{"id":75322,"date":"2021-08-20T09:10:49","date_gmt":"2021-08-20T07:10:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=75322"},"modified":"2021-08-20T09:26:19","modified_gmt":"2021-08-20T07:26:19","slug":"rauchsignale-an-die-kuenftige-bundesregierung-die-kriminelle-szenerie-und-die-verbrannte-erde-in-der-amazonien-politik-des-bolsonaro-regimes-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=75322","title":{"rendered":"Rauchsignale an die k\u00fcnftige Bundesregierung \u2013 Die kriminelle Szenerie und die verbrannte Erde in der Amazonien-Politik des Bolsonaro-Regimes"},"content":{"rendered":"<p><strong>Teil 2: Vernichtungsfeldzug im Auftrag der Milit&auml;rs.<\/strong> Im ersten Teil dieser Untersuchung wurde das politische Umfeld und die kriminelle Karriere des vor Wochen amtsenthobenen ehemaligen Umweltministers Brasiliens, Ricardo Salles, skizziert. Sein Handeln pr&auml;gte die weltweit verurteilte Amazonien-Politik des Bolsonaro-Regimes. Dass diese auf ein geopolitisches Konzept aus Zeiten der Milit&auml;rdiktatur (1964-1985) zur&uuml;ckgreift, ist &ndash; von wenigen Beobachtern und Historikern abgesehen &ndash; in Europa weitgehend unbekannt. In ihren Anf&auml;ngen beanspruchte diese milit&auml;rische Doktrin die selbstverst&auml;ndliche, nationale Souver&auml;nit&auml;t &uuml;ber die 5,5 Millionen Quadratkilometer gro&szlig;en Biotope. Zum anderen waren und sind den Milit&auml;rs, trotz 35 Jahren zerbrechlicher Demokratie, keine Zweckb&uuml;ndnisse mit illegalen Holzf&auml;llern, Goldgr&auml;bern und Gro&szlig;grundbesitzern und keine Verachtung gegen die indigenen V&ouml;lker Amazoniens, ihre Territorial-Rechte und keine Verschw&ouml;rungstheorien gegen ihre Besch&uuml;tzer wie die katholische Kirche, die Umweltverb&auml;nde und Klima-Experten zu billig. Von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<em>Lesen Sie bitte hierzu auch den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=75192\">1. Teil dieser kurzen Serie<\/a>.<\/em><\/p><p><strong>Amazonas-Militarisierung im Zeichen des rabiaten Neoliberalismus<\/strong><\/p><p>Einen Monat vor dem Milit&auml;rputsch des 31. M&auml;rz 1964 installierte die Armee in Manaus ihr Dschungelkriegs-Ausbildungszentrum (Centro de Instru&ccedil;&atilde;o de Guerra na Selva\/CIGS), das partisanenartige Truppenteile von Dschungelk&auml;mpfern ausbildet und seine Kurse auch ausl&auml;ndischen Armeen anbietet. Mit einer Machete als Symbol, wie die Kukri der britischen Gurkhas, und der Kampfdevise &bdquo;Alles dem Amazonas, es lebe der Dschungel!&ldquo; begann in den 1970er Jahren die Militarisierung Amazoniens. Ihre ersten Ziele waren die logistische Eingliederung Amazoniens in das s&uuml;dostbrasilianische Fernstra&szlig;en-System mit dem Bau der sogenannten und inzwischen nahezu vom Dschungel &uuml;berwucherten &bdquo;Transamazonica&ldquo; sowie die forcierte &bdquo;Akkulturation&ldquo; hunderttausender Indigener mit dem &Uuml;berrennen und der Besetzung ihrer Territorien.<\/p><p>Die Folgen dieser zwischen 1995 und 2016 von demokratischen Regierungen zumindest einged&auml;mmten &bdquo;Flurbereinigung&ldquo; waren katastrophal. Doch das seit Januar 2019 amtierende Regime Jair Bolsonaro &ndash; das von <a href=\"https:\/\/sintrajufe.org.br\/ultimas-noticias-detalhe\/entre-militares-da-ativa-e-da-reserva-ja-sao-mais-de-11-mil-no-governo-bolsonaro-integrante-do-tcu-questiona-se-nao-fazem-falta-nas-forcas-armadas\/\">11.000 Milit&auml;rs<\/a>, darunter mehreren Gener&auml;len in Minister- und Leitungsposten, dirigiert wird und eine eindeutige Milit&auml;r-Regierung darstellt &ndash; beschloss, den genozidalen und umweltvernichtenden Kurs in Amazonien mit einer ultra-neoliberalen &bdquo;Entwicklungspolitik&ldquo; zu radikalisieren. Diese Offensive geschieht mit der systematischen Zerschlagung und Entmachtung der staatlichen Umweltschutz-Organe, der Legalisierung des Landraubs, der Ausdehnung gigantischer Viehweiden und Export-Monokulturen wie Soja sowie mit gro&szlig;fl&auml;chigen Brandrodungen und dem illegalen Holzeinschlag und -schmuggel.