{"id":76797,"date":"2021-10-08T11:00:19","date_gmt":"2021-10-08T09:00:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=76797"},"modified":"2021-10-08T13:39:27","modified_gmt":"2021-10-08T11:39:27","slug":"und-raus-bist-du-an-deutschen-hochschulen-geht-impfen-ueber-studieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=76797","title":{"rendered":"Und raus bist du: An deutschen Hochschulen geht Impfen \u00fcber Studieren"},"content":{"rendered":"<p>Endlich wieder Pr&auml;senzlehre an Deutschlands Universit&auml;ten nach 18 Monaten Homeoffice. Aber nicht f&uuml;r alle. Im neuen Wintersemester haben freiwillig Ungeimpfte gem&auml;&szlig; 3G-Regel nur Zutritt bei vorhandenem Goldesel. Mithin m&uuml;ssen deshalb Zehntausende junger Menschen ihr Studium hinschmei&szlig;en. Nach den Motiven ihrer Entscheidung fragt keiner, mag diese noch so begr&uuml;ndet und nachvollziehbar sein. Die NachDenkSeiten wollten von zentralen hochschulpolitischen Akteuren wissen, wie sie sich dazu positionieren und wo bei all dem das Recht auf Bildung bleibt. Die Antworten fielen d&uuml;rftig aus und lassen trotzdem tief blicken. Von <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3665\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-76797-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/211008-Und-raus-bist-du-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/211008-Und-raus-bist-du-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/211008-Und-raus-bist-du-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/211008-Und-raus-bist-du-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=76797-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/211008-Und-raus-bist-du-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"211008-Und-raus-bist-du-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>An Deutschlands h&ouml;chsten Bildungsanstalten legt das Wintersemester 2021\/22 dieser Tage mit einer Lektion in Sachen Spaltung los. Nach eineinhalb Jahren im Distanzbetrieb kehren die Studierenden leibhaftig in H&ouml;rs&auml;le und Seminarr&auml;ume zur&uuml;ck. Ein Gro&szlig;teil der Veranstaltungen und Pr&uuml;fungen soll wieder im Pr&auml;senzmodus vonstatten gehen. Das ist der <a href=\"https:\/\/www.hrk.de\/themen\/hochschulsystem\/covid-19-pandemie-und-die-hochschulen\/\">Plan<\/a>, den sich die Hochschulen in Absprache mit Bund und L&auml;ndern zurechtgelegt haben und, sofern es das Infektionsgeschehen zul&auml;sst, bis zum Fr&uuml;hjahr durchziehen wollen. <\/p><p>Aber nicht f&uuml;r alle &ouml;ffnet die Alma mater ihre Tore. Wer sich die neuartigen, experimentellen mRNA- und Vektorimpfstoffe bisher nicht hat verabreichen lassen, <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=75902\">muss drau&szlig;en bleiben<\/a>. Wobei: Ein Spalt in der T&uuml;r bleibt doch. Wenn die Betroffenen sich immer sch&ouml;n brav testen lassen und das Ergebnis immer sch&ouml;n negativ ist, d&uuml;rfen auch sie studieren, mitunter nicht ganz so sch&ouml;n, wie jene Kommilitonen mit Einstich im Oberarm, aber immerhin. Allerdings k&ouml;nnte