{"id":75858,"date":"2021-09-09T09:05:09","date_gmt":"2021-09-09T07:05:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=75858"},"modified":"2021-09-09T10:50:35","modified_gmt":"2021-09-09T08:50:35","slug":"wolfgang-streeck-sollte-endlich-dazu-stehen-dass-er-sich-an-der-ideologischen-und-publizistischen-vorbereitung-von-hartz-iv-beteiligte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=75858","title":{"rendered":"Wolfgang Streeck sollte endlich dazu stehen, dass er sich an der ideologischen und publizistischen Vorbereitung von Hartz IV beteiligte"},"content":{"rendered":"<p>Der fr&uuml;here Chef des Max-Planck-Instituts f&uuml;r Gesellschaftsforschung in K&ouml;ln spielt heute gerne die Rolle des Gegners der neoliberalen Ideologie. Aber er hat sich leider immer noch nicht dazu durchringen k&ouml;nnen, seine vorbereitende Mitverantwortung f&uuml;r die neoliberal gepr&auml;gte Agenda 2010 einzugestehen. In den letzten Tagen gab es dazu einen Disput zwischen Norbert H&auml;ring und Wolfgang Streeck. Anlass f&uuml;r diesen Disput war die Tatsache, dass sich Norbert H&auml;ring in der Einf&uuml;hrung zu einer Besprechung des neuen <a href=\"https:\/\/norberthaering.de\/buchtipps\/streeck-schneider\/\">Buches von Streeck<\/a> auf die NachDenkSeiten und deren <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=17173\">Kritik an Streeck<\/a> bezogen hat. Norbert H&auml;ring hat von dem neuen Disput gestern <a href=\"https:\/\/norberthaering.de\/buchtipps\/streeck-2\/\">auf seinem Blog<\/a> berichtet. Der Vorgang insgesamt ist in mehrerer Hinsicht interessant und aktuell. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Erstens<\/strong> sehen heutzutage immer mehr Menschen, wie verheerend der R&uuml;ckgriff auf die neoliberale Ideologie war: Millionen Menschen sind in den Niedriglohnsektor und in die soziale Unsicherheit abgeschoben worden, in unsichere Arbeitsverh&auml;ltnisse, in Leiharbeit, in Befristung und in ein Leben ohne ausreichende soziale Sicherung. Sie und nicht nur sie, wir alle haben ein Anrecht darauf, zu kl&auml;ren und festzuhalten, wer f&uuml;r diesen Irrweg verantwortlich ist und welche Rolle die sogenannte Wissenschaft dabei gespielt hat. Um Letzteres geht es bei dem Disput mit Professor Streeck.<\/p><p><strong>Zweitens<\/strong> ist der Vorgang ein Musterbeispiel daf&uuml;r, wie sich angesehene Wissenschaftler von Politikern benutzen lassen, um ein politisches Projekt voranzutreiben. Professor Wolfgang Streeck und sein Gef&auml;hrte Heinze haben 1999 einen Essay im Spiegel ver&ouml;ffentlicht, der die Tore f&uuml;r Schr&ouml;ders und Hombachs Projekt &bdquo;Niedriglohnsektor&ldquo; angelweit aufgesto&szlig;en hat. Dar&uuml;ber haben die NachDenkSeiten <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=17173\">am 7. Mai 2013 kritisch berichtet<\/a> und auf den Spiegel-Titel <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/an-arbeit-fehlt-es-nicht-a-23336b01-0002-0001-0000-000013220370?context=issue\">mit dem Essay von Streeck und Heinze<\/a> verlinkt. Ich weise auf diesen Text noch einmal hin, weil es wirklich ein Schl&uuml;sseltext ist &ndash; ein Text von historischer Relevanz.<\/p><p><strong>Drittens<\/strong> ist der Vorgang interessant, weil daran auch sichtbar wird, welche seltsamen Vorstellungen manche Sozialwissenschaftler von volkswirtschaftlichen Zusammenh&auml;ngen haben. Streeck und Heinze sehen zum Beispiel im Dienstleistungssektor eine klar abgrenzbare Einheit der Volkswirtschaft. So ist das nicht. Die Sektoren und auch die Arbeitsm&auml;rkte sind verwoben. &ndash; Die sogenannten Lohnnebenkosten sehen sie als Last und als Ursache f&uuml;r Arbeitslosigkeit &ndash; <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/wdoks\/2002-12-20-Agenda-2010-Kanzleramtspapier.pdf\">&uuml;brigens ganz &auml;hnlich wie im Kanzleramtspapier vom Dezember 2002<\/a> beschrieben, f&uuml;r das der heutige Bundespr&auml;sident in seiner Funktion als Chef des Bundeskanzleramtes verantwortlich war. Lohnnebenkosten sind in der Regel die Beitr&auml;ge, die die Lohnabh&auml;ngigen f&uuml;r ihre soziale Sicherheit leisten.