{"id":77424,"date":"2021-10-29T09:17:09","date_gmt":"2021-10-29T07:17:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=77424"},"modified":"2021-10-29T11:13:24","modified_gmt":"2021-10-29T09:13:24","slug":"schuldenbremse-sozialabbau-und-privatisierung-als-verfassungsauftrag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=77424","title":{"rendered":"Schuldenbremse: Sozialabbau und Privatisierung als Verfassungsauftrag"},"content":{"rendered":"<p>Den untenstehenden Text hat der Verfasser <strong>Mohssen Massarrat<\/strong> bereits im Juni 2018 ver&ouml;ffentlicht. Aus aktuellem Anlass hat er den Text mit einem aktualisierten Nachtrag zur Wiederver&ouml;ffentlichung freigegeben.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Schuldenbremse: Sozialabbau und Privatisierung als Verfassungsauftrag<\/strong>[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]<br>\n<em>Von Mohssen Massarrat<\/em><\/p><p>Die Schuldenquote ist in Deutschland seit 1975 von 20 Prozent kontinuierlich auf 40 Prozent in 1992, beinahe auf 60 Prozent in 2002 und auf 81 Prozent in 2010 gestiegen. Sie sank erst in 2016, nicht zuletzt als Folge der Schuldenbremse auf 71 Prozent. Bei n&auml;herem Hinsehen stellt sich die steigende Staatsverschuldung &ndash; wie &uuml;brigens auch die steigende Massenarbeitslosigkeit, sinkende Lohnquote, eine von unten nach oben erfolgte Einkommensumverteilung und eine dramatische Aufbl&auml;hung des spekulativen Finanzsektors<b> &ndash; <\/b>als ein pr&auml;gnantes Indiz des historischen Systemwechsels vom keynesianischen zum neoliberalen Kapitalismus dar. Denn nicht nur in Deutschland, sondern in allen wichtigen kapitalistischen Staaten ist die Schuldenquote seit 1975 bis 2016 sprunghaft angestiegen: in den USA von 38 auf &uuml;ber 100 Prozent, in Gro&szlig;britannien von 20 auf 85 Prozent, in Frankreich von 18 auf &uuml;ber 100 Prozent und in Japan sogar von 30 auf 240 Prozent. Nach vier Dekaden neoliberaler Wirtschaftspolitik muss gefragt werden, warum der keynesianische Staat mit seinen enormen Ausgaben f&uuml;r den Aufbau des Wohlfahrtstaates und den Wiederaufbau der Infrastruktur nach der fl&auml;chendeckenden Zerst&ouml;rung durch den zweiten Weltkrieg mit einer signifikant niedrigeren Schuldenquote auskam als der neoliberale Staat.<\/p><p>Keine Frage, die Verschuldung ist ein grunds&auml;tzlich sinnvoller Mechanismus zur Mobilisierung gesellschaftlicher Ressourcen f&uuml;r die Wohlstandsvermehrung. Sie kann allerdings auch, wie dies in der Geschichte oft vorgekommen ist, zu Knechtschaft und Sklaverei f&uuml;hren, wenn die Geldverleiher zu m&auml;chtig werden und eine Monopolposition erlangen. Die kreditfinanzierte Staatsausgabenpolitik im keynesianischen Zeitalter hatte &uuml;ber weite Strecken tats&auml;chlich zur Wohlstandsvermehrung beigetragen, sie war sogar der Haupthebel zur Mobilisierung von brach liegenden Ressourcen. Die Kreditnehmer haben mit Hilfe der &ouml;ffentlichen Kredite hinreichend Wachstum generiert, die Schulden zur&uuml;ckbezahlt und auch zu steigendem Steueraufkommen beigetragen. Dieser produktive Geld-, Besch&auml;ftigungs- und Wachstumskreislauf sorgte in den Nachkriegsjahren daf&uuml;r, dass die Schuldenquote sich in allen gro&szlig;en kapitalistischen Staaten &uuml;ber einen l&auml;ngeren Zeitraum zwischen 5 und 30 Prozent bewegte und das, obwohl gerade zu jener Zeit der Finanzbedarf des Staates angesichts der gigantischen Aufgaben zum Aufbau der zerst&ouml;rten Infrastruktur wie Autobahnen, Stra&szlig;en, Br&uuml;cken, Eisenbahnschienen, Wasser- und Energieversorgungseinrichtungen als vergleichsweise sehr hoch unterstellt werden muss. Dieses in sich relativ stabile Verh&auml;ltnis zwischen Staatsausgaben und Staatseinnahmen geriet jedoch ins Stocken, als in den 1980er Jahren das Wachstum in den hoch entwickelten Industriestaaten an &ouml;kologische Grenzen stie&szlig;. Weitere &ouml;ffentliche Kredite konnten nicht zu mehr Wachstum und Besch&auml;ftigung f&uuml;hren und auch nicht ein zus&auml;tzliches Steueraufkommen generieren. Die Staatsverschuldung stieg folgerichtig am Ende der 1980er Jahre in allen kapitalistischen Staaten geringf&uuml;gig an.