<\/p><p>Diese Politik der verbrannten Erde ist allerdings kein ausschlie&szlig;lich einheimisches Ph&auml;nomen, sondern involviert <a href=\"https:\/\/www.banktrack.org\/article\/beef_banks_and_the_brazilian_amazon\">internationale Banken wie Barclays, Morgan Stanley, HSBC und Santander<\/a>, die <a href=\"https:\/\/amazonwatch.org\/work\/blackrocks-big-problem\">weltgr&ouml;&szlig;ten Hedge-Fonds<\/a> sowie transnationale <a href=\"https:\/\/www.business-humanrights.org\/en\/latest-news\/report-alleges-that-european-north-american-companies-complicit-in-deforestation-of-the-amazon-human-rights-abuses\/\">Konzerne der Nahrungs-, Futtermittel- und Holzindustrie<\/a> mit Sitz in den USA, aber auch in einzelnen L&auml;ndern Europas. Denen f&uuml;hlte sich der gest&uuml;rzte Umweltminister Salles verbunden, als er wenige Monate nach Amtseinf&uuml;hrung erkl&auml;rte, <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/portuguese\/brasil-49363387\">&bdquo;Amazonien braucht kapitalistische L&ouml;sungen&ldquo;<\/a>. Was im Verst&auml;ndnis des Politikers die Selbstverst&auml;ndlichkeit von Korruption und fortgesetzter krimineller Entscheidungen einschloss, deren &Uuml;berma&szlig; allerdings seinen Sturz herbeif&uuml;hrten.<\/p><p><strong>Wie ein Polizeikommissar in Amazonien die Umtriebe der &bdquo;Holz-Gang&ldquo; zu Fall brachte und strafversetzt wurde<\/strong><\/p><p>Derjenige, der es wagte, die dubiosen Eink&uuml;nfte und Gesch&auml;fte von Ricardo Salles auszuleuchten und ihm die Rote Karte zu zeigen, war der Kommissar der brasilianischen Bundespolizei (PF), Alexandre Saraiva. Ihm gelang es, den Umweltminister als Mitglied einer kriminellen Vereinigung zu &uuml;berf&uuml;hren, die mit internationaler Verflechtung f&uuml;r illegalen Holzeinschlag in Amazonien und dessen illegalen Export nach &Uuml;bersee mit millionenschweren Gewinnen verantwortlich gemacht wird.<\/p><p>Bereits im April 2021 erl&auml;uterte Saraiva in einer <a href=\"https:\/\/www.camara.leg.br\/noticias\/751046-delegado-detalha-denuncias-de-crime-ambiental-contra-ricardo-salles-deputados-governistas-criticam-investigacao\/\">Anh&ouml;rung der brasilianischen Abgeordnetenkammer<\/a> die Anschuldigungen gegen Salles als Ermittlungsergebnis von &bdquo;Unternehmen Handroanthus&ldquo;. Unter diesem Codewort hatte der Kommissar Ende 2020 eine Einsatzgruppe der brasilianischen Bundespolizei (PF) befehligt, die an der Grenze zwischen den Bundesstaaten Amazonas und Par&aacute; gewaltige 213.000 Kubikmeter Holz illegal gef&auml;llter, botanischer Urwaldriesen &ndash; wie dem bis zu 30 oder sogar 35 Meter hohen, laubabwerfenden und intensiv gelb bl&uuml;henden <em>Handroanthus impetiginosus<\/em>, in Brasilien als <em>Ip&ecirc;<\/em> bekannt &ndash; beschlagnahmte. Die Ermittlungen wiesen Landraub, illegale Abholzung, Urkundenf&auml;lschung &ndash; und schlimmer: Holzeinschlag in gesetzlich verordneten Naturschutzgebieten &ndash; nach. Saraiva nannte Salles einen &bdquo;Umweltkriminellen&ldquo;. Doch kaum einen Tag, nachdem der Kommissar die Klage beim Obersten Gerichtshof (STF) mit der Forderung nach sofortiger Entlassung des Umweltministers eingereicht hatte, wurde ihm das Amt des Polizei-Intendanten f&uuml;r den Bundesstaat Amazonas entzogen und Saraiva in die Provinz Rio de Janeiros strafversetzt.<\/p><p>Die Repressalien des Polizeikorps gegen ihren eigenen Beamten offenbarten die seit April 2020 anhaltende politische Kontrolle der dem Justizministerium unterstellten PF mit der Nominierung ihres neuen Direktors durch Bolsonaro, der damit die Ermittlungen gegen sich selbst und seine vier S&ouml;hne stoppte. Die gegen Saraiva gesponnene Intrige begann im Februar 2021, als ein Landesrichter im Bundesstaat Par&aacute; t&auml;gliche <a href=\"https:\/\/g1.globo.com\/pa\/para\/noticia\/2021\/02\/04\/juiz-do-pa-aplica-multa-milionaria-a-policiais-federais-envolvidos-em-mega-apreensao-de-madeira-na-amazonia.ghtml\">Geldstrafen von umgerechnet 33.000 Euro<\/a> gegen jeden Polizeibeamten verh&auml;ngte, der unter dem Kommando Saraivas an der Mega-Holzbeschlagnahme beteiligt war. Im Klartext: Unter dem Bolsonaro-Regime werden Polizeibeamte bestraft, weil sie ihre Pflicht erf&uuml;llen. Der Richter hatte unter Druck von Salles und Bolsonaro die haneb&uuml;chene Begr&uuml;ndung aufgestellt, die Beschlagnahme der kriminellen Holzbest&auml;nde h&auml;tten &bdquo;Eigentumsrechte&ldquo; verletzt. Ein Bundesgericht in Brasilia hatte immerhin den Mut und widerrief die Entscheidung wegen eines &bdquo;Zust&auml;ndigkeitskonflikts&ldquo;.