{"id":77543,"date":"2021-11-03T09:10:02","date_gmt":"2021-11-03T08:10:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=77543"},"modified":"2021-11-03T10:47:55","modified_gmt":"2021-11-03T09:47:55","slug":"die-militaerjunta-bereitet-eine-offensive-vor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=77543","title":{"rendered":"Die Milit\u00e4rjunta bereitet eine Offensive vor."},"content":{"rendered":"<p>Am ersten Februar hinderte das Milit&auml;r in Myanmar die neu gew&auml;hlten Abgeordneten an ihrer ersten Zusammenkunft nach den Wahlen vom November letzten Jahres. Dabei sollte eine zivile Regierung gebildet und ihre Minister ernannt werden. Die Junta verhaftete zahlreiche Abgeordnete, darunter Daw Aung San Suu Kyi und den Staatspr&auml;sidenten von Myanmar, U Win Myint, und &uuml;bernahm die Regierungsgewalt. Seit dem Putsch ist es der Milit&auml;rjunta in Myanmar nicht gelungen, das Land unter Kontrolle zu bringen. Die Wirtschaft liegt am Boden und die Proteste rei&szlig;en nicht ab. Die Macht entgleitet den Milit&auml;rs zunehmend. Von <strong>Marco Wenzel<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nEs hatte mehrere Tage gedauert, bis sich der Widerstand nach dem Putsch zu organisieren begann. Zuallererst leisteten die Lehrer und das Krankenhauspersonal Widerstand, traten in den Streik und organisierten sich in den CDM (civil disobedience Movement). Es folgten Massendemonstrationen in allen St&auml;dten und D&ouml;rfern in Myanmar. Schon bald fielen die ersten Sch&uuml;sse und es gab die ersten toten Demonstranten, erschossen von Scharfsch&uuml;tzen des Milit&auml;rs. Die Demonstranten wurden nun vorsichtiger und gingen zu Blitzaktionen &uuml;ber. Das Milit&auml;r reagierte immer brutaler, erlie&szlig; scharfe Gesetze, um die Demonstranten von ihren Aktionen abzuschrecken, und verhaftete unz&auml;hlige von ihnen. Viele tauchten daraufhin unter. Der 27. M&auml;rz ist der Tag der Streitkr&auml;fte, traditionell ein Feiertag in Myanmar, und die Tatmadaw, wie das Milit&auml;r in Myanmar genannt wird, feierte den Tag mit einer gro&szlig;en Zeremonie und erschoss am selben Tag &uuml;ber hundert Demonstranten im ganzen Land.<\/p><p><strong>Die Organisation des Widerstandes und der Aufbau einer Gegenregierung<\/strong><\/p><p>Die Abgeordneten, die nach dem Putsch noch auf freiem Fu&szlig; waren, gingen in den Untergrund und schlossen sich im M&auml;rz zu einem Gegenparlament zusammen, aus dem sp&auml;ter die Gegenregierung NUG (National Untity Government) hervorgehen sollte. Ziel ist es, die Putschisten wieder von der usurpierten Macht zu vertreiben. Parallel dazu begann die NUG mit dem Aufbau einer Untergrund-Armee und suchte den Zusammenschluss mit den bewaffneten Armeen der ethnischen Minderheiten, die praktisch bereits seit der Unabh&auml;ngigkeit Burmas im Jahre 1948 gegen die Regierung k&auml;mpfen und viel Kampferfahrung haben. <\/p><p>Es bildeten sich, neben den bestehenden ethnischen Armeen und der sich im Aufbau befindlichen Untergrund-Armee der NUG, in den verschiedenen Regionen und St&auml;dten zahlreiche unabh&auml;ngige militante Guerillaorganisationen, die eigene Aktionen gegen das Milit&auml;r und die Polizei durchf&uuml;hren. Aus den Demonstrationen ist inzwischen ein nationaler Aufstand geworden, die anf&auml;nglich noch friedlichen Protestkundgebungen haben sich l&auml;ngst zum bewaffneten Widerstand entwickelt.  <\/p><p>Anfang September, es gab bereits &uuml;ber 1.000 get&ouml;tete und fast 10.000 verhaftete Putschgegner, erkl&auml;rte die NUG den Tatmadaw den Krieg und rief zu einem landesweiten Aufstand auf. Die Revolution hatte begonnen. Die NUG erkl&auml;rte diesen Schritt so: &bdquo;Wir k&ouml;nnen nicht auf der Stra&szlig;e protestieren, weil die Armee und die Sicherheitskr&auml;fte mit scharfer Munition auf uns schie&szlig;en. Aber wir m&uuml;ssen uns gegen die Junta auflehnen, also w&auml;hlen wir die bewaffnete Revolution.&ldquo; Seither verst&auml;rkten sich die K&auml;mpfe im ganzen Land. Die Guerillagruppen f&uuml;hren Sabotageaktionen durch und die bewaffneten Armeen der ethnischen Gruppen greifen die Armee der Tatmadaw regelm&auml;&szlig;ig an. Sie haben inzwischen mehr als tausend Soldaten get&ouml;tet, unz&auml;hlige Hinterhalte gelegt, Polizeistationen erobert und zerst&ouml;rt und Sprengstoffanschl&auml;ge gegen Regierungsb&uuml;ros und andere Einrichtungen der Regierung und des Milit&auml;rs <a href=\"https:\/\/www.irrawaddy.com\/news\/burma\/junta-forces-suffer-heavy-losses-in-weekend-resistance-attacks-across-myanmar.html\">durchgef&uuml;hrt<\/a>. Zudem wurden auch fast tausend Informanten und Spitzel der Tatmadaw get&ouml;tet, oft fand man sie mit <a href=\"https:\/\/www.irrawaddy.com\/news\/burma\/hundreds-of-myanmar-junta-informants-killed-or-wounded.html\">aufgeschlitzter Kehle oder erschossen am Stra&szlig;enrand.<\/a> Viele Polizisten und manche Soldaten sind desertiert und teilweise mit ihren Waffen zur NUG &uuml;bergelaufen. Einige der Fahnenfl&uuml;chtigen haben zusammen mit der NUG eine Hilfsorganisation gegr&uuml;ndet, die Polizisten und Soldaten zum &Uuml;berlaufen ermutigen und sie dabei unterst&uuml;tzen soll, sich in der Zivilgesellschaft wieder zurechtzufinden. <\/p><p>Die Tatmadaw, seit 1962 an der Macht, sind ein Staat im Staat, losgel&ouml;st vom Rest der Bev&ouml;lkerung, mit eigenen Schulen und Krankenh&auml;usern, mit Wohnungs- und Sozialprogrammen nur f&uuml;r das Milit&auml;r und mit ganzen Gesch&auml;ftsimperien, eigenen Banken und Fernsehsendern. Die Soldaten wohnen zusammen mit ihren Familien und mit den Offizieren in einem geschlossenen sozialen Kreis, in abgeschiedenen Kasernen mit eigenen Gesch&auml;ften und Schulen.  Ihre Weltanschauung wird durch Propaganda und Indoktrination gepr&auml;gt. Sie f&uuml;hlen sich als Teil einer herrschenden Klasse und als Besch&uuml;tzer der Nation, ohne die das Land im Chaos versinken w&uuml;rde. Zudem haben die Tatmadaw sich das Monopol auf die lukrativsten Zweige der Wirtschaft und die wichtigsten Ministerien in der Regierung gesichert. Durch die st&auml;ndige &Uuml;berwachung durch die Offiziere und Indoktrination denken nur wenige an Fahnenflucht. Selbst wenn sie wollten, k&ouml;nnen die Soldaten kaum desertieren, ohne ihre Familie als Geiseln im Milit&auml;rlager zur&uuml;ckzulassen.