{"id":77869,"date":"2021-11-11T14:23:16","date_gmt":"2021-11-11T13:23:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=77869"},"modified":"2021-11-12T15:07:09","modified_gmt":"2021-11-12T14:07:09","slug":"spanien-befreite-mexiko-vom-terror-der-azteken-vox-die-madrider-charta-die-afd-und-die-rechtsradikale-offensive-in-lateinamerika","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=77869","title":{"rendered":"\u201eSpanien befreite Mexiko vom Terror der Azteken\u201d \u2013 Vox, die \u201eMadrider Charta\u201c, die AfD und die rechtsradikale Offensive in Lateinamerika"},"content":{"rendered":"<p>Mit der Gr&uuml;ndung des <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=EWYAEF0hB6c\">&bdquo;Forums von Madrid&ldquo;<\/a> und der Unterzeichnung einer sogenannten &bdquo;Madrider Charta&ldquo; im Oktober 2020 begann in Spanien eine von der einheimischen Vox-Partei eingeleitete politische Offensive rechtsradikaler Parteien und faschistischer Politiker in Richtung Lateinamerika. Ihre Kampfansage, so die knapp 100 UnterzeichnerInnen, gelte den &bdquo;kommunistischen Regimen&ldquo;, die in der sogenannten &bdquo;Iberosph&auml;re&ldquo; vom &bdquo;Drogenhandel finanziert&ldquo; seien. &bdquo;Iberosph&auml;re&ldquo; ist skurriles &bdquo;Neusprech&ldquo; des baskischen Vox-Vorsitzenden Santiago Abascal, der die iberische Halbinsel und das gesamte, von Spanien und Portugal &bdquo;zivilisierte&ldquo; Lateinamerika meint. Indes, welches Weltbild vereint die rechtsradikale Internationale? Von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2517\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-77869-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/211111-Spanien-befreite-Mexiko-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/211111-Spanien-befreite-Mexiko-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/211111-Spanien-befreite-Mexiko-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/211111-Spanien-befreite-Mexiko-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=77869-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/211111-Spanien-befreite-Mexiko-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"211111-Spanien-befreite-Mexiko-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Mit ihren ger&auml;uschvollen Auftritten gegen Migranten aus L&auml;ndern mit muslimischer Mehrheit und gegen &bdquo;Gender-Ideologie&ldquo; &ndash; also Feminismus und Rechten von LGBT+-Minderheiten &ndash; avancierte Vox zum Sprachrohr der extremen Rechten in Spanien. Als diese Werte in den hispanoamerikanischen Raum ausstrahlten, wurden sie von vielen rechtsradikalen bis faschistischen Str&ouml;mungen Lateinamerikas, die sich bisher der offenen Nachahmung des ultrakonservativen Trumpismus sch&auml;mten, als ihr Spiegelbild erkannt. Das gewaltsame Vorgehen und die Mauer der Regierung Donald Trump gegen verarmte Migranten aus Zentralamerika an der Grenze zu Mexiko hat ultrakonservative &bdquo;Eliten&ldquo; und die ihnen nachlaufenden Mittelschichten gegen die sich nach 2018 zuspitzende Migrationswelle von hunderttausenden HaitianerInnen und Millionen VenezolanerInnen in S&uuml;damerika auf den Plan gerufen. Im nordchilenischen Iquique fand k&uuml;rzlich eine ausl&auml;nderfeindliche Kundgebung statt, die in der physischen Bedrohung und <a href=\"https:\/\/m.elmostrador.cl\/noticias\/multimedia\/2021\/09\/25\/iquique-queman-pertenencias-de-familias-que-se-alojaban-en-campamento-de-migrantes\/\">Verbrennung von venezolanischen Migranten-Zeltlagern<\/a> durch Rechtsradikale gipfelte.<\/p><p>Doch werden Vox und ihre Verb&uuml;ndeten nicht allein von neuzeitlichem Fremdenhass und mittelalterlicher, verlogener Familienmoral angetrieben. Das Ressentiment-Paket hat politisch-&ouml;konomische Konturen, die als Kampfprogramm des autorit&auml;ren, gewaltbereiten Fl&uuml;gels des neoliberalen Branchen- und Finanzsystems erkennbar sind. Vox, den Deutsch-Chilenen Jos&eacute; Antonio Kast, Jair Bolsonaro sowie die deutsche AfD eint die &Uuml;berzeugung, das Privateigentum k&ouml;nne nur mit der Zertr&uuml;mmerung des sozialen Wohlfahrtsstaates, der Installierung des &bdquo;Minimalstaates&ldquo; und der absoluten Vorherrschaft des Marktes gesch&uuml;tzt werden. Wikileaks enth&uuml;llte Mitte des laufenden Jahres, dass hinter der Mehrheit der rechtsradikalen Parteien militante, neoliberale Denkfabriken, Million&auml;re und Milliard&auml;re die Strippen ziehen; von <a href=\"https:\/\/www.publico.es\/politica\/exclusiva-wikileaks-grandes-fortunas-altos-ejecutivos-espanoles-financiaron-nacimiento-vox-partir-grupo-ultracatolico-hazte-oir.html\">Vox<\/a>, &uuml;ber <a href=\"https:\/\/www.brasildefato.com.br\/2017\/08\/14\/think-tanks-organizacoes-por-tras-da-guinada-da-direita-na-america-latina\/\">Bolsonaro<\/a>, bis hin zur <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/august-von-finck-und-die-rechten-der-milliardaer-hinter-der-afd-a-00000000-0002-0001-0000-000160960453\">AfD<\/a>.