{"id":73756,"date":"2021-06-28T10:00:52","date_gmt":"2021-06-28T08:00:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=73756"},"modified":"2021-06-29T07:32:54","modified_gmt":"2021-06-29T05:32:54","slug":"schamlos-wuerdelos-ferngesteuert-ein-prosit-auf-den-scheuer-andi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=73756","title":{"rendered":"Schamlos, w\u00fcrdelos, ferngesteuert. Ein Prosit auf den Scheuer Andi!"},"content":{"rendered":"<p>Nach 18 Monaten und 50 Sitzungen ist Schluss mit dem Maut-Untersuchungsausschuss, der Abschlussbericht vom Bundestag durchgewunken und der Angeklagte halbwegs reingewaschen. Aus Sicht von Union und SPD hat der Verkehrsminister zwar manches verbockt, sich aber nichts Schlimmeres zu Schulden kommen lassen. Die Opposition beklagt dagegen L&uuml;gen, Rechtsbr&uuml;che und Versagen auf ganzer Linie. Aber auch Dilettantismus will gekonnt sein, findet <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong> und w&uuml;rdigt einen Amtstr&auml;ger unter Remote-Control-Einfluss.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_855\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-73756-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210628_Schamlos_wuerdelos_ferngesteuert_Ein_Prosit_auf_den_Scheuer_Andi_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210628_Schamlos_wuerdelos_ferngesteuert_Ein_Prosit_auf_den_Scheuer_Andi_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210628_Schamlos_wuerdelos_ferngesteuert_Ein_Prosit_auf_den_Scheuer_Andi_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210628_Schamlos_wuerdelos_ferngesteuert_Ein_Prosit_auf_den_Scheuer_Andi_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=73756-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210628_Schamlos_wuerdelos_ferngesteuert_Ein_Prosit_auf_den_Scheuer_Andi_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"210628_Schamlos_wuerdelos_ferngesteuert_Ein_Prosit_auf_den_Scheuer_Andi_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Noch ziemlich genau drei Monate, dann hat er es geschafft. Dann ist Bundestagswahl und Andreas Scheuer der Titel des gr&ouml;&szlig;ten Mauschel- und Durchwurstelministers, den Deutschland je gesehen hat, nicht mehr zu nehmen. Den Siegerkelch hat er sich wahrlich verdient. Vier lange Jahre liegen hinter dem CSU-Politiker, in denen er als Chef des Bundesministeriums f&uuml;r Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) gef&uuml;hlt im Wochentakt f&uuml;r Aff&auml;ren, Verfehlungen und Vergehen sorgte und ihn doch kein Fauxpas zum Straucheln brachte. Bei mithin einer Handvoll R&uuml;cktrittsgr&uuml;nden klebt er so fest in seinem Sessel wie eh und je.  <\/p><p>Die Laudatio m&ouml;ge demn&auml;chst die Kanzlerin halten, die ihm noch jeden Bolzen hat durchgehen lassen: Unerreicht bleibt seine Langmut, die ihn jede Anfeindung, allen Hohn und Spott erdulden lie&szlig;. Bravour&ouml;s seine Schamlosigkeit, wie er Amtsversto&szlig; um Amtsversto&szlig; geleugnet, besch&ouml;nigt oder verkl&auml;rt hat. Famos seine Aufopferung, mit der er f&uuml;r s&auml;mtliche seiner Peinlichkeiten wacker den Kopf hingehalten und nicht &ndash; wie Menschen mit Haltung und Anstand &ndash; aus Reue und Selbstachtung das Weite gesucht hat.