<\/p><p><b>Vorwand Generationengerechtigkeit<\/b><\/p><p>Hatten neoliberale &Ouml;konomen und Politiker den beinahe vernachl&auml;ssigbaren Anstieg der Staatsverschuldung in den 1980er Jahren zum Anlass genommen, um die keynesianische Staatsausgabenpolitik frontal anzugreifen, so ebneten sie mit ihren Konzepten selbst den Weg f&uuml;r einen ungebremst &uuml;ber mehrere Jahrzehnte andauernden Anstieg der Staatsverschuldung. Tats&auml;chlich hatte sich die steigende Staatsverschuldung als ein wirkungsvolles Instrument erwiesen, den massiven Sozialabbau &ndash; das eigentliche Ziel neoliberaler Strategie &ndash; nunmehr unter dem Vorwand &bdquo;Generationengerechtigkeit&ldquo; moralisch zu rechtfertigen. Hans Eichel, der Finanzminister der rot-gr&uuml;nen Bundesregierung (1999-2005), begann mit dem Slogan, <i>die Staatsverschuldung sei das &bdquo;Unsozialste&ldquo;, was es &uuml;berhaupt g&auml;be,<\/i> den Sozialstaat umzukrempeln und sozialstaatliche Errungenschaften, die nach dem Krieg geschaffen worden waren, eine nach der anderen abzuschaffen. In der Tat war es mit dem Spaltungsinstrument und dem Ausspielen der j&uuml;ngeren gegen die &auml;lteren Generationen m&ouml;glich, die Gewerkschaften und Sozialverb&auml;nde in ihrem Kampf gegen Sozialabbau moralisch zu entwaffnen und die rot-gr&uuml;ne Agenda-2010-Politik samt Hartz-IV-Gesetzen auf der ganzen Linie durchzusetzen.<\/p><p>Der neue Staatspr&auml;sident Frankreichs scheint offensichtlich die deutsche Agenda-Politik des Sozialabbaus kopieren zu wollen. Denn er hat gleich nach seiner Wahl durch Senkung der Unternehmenssteuer und die dadurch verursachte Hinnahme steigender Staatsverschuldung den auch in Deutschland erfolgreich eingesetzten Mechanismus f&uuml;r einen fl&auml;chendeckenden Sozialabbau und die Aufhebung der gesetzlichen 35-Stundenwoche aktiviert. Haushaltssanierung und Abbau der Staatsverschuldung unter dem Vorwand &bdquo;Gerechtigkeit gegen&uuml;ber der j&uuml;ngeren Generation&ldquo;, das ist auch in Frankreich eine wirkungsm&auml;chtige propagandistische &rsquo;Waffe&rsquo;, um den Widerstand vieler Franzosen gegen Macrons angebliches Modernisierungsprojekt zu brechen und Jung gegen Alt, weniger Entschlossene gegen stark Entschlossene aufzuwiegeln und zu spalten. Das moralische Potential dieser &rsquo;Waffe&rsquo; ist stark genug, um einen Teil der arbeitenden Bev&ouml;lkerung dazu zu bringen, letztlich sogar f&uuml;r Macron und gegen ihre eigenen Interessen zu handeln.<\/p><p>Die Konstruktion der vermeintlichen Interessensgegens&auml;tze zwischen Jung und Alt lenkt jedoch nicht nur auf hinterlistige Weise von den wahren Ursachen steigender Staatsverschuldung ab, sondern sie verschleiert auch, dass hinter der Doppelstrategie &ndash; steigende Staatsverschuldung und Sozialabbau &ndash; eine gigantische Umverteilung zwischen Besitzlosen und Besitzenden stattfindet, deren Opfer sowohl &auml;ltere wie j&uuml;ngere Generationen sind. W&uuml;rde man vor diesem Hintergrund zu weit gehen anzunehmen, dass die neoliberale Elite die Doppelstrategie bisher durchaus bewusst vorangetrieben hat?<\/p><p><b>Warum Schuldenbremse?<\/b><\/p><p>Die Regulierung der Staatsverschuldung ist grunds&auml;tzlich ein richtiger Ansatz zur Eingrenzung einer verschwenderischen &ouml;ffentlichen Kreditaufnahme, genauso wie die Staatsverschuldung und die kreditfinanzierten Staatsausgaben selbst ein wirksames wirtschaftspolitisches Instrument zur Wohlstandmehrung einer Gesellschaft sein k&ouml;nnen. Ohne verbindliche Regulierung und Festlegung von Obergrenzen f&uuml;r die Staatsverschuldung w&auml;re beispielsweise der jeweiligen Regierung &uuml;berlassen, sich aus Eigeninteresse und zur Deckung unproduktiver Ausgaben oder Vergabe von Wahlschenkungen zu verschulden. &Ouml;konomisch wird