{"id":77138,"date":"2021-10-19T12:01:01","date_gmt":"2021-10-19T10:01:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=77138"},"modified":"2021-11-05T10:06:49","modified_gmt":"2021-11-05T09:06:49","slug":"ampel-sondierungsergebnisse-wo-bleibt-die-linke-handschrift","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=77138","title":{"rendered":"Ampel-Sondierungsergebnisse \u2013 wo bleibt die \u201elinke\u201c Handschrift?"},"content":{"rendered":"<p>Der frisch best&auml;tigte Unions-Fraktionschef Ralph Brinkhaus kommentierte die Sondierungsergebnisse von SPD, Gr&uuml;nen und FDP als &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/ralph-brinkhaus-sieht-strammste-linksagenda-seit-jahrzehnten-bei-ampel-parteien-a-9c1d53aa-f85d-45bb-bff4-0adcc8d3e91b\">strammste Linksagenda seit Jahrzehnten<\/a>&ldquo;. So viel Fehlsichtigkeit ist erstaunlich. Das <a href=\"https:\/\/www.spd.de\/fileadmin\/Dokumente\/Sonstiges\/20211015_Ergebnis_Sondierungen.pdf\">Sondierungspapier<\/a> verspricht eine moderne und digitalere Politik, sozialpolitische Akzente sind jedoch Mangelware. Es scheint vielmehr so, als habe sich die FDP hier auf ganzer Linie durchgesetzt. Von den roten Tupfern in den Programmen der SPD und der Gr&uuml;nen ist jedenfalls nicht viel &uuml;bergeblieben. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3886\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-77138-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/211019_Ampel_Sondierungsergebnisse_wo_bleibt_die_linke_Handschrift_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/211019_Ampel_Sondierungsergebnisse_wo_bleibt_die_linke_Handschrift_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/211019_Ampel_Sondierungsergebnisse_wo_bleibt_die_linke_Handschrift_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/211019_Ampel_Sondierungsergebnisse_wo_bleibt_die_linke_Handschrift_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=77138-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/211019_Ampel_Sondierungsergebnisse_wo_bleibt_die_linke_Handschrift_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"211019_Ampel_Sondierungsergebnisse_wo_bleibt_die_linke_Handschrift_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><em>Lesen Sie zum Sondierungspapier auch: Albrecht M&uuml;ller &ndash; &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=77103\">Systemwettbewerb &ndash; die Ampel f&auml;llt in den ideologischen Grabenkampf zur&uuml;ck<\/a>&ldquo;.<\/em><\/p><p>Um es vorwegzunehmen: Ein Sondierungspapier ist kein Koalitionsvertrag. Es beschreibt die Richtlinien, anhand derer die Detailfragen in den nun laufenden Koalitionsverhandlungen festgeschrieben werden. Nur in wenigen Punkten haben sich die drei regierungswilligen Parteien auf konkrete Punkte geeinigt. Viel bleibt schwammig, stellt eher eine Absichtserkl&auml;rung dar und ist streng genommen nicht mehr als eine Sprechblase. Wer will schon nicht die Kinderarmut bek&auml;mpfen, den sozialen Zusammenhalt st&auml;rken oder gerechte Renten zahlen? Wie man dies jedoch definiert, ist oft sehr subjektiv. Daher kann diese Analyse zum jetzigen Zeitpunkt auch nur vorl&auml;ufig sein. Manchmal ist es jedoch interessanter, auf die Punkte zu achten, die nicht angesprochen werden. Und davon gibt es im Sondierungspapier reichlich. <\/p><p>So sind die konkreten und die vagen Aussagen zur Klimapolitik sehr umfassend. Kein Wunder, galt dieses Thema doch im Wahlkampf und im Vorfeld der Sondierungen als einer der zentralen Stolpersteine f&uuml;r eine Zusammenarbeit zwischen den drei Parteien. Im