<\/p><p>Auf die Angriffe ihrer Gegner schl&auml;gt die Armee brutal zur&uuml;ck, macht Razzien in den D&ouml;rfern, in denen sie Aufst&auml;ndische vermutet, vertreibt die Bev&ouml;lkerung, verhaftet und t&ouml;tet Angeh&ouml;rige von gesuchten Gegnern, die sie nicht auffinden k&ouml;nnen, zerst&ouml;rt mutwillig Eigentum, stiehlt, was brauchbar ist, und steckt die H&auml;user in Brand. In weiten Teilen des Landes ziehen marodierende Soldatenbanden durch die D&ouml;rfer, morden, pl&uuml;ndern und brennen ganze D&ouml;rfer nieder. <a href=\"https:\/\/www.bnionline.net\/en\/news\/tatmadaw-targets-same-village-twice-falam-township\">Oft verminen sie auch die Wege und die Felder der Bauern.<\/a><\/p><p><strong>Internationale Kritik<\/strong><\/p><p>Die internationale Ablehnung der Junta w&auml;chst mit der Dauer der Situation und mit dem zunehmend brutaler werdenden Vorgehen der Milit&auml;rjunta. Die Staatsr&auml;tin Suu Kyi und ihr Premierminister sitzen seit &uuml;ber 8 Monaten unter fadenscheinigen Vorw&uuml;rfen im Gef&auml;ngnis. Sie sind von der Umwelt abgeschnitten, nicht einmal ihr Aufenthaltsort ist bekannt. Die Junta verweigert internationalen Diplomaten, der UN und der ASEAN immer noch den Zugang zu Myanmars bekanntesten Politikern und zur NUG.<\/p><p>Die erste internationale Ohrfeige erhielt die Milit&auml;rjunta von ihrem Vertreter in der UN, Kyaw Moe Tun, der sich auf die Seite der abgesetzten Regierung von Myanmar stellte und in der UN-Generalversammlung zum Boykott und zur Nicht-Anerkennung der Milit&auml;rregierung aufrief. Im fernen Heimatland wurde er daraufhin von der Milit&auml;rjunta &bdquo;fristlos entlassen&ldquo; und des Hochverrates angeklagt. Die Junta ernannte einen neuen Botschafter, der aber von der UN nicht akkreditiert wurde. Moe Tun durfte seinen Posten vorl&auml;ufig behalten. In den Tagen darauf erkl&auml;rten auch zahlreiche Botschaftsangestellte in verschiedenen L&auml;ndern der CPRH, dem Zusammenschluss von gew&auml;hlten Volksvertretern in Myanmar, die sp&auml;ter die NUG gr&uuml;nden sollten, ihre Treue und stellten sich gegen die neuen Machthaber.<\/p><p>Mitte September entschied dann, nach einem Kuhhandel zwischen China, Russland und den USA, das f&uuml;r die Akkreditierung zust&auml;ndige Gremium der UN, dass Moe Tun bis zur Generalversammlung Ende November weiterhin seinen Sitz in New York behalten darf. Dann werde die Entscheidung dar&uuml;ber gef&auml;llt, ob die UN die NUG oder die Junta als rechtm&auml;&szlig;ige Vertretung von Myanmar anerkennt. Im Prinzip ein feiges Abwarten, um keine mutige Entscheidung treffen zu m&uuml;ssen, aber auch eine erneute Entt&auml;uschung sowohl f&uuml;r die Junta als auch f&uuml;r die NUG, die daraufhin feststellte, dass man sich nicht auf die internationale Gemeinschaft verlassen k&ouml;nne. Damit wurde das Problem auf die lange Bank geschoben und der ASEAN weiterhin die F&uuml;hrung zur Konfliktl&ouml;sung in Myanmar &uuml;berlassen.<\/p><p>Der franz&ouml;sische Senat stimmte Anfang Oktober einstimmig f&uuml;r die Anerkennung der NUG. Dem muss das Parlament noch zustimmen, dann w&auml;re Frankreich das erste Land, das die Schattenregierung in Myanmar offiziell anerkennt. <\/p><p>In einer am 7. Oktober angenommenen Resolution erkl&auml;rte das Europ&auml;ische Parlament, dass es &bdquo;die CRPH und die NUG als die einzigen legitimen Vertreter der demokratischen W&uuml;nsche des Volkes von Myanmar unterst&uuml;tzt&ldquo;. Unterst&uuml;tzt hei&szlig;t aber leider noch nicht &bdquo;anerkennt&ldquo;.