eine Neuverschuldung auch in der Tat kontraproduktiv, sobald der dadurch entstandene Schuldendienst die durch Neuwertsch&ouml;pfung erzielten zus&auml;tzlichen Steuereinnahmen &uuml;bersteigt. Diese Einsicht bildet deshalb auch die Grundlage eines partei&uuml;bergreifenden Konsenses in den parlamentarisch demokratischen Gesellschaften, die Regulierung der Staatsschulden in der Verfassung zu verankern. So wurde in der alten Fassung des Grundgesetzes im Artikel 115, Absatz 1, Satz 1 der Umgang mit der Staatsverschuldung in Anlehnung an die Weimarer Verfassung wie folgt festgelegt: <\/p><p>&bdquo;Die Einnahmen aus Krediten d&uuml;rfen die Summe der im Haushaltsplan veranschlagten Ausgaben f&uuml;r Investitionen nicht &uuml;berschreiten.&ldquo; Diese direkt an Investitionst&auml;tigkeiten gekoppelte Regel galt bis 1969, wurde jedoch dann durch Ausnahmen, vor allem zur &bdquo;Abwehr einer St&ouml;rung des gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts&ldquo;, geringf&uuml;gig aufgeweicht. Die Kopplung der Neuverschuldung an Investitionst&auml;tigkeiten sorgte insofern tats&auml;chlich auch f&uuml;r eine moderate Schuldenquote, die sich bis Mitte der 1980er Jahre auf einem niedrigen Niveau unterhalb von 30 Prozent einpendelte. Die Neuverschuldung trug so zur Erh&ouml;hung der Wertsch&ouml;pfung und Entstehung von neuem Steueraufkommen und schlie&szlig;lich zu ihrer eigenen Refinanzierung bei. Doch l&ouml;ste sich die neoliberale Wirtschaftspolitik seit Ende der 1980er Jahre von dieser Regelung und erh&ouml;hte, unter permanenter Verletzung der Verfassung in den darauffolgenden Dekaden, kontinuierlich die Staatsverschuldung, um die wachsende Haushaltsl&uuml;cke zu schlie&szlig;en. Betrugen die Staatsschulden in 1980 lediglich 239 Milliarden &euro;, so waren sie 2010 auf &uuml;ber 2000 Milliarden &euro;, also auf beinahe das Neunfache, angestiegen. Um jedoch dem drastisch steigenden j&auml;hrlichen Schuldendienst und der Belastung f&uuml;r die Haushaltskassen des Bundes, der L&auml;nder und Kommunen Einhalt zu gebieten, wurde eine Neuregelung der Staatsverschuldung in Deutschland und erst recht in L&auml;ndern mit noch h&ouml;heren Schuldenquoten unerl&auml;sslich. In Deutschland wurde 2009 eine Schuldenbremse in das Grundgesetz, Artikel 109, Abs. 3, festgeschrieben. Demnach soll die j&auml;hrliche Nettokreditaufnahme 0,35 Prozent des Bruttoinlandsprodukts nicht &uuml;berschreiten. Mit der Schuldenbremse soll die Staatsverschuldung in Deutschland auf die f&uuml;r die EU geltenden Maastrichter Kriterien von 1992 reduziert werden, wonach in den einzelnen EU-Staaten die Gesamtverschuldung 60 Prozent und das Haushaltsdefizit 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) nicht &uuml;berschreiten d&uuml;rfen.<\/p><p><b>Ursachen steigender Staatsverschuldung<\/b><\/p><p>Bei einer oberfl&auml;chlichen Betrachtung erscheinen die Maastrichter Kriterien und die Schuldenbremse in der EU und in Deutschland nicht nur als unerl&auml;sslich, sondern auch als vern&uuml;nftig. Das Problem dieser Regeln beginnt damit, dass im gesamten Entscheidungsprozess bei der Entstehung des Maastrichter Vertrages und der Schuldenbremse die Ursachen der dramatisch steigenden Staatsverschuldung in Deutschland, in der EU und allen kapitalistischen Staaten so gut wie nicht in Betracht gezogen wurden. Ganz im Gegenteil haben die verantwortlichen Finanzpolitiker, Regierungen und Medien die steigende Staatsverschuldung als solche mehr oder weniger als ein Naturereignis &ndash; pl&ouml;tzlich vom Himmel gefallen &ndash; interpretiert, das man lediglich einzud&auml;mmen h&auml;tte. Tats&auml;chlich sind steigende Staatsschulden seit dem Ende der 1980er Jahre nicht Folgen von &uuml;berm&auml;&szlig;igen Staatsausgaben f&uuml;r Investitionen im Bereich der Infrastruktur, in der Sanierung von Schulen und Universit&auml;ten, im Ausbau des Gesundheitswesens, in der Sanierung von Umwelt, in der Neueinstellung von Pflege- und Lehrkr&auml;ften an Schulen und Universit&auml;ten, im Pflegebereich, in der Justiz und sonstigen Staatsinstitutionen. Das Gegenteil ist der Fall. Experten bem&auml;ngeln f&uuml;r Deutschland einen Investitionsstau im Umfang von 300 &ndash; 500 Milliarden &euro;, weil in allen genannten Feldern gerade zu wenig oder &uuml;berhaupt nicht investiert oder mit verheerenden Folgen str&auml;flich gespart worden ist.