<\/p><p>Das Men&uuml; ist aber nicht komplett. Die Rechtsextremisten rufen zum Kampf gegen einen geisterhaften &bdquo;Kulturmarxismus&ldquo; auf, &bdquo;der das gesamte Bildungssystem und die Medien beherrscht&ldquo;, und servieren ihren Anh&auml;ngern einen zugleich frechen wie l&auml;cherlichen Geschichts-Revisionismus. Abascals Vox scheute sich nicht davor, am vergangenen 13. August in die Welt <a href=\"https:\/\/twitter.com\/vox_es\/status\/1426121513112047619\">zu twittern<\/a>, &bdquo;An diesem Tag, vor 500 Jahren, gelang einer Truppe von Spaniern unter der F&uuml;hrung von Hern&aacute;n Cort&eacute;s und einheimischen Verb&uuml;ndeten die Kapitulation von Tenochtitl&aacute;n. Spanien hat es geschafft, Millionen von Menschen aus dem blutr&uuml;nstigen und terroristischen Regime der Azteken zu befreien.&ldquo; Verlogener kann die Conquista nicht umgedeutet und zynischer die wei&szlig;e &bdquo;&Uuml;berlegenheit&ldquo; nicht vorgetragen werden. Eineinhalb Jahre zuvor hatte Jair Bolsonaro <a href=\"https:\/\/g1.globo.com\/politica\/noticia\/2020\/01\/24\/cada-vez-mais-o-indio-e-um-ser-humano-igual-a-nos-diz-bolsonaro-em-transmissao-nas-redes-sociais.ghtml\">folgende Perle<\/a> von sich gegeben: &bdquo;Schritt f&uuml;r Schritt wird der Indianer zu einem menschlichen Wesen wie wir&ldquo;. Der deutsch-chilenische Rechtsradikale Kast nimmt seit seinem Deb&uuml;t in der Politik die blutige Milit&auml;rdiktatur General Augusto Pinochets in Schutz, die sich der Ermordung von mindestens 4.500 Oppositionellen schuldig machte, und stellt, ohne mit der Wimper zu zucken, die reale Geschichte <a href=\"https:\/\/www.gamba.cl\/2018\/03\/las-40-peores-frases-de-jose-antonio-kast-que-exponen-su-peligroso-discurso-de-odio-y-fanatismo-religioso\/\">auf den Kopf<\/a>: &bdquo;In der Milit&auml;rregierung wurde viel f&uuml;r die Menschenrechte anderer Menschen getan&ldquo;.<\/p><p>Die ideologische Kriegserkl&auml;rung der &bdquo;Madrider Charta&ldquo; muss allerdings als unmissverst&auml;ndliche Reaktion auf die aufeinanderfolgenden Wahlsiege von drei progressiven Pr&auml;sidentschaftskandidaten der Region verstanden werden, n&auml;mlich des Mexikaners Andr&eacute;s Manuel L&oacute;pez Obradors im Dezember 2018, des Argentiniers Alberto Fern&aacute;ndez im Dezember 2019 und des Bolivianers Luis Arce im November 2020.<\/p><p><strong>&bdquo;Narco-Kommunismus&ldquo;, eine venezolanische Intrige mit US-Involvierung<\/strong><\/p><p>In dem Pamphlet <a href=\"https:\/\/fundaciondisenso.org\/carta-de-madrid\/\">&bdquo;Carta de Madrid&ldquo;<\/a> lasen sich diese Wahlsiege so:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Ein Teil der (F. F.: lateinamerikanischen) Region wird von <b>kommunistisch inspirierten, totalit&auml;ren Regimen entf&uuml;hrt, die vom Drogenhandel und Drittstaaten unterst&uuml;tzt werden<\/b>. Sie alle unter dem Dach des kubanischen Regimes und von Initiativen wie dem S&atilde;o-Paulo-Forum und der Puebla-Gruppe, die die <b>Machtzentren unterwandern<\/b>, um ihre ideologische Agenda durchzusetzen. Die <b>Bedrohung<\/b><i> <\/i>beschr&auml;nkt sich nicht ausschlie&szlig;lich auf die L&auml;nder, die unter dem <b>totalit&auml;ren Joch<\/b> leiden. Das <b>ideologische und kriminelle Projekt, das die Freiheiten und Rechte der Nationen unterjocht<\/b>, zielt darauf ab, in andere L&auml;nder und Kontinente einzudringen, um freiheitliche Demokratien und Rechtsstaatlichkeit zu destabilisieren.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Die in der deutschen &Uuml;bersetzung hervorgehobenen Satzteile verdeutlichen Ausschweifungen im Diskurs der Rechtsradikalen, vor allem atemberaubende L&uuml;gen und hirnverbrannte Paranoia. &bdquo;Der Narkosozialismus zieht sich durch Lateinamerika und l&auml;sst sich auch in Chile nieder&ldquo;, war bereits am 18. Dezember 2019 <a href=\"https:\/\/alnavio.es\/noticia-20091-actualidad-narcosocialismo-recorre-america-latina-y-tambien-se-instala-en-chile-html\/\">der Titel einer Fake News<\/a> der rechtsradikalen spanischen Gazette <em>AlNav&iacute;o<\/em> mit Vox-N&auml;he. Der Text unterstellte, die damaligen sozialen Proteste im Andenland seien von &bdquo;Narcos&ldquo;, also Drogen-Kartellen, inszeniert worden.