<\/p><p><strong>Abgrund an Ignoranz<\/strong><\/p><p>Ohne Frage hat Andi S. sein Meisterst&uuml;ck mit der &bdquo;Ausl&auml;ndermaut&ldquo; hingelegt. In ihrem gemeinsamen Sondervotum zum <a href=\"https:\/\/dserver.bundestag.de\/btd\/19\/305\/1930500.pdf\">Abschlussbericht<\/a> des parlamentarischen Untersuchungsausschusses zur Aufkl&auml;rung der Umst&auml;nde des vermasselten Projekts, adeln die Fraktionen von FDP, Gr&uuml;nen und Linkspartei sein Tun in den h&ouml;chsten T&ouml;nen: &bdquo;Nach der Vernehmung von 72 Zeugen und Sachverst&auml;ndigen in 24 Beweisaufnahmen bleibt man fassungslos zur&uuml;ck und blickt in einen politischen Abgrund von Ignoranz, Verantwortungslosigkeit, Bedenkenlosigkeit und Rechtsbruch &ndash; verbunden mit einem Erschrecken &uuml;ber mangelhaftes Regierungshandwerk.&ldquo; <\/p><p>Mehr davon! Scheuer habe den &bdquo;gr&ouml;&szlig;tm&ouml;glichen Schaden f&uuml;r die Bundesrepublik in Kauf&ldquo; genommen und bayerische Parteiinteressen &bdquo;h&ouml;her gewichtet als das Gemeinwohl&ldquo;. Der Prozess sei gekennzeichnet gewesen von fehlender Verantwortung und dem gezielten Umgehen  rechtlicher Vorschriften und gesetzlicher Vorgaben. &bdquo;Dabei war die Grenze zwischen Vorsatz und grober Fahrl&auml;ssigkeit flie&szlig;end.&ldquo; Klar sei schon jetzt, &bdquo;die Schlussrechnung f&uuml;r das Scheitern (&hellip;) wird uns allen erst nach der Bundestagswahl pr&auml;sentiert werden&ldquo;. Schon die Zwischenbilanz hat es in sich: Allein die Kosten f&uuml;r Anw&auml;lte und Berater sollen bereits die Marke von 70 Millionen Euro geknackt haben.     <\/p><p><strong>Kritik von Union und SPD<\/strong><\/p><p>Wurde Scheuer je treffender belobigt? Aber selbst der durch die Regierungsfraktionen von CDU\/CSU und SPD am vergangenen Mittwoch im Bundestag verabschiedete Hauptreport spart nicht mit Lorbeeren. Zu lesen ist da von Fehlern, insbesondere was die Unterzeichnung der Kontrakte zu einem Zeitpunkt angeht, als noch keine abschlie&szlig;ende Rechtssicherheit bestand. Zur Erinnerung: Der Bundesverkehrsminister hatte die Vertr&auml;ge mit den am Ende verhinderten Betreiberfirmen Kapsch Traffic-Com und CTS Eventim ein halbes Jahr vor dem entscheidenden Votum des Europ&auml;ischen Gerichtshofs (EuGH) unterzeichnet. Das oberste EU-Gericht kippte im Juni 2019 den &bdquo;diskriminierenden&ldquo; deutschen Sonderweg, mit dem Fahrer aus dem Ausland abkassiert und einheimische durch Senkung der Kfz-Steuer verschont werden sollten. Nur Stunden sp&auml;ter annullierte das BMVI die Kontrakte mit der Projektgesellschaft Autoticket aus ordnungspolitischen Gr&uuml;nden und wegen vermeintlicher &bdquo;Schlechtleistung&ldquo;.<\/p><p>Nach Auffassung der Koalitionsfraktionen h&auml;tte der Gefahr eines vollst&auml;ndigen Scheiterns vor dem EuGH in der Risikoabw&auml;gung &bdquo;eine gr&ouml;&szlig;ere Bedeutung zukommen m&uuml;ssen&ldquo;. Dies betreffe &bdquo;insbesondere die finanziellen Folgen einer K&uuml;ndigung allein aus ordnungspolitischen Gr&uuml;nden, die vor Vertragsabschluss im BMVI nicht thematisiert worden sind&ldquo;. Umso brennender ist das Thema Folgekosten jetzt. Derzeit streitet die Bundesregierung mit Kapsch und Eventim vor einem