das auf Dauer ziemlich teuer werden, weil die sogenannten B&uuml;rgertests ab 11. Oktober kostenpflichtig werden. Und welcher Student kann es sich leisten, <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/schleswig-holstein\/3G-an-Hochschulen-Auch-Sicherheitsdienste-sollen-kontrollieren,hochschule234.html\">t&auml;glich einen Antigen- oder alle zwei Tage einen PCR-Test<\/a> zu Preisen von vielleicht zehn bis 20 Euro zu bezahlen und dies &uuml;ber einen Zeitraum von mehreren Monaten? <\/p><p><strong>Winziges Hintert&uuml;rchen<\/strong><\/p><p>Antwort: Es werden ganz bestimmt die Allerwenigsten sein. Ergo wird das Hintert&uuml;rchen zum Campus winzig klein sein, auf alle F&auml;lle um Dimensionen kleiner als die &bdquo;Hintert&uuml;r&ldquo;, durch die die politischen Entscheider und ihre Berater die ganzen &bdquo;Impfgegner&ldquo;, &bdquo;Impfmuffel&ldquo; und &bdquo;Impfverweigerer&ldquo; durchzuboxen versuchen, damit endlich auch sie alle den &Auml;rmel hochkrempeln &ndash; indem man sie aus dem gesellschaftlichen Leben entfernt oder bei beh&ouml;rdlicher Quarant&auml;neverordnung <a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/gesellschaft\/sozialversicherungen\/deutschland-keine-lohnfortzahlung-waehrend-corona-quarantaene\/\">f&uuml;r 14 Tage um ihre Eink&uuml;nfte erleichtert<\/a>.<\/p><p>Da zugleich auch nicht gew&auml;hrleistet ist, dass es ein in Umfang und Qualit&auml;t gleichwertiges Angebot f&uuml;rs Homeoffice geben wird und der Pr&auml;sident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Peter-Andr&eacute; Alt, sogar knallhart beschied, die Hochschulen k&ouml;nnten &bdquo;keine zus&auml;tzliche digitale Lehre&ldquo; offerieren, d&uuml;rfte es sich mit dem Studium f&uuml;r manch einen jungen Menschen erledigt haben. Es sei denn, die &bdquo;Argumente&ldquo; sind dann doch stark genug, ihn vom rettenden Pieks zu &bdquo;&uuml;berzeugen&ldquo;. Oder er muss sehen, wo er bleibt. Denn auch auch Herrn Alt schwant, dass es <a href=\"https:\/\/www.rnd.de\/beruf-und-bildung\/corona-und-studium-was-bedeutet-die-3g-regel-fuer-studierende-SMMOF55LN5FY5HEBG2U6XGI3P4.html\">freiwillig Ungeimpfte in n&auml;herer Zukunft schwer haben<\/a>, in Deutschland zu studieren. <\/p><p><strong>Zehntausende vorm Aus?<\/strong><\/p><p>Wie viele das betrifft, l&auml;sst sich blo&szlig; vermuten. Dem Deutschen Hochschulverband (DHV), der Berufsvertretung der an Universit&auml;ten t&auml;tigen Wissenschaftler, liegen keine bundesweiten Daten  zur Impfbereitschaft unter Studierenden vor. Gegen&uuml;ber den NachDenkSeiten verwies Pressesprecher Matthias Jaroch auf eine Umfrage f&uuml;r Berlin, wonach bis Mitte Oktober rund 83 Prozent der in der Hauptstadt Studierenden vollst&auml;ndig geimpft sind, 2,3 Prozent erstgeimpft und knapp ein Prozent den Genesenenstatus innehaben werden. 