<\/p><p>In ihrer Erkl&auml;rung forderte die EU ferner die sofortige und bedingungslose Freilassung von Pr&auml;sident U Win Myint, Staatsberaterin Daw Aung San Suu Kyi und aller im Zusammenhang mit dem Staatsstreich inhaftierten Personen.<\/p><p>Die ASEAN wiederum hatte sich bei einem Treffen am 24. April in Jakarta, die NUG war nicht eingeladen, mit Putschgeneral Hlaing auf einen zahnlosen F&uuml;nf-Punkte-Plan zur L&ouml;sung der Krise in Myanmar geeinigt. Nicht einmal die Freilassung der verhafteten politischen Gefangenen wurde <a href=\"https:\/\/asiatimes.com\/2021\/04\/myanmar-plays-asean-as-step-to-global-legitimacy\/?mc_cid=6ae0fb10ac&amp;mc_eid=f072d9574c\">gefordert<\/a>.  Kaum war der General wieder in Myanmar, erkl&auml;rte er, er w&uuml;rde die &bdquo;Vorschl&auml;ge&ldquo; der ASEAN, von Abkommen war keine Rede mehr, zwar ber&uuml;cksichtigen, aber erst dann, wenn in Myanmar wieder der Normalzustand hergestellt sei. Dann geschah sechs Monate lang so gut wie nichts mehr.<\/p><p>Erst am 26. Oktober war aufgrund der mangelnden Bereitschaft der Milit&auml;rregierung zur Kooperation und zur Umsetzung wenigstens des vereinbarten lauwarmen F&uuml;nf-Punkte-Plans auch bei der ASEAN endg&uuml;ltig der Geduldsfaden gerissen. Der Putschgeneral wurde zum halbj&auml;hrigen Treffen der ASEAN nicht mehr eingeladen, ein noch nie dagewesener Schritt der auf Konsens basierenden ASEAN und vielleicht der endg&uuml;ltige Todessto&szlig; f&uuml;r die Hoffnung der Junta auf internationale Legitimit&auml;t. Die Milit&auml;rregierung in Myanmar hat die ASEAN seit ihrem Beitritt im Jahre 1997 ma&szlig;geblich dazu benutzt, um nach der blutigen Niederschlagung des Volksaufstandes von 1988 ihren internationalen Ruf als Paria-Staat zu verbessern, nicht zuletzt auch im Rahmen ihres 2003 verk&uuml;ndeten heuchlerischen Planes einer &bdquo;Roadmap zur Demokratie&ldquo; und der Niederschlagung der Safran-Revolution im Jahre 2007. Mit der Mitgliedschaft in wenigstens einem anerkannten Staatenbund wollten die Gener&auml;le nur ihren internationalen Ruf aufpolieren. <\/p><p>Die Felle der Junta um internationale Anerkennung schwimmen derzeit weltweit den Bach hinunter. Auch die ASEAN-Staaten &uuml;berlegen nach dem Treffen vor wenigen Tagen, das als virtuelles &bdquo;ASEAN-minus-1-Gespr&auml;che&ldquo; bezeichnet wird, ob sie nicht besser Verhandlungen mit der NUG aufnehmen sollen, ja manche denken sogar dar&uuml;ber nach, Myanmar aus der ASEAN auszuschlie&szlig;en. Aber da sollte man sich vorerst nicht zu viel Hoffnungen machen. Die Mitglieder der ASEAN sind eher als Zauderer denn als mutige Entscheidungstr&auml;ger bekannt. Ver&auml;rgert &uuml;ber die Milit&auml;rjunta und ihre mangelnde Einsicht sind sie aber auf jeden Fall. <\/p><p>Was die internationalen Bem&uuml;hungen um eine friedliche Beilegung des Konfliktes in Myanmar anbelangt, so ist der Zug l&auml;ngst abgefahren. Alle Friedensappelle n&uuml;tzen nichts mehr, sie beruhigen bestenfalls noch das Gewissen. Die Gr&auml;ben sind