{"id":76436,"date":"2021-09-27T11:28:13","date_gmt":"2021-09-27T09:28:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=76436"},"modified":"2021-09-28T07:32:48","modified_gmt":"2021-09-28T05:32:48","slug":"berliner-stimmen-fuer-enteignung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=76436","title":{"rendered":"Berliner stimmen f\u00fcr Enteignung"},"content":{"rendered":"<p>In Berlin war der Volksentscheid f&uuml;r die Enteignung gro&szlig;er Wohnungskonzerne erfolgreich. Das ist zu begr&uuml;&szlig;en, das Ergebnis ist allerdings rechtlich nicht bindend. Zus&auml;tzlich erinnert der Vorgang an die Beteiligung von SPD und LINKE am urspr&uuml;nglichen Ausverkauf der Wohnungen. Dennoch ist der aktuelle <a href=\"https:\/\/dielinke.berlin\/dw-enteignen\/\">Einsatz von LINKEN-Politikern<\/a> f&uuml;r das gute Abstimmungsergebnis hervorzuheben. In der Hauptstadt konnte sich bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus au&szlig;erdem die SPD als st&auml;rkste Kraft durchsetzen: Das k&ouml;nnte die Enteignungspl&auml;ne gef&auml;hrden. Von <strong>Tobias Riegel<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5388\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-76436-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210927_Berliner_stimmen_fuer_Enteignung_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210927_Berliner_stimmen_fuer_Enteignung_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210927_Berliner_stimmen_fuer_Enteignung_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210927_Berliner_stimmen_fuer_Enteignung_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=76436-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210927_Berliner_stimmen_fuer_Enteignung_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"210927_Berliner_stimmen_fuer_Enteignung_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Die Berliner B&uuml;rger haben sich f&uuml;r die Enteignung gro&szlig;er Wohnungskonzerne ausgesprochen, wie <a href=\"https:\/\/www.rbb24.de\/content\/rbb\/r24\/politik\/wahl\/volksentscheid-wohnen\/beitraege\/volksentscheid-berlin-wahl-deutsche-wohnen-enteignung.html\">Medien berichten<\/a>. 56,4 Prozent der W&auml;hler stimmten demnach am Sonntag in einem Volksentscheid daf&uuml;r, 39,0 Prozent lehnten das Vorhaben ab, wie die Landeswahlleitung am Montagmorgen mitteilte.<\/p><p>Gleichzeitig sei das n&ouml;tige Mindestquorum f&uuml;r die Zustimmung von einem Viertel der Wahlberechtigten erreicht worden. Damit ist der Berliner Senat <a href=\"https:\/\/www.dwenteignen.de\/was-wir-fordern\/\">laut Beschlusstext<\/a> nun aufgefordert, &bdquo;alle Ma&szlig;nahmen einzuleiten&ldquo;, die zur &Uuml;berf&uuml;hrung von Immobilien in Gemeineigentum erforderlich sind. Dazu solle die Politik ein Gesetz erarbeiten.<\/p><p><strong>&bdquo;Missachtung des Volksentscheids w&auml;re ein politischer Skandal&ldquo;<\/strong><\/p><p>Allerdings ist das Votum f&uuml;r die Politik rechtlich nicht bindend. Es wurde n&auml;mlich nicht &uuml;ber einen konkreten Gesetzentwurf abgestimmt, der durch den erfolgreichen Volksentscheid nun direkt beschlossen w&auml;re. Dennoch wird sich das neugew&auml;hlte Abgeordnetenhaus wohl mit dem Votum besch&auml;ftigen m&uuml;ssen. So will <a href=\"https:\/\/www.dwenteignen.de\/\">die Initiative &bdquo;Deutsche Wohnen und Co enteignen&ldquo;<\/a> die kommenden Koalitionsverhandlungen nach eigenen Angaben intensiv begleiten: &bdquo;Wir akzeptieren weder Hinhaltestrategien, noch Abfangversuche. Eine Missachtung des Volksentscheids w&auml;re ein politischer Skandal. Wir lassen nicht locker, bis die Vergesellschaftung von Wohnungskonzernen umgesetzt ist&ldquo;, sagt Kalle Kunkel, Sprecher der Initiative. Und Sprecherin Joanna Kusiak erg&auml;nzt laut <a href=\"https:\/\/www.dwenteignen.de\/2021\/09\/pm-volksentscheid-gewonnen\/\">einer Mitteilung<\/a>: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Egal in welcher Zusammensetzung &ndash; die zuk&uuml;nftige Regierungskoalition wird die Vergesellschaftung von Wohnungskonzernen umsetzen m&uuml;ssen. Die Forderung zur Vergesellschaftung vereint weit mehr Stimmen hinter sich als jede Partei. Wir Berliner:innen haben entschieden: Niemand darf mit unseren Wohnungen spekulieren.