{"id":73586,"date":"2021-06-22T15:39:10","date_gmt":"2021-06-22T13:39:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=73586"},"modified":"2021-06-23T16:58:46","modified_gmt":"2021-06-23T14:58:46","slug":"glauben-sie-wir-haetten-eine-marktwirtschaft-und-lebten-in-einer-demokratie-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=73586","title":{"rendered":"Glauben Sie, wir h\u00e4tten eine Marktwirtschaft und lebten in einer Demokratie? (1)"},"content":{"rendered":"<p>Es w&auml;re sch&ouml;n, wenn wir das glauben k&ouml;nnten. Aber die Wirklichkeit sieht &uuml;ber weite Strecken anders aus. Bei wichtigen, unser Leben bestimmenden Entscheidungen liegt die Staatsgewalt beim Gro&szlig;en Geld. Und auch Wettbewerb und Marktwirtschaft, die es nach der Theorie zu sch&uuml;tzen gilt, sind auf entscheidenden Feldern ausgehebelt. Viele Beobachter des Geschehens, auch kritische Beobachter, beten unabh&auml;ngig von dieser bitteren Realit&auml;t die Fehleinsch&auml;tzung nach. Meine kritische Einsch&auml;tzung der Wirklichkeit habe ich in dem 2020 erschienenen Buch &bdquo;Die Revolution ist f&auml;llig&ldquo; beschrieben und belegt. Weil es keinen Sinn macht, das Rad immer wieder neu zu erfinden, weise ich auf einschl&auml;gige Texte des Buches hin &ndash; verbunden mit der Bitte, diese weiterzugeben. Ich beginne mit dem Kapitel II.2. &bdquo;Die Staatsgewalt geht vom Gro&szlig;en Geld aus&ldquo;. &Uuml;brigens: Das gesamte Buch ist &ndash; leider &ndash; aktuell geblieben. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_147\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-73586-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210623-Glauben-Sie-wir-haetten-eine-Marktwirtschaft-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210623-Glauben-Sie-wir-haetten-eine-Marktwirtschaft-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210623-Glauben-Sie-wir-haetten-eine-Marktwirtschaft-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210623-Glauben-Sie-wir-haetten-eine-Marktwirtschaft-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=73586-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210623-Glauben-Sie-wir-haetten-eine-Marktwirtschaft-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"210623-Glauben-Sie-wir-haetten-eine-Marktwirtschaft-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><div class=\"imagewrap\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/200907-Buchvorstellung.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Vorweg verweise ich noch auf die Einf&uuml;hrung des Buches <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?page_id=64506\">&laquo;Die Revolution ist f&auml;llig!&raquo; &ndash; Einf&uuml;hrung<\/a> (nachdenkseiten.de) <\/p><p>Am Ende dieses Textes ist die Inhalts&uuml;bersicht wiedergegeben.<\/p><p><strong>Das Kapitel II.2. von &bdquo;Die Revolution ist f&auml;llig&ldquo;:<\/strong><\/p><p><strong>2.\tDie Staatsgewalt geht vom Gro&szlig;en Geld aus<\/strong><\/p><p>In Art. 20 unseres Grundgesetzes hei&szlig;t es, alle Staatsgewalt gehe vom Volke aus. Das ist ein wirklich sch&ouml;ner Spruch. Aber mit der Wirklichkeit hatte dieses Versprechen von Anfang an nicht allzu viel zu tun. Die wirtschaftlich Starken hatten de facto immer mehr zu sagen als das normale, nicht verm&ouml;gende Volk. Aber es gab eine gewisse Kontrolle. Und es gab die Chance, zum Beispiel die soziale Sicherheit auszubauen, den weniger beg&uuml;terten Menschen