{"id":74692,"date":"2021-07-28T08:53:18","date_gmt":"2021-07-28T06:53:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=74692"},"modified":"2021-07-28T16:19:08","modified_gmt":"2021-07-28T14:19:08","slug":"kuba-ueber-die-linienuntreue-szene-die-us-unterwanderung-und-die-verfehlungen-polarisierender-argumentation-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=74692","title":{"rendered":"Kuba \u2013 \u00dcber die linienuntreue Szene, die US-Unterwanderung und die Verfehlungen polarisierender Argumentation \u2013 Teil 1"},"content":{"rendered":"<p>Die Proteste in Kuba von Anfang Juli n&auml;hren kaum noch Nachrichten im medialen Mainstream, was nicht bedeutet, dass sie keine Folgen hatten und dass die Vordergr&uuml;nde der Berichterstattung den historisch gewachsenen Hintergr&uuml;nden gerecht wurden. Dies will der nachstehende, in zwei Teilen erscheinende Beitrag in Umrissen versuchen. Von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6940\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-74692-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210728-Kuba-ueber-die-linienuntreue-Szene-Teil-1-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210728-Kuba-ueber-die-linienuntreue-Szene-Teil-1-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210728-Kuba-ueber-die-linienuntreue-Szene-Teil-1-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210728-Kuba-ueber-die-linienuntreue-Szene-Teil-1-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=74692-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210728-Kuba-ueber-die-linienuntreue-Szene-Teil-1-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"210728-Kuba-ueber-die-linienuntreue-Szene-Teil-1-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Die Regierung Miguel D&iacute;az-Canel reagierte prompt. Die Beschleunigung des vor zwei Jahren vereinbarten Plans f&uuml;r Wirtschaftsreformen, die &Ouml;ffnung neuer Verhandlungsr&auml;ume f&uuml;r die Beteiligung gesellschaftlicher Akteure und die &bdquo;friedliche Anerkennung und Bew&auml;ltigung abweichender Meinungen&rdquo; wollen Partei und Regierung als unmittelbare Herausforderungen ernstnehmen. Zum einen rief D&iacute;az-Canel zur weiteren Unterst&uuml;tzung des sozialistischen Gesellschaftssystems auf, das die Verfassung von 2019 als &bdquo;unwiderruflich&ldquo; festlegt, k&uuml;ndigte jedoch zum anderen ein Paket wirtschaftlicher Ma&szlig;nahmen an, die im Wesentlichen darauf abzielen, die Lebensmittel-Verknappung zu mildern und den Schutz f&uuml;r sozial gef&auml;hrdete Familien auszuweiten.<\/p><p>Ab Montag, den 19. Juli, trat ferner eine Ausnahmeregelung mit Wirkung bis zum 31. Dezember 2021 in Kraft, womit Kubaner oder Ausl&auml;nder, die nach der Insel reisen, unbegrenzt und steuerfrei Lebensmittel, Medikamente, medizinische Versorgung und Toilettenartikel in ihrem Gep&auml;ck einf&uuml;hren d&uuml;rfen. Eine weitere der am 16. Juli gemeldeten Ma&szlig;nahmen sieht vor, mehr als 200.000 Menschen zu helfen, die aus verschiedenen Gr&uuml;nden keinen Zugang zu Lebensmitteln haben, diesen Zugang &uuml;ber Lebensmittelkarten zu sichern. Die im Jahr 1962 von der Revolutions-Regierung als Verteilungshebel geschaffenen Lebensmittel- oder Rationierungskarten sicherten den B&uuml;rgern einen monatlichen Lebensmittel-Grundkorb an Reis, Zucker, Getreide, Kaffee, &Ouml;l und tierischem Eiwei&szlig;, der zwar den gesamten Nahrungsbedarf nicht deckte, zumindest aber eine Entlastung f&uuml;r einkommensschwache Haushalte und sozial gef&auml;hrdete Gruppen darstellte. Somit werden die im Verlauf der Wirtschaftsreformen unter Pr&auml;sident R&aacute;ul Castro abgeschafften Rationierungskarten teilweise oder vor&uuml;bergehend neu eingef&uuml;hrt.