{"id":73917,"date":"2021-07-02T10:19:04","date_gmt":"2021-07-02T08:19:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=73917"},"modified":"2021-07-02T11:56:22","modified_gmt":"2021-07-02T09:56:22","slug":"zwischenbilanz-der-vermeidbaren-schaeden-und-tolerierten-opfer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=73917","title":{"rendered":"\u201eZwischenbilanz der vermeidbaren Sch\u00e4den und tolerierten Opfer\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Das ist der Untertitel des neuen Buches von Jens Berger. Gestern Abend beim Blick in Maybrit Illners Talkshow wurde klar, wie wichtig seine Zwischenbilanz ist. Da war n&auml;mlich &ndash; welch eine Erkenntnis!  &ndash; die Rede davon, Menschen k&ouml;nnten auch an den Folgen der Corona-Politik sterben. Die NachDenkSeiten berichten dar&uuml;ber seit April 2020! Im Oktober 2020 fragten wir dann unsere Leserinnen und Leser nach ihren pers&ouml;nlichen Erfahrungen und wir dokumentierten ihre oft bedr&uuml;ckenden Berichte: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=66171\">&bdquo;Die im Dunkeln sieht man nicht. Eine Dokumentation &uuml;ber Folgen der Corona-Politik&ldquo;<\/a>. Daraus wurde dann zum Jahresende 2020 <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=68122\">ein Buch<\/a> mit dem gleichen Titel. Jetzt hat Jens Berger mit &bdquo;Schwarzbuch Corona&ldquo; die notwendige Zwischenbilanz gezogen. Sie finden in seinem Buch eine Reihe von wichtigen Daten und Erkenntnissen zu den Folgen der Corona-Politik. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nLassen wir den Autor selbst sprechen und zwar mit einem f&uuml;r ihn einschl&auml;gigen Kapitel &ndash; es geht um die Frage, wie verschieden die Sch&auml;den und Opfer der Corona-Politik verteilt sind. Die finanziell nicht gut ausgestatteten Menschen leiden deutlich mehr. Hier ein Auszug von den Seiten 102-104:<\/p><p>&bdquo;Insgesamt haben die Ma&szlig;nahmen die Kluft zwischen Arm und Reich vergr&ouml;&szlig;ert. Einen ganz wesentlichen Teil dazu hat die armutspolitische Ignoranz der ma&szlig;geblichen Akteure beigesteuert. Die Ma&szlig;nahmen haben die soziale Spaltung als chronische Erkrankung unserer Gesellschaft offengelegt, die nicht durch Virologen gel&ouml;st werden kann.<\/p><p><strong>Sorglos in Hobbingen<\/strong><\/p><p>Der Lockdown ist nun einmal auch eine Klassenfrage, und es ist kein Wunder, dass die begeistertsten Lockdown-Anh&auml;nger mehrheitlich dem wohlsituierten B&uuml;rgertum angeh&ouml;ren. Es macht halt einen Unterschied, ob man die sonnigen Tage als Pension&auml;r oder &raquo;Homeoffice-Elite&laquo; nutzt, um im Eigenheim im gr&uuml;nen Speckg&uuml;rtel mit den Kindern oder Enkeln im Garten zu spielen und sich selbst zu finden oder ob man als alleinerziehende Niedrigl&ouml;hnerin, die vom Arbeitgeber auf Kurzarbeit gesetzt wurde, mit den Kindern bei gesperrten Spielpl&auml;tzen in der kleinen Zweizimmerwohnung im Plattenbau verbringen muss. F&uuml;r Millionen Deutsche ist der Lockdown eben kein verl&auml;ngerter Urlaub daheim, sondern eine psychische und &ouml;konomische Trag&ouml;die. <\/p><p>Als ich selbst w&auml;hrend des ersten Lockdowns durch die Stra&szlig;en meines l&auml;ndlichen Wohnorts zog, kam ich mir damals ein wenig vor wie im Auenland der Herr-der-Ringe-Trilogie. Wie fr&ouml;hliche Hobbits besch&auml;ftigten sich meine Nachbarn mit Gartenarbeit und spielten mit ihren Kindern. Doch man sieht nur die im Lichte, die im Dunkeln sieht man vor allem in der Kontaktsperre meist nicht. Durch den Lockdown ging ein Riss durch dieses Land. Auf der Lockdown-Sonnenseite befinden sich&nbsp;&ndash; trotz Risikogruppenzugeh&ouml;rigkeit&nbsp;&ndash; diejenigen Pension&auml;re und Rentner, die man als &ouml;konomisch unabh&auml;ngig bezeichnen k&ouml;nnte, und all die Beamten und meist h&ouml;heren Angestellten, denen es verg&ouml;nnt ist, ihren Job von daheim aus zu erledigen. Da wird sich dann auf Twitter, Facebook, Instagram und Co. &uuml;ber die unverantwortlichen Menschen aufgeregt, die sich nicht an die Ma&szlig;nahmen halten und sich abends im Park aufhalten&nbsp;&ndash; und das auch noch unter Missachtung der Abstandsregeln. Ja, wenn man in einer kleinen Wohnung lebt, hat man schon seltsame Bed&uuml;rfnisse. Das k&ouml;nnen Menschen mit Eigenheim und Grundst&uuml;ck nicht verstehen. <\/p><p>Viele Privilegierte nehmen den Lockdown eher als skurrilen Heimurlaub wahr. Es gibt Schlimmeres im Leben; die Pensionen, Renten und Geh&auml;lter dieser Gl&uuml;cklichen werden schlie&szlig;lich p&uuml;nktlich &uuml;berwiesen, und man hat nun endlich die Zeit, sich um Dinge zu k&uuml;mmern, zu denen man im Arbeitsalltag nicht kommt. Freilich jammert man dennoch; zwar auf hohem Niveau, aber auch das ist nichts Neues. Hauptsache das Bier und die Bratw&uuml;rste gehen nicht aus.