{"id":7380,"date":"2010-11-17T17:11:58","date_gmt":"2010-11-17T16:11:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=7380"},"modified":"2014-02-17T11:19:35","modified_gmt":"2014-02-17T10:19:35","slug":"die-langfristige-verankerung-von-ergebnissen-der-meinungsmache-ist-beachtlich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=7380","title":{"rendered":"Die langfristige Verankerung von Ergebnissen der Meinungsmache ist beachtlich"},"content":{"rendered":"<p>Im Beitrag <a href=\"?p=7355\">&bdquo;Extreme F&auml;lle von Meinungsmache werden &uuml;blich&ldquo;<\/a> war ein St&uuml;ck &uuml;ber die Langfristwirkungen von Irref&uuml;hrungen angek&uuml;ndigt. F&uuml;r alle, die sich noch eigene Gedanken machen, ist die Beobachtung der langfristigen Verankerung gezielter Manipulationen aufregend und bedr&uuml;ckend zugleich. Bedr&uuml;ckend deshalb, weil auf den verankerten Ergebnissen der Meinungsmache wieder neue Manipulationsversuche aufbauen k&ouml;nnen und weil diese Wirkung oft bei Freunden festzustellen ist, denen man Resistenz zugetraut h&auml;tte. Aufregend, weil man sich und andere sch&uuml;tzen kann, wenn man die Langfristwirkungen in die Betrachtungen einbezieht. Werden wir an einigen Beispielen konkret: Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><\/p><p><strong>Beispiele f&uuml;r die langfristige Verankerung<\/strong><\/p><p><strong>Beispiel 1: Wir haben einen Boom<\/strong><br>\nIn den Jahren 2007, 2008 und auch noch 2009 wurde penetrant der Eindruck vermittelt, dass unsere Wirtschaft in den Jahren 2007 und 2008 richtig geboomt h&auml;tte. Ein wirklicher Boom war das nie, die Arbeitslosigkeit war hoch, die Binnennachfrage und die Masseneinkommen\/L&ouml;hne stagnierten auch damals. Dennoch wurde diese Botschaft zumindest bei Multiplikatoren und Journalisten penetrant verankert. In den gut verdienen Oberschichten war die Botschaft besonders glaubhaft.<br>\nInzwischen erleben wir, dass die damalige Irref&uuml;hrung auch bei eigentlich kritischen Zeitgenossen\/innen schon als Wahrheit in die weitere Argumentation eingestellt wird. So konnte man letzthin sogar in einem Papier des DGB vom Boom jener Jahre lesen. Die neoliberalen Glaubensgenossen und Multiplikatoren gehen eh&rsquo; von der Richtigkeit der Behauptung aus und sie bauen darauf auf.<\/p><ul>\n<li>So gr&uuml;ndet die Behauptung vom Erfolg der Schr&ouml;der&rsquo;schen Agenda 2010 auf der Behauptung, wir h&auml;tten einen Boom gehabt. Der Verankerung dieser Botschaft von Schr&ouml;ders Erfolg kann dann zum Beispiel auch eine Meldung, wonach der Bundesrechnungshof die 1-Euro-Jobs f&uuml;r einen Missgriff h&auml;lt, nichts anhaben.\n<\/li>\n<li>So baut der ehemalige Finanzminister Steinbr&uuml;ck seinen neuerlichen Ruhm trotz Verwicklung in die Ursachen der Finanzkrise und trotz seiner Gegnerschaft gegen eine aktive Konjunkturpolitik auf der Behauptung auf, er habe konjunkturpolitisch richtig gehandelt und damit den angeblichen Boom mitverursacht.\n<\/li>\n<li>So ist auch die Behauptung, die Bundesregierung habe wirtschafts- und finanzpolitisch richtig gehandelt, es w&auml;re auch alles in Ordnung, wenn es die Finanzkrise nicht gegeben h&auml;tte, von der langfristigen Verankerung des M&auml;rchens vom Boom gest&uuml;tzt.\n<\/li>\n<\/ul><p><strong>Beispiel 2: Arbeitslosigkeit ist gesunken<\/strong><br>\nDie Propaganda zur sinkenden Arbeitslosigkeit ist so massiv, dass die Botschaft vermutlich nachhaltig geglaubt wird, obwohl von vielen Seiten und immer wieder darauf hingewiesen wird, dass die Frohe Botschaft wesentlich ein Ergebnis statistischer Tricks ist und dass selbst das Statistische Bundesamt f&uuml;r 2009 bei 8,6 Millionen Menschen einen Bedarf an Arbeit festgestellt hat.