<\/p><p>Kommissar Saraiva &ndash; ein Polizist mit Doktortitel f&uuml;r nachhaltigen Umweltschutz &ndash; stand nicht nur institutionell, sondern physisch auf der Abschussliste der Holzschmuggler-Mafia. Im September 2019 leitete der von der Polizei ins Visier genommene Holzf&auml;ller Roberto Paulino ein Foto des Kommissars an einen Gespr&auml;chspartner namens Guga per WhatsApp weiter. Seine Bildzeile: <a href=\"https:\/\/amazonasatual.com.br\/chefe-da-pf-no-amazonas-era-o-alvo-a-ser-abatido-disseram-madeireiros\/\">&bdquo;Ziel muss umgelegt werden&ldquo;<\/a>.<\/p><p><strong>Landraub, Urkundenf&auml;lschung und Schmiergeld: die kriminelle Vereinigung der Holzschmuggler<\/strong><\/p><p>Kommissar Saraivas Ermittlungen waren professionell. Seit Monaten beobachtete sein Team Satellitenaufnahmen von illegalen Landnahmen mit schwerem Ger&auml;t wie Traktoren, Schleppern und Kr&auml;nen. Doch es fehlten Spuren vom Bestimmungsort der riesigen Holzeinschl&auml;ge. Die erhielt der Polizist aus den USA. Die US-Botschaft in Bras&iacute;lia schickte der PF und Richter Alexandre de Moraes vom Obersten Gerichtshof (STF) eine Warnung des US Fish and Wildlife Service (FWS) vor &bdquo;unangemessenen Handlungen oder korruptem Verhalten&ldquo;. Hintergrund bildete die Beschlagnahme von drei Containern mit Holz aus Brasilien durch den FWS im Hafen von Savannah, Bundesstaat Georgia. Der Holzlieferung aus Amazonien fehlten die erforderlichen Papiere &uuml;ber Ursprung und Nachhaltigkeits-Urkunden, die vom FWS in Brasilien angefordert und vom mit Milit&auml;rs besetzten Ibama als angebliche &bdquo;Vergessenheit&ldquo; entschuldigt und mit gef&auml;lschten Angaben nachgereicht wurden.<\/p><p>Einer der Hauptanklagepunkte gegen die Holzf&auml;ller und die Beamten ist eine am 25. Februar 2020 vom Ibama-Direktor Eduardo Bim unterzeichnete Mitteilung, womit die Verpflichtung, internationale Holzexporte nur mit besonderen Genehmigungen zu erlauben, aufgehoben wurde. Die Aufhebung erfolgte auf Antrag des brasilianischen Verbandes der Forstkonzession&auml;r-Unternehmen (Confloresta) und des Verbandes der holzexportierenden Industrien des Bundesstaates Par&aacute; (Aimex). Saraivas Ermittlungen gegen beide Verb&auml;nde <a href=\"https:\/\/brasil.mongabay.com\/2018\/08\/madeireiros-ilegais-fraudam-os-livros-para-colher-arvore-mais-valiosa-da-amazonia\/\">best&auml;tigten zahlreiche Vorrecherchen<\/a> von internationalen Umweltorganisationen wie Mongabay, dass die Holzschmuggler mit Wissen der Beh&ouml;rden in ihren Ausfuhrpapieren die Namen bestimmter Baumsorten f&auml;lschten, um damit das Rodungs- und Handelsverbot f&uuml;r besonders gesch&uuml;tzte Arten wie der <em>Handroanthus impetiginosus<\/em> zu unterlaufen.<\/p><p>Der FWS-Beamte Bryan Landry aus Savannah verd&auml;chtigte jedoch auch die internationale Logistik- und Transportfirma Tradelink &bdquo;und\/oder Beamte, &hellip; die die Erzeugung und den Export von Holzprodukten aus dem Amazonasgebiet regeln&ldquo; und regte die Zusammenarbeit bei &bdquo;Ermittlungen &uuml;ber den grenz&uuml;berschreitenden Handel mit Holzprodukten und den damit verbundenen Verbrechen oder m&ouml;glicher Korruption, die von Personen in den USA oder Brasilien begangen wurden&ldquo;, an. Woraufhin Richter de Moraes die sofortige Entlassung von zehn Mitarbeitern des brasilianischen Umweltministeriums (MMA) und des ihm unterstellten Fachinstituts Ibama, die Offenlegung des Steuer- und Bankgeheimnisses von Minister Ricardo Salles sowie Hausdurchsuchungs- und Beschlagnahmebefehle an seinen Adressen in S&atilde;o Paulo und Par&aacute; anordnete. Nach Angaben der PF soll Salles 14 Millionen brasilianische Reais (zum Umrechnungskurs von Anfang 2020 circa 2,8 Millionen Euro) als Bestechungsgelder der Holzschmuggler eingesteckt haben.<\/p><p>Sein kriminelles Vorgehen ging jedoch so weit, dass er den Agenten des Geheimdienstes (Abin) Andr&eacute; Heleno Azevedo Silveira <a href=\"https:\/\/dialogosdosul.operamundi.uol.com.br\/brasil\/69814\/contrabando-de-madeira-para-eua-e-r-14-milhoes-suspeitos-entenda-o-que-levou-a-acao-da-pf-contra-ministro-salles\">zum Koordinator des Umwelt-Aufsichtsamtes ernannte<\/a>, um &bdquo;eine eventuelle Untersuchung durch die Bundespolizei zu sabotieren&ldquo;. In seiner Entscheidung erkl&auml;rte der Hohe Richter de Moraes, dass die Ermittlungen der Bundespolizei &bdquo;handfeste Beweise f&uuml;r eine Kette komplexer Verhaltensweisen&ldquo; offengelegt h&auml;tten, an denen &ouml;ffentliche Bedienstete und juristische Personen mit der klaren Absicht beteiligt seien, Holz brasilianischen Ursprungs eine Legalit&auml;t zuzuschreiben, die von den US-Beh&ouml;rden bem&auml;ngelt wurde, was zeige, dass die Ermittlungen grenz&uuml;berschreitende Folgen haben&ldquo;.