geheim tagenden Schiedsgericht, ob und in welcher H&ouml;he die Unternehmen zu entsch&auml;digen sind. Diese wollen juristisch nicht weniger als den entgangenen Gewinn eintreiben, schlappe 560 Millionen Euro. Und schlechte Karten haben sie nicht. Denn nat&uuml;rlich ist das Argument minderer Leistungen blo&szlig; vorgeschoben. Als es die K&uuml;ndigung setzte, hatten sie mit ihrer Arbeit praktisch noch gar nicht losgelegt. <\/p><p><strong>Voller Profit bei null Leistung<\/strong><\/p><p>Ihre Position gest&auml;rkt sehen die Kl&auml;ger durch die im Untersuchungsausschuss gewonnenen Erkenntnisse. Das Parlament habe klar herausgearbeitet, &bdquo;dass die abrupte K&uuml;ndigung der Vertr&auml;ge <a href=\"https:\/\/www.rnd.de\/politik\/wie-teuer-wird-scheuer-maut-desaster-noch-einmal-im-bundestag-U2TBNXDHNZH53JMGSRWGNJSSLQ.html\">ausschlie&szlig;lich politisch motiviert<\/a> war&ldquo;, &auml;u&szlig;erte sich Autoticket-Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer Michael Blum am Mittwoch und h&ouml;rt vielleicht schon die Kasse klingeln. Vertragsgem&auml;&szlig; sind den Investoren, sofern das Gesch&auml;ft wegen ordnungspolitischer Gr&uuml;nde platzt, kr&auml;ftige Vergeltungen zugesichert &ndash; n&auml;mlich der entgangene Profit &uuml;ber die gesamte restliche Vertragslaufzeit bis 2032. Maximale Rendite also bei null Leistung. <\/p><p>Wie Blum ausf&uuml;hrte, sei der Schritt dazu v&ouml;llig unn&ouml;tig gewesen, da der EuGH nicht die Pkw-Maut generell untersagt habe, sondern nur deren Ausgestaltung. &bdquo;Man h&auml;tte die zeitbezogene Abgabe anpassen k&ouml;nnen, zum Beispiel indem man ihr eine noch st&auml;rkere &ouml;kologische Lenkungskomponente gibt und zul&auml;sst, dass un&ouml;kologische Fahrzeuge h&ouml;here Abgaben und umweltfreundliche Pkw weniger zahlen als bisher&ldquo;, erkl&auml;rte er. &bdquo;Eine Modifikation in diese Richtung&ldquo; soll der Minister im September 2019 sogar &bdquo;selbst ins Spiel gebracht&ldquo; haben. <\/p><p>Das war gewiss nur eine Finte von Scheuer. Denn was gibt einer auf &Ouml;kologie, f&uuml;r den ein Tempolimit von 130 Kilometern pro Stunde und h&ouml;here Dieselsteuern <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=66586\">&bdquo;gegen jeden Menschenverstand&ldquo;<\/a> versto&szlig;en? Oder der am liebsten jeden Monat eine neue Autobahn einweihen w&uuml;rde, der f&uuml;r Stuttgart 21 noch einmal <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=70196\">vier Tunnel mehr<\/a> f&uuml;r 5,5 Milliarden Euro extra in den Boden rammen m&ouml;chte und ein Irrwitzvorhaben wie die Fehmarnbeltquerung durch den Ostseegrund vorantreibt. <\/p><p><strong>Banker vorm Bierzelt<\/strong><\/p><p>Ohnehin kennt sich der Andi aus Bayern mit Finten bestens aus. Zum Beispiel kam es bei der  Vergabeentscheidung zugunsten eines privaten Pkw-Mautbetriebs zu merkw&uuml;rdigen <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=54733\">&bdquo;Kostenexplosionen&ldquo;<\/a> bei der Veranschlagung &ouml;ffentlicher Ausgabenposten, weshalb das Staatsmodell den K&uuml;rzeren zog. Dazu fielen in den Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen m&ouml;gliche Synergien durch Einbeziehung der im Bundesbesitz befindlichen Toll Collect GmbH, die die Lkw-Maut eintreibt, unter den Tisch. Um im vom Bundestag bewilligten Kostenrahmen zu bleiben, wurde au&szlig;erdem das erste Gebot des Konsortiums &uuml;ber Nacht und hinter dem R&uuml;cken des Parlaments von &uuml;ber drei auf knapp &uuml;ber zwei Milliarden Euro eingedampft. Wobei die &ndash; bei der Vergabe noch unterschlagenen &ndash; Synergien durch Toll Collect pl&ouml;tzlich wieder ins Spiel kamen, diesmal jedoch zugunsten der Privatisierungsvariante.  <\/p><p>Das alles und noch viel mehr hat der gute Scheuer auf die Beine gestellt, um das Prestigeprojekt, das nur f&uuml;r die Galerie eines f&uuml;r die CSU-Bierzeltseele war, durchzudr&uuml;cken. Eigentlich kam der Auftrag dazu von m&auml;chtigen Kapitalfunktion&auml;ren, die vom Totalausverkauf der &ouml;ffentlichen Infrastruktur tr&auml;umen, eine allgemeine Maut begehren und f&uuml;r all das die <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=71629\">Autobahn-GmbH des Bundes<\/a> entworfen haben, die &ndash; was auch sonst &ndash; seit 1. Januar als neue und alleinige Herrin &uuml;ber das Autobahnnetz so ziemlich alles verst&uuml;mpert, was geht, und dabei massenhaft Steuergeld verpulvert. Aber sp&auml;ter wird alles besser, wenn erst Planung, Bau und Betrieb der Betonpisten im gro&szlig;en Stil in &ouml;ffentlich-privater Partnerschaft gewuppt werden und sich Banken, Versicherungen und Hedgefonds eine goldene Nase auf Staatskosten verdienen.   <\/p><p><strong>Anschlussbesch&auml;ftigung sicher<\/strong><\/p><p>Das alles wird der Andi aus Passau absehbar nicht mehr als Minister miterleben. Denn wer wollte sich so einen noch mal ins Kabinett holen. F&uuml;r <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/special\/bayern-monitor\/Umfrage-Bei-Maut-Fehlverhalten-Fast-alle-Deutschen-fordern-Scheuer-Ruecktritt-id58293666.html\">neun von zehn B&uuml;rgern<\/a> ist der CSU-Mann in politisch leitender Position nicht mehr hinnehmbar. Weil er sich als einfacher Abgeordneter selber zu schade sein d&uuml;rfte, wird er seine Erf&uuml;llung wohl anderswo suchen, dort wo er noch und wieder gebraucht wird, wie so viele vor ihm, die den &Uuml;bergang vom politischen ins Wirtschaftsleben reibungslos und bei vervielfachter Verg&uuml;tung gemeistert haben. <\/p><p>Aber Scheuer w&auml;re nicht er selbst, lie&szlig;e er nicht andere an seinem k&uuml;nftigen Gl&uuml;ck teilhaben. Zum Beispiel Ex-Staatssekret&auml;r Gerhard Schulz, der einst als &bdquo;Mister Maut&ldquo; den Deal mit Kapsch und Eventim ma&szlig;geblich herbeigef&uuml;hrt hatte. Drei Monate sp&auml;ter, im M&auml;rz 2019, beurlaubte ihn sein Chef dann Richtung Toll Collect, wo er seither den Posten des Gesch&auml;ftsf&uuml;hrers innehat. Den soll er weiter behalten und zwar, so will es sein F&ouml;rderer, f&uuml;r <a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/deutschland\/pkw-maut-scheuers-maut-fiasko-verkehrsminister-schafft-zwei-beamten-berufliche-perspektiven-bei-toll-collect\/27310446.html\">mindestens f&uuml;nf Jahre<\/a> und bei einen Sal&auml;r von mehr als zwei Millionen Euro j&auml;hrlich. Die Opposition hatte dagegen bis zuletzt Schulz&rsquo; Absetzung gefordert, weil dieser f&uuml;r das &bdquo;Chaos und die Pflichtverletzungen