Sondierungspapier gibt man sich tatkr&auml;ftig und fordert Anstrengungen, die alle Bereiche umfassen &ndash; vom Verkehr &uuml;ber Bauen und Wohnen, Stromerzeugung, Industrie bis Landwirtschaft. Es ist klar, dass mehr Klimaschutz in all diesen Sektoren nicht kostenlos zu haben ist. Doch wer bezahlt am Ende die Rechnung? Dazu schweigt das Papier. Das von den Gr&uuml;nen als zentrale Komponente zum sozialen Ausgleich bei der Energiewende und dem Klimaschutz entworfene <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=75589\">&bdquo;Energiegeld&ldquo;<\/a> ist beispielsweise nicht im Sondierungspapier aufgenommen worden. Und auch sonst fehlt jeglicher Hinweis darauf, wie die Ampel es hinbekommen will, dass die Kosten f&uuml;r den Klimaschutz nicht zu einer noch gr&ouml;&szlig;eren sozialen Schieflage f&uuml;hren. Lediglich vom geplanten Ende der Finanzierung der EEG-Umlage &uuml;ber den Strompreis ist im Papier die Rede. Zus&auml;tzliche Belastungen anderer Art f&uuml;r den Endverbraucher werden jedoch nicht einmal thematisiert. Dabei tr&auml;gt der Endverbraucher letzten Endes ohnehin die Mehrkosten aller Sektoren, sind diese doch in den Verbraucherpreisen enthalten. <\/p><p>Schwammig sind auch die Formulierungen zu Arbeitszeit und tariflichen Fragen. Man will mehr Flexibilit&auml;t erm&ouml;glichen, dies aber mit den Tarifpartnern &bdquo;weiterentwickeln&ldquo;. Dies soll dann zu fairen Bedingungen und fairen L&ouml;hnen f&uuml;hren. Das ist sicher gut f&uuml;r die Gewerkschaften, die mit am Tisch sitzen werden, aber schlecht f&uuml;r die Millionen Arbeitnehmer, deren Arbeitsverh&auml;ltnis nicht unter die klassische Tarifpartnerschaft f&auml;llt. Die Zweiklassen-Gesellschaft der Arbeitsvertr&auml;ge droht sich hier noch st&auml;rker zu fragmentieren. <\/p><p>Alles andere als &bdquo;links&ldquo; ist auch die umrissene Rentenpolitik. Positiv ist hier, dass die drei Parteien Rentenk&uuml;rzungen und eine Anhebung des Renteneintrittsalters kategorisch ausschlie&szlig;en. Daf&uuml;r will man jedoch &bdquo;langfristig&ldquo; in eine &bdquo;teilweise Kapitaldeckung&ldquo; der Gesetzlichen Rentenversicherung einsteigen. Der soll es nun erm&ouml;glicht werden, &bdquo;ihre Reserven am Kapitalmarkt reguliert anzulegen&ldquo;. Den Kapitalstock daf&uuml;r soll der Bund aus Haushaltsmitteln bereitstellen. Das wird vor allem bei BlackRock und Co. die Sektkorken knallen lassen, bieten diese Finanzkonzerne doch genau die ma&szlig;geschneiderten L&ouml;sungen an, mit denen eine Anlage der Reserven der Rentenversicherung verwirklicht werden kann. <\/p><p>Der echte Hauptgewinn f&uuml;r die Finanzkonzerne ist jedoch, dass die drei Koalitionspartner auch noch die private Altersvorsorge &bdquo;grundlegend reformieren&ldquo; und daf&uuml;r &bdquo;das Angebot eines &ouml;ffentlich verantworteten Fonds mit einem effektiven und kosteng&uuml;nstigen Angebot mit Abwahlm&ouml;glichkeit pr&uuml;fen&ldquo; wollen. W&auml;re das Sondierungspapier eine Ausschreibung, so k&ouml;nnte man sagen, dass diese Formulierung eins zu sein darauf abzielt, das von BlackRock und Co. eifrig in Br&uuml;ssel lobbyierte <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/BlackRocks-Angriff-auf-die-Rente-4635767.html\">&bdquo;PEPP&ldquo;<\/a> umzusetzen. Zu den Unterst&uuml;tzern dieses Modells z&auml;hlen &uuml;brigens nicht nur die FDP, sondern auch der Gr&uuml;nen-Politiker Sven Giegold, der an den Sondierungsgespr&auml;chen teilnahm. <\/p><p>Auf den ersten Blick positiv und l&ouml;blich klingt hingegen die Formulierung, man wolle Hartz IV durch ein