{"id":7429,"date":"2010-11-22T14:28:41","date_gmt":"2010-11-22T13:28:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=7429"},"modified":"2019-07-05T11:35:54","modified_gmt":"2019-07-05T09:35:54","slug":"griechenland-nach-den-kommunalwahlen-i","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=7429","title":{"rendered":"Griechenland nach den Kommunalwahlen (I)"},"content":{"rendered":"<p>Die Kommunalwahlen vom  7. und 14. November sind ein geeigneter Anlass, um die Entwicklung der &ouml;konomischen Krise, die Krisensymptome des politischen Systems und die Reaktionen der griechischen Gesellschaft etwas genauer einzusch&auml;tzen. Und das nicht nur, weil Ministerpr&auml;sident Giorgos Papandreou diese Wahlen zum potentiellen &bdquo;Vertrauensbeweis&ldquo; f&uuml;r seine Politik der Krisenbew&auml;ltigung ausgerufen hat. Nur einen Tag nach dem zweiten Wahlgang wurden die neuesten Zahlen ver&ouml;ffentlicht, die Eurostat f&uuml;r das griechische Haushaltsdefizit des Jahres 2009 ermittelt hat. Das belief sich auf 15,4 des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und nicht auf 13,6 Prozent wie bisher angenommen. Ebenfalls am 15. November traf in Athen die Delegation der &bdquo;Troika&ldquo; (EU-Kommission, EZB und IWF) ein, die mit der griechischen Regierung unter anderem zu diskutieren hat, wie sich die um 1,8 Prozent nach oben korrigierte Staatschuld auf Haushaltsplanung und Verschuldung f&uuml;r 2010 und die darauffolgenden Jahre auswirkt. Von Niels Kadritzke<br>\n<!--more--><br>\nZun&auml;chst seien die wichtigsten Ergebnisse der Kommunalwahlen dargestellt.<\/p><ol>\n<li>Die Pasok lag im ersten Wahlgang um zwei Prozent vor der konservativen Nea Dimokratia (ND), die mit diesen Wahlen ihr politisches Comeback einleiten wollte, nachdem sie bei den nationalen Wahlen im Oktober 2009 f&uuml;r die miserable Bilanz der Regierung Karamanlis abgestraft worden war.<\/li>\n<li>Am zweiten Wahlsonntag konnte die Pasok ihren knappen Vorsprung gegen&uuml;ber der ND leicht ausbauen und bei der Stichwahl in wichtigen Provinzen und Kommunen in unerwartete Erfolge umm&uuml;nzen. In den (neugebildeten) 13 Provinzen (Peripherien genannt) konnte die Pasok acht Pr&auml;fekturen erobern, die ND dagegen nur f&uuml;nf.<\/li>\n<li>Die &Uuml;berraschung der zweiten Runde war der Sieg der von der Pasok unterst&uuml;tzten Kandidaten in den beiden Metropolen Athen und Thessaloniki. Symbolisch noch bedeutsamer war jedoch der Sieg des Regierungslagers in der Region Attika, in der fast ein Drittel aller griechischen W&auml;hler leben. Hier schlug der Pasok-Kandidat einen ehemaligen Pasok-Abgeordneten aus dem Rennen, der im Fr&uuml;hjahr im Parlament gegen das Sparprogramm der Regierung Papandreou gestimmt hatte und deshalb hoffte, einen Gro&szlig;teil der unzufriedenen Pasok-W&auml;hler f&uuml;r sich zu gewinnen.<\/li>\n<li>Der Abstand zwischen Pasok und ND bei den Kommunalwahlen ist knapper als der Vorsprung, den aktuelle Umfragen der Regierungspartei in der &bdquo;Sonntagsfrage&ldquo;, also f&uuml;r nationale Parlamentswahlen bescheinigen. Hier f&uuml;hrt die Pasok nach wie vor solide mit rund 5 Prozent, allerdings auf niedrigem Niveau: Die Pasok liegt bei knapp 30, die ND bei knapp 25 Prozent. Damit k&auml;men beide Parteien zusammen nicht einmal mehr auf 60 Prozent der abgegebenen Stimmen. Hier zeichnet sich eine Erosion eines vormals ehernen Zwei-Parteien-Systems ab, das die politische Landschaft Griechenlands in den letzten Jahrzehnten gepr&auml;gt und f&uuml;r einen (unregelm&auml;&szlig;igen) Machtwechsel zwischen der gro&szlig;en Mitterechtspartei ND und der gro&szlig;en Mittelinkspartei Pasok gesorgt hat.