{"id":76520,"date":"2021-09-30T09:30:32","date_gmt":"2021-09-30T07:30:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=76520"},"modified":"2021-09-30T10:44:32","modified_gmt":"2021-09-30T08:44:32","slug":"die-wahl-die-linke-und-ihr-versagen-bei-der-corona-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=76520","title":{"rendered":"Die Wahl, die LINKE und ihr Versagen bei der Corona-Politik"},"content":{"rendered":"<p>Die Bundestagswahl 2021 ist vorbei und das Debakel der Partei DIE LINKE da. Auffallend bei der nicht ausbleibenden Schuldfrage ist das ziemliche Schweigen zum v&ouml;lligen Versagen der Links-Partei in &bdquo;Corona-Zeiten&ldquo;. Von <strong>Wolf Wetzel<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nIch wollte mich zu den beiden &bdquo;kleineren &Uuml;beln&ldquo; mit Blick auf die Partei DIE LINKE nicht &auml;u&szlig;ern: Wenn die Partei DIE LINKE genug Stimmen bekommen h&auml;tte, um im Koalitionspoker eine (klitzekleine) Rolle zu spielen, dann h&auml;tte sie sp&auml;testens dann die letzten politischen Konturen (Austritt aus der Nato, keine Kriegseins&auml;tze) verloren, die sie noch von den anderen Parteien unterscheidet. Wenn sie gar nicht mehr zur Wahl steht oder gar unter die 5-Prozent-H&uuml;rde ger&auml;t, dann m&uuml;sste die n&auml;chste Regierung auf ein &bdquo;linkes&ldquo; Alibi verzichten &ndash; ein &uuml;berfl&uuml;ssiges &Uuml;bel, das bei allen potenziellen Regierungsparteien auf minimalste Zustimmung stie&szlig;.<\/p><p>Nun steht das Debakel der Partei DIE LINKE fest: Sie hat 4,9 Prozent der (Zweit-)Stimmen erhalten und ist nur aufgrund ihrer Direktmandate noch im Bundestag. Viel schlechter konnte es nicht kommen.<\/p><p>Viel absehbarer ist das, was dem Debakel folgt: Die Schuldfrage. Mal sind es die Querelen und Streitigkeiten zwischen dem &bdquo;Wagenknecht&ldquo;- und &bdquo;Kipping&ldquo;-Fl&uuml;gel.<br>\nAuch die massive Lotsen-Funktion der Medien, die Chronifizierung der Angst (in Form einer absurden &bdquo;Rote-Socken-Kampagne&ldquo; von CSU\/CDU bis FDP) und die Dezimierung der Wahlinhalte auf drei KanzlerkandidatInnen kann man als Gr&uuml;nde f&uuml;r dieses Debakel anf&uuml;hren.<\/p><p>Auffallend ist bei allen Schuldangeboten, dass man das Corona-Thema fast vollst&auml;ndig ausblendet, obwohl alle wissen, dass das nicht nur die Wahlen beeinflusst hat, sondern das ganze Leben bestimmt, bis in die Freundschaften hinein.<\/p><p>Die Partei DIE LINKE blieb in allen kontroversen Fragen stumm. Anstatt die notwendig strittigen Fragen und Positionen offen und lehrreich vorzustellen, schwieg man in aller Regel. Der kleinste gemeinsame Nenner rund um die Partei DIE LINKE bestand aus weitgehendster Zustimmung zu den Corona-Ma&szlig;nahmen, bei gleichzeitiger Diffamierung derer, die die Corona-Ma&szlig;nahmen kritisierten. Der politische Gegner war nicht die Bundesregierung, sondern es waren die &bdquo;Querdenker&ldquo;, also jene, die das machten, was eigentlich zum Wesenskern einer Linken geh&ouml;rt: Die Verteidigung von Grund- und Schutzrechten.<\/p><p>Auch wenn man alles daf&uuml;r getan hat, dass man nichts mehr von Corona h&ouml;ren will, w&auml;re gerade das Corona-Regime eine ausgezeichnete Gelegenheit gewesen, alle wesentlichen Essentials einer Linken durchzubuchstabieren, also anzuwenden: <\/p><p>Ist die Sorge um unsere Gesundheit, unser Leben eine Herzensangelegenheit der Bundesregierung oder ein Ideologie-Mantra, das nicht erst seit Corona ein wesentlicher Baustein ist, um dahinter andere Interessen zu verstecken?<\/p><p>Welche Rolle spielen Pharmakonzerne bei der Art der Bek&auml;mpfung der Pandemie &ndash; wenn ihre Macht und ihr Einfluss sogar so weit gehen, dass sie Gesetzesvorlagen &bdquo;diktieren?<\/p><p>Warum werden Wissenschaftler, &Auml;rzte und Fachleute, die dem Regierungsmantra nicht folgen, derma&szlig;en denunziert und aus der &ouml;ffentlichen Debatte ausgeschlossen, wenn man das allseitige Nicht- und Wenig-Wissen &uuml;ber Covid-19 als Allgemeinwissen zugrundelegen kann?