{"id":75902,"date":"2021-09-10T09:56:50","date_gmt":"2021-09-10T07:56:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=75902"},"modified":"2021-09-10T16:32:28","modified_gmt":"2021-09-10T14:32:28","slug":"bildungsspritze-wer-in-deutschland-studieren-will-muss-den-aermel-hochkrempeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=75902","title":{"rendered":"Bildungsspritze: Wer in Deutschland studieren will, muss den \u00c4rmel hochkrempeln"},"content":{"rendered":"<p>Die &auml;rmsten Schweine in der Corona-Krise sind die Studierenden. Eineinhalb Jahre im Homeoffice verschanzt &ndash; ohne Kontakte, ohne Party, ohne Geld, daf&uuml;r mit Depressionen  &ndash; ist ihr Schicksal in der &Ouml;ffentlichkeit bis heute ein gro&szlig;er blinder Fleck. Aber bald wird alles &bdquo;besser&ldquo;: Im Wintersemester wollen die Hochschulen gro&szlig;fl&auml;chig zum Pr&auml;senzbetrieb zur&uuml;ckkehren. Allerdings ist des Geimpften Freud des &bdquo;Impfmuffels&ldquo; Leid. Wer den Pieks mit experimentellen Vakzinen verweigert und Tausende Euro extra f&uuml;r Schnelltests scheut, muss leider drau&szlig;en bleiben. Und auf digitale Distanzlehre darf er auch nicht mehr hoffen. Das ist ganz offizielle Linie und fast alle zeigen sich linientreu &ndash; sogar Studentenvertreter. Wo das alles noch hinf&uuml;hren soll, fragt sich <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7822\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-75902-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210910_Bildungsspritze_Wer_in_Deutschland_studieren_will_muss_den_Aermel_hochkrempeln_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210910_Bildungsspritze_Wer_in_Deutschland_studieren_will_muss_den_Aermel_hochkrempeln_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210910_Bildungsspritze_Wer_in_Deutschland_studieren_will_muss_den_Aermel_hochkrempeln_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210910_Bildungsspritze_Wer_in_Deutschland_studieren_will_muss_den_Aermel_hochkrempeln_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=75902-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210910_Bildungsspritze_Wer_in_Deutschland_studieren_will_muss_den_Aermel_hochkrempeln_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"210910_Bildungsspritze_Wer_in_Deutschland_studieren_will_muss_den_Aermel_hochkrempeln_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Nach welcher Gruppe kr&auml;ht in der Pandemie kein Hahn? Antwort: die Studierenden. In nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen ist inzwischen wenigstens ein St&uuml;ck weit Normalit&auml;t zur&uuml;ckgekehrt. Die Menschen gehen zur Arbeit. Kneipen, Caf&eacute;s und Restaurants bewirten G&auml;ste, Theater und Kinos haben wieder ge&ouml;ffnet, im Sommer konnte man sich sogar im Freibad vergn&uuml;gen. Aber eben nicht &uuml;berall hat sich ein halbwegs freies Leben Bahn gebrochen. Ein kleines, von Unbeugsamen bev&ouml;lkertes Dorf im Herzen der Republik widerstand bisher wacker allen Reizen, den rigiden Krisenmodus zu verlassen. Die Frage muss gestellt werden: Warum eigentlich stecken die Hochschulen praktisch noch immer im Lockdown fest, wo sich alle und alles drumherum locker gemacht haben? <\/p><p>Seit eineinhalb Jahren l&auml;uft hierzulande an Universit&auml;ten, Fach-, Musik- und Kunsthochschulen praktisch nichts, was wie ein regul&auml;res Studium anmuten