{"id":73494,"date":"2021-06-19T11:45:37","date_gmt":"2021-06-19T09:45:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=73494"},"modified":"2021-06-19T13:03:39","modified_gmt":"2021-06-19T11:03:39","slug":"ein-halbes-jahr-nach-dem-putsch-ein-zwischenbericht-zur-aktuellen-lage-in-myanmar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=73494","title":{"rendered":"Ein halbes Jahr nach dem Putsch &#8211; Ein Zwischenbericht zur aktuellen Lage in Myanmar"},"content":{"rendered":"<p>Am ersten Februar 2021 putschte das Milit&auml;r und hinderte die Abgeordneten daran, zu ihrer ersten Sitzung nach den Wahlen vom November zusammenzutreten und eine neue Regierung zu bilden. Schlimmer noch, es verhaftete die F&uuml;hrer der NLD, die bei weitem die meisten Stimmen erhalten hatte und erneut die Regierung bilden wollte. Auch Aung Suu Kyi, die Gr&uuml;nderin der NLD, wurde verhaftet. Die Milit&auml;rjunta bildete eine eigene Regierung, verh&auml;ngte den Ausnahmezustand und blockierte den Zugang zum Internet und zu den sozialen Medien.  F&uuml;nfeinhalb Monate nach dem Milit&auml;rputsch gibt es noch t&auml;glich K&auml;mpfe und Demonstrationen gegen die Junta, die Lage ist noch immer so verwickelt, dass man nicht sagen kann, wer schlussendlich die Oberhand gewinnen wird.<br>\nFest steht jedenfalls, dass General Aung Hlaing den Umfang und die Langlebigkeit des Widerstandes gegen seinen Coup, der die Demokratie aushebelte, untersch&auml;tzt hat. Von <strong>Marco Wenzel<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nNach einer ersten Schockstarre von wenigen Tagen begann das Volk auf die Stra&szlig;e zu gehen und seinen Protest gegen die Machtusurpation der Milit&auml;rjunta offen zu zeigen. Zeitgleich bildeten die untergetauchten gew&auml;hlten Abgeordneten ein erstes Komitee als Gegenregierung, das sich sp&auml;ter unter dem Namen NUG (nationale Einheitsregierung) fest konstituieren und eigene Minister ernennen wird. Zugleich wurde vom Volk ein Komitee des zivilen Ungehorsams (CDM) gebildet, das sich zum Ziel gesetzt hat, die Junta zu boykottieren und es ihr unm&ouml;glich zu machen, das Land zu regieren. Lehrer, &Auml;rzte und Beamte geh&ouml;rten zu den ersten, die sich im CDM zusammenschlossen. Eine Woche sp&auml;ter waren es bereits Hunderttausende, die t&auml;glich auf die Stra&szlig;e gingen und mit Streiks das Land lahmlegten. Jetzt begann das Milit&auml;r mit aller Gewalt gegen die Proteste vorzugehen und es gab die ersten Toten, die bei den Demonstrationen vom Milit&auml;r erschossen wurden. <\/p><p>Damit hatte die Junta definitiv eine rote Linie &uuml;berschritten. Die Fronten verh&auml;rteten sich, die Vorgehensweise der Sicherheitskr&auml;fte wurde immer brutaler, eine friedliche Beilegung r&uuml;ckt in weite Ferne. Mitte M&auml;rz rief die Milit&auml;rjunta in weiten Teilen des Landes das Kriegsrecht aus. Am 27. M&auml;rz feierte das Milit&auml;r den Tag der Streitkr&auml;fte und erschoss an diesem Tag allein &uuml;ber 100 Demonstranten. Seit dem ersten Februar sind etwa 800 Zivilisten von der Tatmadaw, wie das Milit&auml;r in Myanmar genannt wird, get&ouml;tet worden, tausende wurden verhaftet und zehntausende sind auf der Flucht.