{"id":74,"date":"2004-03-15T12:03:10","date_gmt":"2004-03-15T10:03:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=74"},"modified":"2016-04-02T11:19:36","modified_gmt":"2016-04-02T09:19:36","slug":"friedensbewegung-und-neue-spanische-regierung-sind-schuld-am-wachsenden-terror","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=74","title":{"rendered":"Friedensbewegung und neue spanische Regierung sind schuld am wachsenden Terror !"},"content":{"rendered":"<p>SPIEGEL ONLINE besch&auml;ftigt sich mit der Ank&uuml;ndigung des designierten neuen Ministerpr&auml;sidenten von Spanien, die spanischen Truppen aus dem Irak abzuziehen, und den m&ouml;glichen Folgen. Der Beitrag wird in NachDenkSeiten wiedergegeben &ndash; nicht weil er besonders erleuchtend sei, sondern weil er gut zeigt, mit welchen abenteuerlichen aber m&ouml;glicherweise eing&auml;ngigen Drehs hier noch nachtr&auml;glich f&uuml;r die Kriegsbeteiligung im Irak geworben wird und die Verantwortung f&uuml;r das Desaster und menschliche Leid im Irak, in Madrid und m&ouml;glichen weiteren Orten des Terrors in Europa jenen zugeschoben wird, die Krieg und Milit&auml;r nicht f&uuml;r die beste L&ouml;sung von Konflikten halten.<br>\n<!--more--><br>\nHier die Original-Version von SPIEGEL ONLINE:<\/p><blockquote><p>\nSPIEGEL ONLINE &ndash; 15. M&auml;rz 2004, 15:23<\/p>\n<p><strong>Spaniens Irak-Politik<\/strong><br>\nTruppen gehen, der Terror bleibt<\/p>\n<p>Von Claus Christian Malzahn<\/p>\n<p><strong>Die Ank&uuml;ndigung des designierten spanischen Ministerpr&auml;sidenten Zapatero, die eigenen Truppen aus dem Irak zur&uuml;ckzuziehen, ist ein sp&auml;ter Sieg der Friedensbewegung. Er k&ouml;nnte die USA teuer zu stehen kommen &ndash; den Rest der Welt allerdings auch.<\/strong><\/p>\n<p>Hamburg &ndash; Stell dir vor es ist Krieg, und keiner geht hin &ndash; dieser Pazifistentraum scheint in Spanien Wirklichkeit zu werden, wenn auch in etwas abgewandelter Form: Stell dir vor, es ist Krieg, und alle hauen ab. Denn die Ank&uuml;ndigung des k&uuml;nftigen spanischen Ministerpr&auml;sidenten Jos&eacute; Luis Rodriguez Zapatero, die Truppen zum 30. Juni nach Hause zu holen, muss keineswegs die letzte dieser Art gewesen sein.<\/p>\n<p>Der Einsatz im Mittleren Osten ist in fast allen europ&auml;ischen L&auml;ndern, die Truppen an Euphrat und Tigris entsandt haben, umstritten. Zapateros R&uuml;ckzugsank&uuml;ndigung hat deshalb die Frage, was europ&auml;ische Soldaten eigentlich im Irak zu suchen haben, zum ersten Jahrestag des Sturms auf Bagdad noch einmal neu entfacht. Wie aber geht es im Irak weiter?<\/p>\n<p>Mit der Entscheidung, dass Warschau nun den spanischen Sektor &uuml;bernehmen soll, sto&szlig;en die Besatzer an die Grenzen ihrer milit&auml;rischen Leistungsf&auml;higkeit. Schon jetzt k&ouml;nnen die polnischen Truppen ihre Aufgaben nur mit massiver logistischer Unterst&uuml;tzung der US-Armee nachkommen. Eine Ausweitung ihres Aufgabengebietes stellt die polnische Armee deshalb vor erhebliche technische Probleme.