w&uuml;rde. Statt dessen haben knapp 2,9 Millionen Studierende drei volle Semester aus der Distanz in den Knochen, &uuml;bers Internet von zu Hause aus, ohne physischen Kontakt zu Dozenten und Kommilitonen. Mithin Zehntausende haben ihre Alma Mater noch nie von innen gesehen. Man muss sich das vorstellen: Da versauern junge Menschen 18 Monate lang in ihren vier W&auml;nden, wo sie sich doch eigentlich aufmachen wollten, die gro&szlig;e, weite Welt zu erobern. Stand die Studentenzeit nicht einmal f&uuml;r Aufbruch, f&uuml;r eine Lebensphase voller Spannung, neuer Eindr&uuml;cke, Erfahrungen und Abenteuer? Man l&auml;sst das Elternhaus hinter sich, steht auf eigenen Beinen, findet Freunde, feiert Partys, geht jobben und regelt nebenbei auch noch sein Studium. Und was erleben die Studis heute: Angst, Ungewissheit, Stress, Tristesse! <\/p><p><strong>Studenten ohne Lobby<\/strong><\/p><p>Aber warum qu&auml;lt man sie so? Warum sperrt man sie aus? Was ist so anders an einer Uni, verglichen mit einer Schule? Auch dort sitzen Menschen in S&auml;len zusammen und interagieren mit einer Lehrkraft. Und anders als ABC-Sch&uuml;tzen tollen Vollj&auml;hrige nicht dicht an dicht auf dem Pausenhof herum. Auch die Schulen hat man viel zu lange wider jede wissenschaftliche Evidenz, gegen jede Vernunft und zum Preis noch nicht absehbarer psychologischer, sozialer und &ouml;konomischer Folgesch&auml;den dichtgemacht. Aber immerhin ist die Politik irgendwann von dem ganz irren Irrweg abgekommen und hat wieder Pr&auml;senzunterricht erm&ouml;glicht &ndash; wenngleich weiterhin mit Zumutungen wie Maskenpflicht und Testeritis. Studenten zwingt man dagegen bis heute das volle Programm an Zumutungen auf und dies, ohne auch nur eine schl&uuml;ssige Begr&uuml;ndung daf&uuml;r zu liefern. <\/p><p>Keine Frage: Studierende haben keine Lobby. Sie erwirtschaften erst einmal nichts, (au&szlig;er vielleicht als Kellner in der Kneipe, aber die war ja auch Ewigkeiten zu). Sie liegen dem Staat auf der Tasche und manchmal (das jedoch ist lange her) machen sie auch Rabatz &ndash; wegen Studiengeb&uuml;hren, Bildungsdiebstahl oder verkorksten Studienreformen. W&auml;hrend in Sachen Schulschlie&szlig;ungen zumindest von der organisierten Elternschaft (nicht von den Lehrern) Widerspruch kam, haben Studenten praktisch keine F&uuml;rsprecher, die sich &ouml;ffentlich Geh&ouml;r verschaffen k&ouml;nnten. Und weil sie als Leidtragende durch&ouml;konomisierter Studienbedingungen im Zeichen von Bachelor und Master mit Credit-Point-System, st&auml;ndigen Pr&uuml;fungen und strikten Zeitvorgaben in ihrer Lernen-und-Leisten-Tretm&uuml;hle gefangen sind, geht den meisten das Politische auch ziemlich ab. Und so sitzen sie seit Monaten vereinsamt und gel&auml;hmt durch die penetrante Angstpropaganda in ihrer Bude und beten, dass die Zeiten wieder besser werden m&ouml;gen.  <\/p><p><strong>Digitalisierung im Schweinsgalopp<\/strong><\/p><p>Den Regierenden tun sie damit einen Riesengefallen. F&uuml;r sie bedeuten verrammelte Unis eine Baustelle weniger bei ihrer vorgeblichen Corona-Bek&auml;mpfungsmission. Fast drei Millionen Hochsch&uuml;ler sitzen brav zu Hause und bieten dem Virus keine Angriffsfl&auml;che. Danke, sagt Jens Spahn (CDU): Und wenn es euch eure Zukunft kostet, habt ihr der Welt doch einen Dienst erwiesen. Aber es kommt noch &bdquo;besser&ldquo;: Die forcierte Digitalisierung noch jeder Nische