{"id":75524,"date":"2021-08-27T09:26:24","date_gmt":"2021-08-27T07:26:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=75524"},"modified":"2021-08-27T10:53:06","modified_gmt":"2021-08-27T08:53:06","slug":"das-schaufenster-einer-kulturnation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=75524","title":{"rendered":"Das Schaufenster einer Kulturnation"},"content":{"rendered":"<p>Ein sch&ouml;nes Wort: Schaufenster. Als Metapher eine ganze Gesellschaft widerzuspiegeln, ist es wohl eine Nummer zu gro&szlig;, gut. Allein den Begriff &bdquo;Berlin &ndash; Schaufenster einer Nation&ldquo; einmal herzunehmen, um sich via Rundg&auml;nge durch die Metropole und der Lekt&uuml;re von Medien der Hauptstadt dieses &bdquo;Fenster&ldquo; anzuschauen, um sich ein Bild zu machen, regt dennoch zum Nachdenken an. Berlin in diesen Wochen und Monaten gesellschaftlich negativ &uuml;berbordender Energiefl&uuml;sse anzusehen, hat f&uuml;r den Beobachter viel zum Nachdenken zutage gebracht. &Uuml;ber Berlin, das Land, die Menschen. Von <strong>Frank Blenz<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nVielfach ist in dieser Stadt zu sehen, dass einer der gerade angesagten E-Roller wie ein achtlos vergessenes Spielzeug kreuz und quer auf dem Fu&szlig;weg liegt. Hier ist es ein Gef&auml;hrt an der Ausfallstra&szlig;e Richtung Tempelhofer Feld. Hastig kurven Radfahrer schnell an dem Gef&auml;hrt und ohne das eigene Tempo zu reduzieren an Fu&szlig;g&auml;ngern vorbei. Berlin ist schnell, Berlin ist achtlos. An der nahen Ampel hupt ein PKW-Fahrer seinen Vordermann heftig an, obschon der gern abbiegen w&uuml;rde, allein, er kann nicht, ist die Seitenstra&szlig;e nun verkehrsberuhigt mit gr&uuml;nen Chill-Out-Sitz-Fl&auml;chen f&uuml;r Anwohner und Touristen versehen und gesperrt. Nebenan warten in all dem L&auml;rm nicht wenige Menschen in einer Reihe geduldig darauf, eine der ber&uuml;hmten Curryw&uuml;rste einer mit grandioser &bdquo;App&ldquo; beworbenen Marke zu ergattern. Dabei halten alle ihren Blick st&auml;ndig auf ihr Smartphone, die Daumen wischen die Wichtigkeiten auf dem Display hin und her. Sie weilen in einer digitalen Welt. <\/p><p>Ein armer Mann nahe dem Savignyplatz in Charlottenburg fragt einen wohlhabend aussehenden Mann vor dem Feinschmeckerladen Butter Lindner, ob er ihm ein kleines Erdbeert&ouml;rtchen mitbringen k&ouml;nnte. Er fragt herzlich und ehrlich. Tats&auml;chlich erf&uuml;llt der Gebetene ihm den Wunsch. Ein menschelnder Moment. Auf der Kantstra&szlig;e reihen sich entlang der zwei, drei Kilometer Ladenstra&szlig;enl&auml;nge in bester City-West-Lage neuerdings mehr und mehr Modelle von Nobel-Automarken zum Ansehen. Da ein Ferrari, dort ein Lamborghini, da ein Aston Martin, dort ein Bugatti. Es muss schon ganz sch&ouml;n aufw&auml;rts gehen in Berlin &ndash; f&uuml;r einige. Die zeigen das 2021 ungeniert offen. In den Jahren zuvor, 2018, 2019, taten sie das noch nicht, da galt noch etwas mehr Stil und Diskretion in Sachen Reichtum. Immer noch in der Kantstra&szlig;e. Vor dem Eingangsbereich des Theaters des Westens hat man schon bessere Tage erlebt. Gl&auml;nzende Premieren, frohe Menschen. Gerade werden die Treppenaufg&auml;nge hingegen als eine Art Schutzzone von einem Dutzend Obdachlosen genutzt. Sie haben Decken dabei, Lebensmittel. Sie haben ihre Lager auf der Treppe aufgebaut. Sie schauen traurig aus. Es regnet, ein Mann guckt gen Himmel, l&auml;chelt, wenigstens wird er Dank des Theatervordaches nicht nass.    <\/p><p>Der angesagte Park neuerer Pr&auml;gung ist der am Gleisdreieck nahe dem Potsdamer Platz. Der verliert gerade seinen urspr&uuml;nglichen Charme. Eigentumsneubauten en masse umzingeln ihn, neue Pflanzungen &ndash; Fehlanzeige, Menschen verm&uuml;llen ihn. Der Kommerz ist angekommen, freie Fl&auml;chen lediglich f&uuml;r die Fitness weichen geb&uuml;hrenpflichtigen Fl&auml;chen f&uuml;r die Fitness. Am Morgen nach einer Menschenfreizeitnacht sieht der Park wie eine Halde aus. Scherben, Essensreste, Verpackungen, Zigarettenkippen. Wenigstens haben in der fr&uuml;hen Morgenstunde viele kleine Hasen ihre Ruhe vor ihren intelligentesten Mitbewohnern der Erdkugel.<\/p><p>Und dann schl&auml;gt ein Parkbesucher in einer Pause die Zeitung auf: Die m&ouml;gliche neue Regierende B&uuml;rgermeisterin von Berlin hat nach Doktortitelentzug schon wieder einen Plagiatsversuch am Hals. Die Zahl der schweren Unf&auml;lle mit E-Rollern nimmt zu. Die Mieter der Kulturbrauerei machen sich gro&szlig;e Sorgen um Mietvertr&auml;ge und Zukunft, ein neuer Eigent&uuml;mer ist am Start. Berlins Krankenhauspersonal streikt und ist ebenfalls ern&uuml;chtert ob einst versprochener Wertsch&auml;tzung und zahlreicher Balkonbeifallsbekundungen in schweren Stunden. Es drohen Schlie&szlig;ungen von Krankenh&auml;usern und Entlassungen. Aus dem Ausw&auml;rtigen Amt hat dortiger Minister wenig Erhellendes zu berichten. Dass er auch Minister in einer neuen Regierung sein wolle, schon. <\/p><p>Derweil wird die in Berlin regierende Koalition von der Koalition als Autohasser beschimpft. Das Trio regiere Autofahrer feindlich, bestrafend, diskriminierend fernab von einem Bem&uuml;hen, besser alle Verkehrsteilnehmer einzubeziehen. Tats&auml;chlich sieht die Kantstra&szlig;e wie ein Versuchslabor von diversen Verkehrsfl&uuml;ssen aus, bei dem vor allem der Radfahrer bevorzugt wird. Eine sehr konservative Tageszeitung Berlins ver&ouml;ffentlicht eine Studie zum Thema &bdquo;Mietendeckel&ldquo; in der Hauptstadt. Der Deckel habe nichts gebracht au&szlig;er, dass das Wohnungsangebot wegen der Deckelung (die einkassiert wurde) halbiert worden sei. Es f&auml;llt einem beim Lesen ein, dass das Wohnen eines der wichtigsten Lebensthemen in der Stadt ist. Wohnen als Menschenrecht. Bezahlbar. Fair. Viel hat das was mit Eigentum und den Eigent&uuml;mern zu tun, f&auml;llt einem ein. Eigentum verpflichtet. Eigentlich. Fair w&auml;re es, wenn beide Seiten ihren Vorteil haben, Mieter und Vermieter. Allein, in Berlin verh&auml;lt es sich anders. Da wei&szlig; der Senat nicht mal in G&auml;nze, wem denn die vielen H&auml;user und Wohnungen bei zunehmender Eigentumsquote geh&ouml;ren. Trotz Grundbuchamt, trotz Datenschutzgrundverordnung, trotz digitaler Ausweise, trotz gl&auml;serner B&uuml;rgerschaft. Warum wei&szlig; man so wenig bis nichts von den reichen Berlinern und den reichen G&auml;sten, die die Stadt als Monopolyspiel missbrauchen? <\/p><p>In einer Wochenzeitung wird Bilanz &uuml;ber das Wirken der Kanzlerin gezogen. Und aufgeatmet, dass wir alle Merkel bald geschafft haben, frei nach deren Spruch &bdquo;Wir schaffen das&ldquo;. Sofort verbindet sich Merkel und Berlin, das Schaufenster. Sie ist Chefdekorateurin Und hat es grandios vergeigt.   <\/p><p>Neben dem Park an einer gro&szlig;en Kreuzung schaut der aktuelle Finanzminister, der Kanzlerkandidat Olaf Scholz mit wei&szlig;em Hemd und bester Rasur auf die Passanten. Das Wort Respekt ist auf dem Riesenposter des Bundestagswahlkampfes 2021 zu lesen.<\/p><p>&bdquo;Ich hab&acute; noch einen Koffer in Berlin&ldquo;, sang einst Filmdiva Marlene Dietrich. Sentimental, hingebungsvoll, verliebt. Berlin liebt man. Trotz allem. Heute ist dar&uuml;ber ein eher resignierendes Seufzen zu vernehmen, &auml;u&szlig;ert sich bei einer Begegnung ein alter, einst stolzer, rotzfrecher Berliner &bdquo;janz juut&ldquo; &uuml;ber seine Heimatmetropole, die Stadt, die doch mal so knorke und derb und berechenbar &hellip; war. Inzwischen nippt dieser Mann aus dem Kiez nicht mehr seine Molle am Tresen in der Eckkneipe, gleich wo er wohnt, er hebt seine Flasche zum Prosit auf einer kaputten Bank im Park, dessen Wege und Wiesen ebenso wenig gepflegt sind. Der alte Mann seufzt: Das mit dem &bdquo;Das Gute-alten-Zeit-Berlin verschwindet&ldquo;, hat schon lange Fahrt aufgenommen. <\/p><p>Dieses Berlin war berechenbar, fassbar gerecht oder wenigstens ertr&auml;glich ungerecht, sch&ouml;n und h&auml;sslich. Die Wende zum jetzigen Unzustand kam m&ouml;glicherweise schon mit der Wiedervereinigung, als aus zwei politischen Systemen eines, das der Sieger wurde, als dann aus einer &bdquo;sozialen&ldquo; Marktwirtschaft neoliberaler Turbokapitalismus wurde, von Gentrifizierung wie von einem nicht von Menschen gemachten Naturgesetz geredet und danach gehandelt wurde und wird. Verdr&auml;ngung, Rendite, Optimierung, Eigentum, M&uuml;ll, Verwahrlosung, Anma&szlig;ung. Willk&uuml;r, Gewalt, Aussichtslosigkeit, Selbstgef&auml;lligkeit, Eitelkeit bis zum Exzess. Der alte Mann h&auml;lt inne, er trinkt die Neige aus, packt die leere Flasche zum anderen Leergut in einen gro&szlig;en Jutebeutel und wankt dem Leergutautomaten im n&auml;chsten Supermarkt entgegen. Wenigstens ist die Ausbeute diesmal besser f&uuml;r Nachschub des Trost spendenden Bieres. &bdquo;Was wei&szlig; ick, wo das alles noch enden soll&ldquo;, murmelt er im Weggehen. <\/p><p>So einem oder anderen M&auml;nnern und auch Frauen in aussichtsloser Lage begegnet Passant und Mitb&uuml;rger mehr und mehr in der Hauptstadt der Kulturnation Deutschland. In der Stra&szlig;e nahe dem CDU-Hauptquartier campieren seit einiger Zeit mehrere Menschen unter einem m&auml;chtigen Vorgeb&auml;ude eines B&uuml;rokomplexes direkt vor einem Werbebanner mit dem Wortfetzen &bdquo;Demokratie lernen&ldquo;. Sie &bdquo;wohnen&ldquo; dort. Sie haben gerade Zeit und spielen Karten. Am Bahnhof Zoo stehen viele Menschen an einer Sozialstation an, Essen fassen. Im Park entdeckt Passant bei l&auml;ngerem Blick im Geb&uuml;sch kleine Zeltwelten. Auf der Stra&szlig;e unter den Linden sitzen Bettler, in der Friedrichstra&szlig;e, am Ku&acute;damm, neben der Kantstra&szlig;e auf der Meile Wilmersdorfer &ndash; zwischen Kaffee schl&uuml;rfenden Shoppingmenschen. Ganz Berlin wird von