<\/p><p><strong>Die Fangarme illegaler Amazonas-Erzeugnisse in der EU<\/strong><\/p><p>Dass europ&auml;ische, darunter auch deutsche, Firmen an der Beute beteiligt sind, ist seit Jahren bekannt. Die deutsche NGO <em>Germanwatch<\/em> hinterfragte die Einfuhrpraxis europ&auml;ischer Unternehmen <a href=\"https:\/\/www.germanwatch.org\/sites\/default\/files\/publication\/19811.pdf\">in ihrer Untersuchung<\/a>. Ein <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/en\/wood-laundering-brings-illegal-amazon-timber-to-europe-report\/a-43065620\">Amnesty-Bericht aus dem Jahr 2018<\/a> warnte, dass 11 EU-L&auml;nder zwischen M&auml;rz 2016 und September 2017 immense 9.775.376 Kubikmeter <em>Ip&ecirc;-\/Handroanthus<\/em>-Holz mit gef&auml;lschten Ursprungsangaben aus Amazonien erhielten. Frankreich importierte das gr&ouml;&szlig;te Volumen, gefolgt von Portugal, Belgien und den Niederlanden.<\/p><p>Selbst der staatliche Sender <em>Deutsche Welle<\/em> verwies bereits 2019 darauf, dass europ&auml;ische Firmen <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/en\/wood-laundering-brings-illegal-amazon-timber-to-europe-report\/a-43065620\">mit &bdquo;dubiosen Lieferanten&ldquo; zusammenarbeiten<\/a> und &uuml;ber ihre Lieferketten an illegalen Abholzungen beteiligt sind. Den Verdienst an den Erkenntnissen besa&szlig; allerdings die Umweltorganisation Amazon Watch. In ihrem Bericht <a href=\"https:\/\/amazonwatch.org\/assets\/files\/2019-complicity-in-destruction-2.pdf\">Complicity in Destruction<\/a> (&bdquo;Komplizenschaft in der Zerst&ouml;rung II: Wie n&ouml;rdliche Verbraucher und Finanzierer Bolsonaros &Uuml;berfall auf den brasilianischen Amazonas f&ouml;rdern&ldquo;) gelang der Nachweis, dass zwischen 2017 und 2019 das brasilianische Holzhandels-Unternehmen Benevides Madeiras zwei Sendungen mit jeweils 266 und 125 Tonnen Holz an die franz&ouml;sischen Firmen Guillemette &amp; Cie und Groupe Rougier exportiert hat. Offenbar k&uuml;mmerte es die franz&ouml;sischen Firmen wenig, dass Benevides-Eigent&uuml;mer Arnaldo Betzel eine Geldstrafe in H&ouml;he von umgerechnet 500.000 Euro wegen illegaler Rodungen zahlen musste.<\/p><p>Amazon-Watch gelang ferner der Beweis, dass auch Importeure in Belgien, Holland und D&auml;nemark illegal erzeugtes Holz von Benevides Madeiras gekauft haben. Der Import illegal gewonnener Naturprodukte bleibt nicht auf Holz allein begrenzt, er umfasst Fruchtfleisch, Rindsleder und Mineralien. Das umstrittene deutsche Unternehmen <a href=\"https:\/\/www.acai.eu\/home.aspx\">A&ccedil;ai GmbH<\/a> &ndash; das die junge deutsche Smoothy-Kundschaft mit Bio-Fruchtgetr&auml;nken aus dem Amazonas-Dschungel versorgt &ndash; soll 2018 nach Erkenntnissen von Amazon-Watch und Mongabay im gleichen Zeitraum mindestens 9 Tonnen Fruchtfleisch von Argus, einer anderen Firma Betzels, importiert haben. Auch die deutsche Automobilindustrie stattet ihre mit fossilen Brennstoffen angetriebenen Luxusfahrzeuge mit Leder von Viehherden auf geraubten und brandgerodeten L&auml;ndereien aus, weshalb die Deutsche Umwelthilfe erst k&uuml;rzlich, mitten in der Covid-19-Pandemie, die <a href=\"https:\/\/www.duh.de\/amazonas-leder-stoppen\/\">&bdquo;Aktion gegen schmutziges Amazonas-Leder&ldquo;<\/a> initiierte.<\/p><p><strong>Szenerie der Verw&uuml;stung, oder: Wer kommandiert Brasiliens Amazonien-Politik?<\/strong><\/p><p>Nichts, was in Amazonien passiert, ist Zufall. Seit mehr als 50 Jahren f&uuml;gen sich die Ereignisse in das auch von Bolsonaro befolgte Skript der Milit&auml;rs ein. So war es bei der Nominierung Ricardo Salles&lsquo; und so ist es ebenso bei der Einsetzung seines Nachfolgers Joaquim Leite zum neuen Umweltminister.