{"id":74027,"date":"2021-07-06T14:28:27","date_gmt":"2021-07-06T12:28:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=74027"},"modified":"2021-07-06T16:42:59","modified_gmt":"2021-07-06T14:42:59","slug":"leserbriefe-zu-location-ticketing-documenta-fifteen-das-ist-die-deutsche-sprache-bei-deutschlandfunk-kultur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=74027","title":{"rendered":"Leserbriefe zu \u201eLocation\u201c, \u201eTicketing\u201c, \u201edocumenta fifteen\u201c \u2013 das ist die deutsche Sprache bei Deutschlandfunk Kultur"},"content":{"rendered":"<p>Hier sind die Leserbriefe zum Beitrag &uuml;ber unseren <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=73967\">leichtfertigen und unn&ouml;tigen Sprachgebrauch<\/a>. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>1. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Ich sehe es genauso wie Albrecht M&uuml;ller aber ich gehe noch weiter. Denn es geht nicht nur um diesen Beitrag, sondern vielmehr um die Anh&auml;ufung sinnloser Anglizismen in den Medien &uuml;berhaupt. Besonders irritierend ist das bei Dlf Kultur oder bei der Sendung Corso vom Dfl oder Aspekte vom ZDF, also Kultursendungen, die eigentlich vorbildlich im Sprachgebrauch sein sollten. Von den Privatsendern brauchen wir gar nicht zu reden. All das ist f&uuml;r mich nur ein Sypmtom eines Zustands, den viele gar nicht mehr wahrnehmen: die Allgegenwart der angloamerikanischen Kultur in den Medien. Sie ist so selbstverst&auml;ndlich, dass man sie gar nicht mehr sieht. Sie f&auml;llt nur auf wenn man bewusst beobachtet. Ich mache regelm&auml;&szlig;ig die &Uuml;bung. Ich schalte das Radio an. Ich wechsel den Sender alle f&uuml;nf Sekunden und z&auml;hle, wie viele Lieder auf Englisch gesungen werden. Die Quote liegt &uuml;ber 90%. Welche Filme schaut die Mehrheit der Bev&ouml;lkerung? Nat&uuml;rlich Filme aus den USA, sei es bei Netflix oder sonst wo. Wenn man im Caf&eacute; sitzt, welche Musik l&auml;uft? Ja, richtig. Die Beispiele sind unendlich. Aber ich frage mich, inwiefern diese st&auml;ndige Pr&auml;senz der angloamerikanische Kultur politisch gewollt ist. Spielt da zum Beispiel die Atlantik-Br&uuml;cke eine Rolle? Zugegeben, diese mediale Allgegenwart wurde im letzten Jahr durch einen Virus ersetzt. Was mich als Lateinamerikaner besonders irritiert ist, dass in Deutschland st&auml;ndig von &ldquo;Amerika&rdquo; die rede ist wenn eigentlich USA gemeint ist. So spricht man vom amerikanischen Pr&auml;sidenten wenn es eigentlich &ldquo;der US-amerikanische Pr&auml;sident&rdquo; hei&szlig;en soll. Ich nutze die Gelegenheit, euch daran zu erinnern, dass Amerika ein Kontinent ist. F&uuml;r mich klingt das so als w&uuml;rde man als Deutscher irgendwo in Asien Radio h&ouml;ren und der Sprecher sagt &ldquo;der europ&auml;ische Pr&auml;sident Macron&hellip;&rdquo; Das w&uuml;rde euch sehr irritieren, oder? Jedenfalls ist das ein weites Feld und ein sehr interessantes Forschungsobjekt: die Allgegenwart der angloamerikanische Kultur in den deutschen Medien. Ich liebe die deutsche Sprache, ich habe sie mit Leidenschaft gelernt (ich lerne noch jeden Tag dazu) und finde wirklich sehr schade, dass diese wundersch&ouml;ne Sprache ausgerechnet von den deutschen Medien banalisiert, globalisiert und geopfert wird. Denn auf diesem Weg opfert man auch ein St&uuml;ck Identit&auml;t. Ich kenne aber dieses Verhalten aus meinem Land. Es hat etwas vom Stockolm-Syndrom: Sie beherrschen uns, also wollen wir so sein wie