{"id":77646,"date":"2021-11-07T11:45:56","date_gmt":"2021-11-07T10:45:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=77646"},"modified":"2021-11-07T13:40:48","modified_gmt":"2021-11-07T12:40:48","slug":"40-jahre-protest-gegen-den-ausbau-des-frankfurter-flughafens-und-sehr-junggebliebene-fragen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=77646","title":{"rendered":"40 Jahre Protest gegen den Ausbau des Frankfurter Flughafens und sehr junggebliebene Fragen"},"content":{"rendered":"<p>Die Bewegung gegen die Startbahn-West, die in den 1980er Jahren mehr als ein regionales Ph&auml;nomen war, ist teils in Vergessenheit geraten. Ins Ged&auml;chtnis haben sich oft nur die Sch&uuml;sse auf Polizeibeamte w&auml;hrend einer n&auml;chtlichen Demonstration von 1987 eingebrannt. Aber etwa die H&uuml;ttendorfr&auml;umung 1981, die Zehntausende mobilisierte, war ein politisches Schl&uuml;sselereignis f&uuml;r viele Beteiligte. Die damalige Debatte um Militanz kann auch von aktueller Relevanz sein. Von <b>Wolf Wetzel<\/b>.<br>\n<!--more--><br>\nAm 2. November j&auml;hrte sich die gewaltsame H&uuml;ttendorfr&auml;umung am Frankfurter Flughafen zum 40. Mal. Die Bewohnerinnen und Bewohner des H&uuml;ttendorfes werden v&ouml;llig &uuml;berrascht, als Hundertschaften der Polizei um neun Uhr morgens das Dorf umstellen und die Bewohner vom Gel&auml;nde treiben. Kurz danach beginnen Bagger und R&auml;umger&auml;te mit dem Abriss der H&uuml;tten. Die B&uuml;rgerinitiative (BI) gibt einen bundesweiten Alarm aus, dem bis in die Nachmittagsstunden &uuml;ber 10.000 Menschen folgen. Es kommt zu von SEK-Einheiten ver&uuml;bten brutalen Polizeiausf&auml;llen, bei denen auch Gasgranaten und &sbquo;Pepperfog&lsquo; eingesetzt werden. <\/p><p>Im Laufe des Tages weitet sich der Protest &uuml;ber die Rhein-Main-Region aus: Um 17 Uhr versammeln sich etwa 4.000 Startbahngegner auf dem Frankfurter Paulsplatz. In einem Demonstrationszug ziehen sie zum Hauptbahnhof und blockieren dort die Gleise. Unter Schlagstockeinsatz wird der Hauptbahnhof ger&auml;umt. Daraufhin zieht die Demonstration weiter zur Alten Oper und zur B&ouml;rse. Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;ler in Gro&szlig;-Gerau hatten schon mittags zu Tausenden den Bahnhof blockiert, in R&uuml;sselsheim passierte das Gleiche. Es kommt zu Demonstrationen in Fulda, Berlin, Heidelberg, Freiburg, G&ouml;ttingen, Darmstadt, Gie&szlig;en, Hamburg, Bremen, Stuttgart, T&uuml;bingen &hellip;<\/p><p>Seitdem steht der &bdquo;2.11.&ldquo; im Rhein-Main-Gebiet f&uuml;r eine gewaltsame Politik der Landesregierung, die die &ouml;konomischen und milit&auml;rischen Interessen an einem zentralen Weltflughafen &uuml;ber alles (andere) stellt\/e. Aus diesem Anlass werden von der B&uuml;rgerinitiative (BI) verschiedene Veranstaltungen durchgef&uuml;hrt, unter anderem eine Podiumsdiskussion, die sich das Thema gesetzt hat: &bdquo;Aus der Geschichte lernen.&ldquo;<\/p><p><b>Eine gute Gelegenheit, einen Blick zur&uuml;ck nach vorne zu wagen<\/b><\/p><p>Wenn ich bei Veranstaltungen meine politische Herkunft beschreibe, sage ich u.a., dass ich durch die Startbahnbewegung gepr&auml;gt wurde, es war fast so etwas wie eine zweite Sozialisation. Oft schaue ich dabei in fragende Gesichter und muss dann gegebenenfalls ein wenig ausholen. Tatsache ist wohl, dass das, was in den 1980er Jahren zu den politischen Kristallisationspunkten z&auml;hlte (H&auml;userkampf, Anti-AKW-Bewegung, internationalistische Bewegungen etc.), heute weitgehend in Vergessenheit geraten ist.