{"id":75192,"date":"2021-08-14T16:23:51","date_gmt":"2021-08-14T14:23:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=75192"},"modified":"2021-08-14T17:36:29","modified_gmt":"2021-08-14T15:36:29","slug":"rauchsignale-an-die-kuenftige-bundesregierung-die-kriminelle-szenerie-und-die-verbrannte-erde-in-der-amazonien-politik-des-bolsonaro-regimes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=75192","title":{"rendered":"Rauchsignale an die k\u00fcnftige Bundesregierung \u2013 Die kriminelle Szenerie und die verbrannte Erde in der Amazonien-Politik des Bolsonaro-Regimes"},"content":{"rendered":"<p><strong>Teil 1: Vom Abgang Ricardo Salles&lsquo; zur Nachfolge Joaquim Leites.<\/strong> Ende des vergangenen Monats Juni wurde nach zweieinhalb Jahren langer, einheimischer und internationaler Emp&ouml;rung Jair Bolsonaros Umweltminister Ricardo Salles seines Amtes enthoben. Doch nicht etwa allein als Folge der genannten Proteste, sondern vor allem wegen der <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/brasilien-korruption-holzexport-101.html\">Polizei-Ermittlungen<\/a>. Die Aff&auml;re liest sich wie ein filmreifes Drehbuch mit weltumspannender Szenerie und Akteuren, doch die Hauptfigur gibt h&ouml;chstens den Schurken eines billigen Krimis her. Salles, so bewies Polizeikommissar Alexandre Saraiva, handelte als Mitglied einer internationalen <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=jLHqJgYQ81o\">Waldrodungs- und Holz-Schmugglerbande<\/a>. Ausgerechnet ein Umweltminister als Holz-Schmuggler? Von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDie Korruptions-Anklagen gegen Salles sind keine Ausnahme. Dutzende <a href=\"https:\/\/blogs.correiobraziliense.com.br\/vicente\/os-quatro-filhos-de-bolsonaro-estao-sob-investigacao-da-justica-e-da-pf\/\">Ermittlungen gegen die vier S&ouml;hne Bolsonaros<\/a>, zahlreiche Milit&auml;rs &ndash; darunter mehrerer in ein <a href=\"https:\/\/theintercept.com\/2021\/07\/31\/bolsonaro-brazil-covid-vaccine-corruption\/\">milliardenschweres, illegales Gesch&auml;ft mit Covid-19-Impfstoffen<\/a> involvierter Gener&auml;le und hoher Offiziere &ndash; pr&auml;gen den heruntergekommenen Ruf des Bolsonaro-Regimes. Nach neuesten Erhebungen sind mindestens 70 Prozent der BrasilianerInnen <a href=\"https:\/\/g1.globo.com\/politica\/noticia\/2021\/07\/11\/para-70percent-dos-brasileiros-ha-corrupcao-no-governo-de-jair-bolsonaro-diz-datafolha.ghtml\">von der Korruption in der Regierung &uuml;berzeugt<\/a>; eine Erkenntnis, die im Hinblick auf die seit mehr als 15 Jahren anhaltenden, haneb&uuml;chenen und kriminellen Umtriebe des Familien-Clans Bolsonaro nur z&ouml;gernd international wahrgenommen wird.<\/p><p>Das Investigativ-Portal Organized Crime and Corruption Reporting Project (OCCRP) begriff immerhin vor einem Jahr die Machenschaften des ehemaligen Fallschirmj&auml;gers und verlieh Bolsonaro den ver&auml;chtlichen Titel der <a href=\"https:\/\/www.occrp.org\/en\/poy\/2020\/\">korruptesten Pers&ouml;nlichkeit des Jahres 2020<\/a>. Die in- und ausl&auml;ndische &Ouml;ffentlichkeit gab sich anfangs verbl&uuml;fft, hatte doch der Regierungschef seine Pr&auml;sidentschaftskandidatur 2018 mit lautstarken Korruptionsvorw&uuml;rfen gegen die linke Arbeiterpartei (PT) und ihren ehemaligen Pr&auml;sidenten Luis In&aacute;cio Lula da Silva angetreten, den moralisierenden Anspruch der &bdquo;radikalen Korruptionsbek&auml;mpfung&ldquo; erhoben und ausgerechnet Lulas unsauberen Scharfrichter S&eacute;rgio Moro zum Justizminister nominiert. Eine von langer Hand inszenierte Farce, wie das kritische brasilianische Parlaments-Nachrichtenportal <em>Congresso em Foco<\/em> die Betr&uuml;gereien und Bereicherung des Faschisten beschrieb und ihn als <a href=\"https:\/\/congressoemfoco.uol.com.br\/jair-bolsonaro-o-mito-de-pes-de-barro\/\">&bdquo;einen Mythos auf t&ouml;nernen F&uuml;&szlig;en&ldquo;<\/a> bezeichnete.<\/p><p><strong>Salles ging, Leite kam &ndash; mehr vom Selben?<\/strong><\/p><p>Das brasilianische Portal f&uuml;r Umwelt-Journalismus <em>Conex&atilde;o Planeta<\/em> nannte Salles <a href=\"https:\/\/conexaoplaneta.com.br\/blog\/ricardo-salles-o-pior-ministro-do-meio-ambiente-do-brasil-deixa-o-governo\/\">&bdquo;den &uuml;belsten Umweltminister Brasiliens&ldquo;<\/a>, die Journalisten-Genossenschaft <em>Journalistas Livres<\/em> bezeichnete seinen Abgang als <a href=\"https:\/\/jornalistaslivres.org\/serial-killer-do-meio-ambiente-e-servical-do-agronegocio-ricardo-salles-cai\/\">&bdquo;Sturz eines Serienkillers&ldquo;<\/a>. Durch Salles entlassene Wissenschaftler im seit zwei Jahren von Milit&auml;rs kontrollierten Umwelt-Fachinstitut <em>Ibama<\/em> erblicken in Joaquim Leite, dem von Salles selbst empfohlenen Freund und Nachfolger im Ministeramt, nichts als die Fortsetzung des Umweltdesasters: <a href=\"https:\/\/veja.abril.com.br\/politica\/apos-queda-de-salles-ha-poucos-sinais-de-mudanca-na-politica-ambiental\/\">&bdquo;Mehr vom Selben&ldquo;<\/a>.<\/p><p>&bdquo;Die Brandrodungs-Saison beginnt bereits und trotz (Anm. F. F.: angeblich vorhandener) finanzieller Ressourcen ist keine Zeit mehr, Feuerwehrleute auszubilden und einzustellen. Die Brandbek&auml;mpfungs-Ma&szlig;nahmen des Ibama erfordern Planung. Es n&uuml;tzt nichts, zwar Geld, aber keinen Plan zu haben&ldquo;, kritisiert die ehemalige Funktion&auml;rin Suely Vaz. Die ehemalige Umweltministerin in der Regierung Lula da Silva, Marina Silva, gibt sich pessimistisch. Es sei m&ouml;glich, dass Leite nach der durch Salles verursachten Demontage der Umweltpolitik jetzt nur noch &bdquo;die Insolvenzmasse&ldquo; verwalten werde. Im internationalen Ma&szlig;stab diskreditiert, habe das Bolsonaro-Regime den Klimawandel geleugnet und die Einfrierung des (Anm. F. F.: von Norwegen und Deutschland finanzierten) Amazonien-Fonds hinnehmen m&uuml;ssen. Um eine auch noch so sch&uuml;chterne Kurs&auml;nderung mit der teilweisen R&uuml;cknahme der Umweltvernichtung zu wagen, m&uuml;sste Leite gegen den Pr&auml;sidenten antreten, bezweifelt Marina Silva.<\/p><p><strong>Ricardo Salles: Lebenslauf eines &bdquo;Regime Changers&ldquo; und vorbestraften Schmiergeld-Empf&auml;ngers<\/strong><\/p><p>Der gest&uuml;rzte Umweltminister entstammt einer Juristen-Familie im Bundestaat Sao Paulo und belegte nach eigenen Angaben ein Jura- und ein Aufbaustudium der Verwaltungswissenschaften an der Stiftung Getulio Vargas (FGV). Fast sieben Jahre lang glaubte man, Salles habe einen Master-Abschluss von der ruhmumworbenen US-Universit&auml;t Yale erworben. Nachdem jedoch die Universit&auml;t 2019 <a href=\"https:\/\/sul21.com.br\/ta-na-rede\/2019\/02\/titulo-academico-de-ricardo-salles-em-yale-seria-mentira-revela-intercept\/\">bestritt, dass Salles dort jemals studiert<\/a> habe, behauptete der Vita-F&auml;lscher, sein Pressereferent habe die Informationen &bdquo;missverst&auml;ndlich&ldquo; &uuml;bernommen und verbreitet.