<\/p><p>Die K&auml;mpfe halten bis heute unvermindert an. Die Milit&auml;rjunta erl&auml;sst t&auml;glich neue Gesetze gegen die Volksbewegung und versucht mit allen Mitteln die Proteste und die Streiks zu beenden. Wellen von Fl&uuml;chtlingen str&ouml;men zu Myanmars Grenze nach Thailand und Indien und dar&uuml;ber hinaus. Eine neue humanit&auml;re Krise bahnt sich an. Wirtschaftlich und finanziell steht das Land am Rande des Zusammenbruchs.  <\/p><p>Nachts, w&auml;hrend der Ausgangssperre, patrouillieren Milit&auml;rkonvois durch die Stra&szlig;en der St&auml;dte, insbesondere in Rangun, und dringen in H&auml;user ein, um nach Aufst&auml;ndischen zu suchen und sie zu verhaften. In manchen Vierteln aber haben sich auch Stra&szlig;enkomitees gegr&uuml;ndet, die genau das zu verhindern und ihre Viertel zu sch&uuml;tzen suchen. Wer da zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort unterwegs ist, der hat eine Pechstr&auml;hne. <\/p><p>Seit zwei Wochen hat ein kafkaesker Prozess gegen Frau Suu Kyi und einige ihrer fr&uuml;heren Regierungsmitglieder sowie gegen den fr&uuml;heren Ministerpr&auml;sidenten begonnen. Eine faire Gerichtsverhandlung ist nicht zu erwarten, die Anklagen sind frei erfunden, keiner der Angeklagten hat vor dem ersten Februar gegen das Gesetz versto&szlig;en und danach konnten sie es nicht mehr, denn sie sitzen seither in Haft. Ziel ist es, ihre R&uuml;ckkehr auf die politische B&uuml;hne unm&ouml;glich zu machen. Frau Suu Kyi wird am 19. Juni 76 Jahre alt und ihr drohen mindestens 20 Jahre Gef&auml;ngnis f&uuml;r erfundene Anklagen. Und dass sie verurteilt wird, das ist bereits von einer korrupten Milit&auml;rjustiz abgemacht. <\/p><p><strong>Die Bewegung des zivilen Ungehorsams <\/strong><\/p><p>Seit ihrer Macht&uuml;bernahme versucht die Junta, so etwas wie Normalit&auml;t im Alltag wieder herzustellen. Aber das ist ihr nicht gelungen. Viele der westlichen Investoren haben dem Land den R&uuml;cken gekehrt. Die Bewegung des zivilen Ungehorsams ist noch immer sehr stark, niemand will f&uuml;r die Tatmadaw arbeiten. Die CDM (Civil Disobedience Mouvement) wurde nach dem Putsch haupts&auml;chlich von &Auml;rzten und anderen Mitarbeitern des Gesundheitswesens sowie von den Lehrkr&auml;ften gegr&uuml;ndet, um die Bestrebungen des Regimes, die Kontrolle &uuml;ber die Regierungsfunktionen zu &uuml;bernehmen, zu behindern. Seitdem haben sich der CDM Beamte aus einer Reihe von Ministerien, Arbeiter in den Elektrizit&auml;tswerken und Bankangestellte angeschlossen. Menschen, die aus welchen Gr&uuml;nden auch immer nicht bei der CDM mitmachen, werden von ihren Freunden, Bekannten und Nachbarn oft mit Misstrauen betrachtet und gemieden. Die CDM hat inzwischen Anh&auml;nger in allen Berufsgruppen und ruft dazu auf, alle Produkte, die von Firmen hergestellt werden, die unter Kontrolle des Milit&auml;rs stehen, zu boykottieren, von Biermarken, die dem Milit&auml;r geh&ouml;ren, bis hin zu Lotterielosen. Die Einheitsregierung unterst&uuml;tzt die CDM und hat zudem dazu aufgerufen, die Stromrechnungen nicht mehr zu bezahlen und Kredite nicht zur&uuml;ckzuzahlen. Die Junta ger&auml;t in Finanznot. <\/p><p>Der Bankensektor Myanmars steht am Rande des Zusammenbruchs. Viele Bankangestellte sind im Streik und haben sich der CDM angeschlossen. Die Zentralbank hat Maximalbetr&auml;ge f&uuml;r Abhebungen sowohl am Schalter als auch an den Geldautomaten verh&auml;ngt. Vor den Geldautomaten bilden sich lange Schlangen, die Kunden wollen