<\/p><p>Indes, woher stammt der Vorwurf der Involvierung progressiver Parteien und Regierungen in den Drogenhandel? Seine Schl&uuml;sselfigur ist der venezolanische Generalmajor Hugo Armando Carvajal, genannt &bdquo;El Pollo&ldquo; (Das Huhn), dessen Anschuldigungen auf einen Deal mit der US-Justiz abzielen. Von 2004 &ndash; mit einer kurzen Unterbrechung im Jahr 2012 &ndash; amtierte Carvajal bis 2018 als Chef des Milit&auml;rischen Geheimdienstes (DGCIM) der Regierungen Hugo Ch&aacute;vez und Nicol&aacute;s Maduro, zuletzt auch als Abgeordneter der Regierungspartei PSUV. Mit der &uuml;berraschenden Bekanntgabe seiner <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=48962\">Unterst&uuml;tzung des Putschisten Juan Guaid&oacute;<\/a> brach Carvajal 2019 mit der Regierung Maduro und floh nach Spanien, von wo Venezuela vergeblich seine Auslieferung wegen Landesverrats beantragte.<\/p><p>In Spanien wurde die US-Drogen&uuml;berwachungsbeh&ouml;rde (DEA) auf den Fl&uuml;chtling aufmerksam, f&uuml;r dessen Festnahme als einer der meistgesuchten Beschuldigten die US-Justiz bereits Jahre zuvor ein millionenschweres Kopfgeld ausgesetzt hatte. Carvajal wird Drogenhandel, Geldw&auml;sche und Zusammenarbeit mit der l&auml;ngst aufgel&ouml;sten kolumbianischen Guerilla-Organisation FARC beim Drogenschmuggel in die USA vorgeworfen. Audrey Strauss, Staatsanw&auml;ltin im S&uuml;dbezirk von New York, behauptete, Carvajal sei auch f&uuml;r das Tragen und den Einsatz von Maschinengewehren und &bdquo;zerst&ouml;rerischen Ger&auml;ten zur Unterst&uuml;tzung von Drogen-Terrorismus&ldquo; verantwortlich.<\/p><p>Obwohl er von der DEA gesucht wurde, lehnte die spanische Justiz die Auslieferung Carvajals an die USA zun&auml;chst ab. Die spanische Staatsanwaltschaft im Anti-Drogen-Ressort legte jedoch Berufung ein und das Plenum des Obersten Gerichtshofes widerrief den Beschluss vom November 2019. &bdquo;Huhn Carvajal&ldquo; erfuhr den Beschluss durch die Presse und verschwand. Seitdem und trotz der 10 Millionen Dollar US-Pr&auml;mie f&uuml;r die Bekanntgabe seines Aufenthaltsortes blieb der Venezolaner untergetaucht, bis die Polizei ihn Anfang September 2021 in der Torrelaguna-Stra&szlig;e Madrids erneut verhaftete und die spanische Justiz nun in seine Auslieferung einwilligte.<\/p><p>Mit Blick auf seine Vorladung vor US-Gerichte, von denen er Strafmilderung erwartet, packt der Ex-Geheimdienstler seitdem kapitelweise <a href=\"https:\/\/www.diariolasamericas.com\/america-latina\/el-pollo-carvajal-revela-como-el-chavismo-financia-la-izquierda-el-mundo-n4234777\">angebliche Staatsgeheimnisse<\/a> aus, darunter filmreife, angeblich kriminelle Geldschiebereien des Iran an die Regierung Maduro, womit nicht nur linke Parteien und die Pr&auml;sidentschaftskandidaten Argentiniens, Brasiliens, Boliviens, Kolumbiens und Mexikos, sondern auch die linke spanische Regierungspartei Podemos finanziert worden seien. Beweise? Wozu? Gegenw&auml;rtig reichen tausendfach verbreitete Fake News in rechtsradikalen Netzwerken als &bdquo;Beweise&ldquo;. So regierte Donald Trump die USA, so haust Jair Bolsonaro in Brasilien. Mehrere Beschuldigte, darunter Podemos und der besiegte kolumbianische Pr&auml;sidentschaftskandidat Gustavo Petro, k&uuml;ndigten Strafanzeige gegen Carvajal an.<\/p><p>Zusammen mit der <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/ausland\/venezuela-alex-saab-kennt-alle-geheimnisse-maduros-jetzt-sitzt-er-in-den-usa-in-haft-a-4be7c432-0738-40c4-8a6b-6f181d96d621\">k&uuml;rzlich erfolgten Festnahme<\/a> des kolumbianischen Unternehmers im venezolanischen Auftrag, Alex Saab Mor&aacute;n, auf den Kapverden und dessen v&ouml;lkerrechtswidriger Auslieferung an die US-Justiz wegen Versto&szlig;es gegen die Venezuela-Sanktionen der USA &ndash; ein Versto&szlig;, der als &bdquo;Geldw&auml;sche&ldquo; umgedeutet wird &ndash; erhoffen sich US-Justiz und Regierung Joe Biden allen Anzeichen nach ein spektakul&auml;res &bdquo;Venezuela-Tribunal&ldquo; mit Nebenhandlungen gegen die demokratisch gew&auml;hlten progressiven Regierungen der Region. Apropos &bdquo;Venezuela-Tribunal&ldquo;: Die H&auml;lfte der &bdquo;Madrider Charta&ldquo;-UnterzeichnerInnen geh&ouml;ren zur ultrarechten venezolanischen Opposition um Juan Guaid&oacute;.