sie. Dieses Bestreben sehe ich st&auml;ndig in den gro&szlig;en Medien, immer dieser Wunsch, den Amis zu gefallen. Ich denke zum Beispiel an die Preisverleihung vom Springer-Verlag an Elon Musk (die Nachdekseiten haben dazu einen wunderbaren Artikel geschrieben: &ldquo;Coronaleugner unter sich: ohne Maske feiern mit Elon Musk&rdquo;) und wie Barbara Sch&ouml;neberger ihn so begr&uuml;&szlig;te als w&auml;re er eine Art Kolonialherr, der alle Reicht&uuml;mer des Landes ernten darf. Peinlich. Richtig peinlich. Und da fragte ich mich, wie das sein kann. Denn w&auml;re Musk ein Russe oder ein Chinese w&uuml;rden alle aufstehen und protestieren. Ich vermute, das schafft eben diese st&auml;ndige Medienpr&auml;senz: wir wollen so sein wie sie, wir beugen uns, wir gehorchen und am Ende sprechen wir so wie sie. Ich k&ouml;nnte hier viele andere Beispiele ausf&uuml;hren aber mir geht es nur um eines: Bewusstsein. Und bevor hier der Shitstorm (an dieser Stelle ist der Anglizismus unersetzlich) ausbricht (ich werde nicht darauf antworten) m&ouml;chte ich euch nur dazu einladen, mit eurer eigenen Sprache bewusster umzugehen. Ich halte nichts von Sprachregelung, jeder sollte so sprechen wie er will. Aber wenn manche so eifrig gendern, k&ouml;nnte man auch bei Gelegenheit ber&uuml;cksichtigen, dass Amerika ein Kontinent ist und demzufolge der Pr&auml;sident der &ldquo;US-Pr&auml;sident&rdquo; ist und nicht der &ldquo;amerikanische&rdquo; Pr&auml;sident. Aber nur freiwillig. Ich w&uuml;nschen euch allen einen sch&ouml;nen Sonntag!<\/p><p>Cristian Rojas Contardo<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>2. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Lieber Albrecht M&uuml;ller,<\/p><p>Nun habe ich in meinem Studium und Berufsleben seit zig Jahren mit dem Lesen und Bewerten von angels&auml;chsischer naturwissenschaftlicher Literatur&nbsp; zu tun und verstehe diese Sprache als kommunikationsmittel weltweit. F&uuml;r politisch Interessierte empfehle ich hier auch &ldquo;monthlyreview&rdquo; und &ldquo;climateandcapitalism.com&rdquo;.<\/p><p>Die von Ihnen beschriebene Situation lie&szlig; mich sofort an die pseudolinksliberalen Selbstgerechten denken, die sich sprachlich (mit teils erfundenen Anglizismen) von der Mehrheit der Menschen hier im Lande unterscheiden\/abspalten wollen um ihr elit&auml;res Gehabe in den Vordergrund zu stellen.<\/p><p>Solidarisch<br>\nArmin Christ<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>3. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Lieber Herr M&uuml;ller,<\/p><p>hiermit meine Zustimmung zu Ihren Worten! Leider meint man in Deutschland, dass alles, was aus den USA kommt (nicht unbedingt aus Gro&szlig;britannien) besser ist. Dazu geh&ouml;rt auch die Sprache. Anders als die Franzosen, misstraut man in Deutschland der eigenen Sprache und w&auml;hnt, auf Deutsch lie&szlig;en sich gewisse Dinge nicht so gut ausdr&uuml;cken. Fr&uuml;her sagte man DNS und RNS. Heute DNA und RNA. Aber wer kann denn schon DNA richtig aufl&ouml;sen, ein Wort, in dem das A f&uuml;r Acid steht.