{"id":76324,"date":"2021-09-24T09:09:22","date_gmt":"2021-09-24T07:09:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=76324"},"modified":"2026-01-27T11:40:42","modified_gmt":"2026-01-27T10:40:42","slug":"laschet-is-ene-fiese-moepp","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=76324","title":{"rendered":"Laschet is ene fiese M\u00f6pp\u2026"},"content":{"rendered":"<p>&hellip; meint <strong>Christoph Butterwegge<\/strong> in dem folgenden Interview. Auf Rheinisch kann man eine solche Wahrheit aussprechen, ohne b&ouml;sartig zu sein. Aber eben wahr. Butterwegge begr&uuml;ndet sehr wohl und mit Fakten aus der Sozialpolitik und dem miesen Umgang mit Kindern, dass und warum seine Bewertung des CDU\/CSU-Kandidaten zutrifft. Hier das Interview. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<b>Armutsforscher Butterwegge: &bdquo;Entsetzt und erz&uuml;rnt&ldquo;<\/b><\/p><p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42376\">SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz<\/a> war &bdquo;Schr&ouml;ders treuer Gefolgsmann&ldquo;, Armin Laschet (CDU) &bdquo;tut grunds&auml;tzlich nichts f&uuml;r die Armen&ldquo; und &bdquo;die Gr&uuml;nen haben Hartz IV nicht endg&uuml;ltig hinter sich gelassen&ldquo;. Im NachDenkSeiten-Interview wirft der Politikwissenschaftler <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=75647\"><b>Christoph Butterwegge<\/b><\/a> einen kritischen Blick auf die m&ouml;glichen Koalitionsparteien vor der Wahl und verr&auml;t, dass er trotz aller Kritik einen Zweckoptimismus beh&auml;lt.<br>\nVon <b>Marcus Kl&ouml;ckner<\/b>.<\/p><p><b>Herr Butterwegge, am Sonntag ist die Bundestagswahl. Wie ist der Ausblick aus Sicht eines Armuts- und Reichtumsforschers? <\/b><\/p><p>Da ich Zweckoptimist bin, erwarte ich von der neuen Bundesregierung, dass sie den Langzeitskandal der Kinderarmut beendet und gegen die wachsende Altersarmut mehr unternimmt als CDU\/CSU und SPD mit der Grundrente, die h&ouml;chstens im Einzelfall allergr&ouml;&szlig;te Not lindert. Es k&ouml;nnte auch erstmals seit Jahrzehnten eine st&auml;rkere Steuerbelastung f&uuml;r Wohlhabende, Reiche und Hyperreiche geben.<\/p><p><b>Aller Voraussicht nach wird es zu einer Koalition kommen, die entweder von der CDU oder der SPD gef&uuml;hrt wird. Was bedeutet das f&uuml;r die <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=62174\">armen Menschen<\/a> in unserem Land? <\/b><\/p><p>Zu einer Kurskorrektur in der Sozialpolitik, die Armut verringern kann, wie in der Steuerpolitik, die Reichtum begrenzen und wenigstens f&uuml;r etwas mehr Gleichheit sorgen kann, wird es nur in einer Koalition der SPD mit B&uuml;ndnis 90\/Die Gr&uuml;nen und der LINKEN kommen. Mit der FDP zu koalieren hei&szlig;t, die sozio&ouml;konomische Ungleichheit zu zementieren. Statt der LINKEN ein Bekenntnis zur NATO abzuverlangen, sollte die SPD Christian Lindner ein Bekenntnis zur Verm&ouml;gensteuer abverlangen. Die steht n&auml;mlich im Unterschied zu dem Milit&auml;rb&uuml;ndnis, das in Afghanistan gerade die gr&ouml;&szlig;te Blamage seiner 70-j&auml;hrigen Geschichte erlebt hat, im Grundgesetz. Dass es sich bei Olaf Scholz um reine Heuchelei handelt und er die LINKE mit dem Verweis auf ihre Forderung nach einem kollektiven Sicherheitssystem unter Einschluss Russlands nur ausgrenzen will, sieht man daran, dass die Gr&uuml;nen bei der Bundestagswahl 1998 ebenfalls die Aufl&ouml;sung der NATO gefordert haben, ohne dass dies Gerhard Schr&ouml;der daran gehindert h&auml;tte, mit ihnen zusammen eine Regierung zu bilden.