<\/p><p>Bei einer genaueren Ursachenanalyse l&auml;sst sich allerdings klar feststellen, dass die Staatsschulden deshalb so dramatisch gestiegen sind, weil die Staatseinahmen vor allem durch umfangreiche Steuergeschenke an die Wirtschaft und durch die Abschaffung von Verm&ouml;genssteuern f&uuml;r die Besitzenden so massiv eingebrochen sind. Beispielsweise f&uuml;hrte Hans Eichel, der bereits erw&auml;hnte Finanzminister der rot-gr&uuml;nen Regierung, im Mai 2000 eine umfassende &bdquo;Steuerreform&ldquo; durch, die unter anderem eine deutliche Senkung der Unternehmenssteuer und eine Steuerbefreiung f&uuml;r den Verkauf von Aktienpaketen und Tochterunternehmen enthielt. Offizielle Begr&uuml;ndung f&uuml;r die Reform war die Ankurbelung der Wirtschaft. Nach der Steuerreform kam es zu einem Einbruch der Einnahmen, ohne dass dadurch die Unternehmen mehr investierten, die Investitionsrate ist sogar weiter gesunken. Hatte der Staat im Jahr 2000 insgesamt 23,6 Milliarden &euro; K&ouml;rperschaftsteuer von den Kapitalgesellschaften eingenommen, so brachen die Steuereinnahmen nach der Steuerreform vollkommen weg und per saldo mussten die Finanz&auml;mter stattdessen fast eine halbe Milliarde Euro an die Firmen auszahlen. Noch dramatischer wirkt die Senkung der Verm&ouml;genssteuern auf sinkende Staatseinnahmen und die steigende Staatsverschuldung. Es war die schwarz-gelbe Regierung unter Kohl\/Genscher, die ab 1997 mit der Senkung der Verm&ouml;genssteuer anfing, und es war die rot-gr&uuml;ne Regierung unter Schr&ouml;der\/Fischer, die die Senkung auch der Verm&ouml;genssteuer mit hohem Tempo fortsetzte. Betrugen die Verm&ouml;genssteuern in 2002 immerhin &uuml;ber 238 Milliarden &euro;, so sanken sie bis 2006 rapide auf knapp &uuml;ber 27 Milliarden &euro;, um dann bis 2016 mehr um Null &ndash; mal ein wenig dr&uuml;ber, mal darunter &ndash; zu schwanken. Gleichzeitig stieg die Schuldenquote von 59,3 Prozent in 2002 auf 66,4 Prozent in 2005 und erreichte mit 81 Prozent in 2010 den h&ouml;chsten Stand.<\/p><p>Die Abschaffung der Verm&ouml;genssteuer, insbesondere auf Immobilienverm&ouml;gen, ist &ouml;konomisch nicht nur unsinnig, sondern f&uuml;r die Wirtschaft und Gesellschaft sogar sehr verh&auml;ngnisvoll und zwar im doppelten Sinne: Zum einen m&uuml;ssen die fehlenden Einnahmen durch neue Schulden ausgeglichen werden, das verursacht also steigenden Schuldendienst und zus&auml;tzliche Belastungen f&uuml;r die Haushalte. Und zum anderen fehlen sie f&uuml;r die Wertsch&ouml;pfung kreierenden Investitionen, die ihrerseits zu neuem Steueraufkommen und sinkender Staatsverschuldung f&uuml;hren k&ouml;nnen. Wenn dennoch &uuml;ber die eigentliche Ursache steigender Staatsverschuldung hinweggesehen wurde, so mag es daran gelegen haben, dass es den neoliberalen Eliten gelungen ist, die Senkung der Verm&ouml;gens- und Unternehmenssteuer als &bdquo;heilig&ldquo; zu tabuisieren, jedwede Kritik daran als unsinnig zu verdammen.<\/p><p><b>Schuldenbremse und die &bdquo;Schwarze Null&ldquo;<\/b><\/p><p>Wenn also zur Begrenzung anwachsender Staatsschulden die Erh&ouml;hung von Staatseinnahmen durch Verm&ouml;gens- und K&ouml;rperschaftssteuern zum Tabu erkl&auml;rt und von vornherein ausgeschlossen wird, diese Alternative also &uuml;berhaupt nicht in Erw&auml;gung gezogen wird, dann bleiben f&uuml;r die Eind&auml;mmung bzw. Senkung der Staatsschulden zwei Alternativen &uuml;brig: erstens die Staatsausgaben und allen voran die Sozialausgaben einzufrieren bzw. zu senken und des Weiteren den Staat zum Ausverkauf &ouml;ffentlicher G&uuml;ter zu dr&auml;ngen. Die Verankerung der Schuldenbremse in der Verfassung h&auml;tte demnach nur eine moralische Legitimation, wenn gleichzeitig auch eine angemessene oder gar progressive Besteuerung aller Einkommensbezieher zu einem verfassungsm&auml;&szlig;igen Auftrag der Regierungen erhoben worden w&auml;re. Schuldenbremse und Regulierung gesicherter Staatseinnahmen durch angemessene Besteuerung auch der Reichen geh&ouml;ren eigentlich zusammen.