auf Arbeitsebene&ldquo; zumindest mitverantwortlich sei. <\/p><p><strong>Zum Vergessen<\/strong><\/p><p>Davon allerdings hat Scheuer schon manches vergessen. Etwa die Sache mit der Offerte, die ihm seine Gesch&auml;ftspartner gemacht haben sollen. Manager von Kapsch und Eventim beteuerten bei ihrer Vernehmung im Parlament, dem Minister vorgeschlagen zu haben, mit der Vertragsunterzeichnung bis zum entscheidenden EuGH-Urteil zu warten. Der wollte diese Version partout nicht wahrhaben und berief sich auf amnestische Ausf&auml;lle: &bdquo;Ich kann mich an ein Angebot in irgendeiner Weise nicht erinnern.&ldquo; Auch habe bei der fraglichen Zusammenkunft <a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/artikel\/387642.privatisierung-scheuer-zum-vergessen.html?sstr=erinnerungsl%C3%BCcken%7Cscheuer\">&bdquo;gar keine Veranlassung&ldquo;<\/a> bestanden, &uuml;ber &bdquo;eine solche Frage zu sprechen oder nachzudenken&ldquo;. Nur gut, dass er damals sein rechte Hand Schulz an seiner Seite hatte. Vor dem Ausschuss stritt auch er das vermeintliche Angebot ab. <\/p><p>Im Abschlussbericht liest man dazu: Hinsichtlich der fraglichen Zusammenk&uuml;nfte mit den Betreiberparteien st&uuml;nden &bdquo;sich teilweise kontr&auml;re Aussagen gegen&uuml;ber&ldquo;, weshalb der Ausschuss &bdquo;Verlauf und Inhalt der Gespr&auml;che bei den strittigen Punkten&ldquo; nicht habe kl&auml;ren k&ouml;nnen. Im Zweifel f&uuml;r den Angeklagten also. &Auml;hnlich handeln die Unions- und SPD-Vertreter den gro&szlig;en Rest von Scheuers S&uuml;ndenregister ab. Vorgeworfen werden ihm seitens der Opposition neben vielem mehr: Kalkulierter Bruch von Haushalts- und Vergaberecht, diverse T&auml;uschungsman&ouml;ver, mangelhafte Transparenz, Unverm&ouml;gen, mangelndes Regierungshandwerk, Falschaussagen zu diversen Geheimtreffen mit Autoticket-Vertretern, die Nutzung privater E-Mail-Accounts zu Dienstzwecken, das L&ouml;schen von Handydaten oder die Weigerung, mit einem Sonderermittler zu kooperieren. <\/p><p><strong>Keine Ahnung ist gefragt<\/strong><\/p><p>Bei all dem l&auml;sst der Hauptbericht Milde walten: &bdquo;Als Ergebnis der Beweisaufnahme muss auch hervorgehoben werden, &bdquo;dass kein Fall einer L&uuml;ge, bewusster Verheimlichung oder Manipulation seitens des BMVI oder von Herrn Bundesminister Scheuer MdB pers&ouml;nlich glaubhaft nachgewiesen werden konnte&ldquo;. Auch zum Hauptvorwurf, dem voreiligen Vertragsabschluss ohne Rechtssicherheit, erteilen die &bdquo;Ermittler&ldquo; Absolution. Das Vorgehen sei, wenn auch risikobehaftet,  &bdquo;vertretbar&ldquo; gewesen. <\/p><p>Was auch sonst, schlie&szlig;lich hatte sich Scheuer, der bekennende Christ, den Segen daf&uuml;r von einem Stellvertreter Gottes eingeholt. Das Gutachten, das den Deal auch ohne h&ouml;chstrichterliches Verdikt empfahl, lieferte der Bonner Kirchenrechtler Christian Hillgruber. Der kam wie gerufen: &bdquo;Wir haben jetzt auch jemanden gefunden, der das &ndash; also, der europarechtlich noch mal die Argumentation st&uuml;tzt, die wir haben&ldquo;, soll nach Aussagen einer befragten Zeugin einer der damals zust&auml;ndigen Staatssekret&auml;re, entweder Schulz oder Rainer Bomba, ge&auml;u&szlig;ert haben. Jedenfalls machte