{"id":73652,"date":"2021-06-24T11:37:30","date_gmt":"2021-06-24T09:37:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=73652"},"modified":"2021-06-24T13:53:23","modified_gmt":"2021-06-24T11:53:23","slug":"fussball-politik-und-die-regenbogen-moral","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=73652","title":{"rendered":"Fu\u00dfball, Politik und die Regenbogen-Moral"},"content":{"rendered":"<p>Die &bdquo;Regenbogen&ldquo;-Erleuchtung des Stadions in M&uuml;nchen w&auml;re ein Akt der Heuchelei gewesen. Und ein Pr&auml;zedenzfall daf&uuml;r, Sportveranstaltungen als B&uuml;hne der moralischen &Uuml;berheblichkeit zu nutzen. Man kann die UEFA f&uuml;r Vieles kritisieren, aber das Verbot der politischen Symbolik bei der Fu&szlig;ball-EM war richtig. Ein Kommentar von <strong>Tobias Riegel<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7803\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-73652-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210624_Fussball_Politik_und_die_Regenbogen_Moral_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210624_Fussball_Politik_und_die_Regenbogen_Moral_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210624_Fussball_Politik_und_die_Regenbogen_Moral_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210624_Fussball_Politik_und_die_Regenbogen_Moral_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=73652-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210624_Fussball_Politik_und_die_Regenbogen_Moral_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"210624_Fussball_Politik_und_die_Regenbogen_Moral_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Das Vorhaben, das M&uuml;nchner Fu&szlig;ballstadion zum gestrigen Spiel Deutschland-Ungarn in Regenbogenfarben zu erleuchten, war ein Akt der Heuchelei. Das Gleiche gilt f&uuml;r die gro&szlig;e Aufregung von Medien, Politikern und Verb&auml;nden gegen&uuml;ber der UEFA, die das politische Farbenspiel verboten hat. <\/p><p><strong>Moralische &Uuml;berheblichkeit: Deutschland &bdquo;setzt ein Zeichen&rdquo;<\/strong><\/p><p>Ein Vorwurf gegen die UEFA lautet, sie w&uuml;rde sich gerne mit allgemeinen Phrasen als weltoffen &bdquo;tarnen&ldquo;, aber wenn es dann konkret drauf ankomme (wie jetzt beim Verhalten gegen&uuml;ber Ungarn), w&uuml;rde die Organisation &bdquo;den Schwanz einziehen&ldquo;. Die Beobachtung ist einerseits richtig: Die hochkommerzielle und mutma&szlig;lich korrupte UEFA schm&uuml;ckt sich gerne mit teils <a href=\"https:\/\/de.uefa.com\/insideuefa\/mediaservices\/mediareleases\/news\/0269-125bf07144bf-748b32e62df6-1000--kampagne-sign-for-an-equal-game-unterzeichnen\/\">hohlen Floskeln<\/a>, um sich als weltoffen und &bdquo;divers&ldquo; darzustellen. Dar&uuml;ber kann man sich lustig machen oder es als durchschaubares und kitschiges Marketing eines problematischen Verbands abtun. Dass sich die UEFA jedoch, &bdquo;wenn es darauf ankommt&ldquo;, oft nicht mit konkreten Vorw&uuml;rfen &ouml;ffentlich gegen konkrete L&auml;nder positioniert, ist trotzdem zu begr&uuml;&szlig;en. <\/p><p>Ebenso ist das Verhalten der UEFA in den letzten Tagen zur&uuml;ckhaltend als positiv zu beurteilen. Ich finde das Verbot der Regenbogen-Aktion richtig, aus verschiedenen Gr&uuml;nden: Es ist ein gro&szlig;er Unterschied, ob die Fu&szlig;ball-EM als Projektionsfl&auml;che allgemeiner Appelle der V&ouml;lkerverst&auml;ndigung und der Menschenrechte fungiert, wie sie die UEFA gerne aus