<\/p><p>Das trifft auch auf die Startbahnbewegung zu, die in den 1980er Jahren mehr als ein regionales Ph&auml;nomen war. Ins Ged&auml;chtnis haben sich oft nur die Sch&uuml;sse auf Polizeibeamte w&auml;hrend einer n&auml;chtlichen Demonstration am 2.11.1987 eingebrannt. Zwischen der besagten H&uuml;ttendorfr&auml;umung 1981, die Zehntausende mobilisierte und ganz sicher ein Schl&uuml;sselereignis f&uuml;r viele wurde, und den t&ouml;dlichen Sch&uuml;ssen 1987 liegen sechs sehr ereignisreiche, pr&auml;gende und faszinierende Jahre.<\/p><p><b>Die Debatte um die Sch&uuml;sse<\/b><\/p><p>Dass die t&ouml;dlichen Sch&uuml;sse an der Startbahn, vor allem ihre (Aus-)Deutung gerade auch unter den Beteiligten, ein zentrales Ereignis sind (und bleiben werden), zeigte sich auch auf einer Buchvorstellung, die am 4.1.2016 im Rathaus in Walldorf stattfand und dieser Flei&szlig;arbeit gewidmet war: &bdquo;50 Jahre Protest gegen den Ausbau des Frankfurter Flughafens&ldquo;<i>.<\/i><\/p><p>Obwohl heute mehr als 25 Jahre dazwischenliegen, hatte man das Gef&uuml;hl, als w&auml;re vieles gestern gewesen. Manche Wortbeitr&auml;ge erinnerten an Stellungnahmen, die in den ersten Wochen nach den t&ouml;dlichen Ereignissen abgegeben wurden. Was in der ersten Aufregung verst&auml;ndlich ist, ist jedoch mehr als 25 Jahre sp&auml;ter Ausdruck einer politischen Vereisung, Ausdruck einer nie stattgefundenen Diskussion.<\/p><p>Umso fataler sind die politischen Konsequenzen, die scheinbar daraus gezogen wurden. Auch bei der Buchvorstellung war mehrmals davon die Rede, dass die <i>t&ouml;dlichen Sch&uuml;sse<\/i> dem Anliegen der Flughafenausbaugegner bis heute schwer geschadet, ihr Anliegen diskreditiert haben. Sie h&auml;tten der Startbahnbewegung den Todessto&szlig; versetzt. Schuld an allem seien &sbquo;die Autonomen&lsquo;: Sie h&auml;tten daf&uuml;r gesorgt, dass die Falle der hessischen Landesregierung zugeschnappt sei (womit die Gewaltfalle gemeint ist) und dass die Protestbewegung &bdquo;ins Unrecht gesetzt werden konnte&ldquo;. Diese Meinung vertritt Gerhard Krum in dem Buch-Beitrag: &bdquo;<i>Schmei&szlig;t die Zwillen weg<\/i>&ldquo; (S.54) &ndash; noch heute.<\/p><p><b>Wie kann man einen Protest erfolgreich gestalten?<\/b><\/p><p>V&ouml;llig unabh&auml;ngig von Erinnerungen sind die Fragen, die tats&auml;chlich gestellt werden m&uuml;ssen und auf die man immer wieder Antworten (wahrscheinlich auch manchmal nicht dieselben) finden muss, sehr aktuell &ndash; mehr denn je: Wie kann man einen Protest erfolgreich gestalten? Gew&auml;hrleistet ein friedlicher Protest einen solchen Erfolg? Werden die guten Argumente gegen ein solches &sbquo;Projekt&lsquo; unter &sbquo;Steinen&lsquo; begraben?<i> <\/i><\/p><p>Zu Recht besteht Gerhard Krum in dem Beitrag &bdquo;<i>Feuer frei? Nachdenkliches zu den Todessch&uuml;ssen an der Startbahn West<\/i>&ldquo; (S.52\/53) darauf, die Sch&uuml;sse auf Polizisten w&auml;hrend einer n&auml;chtlichen Aktion am 2.11.1987, an der sich &uuml;ber 300 Startbahngegner beteiligten, weder mit gewaltt&auml;tigen Verh&auml;ltnissen zu erkl&auml;ren, noch mit einem &sbquo;Psychopathen&lsquo;, den man als Schuldigen ausfindig gemacht hat. Das ist in der Tat auf die eine oder andere Weise geschehen, vor allem in den ersten Wochen &ndash; als die allermeisten &uuml;ber das <i>Wer<\/i>, das <i>Wie<\/i> und <i>Warum<\/i> r&auml;tselten.