inzwischen so tief geworden, dass nur der Sieg einer der beiden Parteien Myanmar, zumindest zeitweilig, zur Ruhe wird kommen lassen. Zudem sind die Tatmadaw ziemlich beratungsresistent, was sie in den letzten 60 Jahren stets bewiesen haben. Die Einzigen, die ernsthaft auf Myanmar Einfluss haben, ist die chinesische Regierung, sie hat seit jeher gute Verbindungen zu allen Parteien in Myanmar, auch zur NLD und zu den ethnischen Gruppen, die haupts&auml;chlich mit chinesischen Waffen k&auml;mpfen. Aber China setzt nicht alles auf eine Karte und h&auml;lt sich alle Optionen offen, man wei&szlig; ja nie, was noch kommen wird. Das Wichtigste f&uuml;r China ist, dass der Wirtschaftskorridor China-Myanmar offenbleibt, egal wer dort regiert. <\/p><p><strong>Ein Ausblick<\/strong><\/p><p>Es ist immer wohlfeil, dazu aufzurufen, sich gemeinsam an einen Tisch zu setzen, um Konflikte zu l&ouml;sen. Aber &uuml;ber was soll man denn jetzt, bittesch&ouml;n, noch reden? Erwartet wirklich jemand noch ernsthaft, man k&ouml;nne jetzt zum Status Quo ante zur&uuml;ckkehren, so als sei nichts geschehen? Alle Mord- und Schandtaten der Tatmadaw verzeihen und vergessen, Schwamm dr&uuml;ber? Zudem beruhte der Status Quo ante ja gerade auf der ungel&ouml;sten Frage, wie der &Uuml;bergang von einer Milit&auml;r- zu einer Zivilregierung friedlich bew&auml;ltigt werden soll. Das hat schlie&szlig;lich zum Putsch gef&uuml;hrt, weil das Milit&auml;r bef&uuml;rchtete, die Macht zu verlieren, die es unter der vorherigen &bdquo;Zivilregierung&ldquo; immer noch innehatte.  Das Milit&auml;r wollte mit dem Putsch ja gerade verhindern, dass eine Zivilregierung zustande kommt, die den Namen verdient, und nicht erneut eine Scheindemokratie als Feigenblatt f&uuml;r eine verdeckte Milit&auml;rherrschaft.<\/p><p>Und es geht ja nicht darum, wer in einer Regierung schlussendlich welchen Posten erh&auml;lt, es geht darum, dass eine vom Milit&auml;r gef&uuml;hrte Regierung gleichzeitig das korrupte, undurchsichtige, aber &auml;u&szlig;erst eintr&auml;gliche Wirtschaftsimperium sch&uuml;tzt, das die Milit&auml;rs sich in all den Jahren zusammengeraubt haben. Durch illegale Landaneignungen, Vergeben von illegalen Konzessionen an dunkle Gesch&auml;ftspartner im Bergbau, illegalen Jade- und Holz-Abbau, Bestechung, Vetternwirtschaft, Drogenhandel, Prostitution, Betreiben von Spielcasinos usw. Wer in Myanmar Gesch&auml;fte machen will, kommt an den Tatmadaw als &bdquo;Gesch&auml;ftspartner&ldquo; nicht vorbei. Eine echte Zivilregierung m&uuml;sste hier Licht in die dunklen Machenschaften des Milit&auml;rs bringen und strafrechtliche Konsequenzen ziehen, die bis zur Enteignung gehen. Das Ende der Milit&auml;rherrschaft w&uuml;rde auch das Ende der Vetternwirtschaft und der Ausbeutung des Volkes <strong>durch das Milit&auml;r<\/strong> bedeuten. <\/p><p>Neun Monate nach dem Staatsstreich hat die Junta nichts erreicht, au&szlig;er das Land in ein Chaos zu st&uuml;rzen, es in einen gescheiterten Staat zu verwandeln und die gesamte Wirtschaft zu ruinieren. <strong>Und jetzt verliert das Milit&auml;rregime den Kampf um diplomatische Anerkennung, nachdem der Juntachef nicht zu den Gipfeltreffen der ASEAN eingeladen wurde und noch kein Land das Regime offiziell anerkannt hat.