{"id":77224,"date":"2021-10-22T12:00:42","date_gmt":"2021-10-22T10:00:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=77224"},"modified":"2021-10-22T20:53:33","modified_gmt":"2021-10-22T18:53:33","slug":"bericht-vom-weltkongress-des-international-peace-bureau-ipb-reimagine-our-world-action-for-peace-and-justice","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=77224","title":{"rendered":"Bericht vom Weltkongress des International Peace Bureau (IPB). (Re)Imagine our World: Action for Peace and Justice!"},"content":{"rendered":"<p>Das Folgende ist der Bericht des Gesch&auml;ftsf&uuml;hrers des Internationalen Friedensb&uuml;ros (IPB), Reiner Braun, &uuml;ber den Weltkongress des IPB, der vom 15. bis 17. Oktober in Barcelona stattfand. <strong>Reiner Braun<\/strong> war ma&szlig;geblich an der Organisation des Kongresses beteiligt. Hier sein Res&uuml;mee. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong><em>Was f&uuml;r ein Kongress!!!<\/em>  Ann&auml;herung an eine Auswertung.<\/strong><\/p><p>Mehr als 900 Teilnehmer:innen pr&auml;sent in Barcelona und mehr als 1.700 online zeigt das gewaltige internationale Interesse an diesem Friedensweltkongress.<\/p><p>Es war der richtige Kongress, zur richtigen Zeit, in der richtigen Stadt.<\/p><p>Barcelona zeigte sich durch die Tagungsorte Universit&auml;t und Kongresszentrum als gro&szlig;artiger Tagungsort, aber ganz besonders durch die friedenspolitisch gepr&auml;gten Er&ouml;ffnungsreden der B&uuml;rgermeisterin von Barcelona, Ada Colau, und des Pr&auml;sidenten von Katalonien, Peres Aragones. Deutliche Worte f&uuml;r mehr aktives st&auml;dtisches und Regierungsengagement f&uuml;r den Frieden. Eine eindringliche Aufforderung zur Kooperation, nur so kann die planetarische Krise &uuml;berwunden werden.<\/p><p>Die aktuelle politische Situation, besonders die wahnsinnige Aufr&uuml;stung, die Konfrontation, aber auch die Umwelt-Katastrophe und die dramatische soziale weltweite Ungerechtigkeit erforderten klare friedenspolitische Antworten der Kooperation und der Abr&uuml;stung. Die Abschaffung aller Atomwaffen stand genauso im Mittelpunkt wie die Herausforderungen der Klimaver&auml;nderungen und die soziale Gerechtigkeit in ihrer ganzen Vielfalt. Das Programm und die Rednerinnen und Redner widerspiegelten diese Vielfalt, diese Unterschiedlichkeit der Zug&auml;nge zum Friedensthema. Die aktuelle Pandemie-Situation machte die Vorbereitung und Durchf&uuml;hrung schwierig und verhinderte die pr&auml;sente Teilnahme aus verschiedenen Teilen der Welt. Die Online-Pr&auml;senz half, aber sie ersetzt niemals das pers&ouml;nliche Treffen!<\/p><p>Die Atmosph&auml;re der Solidarit&auml;t im gemeinsamen Ringen um Frieden in seiner ganzen Vielfalt pr&auml;gte diesen emotionalen, aber auch politischen und begeisternden Kongress. Der Kongress spr&uuml;hte vor Energie: Er hatte und er gab Energie!<\/p><p>Es war das Argument, es war das Miteinander, das gemeinsame und das Suchen nach mehr Aktionen, die sich in den Plenarvortr&auml;gen und den &uuml;ber 50 Arbeitsgruppen widerspiegelten.<\/p><p>Friedenspolitik ist Umweltpolitik und Klimagerechtigkeit &ndash; wer konnte das &uuml;berzeugender darstellen als Vandana Shiva. Die Herausforderungen der Klimagerechtigkeit, was weit mehr ist als &bdquo;die Klimaerw&auml;rmung in den Griff zu bekommen&ldquo;, durchzog den Kongress in den Plenar- und Arbeitsgruppen. Das Ende von Hunger und Armut ist zentrale Notwendigkeit, wenn Gerechtigkeit das Ziel ist. Es gibt keine Gerechtigkeit ohne Frieden und keinen Frieden ohne Gerechtigkeit, diese Gedanken von Sharan Burrow, Generalsekret&auml;rin des Weltgewerkschaftsbundes, und von Lula da Silva, dem ehemaligen und hoffentlich neuen Pr&auml;sidenten von Brasilien, waren pr&auml;gend, beeindruckend und verdeutlichen die dramatischen Gefahren, denen Mensch und Natur gegen&uuml;berstehen. Dies alles verlangt ultimativ die Abschaffung aller Atomwaffen. Wer konnte dieses eindrucksvoller zum Ausdruck bringen als Beatrice Finn von ICAN und Wada Masako, &Uuml;berlebende aus Hiroshima. Die Gefahren der Konfrontation dieser Welt wurden intensiv u.a. durch Zhao Tong aus China und Alexey Gromyko verdeutlicht sowie besonders von Noam Chomsky in seinem Video unterstrichen.