{"id":74783,"date":"2021-08-02T08:45:36","date_gmt":"2021-08-02T06:45:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=74783"},"modified":"2021-08-13T10:58:14","modified_gmt":"2021-08-13T08:58:14","slug":"die-inhaftierung-von-craig-murray-ist-der-juengste-schritt-im-kampf-gegen-den-unabhaengigen-journalismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=74783","title":{"rendered":"Die Inhaftierung von Craig Murray ist der j\u00fcngste Schritt im Kampf gegen den unabh\u00e4ngigen Journalismus"},"content":{"rendered":"<p>Seit gestern sitzt ein Autor, den die NachDenkSeiten sehr sch&auml;tzen und dessen Artikel sie wiederholt in deutscher &Uuml;bersetzung ver&ouml;ffentlicht haben, im Gef&auml;ngnis &ndash; wegen seiner journalistischen Arbeit: Craig Murray, fr&uuml;herer britischer Botschafter in Usbekistan, Menschenrechtsaktivist und Journalist. Ihm hat die interessierte &Ouml;ffentlichkeit unter anderem zu verdanken, dass mehr als nur ein paar spr&ouml;de Worte &uuml;ber die Anh&ouml;rungen im Auslieferungsprozess gegen Julian Assange berichtet wurden. Murray hat das juristische Prozedere als einer von nur einer Handvoll Journalisten t&auml;glich im Londoner Gericht verfolgt und Nacht f&uuml;r Nacht sorgf&auml;ltige Protokolle dessen angefertigt, was er dort miterlebte: himmelschreiendes Unrecht und Rechtsbeugung in ersch&uuml;tterndem Ausma&szlig;.<br>\nDie Hintergr&uuml;nde zu Murrays eigenem Prozess haben die NachDenkSeiten schon <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=72388\">im Mai in einem Artikel<\/a> beleuchtet. Heute bringen wir eine Analyse des unabh&auml;ngigen britischen Journalisten <strong><a href=\"https:\/\/www.jonathan-cook.net\/blog\/2021-07-30\/craig-murrays-jailing-is-the-latest-move-in-the-battle-to-snuff-out-independent-journalism\/\">Jonathan Cook<\/a><\/strong>. Er sieht in der Inhaftierung von Craig Murray einen weiteren heftigen Schlag gegen die Pressefreiheit. &Uuml;bersetzung: <strong>Susanne Hofmann<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9977\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-74783-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210802-Die-Inhaftierung-von-Craig-Murray-ist-der-juengste-Schritt-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210802-Die-Inhaftierung-von-Craig-Murray-ist-der-juengste-Schritt-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210802-Die-Inhaftierung-von-Craig-Murray-ist-der-juengste-Schritt-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210802-Die-Inhaftierung-von-Craig-Murray-ist-der-juengste-Schritt-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=74783-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210802-Die-Inhaftierung-von-Craig-Murray-ist-der-juengste-Schritt-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"210802-Die-Inhaftierung-von-Craig-Murray-ist-der-juengste-Schritt-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Craig Murray, ehemaliger Botschafter in Usbekistan, Vater eines S&auml;uglings, Mann von fragiler Gesundheit und ohne Vorstrafen, musste sich Sonntagmorgen (1.8.) der schottischen Polizei stellen. Er wird der Erste sein, der jemals wegen des obskuren und nur vage definierten Vorwurfs der &bdquo;Puzzle-Identifikation&ldquo; inhaftiert wird. (Puzzle-Identifikation &ndash; der Vorwurf des Gerichts lautet: Murrays Ver&ouml;ffentlichungen liefern Puzzleteile, die &ndash; kombiniert mit Puzzleteilen anderer Quellen &ndash; zur Identifikation der Frauen h&auml;tten f&uuml;hren k&ouml;nnen, deren Identit&auml;t allerdings dank anderer Journalisten l&auml;ngst bekannt war; Anmerkung der &Uuml;bersetzerin)<\/p><p>Murray ist auch der erste Mensch seit einem halben Jahrhundert, der in Gro&szlig;britannien wegen Missachtung des Gerichts ins Gef&auml;ngnis gesteckt wird &ndash; vor einem halben Jahrhundert herrschten derart andere juristische und moralische Wertvorstellungen, dass das britische Establishment eben erst die Verfolgung &bdquo;Homosexueller&ldquo; und die Inhaftierung von Frauen, die abgetrieben haben, beendet hatte.  <\/p><p>Dass Murray f&uuml;r acht Monate ins Gef&auml;ngnis kommt, ein Urteil von Lady Dorrian, Schottlands zweith&ouml;chster Richterin, beruht nat&uuml;rlich ausschlie&szlig;lich auf einer k&uuml;hnen Auslegung schottischen Rechts und ist keineswegs Beweis daf&uuml;r, dass das schottische und das Londoner politische Establishment nach Rache an dem fr&uuml;heren Diplomaten trachten. <\/p><p>Und dass der britische Oberste Gerichtshof es abgelehnt hat, Murrays Einspruch anzuh&ouml;ren &ndash; obwohl es viele <a href=\"https:\/\/dissenter.substack.com\/p\/craig-murray-8-months-prison-sentence\">eklatante juristische Unregelm&auml;&szlig;igkeiten<\/a> in dem Fall gab &ndash; und so seinen Weg ins Gef&auml;ngnis geebnet hat, wurzelt ebenfalls in der konsequenten Anwendung des Gesetzes und ist in keinster Weise durch politische &Uuml;berlegungen beeinflusst. <\/p><p>Murrays Gef&auml;ngnisstrafe hat nichts damit zu tun, dass er den britischen Staat Anfang der 2000er Jahre blo&szlig;gestellt hat, indem er zu einem ganz seltenen Exemplar wurde: einem Whistleblower im diplomatischen Dienst. Er machte die Kollaboration der britischen und US-amerikanischen Regierungen mit dem Folterregime von Usbekistan &ouml;ffentlich.<\/p><p>Seine Inhaftierung hat auch nichts damit zu tun, dass Murray den britischen Staat in j&uuml;ngster Zeit in Verlegenheit brachte, indem er aus einem Londoner Gerichtssaal &uuml;ber die erschreckenden und <a href=\"https:\/\/www.jonathan-cook.net\/blog\/2021-01-04\/assange-wins-the-cost-press-freedom-is-crushed-and-dissent-labelled-mental-illness\/\">anhaltenden Rechtsverst&ouml;&szlig;e<\/a> berichtet hat bei Washingtons Versuch, die Auslieferung des Wikileaks-Gr&uuml;nders Julian Assange zu erreichen und ihn lebenslang in einem Hochsicherheitsgef&auml;ngnis wegzusperren. Die USA wollen an Assange ein Exempel statuieren, weil er Kriegsverbrechen im Irak und Afghanistan ans Licht gebracht hat und weil er geleakte diplomatische Depeschen ver&ouml;ffentlicht hat, die Washingtons h&auml;sslicher Au&szlig;enpolitik die Maske heruntergerissen haben. <\/p><p>Murrays Inhaftierung hat nichts damit zu tun, dass das Verfahren wegen Missachtung des Gerichts gegen ihn es dem schottischen Gericht erm&ouml;glichte, ihm seinen Pass zu entziehen, so dass er nicht nach Spanien reisen und in einem Prozess in Zusammenhang mit Assange aussagen konnte, der Gro&szlig;britannien und die USA ernsthaft in Verlegenheit bringt. Der spanischen Anh&ouml;rung liegen stapelweise Beweise daf&uuml;r vor, dass die USA Assange in der ecuadorianischen Botschaft in London <a href=\"https:\/\/thegrayzone.com\/2020\/09\/29\/spanish-judge-sheldon-adelson-assange-spying\/\">illegal ausspioniert haben<\/a>, wo er politisches Asyl suchte, um einer Auslieferung zu entgehen. Murray sollte eigentlich aussagen, dass seine eigenen vertraulichen Gespr&auml;che mit Assange gefilmt wurden, ebenso wie Assanges vertrauliche Treffen mit seinen eigenen Anw&auml;lten. Angesichts eines derartigen Aussp&auml;hens h&auml;tte das Verfahren gegen Assange eingestellt werden m&uuml;ssen, wenn die Richterin in London das Gesetz tats&auml;chlich angewandt h&auml;tte. <\/p><p>Gleicherma&szlig;en hat Murrays Inhaftierung nichts damit zu tun, dass er das schottische politische und juristische Establishment in Verlegenheit gebracht hat, indem er fast im Alleingang &uuml;ber die Seite der Verteidigung im Prozess gegen Schottlands ehemaligen Ersten Minister Alex Salmond berichtete. Die Konzernmedien haben nicht berichtet, wie die von Salmonds Anw&auml;lten vorgelegten Beweise dazu f&uuml;hrten, dass eine von Frauen dominierte Jury ihn von einer Reihe von Anklagen wegen sexueller &Uuml;bergriffe freisprach. Murrays aktuelle Schwierigkeiten gehen auf seine Berichterstattung &uuml;ber Salmonds Verteidigung zur&uuml;ck.<\/p><p>Und ganz sicher hat Murrays Inhaftierung rein gar nichts mit seiner Argumentation zu tun &ndash; eine, die erkl&auml;ren k&ouml;nnte, warum die Jury von der Anklage so wenig &uuml;berzeugt war &ndash; dass Salmond tats&auml;chlich Opfer eines ganz oben angesiedelten Komplotts hochrangiger Politiker in Holyrood (schottischer Parlamentssitz; Anmerkung der &Uuml;bersetzerin) war, um ihn zu diskreditieren und zu verhindern, dass er an die Spitze der schottischen Politik zur&uuml;ckkehrt. Die Absicht war laut Murray, Salmond die Chance vorzuenthalten, es mit London aufzunehmen und ernsthaft f&uuml;r die Unabh&auml;ngigkeit zu pl&auml;dieren und damit zu entlarven, dass die SNP sich in diesem Bestreben zunehmend auf Lippenbekenntnisse beschr&auml;nkt. <\/p><p><strong>Unerbittlicher Angriff<\/strong><\/p><p>Murray ist dem britischen Establishment seit fast zwei Jahrzehnten ein Dorn im Auge. Jetzt haben sie einen Weg gefunden, ihn genau wie Assange einzusperren und in m&ouml;glicherweise jahrelang in Rechtsstreitigkeiten zu verwickeln, die ihn bei seinem Versuch, seinen Namen reinzuwaschen, in den Bankrott treiben k&ouml;nnten.