{"id":7641,"date":"2010-12-06T09:56:53","date_gmt":"2010-12-06T08:56:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=7641"},"modified":"2014-02-17T10:26:33","modified_gmt":"2014-02-17T09:26:33","slug":"so-fuehren-abgeordnete-der-regierungsfraktionen-ihre-waehler-an-der-nase-herum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=7641","title":{"rendered":"So f\u00fchren Abgeordnete der Regierungsfraktionen ihre W\u00e4hler an der Nase herum"},"content":{"rendered":"<p>Am 10. August habe ich den Artikel <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/BILD\/politik\/wirtschaft\/2010\/08\/09\/7-wahrheiten\/ueber-milliarden-spenden-debatte.html\">&bdquo;7 Wahrheiten &uuml;ber Milliarden-Spender&ldquo;<\/a> kritisch kommentiert. Siehe: <a href=\"?p=6433\">Der Reiche als der ausgebeutete Gutmensch und der Arme als Schmarotzer<\/a>.<br>\nEin Leser hat diesen Beitrag an den FDP-Abgeordneten Sebastian Blumenthal geschickt und um Stellungnahme gebeten.<br>\nMdB Blumenthal hat geantwortet. Ich dokumentiere mit Erlaubnis des Abgeordneten seinen Antwortbrief und kommentiere ihn der Einfachheit halber mit kursiver Schrift im Text. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Zitat aus dem Brief des Abgeordneten Blumenthal:<\/strong><\/p><p>Anrede,<br>\nsehr gerne habe ich mir die Zeit genommen, die von Ihnen zitierten &ldquo;Klarstellungen&rdquo; durchzuarbeiten. Zum einen stellt sich bei den von Ihnen aufgef&uuml;hrten Klarstellungen (von der Webseite nachdenkseiten.de) das gleiche Problem wie bei der von Ihnen (offensichtlich ungepr&uuml;ft) weitergeleiteten Massen-Email zum Sparpaket: Es werden Behauptungen aufgestellt, die nachweislich falsch sind. Zum anderen ist Herr Wolfgang Lieb &ndash; der Autor der Beitr&auml;ge der &ldquo;nachdenkseiten.de&rdquo; &ndash; entweder nicht in der Lage, seine &ldquo;Berechnungen&rdquo; zu dokumentieren, oder aber die dokumentierbaren Berechnungen sind falsch.<\/p><p>Hier einige Beispiele dazu:<\/p><p>Wolfgang Lieb behauptet:<br>\n&ldquo;Aus der unten stehenden Grafik aus dem Jahr 2007 (die absoluten Betr&auml;ge d&uuml;rften sich seither etwas ver&auml;ndert haben, aber die Prozentanteile kaum) ist unschwer zu entnehmen, dass selbst wenn man Lohn- und veranlagte Einkommensteuer zusammenrechnet, alle Einkommenspflichtigen zusammen unter 30 Prozent der gesamten kassenm&auml;&szlig;igen Steuereinnahmen des Staates erbringen.&rdquo;<\/p><p>Diese Behauptung ist falsch:<br>\nZu den direkten Steuern, die die Einkommenspflichtigen zu zahlen haben,<br>\ngeh&ouml;ren:<\/p><ol>\n<li>Lohnsteuer<\/li>\n<li>Veranl. Einkommensteuer<\/li>\n<li>Nicht veranl. Steuern v. Ertrag<\/li>\n<li>Abgeltungsteuer<\/li>\n<li>K&ouml;rperschaftsteuer<\/li>\n<li>Solidarit&auml;tszuschlag<\/li>\n<li> Gewerbesteuer<\/li>\n<\/ol><p>Ausgehend von den Zahlen, die Wolfgang Lieb selbst dokumentiert, ergibt das in der Summe nicht &bdquo;unter 30&ldquo; (wie Wolfgang Lieb behauptet), sondern 47,78 Prozent!