{"id":73314,"date":"2021-06-14T08:36:06","date_gmt":"2021-06-14T06:36:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=73314"},"modified":"2021-06-15T12:32:25","modified_gmt":"2021-06-15T10:32:25","slug":"sich-vertragen-oder-sich-bedrohen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=73314","title":{"rendered":"Sich vertragen oder sich bedrohen?"},"content":{"rendered":"<p>Wenn man die Nachrichten zum gerade abgelaufenen G-7-Gipfel h&ouml;rt oder wenn man den unten wiedergegebenen Artikel in der Neuen Z&uuml;rcher Zeitung liest, dann muss man den Eindruck gewinnen, dass das Zusammenleben der V&ouml;lker nur mit milit&auml;rischer Konfrontation funktioniert. Die G-7 Staaten meinen und verlautbaren, sie m&uuml;ssten sich gegen China und Russland wappnen. Der von der NZZ zitierte US-amerikanische ehemalige sicherheitspolitische Berater von Trump, Wess Michell, kennt auch nur die Methode der Konfrontation, der Abschreckung, der Drohung. (Siehe die gefetteten Stellen <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/international\/trump-biden-und-europa-geopolitik-lastenverteilung-und-stil-ld.1627809\">im unten wiedergegebenen Artikel<\/a>.) Dahinter steckt ein lebensgef&auml;hrlicher Niedergang des sicherheitspolitischen Denkens. Das wird dann am deutlichsten, wenn wir uns die Abl&ouml;sung des Kalten Krieges der F&uuml;nfziger und Anfang Sechzigerjahre durch die Entspannungspolitik vergegenw&auml;rtigen. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_4257\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-73314-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210614-Sich-vertragen-oder-sich-bedrohen-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210614-Sich-vertragen-oder-sich-bedrohen-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210614-Sich-vertragen-oder-sich-bedrohen-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210614-Sich-vertragen-oder-sich-bedrohen-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=73314-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210614-Sich-vertragen-oder-sich-bedrohen-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"210614-Sich-vertragen-oder-sich-bedrohen-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Damals gingen verantwortliche Politiker auf den bis dahin als Gegner betrachteten Partner im Osten zu. Schon die Wortwahl zeugt von anderen Konzepten: Vertragspolitik, Vers&ouml;hnung, Ann&auml;herung, Vertrauensbildung, Friedenspolitik, wir wollen ein Volk der guten Nachbarn sein &ndash; das waren einige der Formeln, die das Denken und Handeln damals bestimmten. Es gibt &uuml;berhaupt keine Notwendigkeit, vom Konzept dieser auf Zusammenarbeit statt auf Konfrontation setzenden Politik abzuweichen. Auch heute nicht.<\/p><p>In den letzten Wochen habe ich schon mehrmals auf die Alternative von Konfrontation, Abschreckung, Politik der St&auml;rke, Aufr&uuml;stung einerseits und sich vertragen, Vertrauen bilden und Abr&uuml;stung andererseits hingewiesen. Ich komme noch einmal und sicher noch des &Ouml;fteren auf diese beiden verschiedenen Konzepte zur&uuml;ck &ndash; weil das lebensnotwendig ist und weil ich den Eindruck habe, dass die Alternative des Sichvertragens heute aus der Mode gekommen ist. <\/p><p>Das ist harmlos ausgedr&uuml;ckt. Richtiger formuliert w&auml;re: Die Politik ist heute in den H&auml;nden von Scharfmachern und einf&auml;ltigen Politikern und Wissenschaftlern, die zudem oft noch unter dem Einfluss der R&uuml;stungswirtschaft und\/oder von Geheimdiensten stehen. Der Text des genannten f&uuml;hrenden und f&uuml;r Europa zust&auml;ndigen Wess Mitchell aus der &Auml;ra Trump wie auch die dumpfen Einlassungen der G-7-Teilnehmer sprechen f&uuml;r diesen Eindruck. Es fehlen heute Pers&ouml;nlichkeiten wie Willy Brandt, Olof Palme, Bruno Kreisky, Egon Bahr, Herbert Wehner, Helmut Schmidt und der sp&auml;te Helmut Kohl.