<\/p><p>Und angesichts seines &auml;u&szlig;erst prek&auml;ren Gesundheitszustands &ndash; der dem Gericht en detail dokumentiert wurde &ndash; besteht die Gefahr, dass aus seiner achtmonatigen Gef&auml;ngnisstrafe eine lebenslange Haft wird. Murray w&auml;re vor 17 Jahren beinahe an einer Lungenembolie gestorben, als er das letzte Mal so erbarmungslos vom britischen Establishment angegriffen wurde. Sein Gesundheitszustand hat sich seitdem nicht verbessert.<\/p><p>Zu dieser Zeit, in den fr&uuml;hen 2000er Jahren, im Vorfeld und in den fr&uuml;hen Phasen des Einmarschs in den Irak enth&uuml;llte Murray die Mitwirkung seiner britischen Diplomatenkollegen &ndash; ihren Hang, die Augen zu verschlie&szlig;en vor den von ihrer eigenen Regierung gebilligten Verst&ouml;&szlig;en und ihrer korrupten und korrumpierenden Allianz mit den USA.<\/p><p>Als sp&auml;ter Washingtons Programm der &bdquo;au&szlig;erordentlichen Auslieferung&ldquo; &ndash; staatliche Entf&uuml;hrung &ndash; sowie sein Folterregime an Orten wie Abu Ghraib ans Licht kamen, h&auml;tte sich die Aufmerksamkeit auf das Vers&auml;umnis der Diplomaten richten sollen, dagegen aufzubegehren. Im Gegensatz zu Murray weigerten sie sich, zu Whistleblowern zu werden. Sie deckten die Illegalit&auml;t und Barbarei.<\/p><p>F&uuml;r seine M&uuml;hen wurde Murray von Tony Blairs Regierung unter anderem als Sexualstraft&auml;ter verleumdet &ndash; Vorw&uuml;rfe, von denen ihn eine Untersuchung des Ausw&auml;rtigen Amtes schlie&szlig;lich reinwusch. Aber der Schaden war angerichtet, Murray wurde aus seinem Amt gedr&auml;ngt. Ein Bekenntnis zu moralischer und rechtlicher Redlichkeit war offensichtlich unvereinbar mit den Zielen der britischen Au&szlig;enpolitik.<\/p><p>Murray musste seine Karriere neu erfinden, und er tat dies mit einem <a href=\"https:\/\/www.craigmurray.org.uk\/\">beliebten Blog<\/a>. Er hat sich in seinem Journalismus mit der gleichen Verve f&uuml;r die Wahrheitsfindung und den Schutz der Menschenrechte eingesetzt &ndash; und ist erneut auf ebenso heftigen Widerstand des britischen Establishments gesto&szlig;en.<\/p><p><strong>Zwei-Klassen-Journalismus<\/strong><\/p><p>Die krasseste und verst&ouml;rendste rechtliche Neuerung in Lady Dorrians Urteil gegen Murray &ndash; und der Hauptgrund daf&uuml;r, dass er ins Gef&auml;ngnis muss &ndash; ist ihre Entscheidung, Journalisten in zwei Klassen zu unterteilen: diejenigen, die f&uuml;r anerkannte Konzernmedien arbeiten, und solche wie Murray, die unabh&auml;ngig sind, oft von den Lesern finanziert werden und eben nicht &uuml;ppige Geh&auml;lter von Milliard&auml;ren oder dem Staat beziehen.<\/p><p>Laut Lady Dorrian haben lizenzierte Unternehmensjournalisten Anspruch auf Rechtsschutz, den sie inoffiziellen und unabh&auml;ngigen Journalisten wie Murray verweigert &ndash; genau den Journalisten also, die Regierungen am ehesten die Stirn bieten, das Rechtssystem kritisieren und die Heuchelei und L&uuml;gen der Medienunternehmen aufdecken.<\/p><p>Als sie Murray der sogenannten &bdquo;Puzzle-Identifikation&ldquo; f&uuml;r schuldig befunden hat, hat Lady Dorrian aber nicht unterschieden zwischen dem, was Murray &uuml;ber den Fall Salmond schrieb, und dem, was von oben gebilligte Unternehmensjournalisten schrieben.<\/p><p>Das hat einen guten Grund. Zwei Umfragen haben gezeigt, dass die meisten, die den Salmond-Prozess mitverfolgt haben und glauben, eine oder mehrere seiner Ankl&auml;gerinnen identifiziert zu haben, dazu aufgrund der Berichterstattung der Konzernmedien &ndash; insbesondere der BBC &ndash; imstande waren. Murrays Artikel scheinen nur sehr wenig Einfluss auf die Identifizierung der Ankl&auml;gerinnen gehabt zu haben. Unter den namentlich genannten einzelnen Journalisten wurde Dani Garavelli, der f&uuml;r die schottische Sonntagszeitung &bdquo;Scotland on Sunday&ldquo; und die &bdquo;London Review of Books&ldquo; &uuml;ber den Prozess schrieb, von den Befragten 15 Mal h&auml;ufiger als Murray als diejenige Quelle genannt, die ihnen erm&ouml;glichte, Salmonds Ankl&auml;gerinnen zu identifizieren.