&rdquo;<\/p><\/blockquote><p>Der k&uuml;nftige Senat sei dazu aufgefordert, ein Gesetz zur Vergesellschaftung von rund 240.000 Wohnungen in Berlin zu erarbeiten. Betroffen w&auml;ren alle privaten Wohnungsunternehmen mit mehr als 3.000 Wohnungen in der Hauptstadt, ausgenommen die Genossenschaften. Im Blickfeld der Initiative st&uuml;nde rund ein Dutzend Immobilienunternehmen.<\/p><p><strong>Volksentscheid erinnert an Wohnungs-Ausverkauf durch SPD und LINKE<\/strong><\/p><p>Das Ergebnis des Volksbegehrens ist erfreulich. Die <a href=\"https:\/\/dielinke.berlin\/dw-enteignen\/\">Unterst&uuml;tzung von LINKEN-Politikern<\/a> f&uuml;r die Initiative ebenfalls &ndash; diese Unterst&uuml;tzung sollte aber nicht vergessen machen, dass es auch Politiker der LINKEN waren, die nach 2002 am Verkauf zahlreicher st&auml;dtischer Wohnungen mindestens indirekt beteiligt waren, wie etwa <a href=\"https:\/\/www.bmgev.de\/politik\/wohnungspolitik\/berliner-wohnungspolitik-die-rot-rote-koalition\/\">in diesem Artikel<\/a> beschrieben wird: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Die rot-rote Koalition stellt die Landesregierung, die den Rekord im Verkauf von landeseigenen Wohnungen h&auml;lt und zugleich am wenigsten deswegen ins Gerede gekommen ist. Ein Grund zum Feiern f&uuml;r Finanzinvestoren wie Cerberus und Co. Es wurde stillschweigend verscherbelt, was das Zeug h&auml;lt. Den Auftakt, den Verkauf der GSW, feierte man noch als lokale Rettungstat zugunsten der Haushaltskassen. Eine politische Opposition fand sich nur in den Reihen der Sozialdemokraten, wo Gerlinde Schermer und Hans-Georg Lorenz Zivilcourage und Standhaftigkeit zeigten. Der seinerzeit als PDS firmierende Koalitionspartner &uuml;berlie&szlig; es einer Lokalgr&ouml;&szlig;e aus Prenzlauer Berg, Dr. Michael Nelken, den Verkauf als &bdquo;Notlagenverkauf&ldquo; emphatisch zu bejubeln und die Parteiklientel von den leeren Haushaltskassen zu &uuml;berzeugen.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Trotz dieser Beteiligung auch von LINKEN-Politikern an der Entstehung der Wohnungs-Misere in Berlin und trotz des durch Enteignung m&ouml;glicherweise entstehenden Verlustgesch&auml;fts ist es aber sehr zu begr&uuml;&szlig;en, dass aus den eigenen Fehlern gelernt wurde und die LINKE das wichtige Vorhaben mit zum Erfolg gef&uuml;hrt hat. <\/p><p><strong>Welche Koalition setzt den Volksentscheid um?<\/strong><\/p><p>Da aber das Ergebnis nicht rechtlich bindend ist, braucht die Initiative starke F&uuml;rsprecher in der Politik. Neben vielen anderen Gr&uuml;nden ist auch aus diesem Grund ein Blick auf das Ergebnis der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus interessant &ndash; nicht nur <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=76425\">im Bund<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/mv-wahl-vorlaeufiges-ergebnis-101.html\">in Mecklenburg-Vorpommern<\/a> konnte die SPD Erfolge erzielen: Auch die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus haben die Sozialdemokraten mit Spitzenkandidatin Franziska Giffey gewonnen, wenn auch mit weniger Abstand als erwartet und erst nach einer Zitterpartie unter Beteiligung der Gr&uuml;nen: In Berlin ist die SPD mit 21,4 Prozent der Stimmen <a href=\"https:\/\/www.rbb24.de\/politik\/wahl\/abgeordnetenhaus\/agh-2021\/beitraege\/berlin-abgeordnetenhauswahl-wahl-abstimmung.html\">laut Medienberichten<\/a> st&auml;rkste Kraft geworden &ndash; vor den Gr&uuml;nen, die auf 18,9 Prozent kamen. Die CDU folgt mit 18,1 Prozent; die LINKE verliert mit 14 Prozent leicht gegen&uuml;ber 2016; AfD (8 Prozent) und FDP (7,1 Prozent) schaffen erneut den Einzug ins Parlament. Dadurch wird Berlin, wie bisher, k&uuml;nftig wahrscheinlich von einem Dreierb&uuml;ndnis regiert werden.