<\/li>\n<li>Die etablierten linken Parteien konnten von der tiefgreifenden sozio&ouml;konomischen Krise und der Krisenpolitik der Regierung nur sehr begrenzt profitieren. Die kommunistische KKE kommt im Landesdurchschnitt zwar auf 11 Prozent, aber der Zuwachs von 4 Prozent gegen&uuml;ber den Parlamentswahlen von 2009 erkl&auml;rt sich gro&szlig;enteils aus der niedrigen Wahlbeteiligung, die eine stramme Kaderpartei mit einem diszipliniertem W&auml;hlerstamm stets beg&uuml;nstigt. Der zweite linke Block (den man in Abgrenzung zur KKE die demokratische Linke nennen k&ouml;nnte) trat mit drei (bzw. vier, wenn man die Gr&uuml;nen mitrechnet) Listen an, die insgesamt nur etwa 7 Prozent der W&auml;hlerstimmen sammeln konnten.<\/li>\n<li>Das Hauptmerkmal dieser Wahlen war die massive Wahlabstinenz und die Rekordzahl der ung&uuml;ltigen Stimmen. Im ersten Wahlgang lag die Wahlbeteiligung nur knapp &uuml;ber 60 Prozent, im zweiten sank sie sogar auf 44,1 Prozent. Noch krasser war die Wahlabstinenz in den st&auml;dtischen Ballungsgebieten: In Athen und Pir&auml;us beteiligte sich am 14. November nicht einmal ein Drittel der Wahlberechtigten, obwohl es in beiden Gro&szlig;kommunen um eine Stichwahl zwischen Pasok- und ND-Kandidaten ging.<\/li>\n<li>Ebenso signifikant ist die Zahl der ung&uuml;ltigen oder &bdquo;wei&szlig;en&ldquo; Stimmzettel, die im griechischen Wahlsystem als Proteststimmen zu werten sind. W&auml;hrend diese Zahl bei fr&uuml;heren Wahlen stets unter der 3-Prozent-Grenze lag, stieg sie jetzt im ersten Wahlgang auf 9,1 und im zweiten sogar auf 10,9 Prozent.<\/li>\n<li>Das Ausma&szlig; der Wahlabstinenz und der Proteststimmen wird erst deutlich, wenn man zum Vergleich die Parlamentswahlen im Oktober 2009 heranzieht. Von den rund sieben Millionen W&auml;hlern, die damals ihre Stimme abgaben, blieben ein Jahr sp&auml;ter mehr als eine Million zu Hause, w&auml;hrend sich 600 000 B&uuml;rger zu einer Proteststimme entschlossen.<\/li>\n<li>Betrachtet man die Bilanz der Pasok, so hat die Regierungspartei im ersten Wahlgang etwa 1,25 Millionen Stimmen verloren, davon gut die H&auml;lfe an das Lager der Nichtw&auml;hler. Und auch der zweite Wahlgang enth&auml;lt eine bittere Lektion: Die noch geringere Wahlbeteiligung zeigt an, dass ein Gro&szlig;teil der linken W&auml;hler bei der Stichwahl zu Hause blieb, statt die Pasok als das &bdquo;kleinere &Uuml;bel&ldquo; zu w&auml;hlen.<\/li>\n<\/ol><p>F&uuml;r die Regierungspartei l&auml;sst sich das Ergebnis in einem Satz zusammenfassen: Mit den Stimmen von etwa 21 Prozent der Wahlberechtigten wurde sie zwar &bdquo;st&auml;rkste Partei&ldquo;, unterlag aber klar dem Block der Nicht- und Protestw&auml;hler.