B&uuml;rgergeld abl&ouml;sen. Wie dieses B&uuml;rgergeld jedoch aussehen soll, ist im Sondierungspapier nur vage umrissen. Man will jedenfalls an den &bdquo;Mitwirkungspflichten&ldquo; festhalten &ndash; doch eine Sozialleistung mit Sanktionsdrohung ist nun mal Hartz IV, egal welchen Namen man dem Kind gibt. Daf&uuml;r will man aber die Zuverdienstm&ouml;glichkeiten verbessern. Auch das klingt sicher f&uuml;r viele Betroffene erst einmal gut, ist jedoch auch eine Gefahr f&uuml;r den Missbrauch des B&uuml;rgergelds als eine Art zweiter Arbeitsmarkt, um sozialversicherungspflichtige Arbeitsverh&auml;ltnisse, die besonderen Schutz genie&szlig;en, zu umgehen. Hier wird man abwarten m&uuml;ssen, wie dieses Modell im Koalitionsvertrag konkreter definiert wird.<\/p><p>Erstaunlich vage bleiben die drei Verhandlungspartner auch bei der nicht eben unwichtigen Frage, wer die ganzen Kosten f&uuml;r die gemeinsamen Pl&auml;ne &ndash; insbesondere der Energiewende &ndash; bezahlen soll. Man will keine Substanzsteuern einf&uuml;hren und weder Einkommen-, noch Unternehmens- oder Mehrwertsteuer erh&ouml;hen. An der Schuldenbremse will man aber auch festhalten. Das Papier erweckt jedoch aufgrund der gew&auml;hlten Formulierung den Verdacht, dass man die Schuldenbremse unter Verweis auf den Investitionscharakter bestimmter Ausgaben umgehen will. Das ist ja auch nicht falsch. Letztlich f&uuml;hrt das jedoch zu einer noch gr&ouml;&szlig;eren Unterscheidung der Ausgaben. Die &bdquo;guten&ldquo; Ausgaben sind Investitionen und k&ouml;nnen abseits der Schuldenbremse finanziert werden, die &bdquo;b&ouml;sen&ldquo; Ausgaben sind Konsum und d&uuml;rfen nicht &uuml;ber das erlaubte Ma&szlig; steigen. Nat&uuml;rlich fallen dann z.B. alle Sozialausgaben unter die letztere Kategorie und stehen damit unter Finanzierungsvorbehalt. Die Schuldenbremse wird dadurch letztendlich vor allem eine &bdquo;Ausrede&ldquo; sein, um bestimmte Ausgaben zu k&uuml;rzen, die vor allem den B&uuml;rgern zugutekommen, die sozio&ouml;konomisch nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. <\/p><p>Was an all diesen Punkten so f&uuml;rchterlich &bdquo;links&ldquo; sein soll, wei&szlig; daher wohl auch nur die CDU. Ein denkbares Sondierungspapier zwischen der SPD und den Unionsparteien h&auml;tte in nahezu allen Punkten sehr &auml;hnlich ausgesehen. Bleibt am Ende nur noch der einzige Punkt, der sofort ins Auge sticht: Die Ampelparteien wollen den Mindestlohn sofort auf 12 Euro erh&ouml;hen. Das ist zwar immer noch zu wenig, aber gemessen an den Umst&auml;nden sicher der wohl positivste Punkt des gesamten Sondierungspapiers. Zu einer &bdquo;strammen Linksagenda&ldquo; macht dies das Papier jedoch ganz sicher nicht. <\/p><p>Titelbild: monticello\/shutterstock.com<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/919c6b7005b8494281cae87a43800ede\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der frisch best&auml;tigte Unions-Fraktionschef Ralph Brinkhaus kommentierte die Sondierungsergebnisse von SPD, Gr&uuml;nen und FDP als &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/ralph-brinkhaus-sieht-strammste-linksagenda-seit-jahrzehnten-bei-ampel-parteien-a-9c1d53aa-f85d-45bb-bff4-0adcc8d3e91b\">strammste Linksagenda seit Jahrzehnten<\/a>&ldquo;. So viel Fehlsichtigkeit ist erstaunlich. Das <a href=\"https:\/\/www.spd.de\/fileadmin\/Dokumente\/Sonstiges\/20211015_Ergebnis_Sondierungen.pdf\">Sondierungspapier<\/a> verspricht eine moderne und digitalere Politik, sozialpolitische Akzente sind jedoch Mangelware. 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