<\/p><p>Wie weit es gekommen ist, zeigt leider auch das letzte Buch der von Ihnen wie von mir so gesch&auml;tzten Sahra Wagenknecht. Dazu aus meiner <a href=\"https:\/\/www.tabularasamagazin.de\/sahra-wagenknechts-neues-buch-die-selbstgerechten\/\">Besprechung<\/a>:<\/p><p><strong>Dem Globish an die Schulter geworfen<\/strong><\/p><p>Auch dieses Buch aus der Feder von Sahra Wagenknecht ist sehr gut geschrieben und leicht zu lesen. Man muss nicht aus der akademischen Mittelschicht kommen, um es mit gro&szlig;em Gewinn zur Kenntnis zu nehmen. Etwas verwunderlich ist allerdings, dass die Verfasserin sich im aktuellen Buch dem Globish (Rumpf-Englischen), ja sogar einer gewissen Jugendsprache, so ausgiebig an die Schulter wirft. Wagenknechts Buch ist doch zumal f&uuml;r diejenigen geschrieben, die nicht studiert haben, warum dann neben anderen all diese Anglizismen (deutsche Alternativen in Klammern):<\/p><p>Famili&auml;rer Background (statt Hintergrund), Shitstorm (Sturm der Entr&uuml;stung), up to date (auf der H&ouml;he der Zeit), Rollback (R&uuml;ckschritt), Jobs (Arbeitspl&auml;tze), Outsourcing (Auslagerung), Ranking (Platzierung), Player (Akteure), know-how (Fachwissen, Kompetenz), Tickets (Karten), Output (Arbeitsergebnis), gesplittet (geteilt, aufgeteilt), Level (Niveau, warum nicht mal franz&ouml;sisch?) failed state (gescheiterter Staat, Schurkenstaat), Pipeline (Leitung, Rohrleitung), Win-win-Situation (f&uuml;r beide Seiten von Gewinn), Nanny (Tagesmutter)<\/p><p>Zum linken Wertkonservatismus, f&uuml;r den Wagenknecht wirbt, geh&ouml;rt eben auch, dass man die M&ouml;glichkeiten der eigenen Sprache aussch&ouml;pft und sich nicht den Einfl&uuml;sterungen der heimatlosen Globalisierten ausliefert, deren einziges Zuhause die M&auml;rkte der Welt sind. Mit den oben zusammengestellten und tausenden anderen Worten unterwandert und erreicht eine gewisse marktkonforme angels&auml;chsische Konzernkultur letztlich auch das Denken der Menschen, die w&auml;hnen, sie seien bereits dann up-to-date, wenn sie das globalische Neusprech ausgiebig mitreden.<\/p><p>Bei aller Kritik: Alle Kritik ist leicht &ndash; politisches Gestalten ist unendlich viel schwerer. An Wagenknechts Pr&auml;misse, etwas daf&uuml;r tun und schreiben zu wollen, dass die Linke wieder st&auml;rker wird, prallen manche der oben ge&auml;u&szlig;erten Kritikpunkte ab. Die politische Linke ist gut beraten, &bdquo;Die Selbstgerechten&ldquo; genau zu lesen, statt mit eingefahrenen Abwehrfloskeln um sich zu werfen.<\/p><p>Beste Gr&uuml;&szlig;e aus Hamburg<br>\nKarim Akerma<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>4. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrter Herr Albrecht M&uuml;ller,<\/p><p>in Ihrem Artikel &bdquo;Location&ldquo;, &bdquo;Ticketing&ldquo;, &bdquo;documenta fifteen&ldquo; &ndash; das ist die deutsche Sprache bei Deutschlandfunk Kultur, sprechen Sie die Geringsch&auml;tzung der deutschen Sprache an.<\/p><p>Da ich in meinem Leben schon immer kreativ, k&uuml;nstlerisch t&auml;tig war und deshalb Einblick in die K&uuml;nstlerszene habe, verstehe ich das Verh&auml;ltnis zu unserer Sprache und Kultur aus einer anderen Perspektive.<\/p><p>Die deutsche Kultur leidet nach wie vor an dem Makel, den die Zeit des Nationalsozialismus hinterlassen hat.<\/p><p>Wer identifiziert sich schon gerne mit Unmenschen und spricht deren Sprache.<\/p><p>Englisch ist &ldquo;Weltsprache&rdquo;, da es die Sprache des &ldquo;Business&rdquo; ist. <\/p><p>Mit Englisch gibt man sich weltoffen, gebildet und international, was erst recht f&uuml;r den Kunstmarkt, den Markt der Eitelkeiten par excellence gilt.