{"id":73640,"date":"2021-06-25T09:03:12","date_gmt":"2021-06-25T07:03:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=73640"},"modified":"2021-06-25T09:35:33","modified_gmt":"2021-06-25T07:35:33","slug":"offenbar-bleiben-nur-noch-die-sprueche-zur-marktwirtschaft-nichts-wirksames-geschieht-zur-staerkung-des-wettbewerbs-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=73640","title":{"rendered":"Offenbar bleiben nur noch die Spr\u00fcche zur Marktwirtschaft. Nichts Wirksames geschieht zur St\u00e4rkung des Wettbewerbs. (4)"},"content":{"rendered":"<p>Wir haben es auf wichtigen Feldern unserer T&auml;tigkeit mit Monopolen und Oligopolen, jedenfalls mit vielen marktbeherrschenden Unternehmen zu tun. Microsoft, Google, Amazon usw. pr&auml;gen unseren Alltag. Wir sehen das und leiden darunter. Aber die Meinungsf&uuml;hrer reden weiter von Marktwirtschaft. Und wir beugen uns dieser Propaganda. Seltsam, wie unkritisch wir geworden sind. Der folgende Text stammt aus dem 2020 erschienenen Buch &bdquo;Die Revolution ist f&auml;llig&ldquo;. Der Text ist nach wie vor aktuell. Leider. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Auszug aus &bdquo;Die Revolution ist f&auml;llig&ldquo; Kapitel II.5.:<\/strong><\/p><p><strong>5. Monopole und Oligopole <\/strong><\/p><p>Die Meinungsf&uuml;hrer in der gesellschaftspolitischen und wirtschaftspolitischen Debatte sind durchgehend Marktwirtschaftler. Sie preisen Markt und Wettbewerb. Aber in der Praxis dr&uuml;cken sie die Augen zu, wenn es um Microsoft, Google, Amazon, Facebook und eine Reihe anderer meist US-amerikanischer Firmen geht. Das ist schon komisch. Denn die Empfehlungen der theoretischen &Ouml;konomie und der Theorie der Marktwirtschaft sind eindeutig:<\/p><p>Da gibt es zum Beispiel die aus Erfahrung gewonnene Erkenntnis, dass die Marktteilnehmer in der Regel dazu tendieren, Marktmacht zu erreichen, also ein Oligopol&nbsp;&ndash; die aufgeteilte und abgesprochene Macht einiger weniger&nbsp;&ndash; oder sogar ein Monopol zu ergattern. In jedem Fall versuchen sie, mit Konkurrenten Absprachen zu treffen. Deshalb ist es zur seit Langem feststehenden Regel geworden, dass Wettbewerb gesch&uuml;tzt werden muss. Wie bedeutsam diese einfache Erkenntnis ist, kann man schon daran sehen, dass eigens Institutionen zum Schutz des Wettbewerbs geschaffen worden sind. In Br&uuml;ssel gibt es einen Wettbewerbskommissar beziehungsweise eine -kommissarin. In Deutschland gibt es ein Bundeskartellamt.<\/p><p>Es f&auml;llt nun auf, dass die Erkenntnis vom notwendigen Schutz des Wettbewerbs keine gro&szlig;e Wirkungsmacht entfaltet: Wir haben ein Quasi-Monopol von Google. Weitere Unternehmen aus der gleichen Ecke verf&uuml;gen &uuml;ber &auml;hnliche Marktmacht: Microsoft, Facebook, Twitter, Instagram, Amazon. Kann man bei den Diensten von Microsoft wirklich von Wettbewerb sprechen? Und selbst bei Amazon? Das ist inzwischen ein so gro&szlig;es und eingefahrenes Unternehmen, dass man es als Quasi-Monopol betrachten muss. Bei allen zusammen wagen die Vertreter des &ouml;ffentlichen Interesses, also unsere Politikerinnen und Politiker, nicht mehr, die Grunderkenntnisse der Theorie der Marktwirtschaft anzuwenden. <\/p><p>Und die Verantwortlichen beachten bei ihren sonstigen Entscheidungen auch nicht, wie diese Entscheidungen auf die Marktsituation in den erw&auml;hnten Bereichen wirken. Ein aktuelles Beispiel dazu: Der Lockdown wegen Corona hat mit der damit verbundenen Schlie&szlig;ung der L&auml;den des Einzelhandels&nbsp;&ndash; mit Ausnahme der Lebensmittell&auml;den und der Baum&auml;rkte&nbsp;&ndash; zu einer massiven St&auml;rkung der Marktposition von Amazon gef&uuml;hrt. Wahrscheinlich wird daraus eine nachhaltige St&auml;rkung, weil sich jetzt Menschen, die noch nicht daran gew&ouml;hnt waren, &uuml;ber das Internet einzukaufen, umorientieren. Die Marktmacht von Amazon wird deshalb wachsen. Aber das r&uuml;hrt niemanden, jedenfalls niemanden mit politischer Entscheidungsmacht. Offenbar bleiben nur noch die Spr&uuml;che zur Marktwirtschaft, aber nichts geschieht zur St&auml;rkung des Wettbewerbs.<\/p><p>Es gibt noch eine relevante Erkenntnis aus der &ouml;konomischen Theorie, die heute str&auml;flich vernachl&auml;ssigt wird: Die Produktion eines Gutes oder einer Dienstleistung soll dann in &ouml;ffentliche Regie &uuml;bernommen werden, wenn diese Produktion mit Unteilbarkeiten verbunden ist. Das klingt &ouml;konomisch theoretisch, ist aber einfach zu erkl&auml;ren: Es macht keinen Sinn, die Dienstleistung, einen Fluss mit einer Br&uuml;cke &uuml;berqueren zu k&ouml;nnen, im Wettbewerb anzubieten und einen Preis beziehungsweise eine Geb&uuml;hr f&uuml;r die &Uuml;berquerung des Flusses zu verlangen. Die Br&uuml;cke wird in der Regel in &ouml;ffentlicher Regie gebaut und allen kostenlos zur Verf&uuml;gung gestellt. Ganz &auml;hnlich ist das mit Microsoft. Es gibt kaum Konkurrenz, da wir sinnvollerweise mehrheitlich das gleiche System nutzen. Das Gleiche gilt auch f&uuml;r Suchmaschinen: Es gibt ein bisschen Konkurrenz, aber die Leistung von einem Quasi-Monopol anbieten zu lassen, ergibt Sinn.