<\/p><p>Auch die Auszahlung von Geh&auml;ltern in Staatsbetrieben soll flexibilisiert werden, um Effizienz und Produktivit&auml;t zu steigern. Nach offiziellen Angaben sollen ebenso im Verlauf der kommenden Wochen die seit langem angek&uuml;ndigten gesetzlichen Bestimmungen zum Schutz kleiner und mittelst&auml;ndischer, sowohl staatlicher wie privater Unternehmen in Kraft treten. &bdquo;Die Ma&szlig;nahmen sind positiv, wir sollten aber keine Wunder von ihnen erwarten, weil sie den angesammelten Bedarf nicht decken&ldquo;, warnte der auch auf Regierungsseite angesehene <a href=\"https:\/\/www.ipscuba.net\/sociedad\/desafios-para-gobierno-y-ciudadania-tras-protestas-en-cuba\/\">kubanische &Ouml;konom Omar Everleny P&eacute;rez Villanueva<\/a> gegen&uuml;ber der Nachrichtenagentur Inter Press Service\/IPS.<\/p><p>Die anderen, indes heikleren Folgen der Proteste, sind genuin politischer Natur. <\/p><p><strong>Selbstkritik und Dialog-Angebot: die unmittelbaren politischen Folgen der Proteste<\/strong><\/p><p>W&auml;hrend der Demonstrationen vom vergangenen 11. und 12. Juli in &ndash; je nach Quelle &ndash; 19 bis 40 kubanischen St&auml;dten gingen bekanntlich Tausende, nicht nur Jugendliche, sondern erz&uuml;rnte B&uuml;rger mit Forderungen nach politischen und wirtschaftlichen Ver&auml;nderungen auf die Stra&szlig;e. Allerdings nicht hundertprozentig friedlich, wie es in der Mehrheit der westlichen Medien hie&szlig;, sondern mit Gewalt gegen Polizei und regierungstreuen Zivilisten und mit  Vandalismus gegen Gesch&auml;fte und Fahrzeuge. Justiz- und Innenministerium sicherten zu, &bdquo;das Gesetz mit angemessenen Verfahrensgarantien&ldquo; gegen die Festgenommenen anzuwenden, deren Zahl je nach Quelle bis um das Zehnfache variiert.<\/p><p><a href=\"https:\/\/cnnespanol.cnn.com\/2021\/07\/13\/100-detenidos-desaparecidos-cuba-protestas-generalizadas-activistas-trax\/\">Laut <em>CNN<\/em><\/a> waren es am 13. Juli &bdquo;&uuml;ber 100&ldquo;, nach <a href=\"https:\/\/www.larazon.es\/internacional\/20210720\/wkyqequyjbhxzlw3rcrlbwevfi.html\">aktualisierten Angaben der spanischen Zeitung <em>La Raz&oacute;n<\/em><\/a> vom 20. Juli 500 Verhaftete, der <a href=\"https:\/\/www.amnesty.org\/en\/latest\/news\/2021\/07\/cuba-protests-updates\/\">aktuellste Bericht von <em>Amnesty International<\/em><\/a> vom 22. Juli nennt &uuml;berhaupt keine Zahl, doch das <a href=\"https:\/\/www.14ymedio.com\/cuba\/miles-detenidos-Cuba-incluyendo-activistas-periodistas_0_3129886986.html\">kubanische Portal <em>14YMedio<\/em><\/a> machte bombastische Angaben: &bdquo;mehr als 5.000 Festgenommene, darunter Aktivisten und Journalisten&ldquo;. Fu&szlig;note: 14YMedio leidet unter mangelnder Glaubw&uuml;rdigkeit. Das Medium wird von der oppositionellen kubanischen Aktivistin, Star-Bloggerin und langj&auml;hrigen Moderatorin der Deutschen Welle TV, Yoani S&aacute;nchez, und ihrem mehrfach verhafteten Ehemann Reinaldo Escobar herausgegeben.