<\/p><p>Lady Dorrian unterschied vielmehr, wer im Falle der Offenlegung der Identit&auml;ten Schutz genie&szlig;en w&uuml;rde. Wer f&uuml;r die &bdquo;Times&ldquo; oder den &bdquo;Guardian&ldquo; schreibt oder f&uuml;r die BBC sendet, deren Reichweite enorm ist, wird von den Gerichten vor strafrechtlicher Verfolgung gesch&uuml;tzt. Wer &uuml;ber dieselben Themen f&uuml;r einen Blog schreibt, riskiert, ins Gef&auml;ngnis geworfen zu werden.<\/p><p>Tats&auml;chlich besteht die rechtliche Grundlage der &bdquo;Puzzle-Identifikation&ldquo; &ndash; man k&ouml;nnte auch sagen: ihr alleiniger Zweck &ndash;  darin, dass sie dem Staat gef&auml;hrliche Befugnisse einr&auml;umt. Sie erlaubt dem juristischen Establishment, willk&uuml;rlich zu entscheiden, welches St&uuml;ck des vermeintlichen Puzzles eine Identifikation erm&ouml;glicht haben soll. Wenn ein Bericht von Kirsty Wark von der BBC ein Puzzleteil enth&auml;lt, gilt dies in den Augen des Gerichts nicht als Identifizierung. Wenn Murray oder ein anderer unabh&auml;ngiger Journalist ein anderes Puzzleteil zeigt, z&auml;hlt es als Identifizierung. Wie leicht dieses Prinzip vom Establishment missbraucht werden kann, um regierungskritische Journalisten zu unterdr&uuml;cken und zum Schweigen zu bringen, muss nicht eigens betont werden.<\/p><p>Und doch ist dies nicht mehr allein Lady Dorrians Urteilsspruch. Indem er sich weigerte, Murrays Berufung anzuh&ouml;ren, hat der Oberste Gerichtshof des Vereinigten K&ouml;nigreichs dieses gef&auml;hrliche Zweiklassensystem abgesegnet.<\/p><p><strong>Vom Staat anerkannt<\/strong><\/p><p>Lady Dorrian wirft die herk&ouml;mmliche Auffassung dar&uuml;ber &uuml;ber den Haufen, was Journalismus ausmacht: dass er n&auml;mlich im besten Falle darauf ausgelegt ist, die M&auml;chtigen zur Rechenschaft zu ziehen, und dass jeder, der einer solchen Arbeit nachgeht, Journalismus betreibt, gleich ob er nun als Journalist angesehen wird oder nicht. <\/p><p>Diese Auffassung lag bis vor kurzem auf der Hand. Als die sozialen Medien aus dem Boden sprossen, war einer der Vorteile, die selbst von den Unternehmensmedien propagiert wurden, die Entstehung einer neuen Art von &bdquo;B&uuml;rgerjournalisten&ldquo;. Zu diesem Zeitpunkt glaubten die Unternehmensmedien, dass diese B&uuml;rgerjournalisten zu billigem Futter werden w&uuml;rden, indem sie lokale Geschichten vor Ort liefern w&uuml;rden, zu denen nur sie Zugang h&auml;tten, und dass nur die etablierten Medien in der Lage seien, Geld zu verdienen. Genau dies war der Ansto&szlig; f&uuml;r die &bdquo;Comment is Free&ldquo;-Rubrik des Guardian, die es anfangs allerlei Menschen mit unterschiedlichem Fachwissen oder Informationen erm&ouml;glichte, der Zeitung kostenlos Artikel zur Verf&uuml;gung zu stellen, um die Verkaufszahlen und Anzeigenpreise der Zeitung zu steigern.<\/p><p>Die Einstellung des Establishments zu B&uuml;rgerjournalisten und des Guardian zum &bdquo;Comment is Free&ldquo;-Modell &auml;nderte sich erst, als sich zeigte, dass diese neuen Journalisten schwer zu kontrollieren waren und ihre Arbeit oft und bisweilen ungewollt die Unzul&auml;nglichkeiten, T&auml;uschungen und die Doppelmoral der Konzernmedien verdeutlichte.<\/p><p>Nun ist Lady Dorrians Urteil der Sargnagel des B&uuml;rgerjournalismus. Sie hat mit ihrer Entscheidung klargemacht, dass sie und andere Richter dar&uuml;ber entscheiden, wer als Journalist gilt und damit f&uuml;r seine Arbeit Rechtsschutz erh&auml;lt. Auf diese Weise kann der Staat Journalisten eine Lizenz oder das Siegel der &bdquo;Glaubw&uuml;rdigkeit&ldquo; erteilen. Das macht den Journalismus zu einer Berufszunft, in der nur offizielle, in Unternehmen besch&auml;ftigte Journalisten vor rechtlichen Vergeltungsma&szlig;nahmen des Staates gesch&uuml;tzt sind.