<\/p><p><em><strong>Anmerkung Wolfgang Lieb:<\/strong> Die Bild-Zeitung schreibt, dass das oberste Zehntel der Einkommensbezieher 55 % des gesamten Steueraufkommens zahlt.<br>\nDieser Anteil von 55%  konnte sich nur auf die von mir zitierten der Antwort einer von der Partei des Abgeordneten  mitgetragenen Bundesregierung vom 10.02.2010 beziehen: <a href=\"http:\/\/dip21.bundestag.de\/dip21\/btd\/17\/006\/1700691.pdf\">Dort [PDF &ndash; 157 KB]<\/a> ist der Tabelle auf Seite 3 zu entnehmen, dass die oberen 10% 54,4 % an der Einkommensteuer zahlen.<br>\nIch habe somit <strong>nicht von allen direkten Steuern<\/strong> geschrieben, die der Abgeordnete Blumenthal aufz&auml;hlt, sondern von der Einkommensteuer, auf die sich der Zeitungsbericht sachlich nur beziehen konnte.<\/em><\/p><p><em>Nach der neuesten Tabelle aus dem Jahr 2010 zahlt das oberste Zehntel der Steuerpflichtigen 54,6% an der Einkommensteuer (<a href=\"http:\/\/www.bundesfinanzministerium.de\/nn_4160\/DE\/Wirtschaft__und__Verwaltung\/Steuern\/Steuerschaetzung__einnahmen\/Weitere__Informationen\/1009301a5002,templateId=raw,property=publicationFile.pdf\">Datensammlung zur Steuerpolitik Ausgabe 2010,  S. 33 [PDF &ndash; 495 KB]<\/a>)<\/em><\/p><p><em>Der von mir im Text wiedergegebenen Grafik der Bundeszentrale f&uuml;r politische Bildung aus dem Jahre 2008 habe ich nichts hinzuzuf&uuml;gen. Daraus ergibt sich, dass die Lohnsteuer und die veranlagte Einkommensteuer zusammengerechnet &ndash; wie von mir geschrieben &ndash; unter 30 (genau 29,2%) der kassenm&auml;&szlig;igen Steuereinnahmen erbringen.<\/em><\/p><p><em>Zur Sicherheit habe ich in meinem Beitrag sogar noch darauf verwiesen, dass sich die absoluten Betr&auml;ge ver&auml;ndert haben m&ouml;gen, aber die Prozentanteile kaum.<\/em><\/p><p><em>Um neuere Daten &uuml;berpr&uuml;fen zu k&ouml;nnen (f&uuml;r die ich leider keine anschauliche Grafik bieten konnte) habe ich zus&auml;tzlich noch auf die <a href=\"http:\/\/www.bundesfinanzministerium.de\/nn_53848\/DE\/BMF__Startseite\/Service\/Broschueren__Bestellservice\/Steuern\/20220__Datensammlung__zur__Steuerpolitik__08,property=publicationFile.pdf\">Datensammlung des Bundesfinanzminsteriums Ausgabe 2008 [PDF &ndash; 1.9 MB]<\/a> verwiesen.<\/em><\/p><p><em>2009 betrugen die deutschen Steuereinnahmen insgesamt 524 Mrd. &euro;. Davon waren u.a.<\/em><\/p><ul>\n<li><em>177 Mrd. &euro; Umsatzsteuer (34%),<\/em><\/li>\n<li><em>95 Mrd. &euro; Verbrauchssteuern (18%), u.a. Energiesteuer 40 Mrd. &euro;, Stromsteuer 6 Mrd. &euro; sowie Kraftfahrzeugsteuer 8 Mrd. &euro;,<\/em><\/li>\n<li><em>135 Mrd. &euro; Lohnsteuer (26%),<\/em><\/li>\n<li><em>51 Mrd. Einkommensteuer, Abgeltungssteuer etc. (10%),<\/em><\/li>\n<li><em>32 Mrd. &euro; Gewerbesteuer (6%),<\/em><\/li>\n<li><em>7 Mrd. &euro; K&ouml;rperschaftsteuer (1%).