13,6 Prozent w&auml;ren demnach zum Semesterstart noch ungeimpft. Rechnet man das auf die Gesamt-BRD hoch und kalkuliert mit am Ende nur f&uuml;nf Prozent, die von einer Impfung absehen, w&auml;ren das bei zuletzt deutschlandweit &uuml;ber 2,9 Millionen Hochsch&uuml;lern rund 150.000 Personen, die bestenfalls noch unter gr&ouml;&szlig;ten Schwierigkeiten studieren k&ouml;nnen oder mithin ihr Studium ganz aufgeben m&uuml;ssen. <\/p><p>Es gab mal Zeiten, da konnte die Politik gar nicht genug davon bekommen, junge Menschen in die Hochschulen str&ouml;men zu sehen. Da war von Bildung als der &bdquo;wertvollsten Ressource&ldquo; die Rede, die Deutschland habe, und von der jungen Generation als &bdquo;Investition in die Zukunft&ldquo;. Jetzt werden mithin Zehntausende von h&ouml;herer Bildung einfach ausgeschlossen und in der &Ouml;ffentlichkeit kr&auml;ht kein Hahn danach. <\/p><p><strong>Studierendenvertreter f&uuml;r 2G<\/strong><\/p><p>Deshalb wollten die NachDenkSeiten von mehreren hochschulpolitischen Akteuren wissen, wie sie zu diesen Vorg&auml;ngen stehen und wo bei all dem das verfassungsm&auml;&szlig;ig verbriefte Recht auf Bildung bleibt. Schriftlich angefragt wurden die HRK, der DHV, die Kultusministerkonferenz (KMK), das Bundesministerium f&uuml;r Bildung und Forschung (BMBF), das Deutsche Studentenwerk (DSW), die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), der bundesweite studentische Dachverband fzs sowie die Bundestagsfraktionen der Gr&uuml;nen und der Linkspartei. <\/p><p>Antworten kamen lediglich vom DHV, der KMK, dem BMBF sowie der GEW. Vom DSW und der HRK gab es Absagen aus zeitlichen Gr&uuml;nden. LINKE, Gr&uuml;ne sowie ausgerechnet die organisierten Studierendenvertreter blieben eine R&uuml;ckmeldung schuldig, weshalb hier auf eine fr&uuml;here Einlassung zur&uuml;ckgegriffen werden muss. Tats&auml;chlich hatte Ex-Vorstandsmitglied Jonathan Dreusch schon Ende August f&uuml;r eine noch h&auml;rtere Gangart gegen&uuml;ber Ungeimpften pl&auml;diert. Statt der 3G-Regel m&uuml;sse demnach sogar 2G praktiziert werden. &bdquo;Unsere aktuelle Position ist es, dass Pr&auml;senzveranstaltungen nur f&uuml;r Geimpfte, Genesene und Personen, die sich aus gesundheitlichen Gr&uuml;nden nicht impfen lassen k&ouml;nnen, angeboten werden sollten.&ldquo; Wer sich nicht impfen lassen wolle, <a href=\"https:\/\/www.rnd.de\/beruf-und-bildung\/corona-und-studium-was-bedeutet-die-3g-regel-fuer-studierende-SMMOF55LN5FY5HEBG2U6XGI3P4.html\">gef&auml;hrde seine Mitstudierenden<\/a>. <\/p><p>Woher bezieht der Verband seine Informationen? Inzwischen gilt es als wissenschaftlich unbestritten, dass die fraglichen Impfstoffe weder vor einer eigenen Ansteckung noch davor sch&uuml;tzen, das SARS-Cov-2-Virus weiterzugeben. Man nehme sich nur ein paar neuere Meldungen aus der Presse vor: In St. Pauli endete eine 2G-Party mit &ndash; nach vorl&auml;ufigem Stand &ndash; <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/hamburg\/coronavirus\/St-Pauli-Corona-Ausbruch-in-Bar-mit-2G-Regeln,corona8844.html\">20 nachgewiesenen Corona-Infektionen<\/a>. Bei einem 2G-Event in M&uuml;nster Anfang September &bdquo;infizierten&ldquo; sich <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/superspreader-event-mit-signalwirkung-corona-infektionen-nach-2g-party-in-muenster-werfen-fragen-auf\/27625040.html\">mindestens 85 G&auml;ste und damit jeder F&uuml;nfte<\/a>.