{"id":76851,"date":"2021-10-09T11:41:20","date_gmt":"2021-10-09T09:41:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=76851"},"modified":"2021-10-22T10:44:23","modified_gmt":"2021-10-22T08:44:23","slug":"der-friedensnobelpreis-als-treibsatz-zum-feindbildaufbau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=76851","title":{"rendered":"Der Friedensnobelpreis als Treibsatz zum Feindbildaufbau"},"content":{"rendered":"<p>Die Entscheidung des Nobel-Komitees zur Verleihung des Friedensnobelpreises an den russischen Journalisten Muratow zeigt das Elend unserer Zeit. Sie dient dem Aufbau des Feindbildes Russland und der Besch&ouml;nigung der Lage im Westen. Der Feindbildaufbau f&ouml;rdert die weitere Konfrontation und letztendlich die Gefahr einer schlimmen milit&auml;rischen Auseinandersetzung. Damit unterscheidet sich diese Preisverleihung deutlich von jener an Willy Brandt am 10. Dezember 1971. &ndash;  Mit Recht ist die Auszeichnung des russischen Journalisten ein Signal gegen den Mangel an Pressefreiheit in Russland. Damit wird aber zugleich die Lage im Westen besch&ouml;nigt &ndash; sozusagen in voller Anwendung des Wippschaukeleffektes, dieser professionell angewandten Methode der Manipulation. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Wie steht es denn um die Pressefreiheit in Deutschland, in Frankreich, in den USA?<\/strong><\/p><p>Wie steht es denn um die Freiheit von Assange und Snowden? Assange hat mit Wikileaks wesentlich dazu beigetragen, dass wir &uuml;ber die kriegstreibenden Aktivit&auml;ten unserer Regierungen mehr wissen. &bdquo;WikiLeaks enth&uuml;llte laut <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nils_Melzer\">Nils Melzer<\/a> (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/UN-Sonderberichterstatter_%C3%BCber_Folter\">UN-Sonderberichterstatter &uuml;ber Folter<\/a>) u. a. &bdquo;mutma&szlig;liche <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kriegsverbrechen\">Kriegsverbrechen<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Korruption\">Korruption<\/a>&ldquo;. So schreibt sogar Wikipedia. Deshalb wird er weggesperrt. Stattdessen h&auml;tte er mindestens genauso den Friedensnobelpreis verdient wie sein russischer Kollege. H&auml;tte das Nobel-Komitee sich zur Preisverleihung an Assange entschlossen, dann w&auml;re das vermutlich sogar ein lebensrettendes Signal gewesen. Und eine Hilfe zur richtigen Darstellung der Verh&auml;ltnisse im Westen sowieso.<\/p><p>Die westlichen Medien sind hochkonzentriert in wenigen H&auml;nden der Superreichen. Sie haben sich &ndash; &uuml;brigens einschlie&szlig;lich der &ouml;ffentlich-rechtlichen Sender &ndash; an die herrschende Linie der Politik angepasst und &ndash; mit wenigen Ausnahmen &ndash; jeglichen kritischen Biss eingeb&uuml;&szlig;t. Formal sind sie frei, formal gibt es die Pressefreiheit. Tats&auml;chlich nicht.<\/p><p>Wie wenig der Westen seine Sonntagsreden zu Freiheit und Pressefreiheit ernst nimmt, kann man im &Uuml;brigen auch daran sehen, dass kritische Medien verfolgt und ihre Produkte gel&ouml;scht werden. Dar&uuml;ber haben die NachDenkSeiten in den letzten Tagen des &Ouml;fteren berichtet.<\/p><p><strong>Vers&ouml;hnung ist angesagt und nicht die neue Konfrontation<\/strong><\/p><p>Um besser zu verstehen, wie sehr sich unsere Welt zum Schlechteren ver&auml;ndert hat, lohnt der R&uuml;ckblick auf die Nobelpreisverleihung an Willy Brandt.<\/p><p>In der Begr&uuml;ndung des Nobel-Komitees hei&szlig;t es: <\/p><blockquote><p>&ldquo;Bundeskanzler Willy Brandt hat als Chef der westdeutschen Regierung und im Namen des deutschen Volkes die Hand zu einer Vers&ouml;hnungspolitik zwischen alten Feindl&auml;ndern ausgestreckt. Er hat im Geiste des guten Willens einen hervorragenden Einsatz geleistet, um Voraussetzungen f&uuml;r den Frieden in Europa zu schaffen.&rdquo;<\/p><\/blockquote><p>Willy Brandt bekommt den Friedensnobelpreis am 10. Dezember 1971 in Oslo verliehen. Er antwortet in seiner Dankesrede: <\/p><blockquote><p>&ldquo;Die Ehre der Preisverleihung kann gewiss nur als eine Ermutigung meines politischen Strebens verstanden werden, nicht als ein abschlie&szlig;endes Urteil (&hellip;), und ich darf hinzuf&uuml;gen, wie viel es mir bedeutet, dass auf meine Arbeit im Namen des deutschen Volkes&acute; abgehoben wurde. Dass es mir also verg&ouml;nnt war, nach den unausl&ouml;schlichen Schrecken der Vergangenheit den Namen meines Landes und den Willen zum Frieden in &Uuml;bereinstimmung gebracht zu sehen.