<\/p><p>Ein wenig weiter unten auf der Corona-Lockdown-Leiter sieht die Lage schon nicht mehr ganz so rosig aus. Wer keinen Garten hat, um mit den Kindern zu spielen, und stattdessen in einer kleinen Wohnung mit dem Nachwuchs eingesperrt ist, dem f&auml;llt irgendwann die Decke auf den Kopf. Was tun? Die Spielpl&auml;tze sind abgeriegelt, die typischen st&auml;dtischen Freizeitaktivit&auml;ten f&uuml;r Kinder geschlossen oder untersagt. Und da die Kitas und Schulen dicht sind, m&uuml;ssen die Kleinen nun den ganzen Tag besch&auml;ftigt werden. Zu Oma und Opa soll man sie nicht geben&nbsp;&ndash; Risikogruppe. Das Konto leer, die Nerven &uuml;berspannt, soziale Kontakte untersagt&nbsp;&ndash; eine toxische Mischung, die nicht selten sogar zu famili&auml;rer Gewalt f&uuml;hrt. Hier geht es oft um existenzielle Bedrohungen und den Verlust der materiellen Basis. Diese Menschen sind psychisch und wirtschaftlich bis ins Mark getroffen, und f&uuml;r sie ist die Lockdown-Debatte mehr als virologisch begr&uuml;ndete Ma&szlig;nahmen, bei denen so &raquo;profane&laquo; Dinge wie die R&uuml;ckkehr zu einem geordneten wirtschaftlichen Leben eine untergeordnete Rolle spielen.<\/p><p>Doch all diese Schicksale spielen bei der Debatte um die Ma&szlig;nahmen so gut wie nie eine Rolle. Man sieht halt nur die im Lichte; und die im Lichte sind es, die Leitartikel schreiben und in den Talkshows und Kommentarformaten Meinungen machen. Diese Leitartikel stammen freilich nicht von den &raquo;freien&laquo; Journalisten, die ansonsten ihre Br&ouml;tchen mit Veranstaltungs- oder Sportberichten verdienen und die dank Lockdown nun ihre Miete nicht mehr bezahlen k&ouml;nnen. Auch Sorglosigkeit ist ein Privileg, das man sich leisten k&ouml;nnen muss. Wenn man selbst unbesorgt auf den obersten Stufen der Corona-Lockdown-Leiter steht, ist es nat&uuml;rlich einfach, die &raquo;guten&laquo; Ratschl&auml;ge der Virologen als alternativlos zu verkaufen und den Rest des Landes auf weitere Wochen oder gar Monate der Einschr&auml;nkung einzuschw&ouml;ren&nbsp;&ndash; der Preis, den man selbst daf&uuml;r zu zahlen hat, ist vergleichsweise gering. So what? Vielleicht sollten diese Leitartikler einmal eine Woche mit jemandem auf den unteren Stufen der Corona-Lockdown-Leiter tauschen. Vielleicht k&auml;men sie dann bei ihrer sorgf&auml;ltigen Abw&auml;gung zu anderen Antworten?&ldquo;<\/p><p>Auszug aus: Jens Berger: <strong>&bdquo;<a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/buecher-mehr\/schwarzbuch-corona.html?listtype=search&amp;searchparam=jens%20berger%20Schwarzbuch%20Corona\">Schwarzbuch Corona. Zwischenbilanz der vermeidbaren Sch&auml;den und tolerierten Opfer<\/a>&ldquo;<\/strong>, Westend Verlag, 28.6.2021<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist der Untertitel des neuen Buches von Jens Berger. Gestern Abend beim Blick in Maybrit Illners Talkshow wurde klar, wie wichtig seine Zwischenbilanz ist. Da war n&auml;mlich &ndash; welch eine Erkenntnis! &ndash; die Rede davon, Menschen k&ouml;nnten auch an den Folgen der Corona-Politik sterben. Die NachDenkSeiten berichten dar&uuml;ber seit April 2020! Im Oktober 2020<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=73917\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[149,165,132],"tags":[1095,2857,3092,687],"class_list":["post-73917","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gesundheitspolitik","category-innen-und-gesellschaftspolitik","category-ungleichheit-armut-reichtum","tag-kinderbetreuung","tag-lockdown","tag-schwarzbuch-corona-buch","tag-ungleichheit"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/73917","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=73917"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/73917\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":73926,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/73917\/revisions\/73926"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=73917"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=73917"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=73917"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}