<\/p>\n<p>Die Ausr&uuml;stung der polnischen Soldaten gilt als mangelhaft, verl&auml;sst ein Konvoi das Milit&auml;rgel&auml;nde, bleiben oft Wagen in der Hitze liegen. Heute r&auml;cht es sich, dass die polnische Armee kaum Zeit zur Vorbereitung dieses Einsatzes hatte. Und nun muss sie zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres einen Job &uuml;bernehmen, der sie wahrscheinlich &uuml;berfordern wird. Was das f&uuml;r innenpolitische Konsequenzen haben wird, ist noch gar nicht abzusehen.<\/p>\n<p>Denn der Irak-Einsatz ist in Polen noch immer umstritten. Viele Menschen hatten sich vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht mehr vom Engagement an Euphrat und Tigris versprochen. Doch die Auftr&auml;ge blieben weitgehend aus. Die Stimmung der letzten Monate in Polen war eher: &ldquo;raus hier&rdquo; als &ldquo;weiter so&rdquo;.<\/p>\n<p>Die Entscheidung Zapateros hat auch f&uuml;r Gro&szlig;britannien, dem wichtigsten strategischen Partner der USA im Irak-Krieg, eine gro&szlig;e Bedeutung. Premier Tony Blair hat in den vergangenen Wochen immer wieder versucht, das ungeliebte Thema Irak loszuwerden. Nun ist es wieder da, in all seiner H&auml;sslichkeit. Der britische Premier wird sich von seiner Glaubw&uuml;rdigkeitskrise nicht mehr erholen. Ein Anschlag vom Umfang der Terrorattentate in Madrid k&ouml;nnte Blairs politisches Ende bedeuten. Dasselbe gilt f&uuml;r seinen Kollegen Silvio Berlusconi in Rom, dessen Irak-Politik Italien polarisiert hat wie lange nicht mehr.<\/p>\n<p><strong>Noch mehr US-Truppen?<\/strong><\/p>\n<p>In Europa ist der Irak also wieder ein innenpolitisches Thema, mit dem sich &ndash; wie schon in Deutschland im September 2002 -Wahlen gewinnen lassen. Die Amerikaner m&uuml;ssen mit allem rechnen. Wie w&uuml;rden sie auf weiteren Schwund reagieren?<\/p>\n<p>Zun&auml;chst w&uuml;rden die Amerikaner versuchen, die L&uuml;cken mit eigenen Truppen zu f&uuml;llen. Dazu ist die US-Armee auch kurzfristig in der Lage. Mittelfristig bringt diese Politik des L&ouml;cherstopfens allerdings erhebliche Probleme mit sich. Bereits auf der M&uuml;nchner Sicherheitskonferenz im Februar diesen Jahres wies der Vietnam-Veteran und ehemalige demokratische Pr&auml;sidentschaftsbewerber John McCain auf die Tatsache hin, dass im Irak schon jetzt 40 Prozent der stationierten US-Soldaten Reservisten sind. &ldquo;Es w&uuml;rde mich freuen, wenn Europa hier mehr tun k&ouml;nnte&rdquo;, sagte McCain &ndash; doch so wie es aussieht, tritt gerade das Gegenteil ein.<\/p>\n<p><strong>Abzug der Besatzer w&uuml;rde den Irak ins Chaos st&uuml;rzen<\/strong><\/p>\n<p>Der Abzug europ&auml;ischer Soldaten w&uuml;rde den Irak weiter destabilisieren. Denn die Tatsache, dass es vor allem in der s&uuml;dirakischen Region Basra und im britischen Sektor relativ ruhig ist, hat beispielsweise viel mit der langj&auml;hrigen Erfahrung britischer Soldaten in Konflikten und Krisen zu tun. Ein hypothetischer Abzug der Truppen ihrer Majest&auml;t w&uuml;rde die Lage im S&uuml;den versch&auml;rfen, denn die Schiiten dort verhandeln vielleicht ungern mit den Briten &ndash; die Amerikaner aber sind dort verhasst.