ihr Geld abheben, so lange es noch m&ouml;glich ist. Die Banken empfangen an ihren Schaltern nur noch eine begrenzte Zahl von Kunden t&auml;glich, aber viele Filialen sind ganz geschlossen, entweder weil das Personal streikt oder weil kein Geld da ist, das man vom Konto abheben k&ouml;nnte. Die Geldknappheit ist zum Problem f&uuml;r Firmen geworden, da sie nicht mehr genug Geld haben, um ihre Arbeiter zu bezahlen und um Rohstoffe zu kaufen. Zudem ist der Kurs des Kyat seit dem Putsch um mindestens 30% gefallen, Importe werden dadurch teurer. Parallel dazu ist ein Schwarzmarkt entstanden und Geldverleiher verlangen horrende Zinsen. <\/p><p>Ein weiterer Grund f&uuml;r die Limits bei den Geldabhebungen ist auch, so wird gemunkelt, dass die Junta verhindern will, dass die Menschen Geld abheben, um es zur Unterst&uuml;tzung streikender Beamter zu verwenden oder es der zivilen Gegenregierung zur Verf&uuml;gung zu stellen.  <\/p><p>Ohne Einkommen und mit wenig Unterst&uuml;tzung stehen viele CDM-Teilnehmer vor der schwierigen Entscheidung, ob sie nicht zur Arbeit zur&uuml;ckkehren. Es wird gesch&auml;tzt, dass seit dem Putsch wenigstens 600.000 Menschen ihre Arbeit verloren haben. Die Putschisten-Regierung hat mehr als 70.000 Regierungsbeamte entlassen, die sich der CDM angeschlossen haben. <\/p><p><strong>Das Bildungssystem <\/strong><\/p><p>Nachdem bereits ein ganzes Schuljahr durch die Pandemie verloren gegangen war, wollte die Junta inmitten der Bem&uuml;hungen, das Land zu normalisieren, die Schulen am 1. Juni wieder &ouml;ffnen. Der Milit&auml;rrat aber hatte bereits &uuml;ber 120.000 streikende Mitglieder der Universit&auml;tsfakult&auml;t und Lehrer entlassen, was zu einer Krise im Bildungssektor f&uuml;hrte. Gegen mehr als 200 Lehrer liegen Haftbefehle vor, hunderte von Lehrern sind untergetaucht, um der Verhaftung zu entgehen. Erst vor wenigen Tagen wurden drei Streikende zu je drei Jahren Gef&auml;ngnis wegen Aufwiegelung verurteilt, weil sie sich an der Bewegung des zivilen Ungehorsams beteiligt hatten.<\/p><p>Viele Schulen k&ouml;nnen allein schon deshalb nicht &ouml;ffnen, weil das Lehrpersonal dazu fehlt, aber auch die Sch&uuml;ler und ihre Eltern weigern sich, Schulen zu besuchen, die von Gener&auml;len verwaltet und von Soldaten &uuml;berwacht werden. Sie weigern sich, an einem vom Milit&auml;r gef&uuml;hrten &ldquo;Sklavenbildungssystem&rdquo; teilzunehmen, ein von der Milit&auml;rregierung ausgestelltes Abschlusszeugnis ist f&uuml;r sie wertlos.  Viele der Stra&szlig;enproteste in den vergangenen Monaten wurden zudem von jungen Studenten angef&uuml;hrt.<\/p><p>Die Eltern bef&uuml;rchten auch, dass Sch&uuml;ler verhaftet oder erschossen werden oder dass Sch&uuml;lerinnen von Soldaten sexuell bel&auml;stigt werden. Das Milit&auml;r verlegte zudem Truppen zu &ouml;ffentlichen Geb&auml;uden im ganzen Land, darunter auch Schulen und Krankenh&auml;usern, was sie wiederum zu potentiellen Zielen f&uuml;r Angriffe der Regierungsgegner macht.<\/p><p>Auch das Bildungsministerium der Nationalen Einheitsregierung (NUG) hat sich f&uuml;r einen Boykott ausgesprochen. In einer Erkl&auml;rung vom 26. April forderte es Lehrer und andere Angestellte des Bildungsministeriums auf, nicht an die Universit&auml;ten und Grundschulen zur&uuml;ckzukehren, bis das Milit&auml;rregime gest&uuml;rzt ist. So geht nun bereits ein zweites Schuljahr f&uuml;r die Sch&uuml;ler und Studenten verloren.