<\/p><p>Der Betriebswirt Leite entstammt einer traditionellen Gro&szlig;grundbesitzer-Familie aus dem Kaffeeanbau in S&atilde;o Paulo, die seit Jahren ein 532 Hektar gro&szlig;es St&uuml;ck Land der Indigenen-Ethnie der Jaragu&aacute; streitig macht. Nach Angaben der Nationalen Indianer-Stiftung (Funai) zertr&uuml;mmerten Angestellte der Familie Leite gar H&auml;user einzelner indigener Familien und <a href=\"https:\/\/g1.globo.com\/natureza\/noticia\/2021\/06\/23\/familia-de-novo-ministro-do-meio-ambiente-disputa-posse-em-terra-indigena-em-sp.ghtml\">versuchten, sie zu vertreiben<\/a>. Mit diesem Familien-Hintergrund diente der neue Minister <a href=\"https:\/\/www.cartacapital.com.br\/cartaexpressa\/substituto-de-salles-joaquim-leite-foi-conselheiro-de-entidade-ruralista\/\">23 Jahre lang als politischer Berater<\/a> des Verbandes der brasilianischen Gro&szlig;grundbesitzer (Sociedade Rural Brasileira\/SRB) und &uuml;bernahm nach Bolsonaros Wahl zun&auml;chst die Leitung der Forstabteilung und dann das Sekretariat f&uuml;r Amazonien und Umweltdienste im Umweltministerium (MMA).<\/p><p>Wenn im MMA von &bdquo;Forstpolitik&ldquo; die Rede ist, so ist vor allem Amazonien mit seinen 5,2 Millionen km2, also 61 Prozent der brasilianischen Landesfl&auml;che, gemeint, die die H&auml;lfte Europas ausmacht. &bdquo;Herr&ldquo; &uuml;ber dieses gigantische Territorium mit der gr&ouml;&szlig;ten biologischen Artenvielfalt des Planeten ist Bolsonaros Vize, General Hamilton Mour&atilde;o.<\/p><p>Der wegen Putschaufrufen w&auml;hrend der Regierungszeit von Pr&auml;sidentin Dilma Rousseff strafversetzte und danach pensionierte, rechtsradikale Milit&auml;r belebte den in den 1990er Jahren geschaffenen, jedoch seit Jahrzehnten dahind&auml;mmernden Amazonien-Rat (Conselho da Amaz&ocirc;nia Legal) wieder und besetzte ihn &ndash; unter Ausschluss der wissenschaftlichen Fachinstitute des MMA sowie jeglicher Umweltverb&auml;nde der Zivilgesellschaft &ndash; <a href=\"https:\/\/noticias.uol.com.br\/colunas\/rubens-valente\/2020\/04\/18\/conselho-amazonia-mourao.htm\">mit 19 fachunkundigen, ignoranten Milit&auml;rs<\/a>. In der Praxis bedeutet dies seit Anfang 2020, dass die Amazonien-Politik des MMA dem Kommando der Streitkr&auml;fte unterstellt ist, von denen ohnehin 9 Gener&auml;le und Oberste seit Bolsonaros Amts&uuml;bernahme die <a href=\"https:\/\/graficos.poder360.com.br\/QWEDm\/4\/\">Schl&uuml;sselpositionen des Ministeriums besetzen<\/a>.<\/p><p>Das Res&uuml;mee der kurzen Amtszeit Mour&atilde;os und seiner Uniformierten liest sich wie ein Kriegsbericht:<\/p><ul>\n<li>Die illegale Inbesitznahme von rechtlich gesch&uuml;tztem Land im brasilianischen Amazonien hat um 56 Prozent zugenommen und erreichte im Jahr 2020 die <a href=\"https:\/\/www.oeco.org.br\/noticias\/grileiros-ja-tomaram-quase-12-milhoes-de-hectares-de-florestas-publicas-na-amazonia\/\">Ausdehnung von nahezu 12 Millionen Hektar<\/a>; die vierfache Bodenfl&auml;che Belgiens. Nach Angaben des Instituto Socioambiental (ISA) stieg die kriminelle Praxis zwischen 2018 und 2020 in Gebieten mit nachhaltiger Nutzung um 274 Prozent, in streng gesch&uuml;tzten Einheiten um 46 Prozent und um 31 Prozent auf indigenem Land.<\/li>\n<li>Die Entwaldung Amazoniens durch Holzeinschlag und Br&auml;nde betrug nach Angaben des brasilianischen Raumforschungsinstituts (INPE) 7.500 Quadratkilometer im Jahr 2018. Doch 2019, dem ersten Amtsjahr Bolsonaros, erweiterten sich Kahlschlag und Br&auml;nde auf 10.100 Quadratkilometer und erreichten 2020 eine <a href=\"https:\/\/amazoniareal.com.br\/desmatamento-na-amazonia-avanca-para-areas-antes-intocadas\/\">Gesamtfl&auml;che von 11.000 Quadratkilometern<\/a>.<\/li>\n<li>Nach Auswertung der Aufnahmen des satellitengest&uuml;tzten Amazonas-&Uuml;berwachungssystems (Prodes) schlussfolgerte das Amazonische Forschungsinstitut (Ipam), dass im Jahr 2019 <a href=\"https:\/\/congressoemfoco.uol.com.br\/meio-ambiente\/35-do-desmatamento-da-amazonia-e-grilagem-de-terras\/\">35 Prozent des illegalen Holzeinschlags und der Br&auml;nde im Amazonasgebiet vom Landraub verschuldet<\/a> wurden; Tendenz steigend.<\/li>\n<li>Den Katastrophenmeldungen fehlte noch &ndash; wie der brasilianische Volksmund sagt &ndash; &bdquo;die Kirsche zur Kr&ouml;nung der Torte&ldquo;. Die landete eine Forschungsgruppe der Polytechnischen Schule an der Universit&auml;t S&atilde;o Paulo (USP). Nach ihren Untersuchungen habe zwischen 2017 und 2020 die vom illegalen Bergbau und den Goldgr&auml;ber-Aktivit&auml;ten verursachte <a href=\"https:\/\/jornal.usp.br\/ciencias\/desmatamento-na-floresta-amazonica-causado-por-mineracao-ilegal-aumenta-90-entre-2017-e-2020\/\">Entwaldung in Amazonien um 90 Prozent zugenommen<\/a>.