<\/p>\n<p>Die Aufteilung in unterschiedliche Sektoren hat im Irak eben nicht nur eine milit&auml;rische, sondern auch eine wichtige politisch-kulturelle Funktion. Die Amerikaner wollten aus guten Gr&uuml;nden europ&auml;isches Know-how in den Prozess des Nation-Building integrieren. Denn genau mit der Frage, wie man eigentlich ein Land aufbaut und einen totalit&auml;ren Staat demokratisch reorganisiert, haben die Amerikaner viel weniger Erfahrung als europ&auml;ische L&auml;nder, die vor 60 Jahren nach Ende des 2. Weltkrieges ganz &auml;hnliche Probleme l&ouml;sen mussten, wie sie heute im Irak anstehen.<\/p>\n<p>&ldquo;Der Krieg im Irak war ein Desaster, die Besetzung des Irak ist ein Desaster&rdquo;, sagte Zapatero, als er den R&uuml;ckzug der spanischen Armee ank&uuml;ndigte. Da mag er Recht haben. Das Problem ist aber: Mit dem Abzug der Besatzer w&uuml;rde nichts besser werden &ndash; aber vieles schlimmer.<\/p>\n<p>Denn das Kalk&uuml;l der Bombenleger von Madrid, die Spanier mit ihrem Terror aus dem Irak zu verjagen, w&auml;re mit dem Abzug der Soldaten komplett aufgegangen. Das kann zu einem Strategiewechsel der Islamisten f&uuml;hren: mit aller Macht den Terror in Europas Metropolen zu tragen &ndash; der Irak als Kriegsschauplatz ist seit Zapateros Ank&uuml;ndigung ein bisschen uninteressanter.<\/p>\n<p>Zapatero hat Recht: Die Lage im Irak ist ein Desaster. Nur was bedeutet das? Es stimmt: Die US-Armee ist kaum in der Lage, f&uuml;r Sicherheit und Ordnung zu sorgen. Nur: ist das ein Argument f&uuml;r Truppenabzug?<\/p>\n<p>Auch Gegner des Irak-Kriegs wie Zapatero k&ouml;nnen nicht verleugnen, dass die &uuml;berwiegende Mehrheit der irakischen Bev&ouml;lkerung froh &uuml;ber den Sturz von Saddam Hussein ist. Sein Terror-Regime hat das Land auch mental verw&uuml;stet. Nun gibt es einen &ndash; viel zu langsamen, sehr komplizierten &ndash; Prozess des politischen Aufbaus im Lande. Dieser Prozess kann nur stattfinden, weil er von den Besatzern milit&auml;risch abgesichert wird. Dass er immer wieder ins Stocken ger&auml;t, liegt auch an der &ndash; manchmal hilflosen, manchmal unbedachten &ndash; Regie der Amerikaner. Vor allem aber leidet der Irak heute am Terror, der sich l&auml;ngst gegen die Zivilbev&ouml;lkerung richtet.<\/p>\n<p>Ein Irak ohne Besatzer w&uuml;rde deshalb wahrscheinlich zerfallen und auf Jahre, vielleicht Jahrzehnte, im Chaos versinken. Das Ergebnis w&auml;re ein neues Afghanistan, ein rechtloser Raum, ein El Dorado f&uuml;r islamistische Terrorgruppen &ndash; die sich &uuml;brigens jetzt schon sehr heimisch f&uuml;hlen in Bagdad. Der Traum der Pazifisten: Stell dir vor, es ist Krieg, und alle hauen ab, w&uuml;rde deshalb letztlich zum Alptraum werden. Denn es werden eben nicht alle abhauen, wenn die Spanier, die Polen, die Italiener oder gar die Briten gehen. Der Terror wird bleiben. <\/p>\n<div class=\"cite_hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div>\n<p><cite>&copy; SPIEGEL ONLINE 2004<\/cite>\n<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>SPIEGEL ONLINE besch&auml;ftigt sich mit der Ank&uuml;ndigung des designierten neuen Ministerpr&auml;sidenten von Spanien, die spanischen Truppen aus dem Irak abzuziehen, und den m&ouml;glichen Folgen. 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