<\/p><p>Keinen Sinn macht es, dass dies privat geschieht und dass diese quasi monopolartige Position des Unternehmens privat genutzt werden kann. Das widerspricht allen Regeln der marktwirtschaftlichen Theorie und f&uuml;hrt obendrein zu massiver Ungerechtigkeit, zu einem H&ouml;henflug der Ungleichheit. Piketty hat in diesem Zusammenhang noch eine weitere skandal&ouml;se Erkenntnis hinzugef&uuml;gt: <\/p><p>&raquo;Sollen wir wirklich annehmen, Bill Gates und die anderen Tech-Milliard&auml;re h&auml;tten ihre Gesch&auml;fte ohne die Hunderte von Millionen &ouml;ffentlicher Gelder machen k&ouml;nnen, die seit Jahrzehnten in Ausbildung und Grundlagenforschung investiert wurden? Und glaubt man allen Ernstes, ohne t&auml;tige Hilfe des geltenden Rechts- und Steuersystems h&auml;tten sie ihr kommerzielles Quasi-Monopol aufbauen und ein Wissen, das allen geh&ouml;rt, zum privaten Patent anmelden k&ouml;nnen?&laquo;<\/p><p>Der gesamte Skandal wird gedeckt. Die seit Jahrzehnten bew&auml;hrten Erkenntnisse &uuml;ber Kontrolle von Marktmacht und &uuml;ber die notwendige F&ouml;rderung von Wettbewerb wie auch &uuml;ber die notwendige &Uuml;bernahme in &ouml;ffentliche Regie, wenn die M&ouml;glichkeit zum Wettbewerb nicht besteht, sind vergessen oder werden missachtet. Und niemand regt sich auf. Seltsam. Eigentlich m&uuml;ssten sie allesamt aus dem Tempel gejagt werden. Aber dieser revolution&auml;re Akt ist nicht nur verboten, die Monopolisten werden bewundert!<\/p><p>Anfang August 2020 ist im <em>Handelsblatt<\/em> ein Interview erschienen, das zeigt, dass es doch ein bisschen Hoffnung gibt. Die Bewunderung f&uuml;r die gro&szlig;en US-amerikanischen Tech-Konzerne wird nicht von allen geteilt. Der Vorstandsvorsitzende von Hubert Burda Media, Paul-Bernhard Kallen, meinte &raquo;Wir m&uuml;ssen eine eigene digitale Infrastruktur aufbauen.&laquo; Kallen pl&auml;diert f&uuml;r eine digitale Souver&auml;nit&auml;t in Europa. Das ist <strong>eine<\/strong> Stimme, immerhin eine mutige. Vermutlich werden die US-Konzerne weiter versuchen, ihre monopolartigen Marktpositionen auszunutzen. <\/p><p>Es gibt eine neue Meldung, die den Skandal des Nichtstuns gegen Monopole noch versch&auml;rfen wird: Der weltweit gr&ouml;&szlig;te und m&auml;chtigste Datenkonzern, Google, will sich Verlage ins Boot holen. Die Verlage sollen Inhalte zur Verf&uuml;gung stellen, die Google in einem neuen Nachrichtenformat vorstellen und verbreiten will. Damit wird der Weg frei f&uuml;r ein Supermassenmedium und eine weitere Versch&auml;rfung der ohnehin schon festzustellenden Gleichrichtung der etablierten Medien.<\/p><p>Das Projekt soll zun&auml;chst in ausgew&auml;hlten L&auml;ndern in Gang gesetzt werden. Darunter ist Deutschland. Mitmachen sollen der <em>Spiegel<\/em>, <em>Zeit online<\/em>, der <em>Berliner Tagesspiegel<\/em>, <em>die Rheinische Post<\/em> und <em>die Frankfurter Allgemeine Zeitung<\/em>. Arme Demokratie!<\/p><p>P. S.: Falls Sie das Buch schon haben, bitte zur Lekt&uuml;re an andere weitergeben. Es lohnt sich.<\/p><p>Titelbild: 360b \/ Shutterstock<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir haben es auf wichtigen Feldern unserer T&auml;tigkeit mit Monopolen und Oligopolen, jedenfalls mit vielen marktbeherrschenden Unternehmen zu tun. Microsoft, Google, Amazon usw. pr&auml;gen unseren Alltag. Wir sehen das und leiden darunter. Aber die Meinungsf&uuml;hrer reden weiter von Marktwirtschaft. Und wir beugen uns dieser Propaganda. Seltsam, wie unkritisch wir geworden sind. Der folgende Text stammt<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=73640\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":73641,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[126,30],"tags":[1304,2949,1508,1490,1950,2030,1973,2195],"class_list":["post-73640","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-erosion-der-demokratie","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-amazon","tag-die-revolution-ist-faellig-buch","tag-facebook","tag-google","tag-marktwirtschaft","tag-microsoft","tag-monopolisierung","tag-twitterx"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/shutterstock_171445982.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/73640","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=73640"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/73640\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":73642,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/73640\/revisions\/73642"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/73641"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=73640"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=73640"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=73640"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}