<\/strong><\/p><p>Das Land ist noch immer unregierbar. Nach dem Putsch wurden die gew&auml;hlten Dorfvorsteher von den Tatmadaw abgesetzt und durch von ihnen ausgew&auml;hlte Beamte ersetzt. Diese Beamte sind jetzt der Aufforderung der NUG, ihren Dienst zu quittieren, in Scharen nachgekommen. Denen, die noch im Amt bleiben und weiter mit den Tatmadaw zusammenarbeiten, hat die NUG <a href=\"https:\/\/www.irrawaddy.com\/news\/burma\/local-myanmar-officials-quit-in-droves-following-threats-from-anti-junta-groups.html\">drastische Strafen nach ihrem Sieg angedroht<\/a>.<\/p><p>Die Milit&auml;rregierung bekommt das Land nicht mehr unter Kontrolle, es hat, <strong>besonders im Norden und in den Grenzgebieten des Landes<\/strong>, nur noch die Kontrolle &uuml;ber ihre St&uuml;tzpunkte, nicht aber &uuml;ber die zivilen Gebiete. Die Wirtschaft liegt am Boden, der Kyat, die W&auml;hrung Myanmars, hat fast die H&auml;lfte seines Wertes verloren, die Preise steigen, das Geld wird knapp, ausl&auml;ndische Investoren verlassen das Land. Die Felder werden nicht mehr bebaut, dem Land droht eine Hungersnot.<\/p><p>Dem Milit&auml;r bleibt nur noch brutale Gewalt, um seine Herrschaft aufrechtzuerhalten. Das Milit&auml;r steht mit dem R&uuml;cken zur Wand, die Zeit spielt gegen die Tatmadaw, das Milit&auml;r will jetzt die Entscheidung suchen.<\/p><p>Es gibt Anzeichen daf&uuml;r, <a href=\"https:\/\/asiatimes.com\/2021\/10\/myanmar-military-prepares-an-onslaught-for-the-ages\/?mc_cid=feb9006c52&amp;mc_eid=f072d9574c\">dass eine gro&szlig;e Offensive gegen die Aufst&auml;ndischen vorbereitet wird<\/a>. Der Ausbruch des Coronavirus, die Regenzeit und die weitverbreiteten &Uuml;berschwemmungen erschweren jedoch noch ein Vorr&uuml;cken des Milit&auml;rs. Aber die Regenzeit wird in zwei bis drei Wochen zu Ende sein. Die bevorstehende Milit&auml;roffensive l&auml;uft unter dem Namen &bdquo;Anawrahta&ldquo; und wird losgehen, sobald der vom Monsun aufgeweichte Boden abgetrocknet ist. Ziel ist es, die Volksverteidigungskr&auml;fte zu vernichten. Die Kr&auml;fte der Tatmadaw, die insgesamt auf bestenfalls 300.000 Mann gesch&auml;tzt werden, werden nicht ausreichen, sich nach der Eroberung eines Landstriches dort festzusetzen und ihre Art von Recht und Ordnung durchzusetzen. An der Offensive selber werden nach Sch&auml;tzungen von Experten etwa 120.000 Infanteriekr&auml;fte teilnehmen, die bei Bedarf aus der Luft unterst&uuml;tzt werden. Es wird also auf eine Art Search-and-Destroy-Operation hinauslaufen. Die Gro&szlig;offensive wird mit dem Ziel gef&uuml;hrt, Angst und Schrecken zu verbreiten. Es wird auch kaum eine einzige gro&szlig;e Offensive werden, sondern mehrere koordinierte Vorst&ouml;&szlig;e.