{"id":73558,"date":"2021-06-22T09:05:37","date_gmt":"2021-06-22T07:05:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=73558"},"modified":"2021-06-22T12:27:12","modified_gmt":"2021-06-22T10:27:12","slug":"rettung-durch-flucht-vor-der-deutschen-vernichtungsungswalze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=73558","title":{"rendered":"Rettung durch Flucht vor der deutschen Vernichtungswalze"},"content":{"rendered":"<p>Zum heutigen 80. Jahrestag des deutschen &Uuml;berfalls auf die Sowjetunion hat <strong>Ulrich Heyden<\/strong> den Bericht einer Zeitzeugin aufgeschrieben: die Erinnerungen einer 88-j&auml;hrigen Russin an ihre Flucht vor der deutschen Wehrmacht im Juni 1941.<br>\n<!--more--><br>\n&bdquo;Nie zuvor hatten wir einen solchen Menschenstrom gesehen&ldquo;, schreibt Walentin Gagarin, der Bruder des ersten Kosmonauten, Juri Gagarin, in seinen Erinnerungen. Er erinnert an die Menschen, die im Juni 1941 vor den deutschen Luftangriffen aus Minsk, aus Litauen und D&ouml;rfern im Westen der Sowjetunion unorganisiert Richtung Moskau fl&uuml;chteten. Es waren vor allem alte Menschen, Frauen, Kinder und Jugendliche. <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Ihre m&uuml;den Gesichter waren schwarz vor Staub.&raquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Einige Fl&uuml;chtlinge machten eine kurze Pause im Schatten von Apfelb&auml;umen. Bauern brachten Brot und Eier und wollten daf&uuml;r nichts nehmen. Die Fl&uuml;chtlinge tranken das Wasser des Dorfbrunnens an einem Tag leer &ndash; schreibt Gagarin. Das untr&uuml;gliche Zeichen: &bdquo;Wenn der Eimer vom Boden des Brunnens hochgezogen wurde, hatte man eine dicke Schmutzschicht am Finger.&ldquo;<\/p><p>Unter den Fl&uuml;chtlingen war auch die damals acht Jahre alte Nadjeschda Dmitrijewa. Ich traf sie vor einigen Tagen in ihrer Wohnung im westlich des Moskauer Stadtzentrums gelegenen Bezirk Kunzewo. <\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/210622-Nadjeschda-Dmitrijewa-in-ihrer-Moskaur-Wohnung-Foto-Ulrich-Heyden-2021.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><br>\n<small>Nadjeschda Dmitrijewa in ihrer Moskauer Wohnung \/ Foto: Ulrich Heyden<\/small><\/p><p>Von der alten Dame wollte ich wissen, wie sie den Angriff der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion 1941 erlebt hat. Obwohl ich ein Deutscher bin, beantwortete Nadjeschda gerne meine Fragen. <\/p><p>&bdquo;Am 22. Juni 1941 war ich auf der Datscha mit meiner Gro&szlig;mutter&ldquo;, erz&auml;hlt Nadjescha Dmitrijewa. Die Datscha der Familie Dmitrijewa lag nicht weit von Minsk im Dorf Wolkowitsch. &bdquo;Nina, meine Mutter, lag auf einer Liege im Garten. Sie las in einem Lehrbuch. Sie war Primaballerina am Opern- und Ballett-Theater in Minsk. Sie hatte aber die Schule nur bis zur achten Klasse besucht, weshalb sie noch Kurse an der Abendschule belegt hatte. Ich spielte im Gras. Meine Gro&szlig;mutter bereitete das Essen vor. Pl&ouml;tzlich rief meine Mutter zu meiner Gro&szlig;mutter: Guck mal, ein Luftkampf von Flugzeugen.