<\/p><p><strong>Tot trotz Zweifachdosis<\/strong><\/p><p>Nun mag dabei niemand schwer erkrankt sein, aber es geht eben auch anders: In einem Seniorenhaus im <a href=\"https:\/\/corona-blog.net\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Bericht_2.jpg\">bayerischen Hofberg<\/a> kam es Anfang September zu einem Ausbruch mit 50 &bdquo;Infektionen&ldquo; bei Personal und Bewohnern. Von den 32 betroffenen Insassen waren 31 vollst&auml;ndig geimpft, vier mussten ins Krankenhaus, drei verstarben. Zwei Tote gab es Ende September in einem Pflegeheim in <a href=\"https:\/\/www.sauerlandkurier.de\/nordrhein-westfalen\/corona-pflegeheim-kirchhundem-haus-sauerland-nrw-impfdurchbruch-kreis-olpe-infizierte-todesfaelle-ausbruch-91017550.html\">Kirchhundem<\/a> in Nordrhein-Westfalen, nachdem 14 Bewohner trotz doppelter Impfung vom SARS-Cov-2-Erreger befallen worden waren. Das sind keine Einzelf&auml;lle, das <a href=\"https:\/\/corona-blog.net\/tote-im-zusammenhang-mit-der-covid-impfung\/\">Portal Corona-Blog.net<\/a> liefert praktisch t&auml;glich Nachschub an F&auml;llen wie diesen, die jedoch zumeist nur in Lokalzeitungen behandelt werden. Die gro&szlig;en Leitmedien ignorieren sie in aller Regel.<\/p><p>Bei &bdquo;Spiegel&ldquo;, &bdquo;S&uuml;ddeutsche&ldquo; und &bdquo;FAZ&ldquo; l&auml;sst man sich auch nicht von hochoffiziellen Daten irritieren, wenn es hei&szlig;t, das Narrativ von den &bdquo;hochwirksamen&ldquo; Impfstoffen aus dem Hause Biontech-Pfizer, Johnson &amp; Johnson, AstraZeneca und Moderna zu bedienen. Die Wochenberichte des Robert Koch-Instituts (RKI) registrieren seit l&auml;ngerem kontinuierlich steigende Zahlen bei den &bdquo;wahrscheinlichen Impfdurchbr&uuml;chen&ldquo;. Nach Angaben vom Donnerstag schlagen diese unter den &bdquo;symptomatischen Covid-19-F&auml;llen (mit Angabe Impfstatus)&ldquo;, bezogen auf die Kalenderwochen 36 bis 39, schon mit <a href=\"https:\/\/www.rki.de\/DE\/Content\/InfAZ\/N\/Neuartiges_Coronavirus\/Situationsberichte\/Wochenbericht\/Wochenbericht_2021-10-07.pdf?__blob=publicationFile\">52,6 Prozent bei den &uuml;ber 60-J&auml;hrigen<\/a> zu Buche. Der Anteil der &bdquo;wahrscheinlichen Impfdurchbr&uuml;che&ldquo; an den Sterbef&auml;llen der &uuml;ber 60-J&auml;hrigen betr&auml;gt 33 Prozent. Soll nicht vor allem diese Bev&ouml;lkerungsgruppe durch die Massenimpfung gesch&uuml;tzt werden? <\/p><p><strong>Impfwirksamkeit &uuml;bersch&auml;tzt<\/strong><\/p><p>Obendrein hat das RKI gerade erst einr&auml;umen m&uuml;ssen, &uuml;ber Monate mit blinden Flecken in puncto Impfstatus operiert zu haben. War der Status von Covid-19-F&auml;llen nicht bekannt, hat man diese einfach den Ungeimpften zugeschlagen. Nach der Korrektur machte die Quote der Impfdurchbr&uuml;che einen Satz nach oben und das RKI eine schlechte Figur: &bdquo;Da f&uuml;r einen Teil der Covid-19-F&auml;lle die Angaben zum Impfstatus unvollst&auml;ndig sind, ist von einer Untererfassung der geimpften Covid-F&auml;lle auszugehen. Infolgedessen kann in den bisherigen Berechnungen die Impfeffektivit&auml;t <a href=\"https:\/\/www.rki.de\/DE\/Content\/InfAZ\/N\/Neuartiges_Coronavirus\/Situationsberichte\/Wochenbericht\/Wochenbericht_2021-09-30.pdf?