gestrandeten und aussortierten Menschen bev&ouml;lkert. Es scheint, als halten diese B&uuml;rger die Stellung, wohl ahnend, vielleicht einst wie in Orbans Ungarn aus der Heimatstadt Berlin in separate Lager vor den Toren des Wohlstandes gekarrt und dauerhaft abgeschoben zu werden. Die soziale Entwicklung in Berlin ist schlimm, 2019 sah man solche gestrandeten Menschen hier schon nicht wenige, es ist eine Schande dieses Verhalten einer Wohlstandsgesellschaft mit rot-rot-gr&uuml;nen Senat und einer christlich-demokratisch gef&uuml;hrten Bundesregierung gegen&uuml;ber diesen B&uuml;rgern am Rand, 2021 hat sich ihre Anzahl vervielfacht.             <\/p><p>Die Stadt liebt man oder sie hasst man oder beides. Aus vielen Gr&uuml;nden. Gr&uuml;nde sind bei l&auml;ngeren Spazierg&auml;ngen viele zu sehen, so lautet ein erstes Fazit. Das Ern&uuml;chternde an dem ganzen Liebe-Hass-Dilemma ist, dass man die Stadt ja gar nicht hassen m&uuml;sste, eine Kritik an ihr so klein und gering sein k&ouml;nnte, w&uuml;rden nur ein paar Stellschrauben anders gedreht. Die meiste Pein hat etwas mit Macht, mit Eigentum, mit Bildung und Kultur zu tun, mit der Achtsamkeit und dem Respekt f&uuml;reinander, w&uuml;rde alles liebevoll und kraftvoll eingesetzt, w&auml;re die Pein klein. Deutschland ist wohl Kulturnation, also auch Berlin als Hauptstadt Kulturstadt. Doch viel zu viel stimmt nicht, denn es ist so wie bei &bdquo;Des Kaisers neue Kleider&ldquo;, beim Kaiser eben, der nichts anhat, obschon es behauptet wird. Die Beobachtungen der Rundg&auml;nge geraten so wie das Sehen des Kindes von keiner Kleidung am Kaiser: Dreck statt Sauberkeit, Verwahrlosung statt Obacht, kaputte statt frohe Menschen, reiche Obsz&ouml;nit&auml;t statt gen&uuml;gsamem, &auml;sthetischem Wohlstand, lauter Untergang statt leise vers&ouml;hnliche T&ouml;ne. Tempo statt Gelassenheit, Druck, Druck, Druck. <\/p><p>Berlin als sch&ouml;nes Schaufenster eines Landes, als Schein, das gibt es allein man geht durch eine Stadt in sch&ouml;nerem Zustand. &Auml;u&szlig;erlich gibt es diesen Wohlstand in besseren Gegenden, an sch&ouml;nen H&auml;usern. Sucht man den sch&ouml;nen Schein weiter, findet man Belege zunehmend hinter verschlossenen T&uuml;ren und Toren und Quartieren von bessergestellten Berlinern, welche, die zunehmend abgeschottet, separiert, reserviert, exklusiv, extraordin&auml;r wichtig gehalten werden. Vor denen, die nicht exklusiv und bessergestellt sind.<\/p><p>Die meisten Berliner sind keine extraordin&auml;ren B&uuml;rger. Einfache sind es, denen die Stadt aber geh&ouml;ren sollte. Diese Stadt ist jedoch einkassiert. Von wenigen. Zu sehen ist das an allen Ecken und Enden der Stadt, ja selbst dort, wo es dreckig ist. Denn dort, wo kein Kehrauto entlangf&auml;hrt, wird das Geld gespart, welches anderswo den gentrifiziert gepr&auml;gten, den politisch gehegten und gewollten immensen Wohlstand pr&auml;gt. Vor dem Roten Rathaus sind die Pflaster blank, wenige Meter weiter am Alex unter den Gleiszug&auml;ngen der U- und S-Bahn ist es kein Vergn&uuml;gen, zu gehen. Luxuswohnanlagen sehen chic aus, &ouml;ffentliche Parks und Spielpl&auml;tze wirken zunehmend verwahrlost. Fr&uuml;her sagte B&uuml;rgermeister Wowereit, dass Berlin arm, aber sexy ist, jetzt