<\/em><\/li>\n<\/ul><p><em>Quelle: <a href=\"upload\/pdf\/100929_lorenz_jarass_folienvortrag_steuererhoehungen.pdf\">Prof. Dr. Lorenz JARASS [PDF &ndash; 43 KB]<\/a><\/em><\/p><p><em>Die Lohnsteuer hat sich gegen&uuml;ber 2007 bis 2009 also geringf&uuml;gig um 1,5 Prozentpunkte erh&ouml;ht, Jarass addiert die veranlagte Einkommensteuer und die Abgeltungssteuer (also die Quellensteuer auf Kapitalertr&auml;ge) und k&auml;me so auf einen Anteil der Einkommensteuer von insgesamt 36 %.<\/em><\/p><p><em>Laut <a href=\"http:\/\/www.bundesfinanzministerium.de\/nn_4160\/DE\/Wirtschaft__und__Verwaltung\/Steuern\/Steuerschaetzung__einnahmen\/Weitere__Informationen\/1009301a5002,templateId=raw,property=publicationFile.pdf\">Datensammlung zur Steuerpolitik Ausgabe 2010 Tabelle 15<\/a> lagen die Einnahmen aus der Lohnsteuer 2009 bei 135.165 Mio. Euro und der veranlagten Einkommensteuer bei 26.430 Mio. Euro.<br>\nBei Steuereinnahmen von insgesamt 523.986 Mio. Euro bleibt es also bei dem von mir genannten Anteil von rd. 30 % f&uuml;r die Einkommensteuer.<\/em><\/p><p><em>Aus der Zusammenstellung von Professor Jarass ergibt sich im &Uuml;brigen, wie gering im Verh&auml;ltnis zur Lohn- und zur Einkommensteuer (insgesamt) die Steueranteile aus den vom Abgeordneten zus&auml;tzlichen direkten Steuern von in der Regel Selbst&auml;ndigen (also etwa der Gewerbe- und der K&ouml;rperschaftssteuer) sind.<\/em>  <\/p><p><em>Alle diese Ablenkungsversuche des Abgeordneten &auml;ndern nichts daran, dass nach der <a href=\"http:\/\/dip21.bundestag.de\/dip21\/btd\/17\/006\/1700691.pdf\">aktuellsten Angabe seiner von ihm mitgetragenen Bundesregierung [PDF &ndash; 157 KB]<\/a>, wie in meinem Beitrag berichtet, die oberen 10 Prozent der Einkommensteuerpflichtigen eben auch einen Anteil von 37,9 Prozent am zu versteuernden Einkommen haben. Dass also ihr hoher Anteil an der Einkommensteuer ihrem hohen Anteil am zu versteuernden Einkommen weitgehend entspricht.<\/em><\/p><p><strong>Fortsetzung des Zitats aus dem Brief des Abgeordneten Blumenthal:<\/strong><\/p><p>Dar&uuml;ber hinaus ist es nicht gerade ein Zeichen von sachgerechter Aufbereitung, wenn Herr Lieb im Jahr 2010 auf Zahlen aus dem Jahr 2007 zur&uuml;ckgreift. <\/p><p><em><strong>Anmerkung:<\/strong> Diesen Vorhalt brauche ich mir nicht machen zu lassen, wenn sich selbst die Bundesregierung bei ihrer Tabelle der Schichtung der Lohn- und Einkommensteuerpflichtigen auf die Zahlen von 2005 st&uuml;tzt. (<a href=\"http:\/\/www.bundesfinanzministerium.de\/nn_4160\/DE\/Wirtschaft__und__Verwaltung\/Steuern\/Steuerschaetzung__einnahmen\/Weitere__Informationen\/1009301a5002,templateId=raw,property=publicationFile.pdf\">Datensammlung zur Steuerpolitik Ausgabe 2010,  S. 22ff. [PDF &ndash; 495 KB]<\/a>)<\/em><\/p><p><strong>Fortsetzung des Zitats aus Brief des Abgeordneten Blumenthal:<\/strong><\/p><p>Wolfgang Lieb behauptet:<\/p><p>&ldquo;Die oberen zehn Prozent haben am privaten Verm&ouml;gen einen Anteil von 61,1 Prozent (2007, Michael Hartmann). Die unteren 70 Prozent kommen nicht einmal auf 9 Prozent des Gesamtverm&ouml;gens. Allein das Geldverm&ouml;gen erreichte 2009 einen Wert von 4,67 Billionen Euro.