Hillgruber gleich N&auml;gel mit K&ouml;pfen, obwohl er sich vor der Beauftragung durch das Verkehrsministerium &bdquo;nicht mit europ&auml;ischer Verkehrspolitik besch&auml;ftigt&ldquo; und &bdquo;erst in die einschl&auml;gigen Gesetze auf europ&auml;ischer Ebene&ldquo; habe einarbeiten m&uuml;ssen, wie er vor dem Ausschuss zu Protokoll gab. &bdquo;Aber das habe ich auch als reizvoll angesehen, muss ich gestehen. Also, ich bin jemand, der nicht immer nur dieselben Felder beackert, sondern eben auch gerne die Herausforderung sucht.&ldquo; <\/p><p>Ja, das hat er mit dem Andi gemein: Keine Ahnung, aber zu jeder Schandtat bereit. Bitte Herr Laschet, bitte Frau Baerbock: Lassen sie den Mann vier Jahre weiter wursteln. Dann klappt&rsquo;s bestimmt auch mit der Maut, zur Not sogar mit &Ouml;kolabel, wie dies aktuell sogar <a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/deutschland\/pkw-maut-eventim-chef-ueber-verkehrsminister-scheuer-er-wollte-den-vertrag-so-schnell-wie-moeglich\/27301240.html?ticket=ST-1541881-PfsF9HxgGcG07xx54sUe-ap6\">Eventim-Chef Klaus-Peter Schulenberg<\/a> als Friedensangebot im &bdquo;Handelsblatt&ldquo; angeregt hat. Daran h&auml;tten bestimmt auch die Allianz, Ergo und Co. ihre Freude.  Und Scheuer erst. Denn um wie viel lukrativer fiele dann erst 2025 seine Selbstprivatisierung aus? <\/p><p>Titelbild: Prostock-studio\/shutterstock.com<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/48521a4abae9486da0f9fd6179614e00\" alt=\"\" title=\"\" width=\"1\" height=\"1\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach 18 Monaten und 50 Sitzungen ist Schluss mit dem Maut-Untersuchungsausschuss, der Abschlussbericht vom Bundestag durchgewunken und der Angeklagte halbwegs reingewaschen. Aus Sicht von Union und SPD hat der Verkehrsminister zwar manches verbockt, sich aber nichts Schlimmeres zu Schulden kommen lassen. Die Opposition beklagt dagegen L&uuml;gen, Rechtsbr&uuml;che und Versagen auf ganzer Linie. Aber auch Dilettantismus<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=73756\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":73759,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,198,127,73],"tags":[1576,694,2484,2482,824,2752],"class_list":["post-73756","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-einzelne-politiker-personen-der-zeitgeschichte","category-lobbyismus-und-politische-korruption","category-verkehrspolitik","tag-maut","tag-milliardengrab","tag-schadensersatz","tag-scheuer-andreas","tag-toll-collect","tag-untersuchungsausschuss"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/shutterstock_734892805.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/73756","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=73756"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/73756\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":73780,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/73756\/revisions\/73780"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/73759"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=73756"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=73756"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=73756"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}