__blob=publicationFile\">in einigen F&auml;llen &uuml;bersch&auml;tzt<\/a> worden sein.&ldquo; Da h&auml;tte mal eine Bombe im politischen Berlin platzen k&ouml;nnen. Das passierte aber nicht, da es in deutschen Redaktionsstuben Wichtigeres zu berichten gibt. Nur vereinzelt nahm man sich des Themas an, wie etwa <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wissenschaft\/medizin\/coronavirus-warum-das-rki-die-impfwirksamkeit-nach-unten-korrigierte-a-2000e28b-6940-4454-9ee8-34ca75d164cf\">hier<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.berliner-kurier.de\/politik-wirtschaft\/corona-impfung-deutlich-weniger-wirksam-als-angenommen-hat-das-rki-getrickst-li.187192\">hier<\/a>, war aber weit davon entfernt, dies so zu skandalisieren, wie es angemessen w&auml;re.   <\/p><p>Die Damen und Herren Experten meinen es ja nur gut. Da muss man es ihnen nachsehen, dass sie nicht nur die Impfeffektivit&auml;t deutlich &uuml;bertrieben, sondern auch die Impfrate massiv untertrieben haben. Das Eingest&auml;ndnis dazu gab es am Donnerstag: Es sei &bdquo;in der Erwachsenenbev&ouml;lkerung von einem Anteil mindestens einmal Geimpfter von bis zu 84 Prozent und einem Anteil vollst&auml;ndig Geimpfter von bis zu 80 Prozent auszugehen&ldquo;, hei&szlig;t es in der vom RKI vorgelegten Auswertung des neuen <a href=\"https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/deutschland-welt\/rki-vermutlich-mehr-corona-geimpfte-als-gedacht,Sl8rtFs\">Impfquoten-Monitorings (COVIMO)<\/a>. Was Jens Berger <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=75116\">hier<\/a> schon Anfang August als Wahrscheinlichkeit in den Raum gestellt hatte, ist jetzt amtlich. Die Quoten waren jeweils um &bdquo;bis zu f&uuml;nf Prozent&ldquo; zu knapp bemessen.  <\/p><p><strong>Von wegen &Uuml;berlastung<\/strong><\/p><p>Dann w&auml;re es doch h&ouml;chste Eisenbahn, vom Druck auf die Ungeimpften abzulassen. Schlie&szlig;lich ist man dem Ziel &bdquo;Herdenimmunit&auml;t&ldquo; damit doch ganz nah. Von wegen! Nicht nur stellte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) umgehend klar, dass an 3G und optional 2G festzuhalten ist. Am Mittwoch rief er im Beisein von RKI-Chef Lothar Wieler vor der Bundespressekonferenz &uuml;berdies zum ganz gro&szlig;en Impfspektakel: Neben dem Schuss gegen Corona soll man sich gleich auch noch die Spritze gegen Influenza g&ouml;nnen. Denn <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/innenpolitik\/corona-grippe-impfungen-appell-101.html\">&bdquo;doppelt Impfen-Gehen<\/a> f&uuml;hrt auch zu doppeltem Schutz&ldquo;, verk&uuml;ndete Spahn. Dies k&ouml;nne dabei helfen, eine &Uuml;berlastung des Gesundheitssystems im weiteren Verlauf des Herbstes und im Winter zu vermeiden. <\/p><p>Zur Erinnerung: Deutschlands Kliniklandschaft stand noch an keinem Punkt der Pandemie auch nur in der N&auml;he der &Uuml;berlastung. Im Gegenteil: Nach