{"id":74377,"date":"2021-07-16T15:43:52","date_gmt":"2021-07-16T13:43:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=74377"},"modified":"2021-07-16T20:52:06","modified_gmt":"2021-07-16T18:52:06","slug":"kuba-der-eklatante-versuch-der-usa-soziale-proteste-mit-digital-gesteuertem-regime-change-manoever-umzufunktionieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=74377","title":{"rendered":"Kuba \u2013 Der eklatante Versuch der USA, soziale Proteste mit digital gesteuertem Regime-Change-Man\u00f6ver umzufunktionieren"},"content":{"rendered":"<p>Ein Toter, je nach Quelle zwischen 130 und 180 Festgenommene, abgeschnittenes Mobilfunk-Internet zur Vermeidung von oppositioneller Kommunikation und vielerlei Anklagen westlicher Regierungen, konservativer Medien sowie sozialer Netzwerke gegen &bdquo;brutale Menschenrechtsverletzungen&ldquo; pr&auml;gen die internationale Stimmung nach den &ouml;ffentlichen Protestkundgebungen vom 11. und 12. Juli in rund 20 kubanischen St&auml;dten &ndash; die angeblich massivsten Proteste seit dem Sieg der Revolution im Jahr 1959. Von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2076\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-74377-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210716-Kuba-Der-eklatante-Versuch-der-USA-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210716-Kuba-Der-eklatante-Versuch-der-USA-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210716-Kuba-Der-eklatante-Versuch-der-USA-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210716-Kuba-Der-eklatante-Versuch-der-USA-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=74377-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210716-Kuba-Der-eklatante-Versuch-der-USA-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"210716-Kuba-Der-eklatante-Versuch-der-USA-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Das Ger&auml;usch t&ouml;nt wie ein Gemisch von scheinbar gerechtfertigter Emp&ouml;rung und Demagogie, wie die des chilenischen Staatschefs Sebasti&aacute;n Pi&ntilde;era, der Kuba die &bdquo;Verletzung von Menschenrechten wie der Meinungsfreiheit und des friedlichen Demonstrationsrechts, die immer respektiert und gesch&uuml;tzt werden m&uuml;ssen&ldquo;, <a href=\"https:\/\/www.infobae.com\/politica\/2021\/07\/13\/a-diferencia-de-la-argentina-chile-condeno-la-represion-en-cuba-no-hay-justificacion-para-impulsar-medidas-que-intenten-acallar-a-los-ciudadanos\/\">vorwarf<\/a>, selbst jedoch die brutalsten Polizeieins&auml;tze in Lateinamerika Ende 2019 befahl, die hunderten von ChilenInnen schwerste Augenverletzungen, Erblindungen, Folter und Vergewaltigungen durch die Carabinero-Polizei zuf&uuml;gte, wof&uuml;r der Pr&auml;sident im April 2021 <a href=\"https:\/\/www.france24.com\/es\/am%C3%A9rica-latina\/20210429-chile-pi%C3%B1era-cpi-crimenes-lesa-humanidad\">vor dem Internationalen Strafgerichtshof angeklagt wurde<\/a>. Die raumf&uuml;llende Berichterstattung kontrastiert auch ungemein mit dem kl&auml;glichen Angebot an Hintergrundinformationen &uuml;ber zwei parallele Handlungsorte, die allerdings von einem grausamen Blutvergie&szlig;en gepr&auml;gt sind: &uuml;ber die Ermordung von Pr&auml;sident Jovenel Mo&iuml;se im benachbarten Haiti und die Erschie&szlig;ungen von mindestens 70 Menschen w&auml;hrend der Unruhen in S&uuml;dafrika. Man k&ouml;nnte