<\/p><p>Danach ist sehr viel passiert, an Recherchen, an Reflexionen und inhaltlichen Auseinandersetzungen, die in das einflie&szlig;en m&uuml;ssen, was man heute dar&uuml;ber wissen muss und welche &bdquo;Lehren&ldquo; man daraus ziehen kann.<\/p><p>So wurde sehr schnell ein &bdquo;Ermittlungsausschuss\/EA&ldquo; gegr&uuml;ndet, der &uuml;ber drei Jahre alles zusammengetragen und begleitet hatte. Doch nicht nur diese m&uuml;hsame und kontinuierliche Arbeit ist zu erw&auml;hnen, sondern auch der gemeinsame, monatelange Diskussionsprozess vieler Startbahngruppen, mit dem Ziel, eine politische Einordnung und eine gemeinsame Haltung zu den bevorstehenden Prozessen und den darin involvierten Angeklagten einzunehmen. All das findet sich in der vierseitigen &bdquo;<i>Plattform zum 2.11-Prozess&ldquo;<\/i>, die 1988 breit publiziert wurde und tats&auml;chlich eine tragf&auml;hige Basis f&uuml;r die kommenden Jahre bot.<\/p><p>Allen Beteiligten war klar, dass die Sch&uuml;sse keineswegs eine irgendwie geartete Konsequenz aus dem militanten Widerstand waren. Sowohl in der Vorbereitung, als auch in den vielen Aktionen davor, bestand Konsens darin, dass der Einsatz von Schusswaffen weder klammheimlich noch unausgesprochen gedeckt wird. Im Gegenteil: Wir wussten sehr wohl, dass eine Eskalation der (Gegen-)Gewalt weder die Ohnmacht befriedigt, noch eine Antwort auf den politischen Stillstand sein kann.<\/p><p>Die Diskussionen &uuml;ber Grenzen und Notwendigkeit von (Gegen-)Gewalt, die Weigerung, politische Schwierigkeiten und Ohnmachtserfahrungen &sbquo;militaristisch&lsquo; zu &uuml;berspringen, wurden vor dem 2.11.1987 gef&uuml;hrt. Dass sich an dem gefundenen Konsens nicht alle halten, markieren Grundverst&auml;ndnis und Bruchstelle von Bewegungen zugleich.<\/p><p>Selbstverst&auml;ndlich haben die <i>Sch&uuml;sse<\/i> bis heute ihre Spuren, ihre Geschichten und Spuren hinterlassen. Am allergef&auml;hrlichsten sind die Schl&uuml;sse, die ohne jede Diskussion, durch Auslassung der konkreten Umst&auml;nde und eigener Verortung gezogen wurden und werden.<\/p><p>Und es gibt eine Art, die den tragischen Umst&auml;nden am 2.11.1987 &uuml;berhaupt nicht gerecht wird: Wenn man mit dem stillen Verweis auf die <i>Sch&uuml;sse<\/i> ein Leichentuch &uuml;ber alle anderen Ereignisse, Br&uuml;che und Streitpunkte legt. Das ist nichts Spezielles f&uuml;r die Startbahnbewegung, sondern ein Umstand, der sich leider sehr oft wiederholt.<\/p><p>Diese Leerstellen sind bis heute virulent &ndash; nicht nur im Protest gegen den weiteren Ausbau des Frankfurter Flughafens. Man kann genauso gut den <i>Stuttgart-21<\/i>-Protest in Erinnerung rufen oder die jahrzehntelange Widerstandsgeschichte gegen die Castortransporte im Wendland.<\/p><p><b>Wie reagiert man auf staatliche Repression?<\/b><\/p><p>Mit diesem Blick n&auml;hert man sich Fragen, die man eben nicht auf ein Ereignis zusammendampfen kann: Wie reagiert man auf die massive staatliche Repression, die die Startbahnbewegung in den vielen Jahren zum Teil sehr schmerzlich zu sp&uuml;ren bekommen hat? Was macht man, wenn alle politischen Mittel (H&uuml;ttendorf, Demonstrationen, Platzbesetzungen, Volksbegehren, Aufkl&auml;rung) gegen eine Wand aus Beton fahren? Was macht man, wenn die Antwort auf den Protest, der eine breite Unterst&uuml;tzung (30.000 bei dem Versuch, die Rodung zu verhindern, 200.000, die einen Volksentscheid bef&uuml;rworteten) genoss, nur noch mehr Repression ist, am allerwenigsten die Bereitschaft, die Zustimmung zu einer weiteren Startbahn mit demokratischen\/politischen Mitteln zu suchen?