<br>\nAuch die Behauptung, eine Zahl von Arbeitslosen von unter 3 Millionen (mal unterstellt, diese Ziffer sei echt) sei schon ein Erfolg, ist inzwischen tief verankert, obwohl diese Ziffer weit weg von wirklicher Vollbesch&auml;ftigung liegt und auch die Vorstellung, dass 2,9 oder 2,7 Millionen Menschen und ihre Familien ohne geregelte Arbeit leben, Sorge und Emp&ouml;rung ausl&ouml;sen m&uuml;sste.<\/p><p><strong>Beispiel 3: Wir sind gut durch die Krise gekommen.<\/strong><br>\nDiese Botschaft wird penetrant unter die Menschen gebracht. Ohne R&uuml;cksicht auf die nach wie vor hoher Arbeitslosigkeit, ohne R&uuml;cksicht auf die milliardenschwere und langfristige Belastung durch den Bankenrettungsschirm und die Tatsache, dass gerade die deutschen Banken hoch belastet sind. Die Botschaft wird wirken und sie ist mit Sicherheit eine der Hauptbotschaften der Regierenden im n&auml;chsten Bundestagwahlkampf und in den davor liegenden Landtagswahlk&auml;mpfen.<\/p><p><strong>Beispiel 4: Guttenberg<\/strong><br>\nDie PR-Kampagne zu dieser Person und seiner Ehegattin wird wegen ihrer Massivit&auml;t trotz aufkommender Kritik nachhaltige Wirkung zeitigen, eine Wirkung, auf der personalpolitisch und programmatisch aufgebaut werden wird.<\/p><p><strong>Beispiel 5: Export&uuml;bersch&uuml;sse sind gut, Sparen ist gut, man muss es nur wollen, usw.<\/strong><br>\nAuf dem Feld der wirtschaftspolitischen Diskussion gibt es eine F&uuml;lle von Denkfehlern, aus denen politische Fehlentscheidungen folgen. Die Liste der 40 Denkfehler, die ich in meinem Buch <a href=\"?page_id=23\">&bdquo;Die Reforml&uuml;ge&ldquo;<\/a> analysiert habe, bietet immer noch einen guten &Uuml;berblick &uuml;ber hochwirksame und langfristig angelegte Manipulationen. Leider ist diese Analyse nicht nachhaltig veraltet.<\/p><p><strong>Beispiel 6: Das demographische Problem, der Generationenvertrag tr&auml;gt nicht mehr, jetzt hilft nur noch Privatvorsorge.<\/strong><br>\nHier sind erkennbar wirksam Fehlurteile fest und langfristig verankert worden. Daran wird immer auch noch gearbeitet. Kai Ruhsert hat gerade einen neuen Fall beschrieben: <a href=\"?p=7371\">&bdquo;Ein solides St&uuml;ck Volksverdummung &ndash; von &bdquo;Der Tag&ldquo; in hr2&ldquo;<\/a>.<\/p><p><strong>Zu den Methoden:<\/strong><br>\nAm letzten Fall wird wie an vielen anderen meinungsmachenden Medienprodukten sichtbar, mit welchen Methoden gearbeitet wird, um die an Interessen orientierten Irref&uuml;hrungen unterzubringen und langfristig zu verankern: man beruft sich auf Experten, man suggeriert Allgemeing&uuml;ltigkeit mit Formeln wie &bdquo;wie wir alle wissen&ldquo; oder &bdquo;wie alle Experten sagen&ldquo;.<br>\nDie wirksamste Methode ist auch hier die dauerhafte Wiederholung und das Arrangements, die falschen Behauptungen aus verschiedenen politischen Ecken kommen zu lassen. Die Behauptungen zum demographischen Wandel werden zum Beispiel mit hoher Professionalit&auml;t und penetrant gestreut. Dahinter steckt erkennbar die Public Relations-Maschinerie der Banken und Versicherungswirtschaft.<\/p><p><strong>Anmerkung zu den Ursachen der Langfristwirkungen<\/strong><br>\nWir Menschen haben die Neigung, unseren Frieden anderen und den Umst&auml;nden zu machen. Wir haben die Neigung, die Dinge positiv zu sehen. Nur auf Zweifeln und Hinterfragen trainierte Zeitgenossinnen und Zeitgenossen bringen oft die Kraft noch auf, sich nicht einlullen zulasten. Hoffen wir, dass der Kreis dieser Menschen nicht schrumpft sondern w&auml;chst. Helfen Sie mit. Ihre eigene Zukunft wird davon abh&auml;ngen, dass bisher auch langfristig verankerte Manipulationen aufgebrochen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Beitrag <a href=\"?p=7355\">&bdquo;Extreme F&auml;lle von Meinungsmache werden &uuml;blich&ldquo;<\/a> war ein St&uuml;ck &uuml;ber die Langfristwirkungen von Irref&uuml;hrungen angek&uuml;ndigt. 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