{"id":76689,"date":"2021-10-06T09:10:29","date_gmt":"2021-10-06T07:10:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=76689"},"modified":"2021-10-06T14:33:15","modified_gmt":"2021-10-06T12:33:15","slug":"quad-und-aukus-zwei-parallele-bloecke-gegen-china","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=76689","title":{"rendered":"QUAD und AUKUS, zwei parallele Bl\u00f6cke gegen China"},"content":{"rendered":"<p>Es ist jetzt zehn Jahre her, dass die Regierung von Barack Obama Asien in den Mittelpunkt ihrer Sicherheitsstrategie stellte. Obama argumentierte, dass Asien im Vergleich zu anderen Teilen der Welt an Bedeutung gewonnen habe, da dort ein wachsender Anteil des globalen Wirtschaftsproduktes geschaffen und Asien im 21. Jahrhundert wahrscheinlich das Zentrum der Weltwirtschaft sein wird. Obamas Hinwendung zu Asien (pivot to Asia) ist eine diplomatische, wirtschaftliche und milit&auml;rische Strategie mit dem Ziel, die Vorherrschaft der USA in auch Asien sicherzustellen. Von Anfang an wurde mit der &bdquo;Hinwendung zu Asien&ldquo; vor allem China ins Visier genommen, das wirtschaftlich immer st&auml;rker und politisch immer selbstbewusster wurde. Diese Politik hat Joe Biden in der Regierung Obama als Vizepr&auml;sident mitbegleitet. Und jetzt scheint er mehr denn je entschlossen, den &bdquo;pivot to Asia&ldquo; zu seiner gr&ouml;&szlig;ten au&szlig;enpolitischen Priorit&auml;t zu machen. Von <strong>Marco Wenzel<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_4286\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-76689-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/211006_QUAD_und_AUKUS_zwei_parallele_Bloecke_gegen_China_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/211006_QUAD_und_AUKUS_zwei_parallele_Bloecke_gegen_China_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/211006_QUAD_und_AUKUS_zwei_parallele_Bloecke_gegen_China_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/211006_QUAD_und_AUKUS_zwei_parallele_Bloecke_gegen_China_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=76689-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/211006_QUAD_und_AUKUS_zwei_parallele_Bloecke_gegen_China_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"211006_QUAD_und_AUKUS_zwei_parallele_Bloecke_gegen_China_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Um den Schwerpunkt der amerikanischen Au&szlig;enpolitik zum voraussichtlich neuen Zentrum der Wirtschaft des 21. Jahrhunderts zu bewerkstelligen, vollzogen die USA 2009 einen Wandel in ihrer Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Die kostspieligen und unpopul&auml;ren Interventionen im Nahen Osten sollten beendet werden, um sich mehr auf Ost- und S&uuml;dostasien konzentrieren zu k&ouml;nnen, was wahrscheinlich schlussendlich der Ausl&ouml;ser f&uuml;r den R&uuml;ckzug aus Afghanistan war.<\/p><p>Von Anfang an ging es darum, eine Strategie f&uuml;r eine eventuelle milit&auml;rische Konfrontation mit China zu entwickeln und zu versuchen, China mit milit&auml;rischen Mitteln &bdquo;einzud&auml;mmen&ldquo;. Dabei w&auml;re es viel einfacher und kl&uuml;ger gewesen, sich mit China an einen Tisch zu setzen und &uuml;ber gemeinsame Handels- und Milit&auml;rabkommen zu verhandeln, statt es zur&uuml;ckzuweisen und zu br&uuml;skieren. Die Hinwendung zu Asien enth&auml;lt fast nur milit&auml;rische Komponenten, viel Drohgeb&auml;rden und wenig Verhandlungsbereitschaft. China versteht die Hinwendung zu Asien durchaus als feindliche Absicht der USA und als Versuch, das Land einzukreisen. Es betrachtet die QUAD und den neuen AUKUS-Pakt als feindliche B&uuml;ndnisse, die zu eben diesem Zweck gegr&uuml;ndet wurden. Wobei China wohl nicht falsch liegen d&uuml;rfte und seinerseits darauf milit&auml;risch reagiert.