<\/p><p>Ohnmacht, Ersch&ouml;pfung und Ratlosigkeit waren lange vor den Sch&uuml;ssen sp&uuml;rbar und die Frage, wie man den B&uuml;rgerkrieg der Herrschenden nicht annimmt, war lange vor dem 2.11.1987 eine unbeantwortete: Wie steigt man in den Ring, ohne getroffen zu werden? Wie kann man gewinnen, ohne in den Ring zu steigen?<\/p><p>Dazu geh&ouml;rt aber auch das Eingest&auml;ndnis, dass ein gro&szlig;er Teil der Startbahnbewegung resigniert hatte, als die Startbahn 18 West im Jahr 1984 eingeweiht, im wahrsten Sinne des Wortes durch den Wald und die K&ouml;pfe der Menschen gepr&uuml;gelt wurde.<\/p><p>Danach gab es tats&auml;chlich einen &sbquo;F&uuml;hrungswechsel&lsquo;, ein Gro&szlig;teil der alten BI-Strukturen l&ouml;ste sich auf, ein kleiner Teil wollte den Widerstand auf parlamentarischer Ebene &bdquo;fortf&uuml;hren&ldquo; &ndash; in Gestalt von gr&uuml;nen Listen und Beteiligung an (Landtags-)Wahlen.<\/p><p><b>Protest-Rituale?<\/b><\/p><p>Denen, die nicht resigniert hatten, die nicht glauben wollten, dass man den Kampf gegen die Startbahn West nur in die Parlamente verlagern m&uuml;sse, wurde vorgeworfen, dass sie &bdquo;verbissen&ldquo; an Ritualen festhalten w&uuml;rden. Das Urteil dar&uuml;ber war schnell gef&auml;llt: &bdquo;Die Politik der Nadelstiche war von Anfang ein Kampf um eine verlorene Sache.&ldquo; (Gerhard Krum)<\/p><p>Es lohnt sich, bei dieser Betrachtung kurz zu verweilen. Rituale sind in ihrer negativen Konnotation Handlungen, die sich nur selbst gefallen und gen&uuml;gen, die keine Wirkung, keine Ausstrahlung &uuml;ber die daran Beteiligten hinaus haben und an den tats&auml;chlichen Verh&auml;ltnissen nichts &auml;ndern, nichts &auml;ndern wollen.<\/p><p>Dass der Ansatz, an der Startbahn zu bleiben, diese auch im Betrieb nicht in Ruhe zu lassen, rituell und sinnlos war, ist ein mehr als zweifelhaftes Fazit. Vor allem dann, wenn man die verschiedenen politischen Strategien\/Optionen miteinander vergleicht, die 1984 zur Disposition standen: Was hat der &bdquo;parlamentarische Widerstand&ldquo; gebracht? War er erfolgreich oder ein Ritual, das bestenfalls risiko&auml;rmer und ausk&ouml;mmlicher war?<\/p><p>Gerade im R&uuml;ckblick auf diese Phase der Startbahnbewegung w&auml;re doch das erste ehrliche Fazit, dass beide, miteinander verfeindete Strategien erfolglos waren. Weder vor Ort noch in irgendwelchen Stadtparlamenten konnte am Faktum des Flughafenausbaus etwas ge&auml;ndert werden.<\/p><p>Und selbstverst&auml;ndlich ist die Frage der Ohnmacht, auf Granit zu bei&szlig;en, kein spezielles Problem der Startbahnbewegung der 1980er Jahre! Und genau so wenig ist die Frage der Mittel eine gel&ouml;ste! Der Versuch, den Widerstand gegen die Startbahn West im legalen Bereich (Stichwort &sbquo;legitimer Widerstand&lsquo;) zu halten, in der Hoffnung, dass die Breite der Bewegung und die Wirkung der Argumente bei den politisch Verantwortlichen ankommen, ist, leicht belegbar &hellip;, nicht aufgegangen. All das passierte lange vor den <i>Sch&uuml;ssen<\/i> am 2.11.1987.