<\/p><p>Kunst war schon immer die Hure ihrer Geldgeber und K&uuml;nstler gelten heute als idealtypisch f&uuml;r den vom Neoliberalismus angepriesenen, sich selbst vermarktenden Unternehmer. <\/p><p>Wobei das Ergebnis dieses Marktes, der ja bekanntlich alles mit g&ouml;ttlicher Hand regelt, das selbe ist wie gesamtgesellschaftlich. <\/p><p>Ein Heer von verarmten Habenichtsen m&uuml;ht sich vergeblich um Wertsch&auml;tzung und Anerkennung, w&auml;hrend ein paar wenige im Geld schwimmen. <\/p><p>Was Kunst ist, wird nicht von der Gesellschaft bestimmt, sondern von Kapitalisten, die neben Aktien ihr Geld auch gerne in Kunst anlegen. <\/p><p>Da das &ldquo;Big Business&rdquo; global agiert, spricht man in diesem Markt englisch.<\/p><p>K&uuml;nstler, die es zu etwas bringen wollen, sind gehalten ihre Biografien und Werksvorstellungen(&ldquo;about&rdquo;) in Englisch abzuhalten. <\/p><p>Moderne K&uuml;nstler Pr&auml;sentationen entsprechen der Businessversion, die die Geldgeber (Gesch&auml;ftsleute) von ihrer T&auml;tigkeit her gewohnt sind. <\/p><p>Der Kunstmarkt ist in der Hand der globalen Kapitalisten und jeder Akteur auf diesem Markt, also auch die Veranstalter und Kuratoren von Ausstellungen und Messen orientieren sich an den Gepflogenheiten dieses Marktes. <\/p><p>Ein paar &Uuml;berbleibsel von der Zeit als die Sprache der Kunst noch franz&ouml;sisch war gibt es noch, weshalb man eine &ldquo;Vernissage&rdquo; besucht, die aber schon schwer in Bedr&auml;ngnis zur Konkurrenz, dem &ldquo;Event ger&auml;t. <\/p><p>Ein weiterer gewichtiger Grund f&uuml;r die Vereinnahmung unserer Kultur durch die englische Sprache ist der Kulturimport vor allem aus amerikanischer Produktion. <\/p><p>Die Film und Musikbranche werden von der amerikanischen Unterhaltungsindustrie dominiert, weshalb viele Deutsche mit einem &ldquo;cool&rdquo; goutieren, wenn ihnen etwas gef&auml;llt. <\/p><p>Die Inflation der deutschen Sprache wird durch die Invasion solcher Anglizismen vorangetrieben und bewirkt ein ver&auml;ndertes Selbstverst&auml;ndnis mancher Deutscher, die Deutschland vielleicht gerne als 51. Bundesstaat der USA sehen w&uuml;rden. &nbsp;<\/p><p>Diese Affinit&auml;t erscheint mir auch ein wichtiger Faktor in der deutschen Politik zu sein, was sich am deutlichsten im deutschen Wohlverhalten zu amerikanischen Untaten (v&ouml;lkerrechtswidrigen Invasionen, Regimechange, NSA Abh&ouml;rpraktiken etc.) zeigt. <\/p><p>Mit den neuen Medien der Digitalindustrie und dem Internet schreitet die Vereinnahmung durch die englische Sprache mit gro&szlig;en Schritten voran und wird &uuml;ber kurz oder lang zur Zweisprachigkeit f&uuml;hren. <\/p><p>Wie lange deutsches Kulturgut dann noch gesch&auml;tzt wird, ist schwer zu sagen. <\/p><p>Es w&uuml;rde schon helfen, wenn deutsche Kulturmedien wie der DLF unser Kulturgut so f&ouml;rdern w&uuml;rde, wie beispielsweise die Schweizer Medien das Schwyzerd&uuml;tsch.<\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nJD<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>5. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Guten Tag,<\/p><p>dem Ver&ouml;ffentlichten kann ich nur aus ganzem Herzen zustimmen.&nbsp; Ich liebe meine Muttersprache aber auch die anderen Sprachen, die ich im Laufe meines Lebens erlernte &ndash; immer die Passende, wo sie hingeh&ouml;rt.<\/p><p>Gru&szlig;<br>\nAngelika Blahak<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>6. Leserbrief<\/strong><br>\nLieber Herr M&uuml;ller, <\/p><p>Sie schreiben:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Mit diesem Beitrag will ich nicht Deutscht&uuml;meln.