<\/p><p><strong>Rechtsradikaler Kreuzzug gegen progressive Regierungen und bevorstehende Wahlen<\/strong><\/p><p>Seit Carvajals ersten &bdquo;Enth&uuml;llungen&ldquo; im Jahr 2019 gelang es den Ideologen in einem schmutzigen Kreuzzug, das groteske Phantombild vom &bdquo;Narco(Drogen)-Kommunismus&ldquo; in konservativen Medien zu installieren. Kaum war die &bdquo;Madrider Charta&ldquo; im Umlauf, legte Anfang Oktober 2021 das vorbestrafte ehemalige Model und Vox-Aktivistin Cristina Segui mit einem Interview f&uuml;r das private brasilianische Fernsehnetz Record nach und beschuldigte Ex-Pr&auml;sident Luis In&aacute;cio Lula da Silva sowie seine Arbeiterpartei (PT), vom <a href=\"https:\/\/recordtv.r7.com\/domingo-espetacular\/videos\/jornalista-espanhola-afirma-que-grupo-fundado-por-lula-tem-estrutura-criminosa-10102021\">&bdquo;Drogenhandel finanziert&ldquo;<\/a> zu sein. Das kurze und b&uuml;ndige Dementi des Beschuldigten und seiner Partei <a href=\"https:\/\/noticias.uol.com.br\/colunas\/mauricio-stycer\/2021\/10\/10\/espanhola-acusa-lula-e-pt-de-elo-com-trafico-e-record-nao-divulga-resposta.htm\">bezeichnete den Vorwurf als l&auml;cherlich<\/a>, doch die Antwort wurde vom Sender zensiert.<\/p><p>Warum wird derzeit ausgerechnet Lula von den Angreifern ausgesucht? Die Antwort scheint auf der Hand zu liegen. Sollte die bezweifelte Neubewerbung Jair Bolsonaros f&uuml;r das Pr&auml;sidentenamt &uuml;berhaupt im November 2022 stattfinden, w&uuml;rde Lula nach j&uuml;ngsten <a href=\"https:\/\/elcomercio.pe\/mundo\/latinoamerica\/lula-da-silva-venceria-la-eleccion-presidencial-en-brasil-a-jair-bolsonaro-en-la-primera-vuelta-segun-nuevo-sondeo-de-la-firma-ipec-noticia\/\">Umfragen von Ende September 2021<\/a> Bolsonaro mit einer Differenz von mehr als 25 Prozentpunkten (48:23) bereits in der ersten Wahlrunde schlagen.<\/p><p>Doch ein ganzes Jahr davor, n&auml;mlich Ende November 2021, finden in Chile Pr&auml;sidentschaftswahlen statt. Die durch sechs Anw&auml;rter pulverisierte Wahlkampagne f&uuml;hrte der ehemalige linke Studentenf&uuml;hrer Gabriel Boric Font als Favorit. Bis die Kandidatur des konservativen Sebasti&aacute;n Sichel wegen Korruptionsvorw&uuml;rfen einbrach, wovon der ultrarechte Pinochet-Bewunderer und Pr&auml;sidentschafts-Bewerber Jos&eacute; Antonio Kast profitierte und zum <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=WIpVXHcaYEk\">Frontalangriff auf Boric<\/a> &uuml;berging, den er &ouml;ffentlich des Drogen-Konsums anprangerte.<\/p><p><strong>Kurzes Intermezzo: die Achse Vox mit Chiles Rechtsradikalen<\/strong><\/p><p>Kast, das sollte man wissen, ist einer der wenigen chilenischen Signatare der &bdquo;Madrider Charta&ldquo; und unterh&auml;lt engste Kontakte zu Abascal und Vox. Seit 2019 betreiben beide Parteif&uuml;hrer intensiven pers&ouml;nlichen und Twitter-Verkehr. &bdquo;Aus Chile, beste Gr&uuml;&szlig;e an @Santi_ABASCAL und die ganze Familie von @Vox_es bei den Wahlen an diesem Sonntag in Spanien. M&ouml;ge es ein gro&szlig;er Triumph f&uuml;r die Rechte ohne Komplexe sein!&ldquo;, <a href=\"https:\/\/twitter.com\/joseantoniokast\/status\/1121894105011847168\">twitterte Kast<\/a> am Vorabend der Wahlen vom April 2019, bei denen Vox 15 Prozent der Stimmen erzielte und mit 52 Sitzen als drittst&auml;rkste Fraktion in das spanische Parlament einzog.<\/p><p>Genau zwei Monate sp&auml;ter traf sich Kast mit Abascal in Spanien. Mit medienwirksamem L&auml;cheln, Umarmungen und H&auml;ndedruck <a href=\"https:\/\/www.voxespana.es\/noticias\/vox-y-jose-antonio-kast-del-partido-republicano-chileno-se-reunen-en-madrid-20190624\">beschworen beide Rechtsradikale<\/a> &bdquo;die Notwendigkeit, die Hegemonie der Linken in Kultur, Bildung oder Rechtsstaatlichkeit einzud&auml;mmen, &hellip;. den kulturellen Marxismus zu stoppen oder gemeinsame Werte zwischen Bruderl&auml;ndern wie Spanien und Chile zu verteidigen&ldquo;. Doch drei Monate zuvor, im M&auml;rz 2019, hatte Vox bereits Javier Garc&iacute;a, Mitglied des politischen Ausschusses, als Emiss&auml;r <a href=\"https:\/\/es.ara.cat\/internacional\/vox-alia-defensores-pinochet_1_2683237.html\">nach Chile entsandt<\/a>. Kast betonte bei der Gelegenheit, &bdquo;Vox steht f&uuml;r den Wandel in Spanien und wir teilen einige der Vorschl&auml;ge, die sie verteidigen. F&uuml;r uns ist es wichtig, ausl&auml;ndische Erfahrungen zu analysieren und zu sehen, wie wir sie in Chile anwenden k&ouml;nnen.&ldquo;<\/p><p>Indes nahmen an dem rund zweist&uuml;ndigen Treffen auch Abgeordnete des konservativsten Fl&uuml;gels der Regierungskoalition Sebasti&aacute;n Pi&ntilde;eras teil, der Garc&iacute;a einen Brief mit einem Gru&szlig;wort Abascals &uuml;berbrachte. Wer diese TeilnehmerInnen aus der Regierungskoalition waren, wurde damals nicht bekannt. Doch siehe da, zwei Jahre sp&auml;ter, im Oktober 2021, richtet sich Teresa Marinovic &ndash; Pinochet-Anh&auml;ngerin, Kast-Verb&uuml;ndete und Abgeordnete von Pi&ntilde;eras Partei in der seit Mai 2021 tagenden Verfassunggebenden Versammlung &ndash; erneut an Vox mit der <a href=\"https:\/\/www.eldiario.es\/internacional\/vox-cuela-asamblea-constituyente-chile_1_8390865.html\">Bitte um &bdquo;Beratung&ldquo;<\/a>. Diese leistete die Vox-Landesvorsitzende des Distrikts Madrid, Roc&iacute;o Monasterio.