Marketinggr&uuml;nden verbreitet, oder ob als Reaktion auf konkrete politische Vorg&auml;nge mit konkreter Symbolik gegen ein konkretes Land pauschal Stimmung gemacht wird. Letzteres w&auml;re der Fall gewesen, wenn die Stadt M&uuml;nchen oder &bdquo;ganz Deutschland&ldquo; von einer hohen moralischen Warte aus ein Zeichen &bdquo;gegen Ungarn&ldquo; gesetzt h&auml;tten und daf&uuml;r die eigentlich politisch neutrale B&uuml;hne der EM h&auml;tten nutzen d&uuml;rfen. <\/p><p><strong>Pr&auml;zedenzfall f&uuml;r die Politisierung des Sports<\/strong><\/p><p>Dass nun gerade durch das Verbot der Stadionbeleuchtung eine gro&szlig;e Aufmerksamkeit f&uuml;r das ungarische Gesetz zu sexuellen Minderheiten entstanden ist, steht dieser Beurteilung nicht entgegen, denn hier geht es um eine prinzipielle Entscheidung, die &uuml;ber das konkrete Thema hinausgeht: Eine Erlaubnis der UEFA f&uuml;r eine solche Selbstdarstellung der Deutschen als die besseren Freunde der Nicht-Heterosexuellen w&auml;re ein Pr&auml;zedenzfall gewesen. In Zukunft h&auml;tten sicherlich zahlreiche L&auml;nder dieses Recht der politischen Eigenwerbung ebenfalls f&uuml;r sich eingefordert: W&uuml;rde die Ukraine die russische Mannschaft dann in einem mit den Nazi-Spr&uuml;chen illuminierten Stadion empfangen d&uuml;rfen, die sie bereits <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=73222\">auf ihre EM-Trikots drucken wollten<\/a>? D&uuml;rfte man die Fu&szlig;ball-Mannschaft der USA dann k&uuml;nftig mit Illustrationen von Drohnen- und anderen Kriegstoten empfangen und auf der B&uuml;hne der Sportveranstaltung dem Land die Leviten lesen (bzw. stellvertretend seinen Sportlern)? Und wie w&uuml;rde wohl die deutsche Mannschaft zuk&uuml;nftig empfangen, wenn man den Deutschen nun ihre moralische &Uuml;berheblichkeit h&auml;tte durchgehen lassen? Die &bdquo;Leipziger Volkszeitung&ldquo; beschreibt ein Szenario:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;So sch&ouml;n die Illumination als Zeichen f&uuml;r Toleranz gewesen w&auml;re, es h&auml;tte auch eine h&auml;ssliche Seite gehabt. Es w&auml;re gegen ein Land und gegen eine Mannschaft gerichtet gewesen, die bei uns zu Gast ist. Wie w&uuml;rden wir Deutschen es finden, wenn bei einem Ausw&auml;rtsspiel in Lateinamerika das Stadion mit deutschen R&uuml;stungsg&uuml;tern verziert w&uuml;rde, die wir so gern in alle Welt exportieren?&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Manche Beobachter w&uuml;rden die durch Pr&auml;zedenzf&auml;lle m&ouml;gliche Politisierung des Sports vielleicht begr&uuml;&szlig;en, endlich w&uuml;rde dann &bdquo;Haltung gezeigt&ldquo;. Ich w&uuml;rde darin eher eine Gefahr sehen: Zum einen w&auml;re das (von den eigenen geopolitischen Interessen motivierte) Anprangern von Missst&auml;nden der Anderen immer selektiv &ndash; der unhaltbare Geist von &bdquo;Wir sind die Guten&ldquo; w&uuml;rde mitschwingen. Zum anderen w&uuml;rde der Sport den letzten Rest seines Potenzials der V&ouml;lkerverst&auml;ndigung einb&uuml;&szlig;en und w&uuml;rde zur B&uuml;hne gegenseitiger Moralpredigten. Missst&auml;nde sollen angeprangert werden. Aber der internationale Sport sollte von Politik m&ouml;glichst befreit bleiben, um seine wichtige diplomatische Vermittlerrolle nicht g&auml;nzlich zu verlieren. Politische Zur&uuml;ckhaltung im Falle von IOC oder UEFA stets als ein &bdquo;Einknicken&ldquo; aus niederen &bdquo;gesch&auml;ftlichen&ldquo; Motiven zu beschreiben, finde