sinnieren, das sind ja aber &bdquo;nur Farbige&ldquo;, die nur selten Anrecht haben, auf wei&szlig;em Zeitungspapier zu erscheinen. <\/p><p><strong>Eingest&auml;ndnis berechtigter Unzufriedenheit, doch mit digital gesteuerten Protesten<\/strong><\/p><p>Oppositionsgruppen wie die &bdquo;<a href=\"https:\/\/twitter.com\/mov_sanisidro\">Bewegung San Isidro<\/a>&ldquo; beschuldigen die Regierung, Dissidenten verhaftet und &bdquo;verschwinden lassen&ldquo; zu haben, darunter verschiedene renommierte K&uuml;nstler &ndash; wie Jos&eacute; Daniel Ferrer, Manuel Cuesta Mor&uacute;a und den &bdquo;rebellischen&ldquo; Luis Manuel Otero Alc&aacute;ntara, die Anf&uuml;hrerin der Ladies-in-White- MenschenrechtsaktivistInnen Berta Soler sowie die Kuba-Korrespondentin der spanischen Tageszeitung <em>ABC<\/em>, Camila Acosta. Ihr wird &bdquo;Verachtung und Vergehen gegen die &ouml;ffentliche Ordnung&ldquo; vorgeworfen; Straftaten, die mit drei bis sechs Jahren Gef&auml;ngnis geahndet werden k&ouml;nnen. Offizielle Zahlen beziehungsweise eine Best&auml;tigung der Zahl der Festnahmen gibt es nicht. Zu den sparsamen Stellungnahmen des kubanischen Innenministeriums geh&ouml;rte indes zwei Tage nach den Zusammenst&ouml;&szlig;en die Mitteilung und das Bedauern, dass im Stadtteil G&uuml;inera am Stadtrand von Havanna der 36-j&auml;hrige Demonstrant Diubis Laurencio w&auml;hrend der Teilnahme an den &bdquo;Unruhen&ldquo; gestorben sei.<\/p><p>Angesichts des Ernstes der Lage berief noch am gleichen Protest-Sonntag die Kommunistische Partei Kubas (PCC) eine Sondersitzung des Politb&uuml;ros ein, an der sich auch Pr&auml;sident Miguel D&iacute;az-Canels 90-j&auml;hriger Vorg&auml;nger und Fidel-Castro-Bruder Ra&uacute;l Castro <a href=\"http:\/\/www.granma.cu\/cuba\/2021-07-12\/participa-raul-en-reunion-del-buro-politico-12-07-2021-20-07-02\">zur Teilnahme gen&ouml;tigt sah<\/a> und eilends seinen Urlaubsaufenthalt verlie&szlig;. Das Politb&uuml;ro bezeichnete die Proteste als &bdquo;Provokationen, die von konterrevolution&auml;ren Elementen inszeniert und von den USA zu destabilisierenden Zwecken organisiert und finanziert wurden&ldquo;. Sodann rief D&iacute;az-Canel via Staatsfernsehen seine Landsleute dazu auf, selbst die Stra&szlig;en einzunehmen, die den &bdquo;Revolution&auml;ren geh&ouml;ren&ldquo;. Am darauffolgenden Montag twitterte der Pr&auml;sident &bdquo;Die #kubanische Revolution wird denen nicht die andere Wange hinhalten, die sie in virtuellen und realen R&auml;umen angreifen &hellip; Wir werden revolution&auml;re Gewalt vermeiden, aber wir werden konterrevolution&auml;re Gewalt unterdr&uuml;cken&ldquo;, warnte er.<\/p><p>Einen Tag sp&auml;ter <a href=\"https:\/\/twitter.com\/BrunoRguezP\/status\/1415669542391455745\">erkl&auml;rte Au&szlig;enminister Bruno Rodr&iacute;guez<\/a> auf einer Pressekonferenz: &bdquo;Am 11. Juli gab es in Kuba keinen sozialen Aufstand. Manchmal verschleiert und oft unversch&auml;mt &ouml;ffentlich hat die US-Regierung zum sozialen Aufstand aufgerufen, ihn beschworen, angezettelt und auf unbeschwerte und verdeckte Weise daran gearbeitet, ihn zu provozieren&ldquo;. W&auml;hrend das mobile Internet, der Antrieb der Demonstrationen in Havanna, noch gesperrt war, herrschte an diesem Dienstag scheinbare Ruhe auf der Insel, allerdings abgesichert durch starke Milit&auml;rpr&auml;senz und Polizei in Zivil.