Bildungschancen zu er&ouml;ffnen, und es gab auch immer wieder das Bem&uuml;hen, Monopole und Oligopole zu verhindern und f&uuml;r Wettbewerb zu sorgen. Es gab sogar einmal einen wirklichen politischen Wechsel, nicht nur einen formalen, sondern einen programmatischen und in der faktischen Politik wirksamen Wechsel. Heute w&uuml;rde ich wetten, dass es einen solchen Wechsel in der Bundesrepublik Deutschland nicht mehr geben wird. <\/p><p>Es gab in der j&uuml;ngeren Vergangenheit auch nicht die gro&szlig;en Extreme, die Superextreme bei der Verteilung von Einkommen und Verm&ouml;gen. Das hat sich, wie beschrieben, ver&auml;ndert. Und es haben sich aus vielerlei Gr&uuml;nden die Machtzentren verschoben. Und infolgedessen sind politische Entscheidungen gefallen und fallen immer wieder, die zuv&ouml;rderst den Interessen der finanziell M&auml;chtigen dienen.<\/p><p>In die Reihe dieser Entscheidungen geh&ouml;rt die Teilprivatisierung der Altersvorsorge. Die politisch Verantwortlichen haben bewusst die Leistungsf&auml;higkeit der gesetzlichen Rente verringert und damit den Banken und Versicherungen und ihren Eignern ein neues Gesch&auml;ftsfeld er&ouml;ffnet. Und sie haben diese Umorientierung zugunsten privater Interessen dann auch noch mit &ouml;ffentlichem Geld geschmiert: staatliche Zusch&uuml;sse f&uuml;r die Modelle der privaten Vorsorge, f&uuml;r die Riester-Rente und Steuererleichterungen bei der R&uuml;rup-Rente und so weiter.<\/p><p>Das war ein ausgesprochen gravierender Vorgang mit weitreichenden Folgen. Eine wichtige gesellschaftliche Einrichtung, die gesetzliche Altersvorsorge und das damit verbundene Umlageverfahren, ist zur Disposition gestellt worden. Besonders gravierend war die erw&auml;hnte bewusste und geplante Verringerung der Leistungsf&auml;higkeit der gesetzlichen Rente&nbsp;&ndash; mit allen Konsequenzen. Und die gesamte Operation war nicht einmal erfolgreich. Die Riester-Rente ist ein Flop. Altersarmut droht vielen Menschen. Und dennoch macht man so weiter. <\/p><p>Eine &auml;hnliche Tragweite hatte die zur gleichen Zeit getroffene Entscheidung f&uuml;r Reformen, f&uuml;r sogenannte Reformen, muss man wohl sagen, im Bereich des Arbeitsmarktes: Mit dem Ersatz einer umfassenden Arbeitslosenversicherung durch die Regeln von Hartz IV und kombiniert mit der Einf&uuml;hrung von Leiharbeit und anderen Formen der ungesicherten Arbeitsverh&auml;ltnisse ist es Anfang des Jahrhunderts gelungen, in Deutschland einen sogenannten Niedriglohnsektor einzuf&uuml;hren. Die in Deutschland bewirkten Ver&auml;nderungen wurden dann allenthalben bei Benutzung des sch&ouml;nen Wortes Reform anderen V&ouml;lkern weiterempfohlen beziehungsweise aufgezwungen. <\/p><p>Es gab in den letzten Jahren und Jahrzehnten eine Reihe weiterer staatlicher Entscheidungen zugunsten des Gro&szlig;en Geldes. Beispiele: <\/p><p>Die Bundesregierung hat 2007 die Industriekreditbank (IKB) mit ungef&auml;hr 10 Milliarden Euro gerettet, von uns Steuerzahlern bezahlt. Man hat damals dann so getan, als w&auml;re die IKB eine &ouml;ffentliche Bank. Damit sollte dem Staat die Verantwortung f&uuml;r das Desaster mit Spekulationen in US-amerikanischen Hypotheken zugeschoben werden. Die IKB war aber keine &ouml;ffentliche Bank und auch nicht mehrheitlich im Eigentum &ouml;ffentlicher Stellen. Sie war eine private Bank und in ihrem Aufsichtsgremium sa&szlig; die Cr&egrave;me de la Cr&egrave;me der deutschen Wirtschaft. Ihr Ruf