ich kurzsichtig. Die &bdquo;Stuttgarter Zeitung&ldquo; sieht das, beispielhaft f&uuml;r zahlreiche Medien, anders:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Dass Sport und Politik nichts miteinander zu tun haben d&uuml;rfen, ist ein gro&szlig;es Missverst&auml;ndnis und billiges Alibi der Verb&auml;nde, denen es nur darum geht, die stete Profitmaximierung nur ja nicht zu gef&auml;hrden. Andernfalls h&auml;tte die Fifa die WM 2022 niemals nach Katar vergeben d&uuml;rfen, wo Legionen von Gastarbeitern unter menschenunw&uuml;rdigen Bedingungen Stadien bauen und nicht nur vereinzelt dabei umkommen. Eine bunt strahlende Arena an diesem Mittwochabend w&auml;re nur ein kleines Zeichen gewesen &ndash; doch selbst das ist der Uefa zu viel. Was f&uuml;r ein Trauerspiel!&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><strong>&bdquo;Rote Karte&ldquo; gegen Ungarn: Regenbogenfahne kein politisches Statement?<\/strong><\/p><p>Zum Aspekt, dass mit der Aktion pauschal das Land Ungarn und seine B&uuml;rger (und auch Fu&szlig;baller) in moralische Kollektivhaft genommen worden w&auml;ren, hat sich die Deutsch-Ungarische Gesellschaft laut <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/regenbogen-debatte-deutsch-ungarische-gesellschaft-ungarn.1939.de.html?drn:news_id=1272919\">Deutschlandfunk<\/a> ge&auml;u&szlig;ert. Die Regenbogen-Aktion sei kein Zeichen f&uuml;r Diversit&auml;t und Vielfalt, sondern vielmehr der generelle Vorwurf der Homophobie an das gesamte ungarische Volk, sagte der Pr&auml;sident der Gesellschaft, Papke. Sport d&uuml;rfe man nicht mit politischen Botschaften vermengen. Au&szlig;erdem d&uuml;rfe sich Deutschland als Gastgeber f&uuml;r die ungarische Fu&szlig;ball-Nationalmannschaft nicht derart verhalten. Man mache damit auch den Spielern pauschal den Vorwurf der Homophobie.<\/p><p>Ein Versuch der Verteidigung der Aktion besteht in der Aussage, die Regenbogenfahne sei kein konkretes politisches Statement, sondern ein eher allgemeines und darum unverf&auml;ngliches Symbol der Vielfalt. Das trifft im konkreten Fall nicht zu. Die Illumination war von den Initiatoren als konkrete Reaktion auf ein konkretes ungarisches Gesetz gedacht. Und so wurde es auch von den meisten Beobachtern interpretiert. Als ein Beispiel unter zahllosen Medien-Beitr&auml;gen, die das UEFA-Verbot der politischen Instrumentalisierung der EM kritisieren, sei etwa auf den Kommentar in den <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/sendung\/tagesthemen\/\">&bdquo;Tagesthemen&ldquo; am Dienstagabend<\/a> verwiesen, in dem bedauert wird, dass man nun &bdquo;einem Land wie Ungarn&ldquo; nicht &bdquo;die Rote Karte&ldquo; zeigen d&uuml;rfe. <\/p><p><strong>Die Drangsalierung von nicht-heterosexuellen Menschen<\/strong><\/p><p>Die Kritik an dem Vorhaben der Illumination ist prinzipiell, sie ist unabh&auml;ngig von der konkreten politischen Debatte um die Drangsalierung von nicht-heterosexuellen Menschen. Dieser Drangsalierung muss entgegengetreten werden. Nach dem, was in deutschen Medien dar&uuml;ber zu lesen ist, sind das ungarische &bdquo;Homosexuellen-Gesetz&ldquo; und (auch f&uuml;r andere Aspekte) die ungarische Regierung scharf zu kritisieren. Aber das darf meiner Meinung nach nicht auf der offiziellen EM-B&uuml;hne beurteilt und verhandelt werden. Einige Gr&uuml;nde wurden hier bereits genannt, das wichtigste Argument f&uuml;r eine prinzipielle Ablehnung einer Politisierung internationaler Sportveranstaltungen ist die Vermeidung eines Pr&auml;zedenzfalls, den dann auch andere L&auml;nder f&uuml;r sich einfordern werden. K&uuml;nftige Europameisterschaften k&ouml;nnten dadurch potenziell von Orten der V&ouml;lkerverst&auml;ndigung zu Orten der gegenseitigen moralischen &Uuml;bertrumpfung werden.