des privaten, beruflichen und &ouml;ffentlichen Lebens fand in den (geschlossenen) Hochschulen ein gewaltiges Einfallstor. Das, was in puncto E-Learning und Home-Studying in den zur&uuml;ckliegenden eineinhalb Jahren an (und au&szlig;erhalb) Deutschlands h&ouml;chsten Bildungsanstalten vorangebracht wurde, h&auml;tte ohne Corona noch etliche Jahre gedauert. <\/p><p>Und das Ganze ist f&uuml;r den Staat auch noch billig zu haben: Ein Student nutzt den eigenen Laptop, klinkt sich auf eigene Kosten in die Zoom-Konferenz ein, druckt den Lernstoff mit dem eigenen Drucker aus, selbst f&uuml;r die Klausuren bleibt er auf Distanz. Wozu braucht es da noch H&ouml;rs&auml;le, Mensen, Studentenwerke? Pl&auml;ne, die Pr&auml;senzuni mittel- oder langfristig zugunsten einer Fernuni eher als Auslaufmodell zu behandeln, gibt es etwa von <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/bildung\/rechner-im-klassenzimmer-lernen-nach-zahlen-1.2673676-0#seite-2\">neoliberalen Bildungsplanern<\/a> wie der Bertelsmann Stiftung. Der Bertelsmann-Konzern ist schon jetzt einer der weltweit f&uuml;hrenden Anbieter von E-Learning-L&ouml;sungen. Das Virus kam da nicht ganz ungelegen. <\/p><p><strong>Neue Formen der Auslese<\/strong><\/p><p>Und die Betroffenen? Die m&uuml;ssen irgendwie klarkommen, sind ja schlie&szlig;lich erwachsen. Diversen Studien zufolge ist der Anteil psychisch gesch&auml;digter Studierender seit Beginn der Pandemie massiv in die H&ouml;he geschnellt. Viele leiden unter der Quasigefangenschaft im Homeoffice, sie vermissen den direkten Austausch mit Kommilitonen und Lehrenden, f&uuml;hlen sich &uuml;berfordert von den Zumutungen des digitalen Lehrbetriebs, sorgen sich, ihr Studium nicht gem&auml;&szlig; Vorgaben abzuschlie&szlig;en, oder leiden allgemein unter Zukunfts&auml;ngsten. Die Psychotherapeutin und Traumaexpertin <a href=\"https:\/\/www.focus.de\/politik\/deutschland\/studieren-waehrend-der-pandemie-die-dunkleziffer-depressiver-studenten-ist-wahrscheinlich-viel-hoeher-als-gedacht_id_20905783.html\">Alina Wilms<\/a> &auml;u&szlig;erte zuletzt im &bdquo;Focus&ldquo;-Interview: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Dunkelziffer depressiver Studierender ist wohl viel h&ouml;her als gedacht. Wer nicht die Kraft hat, sich proaktiv um einen Therapietermin zu bem&uuml;hen oder sozial gut eingebettet ist, endet nicht selten in einer dunklen Studentenbude mit dunklen Gedanken, die um eine d&uuml;stere Zukunft und teufelskreisartige Hoffnungslosigkeit zirkulieren.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Wie in der Gesamtgesellschaft f&uuml;rchtet Wilms auch innerhalb der Studierendenschaft eine weiter versch&auml;rfte soziale Spaltung &bdquo;im Darwinistischen Sinne (&hellip;) einer nat&uuml;rlichen Selektion beziehungsweise Auslese derer mit der resilientesten, also widerstandsf&auml;higsten Pers&ouml;nlichkeit&ldquo;. Diesen &bdquo;akademischen Gewinnern der Krise&ldquo; st&uuml;nden die gegen&uuml;ber, die die psychischen Belastungen mit ihren Ressourcen oft nicht mehr kompensieren k&ouml;nnten, sie &bdquo;brechen ihr Studium ab oder schlie&szlig;en irgendwann mit biographischen Zickzackverl&auml;ufen ab&ldquo;.  <\/p><p><strong>Halbherzige &bdquo;&Uuml;berbr&uuml;ckungshilfen&ldquo;<\/strong><\/p><p>Erschwerend hinzu kommen vielfach finanzielle N&ouml;te, weil im Lockdown massenhaft Studentenjobs monatelang weggebrochen waren, weil Eltern, die in der Krise arbeitslos wurden oder in Kurzarbeit gehen mussten, ihre Zuwendungen gek&uuml;rzt oder gestrichen haben. Die Bundesregierung hat hier bestenfalls halbherzig Beistand geleistet. Die nach einer langen H&auml;ngepartie bewilligten <a href=\"https:\/\/www.bafoeg-rechner.de\/Hintergrund\/art-2452-comeback-corona-nothilfe-fuer-studenten.php\">&bdquo;&Uuml;berbr&uuml;ckungshilfen&ldquo;<\/a> erreichten nur einen kleinen Kreis an Bed&uuml;rftigen und waren mit maximal 500 Euro monatlich sehr knapp bemessen. Daf&uuml;r legte das Studiendarlehen der staatlichen Kreditanstalt f&uuml;r Wiederaufbau (KfW) ein fulminantes Comeback hin. Krisenbedingt gab es im Vorjahr 40.000 Neuabschl&uuml;sse mehr als 2019. Das Angebot hatte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) f&uuml;r ein Jahr zinsfrei gestellt, wobei die Offerte noch vor den &Uuml;berbr&uuml;ckungshilfen griff. Absehbar werden k&uuml;nftig Tausende mehr junger Menschen in der Schuldenfalle landen.<\/p><p>Karliczek macht bei all dem gute Mine zum b&ouml;sen Spiel. Dass in der Pandemie massenhaft Studierende die Flinte ins Korn werfen, stellt sie in Abrede und beruft sich auf eine <a href=\"https:\/\/www.presseportal.de\/pm\/67245\/4755473\">nicht ganz taufrische Erhebung<\/a> des Deutschen Zentrums f&uuml;r Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW). In der hei&szlig;t es, &bdquo;dass Studierende im Sommersemester 2020 nicht h&auml;ufiger &uuml;ber einen Studienabbruch nachdachten als in den letzten Jahren&ldquo;. Belastbare Zahlen dazu, wie viele ihr Studium aus Frust, &Uuml;berforderung oder Geldnot bisher aufgegeben haben oder noch schmei&szlig;en k&ouml;nnten, liegen bislang nicht vor. Klarheit d&uuml;rfte die Vorlage der Studierendenzahlen f&uuml;r das kommende Wintersemester durch das Statistische Bundesamt im Sp&auml;therbst geben. Erinnert sei daran, dass insbesondere konservativen Kreisen der Run auf die Hochschulen der vergangenen 20 Jahre arg missf&auml;llt und sie gerne die Rede vom  &bdquo;Akademisierungswahn&ldquo; (Julian Nida-R&uuml;melin) schwingen. Auch ihnen wird Corona ziemlich sicher &bdquo;Erleichterung&ldquo; verschaffen.  <\/p><p><strong>Zur&uuml;ck zum Pr&auml;senzbetrieb?<\/strong><\/p><p>Vielleicht auch deshalb hielt sich Karliczeks Engagement, die Hochschulen wieder aufzumachen, bislang in engen Grenzen. Oder geriet zur Lachnummer: Ende M&auml;rz 2021 hatte sie sich nach langer Sendepause &ouml;ffentlich vernehmbar zum Thema eingelassen &ndash; mit der Forderung nach &Ouml;ffnungskonzepten. Hallo! Geh&ouml;rte das nicht in ihre Zust&auml;ndigkeit? Denn tats&auml;chlich werden die Unirektorate auch gar nicht von lauter Galliern besetzt gehalten, die sich in ihrer Trutzburg gegen das Virus verschanzen w&uuml;rden. Bereits im Fr&uuml;hjahr hatten die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und der Deutsche Hochschulverband (DHV) in einer <a href=\"https:\/\/www.forschung-und-lehre.de\/politik\/dhv-und-hrk-fordern-perspektive-fuer-hochschulen-3581\/\">gemeinsamen Stellungnahme<\/a> &bdquo;koordinierte Ausstiegsszenarien&ldquo; f&uuml;r die Wissenschaft angemahnt. Die Hochschulen br&auml;uchten &bdquo;dringend eine Perspektive&ldquo; und Bund und L&auml;nder d&uuml;rften sie bei ihren k&uuml;nftigen Vereinbarungen &bdquo;nicht ignorieren&ldquo;. Das taten sie dann auch ausnahmsweise einmal nicht, als es um die Regularien der im April beschlossenen sogenannten Bundesnotbremse ging. Die erhob eine 165er-Inzidenz zum Ausschlusskriterium f&uuml;r alle Formen von Pr&auml;senzlehre, wodurch die mancherorts bewahrten Rudimente an analogem Hochschulbetrieb gleich wieder mit Verbot belegt wurden.