<\/p><p><b>Was denken Sie, wenn Sie sich vorstellen, <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=76310\">Olaf Scholz<\/a> k&ouml;nnte Kanzler werden? <\/b><\/p><p>Er hat damals als Schr&ouml;ders treuer Gefolgsmann mitgeholfen, Hartz IV &ndash; &uuml;brigens gegen erhebliche innerparteiliche Widerst&auml;nde &ndash; durchzusetzen, und sich auch nie glaubw&uuml;rdig von diesem rigiden Arbeitsmarkt- und Armutsregime distanziert. Wenn die LINKE nicht mitregiert, k&ouml;nnten SPD, Gr&uuml;ne und FDP in einer neuerlichen Wirtschafts- und Finanzkrise versucht sein, bei sich versch&auml;rfenden Verteilungsk&auml;mpfen den Armen mehr &bdquo;Eigenverantwortung&ldquo; abzuverlangen und den Sozialstaat &bdquo;auf den Pr&uuml;fstand zu stellen&ldquo;, wie sich Friedrich Merz &ndash; das Fossil in Armin Laschets &bdquo;Zukunftsteam&ldquo; &ndash; ausdr&uuml;cken w&uuml;rde.<\/p><p><b>Was sehen Sie an ihm noch kritisch? <\/b><\/p><p>Auch wenn die Prognosen f&uuml;r die SPD g&uuml;nstig ausfallen, bleibe ich bei meiner &Uuml;berzeugung, dass ein fortschrittliches Projekt f&uuml;r die sozial-&ouml;kologische Transformation des Finanzmarktkapitalismus und die Aussicht auf eine progressive Mitte-Links-Regierung viel mehr Anh&auml;nger mobilisiert h&auml;tte. Schlie&szlig;lich hat die Neuauflage der Rote-Socken-Kampagne durch CDU, CSU und FDP nicht einmal mehr Kinder erschreckt.<\/p><p><b>Bleiben wir noch bei der SPD. Eine SPD-gef&uuml;hrte Regierung w&uuml;rde f&uuml;r die Armen was bedeuten? <\/b><\/p><p>Hubertus Heil, der seine Sache als Sozialminister der Gro&szlig;en Koalition recht gut gemacht hat, h&auml;tte in einer solchen Regierung mehr Beinfreiheit, was Armen und Arbeitslosen sicherlich zugutek&auml;me. Aber die FDP wird auf die Bremse treten und kaum Verbesserungen etwa in Richtung einer solidarischen B&uuml;rgerversicherung zulassen. Diese Form eines inklusiven Sozialstaates haben aber SPD, Gr&uuml;ne und LINKE im Programm, wenngleich in unterschiedlichen Modellvarianten.<\/p><p><b>Wie sieht es mit den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=63671\">Kindern aus armen Verh&auml;ltnissen<\/a> aus?<\/b><\/p><p>SPD, B&uuml;ndnis 90\/Die Gr&uuml;nen und LINKE setzen allesamt auf eine Kindergrundsicherung. Das k&ouml;nnte neben der B&uuml;rgerversicherung ein zweiter Grundpfeiler f&uuml;r eine soziale Klimawende sein. Denn mit Hartz IV war soziale Eisesk&auml;lte verbunden, die politisches Tauwetter n&ouml;tig macht. Alle drei Parteien wollen die kindbezogenen Leistungen &ndash; Kindergeld, Kindergeldzuschlag, Sozialgeld, die Angebote des Bildungs- und Teilhabepakets sowie den Unterhaltsvorschuss &ndash; zu einer Leistung zusammenfassen, die h&ouml;her w&auml;re als das, was Kinder im Hartz-IV-Bezug erhalten. Am gro&szlig;z&uuml;gigsten ist die LINKE mit 328 Euro f&uuml;r jedes Kind und erheblich mehr f&uuml;r Kinder mit einkommensschwachen Eltern. Au&szlig;erdem verfolgen alle drei Parteien richtigerweise eine armutspolitische Doppelstrategie: Neben mehr Geld soll es einen Ausbau der sozialen, Bildungs- und Betreuungsinfrastruktur geben. Das hei&szlig;t mehr Ganztagsangebote, eine bessere Qualit&auml;t der Einrichtungen, mehr Personal und Beitragsfreiheit.