<\/p><p>SPD-Spitzenkandidatin Franziska Giffey wird sehr wahrscheinlich die Nachfolge des Regierenden B&uuml;rgermeisters Michael M&uuml;ller (SPD) antreten, der <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/news\/2021-09\/27\/regierender-buergermeister-mueller-kuenftig-im-bundestag\">in den Bundestag wechseln wird<\/a>. Er f&uuml;hrte bisher ein B&uuml;ndnis mit Gr&uuml;nen und LINKEN. Rechnerisch w&auml;re eine Fortsetzung von Rot-Rot-Gr&uuml;n m&ouml;glich. Daf&uuml;r sprachen sich laut Medienberichten auch die Spitzenkandidaten von Gr&uuml;nen und LINKEN aus. Giffey tat dies <a href=\"https:\/\/www.rbb24.de\/politik\/wahl\/abgeordnetenhaus\/agh-2021\/beitraege\/berlin-abgeordnetenhauswahl-wahl-abstimmung.html\">laut RBB<\/a> jedoch nicht direkt, sagte am Wahlabend aber, dass es nun &bdquo;ein klares Votum f&uuml;r SPD und Gr&uuml;ne&ldquo; gebe. Die SPD werde im Fall des Wahlsiegs zwar &bdquo;auch mit allen anderen Parteien sprechen&ldquo;, aber der W&auml;hlerwille sei deutlich. Klar ist aber trotz Giffeys knappem Sieg, dass ihre indirekten strategischen Avancen in Richtung CDU und FDP im Wahlkampf nicht zum vermuteten (st&auml;rkeren) Erfolg gef&uuml;hrt haben, wie auch die Gr&uuml;nen-Spitzenkandidatin Bettina Jarasch am Montagmorgen im Inforadio des rbb feststellte.<\/p><p>Was der Sieg der SPD in Berlin f&uuml;r Koalitionen und f&uuml;r die Umsetzung des Volksentscheids bedeutet, bleibt noch abzuwarten. Bez&uuml;glich des Volksentscheids stehen die Zeichen aber eher ung&uuml;nstig &ndash; hier hat sich Giffey stets klar dagegen positioniert: Sie lehnt die Pl&auml;ne ab, wie sie vor der Wahl etwa dem <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/wohnungsnot-in-berlin-giffey-durch-enteignungen-koennen-wir.694.de.html?dram:article_id=502961\">Deutschlandfunk<\/a> erkl&auml;rte:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Ich finde wichtig, dass wir klarmachen, dass wir f&uuml;r bezahlbare Mieten stehen, aber nicht eben f&uuml;r einen Weg, der sagt, wir l&ouml;sen es, indem wir Wohnungen enteignen&lsquo;, so Franziska Giffey. Durch Vergesellschaftung w&uuml;rden Milliardenh&ouml;hen an Entsch&auml;digungssummen f&auml;llig, &lsquo;die nicht dazu f&uuml;hren, dass auch nur eine einzige neue Wohnung entsteht&rsquo;, sagte die SPD-Spitzenkandidatin f&uuml;r die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus.&ldquo;<\/p><\/blockquote><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong> \n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=76425\">Anmerkungen zur Bundestagswahl\/Eine Analyse der Bundestagswahl 2021 und ihrer Ergebnisse<\/a>\n<\/p><\/div><p>Titelbild: Von Cineberg \/ shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Berlin war der Volksentscheid f&uuml;r die Enteignung gro&szlig;er Wohnungskonzerne erfolgreich. Das ist zu begr&uuml;&szlig;en, das Ergebnis ist allerdings rechtlich nicht bindend. Zus&auml;tzlich erinnert der Vorgang an die Beteiligung von SPD und LINKE am urspr&uuml;nglichen Ausverkauf der Wohnungen. Dennoch ist der aktuelle <a href=\"https:\/\/dielinke.berlin\/dw-enteignen\/\">Einsatz von LINKEN-Politikern<\/a> f&uuml;r das gute Abstimmungsergebnis hervorzuheben. 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