<\/li>\n<li>W&auml;hrend der ersten 18 Monate von Bolsonaros und Salles&lsquo; Amtsgesch&auml;ften wurden nach Angaben der internationalen Menschenrechts-Organisation Global Witness in Brasilien, insbesondere in Amazonien, <a href=\"https:\/\/g1.globo.com\/natureza\/noticia\/2020\/07\/28\/relatorio-de-ong-internacional-aponta-24-assassinatos-de-ativistas-no-brasil-em-2019-10-deles-eram-indigenas.ghtml\">24 Umweltsch&uuml;tzerInnen, darunter 10 indigene, ermordet<\/a>.<\/li>\n<\/ul><p>Doch siehe da: &bdquo;Hamilton Mour&atilde;os intensiver Terminkalender und Freundschaft mit Bergbauunternehmern&ldquo;. So betitelte die Investigativ-Plattform <em>Observat&oacute;rio da Minera&ccedil;&atilde;o<\/em> (Bergbau-Observatorium) <a href=\"https:\/\/observatoriodamineracao.com.br\/a-intensa-agenda-e-a-amizade-de-hamilton-mourao-com-empresarios-do-garimpo\/\">eine Reportage<\/a> &uuml;ber die Interessenkonflikte, gar pers&ouml;nlichen Freundschaften des Amazonien-Generals mit zum Teil ausgesprochen kriminellen &bdquo;Garimpeiros&ldquo; (Goldgr&auml;bern). Ihr Kopf ist der legendenumwobene Jos&eacute; Altino Machado, der bereits in den 1970er und 1980er Jahren mit Waffengewalt auf das Territorium des Yanomami-Stammes vordrang und mit seinem Goldgr&auml;ber-Syndikat gegenw&auml;rtig 450 (vierhundertf&uuml;nfzig!) Flugzeuge und hunderte inoffizielle, zumeist illegale Landepisten im amazonischen Regenwald unter seinem Kommando hat. Machado schlug in den 1970er Jahren die ersten Pisten in den Dschungel, von denen erst sp&auml;ter ein Teil von den Streitkr&auml;ften genutzt wurde. Seit dem Amtsantritt Mour&atilde;os als Amazonien-Ratsvorsitzender traf sich der General viermal mit Machado. In den Gespr&auml;chen ging es um die erw&auml;hnte Legalisierung des Goldgr&auml;ber-Raubbaus und Umweltvernichtungszugs auf indianischem Gebiet; eine Agenda, der die Abgeordnetenkammer noch bis Ende 2021 zustimmen soll.<\/p><p>General Mour&atilde;o, sollte man wissen, ist der brasilianische Ansprechpartner f&uuml;r die Verwendung des Milliarden Euro schweren Amazonien-Fonds, mit dem Norwegen (1,3 Milliarden Euro) und Deutschland (35 Millionen Euro) die Brandrodungen auf null reduzieren und den Schutz der indigenen Bewohner und der Artenvielfalt des weltweit gr&ouml;&szlig;ten Regenwald-Biotops in partnerschaftlicher Zusammenarbeit sicherstellen wollten. Doch im August 2019 kam es zwischen Salles und Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) wegen Zunahme der Br&auml;nde und des Holzeinschlags, also wegen Nichteinhaltung des Fonds-Vertrags, zum Dissens. Seitdem liegen der L&ouml;wenanteil aus Norwegen und die deutsche Zusage auf Eis. Salles, Bolsonaro und Mour&atilde;o besa&szlig;en doch die Frechheit vorzuschlagen, der Fonds solle <a href=\"https:\/\/www.poder360.com.br\/brasil\/governo-quer-usar-fundo-amazonia-para-pagar-proprietarios-de-terra-diz-jornal\/\">Gro&szlig;grundbesitzer &bdquo;entsch&auml;digen&ldquo;<\/a>, die zum Verlassen des von ihnen geraubten Landes aufgefordert wurden. Ein knappes Jahr nach dem Eklat verk&uuml;ndete Mour&atilde;o im Mai 2020 die &bdquo;Wiederbelebung&ldquo; des Fonds, nun unter neuer, eigener Regie. Doch die Botschafter Norwegens und Deutschlands machten dem General klar, dass <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/pt-br\/mour%C3%A3o-recria-fundo-amaz%C3%B4nia-mas-alemanha-e-noruega-n%C3%A3o-garantem-recursos\/a-53621619\">das negative Image der Regierung Bolsonaro ein starkes Hindernis<\/a> f&uuml;r die Wiederaufnahme der Zusammenarbeit darstelle.<\/p><p><strong>Was ist von Mour&atilde;o und Leite zu erwarten?<\/strong><\/p><p>Was m&uuml;ssten Leite und Mour&atilde;o an Salles&lsquo; Amazonien-Politik &bdquo;korrigieren&ldquo;, was ist von ihnen zu erwarten, fragten sich in den vergangenen Wochen zahlreiche in- und ausl&auml;ndische Publikationen.