<\/p><p>Die offizielle Version versucht, die sozialen Unruhen herunterzuspielen, aber mit gewissem Unbehagen. Zum einen, weil sie sie h&auml;tte ahnen m&uuml;ssen. Zum anderen erkennt die Regierung, dass sich unter den Aufst&auml;ndischen Gruppen von &bdquo;rechtm&auml;&szlig;ig Unzufriedenen&ldquo; befanden, wie D&iacute;az-Canel <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=2uWO4A0N8o8\">in einer Fernsehsendung zugab<\/a>. Mit dieser Einsicht kehrte Ra&uacute;l Castros Nachfolger am Wochenende der Proteste von San Antonio de los Ba&ntilde;os, unweit von Havanna, zur&uuml;ck, wo er mit Demonstranten ins Gespr&auml;ch kam, die allerdings wegen der US-Blockade verwirrt waren, so der Staatschef. Der ist jedoch kein Zyniker. Zweifellos waren die Demonstrationen durch soziale Medien angeheizt worden, die sich als Schneeballeffekt landesweit ausbreiteten.<\/p><p>Indes lauerte die Anfeuerung geradezu auf den geeigneten Zeitpunkt, wissend, dass sich ebenfalls landesweit eine Welle tiefer Verbitterung &uuml;ber die vorherrschende Versorgungskrise zusammenbraute, die vom Lebensmittelmangel, Stromausf&auml;llen und des wegen der Covid-19-Pandemie kollabierenden Gesundheitssystems gepr&auml;gt ist. Am gleichen Wochenende der Proteste meldete das Ministerium f&uuml;r &Ouml;ffentliche Gesundheit (Minsap), dass die bei ihrem Ausbruch vor 16 Monaten zwar die Insel plagende, doch l&auml;ngst im Griff geglaubte Pandemie, in der Woche zuvor mit 6.923 neuen positiven Virus-F&auml;llen und 47 Verstorbenen, <a href=\"https:\/\/www.efe.com\/efe\/america\/sociedad\/cuba-cierra-la-semana-con-otro-maximo-diario-de-casos-covid-19-y-muertes\/20000013-4583829\">au&szlig;er Kontrolle geraten<\/a> zu sein schien. Und dies nicht nur zum Unmut der Bev&ouml;lkerung, sondern zum Verdruss der Regierung, die als einzige auf dem gesamten lateinamerikanischen Kontinent unter den Bedingungen einer drakonischen Blockade mit nahezu heldenhafter wissenschaftlicher Beharrlichkeit gleich zwei Covid-19-Impfstoffe &ndash; Abdala und Soberana 02 &ndash; aus der Taufe hob, die im demokratisch regierten Teil des Kontinents sehr wohl als <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/es\/covid-19-las-vacunas-cubanas-son-una-esperanza-para-am%C3%A9rica-latina\/a-58007770\">Signal gesundheitspolitischer Hoffnung<\/a> gewertet werden.<\/p><p><strong>Vom &bdquo;ZunZuneo&ldquo;\/Falschen Twitter zum ferngesteuerten Man&ouml;ver f&uuml;r den &bdquo;Regime Change&ldquo;<\/strong><\/p><p>Dass die kubanische Regierung die Proteste h&auml;tte ahnen m&uuml;ssen, ist keine frivole Belehrung. Wahrscheinlicher ist, sie ahnte es seit langem, n&auml;mlich seit der Einf&uuml;hrung des Internets in Kuba und der Zulassung des Internets f&uuml;r Mobiltelefone, beides zwischen den Jahren 2008 und 2018 von der inzwischen staatseigenen Telefongesellschaft <a href=\"https:\/\/www.etecsa.cu\/\">Empresa de Telecomunicaciones de Cuba S.A.<\/a> nahezu landesweit eingerichtet.