<\/p><p>Die Feindseligkeiten und die Drohungen des Westens gegen&uuml;ber China werden t&auml;glich heftiger. Die Region wird zunehmend unruhiger und die Staaten der Region sehen die j&uuml;ngsten Drohungen und Man&ouml;ver im Pazifik und im S&uuml;dchinesischen Meer durchaus skeptisch und geben ihrer Besorgnis auch Ausdruck.<\/p><p><strong>Die QUAD<\/strong><\/p><p>Der Quadrilateral Security Dialogue, kurz QUAD, wurde bereits 2007 gegr&uuml;ndet. Ihre vier Mitglieder sind die USA, Australien, mit Indien das bev&ouml;lkerungsreichste Land neben China und mit Japan das wirtschaftlich st&auml;rkste Land in Ostasien.<\/p><p>Die QUAD soll die Zusammenarbeit zwischen den &bdquo;Demokratien&ldquo; in der indopazifischen Region unterst&uuml;tzen und ein Gegengewicht zu China schaffen. Nach der Gr&uuml;ndung lag der Block erst einmal lange Zeit auf Eis. Viele L&auml;nder in der Region wandten sich lieber China zu. Der philippinische Pr&auml;sident Duterte nannte Obama sogar einen Hurensohn. Australien scherte zeitweilig aus dem B&uuml;ndnis aus und auch Indien bem&uuml;ht sich bis heute noch darum, den Konflikt, den es wegen Grenzstreitigkeiten mit China hat, nicht weiter eskalieren zu lassen. China ist der wichtigste Handelspartner Indiens. Auch die ASEAN-Staaten sind eher an guten Beziehungen zu China interessiert.<\/p><p>2017 wurde die QUAD wiederbelebt und hat sich seitdem weiterentwickelt, es gibt jetzt wieder regelm&auml;&szlig;ige Treffen. Im M&auml;rz 2020 dann als QUAD Plus eine Telefonkonferenz zusammen mit Neuseeland, Vietnam und S&uuml;dkorea. Biden scheint die QUAD besonders am Herzen zu liegen. Am 12. M&auml;rz dieses Jahres fand auf Initiative von Biden ein virtuelles Meeting der Mitgliederstaaten statt und am 24. September gab es einen Gipfel der QUAD im Wei&szlig;en Haus.<\/p><p>Die QUAD wird haupts&auml;chlich von dem Wunsch, ein Gegengewicht zu China zu schaffen, angetrieben, aber weder Biden noch seine G&auml;ste erw&auml;hnten am 24. September China und sein Seidenstra&szlig;en-Projekt, das den USA ein besonderer Dorn im Auge ist. Man will erst einmal den Ball flachhalten und keinen kriegerischen Eindruck erwecken und damit vor allem auch Indien nicht zu sehr abschrecken. Man sprach daher lieber von einem &bdquo;informellen Treffen&ldquo; im Wei&szlig;en Haus.<\/p><p>Jedoch verwies Biden dort erneut auf die Notwendigkeit, einen &bdquo;freien und offenen Indopazifik&ldquo; zu verteidigen. Der Kampf f&uuml;r die Freiheit der Meere, freie Schifffahrt und freier Handel sind die Stichworte des Westens, wenn es darum geht, ihre eigenen expansiven Ziele durchzusetzen und &ndash; in Asien &ndash; die Entwicklung Chinas &bdquo;einzud&auml;mmen&ldquo;. Die Aufrechterhaltung einer regionalen &bdquo;regelbasierten Ordnung&ldquo; steht dabei im Vordergrund. Diese sogenannte regelbasierte Ordnung soll, nach Vorstellung der USA, das V&ouml;lkerrecht ersetzen. Die regelbasierte Ordnung st&uuml;tzt sich nicht mehr auf die UN-Charta, sondern auf Werte, die (selbstverst&auml;ndlich) von den &bdquo;Demokratien&ldquo; festgelegt und durchgesetzt werden sollen. Unter Freiheit und Demokratie versteht man hier vor allem die Freiheit des Kapitals, sich weiterhin ungehindert ausbreiten und vermehren, aber auch r&uuml;ckgef&uuml;hrt werden zu k&ouml;nnen.