<\/p><p>Die wichtigsten umk&auml;mpften Gebiete befinden sich im Norden Burmas, es sind Regionen im Chin-Staat und die Sagaing-Region. Seit letztem Monat wurden bereits aus mehreren Orten, die besonders im Fadenkreuz des Milit&auml;rs stehen, Familienangeh&ouml;rige der Tatmadaw per Flugzeug evakuiert und das Internet wurde abgeschaltet, um sowohl die Koordination der Volksverteidigungskr&auml;fte als auch die Berichterstattung aus den umk&auml;mpften Gebieten zu erschweren. Milit&auml;rkonvois r&uuml;cken bereits mit gepanzerten Fahrzeugen und Artilleriegesch&uuml;tz in die von den Rebellen kontrollierten Gebiete vor und einige von ihnen wurden auch schon aus dem Hinterhalt &uuml;berfallen und ausgel&ouml;scht. <\/p><p>Die Volksverteidigungskr&auml;fte sind vorbereitet und in Alarmbereitschaft. <strong>Es wurde bereits ein zentrales Kommando- und Koordinationskomitee geschaffen, um koordinierte Angriffe gegen die Milit&auml;rjunta unter einer Befehlskette durchzuf&uuml;hren, so der Verteidigungsminister der NUG. Dem Komitee geh&ouml;ren auch Befehlshaber der Armeen der ethnischen Gruppen an.<\/strong><\/p><p>Die Bev&ouml;lkerung steht auf der <strong>Seite der Volksverteidigungskr&auml;fte<\/strong> und wird bei den bevorstehenden K&auml;mpfen <strong>kaum<\/strong> unt&auml;tig zuschauen. Das Milit&auml;r wird versuchen, die D&ouml;rfer einzunehmen, die Einwohner zu vertreiben und verbrannte Erde zur&uuml;ckzulassen. Das wissen die Menschen, es ist eine bekannte Vorgehensweise der Tatmadaw. Daher haben viele das Gef&uuml;hl, dass sie nichts mehr zu verlieren haben, und werden bereit sein, auf Seiten der Volksverteidigungskr&auml;fte zu k&auml;mpfen. Es wird sich dann auch herausstellen, wie weit die einfachen Soldaten bereit sind, den Befehlen der Offiziere zu gehorchen. Viele sind trotz aller Indoktrination und &Uuml;berwachung am Zweifeln. Wenn die ersten von ihnen in Scharen &uuml;berlaufen, werden die restlichen ihnen folgen. <\/p><p>Titelbild: R. Bociaga\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am ersten Februar hinderte das Milit&auml;r in Myanmar die neu gew&auml;hlten Abgeordneten an ihrer ersten Zusammenkunft nach den Wahlen vom November letzten Jahres. Dabei sollte eine zivile Regierung gebildet und ihre Minister ernannt werden. Die Junta verhaftete zahlreiche Abgeordnete, darunter Daw Aung San Suu Kyi und den Staatspr&auml;sidenten von Myanmar, U Win Myint, und &uuml;bernahm<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=77543\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":77544,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[126,20,171],"tags":[3047,282,2022,2840,2177,2875,663,2283],"class_list":["post-77543","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-erosion-der-demokratie","category-landerberichte","category-militaereinsaetzekriege","tag-asean","tag-buergerproteste","tag-failed-state","tag-massenmord","tag-militaerdiktatur","tag-myanmar","tag-putsch","tag-revolution"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/shutterstock_1944980590.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/77543","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=77543"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/77543\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":77560,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/77543\/revisions\/77560"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/77544"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=77543"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=77543"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=77543"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}