einem schon Ende April ver&ouml;ffentlichten <a href=\"https:\/\/www.bundesgesundheitsministerium.de\/fileadmin\/Dateien\/3_Downloads\/C\/Coronavirus\/Analyse_Leistungen_Ausgleichszahlungen_2020_Corona-Krise.pdf\">Gutachten des Leibniz-Instituts f&uuml;r Wirtschaftsforschung (RWI)<\/a> im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) lag die Belegung der Krankenh&auml;user 2020 im Mittel um 13 Prozent unter der des Jahres 2019. Zwei Prozent aller Patienten und vier Prozent aller Intensivpatienten waren demnach Covid-19-F&auml;lle. Warum wird f&uuml;r kommenden Herbst und Winter &ndash; noch dazu bei einer gro&szlig;fl&auml;chig durchgeimpften Bev&ouml;lkerung &ndash; abermals ein &bdquo;Kollaps&ldquo; an die Wand gemalt, von dem schon im Corona-Jahr Eins keine Spur war? Weil die Regierung der eigenen Impfkampagne misstraut?  <\/p><p><strong>Wenn &bdquo;Schutz&ldquo; sich rar macht<\/strong><\/p><p>Trotzdem: Augen zu und rein mit der vollen Dr&ouml;hnung von allem, was die Pharmak&uuml;che hergibt. Daf&uuml;r winkt dann auch die gro&szlig;e Freiheit &ndash; vielleicht. Wobei das mit dem &bdquo;Schutz&ldquo; eine variable Gr&ouml;&szlig;e ist, beziehungsweise eine zu vernachl&auml;ssigende. Im Wissen um die vielen Impfdurchbr&uuml;che hat das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) seine Einsch&auml;tzung zur Wirksamkeit der Corona-Vakzine klammheimlich abgewandelt &ndash; und dies schon zum zweiten Mal. Bis Mitte August hie&szlig; es auf der PEI-Webseite noch: &bdquo;Covid-19-Impfstoffe sch&uuml;tzen vor Infektionen mit dem SARS-CoV-2 Virus.&ldquo; Anfang September dann: &bdquo;Covid-19-Impfstoffe sch&uuml;tzen vor einem schweren Verlauf einer Infektion mit dem SARS-CoV-2 Virus.&ldquo; Neuerdings lautet die Sprachregelung: &bdquo;Covid-19-Impfstoffe sind <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20210923035157\/https:\/www.pei.de\/DE\/arzneimittel\/impfstoffe\/covid-19\/covid-19-node.html\">indiziert zur aktiven Immunisierung zur Vorbeugung<\/a> der durch das SARS-CoV-2 Virus verursachten Covid-19-Erkrankung.&ldquo; Das W&ouml;rtchen Schutz taucht schon gar nicht mehr auf. <\/p><p>Kann man Menschen ver&uuml;beln, angesichts all dieser Ungereimtheiten und Widerspr&uuml;che vor einer Impfung zur&uuml;ckzuschrecken? Und warum ist es praktisch oberste B&uuml;rgerpflicht, sich vor Corona zu &auml;ngstigen, w&auml;hrend Angst vor der Impfung, deren Nutzen gerade bei j&uuml;ngeren, gesunden Menschen &auml;u&szlig;erst zweifelhaft erscheint, fast wie ein Verbrechen ge&auml;chtet wird? In besagter Anfrage an HRK, KMK und Co. war dies mit Blick auf die Studierenden so formuliert: &bdquo;Sollte man entgegen ihrer &ouml;ffentlichen Stigmatisierung als &sbquo;unsolidarische Impfmuffel&lsquo; den Betroffenen nicht zugestehen beziehungsweise zutrauen, ihre pers&ouml;nliche Entscheidung auf Grundlage vernunftsgeleiteter Anschauungen und Einsch&auml;tzungen zu treffen?