<\/p><p>Die Fakten sprechen eine eindeutige Sprache, weshalb zur ihrer Kaschierung Salles w&auml;hrend jener <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=75192\">skandalumwobenen Kabinettssitzung des Bolsonaro-Regimes<\/a> eine Metapher der Viehz&uuml;chter verwendete, als er den Staatschef dazu aufrief, die &bdquo;<em>Herde durchs Gestr&uuml;pp zu peitschen<\/em>&ldquo;. Der Gangster mit Schlips und Kragen meinte das Unterlaufen der Umweltgesetze, die gewaltsame Besetzung indigener Territorien, d.h. die Ermunterung zur und Legalisierung der Kriminalit&auml;t. Damit sollte der von den ehemaligen Ministern Bento Albuquerque (Bergbau und Energie) und Sergio Moro (Justiz) eingeleitete Kurs fortgesetzt und versch&auml;rft werden, der mit einem Gesetzesentwurf von 2020 die &bdquo;Regulierung&ldquo; des Bergbaus in indigenen Gebieten beschlossen hatte; gegen den ein Jahr sp&auml;ter immerhin die Staatsanwaltschaft eine <a href=\"https:\/\/www.poder360.com.br\/justica\/pl-que-regulamenta-garimpo-em-terras-indigenas-e-inconstitucional-diz-mpf\/\">Klage wegen Verfassungswidrigkeit<\/a> erhoben hat.<\/p><p>Doch Bolsonaros &bdquo;Umwelt-Agenda&ldquo; zielt auf erweiterte Zerst&ouml;rung, mit deren &bdquo;Durchpeitschen&ldquo; er seinen Verb&uuml;ndeten <a href=\"https:\/\/www.otempo.com.br\/politica\/pauta-ambiental-de-bolsonaro-avanca-na-camara-sob-comando-de-arthur-lira-1.2524416\">Arthur Lira, den Pr&auml;sidenten der Abgeordnetenkammer, beauftragte<\/a>. Lira erkannte die Dringlichkeit und es gelang ihm, schon in den ersten August-Tagen eine Mehrheit in der Abgeordnetenkammer f&uuml;r die Legalisierung des Millionen Hektar schweren Landraubs zu finden. Die demokratische und linke Opposition protestierte lauthals, doch sie befand sich in der Minderheit. Der <a href=\"https:\/\/www.brasildefato.com.br\/2021\/08\/03\/sob-protestos-da-oposicao-camara-aprova-pl-da-grilagem-texto-vai-ao-senado\">Gesetzesentwurf weilt nun im Senat<\/a> und k&ouml;nnte dort ebenso abgesegnet werden.<\/p><p>&bdquo;Bras&iacute;lia befiehlt den Vormarsch des Bergbaus und der Entwaldung in Brasilien&ldquo;, so der <a href=\"https:\/\/cimi.org.br\/2021\/08\/brasilia-comanda-avanco-garimpo-desmatamento\/\">Titel einer umfassenden, dramatischen Reportage<\/a> vom laufenden August 2021 des Indianischen Missionsrates der Katholischen Kirche (CIMI), der &uuml;ber Jahrzehnte vom &ouml;sterreichischen Bischof und Verfolgten der Milit&auml;rs Erwin Kr&auml;utler geleitet wurde. &bdquo;Da der internationale Goldpreis einen historischen H&ouml;chstwert erreicht, bewegt der Dollar die Flussufer im Amazonas. In der Abgeschiedenheit der W&auml;lder wird der Handel mit Schmerzen und Leben bezahlt&ldquo;. Die Vereinten Nationen forderten Ende Juli die brasilianische Regierung dazu auf, die <a href=\"https:\/\/www.poder360.com.br\/brasil\/onu-alerta-o-governo-brasileiro-sobre-escalada-de-violencia-contra-indigenas\/\">Eskalation der Gewalt gegen die indigenen V&ouml;lker Amazoniens zu beenden<\/a>. Doch wie so oft zuvor stellte sich das Bolsonaro-Regime taub. Und &bdquo;peitscht&ldquo; ungest&ouml;rt seine todbringende &bdquo;Herde durchs Gestr&uuml;pp&ldquo;.<\/p><p>Es ist August, eine neue Brandsaison beginnt, doch es gibt keinen Vorbeuge-Plan. Im Gegenteil, die Brandrodungen und Entwaldungen scheinen programmiert. Zwar k&uuml;ndigte General Mour&atilde;o die Wiederaufnahme der 2020 inszenierten, angeblichen Brandbek&auml;mpfungs-Kampagne <em>Verde Brasil<\/em> (&bdquo;Unternehmen Gr&uuml;nes Brasilien&ldquo;) an. Es ist jedoch ein offenes Geheimnis, dass der vergangene Einsatz mehrerer tausend Soldaten und Flugger&auml;te auf erb&auml;rmliche Weise scheiterte. Die Brandrodungen im vergangenen Jahr waren nach Angaben des Instituts f&uuml;r Weltraumforschung (Inpe) die gr&ouml;&szlig;ten seit 12 Jahren. Fl&auml;chen, siebenmal so gro&szlig; wie London, wurden in Schutt und Asche gelegt.<\/p><p>Funktion&auml;re des Umweltministeriums, die den Milit&auml;reinsatz begleiteten, <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/article\/ambiente-especial-militares-fracasso-idLTAKBN2BG1YD\">erkl&auml;rten gegen&uuml;ber der Agentur Reuters<\/a>, das Scheitern war vorprogrammiert. Die Armee, so argumentieren sie, verf&uuml;ge weder &uuml;ber Werkzeuge noch Denkweise oder Struktur, um diejenigen aufzusp&uuml;ren und zu verfolgen, die f&uuml;r die Rodungen verantwortlich sind. Ihr Hauptziel, die Verteidigung der Nation, habe wenig &Auml;hnlichkeit mit der polizei-technischen Erfahrung und dem forstwirtschaftlichen Know-how, das im tiefen Dschungel ben&ouml;tigt wird.