sollte nicht besch&auml;digt werden. Deshalb wurde behauptet, der Staat habe versagt und deshalb musste der Steuerzahler zahlen. <\/p><p>Wegen des Lockdowns aus Anlass der Corona-Krise ist die Lufthansa in Schwierigkeiten geraten. Die Lufthansa ist ein privates Unternehmen. Aber es h&auml;ngen viele Arbeitspl&auml;tze und der Wert des Verm&ouml;gens reicher Leute und dabei der Wert des Verm&ouml;gens eines Milliard&auml;rs, des Gro&szlig;aktion&auml;rs Heinz Hermann Thiele, daran. Er hat w&auml;hrend der Krise und der Verhandlungen seinen Anteil an der Lufthansa auf 15&nbsp;Prozent aufgestockt. Um Arbeitspl&auml;tze zu retten und mit dem Hinweis auf die angebliche Notwendigkeit eines sogenannten nationalen Luftfahrtkonzerns hat die Bundesregierung beschlossen, die Lufthansa finanziell zu unterst&uuml;tzen. Mit insgesamt neun Milliarden, teilweise als Kredit der staatlichen Kreditanstalt f&uuml;r Wiederaufbau (KfW) und teilweise durch Beteiligung am Unternehmen. Dabei gab es Streit dar&uuml;ber, welche Konstruktion und Bedeutung diese Beteiligung haben sollte. Die CDU\/CSU pl&auml;dierte daf&uuml;r, dass der helfende Staat keinen Einfluss auf die Unternehmenspolitik nehmen solle. Die Linie daf&uuml;r gab der Lufthansa-Chef pers&ouml;nlich vor: &raquo;Wir brauchen staatliche Unterst&uuml;tzung, aber keine staatliche Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung&laquo;, warnte Konzernchef&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/themen\/carsten-spohr\">Carsten Spohr<\/a>. Auch Gro&szlig;aktion&auml;r Thiele zierte sich.<\/p><p>So weit sind wir schon, und zwar nicht nur hier bei der Lufthansa: Wir Steuerzahler d&uuml;rfen private Unternehmen zwar auffangen, wir d&uuml;rfen die privaten Eigent&uuml;mer und den Wert ihres Verm&ouml;gens zwar zu retten versuchen, aber wir d&uuml;rfen nicht mitreden und die Geretteten tun obendrein so, als w&auml;ren wir Steuerzahler die Bittsteller. Wir leben schon in tollen Zeiten. Die Macht geht nicht vom Volke aus.<\/p><p>In der Corona-Krise ging es dann im gleichen Stil weiter: Die Interessen der Reichen wurden und werden in vielf&auml;ltiger Weise unterst&uuml;tzt, und zwar nicht nur beschr&auml;nkt auf eine Unterst&uuml;tzung aus dem Lager der konservativen und wirtschaftsnahen Parteien CDU, CSU und FDP, sondern zum Beispiel auch aus den Reihen der Gr&uuml;nen. So hat der baden-w&uuml;rttembergische Ministerpr&auml;sident, der Gr&uuml;ne Winfried Kretschmann, schon fr&uuml;h in der Corona-Krise, n&auml;mlich am 18. M&auml;rz 2020, verlauten lassen, er setze seine gro&szlig;e Hoffnung in die Entwicklung eines Impfstoffes durch das T&uuml;binger Pharmaunternehmen CureVac. Der Bund ist sp&auml;ter mit 300&nbsp;Millionen Euro f&uuml;r einen etwa 23-prozentigen Anteil an diesem Unternehmen eingestiegen. Hierzu verlautete vom Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), der Staat werde keinen Einfluss auf gesch&auml;ftspolitische Entscheidungen nehmen. Haupteigner von CureVac ist Dievini, ein Unternehmen, das dem SAP-Mitgr&uuml;nder Dietmar Hopp geh&ouml;rt.<\/p><p>In der dazugeh&ouml;rigen Pressemitteilung hei&szlig;t es: &raquo;Unternehmerische Unabh&auml;ngigkeit von mRNA-Unternehmen CureVac bleibt erhalten; der Bund nimmt keinen Einfluss auf gesch&auml;ftspolitische Entscheidungen.