<\/p><p>Der Kongress war jung und weiblich, er wurde dominiert von der jungen Generation auch als Rednerinnen und Rednern, 40% waren unter 40 Jahre. Stellvertretend f&uuml;r viele sei nur an die beeindruckenden Beitr&auml;ge von Amani Aruri aus Pal&auml;stina, von A-Young Moon aus S&uuml;d-Korea, von Vanda Proskova aus der Tschechischen Republik und von Shristy Aware aus Indien erinnert. Das IPB Jugendnetzwerk war ein unverzichtbar wichtiger Teil dieses Kongresses.<\/p><p>Unverzichtbar f&uuml;r den Kongress und seine gro&szlig;e Ausstrahlungskraft waren sicher die Beitr&auml;ge von Bina Nepram aus Indien zu Repressionen gegen Indigene, von Shirine Jurdi aus dem Libanon zur Situation in ihrem Land und von Lisa Linda Natividad  aus Guam zu US-Milit&auml;rbasen.<\/p><p>Die genannten Namen sind eine Auswahl aus der Vielzahl gro&szlig;er und inhaltsreicher Beitr&auml;ge auf diesem Kongress der Solidarit&auml;t und der Gemeinsamkeiten. Vielleicht sind gerade die nicht Genannten die, die am meisten beigetragen haben!<\/p><p>Die &uuml;ber 50 Arbeitsgruppen &ndash; hybrid durchgef&uuml;hrt &ndash; brachten nicht nur eine beeindruckende Vielzahl von Argumenten und Fakten f&uuml;r den Frieden zusammen, sie analysierten, erarbeiteten aber vor allem Strategien f&uuml;r eine friedlichere Entwicklung der Welt. Stellvertretend seien nur die &Uuml;berlegungen f&uuml;r eine Neuformulierung der Politik der gemeinsamen Sicherheit genannt. Die ungeheure argumentative Wucht dieser vielf&auml;ltigen Arbeitsgruppen pr&auml;gten Inhalt und Klima des Kongresses.<\/p><p>Die Arbeitsgruppen waren aber auch technisch eine besondere Herausforderung. &Uuml;ber 50 Arbeitsgruppen hybrid, davon immer mindestens 15 parallel &ndash; wann hat es das auf einem Friedenskongress gegeben. Technologisch &ndash; auch durch die vielf&auml;ltigen Videos und Zoom-Einblendungen war der Kongress top &ndash; ein hoffentlich nachahmenswertes Beispiel f&uuml;r die Zukunft gro&szlig;er hybrider internationaler Kongresse, selbst wenn noch mehr Pr&auml;senz (was wegen Corona dieses Mal nicht m&ouml;glich war) f&uuml;r noch mehr Lebendigkeit sorgen kann.<\/p><p>Das Pr&auml;gende der Beitr&auml;ge war sicher: Wir brauchen &ndash; ganz im Sinne des Titels des Kongresses (Re)Imagine &ndash; our World: Actions for Peace and Justice, Aktionen f&uuml;r Frieden und Gerechtigkeit.<\/p><p>Mehr Aktionen, eine St&auml;rkung, Erneuerung und Wiederbelebung der Friedensbewegung, das ist die zentrale Herausforderung. Ohne mehr Aktionen, ohne mehr Engagement keinen Frieden und Abr&uuml;stung, keine Reduzierung der dramatischen Kriegsgefahren! Wir brauchen mehr Friedenserziehung &uuml;berall an den Schulen und Universit&auml;ten. Ohne umfassende Rechte f&uuml;r indigene V&ouml;lker, ohne L&ouml;sung der mehr als 300 bewaffneten Konflikte durch zivile Ma&szlig;nahmen werden wir nicht zu einem umfassenden Frieden gelangen. Frieden ohne Emanzipation, ohne eine aktive und unverzichtbare Rolle der Frauen wird es nicht geben. Dieser Gedanke durchzog den ganzen Kongress, auch dank der gro&szlig;en aktiven Teilnahme vieler engagierter Frauen.<\/p><p>Der Kongress stellte sich in vielf&auml;ltiger Weise dieser Herausforderung, in den Plena, besonders im Round Table und im Schussplenum. Aber auch in den 18 Videos, die die gro&szlig;e internationale Unterst&uuml;tzung f&uuml;r diesen Weltfriedenskongress verdeutlichten.<\/p><p>Seinen intensiven Widerhall fand diese Notwendigkeit des Engagements f&uuml;r den Frieden in den Dokumenten, die auf dem Kongress vorgestellt wurden:<\/p><ul>\n<li>Der IPB Appeal from Barcelona to the world, to all Peace Movements and Shapers of the Future<\/li>\n<li>Dem Statement: Indigenous Peoples Declaration at the Second World Peace Congress.