&rdquo;<\/p><p>Diese Darstellung von Herrn Lieb ist falsch:<\/p><p>In seiner Berechnung unterschl&auml;gt er wesentliche Bestandteile. Ein Gro&szlig;teil des &bdquo;Gesamtverm&ouml;gens&ldquo; ist kredit- bzw. darlehnsfinanziert (z.B. Immobilien). Hier muss also das Nettoverm&ouml;gen angesetzt werden &ndash; also abzgl. der zu zahlenden Bau- und Finanzierungsschulden (die dar&uuml;ber hinaus anfallen Substanzsteuern &ndash; wie z.B. Grunderwerbssteuern, Grundsteuern, Kfz-Steuern &ndash; lasse ich mal au&szlig;en vor). <\/p><p><em><strong>Anmerkung:<\/strong> Die Unterscheidung von Brutto- und Nettoverm&ouml;gen ist mir durchaus klar. Sie wird hier vom Abgeordneten Blumenthal nur zur Vernebelung eingef&uuml;hrt.<br>\nIm <a href=\"?p=3136\">Verteilungsbericht des DGB<\/a> f&uuml;r das Jahr 2008 hei&szlig;t es: &bdquo;Das Nettogesamtverm&ouml;gen (ohne Sachverm&ouml;gen) der Deutschen &uuml;ber 17 Jahre betr&auml;gt auf Basis der Daten aus dem SOEP f&uuml;r 2002 4,5 Billionen Euro. Dem Brutto-Verm&ouml;gen von 6,5 Millionen Euro stehen Verbindlichkeiten, d. h. Schulden der privaten Haushalte, in H&ouml;he von 1,1 Billionen Euro, gegen&uuml;ber. Den gr&ouml;&szlig;ten Bestandteil machen der Grund- und Immobilienbesitz mit 4,5 Billionen Euro aus (vgl. DIW Berlin Wochenbericht Nr. 45\/2007, Seite 667).<br>\nSomit verf&uuml;gt jeder Bundesb&uuml;rger &uuml;ber 17 Jahre &uuml;ber ein Nettogesamtverm&ouml;gen im Durchschnitt (arithmetisches Mittel) in H&ouml;he von knapp 81.000 Euro). Der Median oder der Zentralwert des Verm&ouml;gens, der eine Grenze zwischen zwei H&auml;lften bezeichnet, liegt hingegen &uuml;ber 15.000 Euro. Das hei&szlig;t, die &auml;rmere H&auml;lfte der Bev&ouml;lkerung verf&uuml;gt &uuml;ber weniger als 15.000 Euro Verm&ouml;gen.&ldquo;<\/em><\/p><p><strong>Fortsetzung des Zitats aus dem Brief des Abgeordneten Blumenthal:<\/strong><\/p><p>Die oberen 10 Prozent haben damit am privaten Verm&ouml;gen einen Anteil von 46,8 Prozent &ndash; also weit weniger als die von Wolfgang Lieb unterstellten 61,1 Prozent.<br>\nDie unteren 70 Prozent kommen auf 18,4 Prozent des Gesamt-Nettoverm&ouml;gens. (Also ein mehr als doppelt so hoher Verm&ouml;gensanteil, wie von Lieb behauptet). (Stand 10.07.2009, Quelle: Statistik des Bundesministeriums f&uuml;r Arbeit und Soziales).<\/p><p><em><strong>Anmerkung Wolfgang Lieb:<\/strong> Die <a href=\"http:\/\/www.bmas.de\/portal\/47982\/statistisches__taschenbuch__2010.html\">Statistik des BMAS<\/a> ist offenbar Online nicht mehr verf&uuml;gbar, so dass ich die vom Abgeordneten eingef&uuml;hrten Zahlen nicht &uuml;berpr&uuml;fen kann.<br>\nIch stelle die Verm&ouml;gensverteilung nicht falsch dar, noch unterstelle ich etwas, sondern ich habe mich auf eine <a href=\"?p=7033\">Angaben von Michael Hartmann<\/a> und von Ulrike Herrmann, aus dem Buch &bdquo;Hurra wir d&uuml;rfen zahlen, der Selbstbetrug der Mittelschicht&ldquo;, S. 33) bezogen.