<\/p><p><strong>Der bewaffnete Widerstand<\/strong><\/p><p>Die Demonstranten sind vorsichtiger geworden und zeigen sich nicht mehr so offen auf der Stra&szlig;e, da sie wissen, dass das Milit&auml;r mit scharfer Munition auf sie schie&szlig;en wird. Die massiven Stra&szlig;enproteste vom Februar und M&auml;rz schwanden, als die Sicherheitskr&auml;fte begannen, mit t&ouml;dlicher Gewalt gegen friedliche Demonstranten vorzugehen. Nachdem die Milit&auml;rjunta alle friedlichen Demonstrationen ignoriert und sie teilweise sogar mit schweren Gesch&uuml;tzen beschossen hat, hat sich die Anti-Coup-Bewegung in vielen Teilen des Landes von friedlichen Massenprotesten zum bewaffneten Aufstand gewandelt, aus gewaltlosen Protesten ist aktiver Widerstand geworden.<\/p><p>Es gibt verschiedene bewaffnete Widerstandsorganisationen. Da sind zum einen die schon seit Langem bestehenden Armeen der ethnischen Gruppen, die gut trainiert und kampferfahren sind und die sich schon seit Jahrzehnten K&auml;mpfe mit dem burmesischen Milit&auml;r liefern, sie aus dem Hinterhalt &uuml;berfallen und ihre St&uuml;tzpunkte angreifen. Sie leben meist in den Grenzgebieten zu Indien und Thailand, schwer zug&auml;ngliche Gebiete, wo die bewaffneten ethnischen Gruppen (EAO&rsquo;s) praktisch schon seit der Unabh&auml;ngigkeit Myanmars im Jahre 1948 ununterbrochen gegen die Regierung und f&uuml;r ihre Rechte und f&uuml;r ihre Unabh&auml;ngigkeit k&auml;mpfen. Die K&auml;mpfe zwischen diesen Armeen und der Tatmadaw haben sich seit dem Putsch intensiviert. Ein vor Jahren geschlossenes Waffenstillstandsabkommen ist obsolet geworden. Die EAO&rsquo;s haben bereits mehrere hundert Soldaten und Polizisten get&ouml;tet, meist durch &Uuml;berf&auml;lle auf ihre St&uuml;tzpunkte. <\/p><p>Inzwischen hat auch die Einheitsregierung eine Volksarmee (PDF) ausgehoben, die die Tatmadw bek&auml;mpfen und sp&auml;ter, nach dem Sturz der Junta, den Kern einer offiziellen Armee eines neuen Staates Myanmar werden soll. Diese Volksarmee ist zurzeit noch im Untergrund. Sie wird meist trainiert von Deserteuren der Tatmadaw, die zur Einheitsregierung &uuml;bergelaufen sind oder von den bewaffneten Truppen der ethnischen Gruppen, von denen viele bereits mit der NUG gegen den gemeinsamen Feind zusammenarbeiten. <\/p><p>Viele bewaffnete Gruppen haben sich zudem in St&auml;dten gebildet, es sind meist bewaffnete Einheimische, die lokal gegen Polizei und Milit&auml;r k&auml;mpfen und sich gegen &Uuml;bergriffe verteidigen. Selten t&auml;tigen diese Gruppen von sich aus Angriffe auf die Tatmadaw oder ver&uuml;ben Vergeltungsschl&auml;ge. W&auml;hrend die &uuml;brigen Verb&auml;nde meist aus jungen Leuten bestehen, findet man unter ihnen Menschen aller Altersklassen. Willkommen ist jeder, der gegen das Milit&auml;r k&auml;mpfen will. <\/p><p>Dann gibt es noch Widerstandszellen, die nicht offiziell in Erscheinung treten und auch keine Erkl&auml;rungen abgeben. Sie setzen auf asymmetrische Kriegsf&uuml;hrung und unkonventionelle Taktiken und f&uuml;hren gezielte Bombenanschl&auml;ge, Sabotageakte und au&szlig;ergerichtliche T&ouml;tungen gegen das Milit&auml;r, ihre Helfershelfer, lokale Beamte der Tatmadaw und ihre Spitzel aus. Manche Quislinge wurden schon mit aufgeschlitzten Kehlen am Stra&szlig;enrand aufgefunden. Viele ihrer Anschl&auml;ge zielten auch auf staatliche Schulen im Vorfeld der Wiederaufnahme des Unterrichts am 1. Juni.