nicht durchsetzbar sei: &bdquo;An zwei oder drei Standorten schaffen wir das nicht&ldquo;. Aber warum setzt er Gorleben durch?<\/p><p>Auf das Argument des Studiogastes Ranga Yogeshwar, dass es unlogisch und unplausibel sei, noch mehr gef&auml;hrlichen M&uuml;ll zu produzieren, der 40.000 Generationen nicht mit Menschen in Ber&uuml;hrung kommen darf, hat R&ouml;ttgen (logischerweise) keine Antwort. Also geht er darauf gar nicht erst ein und ignoriert diese Frage einfach. Und die Tatsache, dass es weltweit noch kein einziges Atomm&uuml;llendlager gebe, nickt er einfach nur besorgt l&auml;chelnd ab. <\/p><p>Die harmlose Frage von  Anna Gr&auml;fin von Bernstorff, deren Familie die L&auml;ndereien &uuml;ber dem Salzstock geh&ouml;ren, warum er Gorleben &ndash; anders als seine Vorg&auml;nger &ndash; noch nicht besucht habe, sieht R&ouml;ttgen nicht als Vers&auml;umnis an, er fahre jetzt ja hin, meinte er lapidar. Nicht ohne ihr kurz danach ins Gesicht zu sagen, dass er ihre &bdquo;private Haltung&ldquo; zwar verstehe, dass aber ihr Familienbesitz wegen des &bdquo;&uuml;berragenden Allgemeinwohlbelangs&ldquo; eben enteignet w&uuml;rde, wenn der Salzstock Gorleben als Endlager geeignet w&auml;re.  <\/p><p>Die Kritik von seinem Parteifreund und Parlamentspr&auml;sident Lammert, dass die Verl&auml;ngerung der Laufzeit jeder Plausibilit&auml;t entbehre und einfach nur ausgehandelt worden sei, beantwortet er mit dem Vorwurf, dass es zielf&uuml;hrender gewesen w&auml;re, wenn diese Kritik vorher gekommen w&auml;re. Gerade so, als ob das Parlament bei dem Deal der Regierung mit der Atomlobby irgendeinen Einfluss h&auml;tte nehmen k&ouml;nnen. Und nat&uuml;rlich w&auml;scht R&ouml;ttgen einmal mehr seine H&auml;nde in Unschuld: Er habe als Minister nicht auf dieses Schnellverfahren im Parlament gedr&auml;ngt. <\/p><p>Die politische Niederlage, dass er urspr&uuml;nglich f&uuml;r eine Verl&auml;ngerung der Laufzeit von &bdquo;nur&ldquo; 8 bis 10 Jahre eingetreten ist, und sich damit nicht durchsetzen konnte, tut er damit ab, dass andere eben f&uuml;r 20 bis 28 Jahre gewesen seien und dass man halt mit durchschnittlich 12 und maximal 14 Jahren einen Kompromiss gefunden habe. Einen Kompromiss mit wem eigentlich? Mit den im Bundestag &bdquo;den Volkswillen&ldquo; vertretenden Parteien oder mit der Atomlobby? Gab es mit den Atomkraftbetreibern nicht vor dem neuen &bdquo;Energiekonzept&ldquo; der Bundesregierung einen Ausstiegs-Kompromiss? Davon dass er mit seiner urspr&uuml;nglichen Position eine Niederlage einstecken musste, wollte er nat&uuml;rlich nichts wissen. <\/p><p>Gegen die Berechnungen der <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/wirtschaft\/2009-09\/laufzeitverlaengerung\">Baden-W&uuml;rttembergischen Landesbank<\/a>, wonach die Zusatzgewinne der Energiemonopolisten durch die Verl&auml;ngerung der Laufzeit der Atomkraftwerke bei mindestens 119 Milliarden l&auml;gen, behauptet R&ouml;ttgen einfach mal so, es seien (nur) 50 Milliarden. Und dann f&uuml;gt er noch ungesch&uuml;tzt hinzu, dass davon mit der Brennelementsteuer und dem &bdquo;F&ouml;rderungsfonds&ldquo; f&uuml;r erneuerbare Energien 41 Milliarden &bdquo;abgesch&ouml;pft&ldquo; w&uuml;rden.<br>\nVon &bdquo;Muttis Kl&uuml;gsten&ldquo; h&auml;tte man wenigstens erwarten d&uuml;rfen, dass er daf&uuml;r eine nachvollziehbare Rechnung aufstellt. Bei der von 2011 bis  2016 befristeten Brennelementsteuer von j&auml;hrlich h&ouml;chstens 2,3 Milliarden Euro fallen maximal 13,8 Milliarden an. Beim F&ouml;rderfonds fallen bis 2016 gerade mal 1,4 Milliarden an und wie sich die Einnahmen aus der Versteigerung von CO2-Emissionszertifikate oder die weitere Abgabe von 9 Euro je Megawattstunde Atomstrom ab 2017 auszahlen wird, das steht in den Sternen. Zumal wenn sich die Zahlungen an den &Ouml;ko-Energie-Fonds reduzieren, wenn Nachr&uuml;stungs- und Sicherheitsanforderungen die Summe von 500 Millionen Euro f&uuml;r ein <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/Rub0E9EEF84AC1E4A389A8DC6C23161FE44\/Doc~E85DCB6B84A57486DB5348956E0277A1C~ATpl~Ecommon~Scontent.html\">Kraftwerk &uuml;bersteigen<\/a>. <\/p><p>Bei jeder kritischen Frage entschl&uuml;pfte R&ouml;ttgen wie eine nasse Seife durch die H&auml;nde. Dass er bei den Verhandlungen mit den Konzernen im Kanzleramt nicht mit dabei gewesen sei, begr&uuml;ndete er mit gro&szlig;em Pathos damit, dass er als Zust&auml;ndiger f&uuml;r Reaktorsicherheit nicht mit den Betreibern von Atomkraftwerke &uuml;ber Sicherheit mit sich reden lasse: &bdquo;Ich verhandle nicht &uuml;ber Sicherheit&ldquo;. Aber warum nur, hat er das in diesen Verhandlungen den Energiebossen nicht ins Gesicht gesagt. Wie konnte er, der ja st&auml;ndig das Wort von der &bdquo;Br&uuml;ckentechnologie&ldquo; im Munde f&uuml;hrt, es zulassen, dass die Atomkraftbetreiber ihren Sicherheitsaufwand von dem F&ouml;rderfonds f&uuml;r erneuerbare Energien absetzen d&uuml;rfen? Gewinnsicherung auf Kosten der &bdquo;Br&uuml;cke&ldquo;?