&laquo;<\/p><p>In diesen Erkl&auml;rungen wird also zum einen die Macht der wirklich M&auml;chtigen sichtbar, zum anderen die dem&uuml;tige, strammstehende Haltung der gew&auml;hlten Vertreter des Volkes. Es wurde wohl auch keine Sekunde &uuml;berlegt, ob man Steuergeld nicht vielleicht besser zur Forschung in &ouml;ffentliche Einrichtungen investieren sollte, in einschl&auml;gig t&auml;tige Universit&auml;ten oder &ouml;ffentliche Kliniken. In den Erkl&auml;rungen ist auch nichts davon zu lesen, wie der Staat und wir Steuerzahler an den Gewinnen beteiligt werden, die anfallen, wenn der Einsatz der Forschungsgelder erfolgreich ist.<\/p><p>Weitere Gelder f&uuml;r die Entwicklung von Impfstoffen durch Unternehmen wurden von der Europ&auml;ischen Union eingesammelt. Es gab eine Corona-Geberkonferenz. Die Tagesschau meldete am 28.&#8197;Juni 2020, es seien 6,15 Milliarden Euro zusammengekommen. Dieses Geld flie&szlig;t wohl meist an private Firmen.<\/p><p>Das mag man ja alles f&uuml;r normal halten. Ich sehe diesen Vorgang eher als einen Beleg daf&uuml;r, dass auch hierzulande das wirtschaftliche Wohlergehen und die finanzielle Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die besonders reichen Menschen von den amtierenden Politikerinnen und Politikern als positiv betrachtet werden. Und es wird schon gar nicht mehr hinterfragt, ob es eine &ouml;ffentliche Aufgabe ist, die T&auml;tigkeit privater Firmen und damit auch das Wohlergehen der dortigen gro&szlig;en Investoren mit Milliarden zu subventionieren sowie gleich immer anzumerken, dass man nicht mitsprechen wolle. <\/p><p>Man will also auch wohl nicht am Erfolg der investierten Mittel partizipieren. Das kann doch wohl nicht wahr sein. Vermutlich ist es wahr. Das Gro&szlig;e Geld hat inzwischen das Image eines gro&szlig;en Wohlt&auml;ters. Und wenn das so ist, dann sind, so der vermittelte Eindruck, auch &ouml;ffentliche Milliarden ohne Fragezeichen und Kontrolle gut investiert.<\/p><p>Die gro&szlig;en Finanzkonzerne haben auch viel in der R&uuml;stungswirtschaft investiert und zum Beispiel auch in den Bau von Atomwaffen. Es liegt deshalb deutlich in ihrem Interesse, dass die im Zuge der Verst&auml;ndigung zwischen Ost und West im Jahre 1990 versprochene, geplante und m&ouml;gliche Abr&uuml;stung nicht stattgefunden hat. Im Gegenteil. Und wenn man sich die gesamte Debatte um Krieg und Frieden, um Sicherheitspolitik und B&uuml;ndnisstrategien anschaut, kann man ganz genau erkennen, dass das Gro&szlig;e Geld bei dieser abstrusen Entscheidung f&uuml;r die Fortf&uuml;hrung von R&uuml;stung und Aufr&uuml;stung mitgesprochen und mitentschieden hat.<\/p><p>Die Interessen der beg&uuml;terten Mitmenschen werden oft auch dadurch gef&ouml;rdert, dass staatliche Organe sie besonders nachsichtig behandeln. Wir kennen das schon seit einiger Zeit aus Hessen. Dort wurden Steuerbeamte davon abgehalten, Steuererkl&auml;rungen und Steuerverhalten konsequent zu pr&uuml;fen. Im konkreten Fall wurde sogar zu der List gegriffen, die betroffenen Steuerbeamten f&uuml;r psychisch krank zu erkl&auml;ren.<\/p><p>In diese Reihe geh&ouml;rt auch der Umgang mit dem Zahlungsabwickler Wirecard. Da gab es immer wieder Verdachtsmomente. Die von der Finanzaufsicht (BAFIN) mit einer Untersuchung beauftragte Deutsche Pr&uuml;fstelle f&uuml;r Rechnungslegung (DPR) hat wenig Personal und setzte nur eine Person zur Pr&uuml;fung ein. In der Bilanz fehlten 1,9 Milliarden Euro. Es ist schon sehr erstaunlich, dass ein solches Loch und damit der Weg in die Insolvenz so lange nicht entdeckt wurden. Es ist nicht erstaunlich, wenn man