<\/p><p>Im Klartext: Abascals Vox ber&auml;t Chiles militante Pinochet-Anh&auml;nger, wie sie die Mehrheit der Demokraten und Linken in der Verfassunggebenden Versammlung torpedieren k&ouml;nnen. Dem durch rechtsradikale Provokationen konfliktbeladenen Konvent bleiben knappe neun Monate Zeit f&uuml;r die Ausarbeitung des neuen Grundgesetzes, das den neoliberalen durch einen Wohlfahrtsstaat ersetzen will. Doch Kast hat bereits gedroht: Sollte er gew&auml;hlt und im M&auml;rz 2022 als Pr&auml;sident vereidigt werden, k&ouml;nnte er &uuml;ber Nacht den Konvent aufl&ouml;sen und die seit 1988 in Kraft befindliche Pinochet-Verfassung weiter geltend machen.<\/p><p><strong>Vox &amp; &bdquo;Darth Vader&ldquo;: die AltRight-Szene und Steve Bannon als &bdquo;Ratgeber&ldquo;<\/strong><\/p><p>K&uuml;rzlich nahm der republikanische US-Senator Ted Cruz an einer von Vox veranstalteten Videokonferenz teil und lobte <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/commentisfree\/2021\/oct\/15\/us-republicans-european-far-right\">mit gl&uuml;henden Worten<\/a> die &bdquo;gemeinsamen Werte&ldquo; zwischen ihm und Abascal. Cruz geh&ouml;rt zum rechtsradikalen Lager der Republikaner, dass sich seit der Wahlniederlage Donald Trumps Ende 2020 um st&auml;rkere internationale Vernetzung beziehungsweise um die Wiederaufnahme bisher loser B&uuml;ndnisse bem&uuml;ht. Die Ultrarechten der USA verteilen sich als buntscheckige Falange innerhalb der Republikanischen Partei und in der militanten AltRight-Bewegung. Mit Gr&uuml;ndung der CPAC (Conservative Political Action Conference) Anfang des neuen Jahrtausends durch die American Conservative Union Foundation (ACUF) vernetzten sie sich zun&auml;chst mit den Evangelikalen der USA und anschlie&szlig;end mit den Ultrakonservativen Europas (V&iacute;ctor &Oacute;rbans Fidesz, &Ouml;sterreichs FP&Ouml;, Marine Le Pens Rassemblement National, Alexander Gaulands\/Alice Weidels AfD).<\/p><p>Eine Schl&uuml;sselrolle &uuml;bernahm indes Trumps ehemaliger Chef-Stratege Steve Bannon. Zwei Jahre zuvor, nachdem er sein Amt in der Regierung Trump verloren hatte, mietete der ehemalige Goldman-Sachs-Operator ein Schloss als rechtsradikale Kaderschmiede in Italien und startete die Vernetzung mit Italiens, Ungarns und Spaniens Ultras. Bannons Verbindungen zu Vox begannen am Vorabend der spanischen Wahlkampagne von 2019. Nachdem Bannon &ouml;ffentlich seine Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die Partei angek&uuml;ndigt hatte, bat Vox ihn um Rat bei dem, was er am besten beherrscht: politische Kommunikation in sogenannten alternativen Medien und sozialen Netzwerken &ndash; also eine Wahltechnik, die sowohl mit Big Data als auch mit Micro-Targeting (Algorithmen oder individualisierte W&auml;hlerwerbung durch Auswertung von demografischen Daten) arbeitet.<\/p><p>Daf&uuml;r reiste im April 2018 Rafael Bardaj&iacute;, Mitglied des Nationalen Exekutivkomitees von Vox, nach Washington, um Bannon sowie andere Mitglieder der US-Regierung zu treffen. In einer damaligen Erkl&auml;rung unterst&uuml;tzte Bannon die spanische Vox als &bdquo;eine Partei, die auf der Souver&auml;nit&auml;t und Identit&auml;t des spanischen Volkes basiert und bereit ist, seine Grenzen zu verteidigen&ldquo;. Bardaj&iacute; lie&szlig; sich feierlich mit Bannon <a href=\"https:\/\/www.lavanguardia.com\/politica\/20180411\/442453775464\/bannon-trump-vox-propaganda-separatista-espana.html#_blank\">f&uuml;r die Medien ablichten<\/a>. Anschlie&szlig;end reiste Iv&aacute;n Espinosa de los Monteros, stellvertretender Sekret&auml;r f&uuml;r internationale Beziehungen von Vox, in die USA. Ziel der Reise war die <a href=\"https:\/\/www.elmundo.es\/espana\/2019\/03\/04\/5c7c4459fc6c839d508b45ef.html\">Vernetzung mit der rechtsradikalen Latino- und Hispano-Szene<\/a> Washingtons, New Yorks und Miamis, und dann der &bdquo;Rundgang mit dem Hut&ldquo;, also der Spendenaufruf unter den in den USA lebenden spanischen Million&auml;ren.<\/p><p><strong>Zweites Intermezzo: Steve Bannon hilft Bolsonaro zum Wahlsieg<\/strong><\/p><p>In jenen Tagen, zwei Monate vor der ersten Wahlrunde der Pr&auml;sidentschaftskampagne in Brasilien, traf Bolsonaros Sohn Eduardo Anfang August 2018 in den USA zu einer Beratung mit Bannon ein. Einzelheiten des in New York stattgefundenen Gespr&auml;chs wurden selbstverst&auml;ndlich nicht bekannt, jedoch konnte Bolsonaros Sohn sich weder Eitelkeit noch Verplapperer verkneifen, als er in den Medien verbreitete, Bannon habe <a href=\"https:\/\/oglobo.globo.com\/epoca\/filho-de-bolsonaro-diz-que-marqueteiro-de-trump-vai-ajudar-seu-pai-22963441\">praktische Hilfe f&uuml;r Bolsonaros Wahlkampagne<\/a> versprochen. Der Ex-Trump-Stratege bestritt, Jair Bolsonaros Wahlkampf unterst&uuml;tzt zu haben, obwohl er immerhin eine Art &bdquo;informelle Beratung der Familie&ldquo; nicht verheimlichte. Sodann &uuml;bernahm Eduardos Bruder, Stadtrat Carlos Bolsonaro, mit landesweiter Rekrutierung von Bloggern und Hackern den Aufbau des sogenannten &bdquo;Hasskabinetts&ldquo; als digitales Unterst&uuml;tzungsnetzwerk f&uuml;r die Internetkampagne seines Vaters.