<\/p><p>Obwohl die QUAD oft als &bdquo;asiatische NATO&ldquo; bezeichnet wird, ist sie kein Vertragsb&uuml;ndnis und es gibt auch keinen &bdquo;B&uuml;ndnisfall&ldquo; wie bei der NATO, der die Vertragspartner verpflichtet, sich gegenseitig milit&auml;risch beizustehen. Die QUAD f&uuml;hrt keine milit&auml;rischen &Uuml;bungen durch und hat auch keinen milit&auml;rischen Stab. Noch nicht.<\/p><p><strong>AUKUS<\/strong><\/p><p>Mitte September, eine Woche vor dem QUAD-Gipfel in Washington, gaben die USA, Gro&szlig;britannien und Australien &uuml;berraschend die Gr&uuml;ndung des B&uuml;ndnisses AUKAS bekannt. Die Verhandlungen zur Gr&uuml;ndung wurden offenbar weitgehend hinter verschlossenen T&uuml;ren abgehalten. Besonders Frankreich f&uuml;hlte sich br&uuml;skiert, da gleichzeitig bekanntgegeben wurde, dass Australien eine atombetriebene U-Boot-Flotte bekommen soll und damit ein bereits mit Frankreich abgeschlossener Vertrag &uuml;ber die Lieferung einer Flotte von dieselbetriebenen U-Booten im Wert von 66 Milliarden USD hinf&auml;llig ist. Ohne die Partnerschaft mit Australien, von dem Frankreich sich nun verraten f&uuml;hlt, sind auch Frankreichs Ambitionen in der Region gef&auml;hrdet. Frankreich spielt damit im Indopazifik nur noch die zweite Geige, wie die &bdquo;junge Welt&ldquo; treffend schreibt. (&Uuml;ber den U-Boot-Deal und die Aktivit&auml;ten Frankreichs im Pazifik siehe den in den n&auml;chsten Tagen folgenden Artikel &bdquo;Frankreichs Verlust ist kein Gewinn f&uuml;r China im indo-pazifischen Raum&ldquo;.) <\/p><p>Auch bei AUKUS geht es sowohl den USA als auch der NATO nach eigenen Aussagen um die Unterst&uuml;tzung einer auf Regeln basierenden Ordnung im indo-pazifischen Raum. Die Freiheit der Schifffahrt soll mit milit&auml;rischen Mitteln gesichert werden. Bisher ist die Freiheit der Schifffahrt dort noch kaum bedroht. Das k&ouml;nnte sich aber bald &auml;ndern, wenn es in der Region zu kriegerischen Auseinandersetzungen kommt. Die chinesische Volksarmee wird wahrscheinlich auf dieses neue B&uuml;ndnis mit verst&auml;rkter milit&auml;rischer Pr&auml;senz reagieren. Wenn die westlichen Provokationen nicht aufh&ouml;ren, dann wird es dort irgendwann zu einem Zwischenfall kommen, der in eine milit&auml;rische Auseinandersetzung m&uuml;ndet. Ob ungewollt oder extra provoziert ist dabei unerheblich. Wenn der Indopazifik und das S&uuml;dchinesische Meer zum Kriegsschauplatz werden, dann ist es auch mit der freien Schifffahrt dort vorbei. Auf die Idee, Verhandlungen mit China zu f&uuml;hren, statt es milit&auml;risch einzukreisen, darauf scheinen die Falken im Westen nicht zu kommen.<\/p><p>AUKUS verst&ouml;&szlig;t zudem gegen den Geist des Atomwaffensperrvertrags, da die US-Atom-U-Boote mit hochangereichertem Uran betrieben werden, bei dem es sich um waffenf&auml;higes Kernmaterial handelt. Es untergr&auml;bt zudem die Vertr&auml;ge &uuml;ber eine atomwaffenfreie Zone im S&uuml;dpazifik sowie die Bem&uuml;hungen der ASEAN-L&auml;nder f&uuml;r eine atomwaffenfreie Zone in S&uuml;dostasien.<\/p><p>Auffallend beim AUKUS-B&uuml;ndnis ist vor allem, dass keine asiatische Nation daran beteiligt ist. In der QUAD sind zumindest noch Indien und Japan als asiatische Nationen vertreten. In der AUKUS gibt es nur noch angels&auml;chsische Nationen. Es dominiert dort die wei&szlig;e Hautfarbe. Australien, das oft auch als &bdquo;Hilfssheriff der USA&ldquo; in der Region verspottet wird, ist zudem Mitglied im britischen Commonwealth, ein nostalgisches &Uuml;berbleibsel aus der Kolonialzeit. Australien setzt nun seine angels&auml;chsischen Freunde, die USA und das Vereinigte K&ouml;nigreich, als Verb&uuml;ndete an die erste Stelle. Damit diskreditiert es sich als regionaler Partner im pazifischen Raum.