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Das Bestehen auf die eigene Sprache, auf Sprachpflege, ist keine T&uuml;melei. F&uuml;r mich nicht. Schon seit Jahrzehnten geht mir das zunehmende Eindringen einer bestimmten Fremdsprache, heute der englischen, auf die Nerven. Seit ein paar Jahren, in denen mir u.a mit Hilfe von Medien wie den NDS die Eroberung der Welt durch die neoliberalen Ideologie bewusst wurde, sehe ich das Englische als geistige Besatzung, als Propaganda f&uuml;r diese Ideologie, f&uuml;r &ldquo;business&rdquo;, &ldquo;way of life&rdquo;. Klar, dass den meisten, die mit Anglizismen angeben, nicht bewusst ist, dass sie diese Ideologie f&ouml;rdern. Aber ich sehe es und es tut mir weh. <\/p><p>Als Kind erlebte ich, wie mit dem Franz&ouml;sischen angegeben wurde. Mit franz&ouml;sischen W&ouml;rtern und Phrasen zeigte man sich als gebildeter Mensch. Damals war bei uns Franz&ouml;sisch auch die erste Fremdsprache im Unterricht. Das &auml;nderte sich aber bald. <\/p><p>&Uuml;brigens: Ich habe Englisch in der Schule unterichtet und jede Menge englische B&uuml;cher gelesen, habe England, Wales, Irland und Schottland bereist, die USA sind ein Traum geblieben: Ich mag diese L&auml;nder und finde ihre Kultur interessant. (Das war der &ldquo;disclaimer&rdquo; <\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nBernhard Meyer<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>7. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Hallo Herr M&uuml;ller<\/p><p>Sind wir ehrlich: dass heute alles in Englisch benannt wird, r&uuml;hrt doch einfach von der allgegenw&auml;rtigen Managementmentalit&auml;t her.<\/p><p>Selbst der Kunstbetrieb braucht heute ein Management, also Betriebswirtschaftler, Finanzlfacheute und weiss ich wen alles, deren &uuml;berwiegendes (englische) Vokabular dann &uuml;berall zur Anwendung kommt.<\/p><p>Jedes &lsquo;Event&rsquo; muss lukrativ sein, alles von vorne bis hinten durchkalkuliert und auf Profit getrimmt sein. Es geht doch l&auml;ngst nicht mehr um die Kunst an und f&uuml;r sich, sondern um die mit ihr erzielbaren Gewinne. So ist halt auch l&auml;ngst die Documenta zu einer Melkkuh f&uuml;r irgendwelche Renditej&auml;ger geworden. Dass alles heute so &lsquo;cool&rsquo; und &lsquo;hip&rsquo; daherkommt, voll mit Anglizismen eben, ist doch der Offenbarungseid f&uuml;r die &Ouml;konomisierung aller Aspekte unseres Lebens.<\/p><p>Das hat von mir aus gesehen weniger mit der Sprache selbst als mit der mehr oder weniger versteckten Ideologie, die hinter all diesen Projekten steht, zu tun.<\/p><p>Liebe Gr&uuml;sse<br>\nPascal Spring<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>8. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrter Herr M&uuml;ller,<br>\nSehr geehrte Leserbriefredaktion,<\/p><p>Sie bem&auml;ngeln zu Recht das anlasslose &bdquo;Denglisch&ldquo;, dessen sich die Redaktion von Deutschlandfunk Kultur befleissigt und offensichtlich auch die Generaldirektorin der 15. Documenta, die man wohl treffender als &bdquo;Kulturmanagerin&ldquo; bezeichnen sollte. Hier hat die denglische Berufsbeschreibung durchaus Sinn, da sie den elenden Charakter einer solchen T&auml;tigkeit in einem Wort zusammenfasst: Kultur als Gesch&auml;ft der Imagepflege f&uuml;r gro&szlig;angelegten legalen Steuerentzug. Frau Schormann war 18 Jahre ihres Berufslebens Direktorin der Nieders&auml;chsischen Sparkassenstiftung und der VGH-Stiftung (VGH Versicherung), &bdquo;mildt&auml;tige&ldquo; Stiftungen aus den Verm&ouml;gen, die aus Geld-und Versicherungsgesch&auml;ften hervorgegangen sind. Das mag den Geist der studierten Germanistin so sehr getr&uuml;bt haben, dass sie die Idiotie ihrer Diktion gar nicht reflektiert, ein Armutszeugnis, welches sich auch Deutschlandfunk Kultur ausstellt. Hop oder top mag irgendwie Englisch klingen, aber man sagt: it&rsquo;s a matter of sink or swim auf Englisch. Das ist nat&uuml;rlich nicht so flott wie hopp oder top, oder wie: es geht um die Wurst, oder treffender: Wird es 2022 eine Dokumenta 15 geben? Der Stand der Dinge.