<\/p><p>Salles Werdegang war bis zu seiner Nominierung durch Bolsonaro indes der Lebenslauf eines Verlierers. Er wechselte viermal seine Parteizugeh&ouml;rigkeit, machte drei Anl&auml;ufe (2006, 2010 und 2018) f&uuml;r eine parlamentarische Karriere mit Landtags- und Abgeordnetenkammer-Kandidaturen und verlor alle drei. Sein bekanntestes Wahlplakat bildete Gewehrpatronen ab und machte 2018 den kriminellen <a href=\"https:\/\/theintercept.com\/2018\/08\/19\/candidato-do-novo-incita-crime-contra-a-esquerda-em-propaganda-eleitoral\/\">Aufruf zur Erschie&szlig;ung von Wildschweinen, Linken und Landlosen<\/a>. Das gefiel dem frischgew&auml;hlten Jair Bolsonaro, einem Waffennarren, der bereits als Abgeordneter bedauerte, dass die Milit&auml;rdiktatur nicht &bdquo;mindestens 30.000 (Oppositionelle) &uuml;ber den Haufen geschossen hat&ldquo;, und kurz nach Amtsantritt Gesetze f&uuml;r die massive Selbstbewaffnung der &bdquo;guten Menschen&ldquo; erlie&szlig;.<\/p><p>Auch gefiel Bolsonaro Salles&lsquo; rechtsradikale Karriere. Diese begann im Jahr 2006, als er mit vier Kumpanen die Agitprop-Gruppe &bdquo;Endireita Brasil&ldquo; (&bdquo;Brasilien, wende Dich nach rechts&ldquo;) gr&uuml;ndete und im B&uuml;ndnis mit ultrarechten, radikal neoliberalen Think Thanks wie den &bdquo;Instituten&ldquo; Millenium und Mises zum Sturz des damals in erster Amtszeit (2003-2007) regierenden Pr&auml;sidenten Lula aufrief. Die dazu erforderliche subversive Ausbildung hatte der falsche Yale-Magister beim US-Think-Tank <a href=\"https:\/\/leadershipinstitute.org\/\">The Leadership Institute<\/a> absolviert. Die Internet-Pr&auml;senz des Instituts legt im Zugangslink Wert auf sein Ziel, n&auml;mlich das &bdquo;Training konservativer Aktivisten&ldquo;. Die Gr&uuml;ndung erfolgte im Jahr 1979 durch Morton Blackwell, einem ultrarechten, ehemaligen Mitarbeiter Ronald Reagans und gegenw&auml;rtigen Mitglied des St&auml;ndigen Regelausschusses der Republikaner.<\/p><p>Mit Salles&lsquo; &Auml;mtern als pers&ouml;nlicher Berater und Landes-Umweltminister des Gouverneurs S&atilde;o Paulos, Geraldo Alckmin, leuchteten die gelben und roten Lichter der Justizbeh&ouml;rden auf. Die Justiz warf dem Anwalt und Politiker vor, Landkarten des Managementplans f&uuml;r V&aacute;rzea do Rio Tiet&ecirc; &ndash; einem Umweltschutzgebiet mit 7.400 Hektar, das 12 Gemeinden im Gro&szlig;raum S&atilde;o Paulo umfasst &ndash; zugunsten eines an dem Naturpark interessierten Bauunternehmens gef&auml;lscht zu haben. Die Staatsanwaltschaft erh&auml;rtete die Anklage mit dem Verdacht, Polizisten und Kommissare seien von Salles zum Schweigen befehligt worden.