<\/p><p><strong>Viertens<\/strong> ist &ndash; in einem Kontext mit Drittens &ndash; die Polemik gegen das wirtschaftspolitische Instrumentarium des britischen National&ouml;konomen Keynes interessant und dabei auch die Feindseligkeit gegen&uuml;ber dem damaligen Bundesfinanzminister und SPD-Vorsitzenden Oskar Lafontaine. Dazu zitiere ich eine Passage aus dem Essay der beiden Sozialwissenschaftler Streeck und Heinze:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Der von Teilen der Bundesregierung und der SPD nach dem Regierungswechsel vertretene Vulg&auml;r-&raquo;Keynesianismus&laquo; war geeignet &ndash; und m&ouml;glicherweise dazu konzipiert -, den Verteidigern der deutschen Hochpreisversion des Normalarbeitsverh&auml;ltnisses zu suggerieren, da&szlig; eine neue Geld- oder gar eine aggressivere Lohnpolitik ihnen die Anstrengungen und Risiken eines institutionellen Umbaus ersparen k&ouml;nnten. Mit dem R&uuml;cktritt des Finanzministers und Parteivorsitzenden ist dieser Hoffnung endg&uuml;ltig, gl&uuml;cklicherweise schon vor Eintritt bleibender Sch&auml;den, der Boden entzogen worden.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Wenn diese Herrschaften sich &uuml;ber die an Keynes orientierte Wirtschaftspolitik kritisch hermachen, dann nennen sie das Ziel ihrer Attacken &sbquo;Vulg&auml;r-&raquo;Keynesianismus&laquo;&lsquo;. Was ist das denn im Unterschied zum echten Keynesianismus? Einfach so dahergeredet.<\/p><p>Und sie scheuen sich nicht, sich in innerparteiliche Auseinandersetzungen einzumischen. Die &Auml;u&szlig;erungen &uuml;ber den damals gerade zur&uuml;ckgetretenen Bundesfinanzminister sind eindeutig. Lafontaine sei &bdquo;gl&uuml;cklicherweise schon vor Eintritt bleibender Sch&auml;den&ldquo; zur&uuml;ckgetreten.<\/p><p>&Uuml;brigens: Professor Wolfgang Streeck hat nicht nur vers&auml;umt, seine Mitwirkung an der Vorbereitung der Agenda 2010 zu bedauern, er hat auch noch kein Wort des Bedauerns zu seinen ver&auml;chtlichen Worten &uuml;ber Oskar Lafontaines wirtschaftspolitische Linie gefunden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der fr&uuml;here Chef des Max-Planck-Instituts f&uuml;r Gesellschaftsforschung in K&ouml;ln spielt heute gerne die Rolle des Gegners der neoliberalen Ideologie. Aber er hat sich leider immer noch nicht dazu durchringen k&ouml;nnen, seine vorbereitende Mitverantwortung f&uuml;r die neoliberal gepr&auml;gte Agenda 2010 einzugestehen. In den letzten Tagen gab es dazu einen Disput zwischen Norbert H&auml;ring und Wolfgang Streeck.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=75858\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":75859,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[110,198,129],"tags":[1869,477,330,288,819],"class_list":["post-75858","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-agenda-2010","category-einzelne-politiker-personen-der-zeitgeschichte","category-lobbyorganisationen-und-interessengebundene-wissenschaft","tag-haering-norbert","tag-keynesianismus","tag-lafontaine-oskar","tag-prekaere-beschaeftigung","tag-streeck-wolfgang"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/210910-Streeck.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/75858","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=75858"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/75858\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":75876,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/75858\/revisions\/75876"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/75859"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=75858"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=75858"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=75858"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}