<\/p><p><b>Nun zur Union. Im Sofortprogramm von CDU und CSU lautet die &Uuml;berschrift des ersten Punktes: &bdquo;Mehr Geld f&uuml;r Eltern und Kinder&ldquo;. Klingt gut, oder? <\/b><\/p><p>Ja, allerdings sind nur die materiell ohnehin bessergestellten Familien gemeint, was mich entsetzt und erz&uuml;rnt: Wie kann man das C vorn im Parteinamen haben und sich ein christliches M&auml;ntelchen umh&auml;ngen, aber reine Klientelpolitik f&uuml;r Spitzenverdiener und Hochverm&ouml;gende machen, ohne rot zu werden? Keine einzige der sieben Ma&szlig;nahmen, die CDU und CSU ergreifen wollen, w&uuml;rde die Lage einer Alleinerziehenden im Hartz-IV-Bezug verbessern &ndash; und davon gibt es immerhin eine halbe Million! Die Anzahl der betroffenen Kinder, die auch kein besseres Leben h&auml;tten, wenn die Union ihr Sofortprogramm verwirklicht, ist noch h&ouml;her.<\/p><p><b>K&ouml;nnen Sie das n&auml;her begr&uuml;nden?<\/b><\/p><p>Erstens soll das Ehegattensplitting erhalten bleiben, das vor allem Spitzenverdiener &ndash; meistenteils M&auml;nner &ndash; und die Hausfrauenehe beg&uuml;nstigt, armen Familien aber nichts bringt. Zweitens soll der Grundfreibetrag der Kinder auf den von Erwachsenen angehoben werden. Da beide schon gleich sind, ist offenbar der steuerliche Kinderfreibetrag der Eltern gemeint. Dieser betr&auml;gt 5.460 Euro, der offenbar auf 9.744 Euro angehoben werden soll, vielleicht unter Einbezug des Freibetrages f&uuml;r Betreuungs- und Erziehungs- oder Ausbildungsbedarf in H&ouml;he von 2.640 Euro.<\/p><p><b>Das w&auml;re also der Einstieg in ein Familiensplitting &hellip;<\/b><\/p><p>&hellip; das Spitzenverdienern mit mehreren Kindern eine j&auml;hrliche Steuerersparnis von mehreren zehntausend Euro bringen k&ouml;nnte, ohne dass Geringverdiener viel davon h&auml;tten. Drittens soll das Kindergeld erh&ouml;ht werden, was Hartz-IV-Abh&auml;ngigen nichts n&uuml;tzt, weil ihnen der zus&auml;tzliche Zahlbetrag voll auf die Transferleistung angerechnet, das hei&szlig;t vom Jobcenter sofort wieder abgezogen w&uuml;rde. Viertens soll der Entlastungsbetrag f&uuml;r Alleinerziehende noch einmal auf 5.000 Euro erh&ouml;ht werden, wovon nur Elternteile etwas h&auml;tten, die Einkommensteuer zahlen. Und je h&ouml;her ihr Steuersatz ist, umso mehr w&uuml;rden sie davon profitieren. F&uuml;nftens sollen Familien bei der Grunderwerbsteuer einen Freibetrag von 250.000 Euro pro Elternteil und 100.000 Euro pro Kind erhalten, wenn sie zum ersten Mal selbstgenutzten Wohnraum kaufen. Sechstens soll das Wohngeld erh&ouml;ht werden, welches Familien im Hartz-IV-Bezug gar nicht beantragen k&ouml;nnen, weil das Jobcenter die Miet- und Heizkosten &uuml;bernimmt, sofern es die Wohnung f&uuml;r angemessen h&auml;lt. Und siebtens wollen CDU und CSU die Kinderbetreuungskosten bis zu einer H&ouml;he von 6.000 (statt bisher 4.000) Euro steuerlich abzugsf&auml;hig machen. Davon w&uuml;rden gutbetuchte Eltern am meisten profitieren, die (besonders in privaten Einrichtungen) sehr hohe Kita-Geb&uuml;hren zahlen m&uuml;ssen, w&auml;hrend arme Eltern davon per Gesetz befreit sind.