<br>\nEin &bdquo;Vertrauensbeweis&ldquo; f&uuml;r das Stabilit&auml;tsprogramm der Regierung, den Papandreou  schon nach dem ersten Wahlgang erkennen wollte, sieht anders aus. Auch die Erfolge in den Stichwahlen &ndash; etwa in Attika, Athen und Thessaloniki &ndash; bedeuten keinesfalls ein Votum f&uuml;r das Regierungsprogramm, wie es Papandreou von den W&auml;hlern vor den Wahlen gefordert hatte. Denn weder in Athen noch in Thessaloniki h&auml;tte die Pasok das B&uuml;rgermeisteramt gewonnen, wenn sie einen Parteikandidaten aufgestellt h&auml;tten. <\/p><p>In Athen gewann der parteilose, hoch geachtete Giorgos Kaminis, der sich als langj&auml;hriger Ombudsman (&bdquo;Anwalt der B&uuml;rger&ldquo; genannt) im Kampf gegen die Korruption ausgezeichnet hatte. Zudem wurde Kaminis von der &Ouml;ko-Partei und der kleinen &bdquo;Demokratischen Linken&ldquo; unterst&uuml;tzt. Das gilt auch f&uuml;r den Sieger von Thessaloniki: Yannis Boutaris, einen gr&uuml;n engagierten Unternehmer, der sich wie Kaminis als scharfer Kritiker der korrumpierten Parteien- und Klientelstaats hervorgetan hat. Boutaris wurde im &Uuml;brigen von der Pasok nur halbherzig unterst&uuml;tzt. Als der orthodoxe Bischof von Thessaloniki erkl&auml;rte, solange er Kirchenoberhaupt sei, werde Boutaris niemals als B&uuml;rgermeister amtieren, verteidigte die Pasok &bdquo;ihren&ldquo; Kandidaten mit keinem Wort gegen den ultra-chauvinistischen &bdquo;despotis&ldquo; (wie der Bischofstitel auf griechisch hei&szlig;t).  <\/p><p>Die Regierungspartei kann sich zwar zugute halten, diese beiden wahrhaft &bdquo;unabh&auml;ngigen&ldquo; Kandidaten unterst&uuml;tzt zu haben, aber deren Sieg beweist keineswegs das Vertrauen in die Regierung Papandreou, sondern viel eher das Misstrauen gegen die alte Parteienherrschaft von Pasok und ND. Das zeigt sich auch darin, dass die Pasok ausgerechnet in ihrer Hochburg Pir&auml;us ihren Parteikandidaten nicht durchbringen konnte. Hier siegte die ND, weil der nach dem 1. Wahlgang noch f&uuml;hrende Pasok-Kandidat in der Stichwahl keine zus&auml;tzlichen W&auml;hler mobilisieren konnte. <\/p><p>Warum Papandreou die November-Wahlen &uuml;berhaupt zum plebiszit&auml;ren Vertrauensvotum f&uuml;r die Krisenpolitik seiner Regierung stilisiert hat, ist vielen Beobachtern in Athen ein R&auml;tsel geblieben. Da die Stimmung im Lande auch der Regierung bekannt war, h&auml;tte man eher erwartet, dass sie die Bedeutung der kommunalen Abstimmungen herunterspielt. Stattdessen drohte Papandreou Anfang November f&uuml;r den Fall eines unangenehmen Wahlresultats ganz offen mit Parlamentswahlen.<\/p><p>Diese Drohung wurde von vielen W&auml;hlern als &bdquo;Erpressung&ldquo; empfunden und d&uuml;rfte die Wahlabstinenz eher verst&auml;rkt haben. Tats&auml;chlich hatte Papandreous &bdquo;Ultimatum&ldquo; kurz vor den Wahlen nur einen Adressaten: die Pasok-Stammw&auml;hler, von denen nach parteiinternen Umfragen weniger als die H&auml;lfte zu den Urnen gehen wollten. Aus der Parteif&uuml;hrung war sogar die Interpretation zu h&ouml;ren, Papandreou habe speziell die Pasok-Gefolgschaft in Attika mobilisieren wollen. Dort zeigten die Umfragen noch Ende Oktober den unabh&auml;ngigen Kandidat Yiannis Dimaras in F&uuml;hrung. Dieser ehemalige Pasok-Abgeordnete hatte im Mai 2010 im Parlament gegen das Sparprogramm seiner Regierung gestimmt hatte und war daraufhin aus der Partei ausgeschlossen worden. Hier drohte die Gefahr, dass der Pasok-Kandidat Yiannis Sgouros nicht einmal die Stichwahl erreichen w&uuml;rde.