&ldquo; Erg&auml;nzend wurde dabei auf &bdquo;ernsthafte Impfnebenwirkungen und -sch&auml;den&ldquo; hingewiesen (Stichwort: Herzmuskelentz&uuml;ndungen), deren Zahl in dieser &bdquo;Altersgruppe durchaus besorgniserregend&ldquo; sei. <\/p><p><strong>BMBF: &bdquo;Niemand darf ausgeschlossen werden&ldquo;<\/strong><\/p><p>Nicht ein einziger der Adressaten ging auf diesen Einwand ein. Stattdessen hie&szlig; es seitens des BMBF lapidar: &bdquo;Die Impfung bietet den besten Schutz gegen eine Infektion. Wer sich trotzdem nicht impfen lassen m&ouml;chte oder sich nicht impfen lassen kann, kann sich testen lassen und auch auf diesem Weg an Pr&auml;senzveranstaltungen teilnehmen.&ldquo; Hallo! Welcher Student besitzt einen Goldesel? Noch einmal der BMBF-Sprecher: &bdquo;Aus unserer Sicht muss sichergestellt sein, dass niemand von Veranstaltungen ausgeschlossen wird.&ldquo; Deshalb sehe die Coronavirus-Testverordnung (TestV) in ihrer ab dem 11. Oktober 2021 geltenden Fassung vor, &bdquo;dass sich Studierende, die mit anderen als den in der EU zugelassenen Impfstoffen geimpft worden sind, auch k&uuml;nftig kostenlos testen lassen k&ouml;nnen&ldquo;. Noch einmal: Hallo! Geimpft und dann trotzdem Testzwang. Wo bleibt da die Gleichbehandlung? <\/p><p>Zumindest hat das Bundesministerium sich inhaltlich ge&auml;u&szlig;ert. Die Kultusminsterkonferenz wischte die Fragen kurzerhand weg. &bdquo;Die L&auml;nder gestalten den Zugang zu Pr&auml;senzveranstaltungen an Hochschulen auf der Grundlage der jeweiligen Corona-Schutzvorschriften und angepasst an die &ouml;rtlichen Verh&auml;ltnisse unterschiedlich aus. Zu den Details der Regelungen k&ouml;nnen die jeweiligen Wissenschaftsministerien in den L&auml;ndern gegebenenfalls Auskunft geben.&ldquo; Ende der Durchsage. Der Deutsche Hochschulverband verschanzt sich hinter Paragraphen: &bdquo;Vorherrschende Rechtsmeinung ist aber, dass Personen, die sich aus freien St&uuml;cken gegen eine Impfung entscheiden, Grundrechtsbeschr&auml;nkungen nach wie vor auferlegt werden k&ouml;nnen, wenn dadurch angesichts des anhaltenden Infektionsgeschehens die Funktionsf&auml;higkeit des Gesundheitssystems aufrechterhalten oder dessen Zusammenbruch abgewendet wird.&ldquo; <\/p><p><strong>Einlassb&auml;ndchen an Uni Hannover<\/strong><\/p><p>Ob die 3G-Regel vor dem Hintergrund der &bdquo;offensichtlich eingeschr&auml;nkten Schutzwirkung der Impfstoffe (&hellip;) nicht mindestens unangemessen, wenn nicht kontraproduktiv&ldquo; sei, und k&ouml;nnten wom&ouml;glich &bdquo;die ungeimpften &sbquo;Getesteten&lsquo; am Ende sogar die &sbquo;sicherste Bank&lsquo; sein&ldquo;, wollten die NachDenkSeiten weiter wissen. Eine Antwort gab es darauf von keiner Stelle. Vielmehr setzt man auch bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) neben besonderen Hygieneregeln auf das 3G-Konzept. Allerdings fordert ihr stellvertretender Vorsitzender, Andreas Keller, &bdquo;dass die Hochschulen Besch&auml;ftigten wie Studierenden kostenlose Test anbieten&ldquo;. Und beim DHV w&uuml;nscht man sich, dass f&uuml;r die Impfungen durch &bdquo;niedrigschwellige Angebote auf dem Campus&ldquo; geworben werde. &bdquo;Druck durch Stigmatisierung ist dagegen der falsche Weg.