<\/p><p><strong>Australien<\/strong><\/p><p>Australien entwickelt konventionelle U-Boote und baute nie Atomkraftwerke, ist aber dem Vertrag &uuml;ber das Verbot von Kernwaffen nicht beigetreten. Australien hat jedoch 1973 den Vertrag &uuml;ber die Nichtverbreitung von Kernwaffen und 1998 den Vertrag &uuml;ber das umfassende Verbot von Nuklearversuchen ratifiziert. Premierminister Scott Morrison erkl&auml;rte letzte Woche, dass Australien &bdquo;keine Pl&auml;ne&ldquo; habe, Atomwaffen zu erwerben.<\/p><p>Der AUKUS-Vertrag, der den Bau von acht atombetriebenen U-Booten in Australien mit Unterst&uuml;tzung der USA und Gro&szlig;britanniens beinhaltet, bricht aber mit der politischen Entscheidung gegen die Atomkraft und ist ein Schritt in Richtung der Entwicklung derselben. Das st&ouml;&szlig;t auf kontroverse Diskussionen in Australien selbst. Die australischen Gr&uuml;nen sprechen in Bezug auf die U-Boote bereits von einem schwimmenden Tschernobyl.<\/p><p>Australien hat viele Uranerze und verkauft diese auf dem Weltmarkt. F&uuml;r die U-Boote stellt sich nat&uuml;rlich sofort die Frage, wo die Brennelemente daf&uuml;r herkommen sollen, ob man also das Uran vor Ort anreichern soll und damit gleichzeitig notgedrungenerma&szlig;en auch kernwaffenf&auml;higes Spaltmaterial herstellen wird sowie die Suche nach einer Enddeponie f&uuml;r nukleare Abf&auml;lle. Bis zum Stapellauf des ersten U-Bootes sind es nach Sch&auml;tzung von Experten noch zehn Jahre.<\/p><p>Daneben stellt sich nat&uuml;rlich auch die Frage, ob Australien wirklich acht atombetriebene U-Boote braucht und wieso gerade U-Boote zur Sicherung der Freiheit der Schifffahrt beitragen sollen. Ein Blick auf die Weltkarte zeigt, dass Australien nicht an das S&uuml;dchinesische Meer grenzt, vom nordaustralischen Perth aus bis vor die K&uuml;ste Chinas sind es noch gute viertausend Kilometer, dazwischen liegen Indonesien und die Philippinen.<\/p><p>Der Handels&uuml;berschuss Australiens mit China betrug letztes Jahr mehr als 50 Milliarden USD. Es sei dahingestellt, ob die Gr&uuml;ndung einer neuen Allianz gegen einen seiner besten Kunden aus &ouml;konomischer Sicht Sinn macht. China wird darauf wahrscheinlich mit der K&uuml;ndigung von Handelsvertr&auml;gen reagieren. Zudem hat die Global Times Australien bereits als &bdquo;potenzielles Ziel f&uuml;r einen Atomschlag&ldquo; bezeichnet.<\/p><p><strong>Internationale Reaktionen<\/strong><\/p><p>In <strong>China<\/strong> wird angesichts der zunehmenden westlichen Feindseligkeiten bereits dar&uuml;ber diskutiert, ob man die Politik des Verzichts auf einen atomaren Erstschlag gegen&uuml;ber den USA und seinen Verb&uuml;ndeten nicht aufgeben soll. China sollte sein <a href=\"https:\/\/www.scmp.com\/news\/china\/military\/article\/3149720\/china-should-fine-tune-nuclear-weapons-policy-amid-us-pressure\">&bdquo;No First Use&ldquo;-Versprechen<\/a> f&uuml;r die meisten anderen nuklearen und nicht-nuklearen Staaten aber beibehalten.