<\/p><p>Das Image gro&szlig;er Sportveranstaltungen hat sehr gelitten: Schamlose Kommerzialisierung und Vorw&uuml;rfe der Korruption haben die Organisatoren von IOC oder UEFA teils zu Recht in ein sehr ung&uuml;nstiges Licht ger&uuml;ckt. Dass Kommerzialisierung und Korruption mit allgemeinen, folgenlosen und wohlfeilen UEFA-Phrasen von den Menschenrechten kaschiert werden sollen, ist kaum zu leugnen. Doch unabh&auml;ngig von diesen unsympathischen Ausw&uuml;chsen haben internationale sportliche Gro&szlig;veranstaltungen doch immer noch ein gro&szlig;es Potenzial der Verst&auml;ndigung in Zeiten, in denen von Politikern und Medien diese V&ouml;lkerverst&auml;ndigung torpediert wird. Dieses Potenzial w&uuml;rde aber vollends verspielt, wenn die Organisatoren es zulassen w&uuml;rden, dass (meist von westlicher Seite) internationale Spiele zur B&uuml;hne der &ouml;ffentlichen und selektiven Moralpredigten gegen einzelne L&auml;nder degradiert w&uuml;rden.<\/p><p><strong>Selektiv und rein symbolisch<\/strong><\/p><p>Der Aspekt der Selektivit&auml;t ist auch beim aktuellen &bdquo;Regenbogen&ldquo;-Vorgang wichtig. Denn wenn man nun exklusiv die Benachteiligung sexueller Minderheiten anprangert &ndash; wie viele andere gesellschaftliche oder geopolitische Verfehlungen bleiben dadurch unerw&auml;hnt, auch wenn man k&uuml;nftig den gastgebenden Nationen erlauben w&uuml;rde, ihre Stadien nach politischem Gusto als Propagandafl&auml;che zu nutzen? Und wer wollte hier eine Einordnung vornehmen: Sind Kriegsverbrechen oder die ma&szlig;lose wirtschaftliche Ausbeutung unterlegener L&auml;nder oder die skrupellose Privatisierung im eigenen Land weniger kritikw&uuml;rdig? Und mit welchen Farben w&uuml;rden diese Verbrechen symbolisiert? <\/p><p>Dazu kommt noch, dass die symbolische Stadion-Erleuchtung auch f&uuml;r den Kampf der Gleichberechtigung sexueller Minderheiten nichts weiter ist als eine eben rein symbolische und darum folgenlose Marketingaktion in eigener Sache: Ist Deutschland &uuml;berhaupt in der Position, sich einen vorbildlichen Umgang mit den Geschlechterfragen ans Revers zu heften, damit arrogant hausieren zu gehen und sich pauschal &uuml;ber andere L&auml;nder zu stellen? Und selbst wenn man diesem Glauben anh&auml;ngt: &Auml;ndern symbolische Illuminationen und moralische Twitter-Posen etwas an der allt&auml;glichen Lebensrealit&auml;t der nicht-heterosexuellen B&uuml;rger? Die &bdquo;taz&ldquo; &auml;u&szlig;ert <a href=\"https:\/\/taz.de\/EM-Stadion-in-Regenbogenfarben\/!5777582\/\">in diesem Artikel<\/a> ihre Zweifel und f&uuml;gt an:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Richtig ist, dass in Ungarn Gesetze beschlossen wurden, die faktisch alles Queere, ob nun schwul, lesbisch oder trans, aus der &Ouml;ffentlichkeit, aus Schulen und Bildungseinrichtungen bei Strafe verbannt sehen will. Das M&uuml;nchner Stadion im Namen von Toleranz als Regenbogen zu inszenieren, k&auml;me indes einer Belehrung, einem Pranger gleich, einer Geste, die da sagt: &sbquo;Hey, wir sind die Guten und ihr die B&ouml;sen&lsquo;.