<\/p><p>Wenn man ein nicht gebilligter, nicht offiziell zugelassener Journalist ist, kann man wie Murray ins Gef&auml;ngnis geworfen werden, auf einer &auml;hnlichen Rechtsgrundlage wie jemand, der ohne die erforderliche Qualifikation einen chirurgischen Eingriff vornimmt. Aber w&auml;hrend das Gesetz gegen Scharlatan-Chirurgen dazu dient, die &Ouml;ffentlichkeit zu sch&uuml;tzen, um zu verhindern, dass den Kranken unn&ouml;tiger Schaden zugef&uuml;gt wird, wird Lady Dorrians Urteil einem ganz anderen Zweck dienen: den Staat vor dem Schaden zu sch&uuml;tzen, der verursacht wird, indem l&auml;stige, skeptische &ndash; und inzwischen weitgehend unabh&auml;ngige &ndash; Journalisten seine geheimen oder b&ouml;sartigsten Taten enth&uuml;llen. <\/p><p>Der Journalismus kommt wieder unter die Knute des Staates und milliardenschwerer Unternehmen. Es mag nicht &uuml;berraschen, dass Journalisten, die bei Unternehmen angestellt sind und ihren Job gerne behalten wollen, diesem totalen Angriff auf den Journalismus und die freie Meinungs&auml;u&szlig;erung durch ihr Schweigen zustimmen. Schlie&szlig;lich ist dies eine Art Protektionismus &ndash; zus&auml;tzliche Arbeitsplatzsicherheit &ndash; f&uuml;r Journalisten, die bei Konzernmedien angestellt sind, die im Grunde gar nicht die Absicht haben, die M&auml;chtigen in die Schranken zu weisen.<\/p><p>Wirklich schockierend ist jedoch, dass dieser gef&auml;hrliche Machtzuwachs des Staates und seiner verb&uuml;ndeten Unternehmensklasse implizit den R&uuml;ckhalt der britischen Journalistengewerkschaft National Union of Journalists (NUJ) genie&szlig;t. Sie hat w&auml;hrend der monatelangen Angriffe auf Murray und der mannigfaltigen Bem&uuml;hungen, ihn f&uuml;r seine Berichterstattung zu diskreditieren, geschwiegen. Die NUJ hat kaum gemuckst, als Lady Dorrian zwei Klassen von Journalisten geschaffen hat &ndash; staatlich anerkannte und nicht anerkannte &ndash; oder als sie Murray aus diesen Gr&uuml;nden inhaftiert hat. <\/p><p>Aber die NUJ ist noch weitergegangen. Ihre F&uuml;hrungsfiguren haben &ouml;ffentlich demonstriert, dass sie mit Murray nichts zu tun haben wollen, indem sie ihm die Mitgliedschaft in der Gewerkschaft vorenthalten haben, obwohl ihre Funktion&auml;re einger&auml;umt haben, dass sie ihm zust&uuml;nde, weil er als Journalist z&auml;hlt. Die NUJ hat sich an der Jagd auf einen Journalisten genauso beteiligt wie Murrays Diplomatenkollegen einst an der Jagd auf ihn als Botschafter. Dies ist eine wahrlich besch&auml;mende Episode in der Geschichte der NUJ.<\/p><p><strong>Redefreiheit kriminalisiert<\/strong><\/p><p>Aber noch gef&auml;hrlicher ist, dass das Urteil von Lady Dorrian sich in das Muster einf&uuml;gt, in dem das politische, juristische und mediale Establishment zusammenarbeiten, um die Definition dessen, was als Journalismus gilt, zu verengen, um alles auszuschlie&szlig;en, was &uuml;ber den Dreck hinausgeht, der in den Unternehmensmedien normalerweise als Journalismus gilt.<\/p><p>Murray war einer der wenigen Journalisten, der ausf&uuml;hrlich &uuml;ber die Argumentation von Assanges Anwaltsteam in seinen Auslieferungsanh&ouml;rungen berichtet hat. Bemerkenswerterweise haben die Vorsitzenden Richter sowohl im Falle Assange als auch bei Murray den Schutz der freien Meinungs&auml;u&szlig;erung, der sich traditionell auf den Journalismus erstreckt, eingeschr&auml;nkt, und zwar, indem sie eingeengt haben, wer als Journalist z&auml;hlt. In beiden F&auml;llen handelt es sich um Frontalangriffe auf die F&auml;higkeit einer bestimmten Art von Journalisten &ndash; diejenigen, die frei von unternehmerischem oder staatlichem Druck sind &ndash; &uuml;ber wichtige politische Geschichten zu berichten. Auf die Weise haben sie den unabh&auml;ngigen Journalismus kriminalisiert. Und all dies hat man durch Taschenspielertricks erreicht.<\/p><p>In Assanges Fall schloss sich Richterin Vanessa Baraitser den Behauptungen der USA weitgehend an, dass das, was der Wikileaks-Gr&uuml;nder gemacht hatte, Spionage und kein Journalismus sei. Die Obama-Regierung hatte die Anklage gegen Assange aufgeschoben, weil sie im Gesetz keinen Unterschied finden konnte zwischen seinem Rechtsanspruch, Beweise f&uuml;r US-Kriegsverbrechen zu ver&ouml;ffentlichen, und dem Recht der &bdquo;New York Times&ldquo; und des &bdquo;Guardian&ldquo;, die gleichen Beweise zu ver&ouml;ffentlichen, die Wikileaks ihnen zur Verf&uuml;gung gestellt hatte. Wenn die US-Regierung Assange strafrechtlich verfolgen w&uuml;rde, m&uuml;sste sie auch die Herausgeber dieser Zeitungen strafrechtlich verfolgen.