<\/p><p>Und selbstverst&auml;ndlich muss sich auch die Restbewegung &ndash; nach 1984 &ndash; damit auseinandersetzen, dass die Strategie, den Preis f&uuml;r den Flughafen letztendlich unbezahlbar zu machen, nicht aufging. Das lag nat&uuml;rlich auch daran, dass man sich nicht wirklich vergegenw&auml;rtigte, dass der Flughafen\/FRAPORT &uuml;ber einen Etat verf&uuml;gt, der so hoch ist wie der der hessischen Landesregierung und letztendlich noch auf diesen direkt oder versteckt zugreifen konnte.<\/p><p>Die politische wichtige Frage jedoch, die sich bei allen Gro&szlig;projekten in dieser Gr&ouml;&szlig;enordnung stellt, ist doch, was ein <i>David<\/i> anders, besser machen kann\/soll, gegen einen <i>Goliath<\/i>, der in der Zuspitzung immer mit <i>B&uuml;rgerkrieg<\/i> droht, einem also die Waffen aufzwingt, die man selbst nicht hat (und will).<\/p><p>Und nat&uuml;rlich ist die Frage der Mittel keine der 1980er Jahre und schon gar keine, die gel&ouml;st wurde. Man kann mit w&uuml;tend geworfenen Steinen Rituale einleiten oder auch mit Demonstrationen. Beides kann ins Leere laufen!<\/p><p><b>Haben aktuelle Proteste aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt?<\/b><\/p><p>Und damit sind wir mitten im Protest der Gegenwart. Haben diese Proteste aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt? Schaffen sie es, der Gefahr der Ritualisierung ein Schnippchen zu schlagen?<\/p><p>Wenn es an den (falschen) Mitteln liegt, warum sind dann &sbquo;friedliche&lsquo; Proteste nicht erfolgreich &ndash; weder in Stuttgart gegen <i>Stuttgart-21<\/i>, noch im Kelsterbacher Wald, gegen die reibungslos durchgezogene Nordbahn, ein Protest, der gar kein Feuer gefangen hatte, der &uuml;ber die z&auml;hen und ausdauernden Aktivistinnen und Aktivisten selten hinausging?<\/p><p>1984 hat ein Teil der Startbahnbewegung ihre Parlamentarisierung als Ausweg, als L&ouml;sung gew&auml;hlt. Diese Option ist heute offensichtlich mehr als hinf&auml;llig und verbraucht. Der andere, weniger gesch&uuml;tzte Weg ist die Konfrontation und die Einsicht, dass noch gar nichts gewonnen ist, wenn man recht hat, wenn man sich im Recht f&uuml;hlt, wenn man auf das Recht verweist. <\/p><p>Um diese schwierige Frage geht es. Es fehlt dabei nicht an Ideen und M&ouml;glichkeiten. Alle wissen, dass die wirkliche Grenze keine politische, keine ideologische ist. Es geht schlicht um die Frage: Wie viel Risiko will ich, wollen wir, m&uuml;ssen wir eingehen? <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><i>Der Autor war seit 1980 aktiv in der Startbahnbewegung. Er war am Ermittlungsausschuss (1987-91) und an dem Grundsatzpapier zur Startbahnbewegung und den anstehenden Prozessen beteiligt.<\/i><\/p><p><i>2008 publizierte er die Erz&auml;hlung T&ouml;dliche Sch&uuml;sse, die auf &uuml;ber 15 Interviews mit damals Beteiligten fu&szlig;t und mit langen Einblendungen die verschiedenen Phasen der Startbahnbewegung einf&auml;ngt: T&ouml;dliche Sch&uuml;sse &ndash; Eine dokumentarische Erz&auml;hlung, Unrast Verlag, M&uuml;nster, 2008<\/i><\/p><p><i>50 Jahre Protest gegen den Ausbau des Frankfurter Flughafens | BAND I. Hg. Walter Kerber, Wilma Fr&uuml;chwacht-Treber, Dirk Treber, 2015, Buchbeitrag: T&ouml;dliche Sch&uuml;sse &ndash; 25 years later (S.56-59)<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Bewegung gegen die Startbahn-West, die in den 1980er Jahren mehr als ein regionales Ph&auml;nomen war, ist teils in Vergessenheit geraten. 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