<\/p><p>Auch die Wissenschaft, oder was sich daf&uuml;r h&auml;lt, ist in den H&auml;nden von einf&auml;ltigen Scharfmachern. Ein aktuelles Beispiel ist ein gerade im Publikationsorgan IPG der Friedrich-Ebert-Stiftung erschienener Artikel: <\/p><blockquote><p>\nAUSSEN- UND SICHERHEITSPOLITIK&nbsp;10.06.2021&nbsp;|&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.ipg-journal.de\/ipg\/autorinnen-und-autoren\/autor\/hanns-w-maull\/\">Hanns W. Maull<\/a><\/p>\n<p><strong>&Ouml;l im Feuer<\/strong><br>\nDie Verwahrlosung der liberalen Demokratien befl&uuml;gelt autorit&auml;re Kr&auml;fte wie China und Russland. Die G7 muss sich entschiedener zur Wehr setzen.<br>\n&hellip;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.ipg-journal.de\/rubriken\/aussen-und-sicherheitspolitik\/artikel\/der-g7-gipfel-und-die-internationale-ordnung-5229\/%20\">ipg-journal.de\/rubriken\/aussen-und-sicherheitspolitik\/artikel\/der-g7-gipfel-und-die-internationale-ordnung-5229\/ <\/a>\n<\/p><\/blockquote><p>Hier sind Angaben &uuml;ber den Autor:<\/p><div class=\"imagewrap\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/210613-bedrohen-t-02.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Typisch f&uuml;r solche Wissenschaftler ist die Verankerung in gleich mehreren NGOs. Man kann davon ausgehen, dass viele dieser Einrichtungen von Geheimdiensten, meist vom CIA, gef&ouml;rdert oder sogar gegr&uuml;ndet worden sind.<\/p><p>Um auszuloten, ob es &uuml;berhaupt noch ein &ouml;ffentliches Bewusstsein davon gibt, dass es au&szlig;er dem Konzept der Abschreckung und der Politik der St&auml;rke auch noch die M&ouml;glichkeit gibt, mit angeblichen Gegnern zu verhandeln und sich zu vertragen, habe ich in den letzten Tagen mit Menschen verschiedener Altersgruppen gesprochen. Das Ergebnis: Unter dem Eindruck der unentwegt vermittelten Botschaften, Russland und China seien Gegner und gef&auml;hrlich, unter dem Eindruck von Aufr&uuml;stungsforderungen der USA und der NATO, unter dem Eindruck von Erz&auml;hlungen &uuml;ber Cyberattacken Russlands und zum Beispiel der Afrika-Politik Chinas ist das andere Konzept, n&auml;mlich den Ausgleich zu suchen und sich zu vertragen, mehr und mehr in Vergessenheit geraten. Nur noch wenige erinnern sich daran, dass G-7 bis 2014 G-8 hie&szlig;. Russland war mit dabei. Heute gibt es keine gro&szlig;e Basis mehr f&uuml;r Friedenspolitik. Das ist eine gef&auml;hrliche Entwicklung. <\/p><p><strong>Vielleicht haben Sie Lust und Gelegenheit, in Ihrem Umfeld in Gespr&auml;chen zu testen, ob dort noch die Alternative zum Kalten Krieg pr&auml;sent ist, ob sich Ihre Bekannten und Freunde &uuml;berhaupt noch daran erinnern, dass die Idee einer anderen als auf Abschreckung und milit&auml;rische St&auml;rke setzenden Sicherheitspolitik wesentlich von deutschen Politikern und einigen anderen europ&auml;ischen progressiven Politikern wie Palme und Kreisky entwickelt und angewandt worden ist. <\/strong><\/p><p>Wenn Sie einen anderen Eindruck gewinnen als ich, dann w&auml;re das gut f&uuml;r die nachwachsenden Generationen. Andernfalls schlittern sie in gef&auml;hrliche Auseinandersetzungen und vergeuden im &Uuml;brigen ihre Kraft und ihre Ressourcen in Waffen und milit&auml;rischen Abenteuern.