m&uuml;sste M&uuml;ller sagen, dass Berlin reich und seelisch verwahrlost ist. In Kiezen wird nicht berlinert, gew&auml;hlt deutsch und zunehmend englisch reden hingegen, h&ouml;rt man &uuml;berall. <\/p><p>Der Rundgang wird fortgesetzt. Der Gedanke kommt in den Sinn: In Berlin fehlen Wohnungen, kein Platz sei da, wird behauptet. Doch vor und um das Neue Stadtschloss (wo einst der Palast der Republik stand) gibt es gleich dazu eine mehr als doppelt so gro&szlig;e Fl&auml;che wie das Schlossgel&auml;nde selbst, baumlos und Pflasterstein versiegelt als hitzespendende Freifl&auml;che. Ja, Wohnungen k&ouml;nnten hier einige Platz finden, gleich gegen&uuml;ber dem Ausw&auml;rtigen Amt und gleich gegen&uuml;ber dem Stadtschloss ging es ja auch mit dem Luxuswohnbau. Und auch die Fl&auml;chen um die neue, viel zu lang sanierte Nationalgalerie fallen &uuml;ppig aus. Und die Fl&auml;chen im Regierungssperrgebiet. Und weitere. Der politische Wille, der Wille von Eigent&uuml;mern, von Investoren, von den Exklusiven allein &ndash; der fehlt. <\/p><p>Der Spaziergang neigt sich dem Ende. Berlin Mall. Nicht nur &bdquo;die&ldquo;, sondern noch mehr &bdquo;Ihre&ldquo; (Kunden-)Gesundheit hat bei einem Laden die h&ouml;chste Priorit&auml;t. So steht es am Eingang einer Boutique in der als elegant und mond&auml;n konzipierten Berlin Mall an der Leipziger Stra&szlig;e. Die Mall, der Einkaufstempel, ist mit Hilfe vieler osteurop&auml;ischer Menschen erbaut worden. Arbeiter, die viele Monate lang auf ihren zudem zu niedrigen Lohn warten und letztlich teils gar verzichten mussten. Gesund war das nicht.  <\/p><p>Der finale Gang durch den gro&szlig;en Park am Brandenburger Tor l&auml;sst einen in Gedanken weiterschweifen: Der Spazierg&auml;nger schreibt f&uuml;r sich so eine Art Brief an meine Berliner: Und darin die Ansage: Die Stadt verlassen, die Stadt Wenigen &uuml;berlassen &ndash; das ist keine L&ouml;sung. Nein. Berliner! Rei&szlig;t euch zusammen, haut auf den Tisch, habt die gro&szlig;e Schnauze, wehrt euch, &uuml;bernehmt die Stadt wieder. Macht sauber, kehrt den Dreck weg, lasst euch nicht gehen! Es stimmt: &bdquo;Es herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg f&uuml;hrt, und wir gewinnen&ldquo;, sagte der amerikanische Superreiche und Unternehmer Warren Buffett. Aber die Welt dreht sich weiter und die Karten k&ouml;nnen immer wieder neu gemischt werden. Berlin ist das Schaufenster der Nation. Es ist Zeit, die Auslagen auszutauschen.  <\/p><p>Nachtrag. Bewusst ist kein Wort zu Pandemie, zu Ma&szlig;nahmen, zu aktuellen Verhaltensregeln, zu Zust&auml;nden drumherum in diesen Monaten zu lesen. Denn sie sind ohnehin wie im ganzen Land zu erleben. Sie verst&auml;rkten nur noch die beschriebenen Eindr&uuml;cke, die indes g&uuml;ltig auch ohne Pandemie sind. Schlimmer, sie werden durch die Pandemie noch verst&auml;rkt. Auch ohne Pandemie ist die Lage ern&uuml;chternd. <\/p><p>Angesprochene Medien u.a. Tagesspiegel, TAZ, Freitag, Berliner Zeitung.<\/p><p>Titelbild: Frank Blenz<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein sch&ouml;nes Wort: Schaufenster. Als Metapher eine ganze Gesellschaft widerzuspiegeln, ist es wohl eine Nummer zu gro&szlig;, gut. 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