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Zum Thema hat sich auch bereits Jens Berger in den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=73599#h16\">Hinweisen des Tages<\/a> ge&auml;u&szlig;ert.<\/p><p><strong>Moralische &Uuml;berlegenheit h&auml;lt keiner &Uuml;berpr&uuml;fung stand<\/strong><\/p><p>Trotz der erw&auml;hnten allgemeinen Marketing-Floskeln gegen Rassismus und Homophobie etwa von IOC oder UEFA, die man durchaus als politisch bezeichnen k&ouml;nnte, ist der internationale Sport noch eine vom (konkreten) Aktivismus gegen konkrete einzelne L&auml;nder (relativ!) befreite Zone. Es gab zahlreiche Versuche der Politisierung solcher Veranstaltungen (Stichwort &bdquo;Staatsdoping&ldquo; und anderes), doch einige Funktion&auml;re etwa des IOC haben dem auch teilweise widerstanden. Gerade diese (&uuml;ber allgemeine Erkl&auml;rungen nicht hinausgehende) politische Zur&uuml;ckhaltung einiger Sport-Funktion&auml;re wird ja wie gesagt gerne als ein &bdquo;Einknicken&ldquo; bezeichnet, aber ich begr&uuml;&szlig;e diese Zur&uuml;ckhaltung prinzipiell. Durch eine solche  Zur&uuml;ckhaltung bei der moralischen Gei&szlig;elung einzelner konkreter L&auml;nder bleibt wenigstens ein Rest der Idee erhalten, dass sich auch verfeindete Nationen auf der Br&uuml;cke des Sports ideologiefrei begegnen k&ouml;nnen, ohne jedes Mal &ouml;ffentliche moralische Vorhaltungen erwarten zu m&uuml;ssen. <\/p><p>Diese vor allem von westlichen Politikern und Journalisten zelebrierte moralische &Uuml;berlegenheit hielte ja auch keiner ernsthaften &Uuml;berpr&uuml;fung stand: etwa wenn sich kriegsf&uuml;hrende Nationen ihre angeblichen Vorteile bei der Beachtung der heimischen Menschenrechte &ouml;ffentlich anrechnen. Oder wenn mit lauten moralischen Anklagen gegen andere L&auml;nder von den eigenen Kriegs- und Wirtschaftsverbrechen abgelenkt werden soll. <\/p><p>Titelbild: Rutmer Visser \/ Shutterstock<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die &bdquo;Regenbogen&ldquo;-Erleuchtung des Stadions in M&uuml;nchen w&auml;re ein Akt der Heuchelei gewesen. Und ein Pr&auml;zedenzfall daf&uuml;r, Sportveranstaltungen als B&uuml;hne der moralischen &Uuml;berheblichkeit zu nutzen. Man kann die UEFA f&uuml;r Vieles kritisieren, aber das Verbot der politischen Symbolik bei der Fu&szlig;ball-EM war richtig. Ein Kommentar von <strong>Tobias Riegel<\/strong>.<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><\/p>\n","protected":false},"author":14,"featured_media":73653,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,168,11],"tags":[834,2402,305,1428,668],"class_list":["post-73652","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-gleichstellung","category-strategien-der-meinungsmache","tag-fussball","tag-lgbtq","tag-menschenrechte","tag-uefa","tag-ungarn"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/shutterstock_1749796097.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/73652","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/14"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=73652"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/73652\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":73667,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/73652\/revisions\/73667"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/73653"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=73652"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=73652"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=73652"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}