<\/p><p>Nachtrag: Es wird in den internationalen Beziehungen auch immer Konstellationen geben, die das Sich-Vertragen schwer machen, weil man den potentiellen Partnern nicht trauen kann. Aber diese Konstellation stellt sich heutzutage auch unter jenen ein, die sich f&uuml;r B&uuml;ndnispartner halten. K&ouml;nnen wir den USA trauen? K&ouml;nnen wir der jetzigen polnischen Regierung trauen? Oder der britischen? Wir wissen auch nicht, welches Personal in Russland nachw&auml;chst. Und in China. Und trotz aller dieser Vorbehalte wird Sich-Vertragen besser sein als Konfrontation.<\/p><p><strong>Anlage &ndash; Artikel in der NZZ vom 9.6.2021<\/strong><\/p><p>(F&uuml;r das Thema relevante Stellen sind im Text gefettet.)<\/p><p><b>Geopolitik und Europa: &laquo;Inhaltlich lag Trump meist richtig, aber seine Kommunikationsmethode war nicht immer f&ouml;rderlich&raquo;<\/b><\/p><p>Wess Mitchell zieht in der NZZ erstmals Bilanz &uuml;ber seine Zeit als f&uuml;hrender Europa-Politiker unter dem ehemaligen amerikanischen Pr&auml;sidenten. Von Joe Biden erwartet er ein klares Zeichen der <b>Abschreckung gegen&uuml;ber Russland<\/b>.<\/p><p>Ivo Mijnssen, Wien<\/p><p>Eine Welle der Unsicherheit erfasst Europas Osten: Zehntausende von russischen Soldaten marschierten im April an der Grenze zur Ukraine auf, fast gleichzeitig begann <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/international\/tschechien-geht-gegen-russlands-militaergeheimdienst-gru-vor-ld.1612529\">ein heftiger diplomatischer Streit zwischen Prag und dem Kreml<\/a> um Moskaus Spionage und Sabotage in Tschechien. <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/international\/weissrussland-ryanair-und-protasewitsch-man-wird-mich-toeten-ld.1627010\">Die erzwungene Landung eines Flugzeugs und die anschliessende Verhaftung eines oppositionellen Journalisten<\/a> durch Weissrussland provozierten im Mai Sanktionen der EU und der USA, w&auml;hrend Moskau dem Machthaber in Minsk den R&uuml;cken st&auml;rkte.<\/p><p>Der Zeitpunkt der Spannungen d&uuml;rfte kein Zufall sein: <b>Russland testet die Schmerzgrenze der neuen Regierung in Washington<\/b>, w&auml;hrend diese ihre genaue Linie noch sucht. Mit Biden sitzt zwar ein &uuml;berzeugter Transatlantiker im Weissen Haus. Aus diplomatischen Kreisen in Europa ist dennoch zu h&ouml;ren, man sei &uuml;berrascht, wie langsam das Aussenministerium in Gang komme.<\/p><p>Einflussreicher Aussenpolitiker<\/p><p>Wess Mitchell, einer der einflussreichsten republikanischen Aussenpolitik-Experten der j&uuml;ngeren Generation, leitete unter Donald Trump eineinhalb Jahre lang im Rang eines Assistenzsekret&auml;rs die Europa-Abteilung des amerikanischen Aussenministeriums. <a href=\"http:\/\/www.allgov.com\/news\/top-stories\/bureau-of-european-and-eurasian-affairs-who-is-a-wess-mitchell-170815?news=860276\">Als Buchautor und Nachfolger von Victoria Nuland<\/a> pr&auml;gte der Texaner die amerikanische Politik in Zentral- und Osteuropa mit. Im Gespr&auml;ch zieht der 44-J&auml;hrige nun Bilanz &ndash; es ist das erste Mal, wie er betont, dass er sich gegen&uuml;ber einem Medium &uuml;ber seine Zeit im Staatsdienst &auml;ussert.