&ldquo; Der Zugang zur und der Aufenthalt in der Universit&auml;t &bdquo;m&uuml;ssen diskriminierungsfrei bleiben&ldquo;. Insofern sehe man auch &bdquo;die Kenntlichmachung des Impfstatus zum Beispiel durch Armb&auml;nder kritisch&ldquo;. <\/p><p>Deutsche Rektoren sind da weniger verbissen. Neben anderen Hochschulen setzt etwa die Leibniz Universit&auml;t Hannover darauf, Geimpfte und Genesene mit einem <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/niedersachsen\/hannover_weser-leinegebiet\/GEW-lehnt-Impf-Armbaender-an-Hannovers-Hochschulen-ab,armbaender100.html\">Armb&auml;ndchen<\/a> zu markieren, um damit die Einlasskontrollen zu beschleunigen und sicherzustellen, dass sich keine Ungeimpften ohne Test unters Volk mischen. Nach demselben Muster agieren unter anderem die Hochschule Hannover und der Campus Gummersbach der Technischen Hochschule K&ouml;ln. <\/p><p><strong>Zum Vergessen<\/strong><\/p><p>Diskriminierung, Stigmatisierung, Spaltung? Ach woher? Man lese das <a href=\"https:\/\/www.uni-hannover.de\/de\/universitaet\/profil\/leitbild-und-leitlinien\/leitbild\/\">Leitbild<\/a> der Leibniz-Uni: &bdquo;Wir verstehen Lehre als lebendigen und partnerschaftlichen Austausch zwischen Lehrenden und Lernenden. (&hellip;) Wir f&ouml;rdern eine Universit&auml;tskultur, die Freir&auml;ume f&uuml;r Kreativit&auml;t schafft, den Dialog belebt und die F&auml;cher vernetzt. In unserem universit&auml;ren Alltag legen wir Wert auf transparente Entscheidungen und Teilhabe aller.&ldquo; Noch Fragen? Ja, zum Beispiel geht das Vorgehen aus Sicht der GEW Niedersachsen zu weit. &bdquo;Eine &ouml;ffentlich sichtbare Kenntlichmachung geimpfter Personen lehnen wir ab. Der Schutz dieser sensiblen Informationen muss elementar sein&ldquo;, erkl&auml;rte Landeschefin Laura Pooth. <\/p><p>Und wer denkt an die, die kein B&auml;ndchen bekommen? Ein Sturm der Entr&uuml;stung erhob sich in den sozialen Netzwerken. Vergleiche mit der NS-Diktatur und dem Stigma des Judensterns wurden gezogen. &bdquo;Sollte man angesichts der deutschen Vergangenheit, die in ihren dunkelsten Zeiten Menschen nach rassenideologisch und anderen biologistischen Zuschreibungen &sbquo;markierte&lsquo; und trennte, nicht vorsichtiger sein mit auch nur im Entferntesten daran erinnernden Ma&szlig;nahmen?&ldquo;, hakten die NachDenkSeiten bei ihrer Anfrage nach. Und wieder nur: Beredtes Schweigen.  <\/p><p>Titelbild: Dragon Images \/ Shutterstock<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/2abb57266b0543d58ff1b4be91d322db\" alt=\"\" title=\"\" height=\"1\" width=\"1\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Endlich wieder Pr&auml;senzlehre an Deutschlands Universit&auml;ten nach 18 Monaten Homeoffice. Aber nicht f&uuml;r alle. Im neuen Wintersemester haben freiwillig Ungeimpfte gem&auml;&szlig; 3G-Regel nur Zutritt bei vorhandenem Goldesel. Mithin m&uuml;ssen deshalb Zehntausende junger Menschen ihr Studium hinschmei&szlig;en. Nach den Motiven ihrer Entscheidung fragt keiner, mag diese noch so begr&uuml;ndet und nachvollziehbar sein. 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