<\/p><p>Donald Trumps Beamte haben dieses Problem umgangen, indem sie unterschieden haben zwischen &bdquo;echten&ldquo; Journalisten, die bei Unternehmen besch&auml;ftigt sind, welche die Ver&ouml;ffentlichungen &uuml;berwachen und kontrollieren, und &bdquo;falschen&ldquo; Journalisten, jenen Unabh&auml;ngigen, die keiner derartigen Aufsicht und Druck unterliegen. <\/p><p>Trumps Beamte verweigerten Assange den Status eines Journalisten und Herausgebers und behandelten ihn stattdessen wie einen Spion, der mit Whistleblowern kollaborierte und sie unterst&uuml;tzte. Dadurch wurde angeblich der Schutz der freien Meinungs&auml;u&szlig;erung annulliert, den er verfassungsm&auml;&szlig;ig genoss. Aber nat&uuml;rlich war das US-Verfahren gegen Assange offenkundiger Unsinn. Es ist von zentraler Bedeutung f&uuml;r die Arbeit investigativer Journalisten, mit Whistleblowern zu &bdquo;kollaborieren&ldquo; und sie zu unterst&uuml;tzen. Und Spione hamstern die Informationen, die sie von solchen Whistleblowern erlangen, sie ver&ouml;ffentlichen sie nicht weltweit, wie es Assange getan hat.<\/p><p>Man beachte die Parallelen zu Murrays Fall.<\/p><p>Die Haltung von Richterin Baraitser im Falle Assange spiegelte die Haltung der USA wider: Nur anerkannte, akkreditierte Journalisten genie&szlig;en Rechtsschutz vor strafrechtlicher Verfolgung; nur anerkannte, akkreditierte Journalisten haben das Recht auf freie Meinungs&auml;u&szlig;erung (sofern sie es in Nachrichtenredaktionen aus&uuml;ben m&ouml;chten, die staatlichen Interessen oder Unternehmensinteressen verpflichtet sind). Meinungsfreiheit und Rechtsschutz, so Baraitser, beziehen sich nicht mehr haupts&auml;chlich auf die Rechtm&auml;&szlig;igkeit dessen, was gesagt wird, sondern auf den rechtlichen Status dessen, der es sagt.<\/p><p>Lady Dorrian verfolgte eine &auml;hnliche Methodik im Fall von Murray. Sie hat ihm den Status eines Journalisten verweigert und ihn stattdessen als eine Art &bdquo;unechten&ldquo; Journalisten oder Blogger eingestuft. Wie bei Assange impliziert dies, dass &bdquo;unechte&ldquo; oder &bdquo;falsche&ldquo; Journalisten eine so au&szlig;ergew&ouml;hnliche Bedrohung f&uuml;r die Gesellschaft darstellen, dass man ihnen den normalen gesetzlichen Schutz der Redefreiheit entziehen muss.<\/p><p>Die vom Gericht ins Feld gef&uuml;hrte &bdquo;Puzzle-Identifikation&ldquo; &ndash; insbesondere in Zusammenhang mit Vorw&uuml;rfen sexueller &Uuml;bergriffe, bei denen es um Frauenrechte geht und bei denen die aktuelle Besessenheit mit Identit&auml;tspolitik mit reinspielt &ndash; ist das perfekte Vehikel, um eine breite Zustimmung f&uuml;r die Kriminalisierung der freien Meinungs&auml;u&szlig;erung kritischer Journalisten zu gewinnen.<\/p><p><strong>Fesseln der Unternehmensmedien<\/strong><\/p><p>Man sollte den Blick noch etwas weiten und erkennen, was f&uuml;r jeden ehrlichen Journalisten, egal ob er einem Unternehmen dient oder nicht, kaum zu &uuml;bersehen sein sollte. Lady Dorrian und Richterin Baraitser &ndash; und das Establishment hinter ihnen &ndash; versuchen, den Geist aus der Flasche wieder einzufangen. Sie versuchen, einen Trend umzukehren, der seit mehr als einem Jahrzehnt dazu gef&uuml;hrt hat, dass eine kleine, aber wachsende Zahl von Journalisten neue Technologien und soziale Medien nutzen, um die Fesseln der Unternehmensmedien abzuwerfen und Wahrheiten auszusprechen, die das Publikum nie zu h&ouml;ren kriegen sollte.<\/p><p>Sie glauben mir nicht? Betrachten wir den Fall des &bdquo;Guardian&ldquo;- und &bdquo;Observer&ldquo;-Journalisten Ed Vulliamy. In seinem Buch &bdquo;Flat Earth News&ldquo; erz&auml;hlt Vulliamys &bdquo;Guardian&ldquo;-Kollege Nick Davies, wie Roger Alton, der Herausgeber des &bdquo;Observer&ldquo; zur Zeit des Irakkriegs und ein anerkannter, properer Journalist, wie er im Buche steht, monatelang die Ver&ouml;ffentlichung einer der wichtigsten Stories in der Geschichte der Zeitung blockierte.<\/p><p>Ende 2002 &uuml;berredete Vulliamy, ein erfahrener und &auml;u&szlig;erst zuverl&auml;ssiger Reporter, Mel Goodman, einen ehemaligen hochrangigen CIA-Beamten, der bei der CIA noch Zugang zu Dokumenten hatte, die unter Verschluss standen, zu Protokoll zu geben, dass die CIA wusste, dass es im Irak keine Massenvernichtungswaffen gab. Letzteres sollte ja als Vorwand f&uuml;r eine unmittelbar bevorstehende und illegale Invasion dieses Landes dienen. Wie viele vermuteten, hatten die Regierungen der USA und Gro&szlig;britanniens gelogen, um einen bevorstehenden Angriffskrieg gegen den Irak zu rechtfertigen, und Vulliamy hatte eine wichtige Quelle, um dies zu beweisen.