<\/p><p>Richter Fausto Jos&eacute; Martins Seabra verurteilte den Angeklagten 2018 zur Zahlung einer Geldstrafe und zum <a href=\"https:\/\/catracalivre.com.br\/cidadania\/futuro-ministro-de-bolsonaro-e-condenado-por-improbidade\/\">Entzug seiner politischen Rechte<\/a> f&uuml;r die Dauer von drei Jahren. Darauf folgten Meldungen in den konservativen Medien El Pa&iacute;s und O Globo &uuml;ber Salles&lsquo; <a href=\"https:\/\/brasil.elpais.com\/brasil\/2020-10-27\/alvo-de-investigacao-ricardo-salles-tem-apartamento-sem-registro-que-triplicou-de-valor-em-dois-anos.html\">Erwerb von zwei Luxus-Immobilien<\/a>, eine davon im Wert von umgerechnet einer Million Euro. Trotz der ersten Vorbestrafung wurde Salles von dem im Oktober 2018 gew&auml;hlten Pr&auml;sidenten Jair Bolsonaro zum Umweltminister berufen. Ein schwerer Schlag gegen die Ethik. Selbstverst&auml;ndlich mit R&uuml;ckendeckung Bolsonaros legte Salles Berufung gegen das erstinstanzliche Urteil ein und wurde tats&auml;chlich im M&auml;rz 2021 von Richter Nogueira Diefenth&auml;ler freigesprochen.<\/p><p><strong>&bdquo;Terminator&ldquo;, die &bdquo;Gift-Muse&ldquo; und der Pestizide-Schock<\/strong><\/p><p>Die Nominierung Salles&lsquo; und die Ernennung der Abgeordneten Tereza Cristina C. da Costa Dias zur Landwirtschaftsministerin war ein strategischer Doppelzug des Bolsonaro-Regimes. Voraussetzung f&uuml;r Salles&lsquo; Nominierung war unter anderem seine mit dem zuvor gefeuerten Au&szlig;enminister Ernesto Ara&uacute;jo militant geteilte Leugnung des menschenverursachten Klimawandels. Diese Leugnung best&auml;tigte er in einem <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/ausland\/brasiliens-umweltminister-ricardo-salles-ueber-den-klimawandel-16410927.html\">Interview mit der <em>Frankfurter Allgemeinen<\/em><\/a> vom 30. September 2019 sowie durch seine <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/world\/2019\/sep\/13\/brazil-environment-minister-climate-denier-group-ricardo-salles\">Treffen mit der rechtsradikalen US-Climate-Change-Denier-Szene<\/a>.<\/p><p>Wiederum da Costa Dias&lsquo; Verdienst in den Augen der Milit&auml;rs und Bolsonaros war ihr Status als Gro&szlig;grundbesitzerin und Angeh&ouml;rige erzkonservativer Gouverneure des zentralbrasilianischen Mato Grosso. Sie amtierte bis 2018 als Vorsitzende der sogenannten &bdquo;parlamentarischen Front der Landwirtschaft und Viehzucht&ldquo; (Frente Parlamentar Agropecu&aacute;ria\/FPA), die im brasilianischen Parlament eine machtvolle Lobby von mehr als 200 Abgeordneten und Senatoren stellt, die eng mit der Agrarindustrie verbunden sind oder sie als Gro&szlig;grundbesitzer vertreten.<\/p><p>Als umweltfeindliche Erstma&szlig;nahme hatte Bolsonaro kurz nach seiner Wahl im Dezember 2018 vorgeschlagen, das Umweltministerium in das Landwirtschaftsministerium <a href=\"https:\/\/www.oeco.org.br\/salada-verde\/bolsonaro-defende-a-fusao-dos-ministerios-da-agricultura-e-meio-ambiente\/\">einzugliedern und ihm unterzuordnen<\/a>, machte nach wenigen Tagen jedoch einen R&uuml;ckzieher und schwor Salles auf die erw&uuml;nschte Linie der Agrarlobby ein. Diese w&uuml;nschte sich schwere Bewaffnung gegen Landlose und Indigene, die Befreiung von Umwelt-Gutachten f&uuml;r die Expansion ihrer Soja-Monokulturen, frei grasender Viehherden und Waldrodungen sowie die Abschaffung indigener Stammes-Territorien, einen Freibrief auf deren Besetzung durch Gro&szlig;grundbesitzer und die Zulassung dutzender Pestizid-Sorten.