<\/p><p>Anderenfalls verwandelt sich die Schuldenbremse unweigerlich zu einem verfassungsm&auml;&szlig;ig legitimierten Instrument des Sozialabbaus und der Privatisierung &ouml;ffentlicher G&uuml;ter. Tats&auml;chlich wurden die Schuldenbremse und insgesamt auch die Maastrichter Kriterien zu einem verfassungsm&auml;&szlig;ig abgesicherten Automatismus zum Sozialabbau und zum Ausverkauf des &ouml;ffentlichen Verm&ouml;gens. <b>Besch&auml;digung des Wohlfahrtstaates und systematische Entkernung der hart erk&auml;mpften sozialen Sicherungssysteme wie des Lohns im Krankheitsfall, der Verwandlung von Arbeitslosengeld in repressive Hartz-IV-Regeln, Befristung von Arbeitsvertr&auml;gen, Schaffung eines Niedriglohnsektors und Leiharbeitssystems, und viele andere teuflische Ausbeutungs- und Prekarisierungsmethoden, sind moralisch ein genauso verwerfliches Resultat der zun&auml;chst praktisch ausge&uuml;bten Politik und ein dann in den Automatismus &bdquo;Schuldenbremse&ldquo; gegossener Mechanismus wie der Automatismus zur Privatisierung &ouml;ffentlicher G&uuml;ter wie die Gesundheits- und Wasserversorgung und der Ausverkauf von kommunalen Wohnungen, die man als eine der Hauptursachen der bundesweit steigenden Mieten und Bodenpreise sehen muss.<\/b><\/p><p>Fortan wird gesellschaftliches Ringen um Staatsausgaben und Verteilungsfragen mehr oder weniger &uuml;berfl&uuml;ssig und die Funktionen der Demokratie auf der Suche nach der optimalen Gestaltung der Sozialsysteme und T&auml;tigkeiten im &ouml;ffentlichen Sektor wirkungslos. Die Schuldenbremse reguliert auf der gesellschaftlichen Einbahnstra&szlig;e s&auml;mtliche finanzpolitischen Handlungen der Regierungen, wobei es dann auch v&ouml;llig irrelevant wird, wer regiert oder wer den Finanzminister stellt, ob ein Peter Altmaier von der CDU oder ein Olaf Scholz von der SPD. Die von Wolfgang Sch&auml;uble l&auml;ngst auf die finanzpolitischen Gleise gestellte Schwarze Null reduziert ohnehin den finanzpolitischen Spielraum auf ein denkbar kleines Ma&szlig;, das so gut wie keinen Spielraum f&uuml;r wirkungsvolle und grundlegende Reformen zur Verbesserung der sozialen Lage und zur Ausdehnung wertvoller &ouml;ffentlicher Aufgaben der von Armut bedrohten Rentner, der alleinerziehenden M&uuml;tter und V&auml;ter, der Hartz-IV-Empf&auml;nger, letztlich der insgesamt 40 Prozent benachteiligten Teile der Bev&ouml;lkerung, zul&auml;sst.<\/p><p>So k&ouml;nnen auch wesentliche Unterschiede zwischen den Unionsparteien und der SPD schwerlich wahrnehmbar zutage treten. Das erkl&auml;rt auch, warum die Union bei der Aufteilung von Ministerien das Finanzministerium der SPD &uuml;berlie&szlig;. In der &ouml;ffentlichen Wahrnehmung erschien dieser Akt als gro&szlig;es Zugest&auml;ndnis der Union, w&auml;hrend die SPD ihn als ihren gro&szlig;en Sieg und Beleg ihrer cleveren Verhandlungstaktik feierte. In Wahrheit ist die Funktion des Finanzministers in der Gro&szlig;en Koalition austauschbar. Olaf Scholz selbst gibt das nicht nur offen zu, er l&auml;sst sogar keine Gelegenheit aus, um sich zu Sch&auml;ubles Schwarzer Null zu bekennen. Er will von dieser Linie, wie die FR vom 23. April 2018 vermerkte, keinen Cent abweichen. Als er bei seinem letzten Aufenthalt in Washington gefragt wurde, ob er den Unterschied zu seinem Vorg&auml;nger erl&auml;utern k&ouml;nne, antwortete er &bdquo;NEIN&ldquo;. Kein Wunder, dass manch einer Olaf Scholz als Sch&auml;uble 2 oder Sch&auml;ubles Klon tituliert.