<\/p><p>Doch zuerst vereitelte Alton diese weltbewegende Story und weigerte sich dann in den folgenden Monaten, weitere sechs Versionen zu ver&ouml;ffentlichen, die der zunehmend ver&auml;rgerte Vulliamy geschrieben hatte, als der Krieg bedrohlich n&auml;her r&uuml;ckte. Alton wollte die Story partout aus den Nachrichten heraushalten. Im Jahr 2002 brauchte es nur eine Handvoll Herausgeber &ndash; die alle aufgrund ihrer Diskretion, ihres Feinsinns und ihres bedachten &bdquo;Urteilsverm&ouml;gens&ldquo; Karriere gemacht hatten &ndash; um sicherzustellen, dass manche Arten von Nachrichten ihre Leser nie erreichten.<\/p><p>Die sozialen Medien haben solche Kalkulationen durchkreuzt. Vulliamys Story lie&szlig;e sich heute nicht mehr so einfach unterdr&uuml;cken. Sie w&uuml;rde durchsickern und zwar mithilfe eines prominenten unabh&auml;ngigen Journalisten wie Assange oder Murray. Genau deshalb sind solche Figuren so wichtig f&uuml;r eine gesunde und informierte Gesellschaft &ndash; und deshalb l&auml;sst man sie, und einige andere wie sie, nach und nach verschwinden. Der Preis, unabh&auml;ngige Journalisten frei agieren zu lassen, ist viel zu hoch. Das hat das Establishment erkannt. <\/p><p>Zun&auml;chst hat man jeglichen unabh&auml;ngigen, nicht offiziell abgesegneten Journalismus &uuml;ber einen Kamm geschoren und als &bdquo;Fake News&ldquo; bezeichnet. Vor diesem Hintergrund konnten Social-Media-Konzerne mit traditionellen Medienunternehmen kollaborieren, um von Algorithmen unabh&auml;ngige Journalisten dem Vergessen anheimzugeben. Und nun werden unabh&auml;ngige Journalisten dar&uuml;ber aufgekl&auml;rt, welches Schicksal ihnen wahrscheinlich bl&uuml;ht, sollten sie versuchen, in Assanges oder Murrays Fu&szlig;stapfen zu treten.<\/p><p><strong>Am Steuer eingeschlafen<\/strong><\/p><p>Tats&auml;chlich hat sich das britische Establishment, w&auml;hrend die Journalisten der Medienkonzerne am Steuer geschlafen haben, darauf vorbereitet, das Netz weiter zu spannen, um jeden Journalismus zu kriminalisieren, der versucht, die Macht ernsthaft zur Verantwortung zu ziehen. Ein k&uuml;rzlich ver&ouml;ffentlichtes <a href=\"https:\/\/www.gov.uk\/government\/consultations\/legislation-to-counter-state-threats\">Konsultationsdokument der Regierung<\/a>, das ein drakonischeres Vorgehen gegen etwas fordert, was irref&uuml;hrenderweise als &bdquo;weitere Offenlegung&ldquo; bezeichnet wird &ndash; ein Code f&uuml;r Journalismus &ndash; hat die Unterst&uuml;tzung von Innenministerin Priti Patel gewonnen. Das Dokument stuft Journalismus implizit kaum anders als Spionage und Whistleblowing ein.<\/p><p>Als Folge des Konsultationspapiers hat das Innenministerium das Parlament dazu aufgefordert, &bdquo;sch&auml;rfere H&ouml;chststrafen&ldquo; f&uuml;r T&auml;ter &ndash; also Journalisten &ndash; zu erw&auml;gen und die Unterscheidung &bdquo;zwischen Spionage und gravierendsten unerlaubten Offenlegungen&ldquo; aufzuheben. Das Argument der Regierung lautet, dass &bdquo;weitere Offenlegungen&ldquo; &bdquo;weitaus betr&auml;chtlicheren Schaden&ldquo; verursachen k&ouml;nnen als Spionage und daher &auml;hnlich behandelt werden sollten. Kommt das Argument so durch, wird jede Verteidigung des &ouml;ffentlichen Interesses &ndash; der traditionelle Schutz f&uuml;r Journalisten &ndash; erstickt.<\/p><p>Jedem, der die Assange-Anh&ouml;rungen im vergangenen Sommer verfolgt hat &ndash; was die meisten Journalisten in den Konzernmedien ausschlie&szlig;t &ndash; wird auffallen, dass hier die Argumente der USA f&uuml;r die Auslieferung Assanges aufgegriffen werden: die Argumentation, die Richterin Baraitser weitgehend zugelassen hat, dass Journalismus mit Spionage verschmilzt.  <\/p><p>Nichts davon kommt aus heiterem Himmel. Wie die Informationstechnologie-Website &bdquo;The Register&ldquo; <a href=\"https:\/\/www.theregister.com\/2017\/02\/10\/espionage_law_jail_journalists_as_spies\/\">bereits 2017 feststellte<\/a>, pr&uuml;fte die Law Commission zu dieser Zeit &bdquo;Vorschl&auml;ge in Gro&szlig;britannien f&uuml;r ein drastisches neues Spionagegesetz, das Journalisten als Spione ins Gef&auml;ngnis bringen k&ouml;nnte&ldquo;. Es hie&szlig;, ein solches Gesetz werde &bdquo;eilig von Rechtsberatern entwickelt&ldquo;.