<\/p><p><b>&laquo;Die USA haben erst sp&auml;t realisiert, dass wir uns in einer neuen &Auml;ra des Wettbewerbs unter den Grossm&auml;chten befinden&raquo;,<\/b> sagt Mitchell. Sie m&uuml;ssten deshalb den Grossteil ihrer milit&auml;rischen Macht weg von Europa in Richtung Asien orientieren. <b>China werde die kombinierte St&auml;rke der EU und der USA eher fr&uuml;her als sp&auml;ter &uuml;bertreffen<\/b>. &laquo;Die milit&auml;rische Dominanz Amerikas geht zu Ende&raquo;, sagt er, &laquo;und das heisst, <b>dass China und Russland aggressiver und effektiver Einfluss aus&uuml;ben<\/b>.&raquo;<\/p><p>Das Ende des &laquo;unipolaren Moments&raquo; hat f&uuml;r die Europ&auml;er zur Folge, dass sie sich zunehmend mit Forderungen aus Washington konfrontiert sehen, mehr Verantwortung f&uuml;r die eigene Sicherheit zu &uuml;bernehmen. <b>Dies bedeute f&uuml;r die europ&auml;ischen EU- und Nato-Mitglieder, die Abschreckung gegen&uuml;ber Russland zu &uuml;bernehmen, findet Mitchell. &laquo;Wir brauchen eine Arbeitsteilung, damit sich die USA um Asien k&uuml;mmern k&ouml;nnen, ohne Europas Stabilit&auml;t zu gef&auml;hrden.&raquo;<\/b><\/p><p>Trumps Verm&auml;chtnis<\/p><p>Unter Trump seien die Amerikaner diesem Ziel n&auml;hergekommen, glaubt Mitchell, der 2020 die auf Geopolitik spezialisierte <a href=\"https:\/\/www.themarathoninitiative.org\/\">Denkfabrik Marathon Initiative<\/a> mitgegr&uuml;ndet hat. <b>Der ehemalige Pr&auml;sident habe den Europ&auml;ern deutlich gemacht, dass sie ihre Milit&auml;rausgaben erh&ouml;hen m&uuml;ssten<\/b>. Diese Forderung, &auml;hnlich wie das Dr&auml;ngen auf tiefere Z&ouml;lle und ein Ende der Nord-Stream-2-Pipeline, liege im strategischen Interesse der USA.<\/p><p><b>Schon Barack Obama habe h&ouml;here europ&auml;ische Milit&auml;rausgaben gefordert,<\/b> dabei aber auf Charme gesetzt, w&auml;hrend sein Nachfolger Druck ausge&uuml;bt habe. &laquo;Inhaltlich lag Trump meist richtig, aber seine Kommunikationsmethode war nicht immer f&ouml;rderlich f&uuml;r die von ihm gew&uuml;nschten diplomatischen Ergebnisse&raquo;, meint Mitchell zu den oft &ouml;ffentlich ausgetragenen Konflikten der transatlantischen Partner. Er h&auml;lt auch fest, sein eigener Abgang sei kein Protest gegen den Pr&auml;sidenten gewesen. &laquo;F&uuml;r die Europ&auml;er war die Kritik an Trumps Stil oft ein Vorwand, um nicht zugeben zu m&uuml;ssen, dass sie eigentlich die Forderungen ablehnten.&raquo;<\/p><p>Besondere Aufmerksamkeit liess Trump den Grenzregionen Europas &ndash; einschliesslich des Ostens der EU &ndash; zukommen. Mit diesem hat sich Mitchell ausf&uuml;hrlich befasst: 2017 schloss er <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/Grand-Strategy-Habsburg-Empire-Mitchell\/dp\/0691176701\">seine Dissertation &uuml;ber die strategischen Dilemmata des Habsburgerreichs<\/a> ab. &laquo;Das Gebiet ist heute wieder Ground Zero der strategischen Konkurrenz zwischen den Grossm&auml;chten.&raquo; Russland sehe Ost- und Mitteleuropa als Hinterhof, China habe sich mit Investitionen in die Belt-and-Road-Initiative dort festgesetzt.