<\/p><p>Damit hatte Salles keine Probleme, schlie&szlig;lich war er &uuml;ber Jahre hinweg als Anwalt des machtvollen Verbandes der Gro&szlig;grundbesitzer (Sociedade Rural Brasileira\/SRB) t&auml;tig gewesen, der die genannte Lobby im Parlament steuerte, und erhielt als Anerkennung seiner Dienste eine umgerechnet 400.000 Euro schwere <a href=\"https:\/\/www.redebrasilatual.com.br\/politica\/2018\/12\/saiba-quem-sao-os-ruralistas-que-financiam-o-ministro-de-bolsonaro-para-o-meio-ambiente\/\">Finanzierung seiner 2018er Wahlkampagne<\/a>; die zwar scheiterte, doch zum viel bedeutenderen Ausgleich wurde der korrupte Rechtsradikale von der tonangebenden SRB-Lobby ins Ministeramt gehievt.<\/p><p>Zusammen versetzten Salles und da Costa Dias Brasilien einen niemals zuvor gekannten Pestizid-Schock. In ihrem ersten Interview verk&uuml;ndete die Ministerin bereits mit Hinweis auf den Gesetzesentwurf 6299\/2002 (Spitzname: &bdquo;Das Giftgesetz&ldquo;), die Regeln f&uuml;r den Pestizidgebrauch sollten &bdquo;flexibilisiert&ldquo; werden, obwohl zwischen 2015 und 2018 die Zahl der j&auml;hrlichen Neuzulassungen bereits von 139 <a href=\"https:\/\/www.brasildefato.com.br\/2018\/11\/09\/musa-do-veneno-saiba-quem-e-a-ministra-da-agricultura-de-bolsonaro\/\">auf &uuml;ber 450 Pestizidstoffe gestiegen<\/a> war. Dem folgte im ersten Halbjahr der Bolsonaro-Regierung bereits die Freigabe von 86 neuen Giftstoffen.<\/p><p><em>Unearthed<\/em>, die Greenpeace-Plattform f&uuml;r investigativen Journalismus, und der Schweizer NGO Public Eye <a href=\"https:\/\/unearthed.greenpeace.org\/2020\/02\/20\/brazil-pesticides-soya-corn-cotton-hazardous-croplife\/\">gelang der Nachweis<\/a>, dass zwischen 2015 und 2018 in Brasilien mehr als 1.200 Pestizide und Unkrautvernichtungsmittel freigegeben wurden, darunter 193 mit in der EU verbotenen Wirkstoffen. Mit einem Umsatzwert von mehr als 20 Milliarden US-Dollar f&uuml;r die Chemiekonzerne &ndash; darunter vor allem die deutschen Firmen Bayer und BASF &ndash; war Brasilien unter der Regierung Michel Temer bereits zum weltweit gr&ouml;&szlig;ten Pestizidverbraucher aufgestiegen. Nahezu zwei Drittel der brasilianischen Ausgaben f&uuml;r hochgef&auml;hrliche Pestizide (HHP) flossen in die gigantischen Sojaplantagen des Landes. Diese sind exportorientiert und decken die weltweite Nachfrage nach Tierfutter f&uuml;r H&uuml;hner, Schweine, K&uuml;he und Fische.<\/p><p>Inmitten der Covid-19-Pandemie genehmigte das Bolsonaro-Regime mit den Unterschriften von Salles und da Costa Dias zun&auml;chst weitere 118 neue Pestizide, jedoch Ende 2020 erreichte die Liste neu zugelassener Marken die schwindelerregende Zahl von 493 neuen Agrargiften. Mit der Bewilligung von nahezu 1.000 (eintausend!) Pestizid-Handelsmarken innerhalb von zwei Jahren brach das Regime s&auml;mtliche vorherigen Rekorde und gilt als <a href=\"https:\/\/reporterbrasil.org.br\/2021\/01\/bolsonaro-bate-o-proprio-recorde-2020-e-o-ano-com-maior-aprovacao-de-agrotoxicos-da-historia\/\">weltweiter Spitzenreiter des Pestizid-Einsatzes<\/a>. Etwa die H&auml;lfte aller seit Bolsonaros Amtsantritt zugelassenen Produkte und Wirkstoffe werden vom Pesticide Action Network (PAN) auf der Liste hochgef&auml;hrlicher Agrargifte aufgef&uuml;hrt.