<\/p><p>Nachdem Sgouros im ersten Wahlgang den Dissidenten Dimaras aus dem Rennen werfen konnte, streute Papandreous Umgebung die Einsch&auml;tzung, nur die Drohung mit Neuwahlen habe die Pasok-Basis mobilisiert und der Partei eine gro&szlig;e Blamage erspart. Diese kaum beweisbare Behauptung beinhaltet ein bemerkenswertes Eingest&auml;ndnis: Offenbar war die Abneigung der Pasok-Anh&auml;nger gegen Neuwahlen der beste Ansatzpunkt, um sie bei den &ndash; politisch weitgehend unverbindlichen &ndash; Kommunalwahlen an die Urnen zu bringen. Mit anderen Worten: Die Regierung hat die Angst des eigenen Lagers vor einem echten Vertrauenstest in einen Vertrauensbeweis umgem&uuml;nzt. Diese akrobatische Argumentation steht exemplarisch f&uuml;r die Paradoxien des griechischen politischen Systems im Zeitalter der Krise.<\/p><p>Der Zustand dieses politischen Systems l&auml;sst sich so zusammenfassen: <\/p><ol>\n<li>Die Regierung hat keine gesellschaftliche Mehrheit hinter sich, weil ihre Krisenpolitik nicht nur als ungerecht empfunden wird, sondern auch kein Konzept f&uuml;r die &Uuml;berwindung der Krise die R&uuml;ckkehr zu wirtschaftlichem Wachstum erkennen l&auml;sst.<\/li>\n<li>Noch unbeliebter ist nur die konservative Opposition, die zu Recht f&uuml;r die Krise der Staatsfinanzen verantwortlich gemacht wird. Deshalb ist die Ablehnung des Pasok-Sparprogramms durch die neue ND-F&uuml;hrung unter Antonias Samaras auch f&uuml;r viele konservative W&auml;hler v&ouml;llig unglaubw&uuml;rdig, zumal Samaras selbst der abgew&auml;hlten Regierung Karamanlis angeh&ouml;rte, ohne deren unverantwortliche Haushaltspolitik zu kritisieren. Der relative Misserfolg der ND hat die &bdquo;abtr&uuml;nnige&ldquo; Dora Bakoyanni ermutigt, die Gr&uuml;ndung einer neuen Mitterechts-Partei voranzutreiben. Eine Woche nach dem 2. Wahlgang stellte die ehemalige Au&szlig;enministerin der Regierung Karamanlis ihre &bdquo;Demokratische Allianz&ldquo; (Dimokratiki Symmachia, oder DS) vor, der bereits der erste ND-Abgeordnete der DS beigetreten ist. Sollte die DS Fraktionsst&auml;rke erreichen, wird in Athen nicht ausgeschlossen, dass die Partei sich irgendwann als Koalitionspartner der Pasok anbietet (Bakoyanni hatte im Fr&uuml;hjahr dem Pasok-Sparprogramm Parlament zugestimmt und war daraufhin aus der ND ausgeschlossen worden).<\/li>\n<li>Die Linke kann von der Krise kaum profitieren, weil sich die KKE in steriler Polemik gegen den Imperialismus und Plutokratie und speziell gegen die EU ersch&ouml;pft, und weil auch die demokratische Linke eine Antwort auf die Frage schuldig bleibt, wie der unbestreitbar drohende Staatsbankrott mit einem &bdquo;gerechteren&ldquo; Programm abgewendet werden k&ouml;nnte.<\/li>\n<li>Erstaunlich ist &ndash; jedenfalls auf den ersten Blick &ndash; dass die Krise den latenten Rechtsradikalismus in der griechischen Gesellschaft noch nicht st&auml;rker aktiviert hat. Das liegt zum Teil daran, dass die ND-F&uuml;hrung unter Samaras einen Rechtsruck vollzogen hat und die rechtsradikale Partei Laos &ndash; etwa mit ihren Parolen gegen die &bdquo;&Uuml;berfremdung&ldquo; durch Migranten &ndash; klein halten konnte. Zudem konnte die Laos, die 2009 bei den Parlamentswahlen 5,6 Prozent erzielen konnte, wegen ihrer Zustimmung zum Sparprogramm der Regierung keine neuen Proteststimmen binden. Bedrohlich ist allerdings das Potential der militanten Neonazi- Organisation &bdquo;Chrysi Avghi&ldquo; (&bdquo;goldene Morgend&auml;mmerung&ldquo;), die in Athener Stadtbezirken mit hohem Migrantenanteil auf &uuml;ber 8 Prozent kam und einen Abgeordneten ins Athener Stadtparlament bringen konnte. Hier zeichnet sich erstmals eine echte rechtsradikale Gefahr ab.