{"id":77083,"date":"2021-10-18T08:45:45","date_gmt":"2021-10-18T06:45:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=77083"},"modified":"2021-10-18T16:56:45","modified_gmt":"2021-10-18T14:56:45","slug":"der-giffey-move-in-berlin-wie-eine-kaputte-stadt-ihre-regierung-gewaehlt-hat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=77083","title":{"rendered":"Der Giffey-Move in Berlin: Wie eine kaputte Stadt ihre Regierung gew\u00e4hlt hat"},"content":{"rendered":"<p>Nicht nur im Bund, sondern auch in Berlin sind bereits die Weichen f&uuml;r die k&uuml;nftigen Regierungskoalitionen gestellt worden. Und das anscheinend auch ziemlich reibungslos. Zuvor hatte sich der seit f&uuml;nf Jahren amtierende rot-rot-gr&uuml;ne Senat sozusagen stilgerecht mit einem Paukenschlag aus der alten Legislaturperiode verabschiedet. Denn die Wahlen verliefen teilweise irregul&auml;r. Wahllokale wurden zeitweilig geschlossen, weil Stimmzettel fehlten, in anderen wurden die falschen ausgegeben oder auch an nicht wahlberechtigte Personen. Auch Wahlbeteiligungen von bis zu 159 Prozent und zun&auml;chst auf der Basis von &bdquo;Sch&auml;tzungen&ldquo; &uuml;bermittelte Teilergebnisse erinnern eher an autokratische Systeme und Bananenrepubliken, als an den selbsternannten  globalen Tugendw&auml;chter der Demokratie, als der sich Deutschland gerne aufspielt. Von <strong>Rainer Balcerowiak<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8375\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-77083-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/211018_Der_Giffey_Move_in_Berlin_Wie_eine_kaputte_Stadt_ihre_Regierung_gewaehlt_hat_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/211018_Der_Giffey_Move_in_Berlin_Wie_eine_kaputte_Stadt_ihre_Regierung_gewaehlt_hat_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/211018_Der_Giffey_Move_in_Berlin_Wie_eine_kaputte_Stadt_ihre_Regierung_gewaehlt_hat_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/211018_Der_Giffey_Move_in_Berlin_Wie_eine_kaputte_Stadt_ihre_Regierung_gewaehlt_hat_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=77083-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/211018_Der_Giffey_Move_in_Berlin_Wie_eine_kaputte_Stadt_ihre_Regierung_gewaehlt_hat_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"211018_Der_Giffey_Move_in_Berlin_Wie_eine_kaputte_Stadt_ihre_Regierung_gewaehlt_hat_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Zwar k&ouml;nnte es aufgrund der Pannen sogar zu punktuellen Nachwahlen kommen, aber das Ergebnis w&uuml;rde das wohl nicht wesentlich &auml;ndern. Auf den ersten Blick haben die Berliner ein &bdquo;Weiter so&ldquo; gew&auml;hlt. Denn der &bdquo;rot-rot-gr&uuml;ne Block&ldquo; hat seinen Stimmenanteil sogar leicht erh&ouml;hen k&ouml;nnen, von 52,4 auf 54,3 Prozent. W&auml;hrend die SPD ihre Position halten konnte, legten die Gr&uuml;nen deutlich zu. Die Linke musste zwar Einbu&szlig;en hinnehmen, aber bei weitem nicht so dramatisch wie im Bund. Der b&uuml;rgerliche Block aus CDU und FDP hat dagegen nur um 0,9 auf 25,3 Prozent zugelegt. Gegen einen vermeintlichen Rechtsrutsch sprechen ferner die deutlichen Verluste der AfD, die 6,2 Prozent einb&uuml;&szlig;te und sich somit fast halbierte. Auch der mit &uuml;ber 57 Prozent der