<\/p><p>Es war die abscheulichste Kampagne aller Zeiten. Unter anderem <a href=\"https:\/\/www.boatos.org\/opiniao\/kit-gay-boneca-trans-e-mamadeira-de-piroca-por-que-as-fake-news-sobre-sexualidade-arrebatam-e-enganam-tantas-pessoas.html#_blank\">verbreiteten Bolsonaros Hassprediger<\/a>, sein Rivale der Arbeiterpartei (PT), Fernando Haddad, habe als ehemaliger Bildungsminister der Regierung Lula (2003-2010) Lehrb&uuml;cher f&uuml;r den Sexualkunde-Unterricht herstellen lassen, in denen Kinder zum Fellatio durch Babyflaschen mit Saugkappen im Format des m&auml;nnlichen Geschlechtsorgans sowie zur Homosexualit&auml;t angestiftet worden seien. Fake News wie diese wurden millionenfach per WhatsApp, Telegram und Facebook unter ein Publikum &ndash; vor allem Evangelikale &ndash; verbreitet, das keine Zeitung liest und glaubt, der gesamte Medienbetrieb sei &bdquo;kommunistisch unterwandert&ldquo;.<\/p><p>Seit Mitte 2019 laufen die ein ganzes Jahr unterbrochenen, jedoch 2021 wieder aufgenommenen <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/portuguese\/brasil-58095228#_blank\">Fake-News-Ermittlungen der Justiz<\/a>, die sich im Obersten Gerichtshof (STF) auch auf Bolsonaro ausdehnen. Gegen mindestens ein Dutzend Mitglieder des &bdquo;Hasskabinetts&ldquo;, das sein B&uuml;ro im Pr&auml;sidentenpalast in Brasilia hatte, wurden Anklagen und Festnahmen verordnet, darunter Haftbefehle mit Auslieferungsantrag gegen zwei in die USA Gefl&uuml;chtete. Dem ehemaligen Kommissar der Bundespolizei und rechtsradikalen Abgeordneten Fernando Francischini wurde gar das Mandat entzogen.<\/p><p>&bdquo;Finsternis ist gut&ldquo;, sagte einst Bannon mit zynischem Unterton und setzte noch einen drauf: &bdquo;Dick Cheney, Darth Vader, Satan. Das ist Macht&ldquo;. Bannon fiel im August 2020 zwar in Ungnade, als ihm vorgeworfen wurde, 1 Million Dollar an Spenden f&uuml;r den Bau der Mauer an der Grenze zu Mexiko f&uuml;r pers&ouml;nliche Ausgaben entwendet zu haben. Doch seine Devise machte Schule. Im Oktober 2018 wurde Bolsonaro zum Pr&auml;sidenten Brasiliens gew&auml;hlt. Ein Jahr sp&auml;ter, im November 2019, erzielte die spanische Vox 15 Prozent der Stimmen und versprach die zerbrechliche spanische Demokratie zur H&ouml;lle zu machen, was ihr bisher gelang.<\/p><p><strong>Der AfD-Besuch bei Bolsonaro<\/strong><\/p><p>Zwischen der deutschen AfD und der spanischen Vox entwickelte sich seit dem Einzug Letzterer ins spanische Parlament ein reger Austausch. Die AfD feierte 2019 den Wahlerfolg von <a href=\"https:\/\/www.lavanguardia.com\/politica\/20191111\/471522462775\/ultraderechista-alemana-afd-felicita-a-vox-y-alude-a-paralelismos-entre-ambas.html\">Vox mit dem Verweis<\/a>, es best&uuml;nden &bdquo;gro&szlig;e Parallelen&ldquo; zwischen den beiden Parteien, etwa im &bdquo;Kampf gegen Kriminalit&auml;t und Terrorismus&ldquo; (sic!), Multikulturalismus, &bdquo;Gender-Ideologie&ldquo; und eine &bdquo;immer aggressivere EU&ldquo;. Ferner begr&uuml;&szlig;ten die deutschen Rechtsradikalen &bdquo;den effektiven Schutz der spanischen Grenzen (die zum gr&ouml;&szlig;ten Teil auch Schengen-Au&szlig;engrenzen sind) durch Vox sowie ihren Kampf f&uuml;r das Recht auf Leben, Familie&ldquo; usw.<\/p><p>Ebenso wie Vox holte sich auch die AfD Steve Bannon als &bdquo;Berater&ldquo; an Bord, als dieser 2019 auf Europa-Tour ging und nach der Europawahl mit kriegsl&uuml;sternen Worten &ndash; &bdquo;jeder Tag in Br&uuml;ssel (wird) Stalingrad sein&ldquo; &ndash; der EU den Kampf ansagte. Zun&auml;chst traf Bannon in Weimar den AfD-Spitzenkandidaten J&ouml;rg Meuthen, sodann lud die AfD ihn mit unzul&auml;ssiger Umgehung des zust&auml;ndigen Ausschusses zur &bdquo;1. Konferenz der freien Medien&ldquo; (sic!) in den Bundestag ein. Was die AfD aber von Bannon erwartete, war ein Vortrag zum Thema &bdquo;Erfolgreich Kampagnen f&uuml;hren&ldquo;. Der Berliner <em>Tagesspiegel<\/em> betitelte einen ausf&uuml;hrlichen Bericht &uuml;ber das Treffen mit den Worten <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/steve-bannon-auf-deutschland-tour-ein-rechtes-netzwerk-gegen-das-vereinigte-europa\/24352374.html#_blank\">&bdquo;Steve Bannon auf Deutschland-Tour: Ein rechtes Netzwerk gegen das vereinigte Europa&ldquo;<\/a>.