<\/p><p>&laquo;Engagement&raquo; f&uuml;r Ungarn<\/p><p>Mitchell findet, dass die Vernachl&auml;ssigung der Region die Ann&auml;herung einiger Staaten an China und Russland bef&ouml;rdert habe. <b>Um Gegensteuer zu geben, setzten die USA in ihrer Strategie f&uuml;r die nationale Sicherheit von 2017 auf ein st&auml;rkeres Engagement, um wieder an Einfluss zu gewinnen und die Westbindung zu st&auml;rken.<\/b><\/p><p>Nicht unumstritten war dabei der Dialog mit Ungarn, <a href=\"https:\/\/www.npr.org\/2019\/05\/12\/722550947\/viktor-orban-visits-the-white-house?t=1622465162669\">der Viktor Orban 2019 auch einen Empfang im Weissen Haus sicherte<\/a>. Kritiker warfen Mitchell vor, mit der Aufwertung Orbans im Interesse der Geopolitik dessen Machtkonzentration und Schw&auml;chung des Rechtsstaats gutzuheissen. Unter Obama war der ungarische Ministerpr&auml;sident fast ein Ge&auml;chteter gewesen. 2018 hingegen kam vom State Department kaum Kritik an den Parlamentswahlen, die laut den Wahlbeobachtern der Organisation f&uuml;r Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa &laquo;frei, aber nicht fair&raquo; waren.<\/p><p>&laquo;Gerade in labilen Staaten, wo wir uns &uuml;ber die Erosion demokratischer Standards Sorgen machen, m&uuml;ssen wir diplomatisch Pr&auml;senz markieren&raquo;, dies glaubt der Politologe und Historiker Mitchell. So habe Aussenminister Mike Pompeo <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/international\/pompeo-usa-setzen-in-ungarn-und-osteuropa-auf-geopolitik-ld.1458888\">mehr L&auml;nder &ouml;stlich von Deutschland<\/a> besucht als seine Vorg&auml;nger unter Obama. Zudem habe Washington Alternativen pr&auml;sentiert, bei der Versorgung mit Fl&uuml;ssiggas und Infrastrukturprojekten, aber auch in heiklen Bereichen wie der Handy-Technologie. <b>Er verweist auf die St&auml;rkung der Pr&auml;senz in Ostmitteleuropa durch Verteidigungsabkommen und Waffenlieferungen,<\/b> den Ausschluss von Huawei aus den Netzwerken vieler L&auml;nder und zus&auml;tzliche Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die freien Medien und die Zivilgesellschaft in der Visegrad-Region.<\/p><p>In Ungarn bleibe die Erfolgsbilanz dennoch durchzogen, findet Mitchell: &laquo;Budapest sichert sich weiterhin gegen alle Seiten ab. <b>Die Balance zwischen einem klaren Bekenntnis zu demokratischen Werten und der Abschreckung der strategischen Gegner bleibt heikel. Diese Balance zu finden, ist aber die Kernaufgabe der Diplomatie.&raquo;<\/b><\/p><p>Schwierige Balance<\/p><p>Nicht leicht ins Gleichgewicht zu bringen ist auch die Behandlung der Partner innerhalb der EU. So gibt Mitchell zu, der Umgang Trumps mit Deutschland &ndash; wie zuvor auch jener von George W. Bush &ndash; habe &laquo;blaue Flecken&raquo; hinterlassen. &laquo;Biden pr&auml;sentiert sich nun als Anti-Trump. Das reicht aber nicht.&raquo; Der neue Pr&auml;sident zelebriere die Wiederann&auml;herung so stark, dass er sich m&ouml;glicherweise mit einer Verbesserung der Atmosph&auml;re zufriedengebe, statt die strategischen Ziele der USA zu erreichen. &laquo;Die Frage ist: Wie wird Biden reagieren, wenn die Europ&auml;er zu seinen Forderungen, die gr&ouml;sstenteils dieselben sind wie die von Trump, &lsaquo;Nein&rsaquo; sagen? Wird er nur Zuckerbrot verwenden oder auch die Peitsche?