<\/p><p>Wir haben uns schon viel zu lange an journalistische Idiotien wie &bdquo;am Ende des Tages&ldquo; (at the end of the day), hei&szlig;t auf gut Deutsch: &bdquo;letztendlich&ldquo;, oder &bdquo;in 2021&ldquo; (korrekt heisst das &bdquo;im Jahr 2021&ldquo;, oder schlichtweg 2021) gew&ouml;hnt. Da werden Dinge &bdquo;geh&auml;ndelt&ldquo; anstatt bearbeitet oder gehandhabt. Die &bdquo;location&ldquo; kennt man aus der Filmbranche, aber man kann genauso gut von einem Drehort sprechen. Oder in diesem Zusammenhang von Ausstellungsorten. Ja, man kommt sich vor, wie in der Nachkriegszeit, als es schick war usamerikanische Zigaretten zu rauchen, oder Coca-Cola zu trinken, konnte man sich doch so mit dem Besatzer identifizieren, und brauchte nicht die eigene Geschichte und Situation zu reflektieren. Die besinnungslose &Uuml;bernahme von Pseudoanglizismen oder Pseudoamerikanismen ist eine geistige Unterwerfung und der Mangel an kritischem Denken, es ersetzt analytisches Denken, es ist der Reflex eines provinziellen Spie&szlig;ers, der sich ganz schnell und opportunistisch auf die politische und soziale Gro&szlig;wetterlage einstellt, alles nachplappert und allen anderen signalisiert, dass er die Anpassungsanforderungen des Zeitgeistes verstanden hat, und sich sozial unterscheiden m&ouml;chte von all denen, die es noch nicht kapiert haben, wohin die Herde zu laufen hat. Es ist die geistige Einstellung von Menschen, die gar nicht wissen, wovon sie sprechen, und deren Einlassungen auch inhaltlich nichts Sinnvolles mitteilen.<\/p><p>Im Grunde sind all diese Leute, die sich wahrscheinlich &bdquo;up-to-date&ldquo; oder &bdquo;cool&ldquo; vorkommen, nichts weiter als die in den 1960-er und 1970-er Jahren so geschm&auml;hten Spie&szlig;er der 1950-er Jahre. Der Spie&szlig;er ist der Opportunist schlechthin. <\/p><p>Zu dem Namen der n&auml;chsten Dokumenta m&ouml;chte ich aber noch anmerken, dass diese tats&auml;chlich offiziell &bdquo;Documenta fifteen&ldquo; hei&szlig;t. Schauen Sie sich die Webseite mit dem graphisch und gestalterisch erb&auml;rmlichen Signet der Documenta 15 an, f&uuml;r die eine indonesische K&uuml;nstlergruppe verantwortlich zeichnet. Ein Blick auf die Documenta-Webseite mit den Signets seit der ersten Documenta (Retrospektive) zeigt ihnen, dass man bei den ersten drei Ausstellungen noch das kleine &bdquo;d&ldquo; als Signet benutzt hat, ganz in der Baushaustradition. In den Folgejahren wurde das durch graphische Spielereien ersetzt, die einer Gro&szlig;ausstellung zeitgen&ouml;ssischer Kunst einfach gestalterisch nicht angemessen sind. Sp&auml;testens seit 2002 (Agenda ick h&ouml;r dir trapsen) ist den Verantwortlichen nichts mehr eingefallen. Die Veranstaltung driftet schon seit Jahren in eine propagandistische Megamassenveranstaltung ab. Hatte je auch nur irgend ein Kunstwerk, welches in Kassel zu sehen war, egal wie kritisch es sich gab, auch nur den leisesten kulturellen Effekt in der &Ouml;ffentlichkeit? Die Documenta ist eine international ausgerichtete Gro&szlig;veranstaltung wie das M&uuml;nchner Oktoberfest. Man z&auml;hlt die Besucher, vor allen Dingen die Besucher aus dem