<\/li>\n<li>Die Macht des Faktischen in Gestalt der seit Jahren akkumulierten Staatsverschuldung ist mittlerweile so erdr&uuml;ckend, dass die Reaktion der Gesellschaft sich weniger in offener Emp&ouml;rung und immer st&auml;rker in verbitterter Apathie  ausdr&uuml;ckt. Diese gesamtgesellschaftliche Depression, die man mit der Formel &bdquo;Angst minus Hoffnung&ldquo; kennzeichnen k&ouml;nnte, zeigt sich nicht zuletzt in der schwindenden Sympathie f&uuml;r Streiks und andere gewerkschaftliche Aktivit&auml;ten.<\/li>\n<li>Das Gef&uuml;hl der Aussichtslosigkeit und die Ablehnung der alten politischen Klasse bedingen sich gegenseitig und fusionieren zur heimlichen Sehnsucht nach einer Regierung von &bdquo;Experten&ldquo; oder Technokraten: In den Umfragen sprechen sich seit Monaten &uuml;ber 70 Prozent der Bev&ouml;lkerung f&uuml;r eine solche Regierung als Alternative zur alten &bdquo;Parteienherrschaft&ldquo; aus.<\/li>\n<li>Das erkl&auml;rt zum Teil, warum sich die Kritik an der &bdquo;Troika&ldquo; (EU, EZB, IWF) in Grenzen h&auml;lt. Das &bdquo;Diktat von au&szlig;en&ldquo; wird von den meisten Griechen zwar beklagt, geht aber zunehmend mit der Einsicht einher, dass der alte Klientelstaat mit seiner eingebauten Tendenz zur Verschleuderung &ouml;ffentlicher Gelder fr&uuml;her oder sp&auml;ter implodieren musste. Ein Jahr nach dem Schock des Kassensturzes vom November sind immer mehr Griechen bereit, den &bdquo;Souver&auml;nit&auml;tsverlust&ldquo; gegen&uuml;ber &auml;u&szlig;eren M&auml;chten und letzten Endes gegen&uuml;ber den &bdquo;Finanzm&auml;rkten&ldquo; auf das politische Versagen der eigenen politischen Klasse zur&uuml;ckzuf&uuml;hren, die man jahrzehntelang immer wieder an die Macht gew&auml;hlt hat.<\/li>\n<\/ol><p>Diese Abh&auml;ngigkeit von den &bdquo;Finanzm&auml;rkten&ldquo; wird der griechischen Gesellschaft und ihrer politischen Klasse in beklemmender Regelm&auml;&szlig;igkeit vorgef&uuml;hrt. Das letzte Mal ironischerweise bei dem erw&auml;hnten Versuch Papandreous, seinen Anhang mit der Drohung von Neuwahlen zu mobilisieren: Als der Regierungschef am Abend des 7. November diese Drohung mit der Begr&uuml;ndung zur&uuml;cknahm, er habe bereits im ersten Wahlgang das n&ouml;tige &bdquo;Vertrauensvotum&ldquo; gesp&uuml;rt, wusste alle Welt, dass der Grund ein ganz anderer war: Die Aussicht auf Neuwahlen lie&szlig; den Spread f&uuml;r griechische Staatspapiere (das hei&szlig;t: die Zinsdifferenz zu deutschen Bundesanleihen) bis knapp unter die 10-Prozent-Marke steigen, die er im Mai 2010 &uuml;berschritten hatte. Mit seiner Absage an Neuwahlen reagierte Papandreou also nicht auf das Vertrauen des griechischen W&auml;hlers, sondern auf das Misstrauen der &bdquo;Finanzm&auml;rkte&ldquo;, f&uuml;r die griechische Neuwahlen ein Alptraum sind.