<\/li>\n<li>Dem Dokument zu und &uuml;ber die Mittelmeer Region: Mediterranean Forum Plan<\/li>\n<li>Und der beeindruckenden Pr&auml;sentation des IPB Youth Networks.<\/li>\n<\/ul><p>(Alle k&ouml;nnen auf der Webseite von IPB im Detail eingesehen werden, <a href=\"http:\/\/www.ipb.org\">www.ipb.org<\/a>)<\/p><p>Zusammengefasst wurden alle diese vielf&auml;ltigen Aktionen in dem IPB-Aktionsplan f&uuml;r die n&auml;chsten Jahre, detailliert f&uuml;r die verschiedenen Friedenssektionen von Abr&uuml;stung &uuml;ber Atomwaffen bis hin zu R&uuml;stungsexport und einer intensiven Koalitionsbildung. Betont wird in dem Aktionsplan besonders die Vernetzung des Friedensthemas mit den Herausforderungen der Klimaver&auml;nderung und der globalen Gerechtigkeit. Klar war f&uuml;r alle &ndash; offline und online &ndash; es wird einen neuen 3. IPB-Weltkongress geben.<\/p><p>Viele Aktionen sind vorgesehen, von einem Friedenskongress zu Frieden und Gerechtigkeit im und um die Mittelmeerregion bis hin zur Beteiligung an den Protestaktionen aus Anlass des 50. Jahrestages des ersten UN-Umweltgipfels und des 30. Jahrestages der Nachhaltigkeitskonferenz von Rio de Janeiro sowie des Weltsozialforums im Mai in Mexiko und des NATO-Gipfels im Juno in Spanien.<\/p><p>IPB, ja die gesamte internationale Friedensbewegung, die in einer beeindruckenden Vielfalt und Breite &ndash; trotz aller Pandemieeinschr&auml;nkungen &ndash; online und offline pr&auml;sent war, hat sich ein ambitioniertes Programm vorgenommen.<\/p><p>Die Notwendigkeit zur&uuml;ckzukehren zu einer Politik der gemeinsamen Sicherheit 40 Jahre nach dem ersten Olof Palme verlangt ultimativ Kooperation, Dialog und Verhandlungen, und gegenseitiges Verstehen. IPB wird gemeinsam mit dem Olof Palme Center und ITUC gerade nach diesem erfolgreichen Kongress pushen f&uuml;r diese &Uuml;berlebensidee. Konzepte wie z.B. die Vorschl&auml;ge des UN-Generalsekret&auml;rs, vom IPCC, der new social contract vom ITUC, die durchaus mit Schw&auml;chen versehenen SDG der UN zeigen die Richtung. Es fehlt der politische Wille so gut wie aller politischer F&uuml;hrer der Welt. Wir brauchen mehr Aufkl&auml;rung, mehr Information, mehr Bewegung, mehr Aktionen f&uuml;r Abr&uuml;stung und eine gro&szlig;e sozial-&ouml;konomische Transformation, was f&uuml;r mich ist die partizipative Revolution des 21. Jahrhunderts. Sage bitte keiner, es sei kein Geld vorhanden, solange wir 2 Billionen Dollar jedes Jahr f&uuml;r R&uuml;stung ausgeben und das 1% reicher ist als 2\/3 der Menschheit. <\/p><p>Alles dies war nur m&ouml;glich durch die gro&szlig;en finanziellen Unterst&uuml;tzungen durch politische Stiftungen (besonders RLS und Transform), durch die Stadt Barcelona und die Regierung von Katalonien sowie durch die internationalen Gewerkschaften &ndash; herzlichen Dank.<\/p><p>M&ouml;glich machte diesen Kongress aber das unerm&uuml;dliche Engagement der beiden vorbereitenden IPB-B&uuml;ros in Berlin und Barcelona und der vielen Helferinnen und Helfer, die diesen Kongress organisatorisch absicherten, aber besonders auch f&uuml;r die wahnsinnig beeindruckende positive Atmosph&auml;re des Kongresses beitrugen.<\/p><p>Es war ein Kongress des Aufbruchs, der Zukunftsgestaltung, der Verantwortung von uns f&uuml;r die Rettung des Planeten und eine Kultur des Friedens. Hoffnungen auf mehr friedenspolitisches Engagement weltweit und mehr und gr&ouml;&szlig;ere Aktionen sind notwendig, denn wir stehen zugespitzter als vielleicht jemals vor der Alternative: Untergang und Barbarei oder Humanit&auml;t und Frieden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Folgende ist der Bericht des Gesch&auml;ftsf&uuml;hrers des Internationalen Friedensb&uuml;ros (IPB), Reiner Braun, &uuml;ber den Weltkongress des IPB, der vom 15. bis 17. Oktober in Barcelona stattfand. <strong>Reiner Braun<\/strong> war ma&szlig;geblich an der Organisation des Kongresses beteiligt. 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