<\/p><p>Aber jetzt wird ja alles gut &ndash; sollte man meinen. Nachdem es noch Anfang Juli hie&szlig;, dass lediglich acht Prozent der deutschen Hochschulen im anstehenden vierten Corona-Semester eine weitgehende <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article232423455\/Uni-Betrieb-Landesregierungen-verhindern-vollstaendige-Praesenz-im-Wintersemester.html?icid=search.product.onsitesearch\">R&uuml;ckkehr zum Normalbetrieb<\/a> anpeilten, hat sich der Wind mittlerweile gedreht. Jetzt gibt es aus praktisch allen Bundesl&auml;ndern Signale, ab Oktober m&ouml;glichst viel Pr&auml;senzlehre zu erm&ouml;glichen &ndash; zum Beispiel aus <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/bayern\/bayern-universitaeten-coronavirus-praesenzlehre-1.5377206\">Bayern<\/a>, <a href=\"https:\/\/mwk.baden-wuerttemberg.de\/de\/service\/presse-und-oeffentlichkeitsarbeit\/pressemitteilung\/pid\/studienbetrieb-wintersemester-land-schafft-verlaesslichen-rahmen-fuer-praesenz\/\">Baden-W&uuml;rttemberg<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.haz.de\/Hannover\/Aus-der-Stadt\/Hochschulen-Niedersachsen-holt-Studierende-an-die-Unis-zurueck\">Niedersachsen<\/a>. Und auch die <a href=\"https:\/\/www.kmk.org\/presse\/pressearchiv\/mitteilung\/kmk-praesenzbetrieb-ist-das-gebot-der-stunde.html\">Kultusministerkonferenz (KMK)<\/a> findet: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Pr&auml;senzbetrieb ist das Gebot der Stunde.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Aber nur f&uuml;r Geimpfte &hellip;<\/strong><\/p><p>Nat&uuml;rlich hat die Sache einen Haken: Zutritt zum Campus werden nur Geimpfte, Genesene und Getestete nach den Vorgaben der 3G-Regel erhalten. Zwar ist die Impfneigung unter Studierenden dem Vernehmen nach hoch. Die Frage ist blo&szlig;, ob und inwieweit dies einer freien Entscheidung entspringt. Tats&auml;chlich haben davor schon etliche Hochschulen oder mithin einzelne Professoren die Teilnahme an den wenigen Pr&auml;senzveranstaltungen oder an Pr&uuml;fungen an eine erfolgte Vakzinierung gekn&uuml;pft. Mit welchem Recht eigentlich? Nun wird der Pieks in den Oberarm praktisch zum offiziellen und bald vielleicht einzigen Einlassticket. Denn kostenlose Schnelltests sollen, wie demn&auml;chst auch f&uuml;r den ungeimpften Rest der Bev&ouml;lkerung, f&uuml;r Studierende nicht l&auml;nger bereitgestellt werden, wie die <a href=\"https:\/\/www.hrk.de\/presse\/pressemitteilungen\/pressemitteilung\/meldung\/hrk-praesident-appelliert-an-studierende-und-beschaeftigte-jetzt-impfen-4845\/\">HRK<\/a> vor einem Monat klarstellte. <\/p><p>Auch in den derzeit verschickten Informationsschreiben der Hochschulen an ihre Studenten schreit der Impfzwang f&ouml;rmlich zwischen den Zeilen heraus. Das <a href=\"https:\/\/multipolar-magazin.de\/artikel\/menschenrecht-bildung\">Onlineportal Multipolar<\/a> zitierte die Hochschule Darmstadt: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Sie haben es in der Hand! Lassen Sie sich impfen, dann sind Sie weitestgehend vor Covid-19 gesch&uuml;tzt, m&uuml;ssen sich nicht mehr testen lassen, haben ungehinderten Zutritt zur Hochschule und sparen am Ende Geld (&hellip;).