&raquo;<\/p><p>Besonders schwierig ist dabei der Umgang mit Projekten wie Nord Stream 2, an denen sowohl Alliierte als auch strategische Gegner interessiert sind. Bidens <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/pro-global\/perspektiven\/ist-der-weg-jetzt-frei-um-die-ostsee-pipeline-nord-stream-2-zu-ende-zu-bauen-ld.1627218\">Verzicht auf weitere Sanktionen<\/a> verbessert die Beziehungen zu Deutschland und die Atmosph&auml;re mit Russland vor dem Treffen der Pr&auml;sidenten Mitte Juni<b>. &laquo;Dass Biden nach seiner Kritik an Trumps Russland-Politik Putin als Erstes einen &lsaquo;Friedensgipfel&rsaquo; anbietet, entbehrt nicht einer gewissen Ironie&raquo;, so Mitchell. Gemeinsame Interessen sieht er nur bei der R&uuml;stungskontrolle.<\/b><\/p><p>&laquo;Diplomatie auf h&ouml;chster Ebene mit einem Gegner dient dazu, entweder einen &Ouml;lzweig zu reichen <b>oder die Abschreckung zu st&auml;rken&raquo;,<\/b> davon ist Mitchell &uuml;berzeugt<b>. F&uuml;r Ersteres sieht er angesichts der Spannungen in Osteuropa und der russischen Cyberattacken gegen amerikanische Infrastrukturanlagen keinen Raum. Die Abschreckung hingegen sei umso wichtiger, als die Ostmitteleurop&auml;er das Treffen sonst als Belohnung f&uuml;r Putins Aufmarsch in der Ukraine interpretierten. &laquo;Deshalb muss Biden Putin eine klare Botschaft &uuml;berbringen: dass die USA f&uuml;r ihre Interessen und f&uuml;r ihre Verb&uuml;ndeten in Europa k&auml;mpfen.&raquo;<\/b><\/p><p><a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/international\/trump-biden-und-europa-geopolitik-lastenverteilung-und-stil-ld.1627809\">nzz.ch\/international\/trump-biden-und-europa-geopolitik-lastenverteilung-und-stil-ld.1627809<\/a><\/p><p>Titelbild: United States Department of State, Public domain, via Wikimedia Commons <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:A._Wess_Mitchell_official_photo.jpg\">https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:A._Wess_Mitchell_official_photo.jpg<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn man die Nachrichten zum gerade abgelaufenen G-7-Gipfel h&ouml;rt oder wenn man den unten wiedergegebenen Artikel in der Neuen Z&uuml;rcher Zeitung liest, dann muss man den Eindruck gewinnen, dass das Zusammenleben der V&ouml;lker nur mit milit&auml;rischer Konfrontation funktioniert. Die G-7 Staaten meinen und verlautbaren, sie m&uuml;ssten sich gegen China und Russland wappnen. Der von der<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=73314\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":73315,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,123],"tags":[2035,1460,379,2013,593,2301,466,259,1800,668,1556],"class_list":["post-73314","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-kampagnentarnworteneusprech","tag-abschreckungsstrategie","tag-biden-joe","tag-china","tag-entspannungspolitik","tag-g7820","tag-konfrontationspolitik","tag-nato","tag-russland","tag-trump-donald","tag-ungarn","tag-usa"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/210613-bedrohen-t.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/73314","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=73314"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/73314\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":73371,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/73314\/revisions\/73371"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/73315"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=73314"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=73314"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=73314"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}