<\/p><p>Auch <strong>Russland<\/strong> sieht sich von AUKUS bedroht. Russische Diplomaten &auml;u&szlig;erten ihre Besorgnis dar&uuml;ber, dass Australiens Entwicklung nuklear angetriebener U-Boote den Atomwaffensperrvertrag untergraben und ein Wettr&uuml;sten in der Region beschleunigen w&uuml;rde, und sprachen von einer asiatischen NATO. Aufgrund der gr&ouml;&szlig;eren Reichweite der neuen australischen U-Boote k&ouml;nnten diese auch in russische Gew&auml;sser eindringen, bef&uuml;rchtet Russland. Im Kriegsfall w&uuml;rden China und Russland wahrscheinlich eine Koalition zur See bilden, um sich gegen den AUKUS-Pakt zu stellen.<\/p><p><strong>Neuseeland<\/strong>, selbst Mitglied im Commonwealth und traditionell ein enger Partner von Australien, l&auml;sst prinzipiell keine atombetriebenen Schiffe, egal welcher Art und welcher Nation, in seine H&auml;fen einlaufen und hat bereits verk&uuml;ndet, dass es daf&uuml;r auch f&uuml;r die zuk&uuml;nftigen australischen U-Boote keine Ausnahme geben wird.<\/p><p>Die <strong>ASEAN-Staaten<\/strong> m&ouml;chten den S&uuml;dpazifik atomwaffenfrei halten und sehen das AUKUS-B&uuml;ndnis vorwiegend skeptisch. Die meisten ASEAN-L&auml;nder bem&uuml;hen sich eher um eine gute Beziehung zu China denn zu den USA und zeigen sich besorgt dar&uuml;ber, dass Australien nun versuchen wird, auch Kernwaffen zu erwerben, um sie auf den neuen U-Booten zu stationieren. Denn nur wenn die U-Boote auch mit Kernwaffen ausger&uuml;stet sind, entfalten sie ihre volle Bedrohung. Die Anschaffung von acht U-Booten mit Nuklearantrieb ohne k&uuml;nftige Atomwaffen, wie der australische Premierminister Morrison behauptet, ist wenig glaubw&uuml;rdig.<\/p><p>Die ASEAN-L&auml;nder m&ouml;chten S&uuml;dostasien als &bdquo;Zone des Friedens, der Freiheit und der Neutralit&auml;t&ldquo; erhalten, die frei von jeglicher Einmischung &auml;u&szlig;erer M&auml;chte ist. 1995 unterzeichneten die Mitgliedsstaaten einen Vertrag &uuml;ber eine atomwaffenfreie Zone in S&uuml;dostasien, in dem sie sich verpflichteten, Atomwaffen aus der Region fernzuhalten. Jetzt m&uuml;ssen sie bef&uuml;rchten, dass der Westen eine aggressivere Haltung gegen&uuml;ber China einnehmen wird und dass es zu einem Wettr&uuml;sten in der Region kommt. Die ASEAN sind zudem dar&uuml;ber ver&auml;rgert, dass sie vor vollendete Tatsachen gestellt wurden. Sie haben immer darauf bestanden, selbst zu entscheiden, was in ihrer Region geschieht, jetzt wurden sie nicht einmal gefragt. Insbesondere <strong>Indonesien<\/strong> und <strong>Malaysia<\/strong> haben sich entschieden gegen Australiens geplanten Erwerb von Atom-U-Booten ausgesprochen. Selbst <strong>Singapur<\/strong>, Australiens zuverl&auml;ssigster Verb&uuml;ndeter in der Region, hat sich besorgt ge&auml;u&szlig;ert.<\/p><p>Auch <strong>Indien<\/strong> hat nichts von einer neuen Feindschaft mit China zu erwarten. Indien wird wahrscheinlich an seiner Politik festhalten, sich nicht zu sehr einer Gro&szlig;macht anzuschlie&szlig;en. Zudem f&uuml;hrt Indien auch Gespr&auml;che mit Washingtons Rivalen Russland und dem Iran und wird wahrscheinlich in n&auml;chster Zeit russische Boden-Luft-Raketen anschaffen. Indien hat eigene strategische Interessen und wird sich nicht an versch&auml;rften Aggressionen gegen China beteiligen. Zudem ist Indien entt&auml;uscht &uuml;ber den R&uuml;ckzug der USA in Afghanistan und die Art und Weise, wie das passiert ist. Denn Indiens Nachbar Pakistan war und ist noch immer der Zufluchtsort f&uuml;r alle erdenklichen islamischen Gruppierungen, Peschawar ist die Hauptstadt des islamischen Terrorismus und viele Mudschahedin sind nach dem Abzug der Amerikaner vor den Taliban dorthin gefl&uuml;chtet. Indien ist deren Todfeind und Indien bef&uuml;rchtet, dass manche von ihnen bald auch nach Indien einwandern und dort Unruhe stiften.