<\/p><p>Warum stellt sich die Linke nicht vor diese KritikerInnen, sch&uuml;tzt sie vor Denunziationen und sorgt daf&uuml;r, dass man sie h&ouml;rt, dass man sich mit ihren Positionen auseinandersetzen kann?<\/p><p>Warum ist die sehr einfache Frage von Til Schweiger, den man ja eigentlich so smart und knuffig findet, so unertr&auml;glich, auch f&uuml;r viele Linke: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Wenn alles stimmen w&uuml;rde, was die Impfindustrie sagt, &ndash; dieser Impfstoff hundertprozentig safe, was sie ja eigentlich behaupten &ndash; dann k&ouml;nnen sie doch auch kontr&auml;re Meinungen zulassen. Das war doch fr&uuml;her auch so, dass es einen Diskurs gibt.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Warum begr&uuml;&szlig;en Linke Demonstrationsverbote gegen &bdquo;Querdenker&ldquo; und legen sich mit derart goutierten &bdquo;Begr&uuml;ndungen&ldquo; selbst die Schlinge um den Hals?<\/p><p>Auch wenn die sehr geringe Streitf&auml;higkeit innerhalb der Linken das Thema &bdquo;Corona&ldquo; mitvergiftet hat, bewegt es viele Menschen. Sie werden aus der Bahn geworfen, sie machen sich Gedanken, suchen nach Erkl&auml;rungen &ndash; auf sehr unterschiedliche Weise. Dazu geh&ouml;rten nicht nur jene, die zu Querdenker-Demonstrationen gehen. Dazu geh&ouml;ren auch ganz viele, die sich von allen im Stich gelassen f&uuml;hlen &ndash; auch von der Linken. Im schlimmsten Fall erleben sie sie als arrogant, staats-devot und herrschs&uuml;chtig. Im besten Fall ist sie einfach nicht erreichbar, nicht ansprechbar, nicht hilfreich.<\/p><p>Nun kann man vortrefflich dar&uuml;ber spekulieren, wie vielen Menschen es so geht. Wenn die Bundestagswahl zu etwas nutze war, dann vielleicht aus diesem Grund: Sie bildet diese namenlose Unzufriedenheit einigerma&szlig;en zuverl&auml;ssig ab, macht sie sichtbar.<\/p><p>Die Partei DIE LINKE bekam etwa 2.300.000 (Zweit-)Stimmen (minus 4,3 Prozent).<br>\nWo sind also die (Wahl-)Stimmen hin, die mit der Einheitspartei-Politik (CSU\/CDU-FDP-SPD) im Allgemeinen und der Corona-Politik im Konkreten nicht einverstanden sind und diesen Widerspruch dezidiert nicht der AfD zukommen lassen wollten? Ganz sicher nicht bei der Partei DIE LINKE.<\/p><p>Es gibt eine Partei, die sich im Zuge der Coronapolitik gegr&uuml;ndet hat und die Unzufriedenheit auf ihre Weise zum Ausdruck gebracht hat. Sie nennt sich <em>&bdquo;dieBasis&ldquo;<\/em> und ist im Umfeld der Querdenker zuhause. Sie bekam 630.000 (Zweit-)Stimmen. Und dann ist da noch die aktive Nicht-W&auml;hlerpartei &bdquo;DIE PARTEI&ldquo;, der man alles und vieles vorwerfen kann &ndash; nur eines nicht: Sie biete sich als Regierungspartei an. Trotzdem und vielleicht genau deshalb bekam sie etwa 460.000 Stimmen.<\/p><p>Ganz sicher hat die Abwesenheit der Partei DIE LINKE als Oppositionspartei zum Corona-Regime der Bundesregierung einen wesentlichen Anteil an ihrer Bedeutungslosigkeit &ndash; schon vor der BT-Wahl. Sie war definitiv keine Wahl, um Protest gegen&uuml;ber den gegenw&auml;rtigen Corona-Ma&szlig;nahmen zum Ausdruck zu bringen.<\/p><p>Dass sich diese Entwicklung schon lang angebahnt hat und durch die Corona-Verh&auml;ltnisse buchst&auml;blich explodiert ist, ist kein gro&szlig;es Geheimnis. Man muss Sahra Wagenknecht &uuml;berhaupt nicht in allem folgen, um ihrer Analyse der massiven Wahlniederlage bei den Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen 2019 zuzustimmen: Die Partei DIE LINKE wird nicht mehr als Opposition begriffen, sondern als Bestandteil <em>&bdquo;des gr&uuml;nliberalen Establishments.&ldquo;<\/em> (FR vom 3.9.2019). <\/p><p>Die Kluft zwischen dem, was diese linke Partei programmatisch versprochen hat und was sie als Opposition oder in Regierungsbeteiligung umgesetzt hat, ist gewaltig.<\/p><p>Mehr noch: Die Partei DIE LINKE hat sich an Regierungen beteiligt (wie in Berlin als Kopilot in der rot-roten Regierung 2002-2011) und aktiv daran mitgewirkt, den bereits d&uuml;rftigen Bestand an st&auml;dtischem\/gemeinn&uuml;tzigem (also bezahlbarem) Wohnraum weiter zu verscherbeln, der jetzt zum Teil &uuml;ber eine Enteignung gro&szlig;er Immobilienkonzerne zur&uuml;ckgeholt werden soll.