<br>\nErg&auml;nzend und als weitere Quelle f&uuml;ge ich an:<\/em><\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"upload\/bilder\/20101206_wl_01.gif\" alt=\"Abb. 1 - Polarisierung Deutschlands\" title=\"Abb. 1 - Polarisierung Deutschlands\"><\/p><p><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/pdf\/wsimit_2009_12_schaefer.pdf\">WSI Miteilungen 12\/2009 S. 687 [PDF &ndash; 292 KB]<\/a><\/em><\/p><p><em>Ich zitiere aus dieser Quelle:<br>\n&bdquo;Vom privaten Verm&ouml;gen in Deutschland nach Abzug aller Schulden besitzt die &bdquo;untere&ldquo; H&auml;lfte der deutschen (erwachsenen) Bev&ouml;lkerung per Saldo fast nichts; 10 % aus dieser Gruppe (das unterste Dezil) haben sogar nur negatives Verm&ouml;gen bzw. Schulden. Auf der anderen Seite<br>\nkonzentriert die &bdquo;obere&ldquo; Bev&ouml;lkerungsh&auml;lfte fast das gesamte private Netto-Verm&ouml;gen auf sich, darunter allein die obersten 10 % fast zwei Drittel davon. Besonders bemerkenswert ist: Innerhalb der beobachteten f&uuml;nf Jahre haben nur die obersten oder reichsten 10 % ihre Verm&ouml;gensposition verbessern k&ouml;nnen, und zwar um gleich drei Prozentpunkte.&ldquo;<\/em><\/p><p><strong>Fortsetzung des Zitats aus dem Brief des Abgeordneten Blumenthal:<\/strong><\/p><p>Au&szlig;erdem muss hier erg&auml;nzt werden, dass sich Lieb auf eine veraltete Studie des DIW aus dem Jahr 2007 st&uuml;tzt, die vom DIW mittlerweile korrigiert und wesentlich erg&auml;nzt worden ist. So weist die Erg&auml;nzungsstudie des DIW (Stand Januar 2010) darauf hin, dass bei der Berechnung von Verm&ouml;gen die Rentenanspr&uuml;che nicht au&szlig;en vor bleiben d&uuml;rfen. Auf Basis von Erwerbsbiografien, Alter und Daten zur Lebenserwartung sch&auml;tzte das DIW f&uuml;r verschiedene Bev&ouml;lkerungsgruppen den &ldquo;Gegenwartswert&rdquo; ihrer Alterssicherungsanspr&uuml;che.<\/p><p>Die DIW-Studie stellt fest (im Wortlaut):<\/p><p>&bdquo;Und das Ergebnis ist beeindruckend: Im Durchschnitt entspricht das einem individuellen Anspruch in H&ouml;he von 67.000 Euro. Bezieht man die Rentenanwartschaften in die Verm&ouml;gensberechnung ein, stehen insbesondere diejenigen besser da, deren Verm&ouml;gen geringer ist als das des Durchschnitts.&ldquo; Durch diese Anwartschaften relativieren sich also die Verm&ouml;gensunterschiede. &ldquo;Der Grund liegt darin, dass jeder abh&auml;ngig Besch&auml;ftigte und eine Vielzahl von Selbst&auml;ndigen Vorsorge in verschiedenen Alterssicherungssystemen betreiben&rdquo;, erkl&auml;rt Markus Grabka, einer der Autoren der Studie.<\/p><p>&ldquo;Rechnet man die daraus resultierenden Anspr&uuml;che zu den Geld- und Sachwerten hinzu, dann reduzieren sich die [Verm&ouml;gens-]Unterschiede um etwa 20 Prozent.