&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Wer kann und will sich dem widersetzen, wenn bei Nichtbefolgung Trauma-Semester Nr. 4 bl&uuml;ht und die Distanzlehre nur mehr zur Resterampe f&uuml;r &bdquo;Impfmuffel&ldquo; ger&auml;t oder mithin ganz wegf&auml;llt. Und wer hat das Geld, sich alle 24 Stunden auf &bdquo;Uni-Tauglichkeit&ldquo; zu testen? Medienberichten zufolge k&ouml;nnte ein Antigentest bald <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/deutschland\/gesellschaft\/corona-pcr-schnell-test-kosten-100~amp.html\">zwischen 18 und 40 Euro<\/a> kosten. <\/p><p><strong>Schweigen im Walde<\/strong><\/p><p>Das deutsche Hochschulsystem ist ohnehin weltweit &bdquo;f&uuml;hrend&ldquo;, wenn es um die soziale Selektivit&auml;t, also die Besserstellung von Kindern aus beg&uuml;terten und die Benachteiligung jener aus &auml;rmeren Elternh&auml;usern geht. Wohin soll es erst f&uuml;hren, wenn neuerdings als Ausschlusskriterium eine Impfung dazukommt, zumal zum &bdquo;Schutz&ldquo; vor einer Krankheit, die f&uuml;r Menschen zwischen 20 und 30 Jahren keine ernsthafte Gefahr darstellt? Dazu mit Impfstoffen, die im Vorfeld nur unzureichend erprobt und auf Basis einer unzul&auml;nglichen Datenlage entwickelt wurden, deren Anwendung zu einer nie dagewesenen Zahl (absolut wie relativ) an Meldungen zu m&ouml;glichen Impfsch&auml;den und -toten gef&uuml;hrt hat (etwa <a href=\"https:\/\/www.transparenztest.de\/post\/update-29-8-verdachtsfaelle-covid-impf-nebenwirkungen-vielfach-hoeher-als-bei-polio-und-tbc-impfung\">hier<\/a> oder <a href=\"https:\/\/de.rt.com\/inland\/123764-wieso-gibt-so-viele-meldungen-zu-impfnebenwirkungen-pei\/\">hier<\/a> oder <a href=\"https:\/\/www.transparenztest.de\/post\/ema-datenbank-rekordverdaechtige-verdachtsfaelle-von-covid-impf-nebenwirkungen\">hier<\/a>) und von denen niemand wei&szlig;, welche Langzeitfolgen sie zeitigen.<\/p><p>Wo bleibt der Aufschrei der Bildungspolitiker, die eigentlich wissen m&uuml;ssten, dass Bildung ein verbrieftes elementares Menschenrecht ist? Wollen sie tatenlos mit ansehen, wie diesem mit einem Nadelstich die Luft abgelassen wird? Wo bleibt der Aufschrei von Bildungsverb&auml;nden und Gewerkschaften? Haben diese nicht schon viel zu lange alles mitgetragen, was im Namen der Corona-Bek&auml;mpfung an Normen, Werten und Freiheiten kassiert, an Grundfesten von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit demontiert wurde? <\/p><p><strong>3G, 2G, 1G<\/strong><\/p><p>Aber selbst Studentenvertreter gehen diesen Kurs mit &ndash; und setzen sogar noch einen drauf. Das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) lie&szlig; Jonathan Dreusch, Vorstandsmitglied beim <a href=\"https:\/\/www.rnd.de\/beruf-und-bildung\/corona-und-studium-was-bedeutet-die-3g-regel-fuer-studierende-SMMOF55LN5FY5HEBG2U6XGI3P4.html\">&bdquo;freien zusammenschluss von student*innenschaften&ldquo;<\/a> (fzs) zu Wort kommen: &bdquo;Unsere aktuelle Position ist es, dass Pr&auml;senzveranstaltungen nur f&uuml;r Geimpfte, Genesene und Personen, die sich aus gesundheitlichen Gr&uuml;nden nicht impfen lassen k&ouml;nnen, angeboten werden sollten.