<\/p><p>F&uuml;nf Tage sp&auml;ter ver&ouml;ffentlichte die Wirtschaftsagentur Bloomberg das Ergebnis einer Umfrage unter &uuml;ber 1030 Finanzakteuren und &ndash;experten. Demnach hielten Anfang November 71 Prozent der Befragten einen griechischen Staatsbankrott f&uuml;r wahrscheinlich, vier Prozent mehr als einen Monat zuvor. Selbstverst&auml;ndlich kannten &bdquo;die Finanzm&auml;rkte&ldquo; zu diesem Zeitpunkt schon l&auml;ngst die Zahlen, die am 15. November, einen Tag nach dem zweiten Wahlsonntag in Griechenland, von Eurostat in Luxemburg offiziell gemacht wurden: Das Defizit im griechischen Haushaltsjahr 2009 belief sich nicht auf 13,6 Prozent, wie bisher angenommen, sondern auf 15,4 Prozent. Was das f&uuml;r die Sparpolitik der Regierung Papandreou und ihre Verhandlungen mit der Troika bedeutet, wird im n&auml;chsten Beitrag zu untersuchen sein. <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><img decoding=\"async\" style=\"width: 180px; float: left; padding: 0 10px 0 0\" src=\"http:\/\/www.reporter-ohne-grenzen.de\/uploads\/RTEmagicC_Niels_Kadritzke_web_c_Matthias_Bothor.jpg.jpg\" alt=\"Portrait: Niels Kadritzke\" title=\"Niels Kadritzke\"> Niels Kadritzke, Jahrgang 1943, ist Redakteur der deutschen Ausgabe von &bdquo;Le monde diplomatique&ldquo;. Der studierte Politikwissenschaftler und Soziologe war zuvor u.a. Ressortleiter Ausland der 1996 eingestellten &bdquo;Wochenpost&ldquo;, freier Journalist, Dozent an der FU Berlin, Lektor bei Rotbuch und &Uuml;bersetzer.<\/p><p>Sein Interesse gilt vor allem dem Nahen Osten und S&uuml;dosteuropa; seine Kenntnisse &uuml;ber diese Regionen bringt er in die Arbeit f&uuml;r ROG ein. <\/p><p>Quelle zur Autorenangabe: <a href=\"http:\/\/www.reporter-ohne-grenzen.de\/ueber-uns\/rog-in-deutschland\/vorstand.html\">Reporter ohne Grenzen<\/a> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kommunalwahlen vom 7. und 14. November sind ein geeigneter Anlass, um die Entwicklung der &ouml;konomischen Krise, die Krisensymptome des politischen Systems und die Reaktionen der griechischen Gesellschaft etwas genauer einzusch&auml;tzen. Und das nicht nur, weil Ministerpr&auml;sident Giorgos Papandreou diese Wahlen zum potentiellen &bdquo;Vertrauensbeweis&ldquo; f&uuml;r seine Politik der Krisenbew&auml;ltigung ausgerufen hat. Nur einen Tag nach<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=7429\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[22,173,20,190],"tags":[717,1271,653,325,426],"class_list":["post-7429","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-europaische-union","category-griechenland","category-landerberichte","category-wahlen","tag-nea-dimokratia","tag-papandreou-giorgios","tag-pasok","tag-staatsschulden","tag-wahlbeteiligung"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7429","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7429"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7429\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":53146,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7429\/revisions\/53146"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7429"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7429"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7429"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}