&ldquo; <\/p><p>Abends kam dann ein Nachbar und sagte, der Krieg habe angefangen. Nina entschied sich, mit dem Vorortzug nach Minsk zu fahren, um sich zu erkundigen, was jetzt zu tun sei. <\/p><p><strong>NKWD-Leute f&uuml;hrten gefangene Deutsche durchs Dorf<\/strong><\/p><p>Nadjeschda erinnert sich: &bdquo;Wir hatten in unserem Dorf schon die ersten Deutschen gesehen. Sie waren mit dem Fallschirm abgesprungen und wurden von unseren NKWD-Leuten abgef&uuml;hrt. Wir Kinder riefen, Deutsche, Deutsche! Es gab Panik. Man erz&auml;hlte, die Deutschen h&auml;tten die Brunnen vergiftet. Meine Gro&szlig;mutter packte unsere Sachen, Bettzeug und anderes. <\/p><p>Ich habe die ganze Nach nicht geschlafen. Ich habe aus dem Fenster geguckt und &uuml;berlegt, wohin ich fliehe. Gro&szlig;mutter sagte, wenn etwas passiert, geh zu der Eiche und warte auf mich. Ich bin nachts immer wieder aufgewacht und habe &uuml;berlegt, wohin ich fliehen kann.&ldquo; <\/p><p>Nadjeschda erinnert sich an Doppeldecker-Flugzeuge mit roten Sternen auf den Tragfl&auml;chen. Sie flogen nach Minsk und warfen dort Bomben ab. Die Explosionen waren zu h&ouml;ren. Die alte Dame ist sich sicher, dass es deutsche Flugzeuge mit gef&auml;lschten Kennzeichen waren. &bdquo;Oder die Deutschen haben unsere Flugzeuge erbeutet. Ich wei&szlig; es nicht.&ldquo;<\/p><p>Sie erinnert sich an einen Doppeldecker-Piloten, der ganz niedrig flog und mit einer Brille, die ihr riesig erschien, auf ihr Dorf blickte. <\/p><p>&bdquo;Gut, dass er auf uns Kinder nicht geschossen hat. Am n&auml;chsten Tag, dem 24. Juni, kam meine Mutter aus Minsk zur&uuml;ck, um mich und meine Gro&szlig;mutter abzuholen. Nina hatte ein Auto organisiert, ich glaube mit Hilfe einer Flasche Wodka. Minsk brannte schon.&ldquo; <\/p><p><strong>Beschuss eines Zuges mit Fl&uuml;chtlingen<\/strong><\/p><p>&bdquo;Auf der Fahrt nach Minsk kamen wir an einen Bahn&uuml;bergang. Wir sahen einen Zug kommen, haben den Bahn&uuml;bergang aber noch schnell &uuml;berquert. Das Auto wurde gesch&uuml;ttelt. Ein Flugzeug hatte eine Bombe auf den Zug abgeworfen. Ich wollte sehen, was passiert war. Aber meine Mutter drehte meinen Kopf um, so dass ich nichts sehen konnte. Es gab Explosionen. Die Bomben flogen mit einem Pfeifen in ihr Ziel. Das Pfeifen zerriss mir die Seele&ldquo;, erz&auml;hlte Nadjeschda. Diesen Ton wird sie nie vergessen.<\/p><p>Minsk sei damals eine alte Stadt gewesen, wie Riga, mit kleinen Gassen wie in Deutschland. &bdquo;Die H&auml;user standen dicht an dicht. In der Stadt herrschte Panik. Meine Mutter sagte, &acute;sieh, die Leiterin des Bezirkskomitees der Partei.&acute; Sie hielt einen Feuerwehrschlauch und versuchte, den Brand in einem Haus zu l&ouml;schen, anstatt etwas zu organisieren.&ldquo;  <\/p><p>In dem Haus, in dem Nadjeschda mit ihren Eltern wohnte, gab es eine Beratung mit den Anwohnern, meist Mitarbeiter des Theaters von Minsk. Die Bewohner des Hauses entschieden sich, die Stadt zu verlassen. <\/p><p><strong>An einem Tag drei Angriffswellen &uuml;ber Minsk<\/strong><\/p><p>Am 23. Juni 1941 fielen die ersten Bomben der deutschen Luftwaffe auf Minsk. Bomben fielen auf den Bahnhof der Stadt und den Loschizki-Flughafen. Die auf dem Flughafen stationierten sowjetischen Kampfflugzeuge konnten nicht mehr aufsteigen. Sie wurden von dem Angreifer am Boden zerst&ouml;rt. <\/p><p>Einen Tag sp&auml;ter bombardierte die deutsche Luftwaffe in drei Wellen mit jeweils 47 Flugzeugen die Stadt. Bis zum Mittag lag das Stadtzentrum in Tr&uuml;mmern. Am 25. Juni verlie&szlig;en die sowjetischen Milit&auml;reinheiten, aber auch die Verwaltung die Stadt. Bis zum Einmarsch der deutschen Truppen am 28. Juni war die Bev&ouml;lkerung ohne administrative F&uuml;hrung. <\/p><p>In