<\/p><p>Die Austauschbarkeit der Zust&auml;ndigkeiten f&uuml;r diesen Bereich ist eher der manifeste Ausdruck des l&auml;ngst verfassungsm&auml;&szlig;ig verankerten Automatismus durch die Schuldenbremse und deren deutscher Machart &ndash; die Schwarze Null. Allen Bekundungen der SPD-F&uuml;hrung zum Trotz, sich innerhalb der Gro&szlig;en Koalition als eine von der Union unterscheidbare und eigenst&auml;ndige politische Kraft darstellen zu wollen, wird sie sich in der Praxis mit jenen im Koalitionsvertrag vereinbarten kleinen Ref&ouml;rmchen zu Gunsten ihrer Klientel begn&uuml;gen m&uuml;ssen, die auch durchaus die Union mit Leichtigkeit als ihr Werk verkaufen kann. Beispielsweise wird der tats&auml;chliche Bedarf an Pflegekr&auml;ften durch Experten auf mehrere Zehntausend Personen veranschlagt. Im Koalitionsvertrag sind daf&uuml;r jedoch lediglich 8.000 Neueinstellungen vorgesehen &ndash; das sind also 0,6 Stellen pro Pflegeeinrichtung &ndash; buchst&auml;blich also ein Tropfen auf den hei&szlig;en Stein.<\/p><p>Die Politik von &bdquo;weiter so&ldquo; ist unter dem Regime von Schuldenbremse und Schwarzer Null somit vorprogrammiert. Skandal&ouml;s erscheint allerdings, dass die SPD sich nicht unter massivem politischen Druck, sondern ganz freiwillig auf das von Sch&auml;uble vorfabrizierte Finanzkorsett eingelassen hat. Die Einigung auf die Schwarze Null fand gleich am ersten Tag der Sondierungsverhandlungen zwischen SPD und Unionsparteien ohne irgendwelche Debatten und Problematisierungen, sozusagen als l&auml;ngst unantastbar festgelegt, statt. Es ist absehbar, dass die wenigen Milliarden, die die Gro&szlig;e Koalition f&uuml;r soziale Reformen in der laufenden Legislaturperiode zur Verf&uuml;gung hat, nicht reichen werden, um die prek&auml;re Lage von &uuml;ber 12,5 Millionen als arm geltenden Menschen in Deutschland sp&uuml;rbar zu verbessern. Damit ist f&uuml;r die AfD der Weg frei, die weiterhin bestehende soziale Schieflage gegen Fl&uuml;chtlinge zu instrumentalisieren und durch Aufwiegelung aller sozial Benachteiligten gegeneinander ihre eigene Basis und den rechten Rand der Gesellschaft noch einmal zu Lasten vor allem der SPD auszubauen. <\/p><p><b>Gesellschaftliche Folgen<\/b><\/p><p>Die Schuldenbremse, so wie sie als ein in der Verfassung verankerter Automatismus zum Sozialabbau und zur Privatisierung in Deutschland und in der EU konstruiert wurde, d&uuml;rfte den aus zahlreichen Ungleichheiten bestehenden gesellschaftlichen Zustand versch&auml;rfen. Vor allen Dingen l&auml;sst der Automatismus zum Sozialabbau die konservativen und sozialdemokratischen Parteien noch st&auml;rker als bisher inhaltlich n&auml;her aneinanderr&uuml;cken. Schrumpfendes Terrain f&uuml;r echte Auseinandersetzungen um die Zukunft der Arbeit, um die faire Verteilung des Reichtums und des Wohlfahrtstaates macht im Konkurrenzkampf der beiden Volksparteien den Platz frei, sich ausschlie&szlig;lich durch Scheingefechte bei technologischem Strukturwandel, wie beispielsweise der Digitalisierung, oder durch symbolische Debatten wie um die Begrenzung der Zusammenf&uuml;hrung der Familienangeh&ouml;rigen der Fl&uuml;chtlinge zu profilieren. Der f&uuml;r die Digitalisierung steigende Bedarf an Investitionen w&uuml;rde dann den Koalitionspartnern den Vorwand daf&uuml;r liefern, ihr vorprogrammiertes Versagen bei sozialen Reformen zu rechtfertigen.<\/p><p>Erinnern wir uns: Der massive Sozialabbau Anfang dieses Jahrhunderts wurde unisono mit dem Argument begr&uuml;ndet, die Arbeitskosten zur steigenden Wettbewerbsf&auml;higkeit der Wirtschaft im Globalisierungsprozess reduzieren zu m&uuml;ssen. Diese Hypes, also zun&auml;chst die Globalisierung und nun die Digitalisierung, &uuml;bernehmen offensichtlich die Funktion, die Zur&uuml;ckdr&auml;ngung der offenen Auseinandersetzungen um Verteilung des Reichtums &ndash; immerhin der soziale Kern der Demokratie im Kapitalismus &ndash; zuzusch&uuml;tten. Durch den schleichenden und vom Bewusstsein verdr&auml;ngten und unbemerkten Demokratieabbau kristallisiert und