&ldquo; Wer sich nicht impfen lassen wolle, gef&auml;hrde seine Mitstudierenden. Das hei&szlig;t also: 2G statt 3G. <\/p><p>Immerhin einen Rest an Solidarit&auml;t bewahrt man sich beim bundesweiten studentischen Dachverband: Schnelltests sollten weiterhin gratis sein, auch Geimpfte regelm&auml;&szlig;ig getestet und ein &bdquo;eingeschr&auml;nktes Onlineangebot&ldquo; aufrechterhalten werden, so Dreusch. Das wird wohl nichts, widersprach prompt HRK-Pr&auml;sident Peter-Andr&eacute; Alt. &bdquo;F&uuml;r Studierende, denen es nicht m&ouml;glich ist, an Pr&auml;senzveranstaltungen teilzunehmen, k&ouml;nnen die Hochschulen keine zus&auml;tzliche digitale Lehre anbieten.&ldquo; Deshalb werden es freiwillig Ungeimpfte seiner Einsch&auml;tzung nach in n&auml;herer Zukunft schwer haben, in Deutschland zu studieren. Ende der Durchsage. <\/p><p>Die Medizinischen Universit&auml;ten in Innsbruck und Wien haben verstanden. Dort tritt schon zum Wintersemester die <a href=\"https:\/\/www.stern.de\/gesundheit\/von-3g-bis-1g--so-wird-das-wintersemester-an-oesterreichischen-unis-30698220.html\">1G-Regel<\/a> in Kraft. Nur noch vollst&auml;ndig Geimpfte d&uuml;rfen studieren, wobei dies f&uuml;rs Erste nur f&uuml;r Studienanf&auml;nger gilt. Innovativ ist auch die Johannes Kepler Universit&auml;t Linz. Dort bereitet das Rektorat die Einf&uuml;hrung von <a href=\"https:\/\/www.heute.at\/s\/linzer-uni-plant-armbaender-als-schnelleren-3g-nachweis-100161999\">&bdquo;farbigen Kontrollb&auml;ndern&ldquo;<\/a> zur Markierung der 3G-Sch&uuml;tzlinge vor. Dadurch k&ouml;nne der Check bei Lehrveranstaltungen und Pr&uuml;fungen schneller erfolgen. Kommen da irgendwem d&uuml;stere Erinnerungen in den Sinn? Ach was: Alles ganz normal. <\/p><p>Titelbild: diy13 \/ Shutterstock<br>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/1f2be5daef45480d8227e6aca79f8134\" alt=\"\" title=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die &auml;rmsten Schweine in der Corona-Krise sind die Studierenden. Eineinhalb Jahre im Homeoffice verschanzt &ndash; ohne Kontakte, ohne Party, ohne Geld, daf&uuml;r mit Depressionen &ndash; ist ihr Schicksal in der &Ouml;ffentlichkeit bis heute ein gro&szlig;er blinder Fleck. Aber bald wird alles &bdquo;besser&ldquo;: Im Wintersemester wollen die Hochschulen gro&szlig;fl&auml;chig zum Pr&auml;senzbetrieb zur&uuml;ckkehren. Allerdings ist des Geimpften<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=75902\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":75903,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,149,17],"tags":[1364,2094,2625,2880,2634,2857,3050,2037],"class_list":["post-75902","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-gesundheitspolitik","category-hochschulen-und-wissenschaft","tag-depressionen","tag-digitalisierung","tag-home-office","tag-impfungen","tag-karliczek-anja","tag-lockdown","tag-virentest","tag-zukunftsangst"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/shutterstock_1831120744.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/75902","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=75902"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/75902\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":75940,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/75902\/revisions\/75940"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/75903"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=75902"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=75902"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=75902"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}