bedenkt, dass die Aufsicht so mangelhaft organisiert und ausgestattet war. <\/p><p>An diesem Fall wird auch ein Zusammenhang zwischen Beg&uuml;nstigung des Gro&szlig;en Geldes und der mit dem Einzug der neoliberalen Ideologie einhergehenden Privatisierungstendenz sichtbar. Die so amtlich klingende &raquo;Deutsche Pr&uuml;fstelle f&uuml;r Rechnungslegung&laquo; ist ein privatrechtliches Unternehmen und hat dennoch quasi hoheitliche Aufgaben. Ich zitiere direkt von der Webseite dieses Unternehmens:<\/p><p>&raquo;Die Deutsche Pr&uuml;fstelle f&uuml;r Rechnungslegung (DPR) pr&uuml;ft seit dem 1.7.2005 die Rechnungslegung von kapitalmarktorientierten Unternehmen (Enforcement).<\/p><p>In Deutschland ist das Enforcement-Verfahren zweistufig ausgestaltet, sodass neben der privatrechtlich organisierten DPR noch die mit hoheitlichen Mitteln ausgestattete Bundesanstalt f&uuml;r Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) beteiligt ist.<\/p><p>Unsere Aufgabenstellung orientiert sich an folgendem Leitspruch:<\/p><p><em>Im Interesse des Kapitalmarktes wollen wir zu einer wahrhaften und transparenten Rechnungslegung der kapitalmarktorientierten Unternehmen beitragen.&laquo;<\/em><\/p><p>Es ist rundum so angelegt, dass die Verm&ouml;genden m&ouml;glichst geschont werden. Der Staat zieht sich zur&uuml;ck. Er wird dann gebraucht, wenn Spekulationen schiefgehen wie in der Finanzkrise 2007 bis 2009. Dann zahlt er bereitwillig und rettet auch die Spekulanten. Auch das ist die Basis der in den Statistiken sichtbaren Verschiebung der Verm&ouml;gen und Einkommen hin zu mehr Ungleichheit.<\/p><p>Zum Abschluss dieses Kapitels folgen noch drei Beispiele f&uuml;r massiven und wirklich am Schluss noch gewaltt&auml;tigen Einfluss des Gro&szlig;en Geldes auf das Geschehen. Es geht dabei um den Einsatz gro&szlig;er Verm&ouml;gen f&uuml;r die Meinungsbildung und es geht um direkte Intervention, auch mithilfe von Geheimdiensten.<\/p><p>Das erste Beispiel ist vergleichsweise harmlos: die Gr&uuml;ndung und Existenz der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft seit dem 12. Oktober des Jahres 2000. Sie hat mit vielen Millionen Mark der neoliberalen Ideologie zum Durchbruch verholfen. Die INSM machte Reklame f&uuml;r niedrige L&ouml;hne, f&uuml;r geringe Sozialleistungen, f&uuml;r mehr Flexibilit&auml;t, f&uuml;r Privatisierung, f&uuml;r einen schlanken Staat, f&uuml;r alles, was das neoliberale Herz begehrt. Die Mehrheit der wenig oder nichts besitzenden Menschen war dieser Propaganda schutzlos ausgeliefert&nbsp;&ndash; es sei denn, man wolle die Gr&uuml;ndung der NachDenkSeiten, die aus diesem Anlass geschehen ist, und einige andere aufm&uuml;pfige Internetseiten als Gegengewicht verstehen. Die eigentlich am st&auml;rksten betroffenen Gewerkschaften haben die Gewalt der von ihren Kontrahenten, den Arbeitgebern der Metall- und Elektroindustrie, gegr&uuml;ndeten und finanzierten Einrichtung nicht so ernst genommen, wie es n&ouml;tig gewesen w&auml;re.