&rdquo;<\/p><p>Au&szlig;erdem greift Wolfgang Lieb erneut auf Zahlen aus dem Jahr 2007 zur&uuml;ck und vermischt sie willk&uuml;rlich mit Erhebungen aus dem Jahr 2009. <\/p><p><em><strong>Anmerkung Wolfgang Lieb:<\/strong> Wenn der Abgeordnete Blumenthal schon Markus Grabka vom DIW aus einem Interview zitiert, dann sollte er ihn auch ganz zitieren:<\/em><\/p><p><em>Frage: Dabei handelt es sich aber doch nur um einen fiktiven Verm&ouml;genswert?<br>\nGrabka: Ja, ich kann mein Alterssicherungsverm&ouml;gen nicht beleihen, ich kann es mir nicht vorzeitig auszahlen lassen, ich habe auch keinen wirklich festgelegten privatwirtschaftlich gesicherten Wert, weil in der Gesetzlichen Rentenversicherung nur Entgeltpunkte gesammelt werden und der Rentenwert von der Politik neu festgelegt werden kann. Das hei&szlig;t, es gibt durchaus verschiedene Argumente, warum dies auch ein eingeschr&auml;nkter Verm&ouml;gensbegriff ist.<\/em><\/p><p><em>Oder: <\/em><\/p><p><em>Frage: Ist damit der Trend zu einer zunehmenden Verm&ouml;gensungleichheit in Deutschland vorbei?<br>\nGrabka: Das darf man nicht miteinander verwechseln. Wir schauen uns hier die Verm&ouml;gensverteilung nur zu einem bestimmten Zeitpunkt an.<br>\nDas steht nicht im Gegensatz zu der Aussage, dass wir insbesondere in den letzten f&uuml;nf Jahren<br>\neine deutliche Zunahme der Verm&ouml;gensungleichheit in Deutschland beobachtet haben.<br>\nWir gehen davon aus, dass auch zuk&uuml;nftig die Verm&ouml;gensungleichheit zunehmen wird.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.diw.de\/documents\/publikationen\/73\/diw_01.c.345838.de\/10-3-1.pdf\">DIW Wochenbericht [PDF &ndash; 350 KB]<\/a><\/em> <\/p><p><em>Nach dieser vom Abgeordneten Blumenthal herangezogenen DIW-Studie ergibt sich folgendes Bild:<\/em><\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"upload\/bilder\/20101206_wl_02.gif\" alt=\"Abb. 2 - Verteilung des Geld- und Sachverm&ouml;gens\" title=\"Abb. 2 - Verteilung des Geld- und Sachverm&ouml;gens\"><\/p><p><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.diw.de\/documents\/publikationen\/73\/diw_01.c.345838.de\/10-3-1.pdf\">diw.de [PDF &ndash; 350 KB]<\/a><\/em><\/p><p><em>Angesichts dieser Grafik aus dem Jahr 2010 braucht man nicht mehr viele trockene Zahlen anzuf&uuml;hren. Vergleichen Sie diese Grafik einfach mit der weiter oben dargestellten Grafik.<\/em><\/p><p><em>Ja, die unteren Einkommen bis zum 8 Dezibel stehen inklusive der Renten- und Pensionsanwartschaften bei der Verteilung des (nur rechnerischen) Geld- und Sachverm&ouml;gens etwas besser da, aber die Verteilungskurve verl&auml;uft fast genauso steil, wie ohne Einbeziehung des fiktiven Verm&ouml;genswertes der Renten- und Pensionsanwartschaften.<br>\nDas war auch erwartbar, denn nat&uuml;rlich haben die h&ouml;heren Einkommensbezieher auch h&ouml;here Altersversorgungsanspr&uuml;che.