abgegebenen Stimmen erfolgreiche Volksentscheid der Initiative &bdquo;Deutsche Wohnen&amp;Co enteignen&ldquo; deutet auf eine progressive, eher linke Grundstimmung in der Stadt hin. <\/p><p>Auf der anderen Seite hatte sich in allen Vorwahlumfragen eine mehr oder weniger deutliche Mehrheit der W&auml;hler unzufrieden mit dem amtierenden Senat ge&auml;u&szlig;ert. Kein Wunder, denn die Stadt ist &ndash; salopp gesagt &ndash; ziemlich im Eimer. Verwaltung und B&uuml;rgerdienste sind in einem erbarmungsw&uuml;rdigen Zustand, der Stand der Digitalisierung ist eine Lachnummer, das Schulwesen pfeift ebenso auf dem letzten Loch wie das &ouml;ffentliche Gesundheitswesen und die Kliniken, die Verkehrspolitik droht im Chaos zu versinken, der &ouml;ffentliche Raum wird zunehmend versiffter. Und dann w&auml;re da noch der Wohnungsmarkt mit bis zu 100.000 fehlenden Wohnungen und 50-60.000 Wohnungslosen, die nur zum geringen Teil auf der Stra&szlig;e leben, sondern irgendwie prek&auml;r untergebracht sind. Nicht zu vergessen die weiterhin explodierenden Mieten, die im Wahlkampf eine wichtige Rolle spielten. Und an all diesen Missst&auml;nden haben f&uuml;nf Jahre &bdquo;Rot-Rot-Gr&uuml;n&ldquo; so gut wie nichts ge&auml;ndert. Aber wie passt das mit dem Wahlergebnis zusammen?<\/p><p>Schl&uuml;ssel ist die Entwicklung der SPD, die sich unter ihrer neuen Frontfrau Franziska Giffey seit deren Berufung zur Landesvorsitzenden deutlich von den Kernelementen rot-rot-gr&uuml;ner Politik abgesetzt hat. Und damit die in der Stadt weit verbreitete Unzufriedenheit mit der Regierungskoalition aufnahm und bediente. Nimmt man nicht die Wahlergebnisse von 2016, sondern die Umfragen zum Zeitpunkt der Giffey-Inthronisierung vor f&uuml;nf Monaten zum Ma&szlig;stab, dann ist ihre erfolgreiche Aufholjagd das eigentliche Erdbeben bei dieser Wahl. Denn im April 2021 lag die SPD bei 15 Prozent und jetzt erreichte sie 21,4 Prozent.<\/p><p><strong>Was ist Berlin? Und wenn ja, wie viele?<\/strong><\/p><p>Doch von welcher Stadt reden wir eigentlich? Als Kern Berlins gelten die innerst&auml;dtischen Stadtteile, die sich innerhalb des S-Bahn-Rings befinden. Dort leben rund 1,1 Millionen Menschen. Bekannt sind &bdquo;angesagte&ldquo; Stadtteile wie Kreuzberg, Friedrichshain, Prenzlauer Berg, Sch&ouml;neberg, Nord-Neuk&ouml;lln und nat&uuml;rlich der Bezirk Mitte, dessen Stadtteile Moabit und Wedding derzeit einen rasanten, quasi nachholenden Gentrifizierungsprozess durchlaufen. Und genau auf die Mehrheit bzw. eloquente Minderheit der Menschen in der Innenstadt war das &bdquo;rot-rot-gr&uuml;ne Projekt&ldquo; zugeschnitten: Zur&uuml;ckdr&auml;ngung des privaten PKW-Verkehrs, Ausbau der Fahrradinfrastruktur, Start-Up-Projekte, &bdquo;innovative&ldquo; Dienstleistungen, Klub- und andere Kultur, alternative und queere Lebensformen, B&uuml;rgerbeteiligung f&uuml;r die Lauten. Hier hat sich die riesige Blase von Lobbyverb&auml;nden und NGO&lsquo;s, Parteien und Verb&auml;nden mit ihren speziellen soziokulturellen Gewohnheiten in der N&auml;he des Regierungsviertels breitgemacht. <\/p><p>Hier wurden B&uuml;rgerinitiativen, Mietergruppen, von Verdr&auml;ngung bedrohte Hausgemeinschaften, Beratungsstellen f&uuml;r und gegen alles M&ouml;gliche etc. teilweise gro&szlig;z&uuml;gig alimentiert