<\/p><p>Diese Guerillas sind durchweg junge Menschen, darunter auch viele Frauen, und waren oft f&uuml;r ein paar Wochen in den Dschungel zu den ethnischen Armeen gefl&uuml;chtet, um dort eine Ausbildung zu bekommen und zu lernen, wie man mit Sprengstoff umgeht, und sind inzwischen in ihre St&auml;dte zur&uuml;ckgekehrt. &Uuml;ber sie hat die NUG keine Kontrolle. <\/p><p><strong>Die Pandemie<\/strong><\/p><p>Bereits die Wahlen im November letzten Jahres hatten inmitten einer zweiten Pandemiewelle stattgefunden. Danach waren die F&auml;lle von Covid-19 wieder zur&uuml;ckgegangen, die Pandemie schien besiegt. Jetzt aber steigt die Zahl der COVID-19-F&auml;lle wieder rasant an, die dritte Welle ist dabei auszubrechen. Diesmal aber, inmitten des B&uuml;rgerkrieges, wird sie kaum unter Kontrolle zu bringen sein. Wurden im Januar noch t&auml;glich etwa 20.000 Tests durchgef&uuml;hrt, so sind es jetzt keine 2.000 mehr. Viele Krankenh&auml;user sind geschlossen, die &Auml;rzte und das Personal sind im Streik. Wie bei den Lehrern hat die Milit&auml;rregierung auch im Gesundheitswesen tausende von &Auml;rzten und zehntausende von Krankenschwestern entlassen, verhaftet oder zur Fahndung ausgeschrieben, weil sie der CDM beigetreten sind.  Das ist der Hauptgrund f&uuml;r die gegenw&auml;rtige Gesundheitskrise.<\/p><p>Das von der Junta kontrollierte Gesundheitsministerium ver&ouml;ffentlicht keine regelm&auml;&szlig;igen Daten &uuml;ber die Anzahl und die geographische Verteilung der F&auml;lle.  In Rangun stieg die Zahl der COVID-19-F&auml;lle sprunghaft an, nachdem eine gro&szlig;e Anzahl von F&auml;llen an einer von buddhistischen M&ouml;nchen gef&uuml;hrten Privatschule gemeldet wurde. Die F&auml;lle wurden entdeckt, nachdem eine Sch&uuml;lerin, die berichtete, ihren Geruchssinn verloren zu haben, eines der Symptome von COVID-19, letzten Donnerstag positiv getestet wurde. Hunderte von Sch&uuml;lern und Mitarbeitern wurden daraufhin dort positiv auf COVID-19 getestet.  Myanmar meldete dann am Sonntag 373 neue F&auml;lle von COVID-19 im ganzen Land, der gr&ouml;&szlig;te t&auml;gliche Anstieg seit dem Coup vom 1. Februar. Da aber kaum noch getestet wird, d&uuml;rfte die Dunkelziffer um ein Vielfaches h&ouml;her liegen. Auch in anderen Teilen des Landes sind viele Schulen betroffen und wurden geschlossen. Bis zum Montag hatte Myanmar insgesamt 145.826 COVID-19-F&auml;lle gemeldet, darunter 3.248 Todesf&auml;lle und 132.969 Genesungen.<\/p><p>In Myanmar wird kaum noch geimpft. Das hat mehrere Gr&uuml;nde. Erstens nat&uuml;rlich der Mangel an &Auml;rzten und Hilfskr&auml;ften, auch Freiwillige, um die Impfungen durchzuf&uuml;hren. Aber auch die Menschen haben zurzeit andere Sorgen als Covid-19. So w&uuml;rden sich wahrscheinlich nur wenige freiwillig in den Impf- und Testzentren einfinden und dort ihre Identit&auml;t preisgeben. Die Chancen, eine Ansteckung mit Covid-19 zu &uuml;berleben, sind weit h&ouml;her als die &Uuml;berlebenschance bei einer Verhaftung durch das Milit&auml;r. <\/p><p>Zudem gibt es kaum Impfdosen. Die Junta hat am letzten Donnerstag Dr. Htar Htar Lin festgenommen, die ehemalige Direktorin und Managerin des Programms zur Immunisierung, die