<\/p><p>Die digitalisierte Vernetzung Kubas wurde selbstverst&auml;ndlich mit Argusaugen von Washington DC aus beobachtet. Und dann platzte im Jahr 2014 der erste Internet-Skandal auf Kuba. Die Hintergr&uuml;nde lesen sich so:<\/p><p>Im Juli 2010 flog der US-Regierungsbeamte Joe McSpedon nach Barcelona, um einem geheimen Plan zum Aufbau eines Social-Media-Projekts den letzten Schliff zu geben, das darauf abzielte, Kubas kommunistische Regierung zu unterwandern. Die Mission McSpedons und seines Hightech-Teams: ein Messaging-Netzwerk aufzubauen, das hunderttausende Kubaner erreichen k&ouml;nnte. Um das Netzwerk vor der kubanischen Regierung zu sch&uuml;tzen, sollte &uuml;ber ein Bankkonto auf den Kaimaninseln ein byzantinisches System von Scheinfirmen aufgebaut und ahnungslose F&uuml;hrungskr&auml;fte rekrutiert werden, die nicht &uuml;ber die Verbindungen des Unternehmens zur US-Regierung informiert waren.<\/p><p>McSpedon handelte nicht im Auftrag des CIA, sondern der US-Agentur f&uuml;r internationale Entwicklung (USAID). Nach Angaben der Nachrichtenagentur Associated Press (AP), die <a href=\"https:\/\/apnews.com\/article\/7054b6291e5f41d29e4eb38fa3e989da\">Zugang zu den Geheimdokumenten des Projekts<\/a> bekam und Interviews mit mehreren am Projekt Beteiligten f&uuml;hrte, war geplant, ein bodenst&auml;ndiges &acute;kubanisches Twitter&acute; zu entwickeln, mit dem Handy-Textnachrichten verwendet werden, um Kubas strenge Kontrolle von Informationen und seine W&uuml;rgegriffe &uuml;ber das Internet zu umgehen. In einer Anspielung auf Twitter wurde das Projekt <em>ZunZuneo<\/em> &ndash; der spanische Slang f&uuml;r das Gezwitschere eines kubanischen Kolibris &ndash; genannt.<\/p><p>Aus den AP zugespielten Unterlagen ging der Plan der US-Regierung hervor, zun&auml;chst &bdquo;nichtumstrittene Inhalte&ldquo; auf Abonnentenbasis aufzubauen, also Sport-Nachrichten, Musik und aktuelle Unwetter-Vorhersagen. Sp&auml;ter, wenn das Netzwerk eine &bdquo;kritische Masse&ldquo; von Abonnenten, vielleicht Hunderttausende, erreicht h&auml;tte, sollten die Betreiber politische Inhalte einf&uuml;hren. Diese sollten die Kubaner dazu inspirieren, &bdquo;smarte Mobs&ldquo; (wortw&ouml;rtliche &Uuml;bersetzung) zu organisieren. Anders ausgedr&uuml;ckt: Massenversammlungen, die kurzfristig zur Ausl&ouml;sung einen &bdquo;kubanischen Fr&uuml;hlings&ldquo; aufrufen w&uuml;rden beziehungsweise, wie es in einer der USAID-Unterlagen hei&szlig;t, um &bdquo;das Kr&auml;fteverh&auml;ltnis zwischen Staat und Gesellschaft neu auszuhandeln&ldquo;.<\/p><p>Mit dem technischen Aufbau des subversiven Projekts wurde die US-regierungsnahe Firma Creative Associates International beauftragt, die zig Millionen Dollar mit diesem und Vorg&auml;nger-Projekten in arabischen L&auml;ndern verdiente. Auf seinem H&ouml;hepunkt zog das Projekt mehr als 40.000 Kubaner an, um Nachrichten und Meinungen auszutauschen. Aber seine Abonnenten wussten nie, dass es von der US-Regierung gesteuert wurde oder dass US-amerikanische Auftragnehmer ihre privaten Daten in der Hoffnung sammelten, dass sie f&uuml;r politische Zwecke verwendet werden k&ouml;nnten. &bdquo;Die Beteiligung der US-Regierung wird absolut nicht erw&auml;hnt&ldquo;, hei&szlig;t es in einem Memo von Mobile Accord, einem der Auftragnehmer des Projekts aus dem Jahr 2010. &bdquo;Dies ist absolut entscheidend f&uuml;r den langfristigen Erfolg des Dienstes und der Mission.&ldquo; USAID-Sprecher Matt Herrick erkl&auml;rte, die Agentur sei stolz auf ihre Kuba-Programme und stellte fest, dass Ermittler des Kongresses sie 2013 &uuml;berpr&uuml;ft und festgestellt haben, dass sie mit dem US-Recht vereinbar waren.