und in die rot-rot-gr&uuml;ne Blase integriert. Hier ist verabsolutierter Klimaschutz bei vielen eine Frage der Haltung und nicht des Geldbeutels. Hier kann man in vollen Z&uuml;gen die Prekarisierung des Arbeitsmarktes genie&szlig;en, denn &bdquo;Gorilla&ldquo; und &bdquo;Lieferando&ldquo; liefern feinste Bio-Lebensmittel und das Men&uuml; vom Lieblings-Italiener binnen k&uuml;rzester Zeit an die Wohnungst&uuml;r. An buchst&auml;blich jeder Ecke stehen E-Scooter, die nachts von unsichtbaren dienstbaren Geistern aufgesammelt und wieder aufgeladen werden. Und als es dem prek&auml;ren Heer der in der Innenstadt konzentrierten Soloselbstst&auml;ndigen in der Kultur-, Tourismus-, Dienstleistungs- und &bdquo;Kreativ&ldquo;-Branche in den Hochzeiten der Corona-Pandemie an den Kragen ging, wurden flugs ein paar Milliarden Euro ausgepackt und vergleichsweise unb&uuml;rokratisch mit der Gie&szlig;kanne verteilt, um dieses Klientel ruhigzustellen. Hier w&uuml;ten auch die Immobilienspekulanten wie in kaum einer anderen Gro&szlig;stadt, hier fand in den letzten 20-25 Jahren ein regelrechter Bev&ouml;lkerungsaustausch statt. Der Anteil der &bdquo;Alt-Berliner&ldquo; ist in vielen Innenstadtkiezen deutlich gesunken und liegt mittlerweile signifikant unter dem in den &auml;u&szlig;eren Bezirken &ndash; egal, ob im Osten oder Westen der Stadt.  <\/p><p>Ein Blick auf das aktuelle Wahlergebnis zeigt &uuml;berdeutlich, wer diese Gemengelage am besten repr&auml;sentiert. Die Gr&uuml;nen haben gewaltig abger&auml;umt. Innerhalb des S-Bahn-Rings gewann die Partei mehr als drei Viertel aller Direktmandate sowie die Mehrheiten in allen Bezirksparlamenten, in f&uuml;nf von zw&ouml;lf Berliner Stadtbezirken wird sie k&uuml;nftig den B&uuml;rgermeister oder die B&uuml;rgermeisterin stellen &ndash; bisher waren es nur zwei. Dagegen musste die SPD teilweise herbe Verluste hinnehmen &ndash; auf Landesebene blieb sie dagegen stabil. L&auml;ngst erstreckt sich die gr&uuml;ne Hegemonie nicht mehr nur auf die klassischen &bdquo;alternativen Kieze&ldquo;, auch im b&uuml;rgerlichen Charlottenburg konnte sie deutlich punkten. CDU und FDP haben im Innenstadtbereich wenig zu melden und die AfD sowieso nicht. Besonders krass ist die rot-rot-gr&uuml;ne Dominanz in Kreuzberg-Friedrichshain, wo dieser Block &uuml;ber 70 Prozent der Stimmen auf sich vereinte. Wenn man die eher linke Spa&szlig;partei &bdquo;Die PARTEI&ldquo;, die dort ebenfalls ins Bezirksparlament (daf&uuml;r betr&auml;gt die Sperrklausel nur drei Prozent) einzog, dazu z&auml;hlt, sind es sogar rund 75 Prozent.<\/p><p>Doch es gibt ein Problem. Denn in diesem Bereich leben zwar 1,1 Millionen Menschen, und rechnet man die engere Nachbarschaft jenseits des S-Bahn-Rings dazu, vielleicht 1,3 Millionen Menschen. Aber rund 2,4 Millionen Berliner leben dort nicht. Und die interessieren sich in ihrer &uuml;bergro&szlig;en Mehrheit nicht f&uuml;r w&ouml;chentliche &Ouml;kom&auml;rkte, Pop-Up-Radwege an den Hauptstra&szlig;en, ein ausgebautes Netz von Biol&auml;den, veganen Restaurants, Yoga-Studios und Privatschulen nebst gendergerechter Sprache in der Beh&ouml;rdenkommunikation. Hier gibt es keine Hoch-, Club- oder multikulturelle Kiezkultur, keine &bdquo;alternativen Freir&auml;ume&ldquo;, die es zu verteidigen und zu f&ouml;rdern gilt. Hier marodiert auch keine selbsternannte, eloquente &bdquo;diverse Stadtgesellschaft&ldquo;, die bei ihrem Bestreben, sich m&ouml;glichst viele Pfr&uuml;nde zu sichern, geh&auml;tschelt und gep&auml;ppelt werden muss. Eine gro&szlig;e Mehrheit der Nicht-Innenstadtbewohner hat sich daher nachvollziehbar gefragt: Was hat mir dieser rot-rot-gr&uuml;ne Senat eigentlich gebracht?