<\/p><p>Doch auch Reuters erkannte, man solle sich von Inszenierungen nicht beirren lassen. Denn wie auch Bolsonaro ist die Mehrheit in der brasilianischen Armee von der Zwangsvorstellung der &bdquo;wirtschaftlichen Ausbeutung Amazoniens&ldquo; besessen. Die Uniformierten scheinen im Taumelzustand, sie beten unentwegt die Leier vom &bdquo;Potenzial des Regenwaldes als Flaggschiff des Wirtschaftswachstums&ldquo; herunter und argumentieren, die &bdquo;Entwicklung&ldquo; des Regenwaldes k&ouml;nnte &bdquo;ehrgeizige ausl&auml;ndische M&auml;chte&ldquo; davon abhalten, dessen Bodensch&auml;tze &ndash; Land, Wasser und Mineralien &ndash; zu &uuml;berfallen und sich anzueignen; so als ob der &Uuml;berfall von internationalen Banken und Hedgefonds nicht l&auml;ngst geschehen ist.<\/p><p>Ein pensionierter General und Berater Bolsonaros schlug die Aufstauung eines Nebenflusses des Amazonas und die Erweiterung eines Getreideexportkorridors nach Surinam vor. Das Projekt solle die Bev&ouml;lkerung des n&ouml;rdlichen Amazoniens verf&uuml;nffachen, so der Milit&auml;r. Doch der destruktive Gr&ouml;&szlig;enwahnsinn wird auch von paranoiden Phantasien angetrieben. Durchgesickerte Geheimdokumente und Audios, zu denen <a href=\"https:\/\/theintercept.com\/2019\/09\/19\/plano-bolsonaro-paranoia-amazonia\/\">das Investigativ-Portal <em>The Intercept<\/em> Zugang hatte<\/a>, attestieren noch einmal den gest&ouml;rten Geisteszustand Bolsonaros. Der t&auml;glich randalierende und Gift speiende Staatschef ist von der Wahnvorstellung (oder L&uuml;ge?) besessen, die VR China, Umwelt-Organisationen und die Katholische Kirche h&auml;tten sich mit dem Ziel verschworen, das Amazonas-Gebiet Brasilien zu entrei&szlig;en. Weswegen es dringend kontrolliert und bev&ouml;lkert werden m&uuml;sse.<\/p><p>Bolsonaros pers&ouml;nlicher Zerst&ouml;rungstrieb ist seit Jahren im In- und Ausland Gegenstand psychiatrischer Befunde und journalistischer Untersuchungen. Die Mehrheit attestiert dem 1978 unehrenhaft entlassenen, ehemaligen Fallschirmj&auml;ger eine Besessenheit, gar eine Perversion, <a href=\"https:\/\/www.fernsehserien.de\/mein-ausland\/folgen\/der-zerstoerer-wie-bolsonaro-brasilien-beschaedigt-1355623\">Mensch und Natur Schaden zuzuf&uuml;gen<\/a>. Doch wie der scharfsinnige Polonius schon im Shakespear&lsquo;schen Hamlet sinnierte, &bdquo;Ist dies schon Wahnsinn, so hat es doch Methode&ldquo;.<\/p><p>Titelbild:  Thammanoon Khamchalee\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Teil 2: Vernichtungsfeldzug im Auftrag der Milit&auml;rs.<\/strong> Im ersten Teil dieser Untersuchung wurde das politische Umfeld und die kriminelle Karriere des vor Wochen amtsenthobenen ehemaligen Umweltministers Brasiliens, Ricardo Salles, skizziert. Sein Handeln pr&auml;gte die weltweit verurteilte Amazonien-Politik des Bolsonaro-Regimes. Dass diese auf ein geopolitisches Konzept aus Zeiten der Milit&auml;rdiktatur (1964-1985) zur&uuml;ckgreift, ist &ndash; von wenigen<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=75322\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":75323,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[126,20,127,178,176],"tags":[2714,2454,1613,3096,2196,2934,801,2717],"class_list":["post-75322","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-erosion-der-demokratie","category-landerberichte","category-lobbyismus-und-politische-korruption","category-ressourcen","category-umweltpolitik","tag-amazonien","tag-bolsonaro-jair","tag-brasilien","tag-forstwirtschaft","tag-indigene-voelker","tag-naturzerstoerung","tag-schmiergeld","tag-wirtschaftskriminalitaet"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/shutterstock_1319019179.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/75322","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=75322"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/75322\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":75326,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/75322\/revisions\/75326"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/75323"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=75322"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=75322"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=75322"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}