<\/p><p>Das war das Verdienst des Duos Salles und da Costa Dias. Ersterem wurde bereits 2019 von brasilianischen Umweltsch&uuml;tzern der unehrenhafte Titel des &bdquo;Terminators, des Zerst&ouml;rers der Zukunft&ldquo; und der Ministerin von Medien der Spitzname &bdquo;Die Gift-Muse&ldquo; verliehen. Was Salles im August 2019 mit den Chemiegiganten Bayer und BASF <a href=\"https:\/\/unearthed.greenpeace.org\/2019\/09\/28\/ricardo-salles-jair-bolsonaro-bayer-vw-europe\/\">w&auml;hrend seines Deutschland-Aufenthaltes aushandelte<\/a>, sollten die beiden Unternehmen allerdings bei Gelegenheit klarstellen.<\/p><p>Dass der korrupte Ex-Umweltminister regelrecht von krimineller Energie angetrieben wird, <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=th6_TgyYEMY\">dokumentiert ein gefilmtes Regierungstreffen<\/a> vom 22. April 2020. Da wendete sich Salles an Jair Bolsonaro und sprach eine freche Empfehlung aus, die Gesetze zu brechen: &bdquo;Lasst uns die Gelegenheit nutzen, dass die Presse nur von der Pandemie redet, um unsere &acute;Herde&acute; durchs Gestr&uuml;pp zu peitschen, all diese gesetzlichen Regelungen k&ouml;nnen uns mal den Buckel runterrutschen&hellip;&ldquo;. Gemeint war die Beschleunigung einer Vernichtungs-Agenda in der Abgeordnetenkammer, die ab Mitte 2021 weittragende, noch katastrophalere Folgen f&uuml;r Natur und Mensch in Amazonien haben wird, wie in Teil 2 dieser Analyse dokumentiert wird.<\/p><p>Titelbild: OSORIOartist\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Teil 1: Vom Abgang Ricardo Salles&lsquo; zur Nachfolge Joaquim Leites.<\/strong> Ende des vergangenen Monats Juni wurde nach zweieinhalb Jahren langer, einheimischer und internationaler Emp&ouml;rung Jair Bolsonaros Umweltminister Ricardo Salles seines Amtes enthoben. Doch nicht etwa allein als Folge der genannten Proteste, sondern vor allem wegen der <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/brasilien-korruption-holzexport-101.html\">Polizei-Ermittlungen<\/a>. Die Aff&auml;re liest sich wie ein filmreifes<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=75192\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":75193,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[20,127,125,179],"tags":[1692,2714,2454,1613,2667,2934,1693],"class_list":["post-75192","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-landerberichte","category-lobbyismus-und-politische-korruption","category-rechte-gefahr","category-schadstoffe","tag-agrarwirtschaft","tag-amazonien","tag-bolsonaro-jair","tag-brasilien","tag-klimaskeptiker","tag-naturzerstoerung","tag-pestizide"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/shutterstock_1489282430.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/75192","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=75192"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/75192\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":75194,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/75192\/revisions\/75194"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/75193"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=75192"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=75192"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=75192"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}