<\/p><p>Abgesehen von <strong>Frankreich<\/strong>, das w&uuml;tend auf die Absage Australiens an sein U-Boot-Gesch&auml;ft reagierte, zeigte sich <strong>Br&uuml;ssel<\/strong> eher verhalten &uuml;ber das Abkommen, bedauerte, nicht vorher informiert worden zu sein, und sicherte Frankreich seine Unterst&uuml;tzung zu. Die Pr&auml;sidenten der Kommission und des Europ&auml;ischen Rates haben die Vorgehensweise verurteilt, die sie als eine Br&uuml;skierung nicht nur Frankreichs, sondern auch der EU sehen. Die Emp&ouml;rung ist jedoch nicht in allen L&auml;ndern der EU sp&uuml;rbar und es werden daraus auch kaum ernsthafte Konsequenzen gezogen werden. Die EU wird sich nicht allzu weit aus dem Fenster lehnen. Es ist auch nicht unerwartet, dass die USA es nicht f&uuml;r n&ouml;tig hielten, sich mit ihren europ&auml;ischen Verb&uuml;ndeten zu beraten. Nichtsdestotrotz war die Art und Weise, wie AUKUS gegr&uuml;ndet wurde, ein schwerer Fehler, der Paris zu Recht ver&auml;rgerte. Wie auch immer, die Vorgehensweise der USA hat erneut gezeigt, dass sie sich lieber auf ihre angels&auml;chsischen Freunde verlassen denn auf die Staaten der EU.<\/p><p><strong>Schlussbetrachtung<\/strong><\/p><p>Die meisten s&uuml;dostasiatischen Regierungen haben ihr Unbehagen &uuml;ber AUKUS zum Ausdruck gebracht. Es gibt aber auch Hardliner, die den Pakt begr&uuml;&szlig;en.  Sie m&ouml;chten China &bdquo;in Schach halten&ldquo; und bef&uuml;rworten ein aggressives Verhalten dem Land gegen&uuml;ber. F&uuml;r diese Falken ist China die gr&ouml;&szlig;te Bedrohung f&uuml;r die regionale Sicherheit. <strong>Japan und S&uuml;dkorea<\/strong> geh&ouml;ren dazu.<\/p><p>Der neue Pakt vereint zwei nuklear bewaffnete Nationen (die USA und das Vereinigte K&ouml;nigreich) mit einem zuk&uuml;nftig nuklear bewaffneten Australien. Mit AUKUS und QUAD sind zwei parallele Anti-China-Bl&ouml;cke entstanden. W&auml;hrend AUKUS den Anschein eines eher harten Milit&auml;rpaktes erweckt, legt die QUAD den Schwerpunkt auf Soft-Power.<\/p><p>Das Milit&auml;rb&uuml;ndnis AUKUS zeigt erneut, dass Geld lieber f&uuml;r Kriege ausgegeben wird als f&uuml;r soziale Gerechtigkeit und f&uuml;r die Rettung des Planeten vor einer Klimakatastrophe. Von dem Atom-U-Boot-Vertrag profitieren nur die R&uuml;stungskonzerne. Die Umwelt wird darunter leiden, die Menschen auch.<\/p><p><strong>Literatur<\/strong><\/p><ul>\n<li><a href=\"https:\/\/thediplomat.com\/2017\/01\/the-pivot-to-asia-was-obamas-biggest-mistake\/\">The Pivot to Asia Was Obama&rsquo;s Biggest Mistake<\/a>, The Diplomat, 21. Januar 2017;<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/asiatimes.com\/2021\/09\/aukus-sub-deal-puts-asean-on-nuclear-edge\/?mc_cid=2d7c3543ba&amp;mc_eid=f072d9574c\">AUKUS sub deal puts ASEAN on nuclear edge<\/a>, Asia Times, 20. September 2021;<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/asiatimes.com\/2021\/09\/frances-loss-is-not-chinas-gain-in-indo-pacific\/?mc_cid=692ea86440&amp;mc_eid=f072d9574c\">France&rsquo;s loss is not China&rsquo;s gain in the Indo-Pacific<\/a>, Asia Times, 23. September 2021<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.scmp.com\/comment\/opinion\/world\/article\/3149862\/does-australia-care-how-its-aukus-submarine-deal-looks-its?module=perpetual_scroll&amp;pgtype=article&amp;campaign=3149862\">Does Australia care how its Aukus submarine deal looks to its Asian neighbours?