<\/p><p>Zu den renommierten Festgenommenen geh&ouml;ren unter anderen der Fotograf Anyelo Troya Gonz&aacute;lez und der K&uuml;nstler und F&uuml;hrungsfigur der San-Isidro-Bewegung, Luis Manuel Otero Alc&aacute;ntara. Andere, <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/yunior.garciaaguilera.5\">wie der Dramaturg Yunior Garcia Aguilera<\/a>, waren Ziel von &Uuml;berwachung, Internet-Sperrung und Warnungen. 14YMedio hatte die &Ouml;ffentlichkeit mit dem Manipulationsversuch schockiert, bei den Festgenommenen handele es sich um &bdquo;von der Polizei Verschleppte&ldquo;, also um &bdquo;Verschwundene&ldquo;; ein in gesamt S&uuml;damerika nach wie vor mit Schrecken besetzter Begriff, weil er an die schlimmsten, zig tausendfachen Menschenrechtsverbrechen der rechtsradikalen Milit&auml;rdiktaturen erinnert und f&uuml;r die Beschreibung der Ereignisse in Kuba vollkommen fehl am Platz ist. In Wahrheit wurden jedoch namhafte Verhaftete mehrheitlich in das Polizeirevier Cuarta Estaci&oacute;n und von dort in die Einheit 100 y Aldab&oacute; abgef&uuml;hrt.<\/p><p>Die Regierung D&iacute;az-Canel hatte den T&auml;tern die Anwendung des Gesetzes mit ordentlichen rechtlichen Verfahren zugesichert. Doch das Portal <em>El Toque<\/em> &ndash; das im Jahr 2014 als Projekt der Lateinamerika-Abteilung der ehemaligen Radio Nederland Wereldomroep gef&ouml;rdert wurde &ndash; meldete, dass Troya Gonz&aacute;lez und 10 weitere H&auml;ftlinge am 21. Juli von einem Gericht im Eilverfahren verurteilt wurden; ein Vorgang, bei dem Personen, deren Strafrahmen ein Jahr Freiheitsentzug nicht &uuml;berschreitet, in weniger als 20 Tagen vor Gericht gestellt werden k&ouml;nnen. Der Fotograf wurde wegen &bdquo;St&ouml;rung der &ouml;ffentlichen Ordnung&ldquo; zu einem Jahr Freiheitsentzug verurteilt, w&auml;hrend von den &uuml;brigen elf Angeklagten angeblich nur zwei einen Anwalt bestellen durften, <a href=\"https:\/\/eltoque.com\/juicios-por-protestas-en-cuba-sin-abogados-defensores\">kommentierte El Toque<\/a>.<\/p><p>&bdquo;Die Leute fordern kurzfristig konkrete Ergebnisse. Wir m&uuml;ssen das Wichtigste, das (Anm. FF: Gesellschafts-) Projekt, retten und daf&uuml;r m&uuml;ssen wir bestimmte, bestehende Vorstellungen im kubanischen Wirtschaftsmodell &uuml;berwinden&ldquo;, warnte noch einmal der &Ouml;konom Omar Everleny D&iacute;az Villanueva.<\/p><p>Pr&auml;sident Miguel D&iacute;az-Canel entging die Stimmung nicht. Bereits am Samstag, den 17. Juli, forderte er in einer Rede w&auml;hrend eines regierungstreuen Aufmarsches auf Havannas K&uuml;stenpromenade Malec&oacute;n eine <a href=\"http:\/\/www.granma.cu\/discursos-de-diaz-canel\/2021-07-18\/diaz-canel-cuba-es-de-todos\">&bdquo;notwendige Selbstkritik&ldquo;<\/a> und eine &bdquo;tiefe &Uuml;berpr&uuml;fung unserer Methoden und Arbeitsstile, die mit dem Willen zum Dienst am Volk kollidieren, denn die B&uuml;rokratie, die Hindernisse und die Unsensibilit&auml;t einiger richten so viel Schaden an&ldquo;. Zwei Tage sp&auml;ter, w&auml;hrend eines Treffens mit Mitgliedern des Ministerrates und Beh&ouml;rden der 15 Provinzen Kubas, forderte der Staatschef und Parteivorsitzende &bdquo;R&auml;ume f&uuml;r Debatten &uuml;ber die am meisten komplexen Themen&ldquo;. &bdquo;Unterschiedliche Teilnehmer sollen Vorschl&auml;ge unterbreiten und die M&ouml;glichkeit ihrer Umsetzung bewerten.&ldquo;<\/p><p>Kommt es in Kuba tats&auml;chlich zum ernsthaften innenpolitischen Dialog?