Ausland. Das Publikum besteht vorwiegend aus der Klientel, die Frau Wagenknecht j&uuml;ngst in ihrem letzten Buch kritisiert hat. Finanziell ist es sich f&uuml;r die Veranstalter allerdings in den letzten Jahren nicht ausgegangen, wie man so sch&ouml;n auf &Ouml;sterreichisch sagt. Und nun droht &bdquo;Corona&ldquo;, pr&auml;ziser gesagt, der politische Schwindel der Corona-Ma&szlig;nahmen der Massenveranstaltung einen Strich durch die Rechnung zu machen. Aber daf&uuml;r gibt es auch schon denglische Abhilfe, n&auml;mlich das &bdquo;Ticketing&ldquo;. Der Begriff stammt aus der englischsprachigen Reisebranche und bedeutet &bdquo;Buchung&ldquo;. Der Zugang zu den Ausstellungsorten wird einfach begrenzt, indem man nur eine begrenzte Anzahl von Besuchern pro Ausstellungsort und Tag zul&auml;sst, was durch die Vergabe von vorher sicherlich digital zu buchenden Eintrittskarten gesteuert wird. Ein toller Feldversuch f&uuml;r die &Uuml;berwachung und Steuerung von Massenveranstaltungen. Und all das nat&uuml;rlich im Dienste der Gesundheit. Und man hat auch gleich so ein harmlos klingendes cooles Wort daf&uuml;r. F&uuml;r den Ausschlu&szlig; von Menschen, und ihre &Uuml;berwachung. Merken Sie sich dieses Wort, wir werden ihm sicherlich wieder begegnen.<\/p><p>Wir haben es hier in erster Linie nicht mit der Verhunzung der deutschen Sprache zu tun, das auch aber nur an der Oberfl&auml;che. Der Kern des Ganzen ist die Verschleierung der Realit&auml;t und kritikw&uuml;rdiger politischer Ziele durch eine Verbabbelung der Sprache, die sich im &uuml;brigen auch in dem Konzeptkauderwelsch der indonesischen Kuratorengruppe ruangrupa widerspiegelt. Nachhaltigkeitsmodelle, kollektive Praktiken des Teilens, klingt alles so niedlich wie die junge Greta aussieht. Praktizieren wir doch alle &bdquo;lumbung&ldquo; und bilden uns ein, dies sei die Zukunft. Bitte erwarten Sie nichts k&uuml;nstlerisch Qualitatives oder Wegweisendes, es ist Zeit daf&uuml;r, dass die Dilettanten aller L&auml;nder ins globale Zentrum (Deutschland ist wieder wer!) der zeitgen&ouml;ssischen Kunst geholt werden, und da sind zB die Mitglieder der Gruppe Fafswag aus Neuseeland: Zitat von der Webseite: Ihre Online-Plattform dokumentiert auf k&uuml;nstlerische Weise, wie Queere pazifische People of Color ihre Identit&auml;ten in den urbanen Landschaften Neuseelands performen., die stellvertretend f&uuml;r dieses Konzept der angeblichen Inklusion stehen. Haben Sie den Satz verstanden? Ich kann mir darunter nichts vorstellen, und ehrlich gesagt, interessiert es mich auch nicht, was neuseel&auml;ndische &ldquo;People of Colour&rdquo; zumal &ldquo;queere&rdquo; so in Neuseeland machen. Wer seine minorit&auml;ren sexuellen Angewohnheiten meint dem gro&szlig;en internationalen Publikum als Kunst verkaufen zu m&uuml;ssen, der mag das so halten, sein existentielles Zwergentum und seine soziale Irrelevanz als progressiv und staatlich f&ouml;rdernswert der Mehrheit der Menschen mit ernsthaften existentiellen Sorgen als heldenhaft und vorbildlich aufzudr&auml;ngen, ist allerdings vollendet l&auml;cherlich und absolut nicht politisch, sondern das Gegenteil davon. Politisch irrelevante Minderheiten hofieren und gleichzeitig die Mehrheit politisch schikanieren und entrechten ist kein Narrativ, welches die Mehrheit t&auml;uschen wird. Dies noch als Mininachtrag zu der verbl&ouml;deten Debatte um die Regenbogenilluminiation des M&uuml;nchner Fu&szlig;ballstadions und den Oberregenbogenspie&szlig;er