&rdquo;<\/p><\/blockquote><p>Am 11. Dezember 1971 h&auml;lt Brandt dann die eigentliche Dankesrede in der Osloer Universit&auml;t. Thema: Friedenspolitik in unserer Zeit. Kerns&auml;tze dieser Rede lauten: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Der Krieg darf kein Mittel der Politik sein. Es geht darum, Kriege abzuschaffen, nicht nur, sie zu begrenzen. Kein nationales Interesse l&auml;&szlig;t sich heute noch von der Gesamtverantwortung f&uuml;r den Frieden trennen. Jede Au&szlig;enpolitik mu&szlig; dieser Einsicht dienen. Als Mittel einer europ&auml;ischen und weltweiten Sicherheitspolitik hat sie Spannungen abzubauen und die Kommunikation &uuml;ber die Grenzen hinweg zu f&ouml;rdern.<br>\n&hellip;<br>\nFriedenspolitik ist eine n&uuml;chterne Arbeit. Auch ich versuche, mit den Mitteln, die mir zu Gebote stehen, der Vernunft in meinem Lande und in der Welt voranzuhelfen: Jener Vernunft, die uns den Frieden befiehlt, weil der Unfriede ein anderes Wort f&uuml;r die extreme Unvernunft geworden ist. Krieg ist nicht mehr die ultima ratio, sondern die ultima irratio. Auch wenn das noch nicht allgemeine Einsicht ist: Ich begreife eine Politik f&uuml;r den Frieden als wahre Realpolitik dieser Epoche. &hellip;<br>\nQuelle: <a href=\"https:\/\/www.willy-brandt-biografie.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Rede_Willy_Brandt_Nobelpreis_1971.pdf\">www.willy-brandt-biografie.de<\/a><\/p><\/blockquote><p>Inzwischen sind Kriege wieder Mittel der Politik geworden. Und selbst nach der offenbar gewordenen Katastrophe dieser milit&auml;risch orientierten Politik in Afghanistan meinen westliche Politikerinnen und Politiker weiter, Milit&auml;r, Aufr&uuml;stung und milit&auml;rische Eins&auml;tze seien ein wesentlicher Bestandteil der Politik.<\/p><p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/211009_am2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/211009_am2.jpg\" alt=\"\" width=\"768\" height=\"432\" class=\"aligncenter size-full wp-image-76853\" srcset=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/211009_am2.jpg 768w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/211009_am2-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/211009_am2-436x245.jpg 436w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/p><p>Die Verleihung des diesj&auml;hrigen Friedensnobelpreises h&auml;tte ein Signal daf&uuml;r sein k&ouml;nnen, zu begreifen und weiterzuverbreiten, dass wir Kriege vermeiden m&uuml;ssen, dass wir Vertrauen aufbauen m&uuml;ssen, statt Misstrauen zu s&auml;en. Die Verleihung des Friedensnobelpreises an den russischen Journalisten ist nett gedacht. Sie ist keine Hilfe bei der notwendigen Verst&auml;ndigung zwischen Europa und Russland.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Entscheidung des Nobel-Komitees zur Verleihung des Friedensnobelpreises an den russischen Journalisten Muratow zeigt das Elend unserer Zeit. Sie dient dem Aufbau des Feindbildes Russland und der Besch&ouml;nigung der Lage im Westen. Der Feindbildaufbau f&ouml;rdert die weitere Konfrontation und letztendlich die Gefahr einer schlimmen milit&auml;rischen Auseinandersetzung. Damit unterscheidet sich diese Preisverleihung deutlich von jener an<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=76851\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":76852,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,169,170,11],"tags":[681,329,2301,367,1415,259],"class_list":["post-76851","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuelles","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-friedenspolitik","category-strategien-der-meinungsmache","tag-assange-julian","tag-brandt-willy","tag-konfrontationspolitik","tag-nobelpreis","tag-pressefreiheit","tag-russland"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/211009_am.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/76851","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=76851"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/76851\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":76856,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/76851\/revisions\/76856"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/76852"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=76851"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=76851"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=76851"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}