<\/p><p><strong>Kubas prominentester Schriftsteller Leonardo Padura und Liedermacher S&iacute;lvio Rodr&iacute;guez er&ouml;ffnen die Debatte<\/strong><\/p><p>Der weltweit renommierte kubanische Komponist und S&auml;nger S&iacute;lvio Rodr&iacute;guez, ein engagierter, jedoch kritischer Anh&auml;nger der Castro-Revolution, pl&auml;dierte nach einem Treffen mit mehreren Angeklagten f&uuml;r eine <a href=\"https:\/\/www.pagina12.com.ar\/356440-silvio-rodriguez-pidio-liberar-a-detenidos-durante-las-prote\">Amnestie f&uuml;r die gewaltlosen Demonstranten<\/a>. Der sich nach wie vor als Marxist bezeichnende K&uuml;nstler berichtete von einem von Yunior Garc&iacute;a Aguilera angeregten Treffen, an dem auch dessen Ehefrau und die Filmproduzentin Dayana Prieto beteiligt waren, und schrieb: &bdquo;Das Treffen mit Yunior und Dayana war gut, ich &uuml;bertreibe nicht, wenn ich br&uuml;derlich sage, es gab Dialog, Austausch, wir h&ouml;rten einander aufmerksam und respektvoll zu&ldquo;. Das Schmerzlichste in diesem Gespr&auml;ch sei gewesen, so der Autor mehrfacher Klassiker des kubanischen Trova-Genres, &bdquo;zu h&ouml;ren, dass sie (Garc&iacute;a Aguilera und Begleitung) sich als Generation nicht mehr als Teil des kubanischen Prozesses, sondern als etwas anderes f&uuml;hlten&hellip; Sie haben mir ihre Argumente erkl&auml;rt, ihre Frustration&ldquo;, beklagte Rodr&iacute;guez und forderte: &bdquo;Es muss mehr Br&uuml;cken geben, es muss mehr Dialog geben, es muss weniger Vorurteile geben, weniger Lust auf Schl&auml;ge und mehr Lust, den Berg der anh&auml;ngigen wirtschaftlichen und politischen Fragen zu &uuml;berwinden&ldquo;.<\/p><p>Leonardo Padura, Kubas weltweit prominentester Romanautor der Gegenwart, mit Dutzenden von &Uuml;bersetzungen, darunter <a href=\"https:\/\/www.perlentaucher.de\/autor\/leonardo-padura.html\">mindestens 11 Werken in deutscher Sprache<\/a>, ver&ouml;ffentlichte unmittelbar nach den Protesten einen <a href=\"https:\/\/www.lanacion.com.ar\/cultura\/un-alarido-nid16072021\/\">Aufruf in spanischen und lateinamerikanischen Medien<\/a> mit dem Titel &bdquo;Ein Schrei&ldquo; und einen dramatischen Appell f&uuml;r umgehende sozial&ouml;konomische L&ouml;sungen und politischen Dialog, dessen wichtigsten Passagen zum konstruktiven Handeln auffordern. Er schrieb:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Es scheint sehr gut m&ouml;glich, dass alles, was in Kuba seit dem 11. Juli passiert ist, von einer gr&ouml;&szlig;eren oder geringeren Anzahl von Menschen, die dem System widersprechen, ermutigt oder sogar bezahlt wurde, um das Land zu destabilisieren und Chaos und Unsicherheit zu erzeugen. Es stimmt auch, dass es sp&auml;ter, wie es oft bei diesen Ereignissen geschieht, zu opportunistischen und bedauerlichen Vandalismusakten kam. Aber ich denke, dass keiner der Beweise dem Schrei, den wir geh&ouml;rt haben, auch nur ein L&uuml;tt der Vernunft entzieht. Ein Schrei, der auch das Ergebnis der Verzweiflung einer Gesellschaft ist, die nicht nur eine lange Wirtschaftskrise und eine punktuelle sanit&auml;re Krise durchlebt, sondern auch eine Vertrauenskrise und einen Erwartungsverlust.