<\/p><p>Bannons Hybris l&ouml;ste sich in Luft auf, doch seine &bdquo;Beratung&ldquo; intensivierte die weltweite Vernetzung und zeigte Wirkung: Nie zuvor wurden in der politischen Debatte mit der Nutzung sozialer Netzwerke und deren Ausstrahlung auf konservative Medien auf niedertr&auml;chtigstem Niveau so viel <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/australia-news\/2019\/dec\/06\/inside-the-hate-factory-how-facebook-fuels-far-right-profit#_blank\">Hass und L&uuml;gen verbreitet<\/a>. Beispielhaft daf&uuml;r sind die j&uuml;ngsten Auftritte deutscher Rechtsradikaler in Brasilien.<\/p><p>Zun&auml;chst ging dort die AfD-Vizepr&auml;sidentin Ende Juli 2021 an Land. <a href=\"https:\/\/www.stern.de\/politik\/ausland\/braungebrannt-bei-bolsonaro--beatrix-von-storch-bei-brasiliens-praesidenten--30632426.html\">&bdquo;Braungebrannt bei Bolsonaro&ldquo;<\/a>, spottete das Wochenmagazin Stern. Der Titel des Kurzberichts kr&ouml;nte &uuml;ber einem Foto, auf dem der ehemalige brasilianische Fallschirmj&auml;ger mit aufgesetztem, freudestrahlendem Grinsen das Ehepaar von Storch in seinen Armen h&auml;lt. Die von Sven von Storch herausgegebene rechtsradikale Postille Freie Welt feierte die Begegnung: <a href=\"https:\/\/www.freiewelt.net\/nachricht\/beatrix-von-storch-besucht-praesident-jair-bolsonaro-10085739\/#_blank\">&bdquo;Beatrix von Storch besucht Pr&auml;sident Jair Bolsonaro&ldquo;<\/a>. Wie Kast ist auch <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42576\">von Storch ein Deutsch-Chilene<\/a>, der die AfD-Politikerin, geborene Herzogin von Oldenburg, heiratete. Brasilianische Medien hielten die famili&auml;re Pointe f&uuml;r denkw&uuml;rdig, dass Beatrix von Storchs Gro&szlig;vater, Johann Ludwig &bdquo;Lutz&ldquo; Graf Schwerin von Krosigk, in den 1930er Jahren als <a href=\"https:\/\/cultura.uol.com.br\/noticias\/32662_beatrix-von-storch-deputada-alema-e-neta-de-ministro-de-hitler-posta-foto-com-bolsonaro.html#_blank\">Hitlers Reichsminister der Finanzen<\/a> amtierte.<\/p><p>Sven von Storch stammt ebenfalls aus norddeutschem, jedoch nach Chile gefl&uuml;chtetem Adel und widmete sich nach der Verm&auml;hlung mit der Herzogin dem Aufbau einer der erstaunlichsten Datenbanken der rechtsradikalen Szene, wozu die Propaganda-Gazette Freie Welt geh&ouml;rt. Ihre &Uuml;berschrift erkl&auml;rte den Besuchszweck der von Storchs beim Bolsonaro-Clan: &bdquo;St&auml;rkere Vernetzung der konservativen Kr&auml;fte auf internationaler Ebene&ldquo;. Der Besuch &ndash; nicht nur Jair Bolsonaros, sondern seines Sohnes Eduardo, als Strippenzieher internationaler Vernetzungen, und der rechtsradikalen Abgeordneten Bia Kicis &ndash; l&ouml;ste in Brasilien harsche Kritik aus. Gleisi Hoffmann, Vorsitzende der Arbeiterpartei (PT), hatte auf Twitter <a href=\"https:\/\/twitter.com\/gleisi\/status\/1418565624868057098\">protestiert<\/a>, das Treffen &bdquo;mit einer nationalsozialistischen deutschen Parlamentarierin ist erb&auml;rmlich&ldquo;. Die von Storchs und Bolsonaros h&auml;tten vieles gemein: &bdquo;Fremdenfeindlichkeit, Hassrede und antidemokratische Haltung. Wir k&ouml;nnen nicht zulassen, dass diese Art von Politik hier Fu&szlig; fasst&ldquo;.<\/p><p>Die progressive brasilianische Bewegung &bdquo;Juden f&uuml;r die Demokratie&ldquo; warnte vor &bdquo;der Belastung der kollektiven Erinnerung an den Holocaust in Brasilien und f&uuml;r unsere eigene Demokratie&ldquo;. Worauf die von Storchs in der <em>Freien Welt<\/em> <a href=\"https:\/\/www.freiewelt.net\/nachricht\/beatrix-von-storch-trifft-eduardo-bolsonaro-in-brasilien-10085732\/\">mit blankem Hass reagierten<\/a>: &bdquo;Die PT hat ihre Wurzeln in der marxistischen Guerilla und regierte Brasilien 2011-2016 unter Pr&auml;sidentin Dilma Rousseff, die 2016 wegen Korruption ihres Amtes enthoben wurde&ldquo;. Der zweizeilige Absatz verbreitete zugleich zwei freche L&uuml;gen: Weder hat die PT ihre Wurzeln in der &bdquo;marxistischen Guerilla&ldquo;, sondern in der Gewerkschaftsbewegung und den katholischen Basisgemeinden der 1980er Jahre, noch wurde Pr&auml;sidentin Dilma Rousseff wegen Korruption, sondern mit einer gerichtlich erwiesenen falschen Anklage wegen angeblicher Etat&uuml;berziehung ihres Amtes enthoben und Jahre sp&auml;ter von dem Vorwurf freigesprochen.