<\/p><p>Mit keinem Wort, ging R&ouml;ttgen auf das von Yogeshwar zwar freundlich vorgetragene aber durchschlagende Argument ein, dass Atomkraft aus technischen bzw. physikalischen Gr&uuml;nden gar keine Br&uuml;cke zu einer nachhaltigen Energieversorgung mit erneuerbaren Energien und Energieeffizienz bauen k&ouml;nne. Atomkraftwerke k&ouml;nnen nicht, wie Gas- oder auch noch &Ouml;lkraftwerke je nach Strombedarf, also wenn kein Wind da ist oder die Sonne nicht scheint, angefahren und wieder heruntergefahren werden. Sie bedienen wie Kohlekraftwerke, die dauerhaft zu bedienende sog. &bdquo;Grundlast&ldquo;. Wenn man &uuml;berhaupt von einer Br&uuml;ckentechnologie &ndash; also einer Energieproduktion, die die Schwankungen ausgleicht &ndash; sprechen wollte, dann sollte man den Ausbau von Gaskraftwerken f&ouml;rdern. Am besten noch dezentral mit kleinen Blockheizkraftwerken mit W&auml;rme-Kraftkopplung, die auch noch die Abw&auml;rme zur Heizung von Wohnungen nutzen. Solange die Atomkraftwerke laufen, wird es eine diese die Schwankungen der erneuerbaren Energien ausgleichende Kraftwerksstruktur nicht geben. Zumal dezentrale Blockheizkraftwerke eine Gefahr f&uuml;r die Energiemonopole darstellen, weil sie auch von Stadtwerken oder kleinen Energieanbietern eingef&uuml;hrt werden k&ouml;nnten. <\/p><p>R&ouml;ttgens Legende von der &bdquo;Br&uuml;ckentechnologie&ldquo; verdeckt nur, dass den Atomkonzernen Milliardengeschenke gemacht werden, dass Wettbewerb durch kleine Stromproduzenten verhindert und damit die Oligopolstellung der vier Atomkraftwerkbetreiber stabilisiert und damit letztlich ein flie&szlig;ender &Uuml;bergang in eine innovative Energieversorgung blockiert wird.<\/p><p>Man k&ouml;nnte Argument f&uuml;r Argument durchgehen, nahezu an jeder Stelle k&ouml;nnte man herausarbeiten, dass R&ouml;ttgen sich wie ein unangenehmer Streber verh&auml;lt, dem es nur darauf ankommt, seiner Partei und den Energielobbyisten zu gefallen.<br>\nR&ouml;ttgen sollte ja vor drei Jahren Hauptgesch&auml;ftsf&uuml;hrer beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) werden. Nun ist er eben der Hauptgesch&auml;ftsf&uuml;hrer von E.ON, Vattenfall, RWE und EnBW in der Bundesregierung geworden. Die Konzerne werden es dem Streber danken, wenn es um h&ouml;here Aufgaben als denen des Umweltministers geht. Zumindest die in Nordrhein-Westfalen angesiedelten Konzerne RWE und E.ON werden sich dem neuen Landesvorsitzenden der NRW-CDU bei der n&auml;chsten Landtagswahl schon erkenntlich zeigen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wegen seiner intellektuellen Sch&auml;rfe soll er im Kabinett von Kanzlerin Angela Merkel auch &ldquo;Muttis Kl&uuml;gster&rdquo; genannt werden. Wie ein unangenehmer Streber stellte er sich bei Beckmann dar: Leugnen, die Schuld auf andere schieben, sich gegen Kritik immun oder einfach dumm stellen, logische Zusammenh&auml;nge ignorieren, bei unangenehmen Wahrheiten nachdenklich nicken, Alternativen als politisch nicht durchsetzbar erkl&auml;ren,<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=7316\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[163,198,41],"tags":[700,350,728,727,726],"class_list":["post-7316","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-atompolitik","category-einzelne-politiker-personen-der-zeitgeschichte","category-medienanalyse","tag-atomausstieg","tag-beckmann-reinhold","tag-brueckentechnologie","tag-laufzeitverlaengerung","tag-roettgen-norbert"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7316","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7316"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7316\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7317,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7316\/revisions\/7317"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7316"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7316"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7316"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}