<\/p><p>Das State Department unter der damaligen Au&szlig;enministerin Hillary Clinton hielt Social Media f&uuml;r ein wichtiges Instrument der Diplomatie. In einer Rede an der George Washington University im Jahr 2011 erkl&auml;rte Clinton, die USA h&auml;tten Menschen in &bdquo;bedr&uuml;ckenden Internetumgebungen dabei geholfen, Filter zu umgehen&ldquo;. In Tunesien, sagte sie, nutzten die Menschen Technologie, um &bdquo;Missst&auml;nde zu beseitigen und zu teilen, was, wie wir wissen, dazu beigetragen hat, eine Bewegung anzuheizen, die zu revolution&auml;ren Ver&auml;nderungen f&uuml;hrte&ldquo;.<\/p><p>Zum Jahresbeginn 2011 war jedoch der Anfang vom Ende der geheimen Text-Plattform angek&uuml;ndigt. Creative Associates &auml;rgerte sich &uuml;ber das Vers&auml;umnis der Auftragsfirma Mobile Accord, ZunZuneo selbsttragend und unabh&auml;ngig von der US-Regierung zu machen. Die Operation war auf ein unl&ouml;sbares Problem gesto&szlig;en: USAID zahlte zehntausende Dollar an SMS-Geb&uuml;hren an Kubas kommunistisches Telekommunikationsmonopol &uuml;ber ein geheimes Bankkonto und Scheinfirmen. Es war keine Situation, die es sich leisten oder rechtfertigen konnte &ndash; und wenn es aufgedeckt w&uuml;rde, w&auml;re es peinlich oder schlimmer.<\/p><p>Mit St&ouml;rungen und Sperrungen wurde es vom kubanischen Geheimdienst schrittweise aufgedeckt und endete um das Jahr 2012 im Vakuum. Die AP-Recherche wurde vom britischen <em>Guardian<\/em> im April 2014 an <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/world\/2014\/apr\/03\/us-cuban-twitter-zunzuneo-stir-unrest\">ein breiteres Publikum weitergereicht<\/a>, die Aff&auml;re fand auch in deutschen Medien, wie der <em>Frankfurter Allgemeinen<\/em>, mit dem Titel <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/usa-wollten-mit-eigenem-twitter-unruhen-auf-kuba-schueren-12879246.html\">&bdquo;Wenn der kubanische Kolibri Unruhe stiftet&ldquo;<\/a> Niederschlag.<\/p><p><strong>Seit 59 Jahren in Kraft, 29-mal von der UNO zur Annullierung aufgefordert: Joe Biden setzt Blockade und Destabilisierung Kubas fort<\/strong><\/p><p>Das l&auml;ngst vergessene, jedoch hochbrisante digitale Geheimunternehmen von USAID gewann am Vorabend der Auseinandersetzungen in Kuba wieder an Aktualit&auml;t.<\/p><p>Mit einer seit 1992 stattfindenden j&auml;hrlichen Abstimmung, die 2020 aufgrund der Coronavirus-Pandemie ausgesetzt wurde, verurteilte die Generalversammlung der Vereinten Nationen (UN) am vergangenen 23. Juni mit 184:2 Stimmen (der USA und Israels) zum 29. Mal das vor fast sechs Jahrzehnten von US-Pr&auml;sident John F. Kennedy gegen Kuba verh&auml;ngte US-amerikanische Embargo. In einer 30-min&uuml;tigen offiziellen Rede verglich der kubanische Au&szlig;enminister Bruno Rodr&iacute;guez Parrilla das Embargo mit der Pandemie und sagte, &bdquo;Wie das Virus erstickt und t&ouml;tet die Blockade, und sie muss aufh&ouml;ren. Vaterland oder Tod! Wir werden gewinnen!&ldquo;.<\/p><p>Nach Sch&auml;tzungen der kubanischen Regierung verursachte die Blockade bisher einen Schaden von &uuml;ber 138 Milliarden US-Dollar. Das EU-Parlament erstellte 2020 die Studie <a href=\"https:\/\/www.europarl.europa.eu\/RegData\/etudes\/STUD\/2020\/653618\/EXPO_STU%282020%29653618_EN.pdf\">&bdquo;Extraterritorial sanctions on trade and investments and European responses&ldquo;<\/a>, die energisch vor den v&ouml;lkerrechtsverletzenden Ans&auml;tzen und Auswirkungen von US-Embargos warnt.