<\/p><p>Das zweite Beispiel ist schon etwas weniger harmlos. Es sei an George Soros&nbsp;&ndash; beispielhaft f&uuml;r das Gros der Superreichen&nbsp;&ndash; erinnert. Er hat mit viel Geld und vielen Unterorganisationen&nbsp;&ndash; meist in Gestalt sogenannter NGOs&nbsp;&ndash; massiv in die &ouml;ffentliche Meinungsbildung eingegriffen. Weltweit, nicht nur in den USA und nicht nur in seinem Heimatland Ungarn. Hauptinstrument seiner Einflussnahme ist &raquo;Open Society Foundations&laquo;. &Uuml;ber diese Stiftung nimmt er offen Einfluss auf die Gestaltung der Europ&auml;ischen Union. <\/p><p>Das dritte Beispiel: Der US-amerikanische Multimilliard&auml;r Sheldon Adelson, Besitzer der Las Vegas Sands-Gruppe, hat ein gesch&auml;tztes Verm&ouml;gen von 31 Milliarden Dollar. Adelson setzt dieses Geld auch ein, um andere Menschen, die ihm politisch und ideologisch nicht in den Kram passen, &uuml;berwachen zu lassen. Im konkreten Fall betraf das den Gr&uuml;nder von Wikileaks, Julian Assange. Als dieser vor dem Zugriff der USA in die ecuadorianische Botschaft in London geflohen war, hat die spanische Sicherheitsfirma UC Global im Auftrag des Sicherheitsdienstes des US-Multimilliard&auml;rs Adelson und der CIA den asylsuchenden Julian Assange &uuml;berwacht. Dar&uuml;ber berichtete die kritische Schweizer Internetseite Infosperber am 3.&#8197;Juli 2020. <\/p><p>Dieses letzte Beispiel ist insofern interessant, als sichtbar wird, dass das Gro&szlig;e Geld nicht nur &uuml;ber die Meinungsbildung und nicht nur &uuml;ber staatliche Einrichtungen, &uuml;ber Abgeordnete und Regierungen Einfluss auf das Geschehen nimmt. Es werden wie selbstverst&auml;ndlich bei der Machtaus&uuml;bung auch Geheimdienste und geheimdienst&auml;hnliche Organisationen eingesetzt. So wird nicht nur das gro&szlig;e Versprechen der Demokratie, alle Gewalt geht vom Volke aus, mit F&uuml;&szlig;en getreten. Solche Vorg&auml;nge machen auch Angst. Sie bedrohen unsere Freiheit und Sicherheit. Die soziale Sicherheit sowieso.<\/p><p><strong>Anhang:<\/strong><\/p><p><strong>Inhalt<\/strong><\/p><table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><strong>I.<\/strong><\/td>\n<td><strong>Einf&uuml;hrung<\/strong><\/td>\n<td>7<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><strong>II.<\/strong><\/td>\n<td><strong>Das Zeitalter der Restauration. Wo man hinschaut&nbsp;&ndash; R&uuml;ckschritt<\/strong><\/td>\n<td>13<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>1.<\/td>\n<td>Der &raquo;H&ouml;henflug der Ungleichheit&laquo;<\/td>\n<td>17<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td>Zwischenruf: Die Z&auml;sur von 1980<\/td>\n<td>24<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>2.<\/td>\n<td>Die Staatsgewalt geht vom Gro&szlig;en Geld aus<\/td>\n<td>30<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>3.<\/td>\n<td>Die gro&szlig;en Finanzkonzerne beherrschen die wichtigsten Wirtschaftsunternehmen<\/td>\n<td>38<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>4.<\/td>\n<td>Die gro&szlig;en Finanzkonzerne bestimmen wichtige politische Entscheidungen <\/td>\n<td>42<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>5.<\/td>\n<td>Monopole und Oligopole<\/td>\n<td>48<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>6.<\/td>\n<td>Drohungen, Kriminalit&auml;t, delegiert und ausgelagert<\/td>\n<td>51<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td>Zwischenruf: Abrechnung mit der Ideologie des Neoliberalismus<\/td>\n<td>53<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>7.<\/td>\n<td>Spekulationen geh&ouml;ren ins Casino<\/td>\n<td>59<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>8.<\/td>\n<td>Kriege sind der Ernstfall. Ein wirklicher R&uuml;ckfall<\/td>\n<td>64<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>9.<\/td>\n<td>Vasall der USA<\/td>\n<td>76<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>10.