der Stadt herrschte Panik. Die Bev&ouml;lkerung war auf den Angriff nicht vorbereitet. Ein Teil der Stadtbewohner fl&uuml;chtete spontan und unorganisiert Richtung Osten. Auf dem Weg schlossen sich Fl&uuml;chtlinge aus Litauen und aus umliegenden D&ouml;rfern dem Marsch an. <\/p><p><strong>Mit einer Opern-S&auml;ngerin &uuml;ber Stock und Stein<\/strong><\/p><p>Die Fl&uuml;chtlinge vom Theater in Minsk &ndash; unter ihnen Nadjeschda, ihre Mutter Nina, zwei Gro&szlig;m&uuml;tter und der Hund Deska &ndash; machten sich auf einer Chaussee auf den Weg nach Moskau. Sie wurden von der Opern-S&auml;ngerin Larissa Pompejewna Alexandrowskaja gef&uuml;hrt. Die wundersch&ouml;ne Frau mit den dunklen, lockigen Haaren war Wei&szlig;russin und kannte die Wege durch den Wald.<\/p><p>&bdquo;Meine Gro&szlig;mutter nahm auf den Weg einen Emaille-Eimer mit. Darin verstaute sie ein Brot, Marmelade und eine Flasche Sonnenblumen&ouml;l.  Meine Mutter hatte die Aktentasche meines Vaters gepackt. Darin waren wichtige Dokumente und Anleihescheine. Die Scheine besagten, dass ein Teil des Gehalts vom Staat einbehalten und sp&auml;ter ausgezahlt wurde. <\/p><p>Die Chaussee nach Moskau war voller Menschen. Einige zogen Karren, andere waren mit Schubkarren unterwegs. Am Rande der Chaussee lagen Koffer mit Wertsachen. Die Wertsachen schleppte man als Zahlungsmittel f&uuml;r Nahrungsmittel mit. Aber die Leute konnten die Koffer nicht mehr schleppen.&ldquo; <\/p><p><strong>Luftangriff auf Fl&uuml;chtlings-Treck<\/strong><\/p><p>Immer wieder wurde der Fl&uuml;chtlings-Treck von deutschen Flugzeugen angegriffen. Jemand schrie &bdquo;Wosduch&ldquo; (Luft). Dann warfen sich alle auf den Boden. <\/p><p>&bdquo;Als ich auf dem Boden lag, sah ich eine stattliche Wei&szlig;russin, die ihr Kind auf den Armen hielt. Sie rief, &sbquo;was legt ihr Euch hin? Die Deutschen brauchen euch nicht. Steht auf!&acute; Die Frau war ein bewegliches Ziel und wurde von einem Flugzeug beschossen. Sie starb&ldquo;, erinnert sich Nadjeschda. Ob sie geweint habe? &bdquo;Nein, aber ich hatte wegen der Angst immer das Gef&uuml;hl, dass ich auf die Toilette muss.&ldquo;<\/p><p>&bdquo;Einmal lag ich auf dem Boden und habe Ameisen beobachtet. Ich lag mit einigem Abstand von meiner Mutter und Deska, unser Hund, lief zwischen meiner Mutter und mir hin und her. Er wusste nicht, was er machen sollte. Ich sagte meiner Mutter, decke mir die Beine mit einem Mantel zu. Das erinnere ich.&ldquo;<\/p><p>&bdquo;Unsere Soldaten traten den R&uuml;ckzug an. Ein Soldat nahm mich auf den Lastwagen&ldquo;, erinnert sich Nadjeschda. &bdquo;Auch meine Mutter zogen sie auf den Lastwagen. Eine Gro&szlig;mutter fragte, &sbquo;Und was wird mit uns?&rsquo; Meine Mutter sagte, &sbquo;wir treffen uns in Moskau bei meiner Schwester&rsquo;. Beide Gro&szlig;m&uuml;tter haben die Flucht nach Moskau &uuml;berlebt. Manchmal wurden sie von Fahrzeugen mitgenommen, manchmal gingen sie zu Fu&szlig;. <\/p><p>Es gab auch lustige Momente. Eine der beiden Gro&szlig;m&uuml;tter erz&auml;hlte sp&auml;ter, sie habe mit dem Hund Deska in einem Zug Richtung Moskau sogar Brot geschenkt bekommen, wenn der Hund &bdquo;Walzer tanzte&ldquo;. <\/p><p><strong>Zuf&auml;lliges Treffen mit dem Vater<\/strong><\/p><p>Schlie&szlig;lich kamen Nadjeschda und ihre Mutter in der 330 Kilometer &ouml;stlich von Minsk gelegenen Stadt Smolensk an. &bdquo;Im Bahnhof von Smolensk war gerade der Zug Moskau-Minsk eingefahren. Meine Mutter sagte, &sbquo;Vielleicht sitzt Papa ja in dem Zug&lsquo;. Und tats&auml;chlich, mein Vater sa&szlig; in dem Zug. Wir trafen ihn im Bahnhof, als er sich gerade hei&szlig;es Wasser f&uuml;r den Tee holen wollte. Meine Mutter rief: &sbquo;Wolodija!