die Einf&uuml;hrung des COVID-19-Impfstoffes im Lande leitete und als Gegnerin der Junta bekannt war. Bereits kurz nach dem Putsch hatte sie ihren R&uuml;cktritt angek&uuml;ndigt, blieb aber vorerst noch auf ihrem Posten. Sie hat das Geld zur Beschaffung von Impfstoffen vom Regierungskonto gleich an die zust&auml;ndigen Stellen weitergeleitet, um zu verhindern, dass die Junta, die wegen fehlender Einnahmen zurzeit finanziell unter Druck steht, sich das Geld unter den Nagel rei&szlig;t, was durchaus zu bef&uuml;rchten stand. Die Kapazit&auml;ten Myanmars zur Bek&auml;mpfung von Covid-19 und die Beschaffung von Impfstoffen sind durch Angriffe des Milit&auml;rs auf die Mitarbeiter des Gesundheitswesens und auf die Einrichtungen im ganzen Land zusammengebrochen. Das Personal im Gesundheitswesen ist verzweifelt, am Ende seiner Kr&auml;fte und am Ende seiner Moral. <\/p><p>Menschenrechtsorganisationen und die UNO bef&uuml;rchten jetzt auch eine aufkommende Hungersnot noch in diesem Jahr. Die Monsun-Reisernte ist in Gefahr. Die Regenzeit beginnt gerade und normalerweise m&uuml;ssten jetzt die Reisfelder angepflanzt werden. Der Reisanbau macht etwa ein Drittel des BIP von Myanmar aus. Teurere Betriebsmittel, sinkende Erntepreise und ein Mangel an erschwinglichen Krediten k&ouml;nnten Millionen von Bauern dieses Jahr vom Reisanbau abhalten. Zudem ist der Transport schwieriger geworden. Bereits im April warnte die Weltbank, dass die Folgen des Putsches wahrscheinlich &ldquo;zu einem starken Anstieg der Armut, erh&ouml;hten Risiken f&uuml;r die Nahrungsmittelsicherheit und tieferer Not f&uuml;r die bereits Armen f&uuml;hren werden&rdquo; und dass der Erfolg der kommenden Ernten &ldquo;kritisch&rdquo; f&uuml;r Haushalte sein wird, die von der Landwirtschaft abh&auml;ngig sind. Die H&auml;ndler f&uuml;r Saatgut, D&uuml;ngemittel und Pestizide wollen ihre Ware seit dem Putsch nur noch gegen Bargeld verkaufen, das viele Bauern nicht haben. <\/p><p>Die Felder befinden sich zudem in den l&auml;ndlichen Gebieten. Im Osten Myanmars und in den Grenzgebieten zu Thailand wurden mehr als 70.000 Menschen vertrieben. Ihre D&ouml;rfer wurden von den Tatmadaw auf der Suche nach Aufst&auml;ndischen &uuml;berfallen, gepl&uuml;ndert und aus der Luft bombardiert. Unz&auml;hlige H&auml;user sind zerst&ouml;rt, ganze Landstriche sind verlassen. Zudem trauen sich viele Bauern nicht mehr, auf offenem Feld zu arbeiten. In allen Grenzregionen wird geschossen. <\/p><p>Wenn jetzt zu allem &Uuml;berfluss auch noch die Pandemie ausbricht, dann gute Nacht. <\/p><p>Titelbild: R. Bociaga\/shutterstock.com<\/p><p><strong>Anhang:<\/strong> Artikel &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/210619-Inmitten-von-Bombenanschlaegen-und-Boykotten.pdf\">Inmitten von Bombenanschl&auml;gen und Boykotten, eine zaghafte R&uuml;ckkehr zur Schule<\/a>&ldquo; PDF &ndash; &uuml;bersetzt von Marco Wenzel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am ersten Februar 2021 putschte das Milit&auml;r und hinderte die Abgeordneten daran, zu ihrer ersten Sitzung nach den Wahlen vom November zusammenzutreten und eine neue Regierung zu bilden. Schlimmer noch, es verhaftete die F&uuml;hrer der NLD, die bei weitem die meisten Stimmen erhalten hatte und erneut die Regierung bilden wollte. 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