{"id":745,"date":"2005-08-23T13:04:51","date_gmt":"2005-08-23T11:04:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=745"},"modified":"2006-05-10T13:08:30","modified_gmt":"2006-05-10T11:08:30","slug":"hinweis-der-%e2%80%9estern%e2%80%9c-springt-angela-merkel-bei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=745","title":{"rendered":"Hinweis: Der \u201eStern\u201c springt Angela Merkel bei"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Kunden l&auml;sst hohe Mehrwertsteuer kalt&ldquo;. Unter dieser &Uuml;berschrift berichtet das Magazin &bdquo;Stern&ldquo; &uuml;ber eine wirtschaftspsychologische Studie der Universit&auml;t Hamburg. Einen unserer Leser erinnert das an den alten Witz: Benzinpreiserh&ouml;hungen st&ouml;ren mich nicht, ich tanke sowieso immer nur f&uuml;r 20 Euro.<br>\n<!--more--><br>\nIn einem Beitrag vom 15.08.05 in den NachDenkSeiten schrieb ich, dass auch der als &bdquo;linksliberal&ldquo; geltende &bdquo;Stern&ldquo; sp&auml;testens seit der ihn herausgebende Gruner+Jahr-Verlag mehrheitlich Bertelsmann geh&ouml;re, wirtschaftspolitisch einem konservativen Kurs folge.<\/p><p>Der neueste &bdquo;Stern&ldquo; ist ein Beleg daf&uuml;r, noch mehr, er ergreift eindeutig Partei f&uuml;r die CDU. Kaum dass Angela Merkel mit der Ank&uuml;ndigung einer Mehrwertsteuererh&ouml;hung in die Defensive geraten ist, versucht ihr der Stern mit einer &bdquo;wirtschaftspsychologischen Studie&ldquo;, also nicht mit &ouml;konomischen oder steuerpolitischen Argumenten, aus der Patsche zu helfen.<br>\nEine &ouml;konomische Einsch&auml;tzung einer Mehrwertsteuererh&ouml;hung haben wir auf den NachDenkSeiten schon beim Aufkommen der Debatte &uuml;ber dieses Thema gegeben:<\/p><p>Die Mehrwertsteuererh&ouml;hung trifft in besonderer Weise jene Familien und Einzelpersonen, die geringe Einkommen und damit wenig Kaufkraft zur Verf&uuml;gung, ihre gesamten Einnahmen f&uuml;r den laufenden Konsum verbrauchen und unter den heutigen Bedingungen kein Geld zum Sparen &uuml;brig haben. Mit der Erh&ouml;hung der Mehrwertsteuer w&uuml;rde der reale Wert ihres Budgets vermindert, sie k&ouml;nnten entsprechend weniger Waren kaufen.<\/p><p>Die Erh&ouml;hung der Mehrwertsteuer verschiebt tendenziell die fiskalische Belastung zu Gunsten der Exportwirtschaft und zu Lasten der vor allem den Binnenmarkt beliefernden Produzenten und Dienstleister. Die Exportwirtschaft ist aber bisher schon extrem gut gestellt. Sie profitiert von der vergleichsweise niedrigen Entwicklung der Kosten und Preise in Deutschland; die realen Lohnst&uuml;ckkosten sind im Vergleich zu anderen L&auml;ndern um 7% (DIW Wochenbericht 14\/2004) gefallen. Vor allem aber: Die Mehrwertsteuererh&ouml;hung tangiert die Exportwirtschaft &uuml;berhaupt nicht, denn sie wird mit dieser Steuer nicht belastet. Beim Export wird die Mehrweitsteuer abgerechnet.<\/p><p>Je h&ouml;her die Mehrwertsteuer, umso gr&ouml;&szlig;er ist der Anreiz f&uuml;r Schwarzarbeit. Seltsamerweise wird dieses Argument, das sonst immer bem&uuml;ht wird, wenn z. B. die H&ouml;he der Lohnnebenkosten beklagt wird, von den Verantwortlichen im Falle der Diskussion um eine Mehrwertsteuererh&ouml;hung nicht in die Debatte eingef&uuml;hrt. (Vgl. <a href=\"?p=557\">NachDenkSeiten<\/a>)<\/p><p>Dieser &ouml;konomischen Betrachtungsweise setzt nun er Stern seine &bdquo;wirtschaftspsychologische&ldquo; entgegen.<\/p><p>Zwar stimmten die meisten Befragten eher der Aussage zu, &ldquo;Wenn es eine Erh&ouml;hung der Mehrwertsteuer auf 19 Prozent g&auml;be, w&uuml;rde ich mir weniger leisten&rdquo;. In der Gesamteinsch&auml;tzung einer Situation mit 11 Prozent Arbeitslosigkeit, unsicheren Renten (wie aktuell gegeben) und mit 19 Prozent Mehrwertsteuer sei aber kein bedeutsamer R&uuml;ckgang der Konsumbereitschaft gegen&uuml;ber der aktuellen Lage zu erkennen. Den Daten nach werde das Kaufverhalten also st&auml;rker durch die Zahl der Arbeitslosen und die Sicher- bzw. Unsicherheit der Renten beeinflusst, als durch den Mehrwertsteuersatz. Eine wirklich tolle psychologische Erkenntnis!<\/p><p>Auf den ziemlich naheliegenden Gedanken, dass die hohe Arbeitslosigkeit und die Sorgen um den Arbeitsplatz und dazu hin noch die &Auml;ngste um die Rente den Menschen ohnehin schon ihre Konsumbereitschaft genommen hat und deswegen eine Mehrwertsteuererh&ouml;hung diese Bereitschaft gar nicht mehr wesentlich weiter schw&auml;chen kann, weil die Menschen schlicht mit dem ihnen zur Verf&uuml;gung stehenden Geld nicht mehr zus&auml;tzlich konsumieren k&ouml;nnen bzw. aus Zukunftssorge das wenige Geld ohnehin zusammen halten, nein, auf diesen Gedanken kommen unsere gutbezahlten Universit&auml;tspsychologen offenbar gar nicht mehr. Das liegt au&szlig;erhalb ihres psychologischen Vorstellungsverm&ouml;gens.<\/p><p>Ein typisches Beispiel f&uuml;r die Erkenntnisbarrieren einer konservativen Wissenschaft bzw. von Wissenschaftlern, die vielleicht sogar nicht einmal mehr merken, dass sie Partei ergreifen. Ein typisches Beispiel auch daf&uuml;r, wie sich Wissenschaft selbst ihre Glaubw&uuml;rdigkeit untergr&auml;bt.<\/p><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.stern.de\/wirtschaft\/unternehmen\/:Studie-Kunden-Mehrwertsteuer\/544570.html\">Der stern<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Kunden l&auml;sst hohe Mehrwertsteuer kalt&ldquo;. Unter dieser &Uuml;berschrift berichtet das Magazin &bdquo;Stern&ldquo; &uuml;ber eine wirtschaftspsychologische Studie der Universit&auml;t Hamburg. 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