<\/p><p>An diesem Konflikt wird sich zeigen, ob die Partei DIE LINKE lieber die Regierungskoalition retten m&ouml;chte, anstatt das Volksbegehrensvotum umzusetzen &ndash; was ganz sicher die Regierungskoalition sprengen wird und der Ausgang dieses Machtkampfes ganz erheblich davon abh&auml;ngig sein wird, was au&szlig;erhalb des Parlaments passiert.<\/p><p>Wie man politische Ideen und Forderungen nicht umsetzt, sondern im Zweifelsfall opfert, hat die Partei DIE LINKE vor Kurzem bewiesen. Der von SPD, LINKE und Gr&uuml;nen gef&uuml;hrte Berliner Senat wollte die Mieten vom Jahr 2020 an f&uuml;r f&uuml;nf Jahre eingefrieren, &bdquo;um die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt zu beruhigen&ldquo;. Dazu legte die Senatorin Katrin Lompscher (LINKE) einen Entwurf vor, der &bdquo;einen radikalen &sbquo;Mietenstopp&lsquo; f&uuml;r f&uuml;nf Jahre vor(sieht), womit f&uuml;r alle Mieten die vom Gesetzgeber festgelegten &bdquo;Obergrenzen&ldquo; gelten w&uuml;rden &ndash; und auf dieselben eingefroren werden w&uuml;rden.&ldquo; (tagesspiegel.de vom 26.8.2019)<\/p><p>Bevor dieser Entwurf &uuml;berhaupt diskutiert werden konnte, wurde er &bdquo;geleakt&ldquo;, also an die &Ouml;ffentlichkeit gespielt, um den Vorschlag schon im Keim zu ersticken. Das hatte Erfolg. Nur vier Tage sp&auml;ter wurde der &bdquo;Entwurf&ldquo; zur&uuml;ckgezogen und ein deutlich verw&auml;sserter Vorschlag steht nun im Raum. Warum hat man es nicht auf einen Koalitionsstreit ankommen lassen? Warum hat man nicht die vielen MieterInnen-Initiativen eingebunden, um diesen Vorschlag &ouml;ffentlich zu diskutieren? Warum hat man den Konflikt nicht aus den Konferenz- und Beraterzimmern herausgeholt und auf die Stra&szlig;e getragen?<\/p><p>Zahlreiche andere Beispiele kann man dazu anf&uuml;hren. Es ist ganz sicher nicht die alleinige Aufgabe der Partei DIE LINKE, sich den hier angerissenen Fragen zu stellen. Diese Aufgabe teilt sie sich mit der au&szlig;erparlamentarischen Linken.<\/p><p><strong>Was w&auml;re das f&uuml;r ein Anfang &hellip;<\/strong><\/p><p>&hellip; wenn es &ndash; ganz langweilig &ndash; nicht darum ginge, &bdquo;Schuldige&ldquo; zu finden, sondern zusammen nachzudenken.<\/p><p>Was w&auml;re das f&uuml;r ein furioser Auftakt, wenn die Partei DIE LINKE einfach und schlicht eingestehen w&uuml;rde, dass sie die Angst und Unwissenheit getrieben hat, fast allem zuzustimmen, was mit dem Ausnahmezustand verbunden ist. Was w&auml;re das f&uuml;r eine eindrucksvolle Form der &bdquo;Entspannung&ldquo;, wenn man sich und anderen eingestehen w&uuml;rde, dass man der Macht der Bilder und dem ungeheuren Druck erlegen ist, allem zuzustimmen, was vermeintlich den Schw&auml;chsten und Schutzbed&uuml;rftigsten zugutekommt.<\/p><p>Was w&auml;re das f&uuml;r ein furioser und respektabler Anfang, wenn Linke auch au&szlig;erhalb dieser Parteiformation sich eingestehen w&uuml;rden, dass sie die Opposition zu vielen Corona-Ma&szlig;nahmen, die Frage &bdquo;Wem n&uuml;tzt diese Corona-Politik wirklich?&ldquo; nicht als Verschw&ouml;rungstheorie abgetan h&auml;tten, sondern gegebenenfalls mit einer besseren Analyse und einer noch besseren Praxis angegangen w&auml;ren. <\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong> \n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=76459\">Bundestagswahl: Die LINKE steht am Abgrund<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=76425\">Anmerkungen zur Bundestagswahl\/Eine Analyse der Bundestagswahl 2021 und ihrer Ergebnisse<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=61116\">Die LINKE im politischen Lockdown<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<\/div><p>Titelbild: Von geogif \/ shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Bundestagswahl 2021 ist vorbei und das Debakel der Partei DIE LINKE da. 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