verfestigt sich der Populismus als eine selbstverst&auml;ndliche Komponente im politischen System. Wenn dann klar wird, dass sich die Koalitionsparteien f&uuml;r den Sozialabbau auch noch auf das Faktum Schuldenbremse, also auf die Verfassung berufen k&ouml;nnen, so ist dem steigenden Misstrauen der Benachteiligten auch gegen die Verfassung T&uuml;r und Tor ge&ouml;ffnet. Die bisherigen Erfahrungen auf der EU-Ebene haben das bereits eindrucksvoll vorexerziert. Bei dem Fall von Griechenlands Schuldenkrise zwangen die EU-Finanzminister unter der F&uuml;hrung von Wolfgang Sch&auml;uble die Griechen, entgegen ihrer eigenen demokratischen Entscheidung, eine Politik der sozialen Ausblutung hinzunehmen, indem diese sich auf den durch die Maastricht-Kriterien festgelegten Automatismus zu den Ausgabensenkungen beriefen und gleichzeitig auch die Pl&uuml;nderung des griechischen Staatsverm&ouml;gens (Flugh&auml;fen, Hafenanlagen, etc.) rechtfertigten. Das war der gr&ouml;&szlig;te Anschlag auf ein soziales und demokratisches Europa und umgekehrt ein handfester Grund f&uuml;r wachsendes Misstrauen gegen das Projekt Europa insgesamt.<\/p><p><b>Nachtrag <\/b>(27. Oktober 2021)<\/p><p>Nun passiert genau das, was im obigen Artikel von Juni 2018 prognostiziert wurde. Keine weitere Verschuldung, auch nicht f&uuml;r den Klimaschutz, fordert FDP-Chef Christian Lindner bei den gegenw&auml;rtigen Sondierungsverhandlungen f&uuml;r die Ampelkoalition. Darauf haben sich die drei Parteien SPD, Gr&uuml;ne und FDP gleich zu Beginn der Verhandlungen sofort geeinigt, im Grunde einigen m&uuml;ssen, weil die Schuldenbremse in der Verfassung verankert sei und weil eine Verfassungs&auml;nderung mit den Unionsparteien wegen der notwendigen Zweidrittel-Mehrheit nicht zu kriegen sei. Deswegen &bdquo;haben wir auch um neue Kredite zur Finanzierung der Klimaschutzma&szlig;nahmen nicht gek&auml;mpft&ldquo;, sagte Robert Habeck sinngem&auml;&szlig; bei der Anne-Will-Talkshow am Sonntag, dem 24. Oktober. Deswegen pflichtete ihm auch der anwesende SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz bei. Damit hatte es Christian Lindner offensichtlich ziemlich leicht, die n&auml;chste neoliberale Maxime &bdquo;Keine Steuererh&ouml;hung und keine Einf&uuml;hrung der Verm&ouml;genssteuer&ldquo; zur Bedingung weiterer Verhandlungen zu machen. Und die ganze Medienlandschaft ist verwundert, warum die FDP sich bei den Verhandlungen auf der ganzen Linie durchsetzen konnte, w&auml;hrend die Forderungen der Gr&uuml;nen, insbesondere hinsichtlich von 500 Milliarden Euro Klimaschutzinvestitionen, im Endeffekt auf der Strecke blieben. &bdquo;Wir werden nun&ldquo;, so Robert Habeck, &bdquo;schauen, wie wir im Rahmen der Schuldenbremse die Finanzierung f&uuml;r den Klimaschutz hinbekommen k&ouml;nnen.&ldquo; Dies kann beispielsweise durch &bdquo;Streichung von Klimaschutz sch&auml;dlichen Subventionen&ldquo; erfolgen. Und da dies bei weitem nicht reichen w&uuml;rde, h&auml;tte Lindner alle Hebel in der Hand, um unter dem Vorwand des Klimaschutzes s&auml;mtliche anderen ausschlie&szlig;lich ideologischen Intentionen durchzusetzen: Streichung von m&ouml;glichst vielen Ausgaben f&uuml;r soziale Sicherungssysteme, Privatisierung weiterer Staatsbetriebe etc. Nicht die FDP muss begr&uuml;nden und daf&uuml;r k&auml;mpfen, dass keine neuen Schulden gemacht werden d&uuml;rfen, sondern die anderen Koalitionspartner m&uuml;ssten f&uuml;r ihre unumstrittenen sozialen und &ouml;kologischen Ziele k&auml;mpfen. Die SPD m&uuml;sste also h&ouml;llisch aufpassen, dass die Subventionsstreichungen f&uuml;r Klimaschutz nicht zu Lasten von sozialen Sicherungssystemen vorgenommen werden. Und die Gr&uuml;nen m&uuml;ssten daf&uuml;r k&auml;mpfen, dass die 500 Milliarden Euro irgendwie zusammenkommen. Der Konflikt zwischen dem Sozialen und dem Klimaschutz bzw. zwischen SPD und Gr&uuml;nen ist also vorprogrammiert. Wolfgang Sch&auml;uble und mit ihm die abgew&auml;hlten Unionsparteien k&ouml;nnten sich mit Christian Lindner dagegen ins F&auml;ustchen lachen.