<\/a>, South China Morning Post, 25. September 2021<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/artikel\/410817.geopolitik-paris-kalt-erwischt.html\">Paris kalt erwischt<\/a>, junge Welt, 21. September 2021;<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.washingtonpost.com\/world\/2021\/09\/24\/quad-us-india-australia-japan-china\/\">As Biden hosts first Quad summit at the White House, China is the background music<\/a>, Washington Post, 24. September 2021;<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/asiatimes.com\/2021\/09\/the-meandering-nature-of-the-quad\/?mc_cid=bc37fa8702&amp;mc_eid=f072d9574c\">The meandering nature of the Quad<\/a>, Asia Times, 27. September 2021;<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Foul-unter-Freunden-Wie-haeltst-du-es-mit-China-6202300.html?seite=all\">Foul unter Freunden: Wie h&auml;ltst du es mit China?<\/a>, Telepolis 28. September 2021;<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/asiatimes.com\/2021\/09\/how-russia-will-likely-respond-to-aukus\/?mc_cid=bc37fa8702&amp;mc_eid=f072d9574c\">How Russia will likely respond to AUKUS<\/a>, Asia Times, 25. September 2021<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/theconversation.com\/explainer-what-exactly-is-the-quad-and-whats-on-the-agenda-for-their-washington-summit-167988\">Explainer: what exactly is the Quad and what&rsquo;s on the agenda for their Washington summit?<\/a>, The conversation<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/asiatimes.com\/2021\/10\/sub-deal-ignites-heated-nuke-debate-in-australia\/?mc_cid=6430738d67&amp;mc_eid=f072d9574c\">Sub deal ignites heated nuke debate in Australia<\/a>, Asia Times, 1. Oktober 2021<\/li>\n<\/ul><p>Titelbild: icedmocha<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist jetzt zehn Jahre her, dass die Regierung von Barack Obama Asien in den Mittelpunkt ihrer Sicherheitsstrategie stellte. Obama argumentierte, dass Asien im Vergleich zu anderen Teilen der Welt an Bedeutung gewonnen habe, da dort ein wachsender Anteil des globalen Wirtschaftsproduktes geschaffen und Asien im 21. Jahrhundert wahrscheinlich das Zentrum der Weltwirtschaft sein wird.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=76689\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":76690,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,172],"tags":[3047,1519,699,1460,379,1043,2102,469,1426,2008,3124,1497,2301,3123,3125,259,1556,2377],"class_list":["post-76689","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-aufruestung","tag-asean","tag-atomwaffen","tag-australien","tag-biden-joe","tag-china","tag-frankreich","tag-geostrategie","tag-grossbritannien","tag-hegemonie","tag-indien","tag-indopazifik","tag-japan","tag-konfrontationspolitik","tag-militaerbuendnisse","tag-regelbasierte-ordnung","tag-russland","tag-usa","tag-waffenlieferungen"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/shutterstock_1728033934.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/76689","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=76689"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/76689\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":76720,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/76689\/revisions\/76720"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/76690"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=76689"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=76689"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=76689"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}