<\/p><p>Allein 2020 sollen es ann&auml;hernd 4 Milliarden US-Dollar gewesen sein, die Kuba nicht nur an der Bedarfsdeckung von Erd&ouml;l &ndash; und damit an der Stromversorgung der gesamten Insel &ndash; sondern u.a. an der Einfuhr simpler Impfspritzen hinderte, die f&uuml;r die Erprobung und Verpackung der kubanischen Impfstoffe erforderlich sind. Dramatisch wirkte sich der pandemiebedingte Einbruch des Tourismus als erste Deviseneinnahmequelle aus, der zum gro&szlig;en Teil wiederum den Kauf von Lebensmitteln finanziert, die Kuba seit langanhaltender Krise in der eigenen Landwirtschaft mit <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/portuguese\/internacional-48457320\">bis zu 70 Prozent aus dem Ausland importiert<\/a>.<\/p><p>Der Armut erzeugende und eskalierende Boykott scheint die US-Regierungen, ob Republikaner oder Demokraten, wenig zu jucken. &bdquo;Die USA sind mit allen in der Verteidigung der Freiheit Kubas einig. Kubaner verdienen wie alle Menschen das Recht auf freie Meinungs&auml;u&szlig;erung, Versammlungsfreiheit und Kultur&ldquo;, lautete die zynische Reaktion Rodney Hunters als politischer Koordinator der US-Mission bei den UN. &bdquo;Biden zeigt wenig Lust, Trumps Kuba-Politik r&uuml;ckg&auml;ngig zu machen&ldquo;, betitelte die einflussreiche <a href=\"https:\/\/thehill.com\/policy\/international\/556066-biden-shows-little-desire-to-reverse-trumps-cuba-policies\">Plattform <em>The Hill<\/em><\/a> den R&uuml;ckzieher des Demokraten, der w&auml;hrend seiner Wahlkampagne 2020 versprochen hatte, Teile des Kuba-Embargos f&uuml;r null und nichtig zu erkl&auml;ren. Vorg&auml;nger Donald Trump hatte die Blockade mit 250 neuen Sanktionen brutal versch&auml;rft und als letzte, l&auml;cherliche Amtshandlung bei Nacht und Nebel Kuba obendrein auf die Schwarze Liste der &bdquo;den Terrorismus f&ouml;rdernden L&auml;nder&ldquo; eintragen lassen. Die Ma&szlig;nahmen provozierten eine Energie- und Treibstoffkrise, eingeschr&auml;nkte Reisen amerikanischer Touristen auf die Insel sowie &Uuml;berweisungen von US-Kubanern an ihre Verwandten in Kuba.<\/p><p>Hatte Joe Biden noch vor seinem Regierungsantritt erkl&auml;rt, Trumps harte Linie gegen Kuba habe auf der Insel &bdquo;nichts zur F&ouml;rderung von Demokratie und Menschenrechten beigetragen&ldquo;, so ist der Systemwechsel &ndash; &bdquo;Regime Change&ldquo; im Jargon der Geheimdienste &ndash; doch nach wie vor sein Ziel. Offenbar setzen die Demokraten zun&auml;chst auf &bdquo;soft power&ldquo;, n&auml;mlich die verst&auml;rkte Fortsetzung der digitalen, pr&auml;senziellen und medialen Indoktrinierung von Kubanern, wof&uuml;r Biden ab sofort <a href=\"http:\/\/cubamoneyproject.com\/2021\/05\/29\/biden\/\">20 Millionen US-Dollar bei USAID reservieren<\/a> lie&szlig;, wie der investigative US-Journalist Tracey Eaton erfuhr.<\/p><p>Titelbild: Felix Mizioznikov\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Toter, je nach Quelle zwischen 130 und 180 Festgenommene, abgeschnittenes Mobilfunk-Internet zur Vermeidung von oppositioneller Kommunikation und vielerlei Anklagen westlicher Regierungen, konservativer Medien sowie sozialer Netzwerke gegen &bdquo;brutale Menschenrechtsverletzungen&ldquo; pr&auml;gen die internationale Stimmung nach den &ouml;ffentlichen Protestkundgebungen vom 11. und 12. 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