S&ouml;der. <\/p><p>Inklusion, Nachhaltigkeit, Kollektivit&auml;t,  all das soll dem geneigten akademisch gebildeten Publikum nahegebracht werden. Nat&uuml;rlich nur einem streng ausgew&auml;hlten Publikum. W&auml;hrend verfassungsrechtlich und sozio&ouml;konomisch die bundesdeutsche Lebensrealit&auml;t durch die anmassende DDR-Spie&szlig;erin Merkel und ihre Spie&szlig;kumpane der CDU\/CSU und SPD unterminiert und zerschlagen wird, laufen die Vorbereitungen f&uuml;r die Wallfahrt nach Kassel, wo all diese politischen Monstr&ouml;sit&auml;ten einen kulturellen &Uuml;berbau als Riesenzirkusveranstaltung erhalten und im Sinne der neoliberalen, pseudo&ouml;kologischen Doktrin aus-und umgedeutet werden sollen. Die idiotischen Denglisch-W&ouml;rter sind nur die Splitter des Vexierspiegels, den man uns vorh&auml;lt. Fazit: Arschlecken! Die f&uuml;nfzehnte Documenta boykottieren, und darauf dr&auml;ngen, dass solche Propagandaveranstaltungen nicht mehr mit &ouml;ffentlichen Geldern der deutschen Steuerzahler und Steuerzahlerinnen gef&ouml;rdert werden. Und nat&uuml;rlich den von Parteien und Politikern finanziell abh&auml;ngig gehaltenen &Ouml;R Medien kritisch &ouml;ffentlich heimleuchten, wie Sie Herr M&uuml;ller und Ihr Team dies erfolgreich tun. Die m&uuml;ssen auch vom politisch gesteuerten Finanztropf runter. Und immer nach den politischen Zielen verbl&ouml;deter Debatten und neoliberaler Babbelsprache fragen! <\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nBettina Goebel<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Anmerkung zur Korrespondenz mit den NachDenkSeiten<\/strong><\/p><p>Die NachDenkSeiten freuen sich &uuml;ber Ihre Zuschriften, am besten in einer angemessenen L&auml;nge und mit einem eindeutigen Betreff.<\/p><p>Es gibt die folgenden Emailadressen:<\/p><ul>\n<li><a href=\"mailto:leserbriefe@nachdenkseiten.de\">leserbriefe(at)nachdenkseiten.de<\/a> f&uuml;r Kommentare zum Inhalt von Beitr&auml;gen.<\/li>\n<li><a href=\"mailto:hinweise@nachdenkseiten.de\">hinweise(at)nachdenkseiten.de<\/a> wenn Sie Links zu Beitr&auml;gen in anderen Medien haben.<\/li>\n<li><a href=\"mailto:videohinweise@nachdenkseiten.de\">videohinweise(at)nachdenkseiten.de<\/a> f&uuml;r die Verlinkung von interessanten Videos.<\/li>\n<li><a href=\"mailto:redaktion@nachdenkseiten.de\">redaktion(at)nachdenkseiten.de<\/a> f&uuml;r Organisatorisches und Fragen an die Redaktion.<\/li>\n<\/ul><p>Weitere Details zu diesem Thema finden Sie in unserer &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?page_id=47939\">Gebrauchsanleitung<\/a>&ldquo;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hier sind die Leserbriefe zum Beitrag &uuml;ber unseren <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=73967\">leichtfertigen und unn&ouml;tigen Sprachgebrauch<\/a>. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[103],"tags":[],"class_list":["post-74027","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-leserbriefe"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/74027","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=74027"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/74027\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":74033,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/74027\/revisions\/74033"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=74027"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=74027"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=74027"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}