<\/em> <\/p><p><strong>Fortsetzung des Zitats aus dem Brief des Abgeordneten Blumenthal:<\/strong><\/p><p>Erschwerend kommt bei diesem Umstand hinzu, dass es im Jahr 2008 die schwerste Finanz- und Wirtschaftskrise seit 80 Jahren gegeben hat &ndash; dabei wurden in nicht unerheblichem Ausma&szlig; Verm&ouml;gen entwertet. Diesem Umstand hat Herr Wolfgang Lieb ebenfalls keine Rechnung getragen.<\/p><p><em><strong>Anmerkung Wolfgang Lieb:<\/strong> Typischerweise plappert der parlamentarische Vertreter der Besserverdienenden auch noch die <a href=\"http:\/\/www.morgenpost.de\/politik\/article1121771\/Krise_verringert_Kluft_zwischen_Armen_und_Reichen.html\">Schreckensmeldung des Instituts der deutschen Wirtschaft und des Chefs des DIW<\/a> nach, wonach die Wirtschaftskrise die Verm&ouml;gen der Reichen deutlich entwertet habe. Nach den (durchaus anzweifelbaren) Einsch&auml;tzungen des Finanzhauses Merrill Lynch und die Unternehmensberatung Capgemini verloren hierzulande die Reichen 2008 10 % ihres Verm&ouml;gens und die Zahl derjenigen mit einem Finanzverm&ouml;gen von mehr als einer Million Dollar ging um 3 Prozent <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/Rub48D1CBFB8D984684AF5F46CE28AC585D\/Doc~E0CEECA4091EF421E8BA7BDED8CE03DA8~ATpl~Ecommon~Scontent.html\">auf 810.000 zur&uuml;ck<\/a>.<br>\nDie Einkommen der Vorst&auml;nde der 30 gr&ouml;&szlig;ten b&ouml;rsennotierten Unternehmen gingen pro Kopf im Durchschnitt um 700.000 auf 2,3 Millionen zur&uuml;ck.<br>\n(Da kommen einem fast die Tr&auml;nen.)<\/em><\/p><p><em>Einmal abgesehen, dass dem FDP-Abgeordneten die Lohnverluste der zeitweise weit &uuml;ber eine Million Kurzarbeiter keine Erw&auml;hnung wert sind, hat er wohl nicht zur Kenntnis genommen, dass die Deutschen ihre Verm&ouml;gensverluste aus der Finanzkrise dank der Rettungsschirme der Bundesregierung sowohl nach dem <a href=\"http:\/\/www.focus.de\/panorama\/vermischtes\/finanzkrise-deutschland-hat-vermoegensverluste-aus-finanzkrise-ausgeglichen_aid_551314.html\">Allianz Wohlstandsbericht 2010<\/a> als auch nach einer DIW-Studie <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/unternehmen\/0,1518,715649,00.html\">l&auml;ngst wieder ausgeglichen haben<\/a> und die Zahl der Verm&ouml;gensmillion&auml;re auf einem Rekordniveau liegt.<\/em><\/p><p>(&hellip;)<\/p><p>(Der Rest des Briefes richtet sich an den Absender)<\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nSebastian Blumenthal<\/p><p><em><strong>Mein Fazit:<\/strong><\/em><\/p><ul>\n<li><em>Der FDP-Abgeordnete Blumenthal versucht zun&auml;chst die Seriosit&auml;t der von mir in meinem Beitrag genannten Zahlen in Zweifel zu ziehen. Ich sei entweder nicht in der Lage, seine &ldquo;Berechnungen&rdquo; zu dokumentieren, oder aber die dokumentierbaren Berechnungen sind falsch. Dass ich im Gegensatz zu ihm, alle Zahlen mit Quellen belegt habe, leugnet er.<\/em><\/li>\n<li><em>Er versucht von dem Sachverhalt abzulenken, mit dem ich mich auseinandergesetzt habe, n&auml;mlich mit einem Beitrag der Bild-Zeitung.