<\/td>\n<td>Die Verunsicherung der Jugend<\/td>\n<td>85<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>11.<\/td>\n<td>Die Parteien sind am Ende, sie werden ihrer wichtigsten Aufgabe nicht gerecht<\/td>\n<td>87<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>12.<\/td>\n<td>Unterwanderung und Einflussagenten<\/td>\n<td>101<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>13.<\/td>\n<td>Korruption bewegt die Welt<\/td>\n<td>107<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>14.<\/td>\n<td>Mieser Umgang der Politik mit den Menschen. Die neue Corona-Erfahrung<\/td>\n<td>112<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>15.<\/td>\n<td>Wir haben eure Wohnungen verkloppt<\/td>\n<td>115<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>16.<\/td>\n<td>Die W&uuml;rde des Menschen ist unantastbar&nbsp;&ndash; und millionenfach verletzt<\/td>\n<td>117<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>17.<\/td>\n<td>Wandel der Natur und Umwelt<\/td>\n<td>120<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>18.<\/td>\n<td>Die EU ist kaputt<\/td>\n<td>121<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td>Zwischenruf: Uns gehts doch gut<\/td>\n<td>127<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>19.<\/td>\n<td>Werden unsere Medien ihrer Aufgabe gerecht?<\/td>\n<td>131<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><strong>III.<\/strong><\/td>\n<td><strong>Der Kampf der Etablierten gegen die aufkeimende Kritik<\/strong><\/td>\n<td>138<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><strong>IV.<\/strong><\/td>\n<td><strong>Machen wir uns auf einen langen Weg zu einer Neuen Gesellschaft<\/strong><\/td>\n<td>149<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td>Wie soll es weitergehen? Nur ein St&uuml;ck Hoffnung<\/td>\n<td>180<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td>Anmerkungen<\/td>\n<td>183<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es w&auml;re sch&ouml;n, wenn wir das glauben k&ouml;nnten. Aber die Wirklichkeit sieht &uuml;ber weite Strecken anders aus. Bei wichtigen, unser Leben bestimmenden Entscheidungen liegt die Staatsgewalt beim Gro&szlig;en Geld. Und auch Wettbewerb und Marktwirtschaft, die es nach der Theorie zu sch&uuml;tzen gilt, sind auf entscheidenden Feldern ausgehebelt. Viele Beobachter des Geschehens, auch kritische Beobachter, beten<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=73586\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,126,127],"tags":[1550,241,2949,273,748,528,394,2717],"class_list":["post-73586","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-audio-podcast","category-erosion-der-demokratie","category-lobbyismus-und-politische-korruption","tag-agenda-2010","tag-bankenrettung","tag-die-revolution-ist-faellig-buch","tag-privatvorsorge","tag-rettungsschirm","tag-soziale-marktwirtschaft","tag-subventionen","tag-wirtschaftskriminalitaet"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/73586","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=73586"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/73586\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":73629,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/73586\/revisions\/73629"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=73586"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=73586"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=73586"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}