<\/p><p>Es ist ziemlich au&szlig;ergew&ouml;hnlich, dass es zwei investigative Journalisten &ndash; einer davon ein langj&auml;hriger ehemaliger Mitarbeiter des &bdquo;Guardian&ldquo; &ndash; im Juli geschafft haben, dort einen <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/commentisfree\/2021\/jul\/20\/proposed-secrecy-law-journalism-spying-home-office-public-interest-whistleblowing\">ganzen Artikel<\/a> &uuml;ber das Regierungskonsultationspapier zu schreiben und Assange kein einziges Mal zu erw&auml;hnen. Die Warnzeichen sind seit fast einem Jahrzehnt da, aber die in Unternehmen angestellten Journalisten haben sich geweigert, sie zu bemerken. Ebenso ist es kein Zufall, dass Murrays missliche Lage auch nicht auf dem Radar der Konzernmedien erschien.<\/p><p>Assange und Murray sind die Warnung, so wie Kanarienv&ouml;gel in der Kohlenmine, was das sch&auml;rfere Vorgehen gegen den investigativen Journalismus und gegen Versuche, die Exekutivgewalt zur Rechenschaft zu ziehen, angeht. Konzernmedien leisten Letzteres nat&uuml;rlich immer weniger. Das k&ouml;nnte erkl&auml;ren, warum diese dem zunehmend scharfen politischen und rechtlichen Klima gegen Meinungsfreiheit und Transparenz nicht nur gelassen begegnen, sondern es fast schon bejubeln.<\/p><p>In den F&auml;llen von Assange und Murray nimmt sich der britische Staat heraus zu definieren, was zum legitimen, autorisierten Journalismus z&auml;hlt &ndash; und Journalisten tragen diese gef&auml;hrliche Entwicklung mit, und sei es nur durch ihr Schweigen. Diese geheimen Absprachen sagen uns viel &uuml;ber die gegenseitigen Interessen des politischen und juristischen Establishments einerseits und der Medienunternehmen andererseits.<\/p><p>Assange und Murray erz&auml;hlen uns nicht nur verst&ouml;rende Wahrheiten, die wir nicht h&ouml;ren sollen. Die Tatsache, dass ihnen die Solidarit&auml;t von ihren Kollegen verweigert wird, die m&ouml;glicherweise als n&auml;chstes in der Schusslinie stehen, sagt uns alles, was wir &uuml;ber die sogenannten Mainstream-Medien wissen m&uuml;ssen: dass n&auml;mlich die Rolle von Unternehmensjournalisten darin besteht, den Interessen des Establishments zu dienen, nicht sie infrage zu stellen.<\/p><p>Titelbild: Moritz M&uuml;ller<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit gestern sitzt ein Autor, den die NachDenkSeiten sehr sch&auml;tzen und dessen Artikel sie wiederholt in deutscher &Uuml;bersetzung ver&ouml;ffentlicht haben, im Gef&auml;ngnis &ndash; wegen seiner journalistischen Arbeit: Craig Murray, fr&uuml;herer britischer Botschafter in Usbekistan, Menschenrechtsaktivist und Journalist. Ihm hat die interessierte &Ouml;ffentlichkeit unter anderem zu verdanken, dass mehr als nur ein paar spr&ouml;de Worte &uuml;ber<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=74783\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":72399,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,107,198,126,182],"tags":[2218,681,2163,469,1471,930,2669,2295,1415,1204,2291,1556,244,1087],"class_list":["post-74783","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuelles","category-audio-podcast","category-einzelne-politiker-personen-der-zeitgeschichte","category-erosion-der-demokratie","category-medienkonzentration-vermachtung-der-medien","tag-alternative-medien","tag-assange-julian","tag-gefaengnis","tag-grossbritannien","tag-investigativer-journalismus","tag-justiz","tag-leitmedien","tag-murray-craig","tag-pressefreiheit","tag-schottland","tag-spionage","tag-usa","tag-vierte-gewalt","tag-whistleblower"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/IMG_1136-scaled.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/74783","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=74783"}],"version-history":[{"count":13,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/74783\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":74805,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/74783\/revisions\/74805"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/72399"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=74783"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=74783"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=74783"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}