&lsquo; Mein Vater fragte gleich, &sbquo;Und wo ist meine Mutter?&lsquo; Wir haben ihm erkl&auml;rt, dass wir uns von ihr trennen mussten.&ldquo; <\/p><p>Abenteuerlich war die allerletzte Etappe nach Moskau. In der Stadt Wjasma, 230 Kilometer vor der sowjetischen Hauptstadt, traf Mutter Nina einen Musiker, der seine Tochter suchte, diese aber nicht finden konnte. Um durch die strengen Kontrollen bis nach Moskau zu kommen, schlug Nina vor, dass sie  sich als die Frau des Fahrers und Nadjeschda sich als dessen Tochter ausgibt. <\/p><p>In Moskau gab es in Sowjetzeiten und besonders auch w&auml;hrend des Krieges eine strenge Zuzugs-Kontrolle. &bdquo;Damit der Fahrer w&auml;hrend der Fahrt nicht einschlief, erz&auml;hlte ihm meine Mutter von Theaterst&uuml;cken. Er hat uns dann bis nach Moskau zu der Schwester meiner Mutter gefahren. Sie wohnte im Stadtteil Marina Rostscha in einem  Zimmer in einem Holzhaus. Das Plumpsklo war im Hof.&ldquo;  <\/p><p><strong>Dem Todeslager und dem Ghetto von Minsk entkommen<\/strong><\/p><p>Nadjeschda und ihre Familie waren dem Terror der Nazi-Besatzer in Minsk mit Gl&uuml;ck entkommen. Die Bev&ouml;lkerung der Stadt schuftete in den wieder in Gang gesetzten Industriebetrieben, um f&uuml;r die Okkupanten milit&auml;rische Ausr&uuml;stung zu produzieren. <\/p><p>In Minsk fanden Hunderttausende den Tod. Ein Stadtbezirk wurde als Ghetto f&uuml;r die Juden eingez&auml;unt. In dem Ghetto starben 100.000 Menschen. <\/p><p>Auf dem Gel&auml;nde der Karl-Marx-Kolchose, au&szlig;erhalb von Minsk, wurde im Herbst 1941 das Todeslager Malyj Trostenez eingerichtet. Es war eines der gr&ouml;&szlig;ten seiner Art in Europa. In dem Lager vegetierten unter schlimmsten Bedingungen Partisanen, Untergrundk&auml;mpfer, Kriegsgefangene und Juden aus Wei&szlig;russland, &Ouml;sterreich, Deutschland und der Tschechoslowakei. <\/p><p>Im August stattete Heinrich Himmler einem Lager f&uuml;r sowjetische Kriegsgefangene an der Schirokoi-Stra&szlig;e einen Besuch ab. Ein weltber&uuml;hmtes Foto zeigt Himmler, wie er mit hochm&uuml;tigem Blick durch einen Stacheldrahtzaun einen sowjetischen Kriegsgefangenen mit nacktem Oberk&ouml;rper wie ein St&uuml;ck Abfall mustert. <\/p><p><strong>Konzerte an der Front<\/strong><\/p><p>In dem Moskauer Stadtteil Marina Rostscha ging Nadjeschda dann zur Schule. Ihre Mutter war h&auml;ufig unterwegs. Nina beteiligte sich w&auml;hrend des Krieges an K&uuml;nstler-Darstellungen vor Soldaten der Roten Armee an der Nordwest-Front und trat auf der Ladefl&auml;che von Lastwagen auf. <\/p><p>Wenn es ein Konzert an der Front gab, h&auml;tten die Deutschen nicht geschossen, erz&auml;hlte die Mutter. Nach dem Konzert fingen die Beschie&szlig;ungen aber sofort wieder an. Im Gebiet K&ouml;nigsberg bekam Mutter Nina als Dank von sowjetischen Soldaten eine deutsche Wohnzimmer-Uhr geschenkt. <\/p><p>Stolz erz&auml;hlt Nadjeschda, dass sowohl sie als auch ihre Mutter nach dem Krieg Stalin begegneten. Nadjeschda nahm als Gymnastik-Sportlerin an einer k&uuml;nstlerischen Darstellung auf dem Roten Platz teil. &bdquo;W&auml;hrend unserer Vorstellung liefen wir mit farbigen B&auml;ndern vom Kaufhaus GUM zum Lenin-Mausoleum, auf dem Stalin stand. Alle Sportler raunten &sbquo;Stalin, Stalin&lsquo;.