<\/em><\/li>\n<li><em>Er versucht mir, zu unterstellen, dass ich den Unterschied zwischen Brutto- und Nettoverm&ouml;gen nicht erkannt h&auml;tte. Meine Aussage bezog sich aber auf das Nettoverm&ouml;gen, also abz&uuml;glich von Verbindlichkeiten und ist damit richtig.<\/em><\/li>\n<li><em>Er versucht meine Argumente mit einer neueren DIW-Studie zu widerlegen, die jedoch im Ergebnis kein anderes Bild zeigt, wie fr&uuml;here Studien, n&auml;mlich dass es eine dramatische Verm&ouml;gensungleichheit in Deutschland gibt.<\/em><\/li>\n<li><em>Schlie&szlig;lich versucht der Abgeordnete diesen Skandal zu verharmlosen, indem er auf die Verm&ouml;gensverluste durch die Finanzkrise verweist, ohne allerdings zur Kenntnis zu nehmen, dass diese l&auml;ngst wieder ausgeglichen sind.<\/em><\/li>\n<\/ul><p><em>Ich unterstelle, dass eine so ausf&uuml;hrliche Antwort aus den Regierungsfraktionen bzw. Regierungsparteien, von der Bundesregierung &uuml;blicherweise zur Verf&uuml;gung gestellten Argumentationsbausteinen zusammengef&uuml;gt bzw. gleich von den Ministerb&uuml;ros der parteizugeh&ouml;rigen Ministerinnen und Minister entworfen wurde.<\/em><\/p><p><em>Jedenfalls wird deutlich: Mit solchen Vernebelungen und Ablenkungen versuchen Abgeordnete der Regierungsfraktionen ihre W&auml;hler an der Nase herumzuf&uuml;hren.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 10. August habe ich den Artikel <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/BILD\/politik\/wirtschaft\/2010\/08\/09\/7-wahrheiten\/ueber-milliarden-spenden-debatte.html\">&bdquo;7 Wahrheiten &uuml;ber Milliarden-Spender&ldquo;<\/a> kritisch kommentiert. Siehe: <a href=\"?p=6433\">Der Reiche als der ausgebeutete Gutmensch und der Arme als Schmarotzer<\/a>.<br \/> Ein Leser hat diesen Beitrag an den FDP-Abgeordneten Sebastian Blumenthal geschickt und um Stellungnahme gebeten.<br \/> MdB Blumenthal hat geantwortet. Ich dokumentiere mit Erlaubnis des Abgeordneten seinen Antwortbrief und<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=7641\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[1,198,137,132],"tags":[519,427,343,687,291],"class_list":["post-7641","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-das-kritische-tagebuch","category-einzelne-politiker-personen-der-zeitgeschichte","category-steuern-und-abgaben","category-ungleichheit-armut-reichtum","tag-diw","tag-einkommensteuer","tag-luegen-mit-zahlen","tag-ungleichheit","tag-verteilungsgerechtigkeit"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7641","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7641"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7641\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20724,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7641\/revisions\/20724"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7641"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7641"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7641"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}