<\/p><p>Indes hat die Brasilien-Vernetzung der AfD unter anderem damit zu tun, dass seit dem Abtritt Donald Trumps dem Bolsonaro-Regime eine f&uuml;hrende Stellvertreter-Rolle im Kampf der rechtsradikalen Szene gegen die Abtreibung und in der Genderfrage zugesprochen wurde. Dies best&auml;tigte <a href=\"https:\/\/noticias.uol.com.br\/colunas\/jamil-chade\/2021\/01\/29\/itamaraty-assumira-papel-de-trump-em-agenda-ultraconservadora-revela-email.htm#_blank\">eine E-Mail Valerie Hubers<\/a>, die w&auml;hrend der Administration Trump im Wei&szlig;en Haus unter dem Deckmantel der &bdquo;weiblichen Gesundheitsf&uuml;rsorge&ldquo; den weltweiten Kampf der Rechtsradikalen gegen die Abtreibung mitbestimmte, der auch vehement von der AfD mit den Worten &bdquo;wir sind durch die Ideale der Verteidigung der Familie, des Schutzes der Grenzen und der nationalen Kultur geeint&ldquo;, gef&uuml;hrt wird.<\/p><p>Mit &uuml;bersch&auml;umendem Hass und unter Verbreitung falscher Tatsachen schloss sich die Brasilien-&bdquo;Berichterstattung&ldquo; der <em>Freien Welt<\/em> dem Frontalangriff des Bolsonaro-Regimes gegen die brasilianische Justiz an; eine Attacke, die vor L&auml;cherlichem nicht zur&uuml;ckschreckt. Mit der Schlagzeile <a href=\"https:\/\/www.freiewelt.net\/nachricht\/brasilien-linker-richter-laesst-trump-berater-miller-verhaften-10086226\/#_blank\">&bdquo;Brasilien: Linker Richter l&auml;sst Trump-Berater Miller verhaften&ldquo;<\/a> schrieben die von Storchs Anfang vergangenen September: &bdquo;Die <em>linke Stasi-Diktatur<\/em> (sic!) greift auf der ganzen Welt um sich: Nach der erfolgreichen konservativen Messe CPAC Brazil wurde Trump-Berater und GETTR-Begr&uuml;nder Jason Miller von einem Anti-Bolsonaro Richter am Flughafen von Brasilia in Haft genommen und 3 Stunden lang verh&ouml;rt&ldquo;.<\/p><p>Der betroffene US-AltRight bezeichnete die Festnahme umgekehrt als &bdquo;Nazi-Methode&ldquo;, doch gemeint ist der Hohe Richter Alexandre de Moraes, der seit Monaten im Obersten Gerichtshof (STF) als Berichterstatter der Polizei-Ermittlungen &uuml;ber die Verbrechen von Bolsonaros &bdquo;Hasskabinett&ldquo; amtiert, Internet-Auftritte und Finanzierungsquellen rechtsradikaler Blogger blockierte und die Auslieferung fl&uuml;chtiger Delinquenten, wie des sich in die USA abgesetzten Allan dos Santos, in die Wege leitete. Dos Santos, so viel ist bekannt, agierte unter Anleitung der Bolsonaro-S&ouml;hne Eduardo und Carlos, die wiederum als Akteure der Steve-Bannon-Gang bekannt sind, zu der auch Jason Miller geh&ouml;rt, der Trumps neues Netz- und Hetzwerk GETTR koordiniert. Richter Moraes interessierte sich zu Recht f&uuml;r Details dieser Hintergr&uuml;nde und ordnete ein Polizeiverh&ouml;r Millers an. Die Beschimpfung Moraes&lsquo; als &bdquo;linken Richter&ldquo; einer &bdquo;Stasi-Diktatur&ldquo; offenbart die haneb&uuml;chenen Entgleisungen der weltweiten rechtsradikalen Szene, ein Mix von geistiger Umnachtung, systematischer L&uuml;ge und Provokation.<\/p><p>Ein kurzer R&uuml;ckblick auf Richter Moraes&lsquo; Karriere reicht aus, um das Bolsonaro\/AfD-Hirngespinst zu entlarven. Nicht nur <a href=\"https:\/\/www.conjur.com.br\/2018-dez-10\/moraes-rejeita-tres-mandados-seguranca-dilma-rousseff#_blank\">weigerte sich der rechtsliberale Richter dreimal<\/a> im Jahr 2018, Einspr&uuml;chen der gest&uuml;rzten Ex-Pr&auml;sidentin Dilma Rousseff gegen ihre Absetzung nachzugeben, sondern <a href=\"https:\/\/noticias.r7.com\/brasil\/alexandre-de-moraes-vota-a-favor-da-prisao-de-lula-em-segunda-instancia-04042018#_blank\">bef&uuml;rwortete auch energisch<\/a> im STF die erst 2021 vom gleichen Hohen Gericht als illegal bezeichnete Verhaftung von Ex-Pr&auml;sident Luis In&aacute;cio Lula da Silva. Mutierte nun Moraes vom rechten ins &bdquo;linke Lager&ldquo;? Keineswegs. Mit etwa der H&auml;lfte der 11 Hohen Richter des STF verk&ouml;rpert Moraes allerdings die letzte Bastion der legalistischen, demokratisch ausgerichteten Konservativen gegen die Vorherrschaft und Willk&uuml;r des faschistischen Bolsonaro-Regimes. Doch siehe da! Angezogen von der Festnahme Millers, <a href=\"https:\/\/www.freiewelt.net\/nachricht\/beatrix-von-storch-trifft-jason-miller-im-bundestag-10086724#_blank\">empfing Mitte vergangenen Oktober Beatrix von Storch<\/a> den Trump- und Bannon-Vertrauten und US-AltRight im Bundestag. Wieder lautete das Codewort &bdquo;Konservative Kr&auml;fte weltweit vernetzen&ldquo;.<\/p><p>Titelbild: Aitor Serra Martin\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit der Gr&uuml;ndung des <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=EWYAEF0hB6c\">&bdquo;Forums von Madrid&ldquo;<\/a> und der Unterzeichnung einer sogenannten &bdquo;Madrider Charta&ldquo; im Oktober 2020 begann in Spanien eine von der einheimischen Vox-Partei eingeleitete politische Offensive rechtsradikaler Parteien und faschistischer Politiker in Richtung Lateinamerika. 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