<\/p><p>In den meisten Au&szlig;enbezirken ist die Antwort auf diese Frage negativ ausgefallen. Die AfD, ein zerstrittener Haufen, deren Premiumthema Fl&uuml;chtlinge zudem an stadtpolitischer Brisanz verloren hat, konnte von dieser Stimmung nicht profitieren, im Gegenteil. Zulegen konnte aber nicht nur die oppositionelle CDU, deren erstmaliger Sieg im stark von alten DDR-Plattenbausiedlungen gepr&auml;gten Bezirk Marzahn-Hellersdorf durchaus als Sensation gewertet werden kann, weil die Linke dort bislang auch mit Besenstielen als Kandidaten Erfolgschancen gehabt h&auml;tte. Doch wem der rot-rot-gr&uuml;ne Kurs nicht passt, der hatte diesmal auch eine weitere M&ouml;glichkeit, dem auf dem Stimmzettel Rechnung zu tragen. Er konnte die SPD w&auml;hlen, da deren neue Landeschefin Giffey recht &uuml;berzeugend versprochen hatte, als Regierende B&uuml;rgermeisterin zu den konservativen Wurzeln der schon immer recht speziellen Berliner Sozialdemokratie zur&uuml;ckzukehren.<\/p><p><strong>Giffey als Landesmutti f&uuml;r die Nicht-Hippen<\/strong><\/p><p>Giffey verk&ouml;rpert in erster Linie eine r&uuml;ckw&auml;rts gewandte Sehnsucht nach einer teilweise piefigen &bdquo;Normalit&auml;t&ldquo; und stellte Werte wie Sicherheit, Ordnung und Sauberkeit ins Zentrum ihrer Wahlaussagen. Sie k&uuml;hlte auch die Wunden der aufgebrachten Autofahrer und sicherte ihnen gleichberechtigte Teilnahme am Stadtverkehr zu. Sie kultivierte ihr Image als gleicherma&szlig;en zupackende wie empathische &bdquo;K&uuml;mmerin&ldquo;, das sie bereits in ihrer fr&uuml;heren Zeit als Bezirksb&uuml;rgermeisterin von Neuk&ouml;lln erfolgreich gepflegt hatte. Besuchern ihrer B&uuml;rgerdialoge und Veranstaltungen kann sie m&uuml;helos den Eindruck vermitteln, dass sie ihnen pers&ouml;nlich einen Teller Suppe einschenken w&uuml;rde, wenn es n&ouml;tig sein sollte. Eine Aura, der ihre Kontrahenten &ndash; au&szlig;er in den hippen Innenstadtbezirken &ndash; nichts entgegenzusetzen hatten. Ein urbaner Kultur-Citoyen wie der linke Spitzenkandidat Klaus Lederer passt genauso wenig in dieses Mehrheits-Berlin wie die gr&uuml;ne Lastenfahrrad-Prophetin Bettina Jarrasch, die sich bei ihrer Basis sogar daf&uuml;r entschuldigte, dass sie &ouml;ffentlich bekannt hatte, fr&uuml;her beim Kinderfasching als &bdquo;Indianerh&auml;uptling&ldquo; kost&uuml;miert gewesen zu sein. In woken Kreisen ein absolutes No Go und ein schlimmer Fall von &bdquo;kultureller Aneignung&ldquo;. Auch die in f&uuml;nf Jahren Opposition recht blasse CDU konnte Giffey nicht wirklich gef&auml;hrlich werden, zumal deren Spitzenkandidat Kai Wegner den meisten Berlinern schlicht unbekannt war.