&ldquo;<\/p>\n<p>&bdquo;Auf diese verzweifelte Forderung sollten die kubanischen Beh&ouml;rden nicht mit den &uuml;blichen, jahrelang wiederholten Parolen und den Antworten reagieren, die sie h&ouml;ren wollen. Auch nicht mit Erkl&auml;rungen, so &uuml;berzeugend und notwendig sie auch sein m&ouml;gen. Was auf der Tagesordnung steht, sind L&ouml;sungsangebote, die viele B&uuml;rger erwarten oder fordern, von denen einige auf der Stra&szlig;e demonstrieren, andere in sozialen Netzwerken ihre Meinung, Entt&auml;uschung oder Ablehnung &auml;u&szlig;ern. Viele sind es, die die wenigen und abgewerteten Pesos (Anm.FF.: kubanische W&auml;hrung) z&auml;hlen, die sie in ihren verarmten Taschen tragen. Viele, viele mehr sind es, die in resigniertem Schweigen stundenlang bei Sonne oder Regen, auch w&auml;hrend der (Anm.FF: Covid-19-) Pandemie anstehen, die Schlangen auf Lebensmittel-M&auml;rkten und f&uuml;r den Kauf von Medikamenten vor Apotheken bilden. Schlangestehen f&uuml;r unser t&auml;glich&lsquo; Brot und f&uuml;r alles Erdenkliche und Notwendige.&ldquo;<\/p>\n<p>&bdquo;Jedoch, abgesehen von all dem Erw&auml;hnten, glaube ich, dass die Kubaner die Hoffnung wiedergewinnen und sich ein Bild von ihrer Zukunft machen m&uuml;ssen. Wenn die Hoffnung verlorengeht, geht die Bedeutung jedes humanistischen Sozialprojekts verloren. Und die Hoffnung wird nicht mit Gewalt zur&uuml;ckgewonnen. Sie kann nur mit jenen L&ouml;sungen und den Ver&auml;nderungen und sozialen Dialogen wiedergewonnen werden, die, weil sie nicht umgesetzt wurden, neben vielen anderen verheerenden Auswirkungen den Auswanderungstrieb so vieler Kubaner verursacht und jetzt den Schrei der Verzweiflung der Menschen ausgel&ouml;st haben. Unter diesen Menschen wurden sicherlich einige gegen die Regierung angeheuert, es agierten auch opportunistische Kriminelle, doch kann ich nicht glauben, dass es in meinem Land derzeit so viele Menschen geben soll, so viele geb&uuml;rtige und gebildete Kubaner unter uns, die sich (freiwillig) verkaufen oder Verbrechen begehen. Denn wenn es so w&auml;re, w&uuml;rde es bedeuten, dass das bestehende Gesellschaftssystem diese Ausw&uuml;chse gef&ouml;rdert h&auml;tte.&ldquo;<\/p>\n<p>Der spontane Entschluss &ndash; ohne an eine F&uuml;hrung gebunden zu sein, ohne Gegenleistung zu erhalten, auch nicht, um unterwegs etwas zu stehlen &ndash; mit dem auf der Stra&szlig;e und in den Netzwerken eine beachtliche Anzahl von Menschen demonstriert hat, sollte eine Warnung sein. Und ich denke, es ist auch ein alarmierendes Beispiel f&uuml;r die Entfremdung, die zwischen den f&uuml;hrenden politischen Sph&auml;ren und der Stra&szlig;e sichtbar wurde (und dies wurde sogar von kubanischen F&uuml;hrern erkannt). Und nur so erkl&auml;rt sich, was geschehen ist, besonders in einem Land, in dem fast alles bekannt ist, wenn man &ndash; wie wir alle wissen &ndash; es wissen will. Um die Verzweifelten zu &uuml;berzeugen und zu beruhigen, kann Gewalt und Verfinsterung nicht die Methode f&uuml;r L&ouml;sungen sein, wie zum Beispiel die Sperrung des Internets, die die Kommunikation vieler seit Tagen unterbrochen, dennoch die Verbindungen derer, die etwas daf&uuml;r oder dagegen sagen wollen, nicht behindert hat. Viel weniger kann die gewaltsame Reaktion, insbesondere gegen gewaltfreie Menschen, als &uuml;berzeugendes Argument verwendet werden. Und es ist ja bekannt, dass Gewalt nicht nur k&ouml;rperlich sein kann.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Titelbild: Delpixel\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Proteste in Kuba von Anfang Juli n&auml;hren kaum noch Nachrichten im medialen Mainstream, was nicht bedeutet, dass sie keine Folgen hatten und dass die Vordergr&uuml;nde der Berichterstattung den historisch gewachsenen Hintergr&uuml;nden gerecht wurden. 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