<\/p><p>Die Unionsparteien h&auml;tten au&szlig;erdem einen weiteren Grund zur Freude. Dank der Schuldenbremse in der Verfassung d&uuml;rfte sich die Ampelkoalition im Kern entlang des neoliberalen GroKo-Konsens durchwurschteln, zumal auch der neue Kanzler Olaf Scholz selbst einer der Architekten der Schuldenbremse war und er auch als Finanzminister der Gro&szlig;en Koalition bei der Neuverschuldung wegen der Pandemie angek&uuml;ndigt hat, sich wieder alsbald an die Schuldenbremse halten zu wollen. Mit dem 12 &euro; Mindestlohn und der Verbesserung der Einkommen f&uuml;r 12 Millionen Betroffene kann Olaf Scholz einen wichtigen Erfolg vorweisen und den linken SPD-Fl&uuml;gel ruhigstellen, sich jedoch ansonsten zur&uuml;cklehnen und die Politik f&uuml;r die Reichen der FDP in der Koalition &uuml;berlassen.<\/p><p>Halten wir noch einmal fest: Ein dem neoliberalen Geist der vergangenen Jahrzehnte entsprungenes wirtschaftspolitisches Instrument, das ausschlie&szlig;lich dazu dient, die reichen Eliten reicher zu machen, wurde zum Verfassungsauftrag gekr&ouml;nt. 16 Jahre Merkel-Regierung folgten dieser Geisteshaltung. Dadurch entstand sukzessive ein Investitionsstau nach Aussagen der Fachleute im Umfang von 400-500 Milliarden &euro;. So wird nicht nur die Zukunftsgestaltung, sondern auch im Grunde das Regierungshandeln entscheidend eingeengt, wenn nicht sogar bei existenziellen Aufgaben, wie dem Klimaschutz, blockiert.<\/p><p><b>Schuldenbremse verfassungswidrig?<\/b><\/p><p>Die Schuldenbremse als Verfassungsauftrag ist offensichtlich ein glatter Unsinn. Selbst die GroKo hat angesichts der Pandemie und deren unmittelbaren Folgen f&uuml;r Millionen Existenzen die Verfassung umschifft und sich um einige Hundert Milliarden verschuldet. Der Klimaschutz als eine f&uuml;r die k&uuml;nftigen Generationen existentielle Herausforderung mit unvergleichbar gr&ouml;&szlig;eren Folgen f&uuml;r die Menschheit bietet sich m.E. geradezu an, um den Unsinn Schuldenbremse in der Verfassung zu tilgen, statt ihn als Naturgesetz zu akzeptieren. Es stellt sich ohnehin ernsthaft die Frage, ob die Verankerung einer Regel in der Verfassung, die so offensichtlich den Partikularinteressen einer gesellschaftlichen Schicht dient, selbst nicht verfassungswidrig ist. SPD und Gr&uuml;ne haben jetzt die Chance, wichtige Schritte in dieser Richtung einzuleiten, anstatt sich f&uuml;r die n&auml;chsten vier Jahre vor den Karren der FDP spannen zu lassen. Noch ein Wort bei dieser Gelegenheit zum Klimaschutz. Im Grunde w&auml;re die Industrie f&uuml;r den Hauptteil der notwendigen Klimaschutzinvestitionen verantwortlich und nicht der Staat. Sie hat jedoch verst&auml;ndlicherweise keinerlei Veranlassung, durch technologische Innovation voranzugehen, solange weiterhin &Ouml;l, Gas und Kohle in beliebigem Umfang produziert und angeboten werden. Um die Industrie deshalb zu ihrer Verantwortung zu dr&auml;ngen, w&auml;re es die eigentliche Aufgabe des Staates, die Lieferung fossiler Energietr&auml;ger sukzessive zu verknappen. Dazu bedarf es allerdings letztlich, und weil der Klimawandel ein globales Problem ist, auch einer globalen Konvention mit allen fossilen Energietr&auml;gern produzierenden Konzernen und Staaten. Andernfalls muss bef&uuml;rchtet werden, dass hunderte Milliarden &ouml;ffentlicher Subventionen verpuffen, ohne einen Beitrag f&uuml;r den Klimaschutz zu leisten.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Dieser Beitrag st&uuml;tzt sich analytisch und empirisch auf eine umfassende Untersuchung des Autors, die er in seinem Buch &bdquo;Braucht die Welt den Finanzsektor&ldquo; entwickelt hat, das Ende 2017 im Hamburger VSA-Verlag erschienen ist.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den untenstehenden Text hat der Verfasser <strong>Mohssen Massarrat<\/strong> bereits im Juni 2018 ver&ouml;ffentlicht. 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