<\/p><p>Nach der Wahl hatte Giffey jede Menge Optionen f&uuml;r die Regierungsbildung. Ihr erkl&auml;rter Favorit war eine &bdquo;Ampel-Koalition&ldquo; mit Gr&uuml;nen und FDP. Doch darauf hatten die in Berlin im Vergleich zur Bundespartei etwas linkeren Gr&uuml;nen null Bock. Gelieb&auml;ugelt hatte Giffey auch mit einer &bdquo;Deutschland-Koalition&ldquo; mit CDU und FDP. Doch damit biss sie in ihrer ansonsten nahezu sklavisch folgsamen Partei auf Granit. Mit den Linken wollte sie eigentlich nicht, wohl wissend, dass ihr das viele der gewonnenen konservativen W&auml;hler auch ziemlich &uuml;belnehmen w&uuml;rden. Doch letztendlich hatte sie keine andere Wahl mehr. Und da die Linke flugs signalisierte, dass sie zum absoluten Schn&auml;ppchenpreis zu haben sei, blieben Giffey auch keine Ausfl&uuml;chte mehr. Denn die Linke hat bereits in den Sondierungen ihren einzigen Wahlschlager, das im Volksentscheid erfolgreiche Volksbegehren &bdquo;Deutsche Wohnen&amp;Co enteignen&ldquo;, elegant in die Tonne gekloppt. Und es ist auch klar, dass die Linke ihr Premiumressort (Stadtentwicklung und Wohnen) im neuen Senat nicht mehr besetzen darf, denn das sei jetzt &bdquo;Chefinnensache&ldquo;, so Giffey, der vor allem der Schulterschluss mit privaten Immobilienkonzernen am Herzen liegt.<\/p><p>Die am Freitag von SPD, Gr&uuml;nen und Linken beschlossenen &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/wochenende\/sondierungspapier-fuer-berlin-von-spd-gruenen-und-linken-breaking-news-li.189049\">Leitlinien f&uuml;r Koalitionsverhandlungen<\/a>&ldquo; enthalten daher au&szlig;er Sprechblasen kaum linke und auch nur wenig gr&uuml;ne Duftmarken. Alles soll besser und schneller gehen, vor allem das Bauen. Wirtschaft, Bildung, Tourismus und Kultur sollen bl&uuml;hen, Schulen, Krankenh&auml;user und B&uuml;rgerdienste wieder funktionieren und irgendwie soll es auch klimagerechter, sozialer und digitaler werden. F&uuml;r die nicht-hippe Berliner Volksseele gibt es zudem eine Prise Law and Order und den Weiterbau eines bislang von Gr&uuml;nen und Linken abgelehnten Autobahnabschnitts. <\/p><p>Was das alles f&uuml;r die strukturell dysfunktionale Stadt und ihre Spaltung in sich teilweise antagonistisch gegen&uuml;berstehenden soziokulturellen Lebenswelten bedeutet, wird man sehen. Nat&uuml;rlich wei&szlig; auch Giffey &ndash; eher Typ piefige Landesmutti &ndash; dass sie die &bdquo;gr&uuml;n-alternativ&ldquo; dominierte Innenstadt mit all ihren skurrilen Ausw&uuml;chsen weder ignorieren, noch einfach umpolen kann. Aber immerhin hat sie jetzt Balsam auf die Seele der &bdquo;Rest-Stadt&ldquo;, also der gro&szlig;en Mehrheit, geschmiert. <\/p><p>Einige Verlierer des Giffey-Moves stehen allerdings schon fest. Die Linke wird ihre Gier nach Senatsposten um jeden Preis teuer bezahlen m&uuml;ssen. Und das Vertrauen in die Demokratie d&uuml;rfte angesichts eines mit solider Mehrheit abgestimmten Volksentscheids f&uuml;r eine gemeinwohlorientierte Wohnungspolitik, der dann in den Schredder wandert, auch weiter schrumpfen. Noch kann Giffey das alles wegl&auml;cheln und wegmoderieren. Aber wie lange noch?    <\/p><p>Titelbild: Bjoern Deutschmann\/shutterstock.com<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/85da4253bb384c778a3e937292a1849b\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nicht nur im Bund, sondern auch in Berlin sind bereits die Weichen f&uuml;r die k&uuml;nftigen Regierungskoalitionen gestellt worden. 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