&ldquo; <\/p><p>Als die Vorstellung zu Ende war, nahmen sich die Sportler &ndash; auch Nadjeschda &ndash; als inoffizielles Andenken ein St&uuml;ckchen von dem extra f&uuml;r die Sportler ausgelegten,  zentimeterdicken Teppich mit nach Hause. <\/p><p>Stalin sei nicht besonders gro&szlig; gewesen, erinnert sich Nadjeschda. Der Eindruck an den Oberkommandierenden aber war so stark, dass Nadjeschda die Begegnung sp&auml;ter als Thema f&uuml;r einen Schulaufsatz w&auml;hlte. F&uuml;r ihren Text bekam sie eine Eins. Der alten Dame ist diese Anekdote absolut nicht peinlich. Stalin lie&szlig; die Herzen der Menschen damals h&ouml;her schlagen. Immerhin wurden unter seiner F&uuml;hrung die deutschen Faschisten geschlagen. <\/p><p>Auch Nina war Stalin einmal ganz nah. Das war bei einem Bankett, welches der Generalsekret&auml;r der Partei im Kreml f&uuml;r K&uuml;nstler aus Wei&szlig;russland gab. Nina war weitsichtig und als Stalin in den Kreml-Saal eintrat, kletterte sie auf einen Stuhl, um den Generalsekret&auml;r besser zu sehen. Ein Beamter raunte Nina zu, &bdquo;M&uuml;tterchen steigen sie vom Stuhl&ldquo;. <\/p><p><strong>Nach dem Krieg in der DDR<\/strong><\/p><p>Nadjeschda Dmitrijewa kehrte nach dem Krieg nicht mehr nach Minsk zur&uuml;ck, denn ihre Mutter bekam eine Arbeit in Gorki, dem heutigen Nischni-Nowgorod. <\/p><p>Anfang der 1960er Jahre lebte Nadjeschda mit ihrem Ehemann &ndash; einem Ingenieur &ndash; auf einem sowjetischen Luftwaffenst&uuml;tzpunkt in der ostdeutschen Stadt Finsterwalde. Sie erinnert sich an eine zugespitzte Situation im August 1961, nach dem &bdquo;Mauerbau&ldquo;. Damals h&auml;tten sich zum Schutz der Garnison vor &bdquo;westdeutschen Provokationen&ldquo; DDR-Panzer um die Garnison aufgestellt, die Rohre nach au&szlig;en gerichtet. Die sowjetischen Soldaten h&auml;tten damals gescherzt, man hoffe, dass die Panzer ihre Rohre nicht irgendwann Richtung Garnison drehen. Nadjeschda schmunzelte &uuml;ber diese Anekdote. <\/p><p>In der Garnison h&auml;tten Deutsche als gute Handwerker gearbeitet, erz&auml;hlt die alte Dame. Auch an die Freundschaftsabende mit DDR-B&uuml;rgern erinnert sie sich gerne. Aber im Bekleidungsgesch&auml;ft am Ort &bdquo;waren wir nicht gerne gesehen&ldquo;, erinnert sich die alte Dame. Warum, erkl&auml;rt sie nicht. Kauften die Sowjets etwa den Laden leer?<\/p><p>Nach dem Krieg machte sie eine Ausbildung als Geographie-Lehrerin, arbeitete sp&auml;ter aber vor allem in wissenschaftlichen Instituten, in den letzten Berufsjahren in der Sicherheitsabteilung eines bodenkundlichen Instituts. Ihre Aufgabe war die Kontrolle von Gold- und Silberminen. Mitglied des KGB sei sie nicht gewesen, aber &bdquo;wir wurden vom KGB kontrolliert&ldquo;. Ihr Traum war eigentlich &ndash; wie ihre Mutter &ndash; an einem Theater zu arbeiten. Aber dieser Traum ging nicht in Erf&uuml;llung. <\/p><p>Der liebste Feiertag von Nadjeschda ist der 9. Mai, der Tag des Fr&uuml;hlings und des Sieges.<\/p><p>Titelbild: Plus Moe Online.RU<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/f6e4970b7eeb4d1d9cf808544baa4f7a\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum heutigen 80. 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