<\/p><p><b>Also auch hier wieder: eine Mogelpackung? <\/b><\/p><p>Ja, schlimmer als das. Es handelt sich bei diesem &bdquo;Familienpaket&ldquo; haupts&auml;chlich um Steuergeschenke f&uuml;r Wohlhabende, Reiche und Hyperreiche. Hiermit werden die Armen nicht blo&szlig; hinter die Fichte gef&uuml;hrt, sondern regelrecht verh&ouml;hnt. Oder kennen Sie eine arme Familie mit zwei Kindern, die sich ein Haus oder eine Wohnung f&uuml;r 700.000 Euro kauft?<\/p><p><b>Wie denken Sie &uuml;ber Armin Laschet als zuk&uuml;nftigen Kanzler im Hinblick auf die Armen im Land?<\/b><\/p><p>Armin Laschet tut grunds&auml;tzlich nichts f&uuml;r die Armen. Die von ihm gef&uuml;hrte Landesregierung in Nordrhein-Westfalen hat sich einerseits bei der R&auml;umung von Baumh&auml;usern im Hambacher Forst rechtswidrig zum B&uuml;ttel eines raffgierigen Energiekonzerns gemacht und andererseits die Mittel f&uuml;r Sozialtickets ebenso zusammengestrichen wie jene f&uuml;r die Beratung von Arbeitslosen. Laschet gibt zwar den fr&ouml;hlichen Rheinl&auml;nder, ist aber ene fiese M&ouml;pp, wie man in der Region sagt, wo er lebt.<\/p><p><b>Und wie sieht es bei den Gr&uuml;nen aus? Es wird ja gerne mal vergessen, dass die Gr&uuml;nen Hartz IV ma&szlig;geblich mitgetragen haben. <\/b><\/p><p>Das stimmt, gilt aber noch mehr f&uuml;r CDU, CSU und FDP, die das Gesetzespaket mit ihrem Einfluss im Vermittlungsausschuss noch versch&auml;rft haben. Die Gr&uuml;nen haben Hartz IV zwar nicht endg&uuml;ltig hinter sich gelassen, aber schon sehr fr&uuml;h das Konzept der Kindergrundsicherung entwickelt. Damit w&uuml;rden zumindest die Kinder aus dem Hartz-IV-System herausgeholt. Dies k&ouml;nnte der Einstieg in einen Um- und Ausbau des Sozialstaates sein, der bisher erwerbs-, ehe- und erwachsenenorientiert ist. L&auml;sst man die Eltern allerdings drin, bleibt die ganze Familie armutsgef&auml;hrdet. Wird die Wohnung wegen erheblicher Mietr&uuml;ckst&auml;nde zwangsger&auml;umt, werden auch die Kinder wohnungslos. Wird den Eltern der Strom oder das Gas abgestellt, sind die Kinder sogar noch st&auml;rker als die Erwachsenen betroffen. Denn sie m&uuml;ssen im Dunkeln ihre Hausaufgaben machen und werden im Bildungsbereich extrem benachteiligt.<\/p><p><b>Bitte noch ein Wort zur Linkspartei und ihre Politik in Sachen Armut.<\/b><\/p><p>Das ist die einzige Partei, die Hartz IV von Beginn an abgelehnt und sich auch nie damit angefreundet hat. Sie hat auch erkannt, dass man den Niedriglohnsektor nur mit einem mehr als 12 Euro brutto pro Stunde betragenden Mindestlohn wesentlich verkleinern und sowohl die Erwerbs- wie auch die Familien- und die Altersarmut zur&uuml;ckdr&auml;ngen kann.<\/p><p><i>Prof. Dr. Christoph Butterwegge hat von 1998 bis 2016 Politikwissenschaft an der Universit&auml;t zu K&ouml;ln gelehrt. Zusammen mit seiner Frau Carolin Butterwegge hat er im August dieses Jahres das Buch <a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/kinder-der-ungleichheit.html\">&bdquo;Kinder der Ungleichheit&ldquo;<\/a> ver&ouml;ffentlicht.<\/i><\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/02279128f26342d3b578d69c3696936f\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&hellip; meint <strong>Christoph Butterwegge<\/strong> in dem folgenden Interview. Auf Rheinisch kann man eine solche Wahrheit aussprechen, ohne b&ouml;sartig zu sein. Aber eben wahr. Butterwegge begr&uuml;ndet sehr wohl und mit Fakten aus der Sozialpolitik und dem miesen Umgang mit Kindern, dass und warum seine Bewertung des CDU\/CSU-Kandidaten zutrifft. 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